Gewitterfront (Circus HalliGalli - Joko/Klaas)

Gewitterfront (Circus HalliGalli - Joko/Klaas)

Beitragvon Ria » 25. Jun 2016, 14:49

Fandom: Circus HalliGalli
Pairing: Joko/Klaas
Rating: P18 Slash
Disclaimer: Joko und Klaas gehören sich selbst ect

Prompts:

Songzitate: Bist du nur 5 Minuten Mal weg, ist es wie 10 Jahre Knast für mich (Mark Forster - Flash mich)

Tageszeit: Vormittag

Setting: Eishalle

Gegenstand: Plüschtier

Tätigkeit: malen/zeichnen

Emotion: Eifersucht


Viel Spaß beim Lesen :-D

ooOoo

Joko gähnte, schob sich die Brille höher auf die Nase und scrollte sich unaufmerksam durch seine Timeline auf Twitter. Es war zwar erst später Vormittag, aber er war dennoch hundemüde. Und das war ganz klar Klaas' Schuld. Der hatte ihn vorhin fix und fertig gemacht. Träge fragte er sich, wie er sich gleich aufraffen sollte, um Die große Pro7 Eiskunstlauf-Meisterschaft zu moderieren. War nichts anderes als deren Version von Stars on Ice, hatte nur einen wesentlich blöderen Namen. Noch dazu fand Joko den Job unpassend für Klaas und sich. Aber was tat man nicht alles, für Geld – und um Vertragsbedingungen zu erfüllen.

Nebenan im Bad hörte er ein lautes Fluchen und legte das Handy beiseite, als die Tür gegen die Wand knallte und Klaas plötzlich halbnackt vor dem Bett stand.

„Verdammte Scheiße, Joko, du hast es schon wieder gemacht!“

„Was denn? Ich lieg' hier nur ganz friedlich rum und warte, dass du...“, setzte Joko an und unterdrückte ein Grinsen, als er Klaas betrachtete, der nur ein Handtuch um die Hüften geschlungen hatte und sich wütend durch die feuchten Haare fuhr – ein Anblick, der Joko durchaus gefiel.

„Ja, am Arsch! Brauchst gar nicht so unschuldig tun!“ Klaas deutete ruckartig auf eine Stelle knapp über seinem Schlüsselbein, die stark gerötet war. „Wir haben darüber gesprochen, Joko! Mehrmals! Wir sind keine verfluchten Teenager mehr!“

Joko presste die Lippen zusammen und versuchte, ganz überrascht und auch ein bisschen verlegen zu tun.

„Oh, sorry, das... du, das wollte ich echt nicht... hab ich auch gar nicht gemerkt da im Eifer des Gefechts.“

„Verarsch' mich nicht, Winterscheidt“, fauchte Klaas und Joko lachte ertappt, weil leugnen ohnehin zwecklos war. Klaas kannte ihn zu gut. Und Joko hatte es schon zu oft gemacht.

Er mochte es, Klaas auf diese Weise zu zeichnen. Klaas dagegen konnte es absolut nicht ab. Hauptsächlich deswegen, weil er es war, der den Spott dafür einstecken durfte, wenn irgendwer die verräterischen Male entdeckte.

„Ok, tut mir leid, kommt nicht wieder vor“, log Joko gutgelaunt und duckte sich, als Klaas das Handtuch nach ihm warf und vor sich hinmotzend ins Bad zurückging.

Joko machte den Hals lang, um einen kurzen Blick auf Klaas' nackten Hintern zu erhaschen und schwang dann die Beine aus dem Bett, um ihm zu folgen. Er musste ohnehin duschen. Und nebenher konnte er sicherstellen, dass Klaas nicht wirklich wütend auf ihn war.

„Jetzt sei nicht sauer, war'n Unfall. Sozusagen“, grinste er und trat hinter Klaas, der vor dem Spiegel stand und ihn ignorierte, als Joko leichte Küsse auf seinem Nacken verteilte. „Ich tu's erst wieder, wenn der da weg ist – großes Ehrenwort.“

Klaas sah Joko streng durch den Spiegel hinweg an. „Ich mein das ernst: mach mir nicht ständig irgendwelche Knutschflecke, Joko.“

„Ja, ja...“ murmelte Joko seufzend und küsste auch sein neuestes Werk, während er sich an Klaas drängte. Joko ließ seine Hände über Klaas' Seiten tiefer gleiten – bis sich warme Finger mit seinen verschränkten und Klaas den Kopf schüttelte.

„Für solche Scherze haben wir keine Zeit, Joko. Wir müssen in einer Stunde am Olympiapark sein.“

„Ich brauch keine Stunde“, murmelte Joko, ließ seine Zunge über Klaas' Nacken tanzen und grinste, als er die Gänsehaut sah, die sich auf der hellen Haut ausbreitete; er biss sacht hinein und entlockte Klaas ein leises Keuchen.

Doch anstatt sich an ihn zu schmiegen und Joko mal machen zu lassen, hieb Klaas ihm den Ellenbogen so fest in die Rippen, dass Joko glatt die Luft weg blieb.

„Sprech' ich klingonisch oder was? Finger weg und ab unter die Dusche! Sex gab's heute schon. Also gib' hier mal nicht so an und tu' so, als könntest schon wieder.“

Joko schnaubte nur und zeigte schweigend auf seine Erektion. Und wenn er sich nicht sehr täuschte, dann hatte Klaas das gerade eben auch nicht kalt gelassen, da konnte er jetzt noch so demonstrativ die Augen verdrehen.

„Geh trotzdem duschen, du Hengst. Am besten kalt.“

„Du kannst so ein Arschloch sein“, stellte Joko kopfschüttelnd fest und schob sich an Klaas vorbei in die Dusche.

„Ja, muss ich ja sein, wenn ich nicht für ein bisschen Fummelei unseren guten Ruf auf's Spiel setzen will!“

„Was du wieder für nen Aufstand machst, Ich wollte da jetzt nicht direkt erzählen, dass wir vorher noch kurz gevögelt haben, falls wir zu spät kommen sollten!“ Joko hob besserwisserisch den Zeigefinger und sah Klaas durch die gläserne Duschwand hinweg an, als er mit der anderen Hand den Wasserstrahl aufdrehte. „Was ich ja gar nicht vorhatte. Aber gut, hab ich halt alleine meinen Spaß. Selber Schuld!“

Klaas verdrehte noch einmal mit einem Kopfschütteln die Augen und wollte sich gerade abwenden, als Joko sich grinsend zwischen die Beine griff und seine – inzwischen doch arg geschrumpfte – Erektion umfasste. Klaas' Augen wurden ganz groß, als er Joko anstarrte.

Joko lächelte wissend und massierte sich selbst, während er Klaas ansah. Der schluckte und so tief einatmete, dass sich seine Nasenflügel blähten. Das warme Wasser prasselte auf Joko herab und er lachte, leise und ein bisschen heiser und atemlos, als er sich an der gläsernen Duschwand abstützte. Er zwinkerte Klaas zu und presste seinen Daumen mit einem leisen Stöhnen auf seine Eichel. Heiß durchfuhr es ihn, als Klaas sich die Lippen leckte.

Joko wusste, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis Klaas zu ihm in die Dusche kommen würde – und schon beim Gedanken daran, was dann passieren würde, keuchte er und wurde in seiner Hand noch härter. Klaas starrte noch immer wie hypnotisiert und Joko verstärkte seine Bemühungen. Er ließ Klaas nicht aus den Augen, der unsicher einen Schritt nach vorn machte, in die absolut richtige Richtung und...

Und dann den Wasserhahn aufdrehte und lachte, als Joko laut fluchend dem eiskalten Wasserstrahl ausweichen wollte, in den seine warme Dusche sich verwandelt hatte.

„Du bist so ein Wichser!“, fauchte Joko frustriert, als er Klaas nur noch lauter lachen hörte und das Wasser wieder warm wurde, weil Klaas das Waschbecken nicht länger in Betrieb nahm.

„Mach hin und fummel nicht so lange an dir selbst rum, wir haben Termine!“

Joko schimpfte noch ein bisschen, als Klaas gut gelaunt das Bad verließ, schaute frustriert an sich herunter; da war nichts mehr zu machen. Er griff nach dem Duschgel und verzichtete darauf, sich doch noch einen runterzuholen. Eins musste man Klaas lassen: wenn er einem Bock auf Sex austreiben wollte, dann tat er es gründlich.

ooOoo

Die Vorbereitungen zur Show waren hektisch wie immer. Die Texte musste durchgegangen werden, Musik, Licht, Effekte, alles musste passen, alles musste getestet werden. Joko ließ die Betriebsamkeit relativ kalt. Klaas und er waren mit den Proben soweit durch und es war gut gelaufen. Seine größte Sorge war ohnehin, dass er auf den Schlittschuhen furchtbar auf die Schnauze fallen und sich alle Knochen brechen würde.

Doch noch war Zeit. Er hockte auf einem der Zuschauerstühle auf der Tribüne, das Handy in der einen Hand, eine Flasche Wasser in der anderen und tippte eine Nachricht an seine Schwester. Er trank einen Schluck Wasser, schickte die Nachricht ab und reckte den Hals, um Klaas ausfindig zu machen, der weiter unten auf der Tribüne stand, das Handy am Ohr und konzentriert lauschte, nickte, redete, wieder lauschte.

Joko beugte sich vor, Arme auf den Knien abgestützt und betrachtete Klaas, der jetzt lachte. Joko hörte es und grinste unwillkürlich mit. Er liebte Klaas' Lachen, und vor allem dieses glucksende Geräusch, das er manchmal dabei machte. Wie er dabei die Augen zukniff, wie er sich dann vorbeugte und blinzelte. So wie jetzt. Joko nahm noch immer grinsend einen weiteren Schluck Wasser und nickte Klaas zu, als der nach oben zu ihm blickte und kurz die Hand hob. Wieder lachte Klaas, dann redete er und Joko war völlig zufrieden damit, hier zu sitzen und ihn einfach nur anzusehen.

Ein paar Monate war es jetzt her, als sie hier im Olympiapark am Turmspringen teilgenommen hatten. Joko musste an den Streit, die Missverständnisse denken, die damals zwischen ihnen gestanden hatten wie eine Mauer. Und er musste an ihr Gespräch oben auf dem Zehner denken. Joko wusste bis heute nicht, wie er das ohne Herzinfarkt hinbekommen hatte, dort hinunter zu springen. Aber damals war er so voller Endorphin und Adrenalin gewesen, dass er es, ohne darüber nachzudenken, getan hatte.

Danach hatten sie nur noch ungeduldig das Ende der Show abgewartet und alle penetranten Fragen ignoriert, was sie da oben getrieben hatten. Aftershow-Party war für sie direkt ausgefallen. Sie hatten es danach nicht mal mehr bis ins Taxi, geschweige denn bis ins Hotel geschafft. Dafür kannte Joko jetzt eine dunkle, von Büschen geschützte Ecke des Parks ziemlich gut. Sie waren so gierig aufeinander gewesen, so ausgehungert nach der Nähe des anderen, dass ihnen aufgeschürfte Knie und Grasflecken auf den Klamotten völlig gleichgültig gewesen waren. Joko erinnerte sich und biss sich auf die Lippen, um das verliebte Lächeln wenigstens ein wenig zu dämpfen, als eine junge Assistentin neben ihn trat und ihm mitteilte, dass er gleich in die Maske müsste. Joko nickte, trank sein Wasser aus und verschloss die Flasche, bevor er aufstand und die Hand hob, um Klaas auf sich aufmerksam zu machen.

Klaas telefonierte noch immer, nickte aber und schlenderte ein paar Reihen unter Joko parallel mit ihm auf die breite Treppe zu, die die Tribünen teilte und nach unten führte. Die Assistentin ging vor Joko her, zählte auf, welche Gaststars schon eingetroffen waren und tippte auf ihrem Klemmbrett herum, als sie die Interviews erwähnte, die Joko und Klaas vorher zu führen hatten. Nicht mit allen Teilnehmern, aber mit dem ein oder anderen. Sido war dabei und Palina. Wobei Joko sich fragte, was Sido schon wieder geraucht hatte, als er zu dem Tanz hier ja gesagt hatte. Soweit Joko wusste, hatte der nie irgendeinen Knebelvertrag unterschrieben. Er sprang neben der jungen Frau, die sich als Anna vorgestellt hatte, die Treppen hinunter und kam vor Klaas zum Stehen, der das Handy in die Hosentasche steckte und Anna mit einem freundlichen Nicken begrüßte.

„Wird Zeit zu arbeiten?“

„Erst schön machen“, korrigierte Joko. „Dauert bei dir aber länger als bei mir, deswegen lass ich dir den Vortritt.“

„Liebenswert wie immer, Winterscheidt“, spottete Klaas und ging vor Joko her, bis sie den Bereich unter den Tribünen erreicht hatten, wo die Umkleiden lagen. Anna verabschiedete sich, erinnerte noch einmal an die Interviews in einer halben Stunde und verschwand in einem der Seitengänge, die vom Hauptgang abzweigten. Kein schräger Blick, nicht einmal eine Frage in den Augen hatte sie gehabt und Joko dankte ihr still für die Professionalität – oder für den schlichten Mangel an Neugierde.

Das Interesse an ihrer Beziehung hatte zwar ein wenig nachgelassen, war aber immer noch ein viel zu großes Thema, wenn man Joko fragte und so langsam konnte er es nicht mehr hören. Er hatte die Schnauze voll von den Fragen, von den spöttischen Seitenhieben und von den Blicken. Diese Blicke, abwägend und neugierig und viel zu oft verurteilend, die kotzten ihn mittlerweile so sehr an, dass er nur noch Klaas auf Fragen antworten ließ, die ihre Beziehung tangierten. Klaas war wesentlich geschickter darin, auszuweichen und abzulenken. Oder einfach den Kommentar zu verweigern. Joko dagegen wurde nur verlegen und wenn es richtig schlecht lief, dann wurde er unhöflich.

„Soll dich von meiner Mutter grüßen“, brummte Klaas in die Stille hinein. „Hat gefragt, wie's so läuft und wann wir wieder vorbeischauen.“

„Was haste ihr gesagt?“, fragte Joko und stieß die Tür zu dem Raum auf, der als Maske gekennzeichnet war. Sie betraten eine der Umkleiden, die mit Tischen, Spiegeln und viel Licht umgestaltet worden war. „Wie wäre es mit dem übernächsten Wochenende? Ist'n langes, da könnten wir runterfahren.“

„Ja, hab ich auch schon dran gedacht, hab aber noch nicht fest zugesagt.“ Klaas warf sich nach der Begrüßung der Maskenbildnerin auf einen der hohen Stühle und lehnte sich zurück. Joko setzte sich daneben und genoss die kurze Pause, die ihnen noch blieb, bevor der Job richtig losging. Er schloss die Augen, als Make-up und Puder zum Einsatz kamen und grinste in sich hinein, als er an seine erste Begegnung nach dem Outing mit Klaas' Mutter zurückdachte. Klaas hatte immer nur gesagt, sie hätte es gut aufgenommen, sich aber nie dazu herabgelassen, Einzelheiten zu erzählen. Vermutlich, damit Joko sich vor dem ersten Aufeinandertreffen ordentlich in die Hosen machen konnte. Und das war gar nicht mal so abwegig gewesen. Joko hatte fürchterliche Magenschmerzen gehabt, als er das erste Mal als Klaas' Freund neben ihm vor dessen Elternhaus gestanden hatte.

Nervös war er gewesen und voller düsterer Vorahnung, wie es wohl laufen könnte. Seine Hände waren so feucht und kalt gewesen, dass er sie wieder und wieder an der dunklen Jeans abgewischt hatte. Doch dann war alles ganz leicht gewesen. Birgit hatte erst Klaas dann Joko in eine herzliche Umarmung geschlossen und gesagt, dass sie sich freue, sie zu sehen und war zum Alltäglichen übergegangen, als wäre alles wie immer. Als wäre da nichts dabei, dass ihr Sohn plötzlich mit einem anderen Mann vor der Tür stand. Klaas' Großmutter allerdings hatte Joko schweigend aus verengten Augen gemustert, bis er knallrot geworden war und kaum mehr den hervorragend Apfelkuchen hatte hinunterwürgen können, den Klaas' Mutter aufgetischt hatte. Doch dann hatte sie sich vorgebeugt und ihm verschwörerisch zugezwinkert.

„Ich hab die Doris eh nie leiden können. Du gefällst mir viel besser!“

Joko hatte geblinzelt, ein Danke gekrächzt und mit knallroten Wangen gegrinst. Und er hatte sich sehr viel besser gefühlt. Immerhin hätte Klaas' Familie auch anders reagieren können. Nicht, dass Joko mit Mistgabeln und Fackeln gerechnet hatte, aber er war froh über die schlichte Akzeptanz gewesen, die ihm entgegengeschlagen war. War froh, dass er in Klaas' Familie so willkommen war wie Klaas in der seinen. Zwar hatte Jokos Vater noch immer seine Probleme mit der Vorstellung, dass sein Sohn jetzt plötzlich mit einem anderen Mann liiert war, aber er war höflich genug, es nicht offen zu zeigen. Oder Klaas gar abzulehnen. Jokos Vater war schon immer ein wenig distanziert und steif gewesen und das wurde durch die Umstände nicht gerade verbessert. Aber es hätte wirklich schlimmer kommen können. Im Grunde war Joko-

„... hörst du mir eigentlich zu?“

„Mhm? Ja, ja klar hör' ich dir zu“, log Joko und blickte zu Klaas, der misstrauisch die Stirn krauste. „War nur in Gedanken, sorry. Ging um... um...“

„Das Interview mit Sido“, half Klaas ihm missbilligend auf die Sprünge.

„Ah ja stimmt, das führ' ich ne? Hab ich fertig, alles im Kopf.“ Joko grinste, doch Klaas sah ihn so streng an, dass Joko seufzend ein „Sorry“ murmelte und sich endlich auf die anstehende Show konzentrierte.

ooOoo

Die Interviews waren im Kasten, sie hatten mit einigen hartnäckigen Fans, die sich irgendwie in den abgesperrten Bereich geschlichen hatten, ein paar Fotos geschossen und Autogramme gegeben, die Klaas noch mit lustigen, kleinen Zeichnungen verschönert hatte. Klaas mochte es zu zeichnen, auch wenn er das ungefähr so gut konnte wie Joko singen. Hielt ihn aber nicht davon ab, ständig irgendwelche Unterlagen vollzukritzeln.

Jetzt standen sie mit Sido im Außenbereich der VIP-Lounge, weil die beiden vor der Show noch eine Zigarette rauchen wollten.

„Du, das ist aber nicht nur Tabak, das riecht so verdächtig“, neckte Joko Sido und deutete mit einem Kopfnicken auf dessen brennende Selbstgedrehte. „Nicht, dass du gleich nicht mehr auf den Schlittschuhen stehen kannst.“

„Ey Digger, das Zeug hier ist das Einzige, was mich auf den Dingern geradeaus laufen lässt!“

„Brech' dir dabei nur nicht die Knochen“, mahnte Joko grinsend und trank aus seiner Wasserflasche. Klaas hielt sich an Redbull, quatschte mit Sido über dessen neues Album. Joko hörte nur mit halben Ohr hin, scrollte sich durch ein paar Nachrichten, die er erhalten hatte und blinzelte überrascht, als sich plötzlich ein Arm um seinen Hals schlang. Er blickte auf, in lachende graue Augen, die seinen irritierend nah waren.

„Lange nicht gesehen, Wintimaus“, raunte Michi, bevor er Joko grinsend noch näher an sich heranzog. „Hab mir extra ne Karte besorgt, als ich hörte, du moderierst hier.“

Blinzelnd starrte Joko den anderen Mann an. Er brauchte einen Moment oder auch zwei, um wirklich zu verarbeiten, dass Michi vor ihm stand. Ihr ehemaliger Trainer für das Turmspringen. Joko runzelte die Stirn, bevor er sich lächelnd aus der Umarmung wand. Wie immer war Michi ein wenig zu körperlich; außerdem passte es Joko nicht, dass Michi Klaas komplett ignorierte. Nervös zu Klaas blickend, strich er sich die Haare aus der Stirn und grinste gezwungen.

„Äh, ja... Mensch, Michi... mit dir hätte ich hier ja gar nicht gerechnet“, stammelte Joko und warf Klaas noch einen schnellen Blick zu, der schweigend neben Sido stand, der die Szene gelassen beobachtete und dabei seine Selbstgedrehte rauchte. Wenigstens einer, der hier entspannt war. Klaas jedenfalls war es nicht. Er hatte die Schultern hochgezogen und nickte Michi nur zu, während er ihn mit Blicken zu erdolchen versuchte. Joko hatte ein wirklich mieses Déjà-vu Gefühl. Genauso war es immer gewesen, wenn die beiden aufeinander getroffen waren.

„Genau, mit dir hätten wir ja hier gar nicht gerechnet. Was für eine tolle Überraschung!“, rief da Klaas übertrieben euphorisch, trat vor und ergriff Michis Hand, um sie zu schütteln. „Was verschafft uns die Ehre?“

Joko unterdrückte ein belustigtes Schnauben, weil Klaas so offensichtlich log, dass es schon fast weh tat, ihm dabei zuzusehen. Aber Michi stieg nur zu bereitwillig auf dieses Spiel ein und lächelte ebenso unecht wie Klaas es tat und entzog ihm mit einem knappen Ruck seine Hand.

„Hab hier im Stadion übermorgen ein Springen und hab meine Beziehungen springen lassen, damit ich an Karten für diese Veranstaltung komme“, erklärte Michi süffisant. „Dachte, ich könnte Joko überreden, später mit mir noch was trinken zu gehen. Hat ja leider nach dem Turmspringen nie hingehauen, dass wir uns mal treffen.“ Michi verzog den Mund zu einem spöttischen Grinsen und sah auf Klaas herab - wortwörtlich. „Natürlich nur, wenn er darf.“

„Ja, is' ja erwachsen, der Joko ne?“, stellte Klaas gepresst fest und richtete sich zur vollen Größe auf. „Wüsste nicht, wer ihm das verbieten sollte.“

Michi öffnete den Mund, doch Joko sah, wie sich Klaas' Schultern immer mehr verspannten und mischte sich mit einem gespielt bedauernden Lächeln in das Gespräch ein:

„Sorry, aber saufen is' heute nicht. Unser Flieger geht morgen echt mitten in der Nacht. Müssen wir leider auf ein anderes Mal verschieben.“

Joko trank Wasser, bedauerte, dass es kein Wodka war und wünschte sich weit fort. Wie immer wenn Klaas auf Michi traf, hatte Joko das Gefühl in eine Gewitterfront geraten zu sein. Selbst Sido bemerkte anscheinend die Spannung, so wie er die beiden Kontrahenten betrachtete, während er sein, garantiert nicht medizinisch verordnetes, Marihuana in Rauch aufgehen ließ.

„Typisch Joko, immer so beschäftigt.“ Michi schlang schon wieder den Arm um Joko und drückte ihn an sich. „Aber diesmal kommst du mir nicht davon. Nach dem Turmspringen haben wir uns komplett aus den Augen verloren. Das muss dringend besser werden, diesmal bin ich hartnäckiger, Joko!“

Joko war bewusst, dass Michi Klaas provozieren wollte, der noch immer eisig lächelte, Redbull trank und vermutlich gerade überlegte, wo er Michis Leiche am besten verscharren könnte. Und weil Joko Klaas nicht nur privat, sondern auch beruflich brauchte und ihn nicht im Knast besuchen wollte, löste er sich schnell von Michi, stammelte eine lahme Ausrede und ließ Klaas nicht aus den Augen, der die Finger um seine Redbull-Dose krampfte.

Michi ließ sich von den Blicken nicht stören, erzählte Joko vom Training und dass er sogar noch Karten für die Aftershow-Party hatte ergattern können. Darüber freute Joko sich ja wirklich ganz besonders.

„Da wirst du ja wohl Zeit für ein Getränk haben“, raunte Michi und Joko seufzte ein resigniertes „Ja klar“, bevor er wieder zu Klaas sah, der Michi aus schmalen Augen fixierte und aus seiner Abneigung kein Geheimnis mehr machte. Klaas zuckte zusammen, als Sido ihn sacht anstieß und ihm mit einem wissenden Nicken den Joint unter die Nase hielt. Joko blinzelte, als Klaas ernsthaft darüber nachzudenken schien und öffnete schon den Mund, als Klaas Sidos Angebot mit einem Grinsen und einem „Muss leider noch arbeiten“ ablehnte.

Anna, die Assistentin, rettete Joko aus der unangenehmen Situation. Sie eilte auf Klaas und ihn zu und erklärte, dass die Show in zwanzig Minuten starten würde, bevor sie eilig weiterlief und einem der Techniker etwas zurief. Klaas sah Joko auffordernd an, der nur zu gern mit ihm verschwinden wollte. Am besten direkt zurück ins Hotel, weit weg von Michi.

Der lächelnd die Zähne zeigte, als er noch näher an Joko herantrat, der sich fühlte, als sei er unschuldig mitten in ein Kreuzfeuer geraten. Wieder tat Michi ganz vertraulich, als wäre Klaas gar nicht da. Dabei stand Klaas direkt neben ihnen und er war so wütend, dass seine Augen blaue Blitze in Michis Richtung abschossen. Michis Ton änderte sich plötzlich, war weicher, fast verschwörerisch:

„Denkst du eigentlich manchmal noch über unser Gespräch damals nach? In der Bar? Hast du deine Entscheidung tatsächlich nie bereut?“

„Nein, nie“, antwortete Joko ohne auch nur eine Sekunde darüber nachdenken zu müssen. Er hätte sich immer und jederzeit wieder für Klaas entschieden.

„Und den Kuss? Hast du den jemals bereut?“, fragte Michi lauernd.

Joko schnappte nach Luft, er sah zu Klaas, erkannte den schieren Unglauben in dessen Augen und blickte wieder zu Michi, spürte Wut und Hilflosigkeit und absolute Fassungslosigkeit, als der Kerl ihn angrinste und sich mit einem „Bis später an der Bar, Joko“ verabschiedete, bevor er einfach im Inneren der Eishalle verschwand.

Joko starrte ihm nach, ihm wurde plötzlich schwindelig. In seinem Kopf drehte sich alles. Er spürte Klaas neben sich und er glaubte die Wut fast mit Händen greifen zu können, die von ihm ausging, als Klaas sich zu ihm umdrehte und ihn ansah. Joko schluckte und hob instinktiv die Hände, um Klaas zu beruhigen. Verfluchter Michi! Joko wusste, dass Michi Klaas nerven wollte, allerdings hatte er diesmal auch ihn ziemlich in die Scheiße geritten. Er hatte Klaas von diesem einen, winzigen Kuss nämlich nie etwas erzählt.

„Da ist also nie irgendwas passiert, ja?“, fragte Klaas tödlich ruhig und Joko ließ seufzend die Schultern hängen.

„Hör' zu, ich kann's erklären.“

„Dann schieß' mal los. Ich halt's vor lauter Spannung kaum noch aus.“

Klaas' Augen waren schmal vor Ärger und Joko verfluchte sich selbst und Michi und eine Menge verpasster Gelegenheiten, Klaas von diesem dämlichen Kuss zu erzählen, als er sich leise räusperte und beschwichtigend lächelte.

„Jetzt guck mich nicht so an. Da war auch nichts. Sozusagen. Das war damals hier in München, der Abend vor dem Turmspringen, da war ich mit Michi doch noch was trinken. In dieser Bar, die...“

„Kurzfassung reicht, Winterscheidt“, unterbrach Klaas ihn unterkühlt und Joko strich sich seufzend die Haare aus der Stirn.

„Mann Klaas! Das war absolut gar nichts. Ich hätte es dir ja erzählt, aber irgendwie hat es sich nie ergeben. Und da war auch wirklich nichts dabei. Michi hat mich plötzlich geküsst, ich hab ihm gesagt, läuft nicht und alles war cool.“

„Ah ja, alles cool. Verstehe.“ Klaas holte zischend Luft und hatte garantiert noch ein wenig mehr zu sagen, als er einen Blick zu Sido warf, der noch immer neben ihnen stand und dem Gespräch interessiert folgte. Er nahm einen tiefen Zug und zuckte gelassen die Schultern.

„Ey, lasst euch von mir nicht stören. Ist ja geiler als in ner Soap hier!“ Er grinste und hielt ihnen noch einmal den Joint hin. „Sicher, dass ihr nicht wollt? Ihr seht aus, als könntet ihr's vertragen, Jungs.“

ooOoo

Die Minuten kurz vor Beginn der Show waren mehr als hektisch. Leute liefen hin und her, ein letzter Toncheck, ein letztes Mal abpudern, ein letzter Blick in die Moderationskarten. Es blieb keine Zeit für ein klärendes Gespräch. Auch wenn Joko das gar nicht gefiel, dass sie jetzt gleich raus vor die Kameras mussten und Klaas eindeutig wütend auf ihn war.

„Klaas, ich...“, raunte Joko, als sie nebeneinander vor dem Tor standen, das sich gleich für sie öffnen würde, wenn die professionellen Eisläufer ihre Eröffnungsperformance beendet hatten. Joko fühlte sich auf seinen Schlittschuhen ganz wackelig und stützte sich an der Wand ab. „Hör zu, ich...“

„Schlechter Zeitpunkt, Joko“, fiel Klaas ihm mit einem warnenden Blick ins Wort. „Hättest die letzten Monate reichlich Gelegenheiten gehabt, mit mir darüber zu reden, was alles nicht passiert ist zwischen dir und Michi. Jetzt geht’s grad ganz schlecht.“

„Aber-“

Noch ein Blick von Klaas, der Joko seufzend den Mund schließen ließ. Er hatte ja recht, es war ein denkbar schlechter Zeitpunkt. Zehn Sekunden vor einer Aufzeichnung besprach man eben keine Beziehungsprobleme. Joko straffte sich, als in seinem Ohr von fünf an rückwärts gezählt wurde, dann öffnete sich das Tor und er blinzelte gegen die grellen Lichter an, als er neben Klaas auf die spiegelglatte Eisfläche glitt.

Er lächelte, der Text saß und die kleinen Wackler auf den Schlittschuhen wurden mit einem Lachen überspielt. Er ließ Klaas nicht aus den Augen, der wie immer den größten Teil des Textes hatte und ihn routiniert aufsagte. Und der in seinem Smoking wirklich unverschämt gut aussah. Joko schluckte, als Klaas ihn erwartungsvoll angrinste und stieg auf den Scherz ein, dass sie jetzt dank Knebelvertrag alles auf Pro7 wegmoderieren mussten, was so anfiel. Ein kurzer Schlagabtausch folgte, in dem sie beteuerten, dass es sie auch schlechter hätte treffen können. Bei RTL würden sie jetzt vermutlich Let's Dance moderieren müssen und das wäre ja viel, viel schlimmer. Joko stimmte Klaas zu und war sicher, dass niemand den Stress bemerken würde, den sie miteinander hatten. Das musste nun wirklich nicht sein.

Der Fokus lag noch immer viel zu penetrant auf ihnen. Es gab keinen Bericht über ihre Shows, der nicht auch ihre private Beziehung beleuchtete. Ihm hingen die Fragen zum Hals raus, ob sie Job und Privat trennen könnten und ob das wirklich alles funktionierte. Und wie lange denn wohl noch. Manchmal hatte Joko das Gefühl, die Medien warteten nur darauf, dass es schief ging, dass sie sich trennten. Doch noch ging es nicht schief. Im Gegenteil. Es funktionierte gut. Sogar besser als gedacht. Weil sie redeten. Viel redeten. Das war eine Bedingung gewesen, auf die Klaas bestanden hatte, damals, nachdem sie den Karren damals gegen die Wand gefahren hatten.

Joko sah Klaas an, der mit weit ausholenden Gesten das erste Paar des Abends ansagte und glitt dann neben ihm zur Tribüne, kletterte hinter ihm vom Eis und wollte nach Klaas greifen. Beschissener Zeitpunkt oder nicht, er wollte mit ihm reden. Jokos Finger schlossen sich um Klaas' Handgelenk und Klaas drehte sich um, sah ihn an. Einen Moment lang waren sie unter sich, gefangen im Blick des anderen. Joko öffnete den Mund, wollte sich entschuldigen, Klaas sagen, dass er ein Idiot gewesen war, weil er ihm den dummen Kuss verschwiegen hatte – doch bevor er auch nur ein Wort durch seine zu enge Kehle quetschen konnte, schob sich die Visagistin zwischen Klaas und ihn. Joko blinzelte und schloss ergeben die Augen, als ihm ein Puderpinsel durch das Gesicht gewischt wurde und Klaas von einem Tontechniker zur Seite gezogen wurde, weil das Mikro nicht richtig saß.

Klaas sah nicht noch einmal zu ihm herüber und Joko schluckte, als es sich in seinem Magen unangenehm zusammenzog. Er stritt sich nicht gerne mit Klaas. Das taten sie auch nicht oft, nicht ernsthaft. Und jetzt war es eindeutig Jokos Schuld, dass Klaas sauer war. Joko war klar, dass er Klaas die Sache mit Michi und diesem Kuss hätte erzählen müssen. Deswegen war Klaas so wütend auf ihn. Weil er seinen blöden Mund nicht einfach aufgemacht hatte. Weil er ihre Abmachung gebrochen hatte. Dazu kam, dass Michi Klaas von Anfang an ein Dorn im Auge gewesen war. Vermutlich interpretierte er jetzt in diese dumme Sache mehr hinein, als da eigentlich war.

Dabei hatte Joko oft genug Gelegenheit gehabt, Klaas davon zu erzählen, wenn er ehrlich war. Sie hatten mehr als eine Nacht nebeneinander im Dunkeln gelegen, Arme und Beine ineinander geschlungen, weil es nicht genug Körperkontakt sein konnte, und miteinander geredet. Leise flüsternd, oftmals stockend Gedanken getauscht, Sichtweisen geteilt. Joko hatte zugegeben, dass ihn das schlechte Gewissen fast um den Verstand gebracht hatte. Dass er gedacht hatte Schuld daran zu sein, Klaas' die Familie genommen zu haben, auch wenn es Klaas' Entscheidung gewesen war, zu ihm zu kommen. Klaas hatte zugegeben, dass er mehr als einmal darüber nachgedacht hatte, dass es einfacher wäre, wenn sie einfach nur Freunde geblieben wären. Freunde und Kollegen. Und dieses Geständnis hätte weh getan, wenn Klaas nicht Jokos Finger umklammert und flüsternd zugegeben hätte, dass er froh war, dass es anders gekommen war. Klaas hatte zugegeben glücklich zu sein und hatte Joko damit mehr als glücklich gemacht.

Selbst jetzt grinste er deswegen, spürte ein angenehmes Kribbeln im Bauch, das die unangenehmen Gefühle verdrängte. Klaas war glücklich, mit ihm und Joko würde alles tun, damit das so blieb und Klaas nicht bereute, sich für ihn entschieden zu haben.

Joko stellte sich neben Klaas auf, die letzten Takte der Musik spielten, Lena ließ sich von ihrem professionellen Partner ein letztes Mal drehen. Gleich hätten sie wieder ihren Einsatz. Doch das interessierte Joko nicht. Er griff nach Klaas' Hand, drückte sie, sah ihn an, als Klaas aufblickte, die Lippen zusammenpresste, obwohl es in seinen Augen wissend funkelte.

„Na, wieder ganz professionell unterwegs, Winterscheidt?“, spottete Klaas, ohne jedoch Jokos Hand abzuschütteln. „Ist jetzt auch'n schlechter Zeitpunkt für Händchenhalten.“

„Ist mir egal“, gab Joko zu und ignorierte die Stimme in seinem Ohr, die von zehn rückwärts zählte. „Es tut mir leid, Klaas.“

Einen Moment lang passierte nichts, dann glitt Klaas' Daumen versichernd über Jokos Handrücken.

„Weiß ich doch. Wir reden später drüber. Jetzt ist hier Job angesagt. Du weißt schon, Geld verdienen und so.“ Klaas zwinkerte, ließ Joko los und ließ sich auf das Eis gleiten. Joko folgte ihm erleichtert und glücklich und so verliebt, dass er gar nicht mehr aufhören konnte, Klaas anzugrinsen, als der Lena und ihrem Partner zum gelungenen Auftritt gratulierte, bevor es vor die Jury ging.

ooOoo

„Wann hat Pinoccio gemerkt, dass er ist aus Holz, eh? - Weil er abgebrannt ist fast, als er hat gewichst!“

Rea krümmte sich vor Vergnügen über den eigenen Witz und schlug Joko so hart auf den Rücken, dass dem fast das Bier aus der Hand fiel. Joko rang sich immerhin ein höfliches Lachen ab, während er hoffte, dass sie die Aftershow Party bald würden verlassen können. Er machte den Hals lang, um zu sehen, wo Klaas war und sah ihn im Gespräch mit Palina vertieft. Joko sah Klaas lachen und grinste unwillkürlich. Die Show war gut gelaufen und Joko war froh, dass Klaas nicht nachtragend war. Zumindest war bis jetzt kein Wort mehr über Michi oder den Kuss gefallen und Joko hatte die heimliche Hoffnung, dass dieses Thema einfach stillschweigend beigelegt werden würde.

Wieder lachte Rea, stieß Joko an, der dem Witz über die Frau, die sich nach dem Sex irgendein Plüschtier aus der untersten Reihe aussuchen durfte, gar nicht richtig mitbekommen hatte. Er lachte trotzdem und hielt Rea entschuldigend die leere Flasche unter die Nase, als der schon wieder zu einem neuen Knallerwitz ansetzen wollte.

„Sorry, brauch Nachschub! Bis später, war super, dich mal wieder getroffen zu haben“, sagte Joko und sah zu, dass er Land gewann. Er steuerte die Bar an, bestellte für Klaas gleich ein Bier mit und lehnte sich an den Tresen. Den Blick auf sein Handy gerichtet, bekam er nicht mit, dass Michi neben ihm auftauchte, wie ein verdammter Flaschengeist, den kein Mensch brauchte.

Doch dass Michi den Arm um seine Schultern schlang, das bekam Joko sehr wohl mit. Sein Nacken kribbelte vor Abwehr, als er den Kopf hob und Michis Grinsen sah.

„Sehr gut moderiert“, lobte Michi und griff nach einer der Flaschen, die der Barkeeper vor Joko stellte. „Mann, kannst du Gedanken lesen? Genau das hab ich gebraucht!“

„Ich hab nicht alleine moderiert und die Flasche ist eigentlich nicht für dich, aber bedien' dich ruhig“, erklärte Joko spröde und hob die Hand, um ein neues Bier zu bestellen. Michis penetrante Art ging ihm gehörig gegen den Strich und Joko wollte sich lieber noch hundert dumme Witze von Rea anhören, als mit Michi zu quatschen.

Vielleicht lag es einfach daran, dass er noch immer Klaas' Gesicht vor Augen hatte, als Michi ihm da diesen Kuss vor die Füße gerotzt hatte. Im ersten Moment war da reiner Unglauben gewesen – bis Klaas' Blick zu Joko geflackert war und er die Wahrheit gesehen hatte. Da hatte sich etwas in seinen Augen verändert und Joko hatte den starken Wunsch verspürt, alles ungeschehen zu machen.

„Immer noch sauer?“

„Ja“, antwortete Joko schroff und wich unwillig aus, als Michi ihn versöhnlich am Arm berühren wollte. Michi zögerte und ließ die Hand sinken, presste die Lippen zusammen und Joko musterte ihn abschätzend. „Das war echt scheiße, Michi. Hättest du dir sparen können.“

„Jetzt gönn' mir auch mal ein bisschen Spaß!“ Michi rollte gekünstelt mit den Augen.

„Was Klaas angeht, versteh ich nicht viel Spaß“, stellte Joko kühl klar und wieder bröckelte das ewige Grinsen auf Michis Lippen. Er setzte die Flasche an und trank einen Schluck, ohne Joko aus den Augen zu lassen, der still seufzte und sich nicht zum ersten Mal fragte, ob Michi seine Abfuhr damals wirklich so locker genommen hatte. Oder ob es eher die Tatsache war, dass Joko sich entgegen aller Versprechen nicht mehr bei ihm gemeldet hatte. Aber für Joko hatte Klaas Priorität und Klaas und Michi waren wie Feuer und Wasser. Also hatte Joko die Sache im Sand verlaufen lassen. Nicht die feine Art, aber Michi hatte nie wirklich aufdringlich auf weitere Treffen bestanden. Man hatte sich aus den Augen verloren und Joko war deswegen nicht unbedingt traurig gewesen.

„Ich hatte wirklich gedacht, du hast es ihm erzählt“, sagte Michi plötzlich und Joko sah ihn kurz an, erkannte die Neugierde in seinen Augen. „Darf ich fragen, warum du es ihm verschwiegen hast?“

„Hab's ihm nicht verschwiegen. Der Kuss war unwichtig und die richtige Gelegenheit hat sich nie ergeben.“

„Ist das wirklich der einzige Grund, Joko?“

Da war ein Blitzen in Michis Blick, die Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. Er flirtete. Joko blinzelte, starrte Michi noch einen Moment lang an und schnaubte kopfschüttelnd ein Lachen. Nicht zu fassen der Kerl. Joko stieß mit seiner Flasche sacht gegen Michis und griff gleichzeitig nach dem Bier für Klaas.

„Weißt du, ich bin auch ein wirklich schlechter Verlierer, aber irgendwann muss mal gut sein. Schönen Abend noch, Michi.“

Joko ließ die Bar und Michi hinter sich, ohne auf eine Antwort zu warten. Er drängte sich durch die Menge, grüßte Sido, der sich entgegen aller Erwartungen nicht beide Beine gebrochen, sondern ganz gut geschlagen hatte und stellte sich zu Klaas, der alleine an einen Pfeiler gelehnt in einer Ecke stand und auf seinem Handy herumtippte. Joko zögerte und musterte ihn. Er wusste, dass Klaas ihn mit Michi gesehen hatte und dass er versuchte, seine Eifersucht nicht zu zeigen. Doch Joko kannte ihn. Er sah die angespannte Linie seiner Schultern, sah selbst im Profil wie hart Klaas die Lippen zusammenpresste, wie heftig er auf dem Handydisplay herumtippte. Klaas war wütend und Joko tat es leid, dass er der Grund dafür war. Dabei hätte Klaas sich den ganzen Groll sparen können. Joko war ihm so dermaßen verfallen, dass es erschreckend war. Er lächelte, schlich sich an Klaas heran und brachte seinen Mund nahe an dessen Ohr:

„Und bist du nur fünf Minuten Mal weg, ist es wie zehn Jahre Knast für mich!“, sang er leise und lachte, als Klaas zusammenzuckte.

„Alter! Bist du irre, mich so zu erschrecken?“, keuchte er und griff nach der Flasche, die Joko ihm hinhielt. Klaas trank einen Schluck und musterte Joko dabei, versuchte, die Erleichterung mit Spott zu überdecken. „Haste schon so viel gesoffen, dass du das Singen anfängst? Dann wird’s echt Zeit, nach Hause zu gehen.“

„Hab ich nichts dagegen“, gab Joko lächelnd zu, trank sein Bier aus und stellte sich vor, wie er Klaas dieses weiße Hemd ganz, ganz langsam aufknöpfen würde, bevor er es ihm-

„Ich kann dir deine schmutzigen Gedanken an der Nasenspitze ansehen, Wintimaus“, murmelte Klaas plötzlich lächelnd und schnippte sacht mit zwei Fingern gegen Jokos Nase. „Und alle anderen hier vermutlich ebenfalls. Vielleicht sollten wir echt besser abhauen, bevor noch was passiert. Weißt ja, Skandale sind bis auf Weiteres untersagt.“

„Ich mach doch gar nix!“, protestierte Joko halblaut und folgte Klaas durch den Raum. „Ich guck nur.“

„Ja, aber vielleicht mach ich ja gleich was“, spottete Klaas über die Schulter hinweg und warf Joko ein verschwörerisches Lächeln zu, das ihm die Hitze einmal quer durch den ganzen Körper trieb.

Mund ganz trocken, schob Joko die Hände lieber in die Hosentaschen, um sie unter Kontrolle zu behalten. Denn noch waren sie nicht allein. Sie waren umgeben von Menschen, die sie nicht nur davon abhielten, wie verknallte Teenager übereinander herzufallen, sondern sie auch noch mit langweiligem Smalltalk aufhielten. Klaas wimmelte gerade einen Kerl aus der Marketingabteilung ab, den Joko nur flüchtig kannte, als er plötzlich Michi erblickte, der auf ihn zukam. Auch Klaas registrierte ihn, das bemerkte Joko daran, wie er sich kurz versteifte, bevor er sich abwandte und sich mit einer Lüge und einem Händeschütteln von seinem Gesprächspartner verabschiedete.

Anscheinend wollte Klaas nur noch schneller weg und Joko wusste, warum das so war. Und es ärgerte ihn, dass Michi ihn triumphierend angrinste, weil er ihn noch immer ansah. Er war es leid, ihm begreiflich machen zu wollen, dass er chancenlos war. Und er war es leid, dass Klaas Michis wegen immer auf kleiner Flamme köchelte.

„So nix wie weg hier, bevor-“, murmelte Klaas und zog Joko am Arm hinter sich her. Er klang gereizt und Joko fackelte nicht lange, dachte nicht nach, legte eine Hand in Klaas' Nacken und gab ihm einen kurzen Kuss, der Klaas mitten im Satz verstummen ließ. Für einen Moment war Klaas steif und abweisend, dann lächelte er an Jokos Lippen. Es war nur ein winziger Kuss und es dauerte keinen Wimpernschlag lang, aber Jokos Herz hämmerte in seiner Brust, als wäre er dreimal um das ganze Stadion gerannt.

„Lass uns gehen“, bat Joko rau und schluckte, als sich Klaas' Augen mit einem Lächeln verengten und von vielen kleinen Falten umkränzt wurden. „Ich will alleine mit dir sein.“

Kurz blinzelte Klaas, schien tatsächlich ein wenig überrascht über Jokos offene Worte, bevor er lächelte und ganze Schmetterlingsschwärme in Jokos Bauch zum Leben erweckte. Alles um sie herum wurde völlig unwichtig und war vergessen. Erst recht als Klaas' Finger kurz über Jokos Wange glitten, ein Prickeln auslösten.

„Alles klar. Nichts wie weg hier.“

Eine Hand auf Klaas' Rücken gelegt, schob Joko ihn auf den Ausgang zu und wäre am liebsten schon längst wieder im Hotel angekommen. Das Versprechen in Klaas' Augen machte ihn schier verrückt vor lauter Ungeduld. Natürlich war es nicht so einfach wie Joko sich das vorstellte. Sie wurden noch einmal angequatscht. Sie ließen noch ein bisschen Smalltalk über sich ergehen, gingen wieder ein paar Schritte und mussten noch ein paar Mal erklären, dass sie wirklich schrecklich müde wären und morgen früh direkt wieder zurück nach Berlin müssten – was absolut und aalglatt gelogen war. Aber der Zweck heiligte die Mittel und Joko wollte ungern die Wahrheit darüber verlauten lassen, warum er diese Veranstaltung so schnell wie möglich verlassen wollte. Also lächelte er sich durch die angetrunkene Prominenz und war froh, als sie endlich auf das Taxi zuliefen. Es war windig geworden, ab und an wurde der Himmel in der Ferne von einem Blitz erhellt. Gewitter, dachte Joko und hoffte, dass sie noch vor dem Regen im Hotel ankommen würden.

„Meine Fresse, was ist das immer ein Spießrutenlauf“, seufzte Joko, ließ sich tief in die Lederpolster des Autos sinken und schloss die Augen.

Er hatte ja nichts gegen diese gesellschaftlichen Verpflichtungen, die gehörten ja schon dazu, irgendwie. Nur hatte er da wenig Bock drauf, wenn er eigentlich Klaas an die Wäsche wollte. Und wo er schon bei Klaas war... vielleicht könnten sie schon mal eine Art Vorspiel starten, während der Fahrt. Joko wandte den Kopf und sah Klaas an, der neben ihm saß und konzentriert auf seinem Handy herumtippte. Okay, kein heimliches Fummeln auf dem Rücksitz. Joko beobachtete lächelnd, wie Klaas die Nase krauste, kurz zögerte, weiter tippte und dann über das Display wischte. Vermutlich, um seinen Kalender zu checken – und richtig, Klaas rief wieder WhatsApp auf und schrieb seine Nachricht weiter. Klaas' gereizter Gesichtsausdruck verhieß nichts Gutes und Joko dachte automatisch an Doris.

Die zähneknirschend Ruhe gegeben hatte – vorläufig. Zumindest rief sie Joko nicht mehr an und torpedierte sein Gewissen. Dennoch zweifelte Joko manchmal. Es war wie ein Nagen in einem Inneren, gegen das er einfach nicht ankam. Da konnte er sich noch so oft sagen, dass Klaas sich wirklich und wahrhaftig für ihn entschieden und Doris das auch ziemlich deutlich mitgeteilt hatte.

„Kacke!“ Klaas presste die Lippen zusammen und fuhr sich mit einer Hand durch die Haare. „Doris hat irgendwelche Termine nächste Woche. Sie kann's Kind nicht nehmen. Und wir drehen in Köln. Was mach ich jetzt, verdammt?“

Also doch Doris. Joko ignorierte den sachten Stich, der ungerechtfertigterweise durch seine Brust fuhr und richtete sich ein Stück auf. Nächste Woche waren in Köln die Aufzeichnungen für das Duell um die Welt. Und eigentlich hatte Doris fest zugesagt, sich währenddessen um das gemeinsame Kind zu kümmern.

„Nimm ihn mit“, schlug Joko schulterzuckend vor. „Habt doch diese Nanny, mit der er gut klar kommt. Und selbst wenn die nicht kann, dann fragen wir Laura oder Frank, die passen schon auf.“

Klaas runzelte die Stirn, aber im Grunde wusste er ebenso wie Joko, dass er keine andere Chance hatte. Doris beschwerte sich schon oft genug, dass ihre sogenannte Karriere wegen Klaas und dem gemeinsamen Kind so ins Hintertreffen geriet und Klaas hatte ihr versprechen müssen, sie da so gut es ging zu unterstützen. Was er auch tat. So wie jetzt. Leise fluchend, weil es ihm nicht passte, seinen Sohn zu Dreharbeiten mitzuschleppen, er aber gleichzeitig keine andere Wahl hatte. Joko musterte Klaas, der sein Handy anstarrte und griff nach seiner Hand. Klaas blickte auf, lächelte, verschränkte ihre Finger miteinander und schob das Telefon in seine Hosentasche zurück, ohne eine Antwort von Doris abzuwarten.
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Re: Gewitterfront (Circus HalliGalli - Joko/Klaas)

Beitragvon Ria » 25. Jun 2016, 14:50

Teil 2


Die Fahrt dauerte nicht lang und verlief schweigend. Der Sturm draußen nahm zu, ohne dass er Regen mit sich brachte. Dafür zuckten mehr und mehr Blitze durch die dichte Wolkendecke. Joko blinzelte beeindruckt, als es in kurzen Abständen beinahe taghell wurde. Allerdings war kein einziges Mal Donner zu hören. Am Hotel angekommen, bezahlte Joko den Fahrer, lief mit Klaas durch die Lobby und lehnte sich an die gepolsterte Fahrstuhlwand als sich die Türen vor ihnen schlossen. Klaas verschränkte wieder ihre Finger miteinander und Joko sah ihn an, ein Gähnen unterdrückend.

„Müde?“, fragte Klaas lächelnd. „Muss der kleine Joko etwa schon ins Bett?“

Joko lachte, zwinkerte und zog Klaas am Kragen seines weißen Hemdes zu sich heran.

„Ja, aber garantiert nicht allein“, raunte er und küsste Klaas, schmeckte den Rauch der letzten Zigarette auf dessen Lippen und Bier und unterschwellige Süße, die ihn dazu brachte, den Kuss zu vertiefen. Seine Zunge glitt zwischen weiche Lippen; den nächsten Atemzug taten sie zusammen. Joko verlor sich in diesem Kuss, der träge und süß war und Lust auf mehr weckte. Erst recht, als sich Klaas' Knie zwischen seine Beine schob, sanften Druck ausübte, Joko ein Zischen abrang, das zu einem heiseren Lachen wurde.

„Scheiße Klaas, ich hoffe echt, die überwachen ihre Fahrstühle hier nicht mit Kameras, weil ich jetzt-“

Leises Klingeln kündigte ihr Stockwerk an und Klaas lachte, als er von Joko abrückte, rückwärts aus dem Fahrstuhl stolperte und Joko mit sich zog. Joko fluchte grinsend, griff nach Klaas, küsste ihn, war glücklich und erregt und berauscht zugleich. Sie teilten mehr Küsse. Joko fummelte an Klaas' Hemdknöpfen herum, während Klaas nach der Schlüsselkarte kramte und viel zu lange brauchte, um die Zimmertür zu öffnen. Joko hatte die ersten Knöpfe seines Hemdes geöffnet und leckte über weiche Haut, hörte Klaas nach Luft schnappen und spürte dessen Finger, die sich in seine Haare krallten. Joko mochte es, wenn Klaas Halt bei ihm suchte. Und er mochte es, wenn er in sein Ohr keuchte, wenn er leise zischte, weil Joko sich festsaugte und-

„Ich dachte, wir hätten heute Morgen erst darüber gesprochen, Joko“, murmelte Klaas, verstärkte den Griff in Jokos Haaren ein wenig und Joko hob mit einem Seufzen den Kopf. Er sah Klaas an, der ihn mit einem Stirnrunzeln musterte und die Schlüsselkarte erneut durch den kleinen Schlitz zog. Die Tür öffnete sich mit einem leisen Klicken und Klaas stieß sie auf. „Und wo wir schon mal dabei sind, Joko, da gibt’s ja noch eine Sache, über die wir dringend sprechen sollten.“

„Jetzt? Du willst jetzt reden? Über Michi und so?“, fragte Joko ungläubig und folgte Klaas ins Zimmer hinein. „Das ist ja schlimmer als die kalte Dusche heute Morgen“, maulte er, sich zwischen die Beine greifend, weil seine Erektion unangenehm in der zu engen Anzughose spannte. Allerdings nicht lange. Als Klaas ihm einen kurzen Blick über die Schulter zuwarf, spürte Joko seine Erregung abkühlen, als hätte er wirklich unter kaltem Wasser gestanden. Dann fiel die Zimmertür ins Schloss und das Zimmer wurde in dämmrige Dunkelheit getaucht. Joko konnte die Konturen der Möbel erkennen und die von Klaas, der sich auf das Bett setzte. Und dann blitzte es und Joko konnte Klaas für einen Sekundenbruchteil so klar erkennen, als säße er im Scheinwerferlicht. Der Ausdruck auf Klaas' Gesicht ließ Joko hart schlucken.

„Ja, und so kann man es auch nennen“, murmelte Klaas und strich sich mit den Fingern die Haare aus der Stirn. Er lachte heiser und völlig humorlos. „Alter, ich fass' es nicht, dass du ihn geküsst und mir nie was davon gesagt hast!“

„Ich hab ihn nicht geküsst, das war anders herum“, stellte Joko ruhig klar und seufzte, als Klaas nur eine wegwerfende Handbewegung machte.

„Ist doch scheißegal! Ich wusste es nicht und dann kommt dieser blöde Penner daher und...“ Klaas stockte und Joko machte einen Schritt auf ihn zu. Bis Klaas die Hand hob und den Kopf schüttelte. Das stoppte Joko so effektiv wie ein Schlag. Und es tat auch genauso weh. „Das hat sich so richtig beschissen angefühlt, das sag ich dir! Ausgerechnet dieser aufgepumpte Vogel lässt mich so auflaufen.“

Das schlechte Gewissen schlug die Krallen tief in Joko, der unsicher noch einen Schritt auf Klaas zuging. Er hatte unrealistischerweise gehofft, dass Klaas die Sache auf sich beruhen lassen würde. Aber gleichzeitig wusste er auch, dass es nicht richtig wäre. Sie mussten das klären.

„Ich weiß, das war scheiße und es tut mir leid“, gab Joko leise zu. „Es war einfach dämlich von mir nichts zu sagen und ich hab echt gedacht, der Kuss, der wär' so unwichtig, da lohnt sich nicht drüber zu reden.“

Joko machte noch einen Schritt auf Klaas zu; seine Augen gewöhnten sich langsam an das Halbdunkel. Klaas' Gesicht jedoch lag im Schatten, als er wieder eine Hand hob und Joko dadurch in der Bewegung verharren ließ. Wieder blitzte es. Mehrmals. Flackerndes Licht glitt über Klaas' Gesicht, enthüllte ein gepresstes Lächeln.

„Du meinst wohl, du hast gehofft, dass ich Michi nie wieder über den Weg laufe, nie was davon erfahre und dir keinen Stress mache.“

Es war eher eine Feststellung als eine Frage und Joko fühlte sich so ertappt, dass seine Wangen heiß wurden.

„Ich sagte bereits, dass es mir leid tut.“

„Hab ich gehört. Weiß ich auch. Das reicht mir diesmal aber nicht, Joko.“

Ein bitterer Geschmack breitete sich auf Jokos Zunge aus, den er mühsam herunterschluckte. Sein Kopf war seltsam leer und voll zugleich, ein Rauschen in seinen Ohren machte ihn fast wahnsinnig. Joko wollte nicht einmal daran denken, dass Klaas dieser winzigen Sache wirklich so viel Bedeutung beimessen wollte, um hier eine handfeste Krise aus dem Boden zu stampfen und würgte ein wackliges, unsicheres Lachen hervor.

„Und was soll ich machen? Soll ich mich auf Knien entschuldigen?“

Joko hielt die Luft an und wäre schon beinahe vor lauter Erleichterung wirklich auf die Knie gefallen, als Klaas endlich langsam nickte.

„Tatsächlich geht das in die richtige Richtung, Joko. Allerdings wirst du dich nicht auf deinen Knien bei mir entschuldigen.“

Klaas klopfte auffordernd auf seinen Schoß, um seine Worte zu unterstreichen und beim nächsten Blitz sah Joko, dass Klaas grinsend Zähne zeigte. Joko stolperte einen Schritt zurück, schüttelte im stummen Leugnen den Kopf, obwohl er wusste, dass Klaas keinen dummen Scherz meinte.

„Du verarschst mich doch!“

„Ich war selten ernster, Joko.“

Joko tippte sich mit dem Zeigefinger an die Stirn und schnaubte ein ungläubiges Lachen. Er machte ja wirklich viel für Klaas und er war dessen kleinen Fetischen selten abgeneigt, aber alles hatte Grenzen.

„Kannst du direkt wieder vergessen, Klaas. Ich lass mich von dir doch nicht übers Knie legen, als wäre ich ein ungezogener Junge!“

„Aber genau das warst du doch“, erklärte Klaas völlig gelassen und jetzt war Joko sicher, dass er lächelte, dieser verdammte Mistkerl! Und der nächste Blitz zeigte ihm, dass er Recht hatte. „Du hast mich angelogen, als du mir erzählt hast, dass da nichts mit Michi war und dann steht dieser Idiot heute vor mir, grinst mich rotzfrech an und erzählt mir, ihr hättet geknutscht“

„Wir haben nicht geknutscht!“, protestierte Joko instinktiv.

„Spielt keine Rolle. Du hast es mir trotzdem verheimlicht. Ich hab mich richtig beschissen gefühlt. Du schuldest mir was.“

Wieder klopfte Klaas auffordernd auf seine Knie und Joko fühlte sich unangenehm in die Ecke gedrängt. Er trat noch einen Schritt zurück und schüttelte den Kopf. Alles in ihm sträubte sich dagegen, sich auf diese Art bestrafen zu lassen. Lieber noch ein wenig streiten.

„Vergiss es. Ich hab dir doch mal irgendwann gesagt, Peitschennummer is' nicht.“

„Siehst du hier irgendwo ne Peitsche? Hier sind nur du, ich und meine Hand auf deinem nackten Hintern.“

„Du hast doch'n Rad ab“, schnaubte Joko, Arme vor der Brust verschränkt. Er ahnte, dass Klaas wirklich ernst meinte, was er da verlangte. Dass es hier nicht darum ging, Joko nur ein bisschen zu schocken und dann zu lachen, dass alles nur Spaß wäre. Er wusste, dass es nicht einmal wirklich weh tun würde. Aber es wäre demütigend und alles in Joko sträubte sich dagegen, auf Klaas zuzugehen und diese Art von Strafe anzunehmen. So schlimm war sein Vergehen nun auch wieder nicht gewesen, dass er sich von Klaas über's Knie legen lassen müsste.

„Joko?“, raunte Klaas leise und schickte heißkalte Schauder an Jokos Wirbelsäule hinab. „Ich werd' dich nicht zwingen, okay. Ist deine Entscheidung.“

Wieder zuckten Blitze über den Himmel, begleitet von fernem Grollen. Als würde das Wetter die Spannung im Raum ableiten wollen. Joko ballte die Fäuste und starrte Klaas an.

„Und wenn ich es nicht mache, dann redest du drei Tage nicht mit mir oder was?“

„Du solltest mich nach all den Jahren echt besser kennen“, gab Klaas zurück und Joko glaubte einen verletzten Unterton herauszuhören. Ja, er kannte ihn besser. Jokos Brustkorb wurde seltsam eng, sein Atem ging pfeifend, sein Stolz riet ihm, es nicht zu tun. Erst recht nicht, wenn Klaas nicht wirklich darauf bestehen würde. Doch dann entlud sich ein besonders greller Blitz am Himmel, erhellte das Zimmer und Klaas' Gesicht und Joko konnte den Ausdruck in seinen Augen sehen.

Es dauerte kaum einen Herzschlag lang, doch es reichte. Joko kapitulierte augenblicklich. Er brauchte keine weitere Aufforderung, keine Bitte, keine Drohung. Nichts. Dieser eine Blick hatte vollkommen gereicht.

Joko seufzte lautlos und machte einen Schritt auf Klaas zu. Und noch einen; bis er vor Klaas stand, der wieder in Schatten getaucht war. Doch dieser Ausdruck in Klaas' Augen, der hatte sich in Jokos Verstand gebrannt und er glaubte den verletzten Stolz, die Eifersucht und die Gier noch immer zu sehen. Er hatte etwas wieder gutzumachen und das war kein dummer Kuss, den er verheimlicht hatte.

Joko nahm Klaas' Gesicht zwischen die Hände und hauchte einen Kuss auf seine Lippen. Noch einmal wurde es hell um sie herum, kurz nur, doch es reichte erneut, um Joko das zu zeigen, was er hatte sehen wollen: Triumph und Dankbarkeit und Liebe. Joko sah Klaas noch einen Moment länger an. Wieder ein Blitz, dann Dunkelheit, die Joko nicht störte. Er hatte alles gesehen, was er sehen musste. Ihre Gesichter waren sich so nah, dass Joko Klaas' Atem aus seiner Haut spüren konnte.

„Dieses eine Mal, Klaas“, flüsterte Joko, bevor er ihn wieder küsste.

Er spürte Klaas an seinen Lippen lächeln, spürte eine Hand, die in seinen Nacken glitt, weil Klaas den Kuss verlängerte, ein Versprechen daraus machte und lächelte selbst, weil sein Herz direkt noch schneller schlug. Nicht nur, weil dieser Mann ihn nach wie vor mit einem schlichten Kuss schier um den Verstand bringen konnte, sondern auch, weil er tatsächlich ein klein wenig nervös war, als er sich aufrichtete und schweigend auszog.

Klaas sagte kein Wort, doch seine Blicke fühlten sich wie Berührungen an, als Joko nackt wieder an ihn herantrat, einmal tief durchatmete und sich bäuchlings auf Klaas' Schoß legte. Die Lage war ungewohnt und unbequem; noch dazu fühlte er sich ein wenig lächerlich. Joko hob den Kopf an, als ihm das Blut hineinfloss, verspannte den Nacken, den Rücken und zuckte zusammen, als Klaas' Finger über seine Wirbelsäule glitten.

„Entspann dich und wenn's dir zu viel wird, sag'... Alabama, okay? Ich... dann hör ich auf, versprochen“, erklärte Klaas und Joko nickte nur.

Er starrte die Wand gegenüber an, biss die Zähne zusammen. Entspannung fiel ihm gerade mehr als schwer. Ihm gefiel diese unterwürfige Rolle nicht. Nackt und hilflos über den Beinen eines anderen Mannes zu kauern und auf Züchtigung zu warten, schmeckte ihm nicht. Abwehr ballte sich hinter seinem Bauchnabel zusammen und Joko musste sich daran erinnern, dass er das hier freiwillig tat. Und dass es Klaas war, der noch immer über seinen Rücken streichelte, gleichmäßige, sanfte Zärtlichkeiten, die Joko ganz gegen seinen Willen dazu brachten, locker zu lassen. Vermutlich hatte er inzwischen wirklich den Verstand verloren. Er hätte sich im zurechnungsfähigen Zustand nämlich nicht im Traum ausmalen können, sich freiwillig den Hintern verhauen zu lassen.

Doch noch passierte nicht mehr, als dass Klaas' Finger in seinen Nacken glitten und ihn sacht kraulten. Eine Berührung, die Joko dazu brachte, sich Klaas entgegenzudrücken und die seltsame Situation kurz zu vergessen. Wohlige Schauder durchliefen ihn, als Klaas' andere Hand die nackte Haut seines Hinterns streichelte. Joko entspannte sich tatsächlich, ließ den Kopf hängen und schloss die Augen.

Der Schlag mit der flachen Hand kam völlig überraschend. Aus dem Nichts heraus. Joko zischte einen Fluch, riss den Kopf hoch und spannte jeden Muskel an. Es hatte nicht weh getan, es war nur so überraschend gekommen. Beinahe hinterhältig, weil Joko nicht damit gerechnet hatte. Klaas hatte ihn eingelullt, hatte ihn abgelenkt und Joko völlig überrumpelt. Er warf einen Blick nach oben, war fast schon empört und drauf und dran von Klaas' Schoß zu springen und dieses Spiel zu beenden. Aber er blieb liegen, wachsamer diesmal. Das würde ihm nicht noch einmal passieren, das stand fest. Die Fäuste geballt wartete er auf den nächsten Schlag. Doch da waren nur Klaas' Finger, die ihn streichelten.

„Lass locker“, bat er und Joko krümmte sich, als Klaas' Hand über die eben getroffene Stelle strich.

„Bin locker. War nie lockerer“, brummte Joko. Er senkte den Kopf, die Haare fielen ihm wirr in die Stirn und er atmete schwer, obwohl nichts weiter passiert war. „Mach weiter.“

„Wenn du dich so anspannst, tu' ich dir unnötig weh“, stellte Klaas leise fest. „Das ist es nicht wert.“

„Ich dachte, genau darum geht's“, spottete Joko, weil er nicht zugeben wollte, dass Klaas' Worte sein Herz stolpern ließen.

„Hast es nicht verstanden, mhm?“

Joko hörte das Lächeln aus Klaas' Stimme heraus und biss sich auf die Lippen. Doch, er hatte es verstanden. Es ging nicht um Schmerz oder um Strafe. Sondern um Wiedergutmachung. Klaas' Stolz hatte heute gelitten und Jokos Stolz litt nun ebenfalls. Damit waren sie quitt. Mit dem Unterschied, dass Joko sich dieser Demütigung ganz freiwillig aussetzte. Klaas zwang ihn nicht. Drängte nicht. Bestand nicht darauf, dass Joko still hielt. Er strich ihm nur die Haare aus dem Gesicht und kraulte danach wieder seinen Nacken. So lange, bis Joko sich tatsächlich entspannte, bis er ruhiger atmete und sich nicht mehr gegen die streichelnden Finger stemmte. Joko schmiegte das erhitzte Gesicht an Klaas' Bein und schloss die Augen. Er wusste, was kommen würde und hielt den Atem an, als Klaas eine Hand hob und sie mit einem satten Klatschen auf Jokos Hintern fahren ließ.

Härter diesmal. Immer noch nicht wirklich schmerzhaft, aber hart genug, um Jokos Haut kribbeln zu lassen. Joko krallte die klammen Finger in den schwarzen Anzugstoff von Klaas' Hose und stieß mit einem leisen Stöhnen verbrauchte Luft aus, als Klaas ihn leise bat, locker zu lassen.

Joko gehorchte, auch wenn es schwer fiel.

Es tat nicht weh, nicht körperlich, aber Joko hatte trotzdem das Gefühl, auseinanderzubrechen. Scham ballte seinen Magen zu einer kleinen, harten Faust zusammen. Er biss die Zähne zusammen und spannte die Schenkel unwillkürlich an, als Klaas Finger darüber streichelten. Die Berührung war seltsam intensiv. Und ihm wurde heiß, entsetzlich heiß, als die Finger höher glitten, in seine Spalte hinein. Joko presste die Beine zusammen, als kribbelnde Hitze durch seinen Unterleib floss.

„Nicht!“, keuchte Joko, seltsam schockiert über die Reaktion. Klaas zögerte kurz, dann strich seine Fingerkuppe über Jokos Eingang, presste sich dagegen und Jokos Welt schien sich aufzulösen.

„Shh, ganz ruhig... alles gut...“, flüsterte Klaas und Joko gab mit einem hilflosen Stöhnen nach. Blut rauschte ihm in den Ohren, als er den Kopf hängen ließ, die Finger in Klaas' Hose krampfte und die Augen schloss. Scham und Lust flossen ineinander wie zwei Flüssigkeiten. Vermischten sich, wurden eins in Jokos Körper. Explodierten förmlich, als Klaas' Hand noch einmal auf gerötete Haut klatschte.

„Das war übrigens für den Knutschfleck heute morgen“, informierte Klaas ihn gelassen und Joko fiel fast von seinen Beinen, als er ihn anzusehen versuchte.

„Willst du mich verarschen?“, japste er, die Spannung in sich mit einem Lachen brechend. „Dafür lass ich mich hier von dir übers Knie legen?“

„Nee, aber ich dachte, das erledigen wir gleich in einem Abwasch“, gab Klaas grinsend Auskunft und streichelte dabei behutsam über Jokos brennende Haut. Wieder kribbelte es seltsam intensiv. Es war nicht wirklich unangenehm und Joko war froh, das glühende Gesicht an Klaas' Bein verstecken zu können.

„Spinner“, murmelte Joko und spürte plötzlich, dass Klaas diese Situation nicht so kalt ließ wie angenommen. Im Gegenteil. In Klaas' Hose zuckte es verräterisch, als Klaas ausholte und erneut zuschlug. Joko fuhr zusammen, krümmte sich. Diesmal hatte es weh getan. Und beim nächsten Schlag tat es ebenfalls weh. Brennende Hitze, die über Jokos Haut leckte, die ihn röchelnd nach Luft schnappen ließ.

Er schwitzte; spürte den Schweiß aus allen Poren brechen, spürte ihn schlüpfrig auf seiner Haut und zerbiss ein Wimmern zwischen den Zähnen, als Klaas' Fingerspitzen ihn streichelten, zwischen seine Backen fuhren. Die Lust war auf gewisse Weise erniedrigender als die Schläge und Joko brannte der Kopf und der Magen vor Scham. Er ballte die Hände zu Fäusten und ließ locker. Keuchte, als Klaas Zeigefinger sacht in ihn eindrang. Nur mit der Spitze. Nur kurz. Joko atmete flach und schnell, biss sich auf die Lippen und schrie trotzdem auf, als Klaas erneut zuschlug.

Eine andere, neue Art von Hitze floss jetzt durch seinen Körper. Vermischte sich mit dem beißenden Schmerz, der von Klaas' zuschlagender Hand ausgelöst wurde. Joko stöhnte hilflos, als er langsam aber sicher anschwoll, grub die Zähne in seine Unterlippe und presste die Augenlider zusammen, als er die Kontrolle über sich und seinen Körper verlor. Klaas' Finger glitten wieder über seine Haut, zärtlich kosend, bevor er erneut zuschlug und beiläufig zugab, dass ihn nicht nur Jokos Schweigen geärgert hatte.

„Ausgerechnet von dem lässt du dich küssen“, schnaubte Klaas und holte noch einmal aus.

Joko entspannte sich, nahm den nächsten Schlag an und erinnerte Klaas nicht daran, dass nichts davon jemals passiert wäre, wenn Klaas damals nicht bei Doris sondern bei ihm in München gewesen wäre.

Noch ein Schlag und noch einer; alle fest und hart und beißend. Klaas' Atem ging ebenso schnell wie Jokos, schnell und flach, als wären sie gerannt. Wieder zuckte Klaas' Schwanz an Jokos Hüfte, Klaas' Finger strichen ihm die Haare zurück, die ihm im Gesicht klebten.

„Is' okay?“

Joko nickte nur, hatte zu viel Speichel im Mund, um zu antworten. Augen noch immer geschlossen wartete er auf den nächsten Schlag, zuckte zusammen als er kam und atmete langsam aus. Entspannte sich, wurde ganz weich auf Klaas' Schoß, unter seinen Händen, die ihn wieder streichelten. Eine Hand lag zwischen seinen Schulterblättern, gab Halt und Sicherheit, die andere schlug zu. Hitziger Schmerz floss über seine Haut, seine Wirbelsäule hinauf, fuhr ihm zwischen die Beine, die Joko bereitwillig spreizte, als Klaas' Finger in seine Spalte glitten. Feucht und schlüpfrig waren sie und Joko stöhnte, weil er wusste, dass es Speichel war, mit dem Klaas ihn vorbereitete. Das war nicht neu, nicht außergewöhnlich und dennoch... es fühlte sich diesmal anders an. Verbotener. Schon allein durch die Tatsache, dass er selbst völlig nackt, völlig ungeschützt und Klaas noch komplett angezogen war.

Jokos Gesicht brannte, sein Hintern brannte, alles schien zu glühen. Ein Feuer, das Joko schier um den Verstand brachte. Es war gut und Joko bog sich Klaas entgegen, als ein Finger in ihn eindrang. Joko mochte das Gefühl. Er mochte die sachte Dehnung. Er mochte das Kribbeln, das durch seine Nerven schoss. Joko spürte Klaas' Schwanz an seinem nackten Bauch zucken und stöhnte, als er noch härter wurde. Er fühlte erste Klebrigkeit auf seiner Eichel, rieb sich unwillkürlich an rauem Hosenstoff.

Jetzt keuchte auch Klaas. Joko spürte, wie er zusammenzuckte, spürte wie sie die Hand zwischen seinen Schultern verspannte. Doch Klaas' Stimme klang noch immer empörend ruhig:

„Wenn es hier wirklich um Strafe gehen würde, müsste ich dich eigentlich jetzt von meinem Schoß schubsen und dich für den Rest der Nacht ignorieren“ sagte Klaas nachdenklich und schob einen weiteren Finger in Joko, der sich kurz aufbäumte, als es schmerzhaft zog und dann zittrig lachte:

„Damit würdest du doch vor allem dich selbst bestrafen.“

„Ich kann mich beherrschen, wenn es sein muss“, antwortete Klaas und Joko hörte das Lächeln aus seiner Stimme heraus.

Dann krümmte Klaas seine Finger und Joko krallte sich an seiner Hose fest, um den Halt nicht zu verlieren, als ihn die Lust durchzuckte wie einer der Blitze am Nachthimmel.

„Aber was ist eigentlich mit dir, Joko? Hast du eingesehen, dass du einen Fehler gemacht hast?“

Eine raue Fingerkuppe rieb über diese empfindliche Stelle in seinem Innerem und Joko reckte sich Klaas stöhnend entgegen. Er brachte ein atemloses „Ja, ja“ über die Lippen und spreizte die Beine für Klaas, der wieder leise und heiser lachte und Joko langsam mit seinen Fingern fickte.

Und seinen Mund ganz nahe an dessen Ohr brachte:

„Ich glaub dir nicht, Winterscheidt...“

Joko keuchte und blinzelte, als Klaas ihm die Finger entzog und ihn sacht von seinem Schoß drängte. Jokos Knie waren weich wie Butter, trugen ihn nicht und er blieb auf allen Vieren hocken, sah ungläubig zu dem Schatten auf, der Klaas war. Jokos Magen krampfte sich zusammen. Das hier war schlimmer, als kopfüber auf seinem Schoß zu liegen und sabbernd und schniefend Schlag um Schlag zu ertragen. Von Klaas abgewiesen zu werden, tat auf einer ganz anderen Ebene weh. Ging tiefer, schlug klaffende Wunden. Das Gewitter draußen erhellte die Nacht. Joko richtete sich langsam auf, sah Klaas an, der ihn nicht aus den Augen ließ und packte ihn am Kragen seines Hemdes.

„Alabama“, sagte Joko rau und presste einen Kuss auf weiche Lippen, ein Test, ob Klaas sich an die Abmachung halten würde. Er sah Klaas wieder an und drängte ihn rücklings auf das Bett. Er wollte sicher gehen, dass dieses Spiel beendet war und Klaas ihn nicht erneut abwies. Presste fahrige Küsse auf weiche Lippen und zerrte an Klaas' Gürtel, an seiner Hose, hielt erst inne, als er weiche Fingerspitzen an seiner Wange spürte. Joko hob den Kopf, sah Klaas an. Das Wetterleuchten reichte, den Ausdruck in dessen Augen zu erkennen; besorgt und liebevoll. Klaas' Fingerspitzen strichen sacht über Jokos Mund, zeichneten die Konturen mit kribbelnden Linien nach.

„Hey...“, flüsterte Klaas und lächelte Joko an, dem das Herz in die Kehle sprang. „Alles gut?“, wollte Klaas leise wissen und Joko schmiegte seine Wange in Klaas' Handfläche. Er lächelte, wusste, dass Klaas nicht seinen Hintern meinte.

„Ja. Alles gut.“

Die Ungeduld, die ihn gerade eben noch beherrscht hatte, wich einem anderen Gefühl. Zärtlichkeit wallte in ihm auf. So heftig und einnehmend, dass Joko hart schlucken musste. Er beugte sich herab, streifte mit seinen Lippen die von Klaas. Eine sanfte, kaum spürbare Berührung, die Jokos Mund prickeln ließ. Er fühlte Klaas lächeln, fühlte dessen Finger in seinem Nacken und dann glitt Klaas' Zungenspitze in seinen Mund, schickte einen heißen Schauder durch Jokos Körper. Joko drängte sich an Klaas, wollte mehr Kontakt, wollte ihn spüren und störte sich an dem ganzen Stoff, der zwischen ihnen war.

Jokos Finger öffneten Klaas Hemd, während sie sich wieder und wieder küssten. Joko lachte leise, als Klaas sich unter ihm wand und sich im eigenen Hemd verhedderte, weil er nicht aufhören wollte, Joko zu küssen. Glück rauschte durch Jokos Venen wie ein Opioid, als er Klaas die Hose von den Hüften streifte und sich dann aufsetzte, Klaas betrachtete, der unter ihm lag, schief grinste und sich ihm überließ. Jokos Finger glitten über Klaas' nackte Brust zu seinem Bauch. Er kannte seinen Körper fast besser als den eigenen, hatte ihn unzählige Male mit Händen, Lippen und Zunge erkundet. Und er liebte es, wenn Klaas auf ihn reagierte. Wenn er sacht zusammenzuckte, weil Jokos Fingerkuppen über seine Nippel strichen. Wie er die Zähne in die Unterlippe grub, jeden Laut unterdrückte, weil Joko über seine Haut leckte. Aber nichts liebte Joko mehr, als wenn Klaas diese elende Beherrschung verlor, die er sich selbst immer auferlegte und sich ihm stöhnend entgegendrängte. Und früher oder später tat er das immer.

Weil Joko genau wusste, wie er Klaas Lust bereiten konnte. Weil er wusste, wie empfindlich diese eine Stelle an seiner Eichel war und wie Klaas sich aufbäumte, wenn er seine Zunge darüber gleiten ließ. Joko kostete die ersten salzigen Tropfen, die aus dem kleinen Schlitz perlten und ließ sich den bitteren Geschmack kurz auf der Zunge zergehen. Er grinste, als er Klaas' Finger in seinen Haaren spürte, die zerrten und drängen und sich nicht entscheiden konnten, ob sie Joko jetzt tiefer herabdrücken oder davon abhalten sollten, an dieser samtig weichen Haut zu lecken.

Joko küsste die Vene an der Unterseite von Klaas' Penis und lächelte, als Klaas sich keuchend unter ihm wand und ihn heiser bat, es zu lassen. Dabei war Klaas noch lange nicht so weit, das wusste Joko. Aber er wusste auch, dass Klaas etwas anderes wollte und dass jetzt keine Zeit für einen entspannten Blowjob war. Ein anderes Mal.

Er gab der zerrenden Hand in seinen Haaren nach und ließ sich von Klaas wieder nach oben ziehen und gierig küssen. Joko sah nicht hin, als Klaas mit der freien Hand auf dem Nachtisch herumtastete, Er wusste, was Klaas suchte.

„Schublade“, nuschelte er zwischen zwei feuchten Küssen und grinste, als Klaas dankend brummte und die Schublade aufzog. Joko verlor sich im nächsten Kuss und fand erst ins Hier und Jetzt zurück, als Klaas kühles Gleitgel an seinem Eingang verrieb. Joko stöhnte an Klaas' Mund, als zwei Finger in ihn eindrangen, ganz leicht, ganz ohne Widerstand. Gleichzeitig glitt Klaas' Zunge in seinen Mund. Nach Luft schnappend, hob Joko den Kopf, sah auf Klaas herab und starrte ihn einen Moment lang an, spürte wie sich dessen Finger in ihm bewegten, wie sie sich spreizten und ließ mit einem überwältigten Stöhnen den Kopf nach vorn sinken. Heißkalt war die Lust, die unter seiner Haut entlangzufließen schien. Joko schauderte unter diesem Gefühl, das sich zwischen seinen Beinen zusammenzog. Dann waren Klaas' Finger fort und Joko schluckte einen enttäuschten Laut.

Über Klaas kniend, sah er auf, streckte die Hand auf und Klaas verteilte lächelnd einen großzügigen Klecks Gel darauf. Joko umschloss Klaas' Erektion und verteilte kühles Gel auf warmer Haut. Klaas zischte leise, bog den Rücken durch und Joko verstärkte den Druck, rang Klaas auch noch ein gurgelndes Stöhnen ab.

„Nicht...!“, bat Klaas atemlos und Joko konnte nicht widerstehen, holte sich grinsend noch einen weiteren Kuss und positionierte sich über Klaas. Der es natürlich nicht lassen konnte und die Finger in Jokos Hüften grub.

„Langsam“, kommandierte er, als wenn Joko wirklich dumm genug wäre, direkt Vollgas zu geben. Diesen Fehler machte er garantiert nicht zweimal.

Joko atmete aus, umklammerte Klaas' Arme, um Halt zu finden und ließ sich von Klaas dirigieren, der die Stirn in Konzentration runzelte und die Unterlippe zwischen die Zähne gesogen hatte. Joko gab nach, dem Druck, dem leichten Brennen und Klaas und ließ sich Millimeter für Millimeter tiefer sinken. Er liebte es, Klaas so zu spüren, so nah, so intensiv. Draußen zuckten noch immer Blitze durch den nächtlichen Himmel. Erhellten die Schatten, die wie ein Kokon waren, in dem nur sie beide existierten. Dadurch wurde es nur besser, intimer, aufregender; und Joko stöhnte überwältigt, als Klaas ganz in ihn eingedrungen war. Die Hände auf Klaas' Brust abgestützt, hielt Joko einen Moment inne, fühlte sich atemlos und zittrig und sah auf Klaas herab.

Ein neuer Blitz reichte, ihn Klaas' Lächeln erkennen zu lassen, das sein Herz auch nach all den Monaten stolpern und ganz unregelmäßig in seiner Brust schlagen ließ. Joko strich mit den Fingern über Klaas' Wange, seine Lippen, die sich zu einem flüchtigen Kuss spitzten und begann sich langsam zu bewegen.

Lächelnd registrierte Joko, wie sich Klaas' Finger in seine Flanken krampften, wie er sich unter ihm verspannte, leise stöhnend zitterte, weil er nicht zustoßen wollte. Weil er Joko die Kontrolle hierbei überlassen wollte. Doch Joko wollte nicht, dass Klaas sich beherrschte. Er spannte an, grinste, als Klaas zischend fluchte und sein Becken gegen Jokos zuckte.

Prickelnde Lust breitete sich in ihm aus. Rauschte durch seine Venen wie ein Schnellzug. Joko ließ die Hüften gegen Klaas' rollen, änderte den Winkel, spannte erneut an und konnte nicht genug davon bekommen, Klaas diese unbeherrschten kleinen Laute zu entlocken. Er bewegte sich schneller, die Lust ballte sich hinter seinem Bauchnabel zu einer grellweißen Kugel zusammen, als Klaas seine Prostata traf. Joko drückte mit einem Stöhnen den Rücken durch, spreizte die Beine und ließ Klaas tiefer eindringen. Es tat weh und gleichzeitig war es gut und Joko umklammerte Klaas' Arme, sah ihn an und war froh, dass es nicht gänzlich dunkel im Zimmer war. Das die Blitze draußen Klaas immer wieder wie bei einer Momentaufnahme enthüllten. Es reichte, um Klaas' Gesichtsausdruck vage erahnen zu können. Und Joko brauchte genau das. Er wollte ihn ansehen, wollte wissen, dass es ihm gefiel, dass es sich für Klaas ebenso gut anfühlte wie für ihn, das er ihn ebenso sehr wollte...

Joko zuckte zusammen, als er Klaas' Finger spürte, die nach seiner Hand griffen, sie führten. Joko keuchte überrascht und erregt gleichermaßen, als Klaas ihn dazu brachte, sich selbst anzufassen. Klaas' Finger lagen über seinen eigenen und Joko drückte den Rücken durch, veränderte unwillkürlich den Rhythmus seiner Bewegung, als Klaas ihn dazu brachte, sich selbst zu massieren. Joko schnappte nach Luft, als Klaas seinen Daumen auf seine feuchte Eichel presste, ihn dazu zwang die zähe Flüssigkeit darauf zu verreiben und fast verrückt zu werden vor Lust, die wie Wellen durch seinen Körper brandete.

Joko konnte sehen, wie gierig Klaas starrte, wie sehr es ihn anmachte, zu sehen, wie Joko es sich unter seiner Anleitung selbst machte und das wiederum machte Jokos eigenen Rausch nur noch besser.

Jokos freie Hand griff nach der von Klaas; ihre Finger verschränkten sich ineinander und Joko nahm einen schnelleren Rhythmus auf, fühlte den zusätzlichen Kick, als er Klaas dabei betrachtete. Der ihn aus fiebrigen Augen ansah, die Lippen zu einem Keuchen geöffnet, das Haar in der verschwitzen Stirn klebend. Joko krümmte sich und schrie heiser, als Klaas seine Finger zusammenpresste und die Lust ihn wie ein heißer Schlag durchfuhr.

Jokos Kopf fiel nach vorn, er bewegte sich fahrig auf Klaas, spannte sich an und glaubte zu schmelzen, als Klaas die Hüften anhob und seine Hand um Jokos Penis krampfte. Wieder blitzte es. Es wurde hell um sie herum und Joko war gefangen in Klaas' Blick, seinem Griff und in der Lust, die sie einander bereiteten, als ihn der Orgasmus fast um den Verstand brachte.

Beinahe schmerzhaft war es, intensiv und unendlich gut. Und es wurde noch besser, als Klaas sich unter ihm anspannte, hart in ihn stieß und ebenfalls kam. Joko zwang sich, die Augen zu öffnen, sah Klaas an und war froh um das Gewitter, das Klaas' verzerrte Züge erhellte. Von diesem Anblick würde Joko niemals genug bekommen. Von Klaas, der kam und dabei ganz er selbst war. Keine Fassade, keine Selbstbeherrschung. Nur Lust und Gier und er selbst.

Joko bewegte sich nur noch sacht einen Moment länger, bevor er inne hielt und schwer atmend einfach nach vorn sackte. Klaas' Arme schlossen sich um ihn und Joko spürte warme Lippen, die über seine Wange glitten. Hände, die über seinen verschwitzten Rücken streichelten. Er wandte den Kopf, ließ sich küssen und halten und rang noch immer nach Luft, als der Höhepunkt langsam abklang und nur noch ein Echo in seinem Körper war. Es donnerte, doch Joko registrierte es kaum, hörte nur Klaas' schnellen Atem.

Mit dem vertrauten Gefühl des Bedauerns, spürte Joko, wie Klaas aus ihm herausglitt. Ein weiterer Kuss, träge und feucht, dann ließ Joko sich auf die Seite fallen und lächelte, weil Klaas sich zu ihm drehte, ohne ihn loszulassen. Ihm gefiel es, wenn Klaas anhänglich war und die Finger nicht von ihm lassen konnte. Ihm gefiel es, wenn Klaas sich an ihn drängte und seine verschwitzte Haut streichelte. Joko zuckte nur zusammen, als Klaas' Hände über seinen brennenden Hintern strichen. Er streckte sich aus, zog Klaas noch fester an sich, vergrub seine Finger in dessen dunklen Haaren und schloss zufrieden seufzend die Augen.

Auf die Dusche danach verzichtete er. Er war rundherum satt und zufrieden und hatte keinerlei Bedarf, sich Klaas vom Körper zu waschen. Dessen Geruch überall um ihn herum war, ihn einhüllte und einfach nur gut war. Er schob seine Nase in Klaas' Halsbeuge und inhalierte diesen ganz speziellen Geruch, nach dem er schlicht und ergreifend süchtig war. Nichts und Niemand roch so wunderbar wie Klaas. Joko liebte es und er konnte nie genug bekommen. Seine Muskeln waren angenehm schwer. In seinem Kopf breiteten sich erste dunkle Strudel aus, die ihn sanft tiefer zogen. Er schlief schon fast, als Klaas ihn leise fragte, ob es da vielleicht noch mehr gab, was Joko bisher nicht erzählt hatte.

Joko grinste, schon halb im Schlaf, und kraulte flüchtig Klaas' Nacken. Er war so müde, dass seine Zunge schwerfällig am Gaumen anstieß, aber er wusste auch, dass Klaas die halbe Nacht grübelnd neben ihm liegen würde, wenn er jetzt einfach wegpennen würde.

„Kannst endlich aufhören, so eifersüchtig zu sein, da war nix sonst – ich lieb' schließlich nur dich.“

Joko hörte noch Klaas' Schnauben und seine Versicherungen, dass er auf keinen Fall eifersüchtig wäre und Joko sich mal wieder irgendeinen Scheiß zusammenreimen würde. Joko sparte sich eine Antwort darauf. Er driftete lächelnd in den Schlaf hinüber und glaubte, das geflüsterte „Ich lieb' dich auch“, nur geträumt zu haben.
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