Weiße Weihnacht - Glee-Wichtelgeschichte für Luthien82

Weiße Weihnacht - Glee-Wichtelgeschichte für Luthien82

Beitragvon cybershadowmoon » 26. Dez 2011, 23:29

Liebe Luthien82,
Hier nun ein wenig spät deine Wichtelgeschichte. Ich dumme Nuss hatte leider den USB-Stick zu Hause liegen gelassen, weshalb ich die Geschichte erst jetzt hochladen konnte. Ich liege ja aber noch in der Zeit, denn es ist ja noch immer der 26.12. nicht war? *hust*
Eigentlich hatte ich ja vor, ein Original zu schreiben, doch wollte mir nichts Rechtes einfallen, und so habe ich mich zum ersten Mal überhaupt an Fanfiction versucht. Ich hoffe ja, dass ich nicht allzu daneben liege und hoffe, dir gefällt deine Wichtelgeschichte und du hast schöne Weihnachten (gehabt).

Alles Liebe
cybershadowmoon

PS: eventuell würde ich ein paar der anderen Prompts für weitere kurze Fanfictions verwenden. Dank dir habe ich nämlich endlich "Inception" gesehen! *w*

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Der erste Morgen

„Guten Morgen, New York!“ „Und Frohe Weihnachten!“ „Sarah, da bist du wohl etwas voreilig, oder? Keine Sorge, Leute, ihr habt nicht das Fest verschlafen. Heute ist der 22. Dezember und pünktlich zu Weihnachten haben wir gute Nachrichten für euch Freaks!“ „Das stimmt, Jason! Die Stimmen von uns Romantikern wurden erhört und über Nacht hat sich eine weiße Schneedecke über unsere Stadt gelegt. Und das Beste? Es kommt noch mehr!“ „Also zieht euch warm an und raus mit euch zum Schneemänner bauen in den Central Park! Und um das Ganze gebührend zu feiern, hier nun der Weihnachtsklassiker: „Mr. Frosty! Los geht’s.“
Kurt lange hinüber zum Radio und schaltete es aus. Das Letzte, was er gebrauchen konnte, war eine quäkende Version dieses grauenvollen Monsters, welches sich Weihnachtslied schimpfte. Mit dem letzten Apfelschnitz aus seiner Müslischale zwischen den Zähnen warf er sich seinen Armani-Schal um und verließ das Appartement. Gerade als er die Tür abschloss, klingelte sein Smartphone. „Himmel!“ stieß er leicht gehetzt aus und versuchte, das Telefon aus seiner Manteltasche zu angeln ohne dabei seinen Kaffee zu verschütten oder den Schlüssel zu verlieren.
Nach einigen Augenblicken war es ihm gelungen, sein Telefon an sein Ohr zu bugsieren. „Kurt?“ „Oh, Hallo Dad!“ rief der junge Mann erfreut, während er abwesend seine Schlüssel in die Jackentasche gleiten ließ. „Wie geht es euch? Ich freue mich schon so, euch morgen alle zu sehen! Stell dir vor, ich habe neue Tischdekorationen besorgt. Carole wird Augen machen!“ Sein Vater nutzte die erste Gelegenheit, um seinen Redeschwall zu unterbrechen. Manchmal vergaß Kurt einfach, dass sich sein Vater nicht für Dinge wie Tischdekorationen oder Mode interessierte. „Kurt, ich rufe eigentlich an, um dich zu bitten, doch schon heute zu fliegen.“ „Was? Aber warum denn? Ich habe den Flug doch bereits für morgen Nachmittag fest gebucht. Kannst du dir vorstellen, was eine Umbuchung zusätzlich kosten würde?“ Kurt war ein wenig empört. Er hatte mit seinem Vater schon diverse Male dieses Gespräch geführt, aber Burt Hummel verstand einfach nicht, warum sein Sohn die Hälfte seiner Winterferien damit verbringen musste, an den Projekten für die Julliard zu arbeiten. Kurt war es sehr wichtig, dem Stipendium gerecht zu werden, welches ihm erlaubte, an der renommiertesten Schule Amerikas für die bildenden Künste zu lernen. Und manchmal erforderte das halt, dass man ein paar freie Tage opferte. „Mir geht es doch gar nicht darum, dir Steine in den Weg zu legen oder so was.“ Burts Stimme drang beschwichtigend aus dem Telefon, während Kurt langsam die Stufen hinabstieg. „Warum fängst du dann schon wieder mit diesem leidigen Thema an?“ wollte der junge Mann wissen. „Schließlich waren wir uns doch schon einig.“ Er hörte, wie sein Vater am anderen Ende seufzte. „Es geht um das Wetter. Die haben vorhin im Radio gesagt, dass es über Nacht an der gesamten Ostküste sehr viel Schnee geben wird. Die meinten sogar, dass es zu Behinderungen im Verkehr kommen kann. Was, wenn dein Flug gestrichen wird und du nicht herkommen kannst?“ Kurt lachte. „Dad, ich bitte dich! Die werden doch wegen der paar Flocken nicht den Flugverkehr lahmlegen.“ Er schüttelte den Kopf, obwohl sein Vater das über das Telefon natürlich nicht sehen konnte. „Du machst dir wieder einmal zu viele Sorgen.“ Er hörte, wie sein Vater etwas entgegnen wollte, doch Kurt hatte weder die Zeit noch die Lust, sich mit seinem Vater zu streiten. „Hör zu, ich muss mich jetzt ins Getümmel stürzen ehe die U-Bahnen völlig überfüllt sind und mir im Gedränge mein „Dolce & Gabbana“- Mantel zerknittert wird. Grüße Finn und Carole von mir und denk dran, dass Blaine heute Abend ankommen wird! Bis morgen!“ Noch ehe sein Vater etwas erwidern konnte legte er auf und verstaute sein Telefon wieder in der Innentasche seines Mantels, während er mit einem geübten Hüftschwung die Treppenhaustür aufstieß und gleichzeitig einen großen Schluck Café Latte aus seinem Thermosbecher nahm. Die Straßen waren um diese frühe Zeit für New Yorker Verhältnisse richtiggehend leer und kleine weiße Flocken tanzten vom Himmel herab.
Kurt zupfte seinen Schal zurecht und überprüfte noch einmal den Sitz seines neuen Stirnbands. Dann atmete er tief durch, lächelte der Welt im Allgemeinen zu und machte sich auf den Weg zur U-Bahn. Sein Vater machte sich eindeutig zu viele Sorgen.

Der zweite Morgen

„Tja, Sarah! Das mit dem Schnee hättest du dir vielleicht nicht wünschen sollen!“
„Oje, Jason. Da muss ich mich wohl erst mal bei allen New Yorkern entschuldigen. Wer hätte schon ahnen können, dass ein ausgewachsener Blizzard über Nacht den Big Apple erreichen würde.“
„Nun, unser Wetterfrosch bestimmt nicht. Nicht wahr, Noah?“
Missmutig schaltete Kurt das Radio aus. Er wusste schon, was der Wettermann sagen würde. Den gesamten Morgen war es ein und dieselbe Litanei. Finster starrte er aus dem Fenster in der Küche. Draußen wirbelte und peitschte eine weiße Wand aus Eis und Schnee vorüber und ließ die Scheiben erzittern. Den gesamten gestrigen Tag über hatten sich die Schneeflocken vermehrt, doch er hatte die Anzeichen für das Desaster geflissentlich ignoriert. Leider war das Wetter der Meinung, es müsse sich mal wieder richtig austoben und über Nacht hatte es so viel geschneit, dass er die Haustür unten kaum aufgeschoben bekommen hatte, um zum Bäcker drei Blöcke weiter zu gelangen. Nach dem kurzen Weg waren sowohl er aus auch die Backwaren, die er gekauft hatte, so durchgeweicht gewesen, dass er die Brötchen in den Ofen und sich noch einmal unter die Dusche schieben musste. Das heiße Wasser hatte ihm zuerst starke Schmerzen an den ausgekühlten Fingern und Zehen beschert als das Blut wieder zu zirkulieren begann, doch er hatte die Zähne zusammengebissen. Mit einer solch katastrophalen Frisur wie er sie nach dem kurzen Trip gehabt hatte würde er sich nicht auf die Straße begeben.
Beim Frühstück dann hatte er wieder einmal Radio gehört und zu seinem Schrecken erfahren, dass tatsächlich sämtliche Flüge für heute gestrichen worden waren. Es hatte über eine Stunde gedauert, ehe er bei der Fluggesellschafft jemanden erreicht hatte. Man hatte ihm sein Bedauern ausgedrückt. Nein, man konnte seinen Flug noch nicht umbuchen, da man noch nicht wisse, wann der Flugverkehr wieder aufgenommen werden konnte. Die Dame am anderen Ende hatte sich gute 10 Minuten sein zugegebenermaßen wirklich unfaires Gemecker und Gejammer angehört, ehe sie seine Telefonnummer aufgenommen hatte, damit man ihn kontaktieren konnte, sobald sein Flug nachgeholt werden konnte. Sie hatte ihm jedoch nicht viel Hoffnung gemacht, dass er pünktlich zu Weihnachten wieder in Ohio wäre. Er hatte sich gezwungen, sich höflich zu bedanken und zu verabschieden und hatte danach versucht, einen Mietwagen zu bekommen. So wie es aussah, war diese Idee aber schon diversen anderen Reisenden vor ihm gekommen und so kam es, dass er, als sein Vater einige Minuten nach seinem letzten Gespräch mit der 20ten Autovermietung anrief, keine guten Nachrichten hatte.
„Ich habe dir ja gesagt, du hättest gestern fliegen sollen!“ Die Stimme seines Vaters klang vorwurfsvoll und Kurt seufzte. Wie er es hasste, wenn er selber Unrecht und sein Vater Recht hatte. „Kannst du dir nicht ein Auto mieten und hier herfahren?“ Stumm seufzte Kurt erneut auf. „Nein, Dad. Alle Wagen sind vermietet.“ „Ach, komm schon. Das ist doch gar nicht möglich! Wie viele Autovermietungen gibt es in New York?“ Genervt entgegnete Kurt: „Es geht nicht darum, wie viele es im Stadtgebiet gibt, sondern wie viele ich zu Fuß erreichen kann, ohne tiefgekühlt in der Gosse zu enden! Selbst der U-Bahn-Verkehr ist zusammengebrochen!“ Kurt seufzte. Dieser Tag war wirklich grauenvoll.
„Soll das etwa heißen, dass du Weihnachten nicht hier bist?“ fragte sein Vater nach einigen Momenten. „Es sieht ganz danach aus, Dad. Und glaube mir, wenn ich dir sage, dass ich tausendmal lieber bei euch wäre.“ Er hörte nur mit halbem Ohr zu, wie sein Vater irgendwelchen Floskeln von sich ließ. Die Frage von Burt Hummel hatte ihm erst so richtig bewusst gemacht, was dieses Wetter wirklich für ihn bedeutete. Er würde über die Weihnachtsfeiertage nicht nach Hause kommen. Das wiederum bedeutete, dass er weder seine Familie noch Blaine sehen würde. Kurt spürte, wie sich sein Hals zuschnürte bei diesem Gedanken. Seit Blaine auf eine Uni in der Nähe seiner Heimatstadt ging und Kurt nach New York gezogen war, hatten sie sich nur einige wenige Male sehen können. Diese Art der Fernbeziehung war ganz und gar schrecklich für ihn. Manchmal lag er in der Nacht wach und stellte sich vor, wie Blaine auf seinem Campus mit irgendeinem süßen Kerl anbandelte. Der bloße Gedanke ließ in ihm derart viel Eifersucht aufkomme, dass er sich dann den Rest der Nacht hin und her warf.
In anderen Nächten vermisste er die Nähe des anderen so sehr, dass er gegen die Tränen ankämpfen musste. Es war, als würde ein Teil seiner Selbst fehlen. Manchmal telefonierten sie. Danach ging es ihm vor Sehnsucht häufig noch schlechter als vorher, deshalb hatte Kurt die Telefonate auf eine strikte Anzahl von 3 Anrufen pro Monat begrenzt. Blaine war damit gar nicht einverstanden gewesen und sie hatten sich so schlimm darüber gestritten, als sein Freund das letzte Mal da war, dass er angefangen hatte, um seine Beziehung zu fürchten. Letzten Endes hatte Blaine Kurts Wunsch respektiert, aber Kurt hatte das Gefühl, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis Blaine die Schnauze voll hatte. Und wie sagte man so schön? „Aus den Augen, aus den Sinn.“
„Kurt hörst du mir überhaupt zu?“ „Hm? Oh, ja, was hast du eben gesagt?“ Kurt war aus seinen Gedanken aufgeschreckt, als sein Vater ihn durch den Hörer fast angebrüllt hatte. „Ich sagte, dass wir die Wetterlage beobachten müssen und sobald die Flugzeuge wieder fliegen, kommst du nach Hause, O.K.?“ „Ja, natürlich.“ Sagte Kurt. „Ach ja, Dad? Ist Blaine in der Nähe? Ich würde ihn gerne sprechen.“ Hoffnungsvoll ließ Kurt seine Stimme ausklingen, doch sein Vater entgegnete nicht das, was er gehofft hatte. „Nein, er und Finn sind für Carole noch etwas besorgen gefahren. Soll ich ihm sagen, dass er dich zurückrufen soll?“ Erst wollte er ablehnen, doch dann überlegte er es sich noch einmal anders. „Ja, bitte.“ Wenn er ihn schon nicht zu Weihnachten sehen konnte, wollte er wenigstens seine Stimme hören, selbst wenn er danach wahrscheinlich in Sehnsucht und Selbstmitleid ertrinken würde.
Kurt verbrachte den halben Tag damit, auf der Couch zu sitzen und abwechselnd den Wetterbericht im Fernsehen zu verfolgen, aus dem Fenster zu starren und auf einen Anruf von Blaine zu warten. Im Hintergrund lief das neueste Album von Lady Gaga auf Dauerwiederholung. Wie hätte Kurt auch an einem solchen Meilenstein der Popmusik vorbeigehen können? Außerdem brauchte er etwas, um die Stille zu bekämpfen, die so vollkommen fehl am Platze war in dieser Wohnung. Kein Autolärm, kein Geschrei oder zu laute Musik aus den anderen Wohnungen und die Zimmer seiner beiden Mitbewohner Steven und Jack lagen sowieso schon seit fast einer Woche verwaist da. DIE hatten es gut, DIE waren ja rechtzeitig weggekommen!
Gerade als der junge Mann zum gefühlten 10.000. Mal abwechselnd auf sein Handy und das Haustelefon vor ihm auf den Tisch starrte, klingelte es an der Haustür. Er runzelte die Stirn und stand auf. Wer um alles in der Welt konnte das denn nur sein? Im Flur warf er einen kurzen, aber äußerst kritischen Blick in den Spiegel, zupfte eine Strähne zurecht, die sich vom Rest seines Ponys abgespalten hatte wie Robbie Williams von „Take That“, richtete kurz seinen Pullover und betätigte dann die Gegensprechanlage. „Ja, bitte?“ Am anderen Ende war nur ein gedämpftes Rauschen zu hören. Er runzelte die Stirn, dann rief er erneut in die Anlage: „Hallo?“ Als nach einigen Momenten wieder niemand antwortete, kam er zu dem Schluss, dass es wohl ein Klingelstreich oder aber ein Versehen gewesen sein müsste. Kurt hatte noch sich noch nicht einmal ganz herumgedreht, als es auf einmal laut an der Tür klopfte. Beinahe hätte er einen Herzinfarkt gekriegt. Leise und vorsichtig neigte er sich zum Türspion, um zu sehen, wer denn der unerwartete Besuch war. Direkt bei seinem Einzug hatten ihn seine Mitbewohner eingebläut, NIEMALS Fremden die Tür zu öffnen. Manchmal bewahrte einem in dieser Stadt nur eine geschlossene Tür davor, sich eine Kugel einzufangen. Ganz besonders, wenn man in einer eher heruntergekommenen Gegend wie ihrer lebte.
Kurt stöhnte auf, als er durch den Spion sah, wer genau vor seiner Tür stand. Durch das gewölbte Glas grinste ihn das unverkennbare Lächeln von Rachel Berry an. Das hatte ihm in seiner momentanen Stimmung gerade noch gefehlt.
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„Weißt du, ich dachte mir schon, dass du vermutlich nicht mehr rechtzeitig weggekommen bist, deshalb habe ich dir ein paar kohlenhydratarme Cupcakes gebacken und uns ein paar schnulzige Liebesfilme und Musicals mitgebracht, damit wir uns einen netten Abend machen können. Wenn ich etwas aus den Tonnen von Weihnachtsfilmen gelernt habe, dann, dass niemand um diese Zeit des Jahres alleine in seiner Wohnung versauern sollte. Ich weiß, dass ich als Jüdin eventuell nicht die richtige Person bin, um die wohlgelobte christliche Nächstenliebe zu praktizieren, aber ich dachte trotzdem, dass es nicht schaden könnte, dir etwas Gesellschaft zu leisten. Meine Mitbewohnerinnen sind alle schon vor Tagen nach Hause gefahren und meine Dads haben beschlossen, die Weihnachtszeit auf Hawaii zu verbringen. Ihre Therapeutin hat gesagt, das würde ihrer Beziehung nur gut tun und so haben sie mir kurzerhand ein paar Karten für die weihnachtlichen Broadwayshows zugeschickt und sind abgehauen. Nicht, dass ich es ihnen übel nehme. Wer könnte seinen Eltern schon übel nehmen, dass sie einem Karten für „Wicked“ besorgen, wo die Show doch eigentlich Monate im Voraus ausgebucht ist. Naja, jedenfalls habe ich mir gedacht: warum sollte ich alleine in meinem Zimmer rumhängen und einsam und verlassen Gesangsübungen vor dem Spiegel machen, wenn ich stattdessen mit dir einen Mädchenabend verbringen kann!“ Kurt staunte zum wiederholten Male nicht schlecht, wie Rachel in so atemberaubender Geschwindigkeit sprechen und gleichzeitig mehr lächeln konnte als ein Model für Zahnpasta. Während ihrer ersten Tirade hatte sie sich einfach an ihm vorbeigeschoben, ihren äußerst unmodischen Vintage-Tweedmantel an die Garderobe gehängt und hatte sich mit dem mitgebrachten Körbchen bewaffnet in die Küche begeben, wo sie wie selbstverständlich begann, Kaffee zu kochen und weiterhin die Luft um sie herum mit Worten zu füllen.
„Rachel, das ist wirklich lieb gemeint, aber ich bin nicht so wirklich in der Stimmung für Besuch.“ Versuchte er schwach Einwände zu erheben, doch Rachel kam auf ihn zu, kniff leicht in seine Wangen und sagte: „Sei nicht albern! Du hast nichts zu tun, das Wetter ist fürchterlich und ich habe nicht nur „Vom Winde verweht“ dabei, dessen Titel beinahe schon als ironischer Untertitel zur momentanen Gesamtwetterlage herhalten könnte, sondern auch die „West Side Story“ und „Les Miserables“!“ Wieder blitzte ihm das typische Rachel-Berry-Lachen entgegen. „Du meine Güte! Ist das etwa das neue Album von Lady Gaga?“ Begeistert lief sie an ihm vorbei zurück ins Wohnzimmer, wo er sich die nächsten 15 Minuten einen Vortrag zu Lady Gaga und die aktuell neu erstarkende Popkultur anhören durfte, ehe sein Besuch wieder in die Küche rauschte, um Café Latte zu produzieren. Kurt hatte schließlich aufgegeben und verbrachte den gesamten Nachmittag und einen Großteil des Abends damit, mit Rachel auf der Couch zu sitzen, Kuchen zu essen und Kaffee zu trinken und Blue-Rays zu schauen, während der Wind lautstark an den Fenstern rüttelte und die Schneeflocken unablässig dagegen peitschten. Die Gesellschaft und Rachels ewiges Geplapper taten ihm gut, auch wenn ihr aktueller Weihnachtspullover eher eine Zumutung war, über die er nur schwer hinwegsehen konnte. Rachel blieb letzten Endes über Nacht und schlief auf dem Schlafsofa und Kurt selber fiel erst am nächsten Vormittag, als Rachel bereits wieder gegangen war, auf, dass Blaine sich nicht gemeldet hatte.

Heiligabend

"Kein Anschluss unter dieser Nummer…………….. Kein Anschluss unter dieser Nummer…………….. Kein Anschluss“ Mit einem frustrierten Schnauben legte Kurt wieder auf. Konnte dieser Heiligabend denn noch schlimmer werden?! Wütend ließ er sich aufs Sofa fallen, schlug die Beine übereinander und wippte so sehr mit dem Fuß, dass dieser immer wieder mit einem lauten Geräusch gegen die Unterseite des Couchtisches knallte. Nicht genug damit, dass er hier festsaß anstatt mit seiner Familie Weihnachten zu verbringen, nein, der Tag war stetig bergab gegangen.
Es begann damit, dass er feststellen musste, dass seine Gesichtscreme leer war. Er hatte es nicht für nötig gehalten, einen neuen Tiegel zu kaufen, da er das ja zu Hause auf dem Weg vom Flughafen hätte machen können. Nun gut, er konnte notgedrungen auch mal einen Morgen ohne dieses Zeug auskommen, wenn es sein musste. Schlimmer war der Moment, als er feststellen musste, dass er keinen Kaffee mehr hatte. Rachel hatte anscheinend das letzte Kaffeemehl verbraucht, bevor sie gegangen war, ohne ihn zu wecken. Es gab viel, was Kurt ertragen und tolerieren konnte, Tweedjacken und Schlaghosen eingeschlossen, aber ein kaffeeloser Morgen war für ihn noch schlimmer als Kleidung der vorletzten Saison, also hatte er sich tapfer auf den Weg zum nahegelegenen Supermarkt gemacht.
Über Nacht war der Schnee so schlimm geworden, dass er kaum die Haustür aufbekommen hatte und auf dem Weg zum Supermarkt rutschte er auf einer gefrorenen Pfütze aus und landete in einem der hohen schmutziggrauen Schneeberge am Straßenrand, die der Räumdienst von der Fahrbahn und den Bürgersteigen gleichermaßen gekehrt hatte. Als er dann auch noch mit dreckigen Klamotten, schmerzender Hüfte und zerstörter Frisur vor den beinahe komplett leeren Regalen des Supermarktes stand (der Kaffee war natürlich ausverkauft), war er sich sicher. Die Welt hatte sich gegen ihn verschworen. Nur, um nicht das Gefühl zu haben, vollkommen umsonst losgezogen zu sein, kaufte er irgendetwas ein und kämpfte sich dann zurück zu seiner Wohnung.
Der Wetterbericht im Radio hatte seine Stimmung noch tiefer sinken lassen, denn es sah so aus, dass dieses Wetter noch bis ins neue Jahr anhalten würde. Aus den Nachrichten erfuhr er dann, dass die ersten New Yorker bereits Vorratskäufe getätigt hatten, was die leeren Supermarktregale erklärte. Nach einem heißen Tee hatte er dann zu seinem Telefon gegriffen und versucht, zu Hause anzurufen, doch dort war auch nach 2 Minuten niemand rangegangen. Wo steckten die denn? Verwundert hatte er die Stirn gerunzelt und dann stattdessen Blaines Handynummer gewählt. Nach wenigen Freizeichen hatte dieser dann tatsächlich abgenommen.
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„Anderson?“
„Blaine? Hallo, ich bin’s.“
„Kurt? Oh hey! Was gibt es?“
Kurt stutzte ob dieses angesichts der aktuellen Umstände äußerst allgemein gehaltenen Smalltalks. Er steckte hier in einem Schneesturm fest, würde Weihnachten nicht mit Blaine verbringen können und sein Freund begrüßte ihn, so als ob er sich nur mal kurz ohne triftigen Grund melden würde. Kurts Nerven lagen blank.
„Was es gibt? Ist das dein Ernst?!“ fragte er gezwungen ruhig.
Er hörte, wie sich am anderen Ende eine unangenehme Stille breit machte. Im Hintergrund konnte Kurt fröhliches Lachen hören. Neid für diese unbekannten und gesichtslosen Stimmen überkam ihn. Wieso durften DIE so fröhlich bei ihrer Familie sein und er hockte hier alleine?
„Kurt, hör mal. So war das doch nicht gemeint.“
Blaines Stimme klang bittend, doch Kurt hatte einen zu schlechten Vormittag gehabt, als dass er nun seine nette Seite zeigen konnte.
„Ach ja? Und wie war es dann gemeint?!“ Er wusste, dass seine innere Diva gerade mit wehenden Fahnen die Führung übernommen hatte und vermutlich würde er dies später auch bereuen, aber nun wollte er erst einmal wütend sein. Seine Situation war schließlich alles andere als erfreulich.
„Ach komm schon!“ setzte Blaine an. „Du weißt doch, dass-„ Doch dann hörte Kurt, wie Blaine am anderen Ende der Leitung unterbrochen wurde. „Blaine! Es wird Zeit. Wir müssen los.“
Kurts Haltung veränderte sich beim Klang dieser Stimme auf dramatische Weise. Hatte er eben noch halbwegs entspannt auf dem Sofa gesessen, schoss er nun unvermittelt in die Höhe und blieb, alle Muskeln gespannt, mitten im Raum stehen. Sein Gesicht wirkte wie versteinert und seine Augen starrten alarmiert ins Leere.
„War das Jeremiah?“ fragte er tonlos.
Er hörte, wie Blaine am anderen Ende aufstöhnte. „Kurt, warte, es ist nicht so, wie du denkst. Ich-„ Er ließ ihn gar nicht erst aussprechen. „Nicht so, wie ich denke? Und wie ist es dann? Ich hocke hier in dem schlimmsten Schneesturm seit Beginn der Wettermessung und du verabredest dich hinter meinem Rücken mit diesem- diesem-!“ Die Worte blieben ihm vor Enttäuschung im Halse stecken. Tausend Fragen rasten durch seinen Kopf. Warum war Jeremiah dort? Warum war er mit Blaine unterwegs? Und wie lange lief das schon so?
„Kurt, Ich-„ setzte Blaine an, doch er erfuhr nicht mehr, was sein Freund hatte sagen wollen, denn aus heiterem Himmel gab es ein Klicken und dann ein andauerndes Tuten. Die Verbindung war zusammengebrochen.
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Zum gefühlt hundertsten Mal drückte Kurt die Taste für die Wahlwiederholung, doch die Ansage blieb die gleiche. „Kein Anschluss unter dieser Nummer.“ Aus den Nachrichten hatte er erfahren, dass die Telefonverbindungen an der gesamten Ostküste zusammengebrochen waren und selbst das Mobilfunknetz nicht mehr funktionierte, doch versuchte er es trotzdem immer wieder, weil er wissen musste, was Blaine hatte sagen wollen. Nichts war schlimmer, als seinen eigenen Gedanken überlassen zu sein, nachdem er feststellen musste, dass sein Freund mit diesem Jeremiah unterwegs war und wer-weiß-was tat während er hier in seiner verlassenen WG saß und Löcher in die Wand starrte.
Im Sommer, als sie beide zum ersten Mal, seit sie auf der Highschool zusammengekommen waren, getrennte Wege gehen mussten, hatte Blaine Jeremiah wiedergetroffen. Kurt erinnerte sich noch gut an das GAP-Fiasko, als Blaine versucht hatte, diese Kerl zu bezirzen. Er war schon damals sehr eifersüchtig auf diesen Kerl gewesen. Weil er aber zu der Zeit noch nicht mit Blaine zusammen gewesen war, hatte sich sehr zurückgehalten. Blaine war seine erste wirkliche Vertrauensperson gewesen. Er hatte sich dies nicht kaputt machen wollen.
Bei seinem allerersten Besuch an Blaines Uni am ersten freien Wochenende des Sommers war er auch prompt in die beiden gelaufen, wie sie lachend im Park zusammen Kaffee getrunken hatten. Kurt hatte sofort gesehen, dass Jeremiah heftig mit Blaine geflirtet hatte und da er nicht mehr der ein wenig unsichere Schüler, sondern mittlerweile ein junger und selbstbewussterer Mann war, war es gekommen, wie es kommen musste, und Kurt hatte Blaine eine Szene gemacht. Sie hatten sich damals wirklich übel gestritten, denn Blaine war mal wieder zu rehäugig gewesen, um Jeremiahs wahre Absichten zu erkennen und hatte Kurt stattdessen unterstellt, er würde klammern. Daraufhin war er wieder abgeflogen und sie hatten mehrere Wochen nicht mehr miteinander gesprochen ehe Blaine sich ein Herz gefasst und ihn angerufen hatte. Er hatte sich damals bei Kurt entschuldigt, denn anscheinend war Jeremiah mittlerweile deutlicher geworden, so dass auch Blaine verstanden hatte, dass er nicht einfach nur ein Freund sein wollte. Sie hatten sich ausgesprochen und Blaine hatte geschworen, nichts mehr mit Jeremiah zu unternehmen. Was er von diesem Versprechen halten konnte, wusste er ja nun.
Rastlos begann Kurt damit, auf und ab zu laufen, sich wieder hinzusetzen, dann wieder aufzustehen und erneut durch die Wohnung zu tigern. Zwischendurch versuchte er immer wieder Blaine zu erreichen, denn trotz allem hoffte er auf eine vernünftige und harmlose Erklärung, die er Blaine glauben konnte, die er ihm glauben wollte. Schließlich war es ja nicht so, dass er seinem Freund nicht vertraute. Wenn man jedoch in einer Großstadt auf eine Schule ging, an der mindestens die Hälfte der Kommilitonen so schwul wie Freddy Mercury und so beständig wie Madonnas Kleidungsstil waren, kam man unweigerlich auf die absurdesten Ideen. Leider schienen die Störungen des Telefonnetzes weiter anzudauern, denn eine Verbindung bekam er nicht zustande.
Irgendwann im Laufe des Nachmittags stand Rachel wieder vor der Tür, doch dieses Mal wehrte er sie erfolgreich ab. Aufgrund der Wetterlage war die Vorstellung von „Wicked“, welche sie besuchen wollten, abgesagt worden. Zugegeben war er gestern ziemlich dankbar für die Ablenkung gewesen, doch wollte er ihr heute nicht seine Gesellschaft antun. Außerdem bezweifelte er, dass er einen weiteren Nachmittag mit einer Überdosis „Rachel Berry“ überleben würde. Stattdessen schaute er Fernsehen, wobei er versuchte, einen Bogen um sämtliche schnulzigen oder romantischen Weihnachtsfilme zu machen (ein nahezu unmögliches Unterfangen) und beschloss nach einem letzten Telefonversuch, früh ins Bett zu gehen.
Noch lange lag er wach da. In seinem Kopf rasten die düsteren Gedanken nur so herum. Er dachte viel nach. Er dachte an seine Familie. Was wäre, wenn sein Vater wieder einen Infarkt hätte und er saß hier fest? Würden sie ihn überhaupt erreichen können? Wer hatte nun, da er nicht da war, das Schmücken des Hauses übernommen? Sein Vater hatte schon immer Kurt die Dekorationen machen lassen, aber nun hatte es wahrscheinlich Carole übernommen. Er dachte auch an das Weihnachtsessen, an die Lieder und den Baum. Er dachte an all die kleinen Dinge, die Weihnachten immer so besonders gemacht hatten, wie zum Beispiel, dass sein Vater bereit war, mit ihm zusammen ein Musical oder einen kitschigen alten Weihnachtsfilm zu sehen, obwohl er tausend Mal lieber einen Actionfilm oder eine Sportaufzeichnung geschaut hätte.
Er dachte daran, dass er das traditionelle Marshmallowgrillen verpassen würde. Diese Tradition war im Hummel-Haushalt nach dem Tode seiner Mutter entstanden, als sein Vater im ersten Jahr den Braten versaut hatte. Sie hatten letztlich den Lieferservice bemüht, doch zum Nachtisch hatte sein Vater den Grill im Garten angeschmissen und sie hatten draußen in der Kälte gestanden und Marshmallows über die Gasflammen gehalten. Er wusste noch, wie er an jenem ersten Heiligabend so unsagbar traurig gewesen war, weil seine Mutter nicht mehr bei ihnen war, und doch auch so glücklich, weil sein Vater da war und es auf seine ungeschickte Art doch geschafft hatte, ihn aufzumuntern. Er erinnerte sich auch daran, wie er an der gleichen Stelle am ersten Heiligabend nach der Hochzeit von seinem Vater und Carole zum ersten Mal seit langer Zeit wieder das Gefühl gehabt hatte, eine richtige Familie zu haben.
Aber so sehr er seine Familie auch vermisste, die meiste Zeit dachte er doch an Blaine, während er im Dunkeln versuchte einzuschlafen. Er erinnerte sich an ihr erstes Treffen damals in der Dalton Academy, als er versucht hatte, so unsagbar auffällig zu spionieren. Beinahe musste er bei dem Gedanken laut auflachen. Er dachte an ihren ersten Kuss, der für ihn so überraschend gekommen war, und daran, wie sein Bauch voller Schmetterlinge gewesen war, die Loopings flogen. Und er dachte an ihr erstes Mal und wie aufgeregt und nervös er gewesen war. Kurt erinnerte sich ebenfalls daran, wie sie zusammen besprochen hatten, wie es nach der Schule weitergehen sollte und an die langen Telefonate, die sie immer wieder führten, um einander nahe zu sein. Und er erinnerte sich an die Sache mit Jeremiah und wie es beinahe das Ende ihrer Beziehung gewesen wäre.
Angst und Sehnsucht schnürten ihm die Kehle zu. Fahrig wischte er sich im Dunkeln die Tränen fort und versuchte, an schönere Dinge zu denken. Doch wie es häufig der Fall ist, wenn man einen schlimmen Gedanken hat, funktionierte das so überhaupt nicht. Stattdessen sorgte sein Gehirn dafür, dass ihm in äußerst lebendigen Farben Vorstellungen durch den Kopf huschten von Blaine und Jeremiah, wie sie sich an allen möglichen und unmöglichen Orten zu einem geheimen Tête-a-tête trafen. Kurt wusste, dass das Meiste davon völlig absurder Blödsinn war. Blaine würde lieber sterben als Sex an einem öffentlichen Ort oder in einem billigen und wenig reinlichen Hotel zu haben, egal mit wem, aber seine Fantasie schien da anderer Meinung zu sein.
Lange wälzte er sich hin und her, doch irgendwann gelang es ihm tatsächlich einzuschlafen, nur damit er den merkwürdigsten aller Albträume haben konnte, in welchem sein Vater im Sterben lag, während Blaine es auf dem Krankenbett mit Jeremiah trieb, während Carole und Finn einen kleinen Grill mit Weihnachtsschmuck dekorierten, um dann weinend Marshmallows zu grillen, die wie kleine Rachel Berries geformt waren. Rachel selbst war auch da und stand in einer Ecke des Raumes und sang Weihnachtslieder, während er selber durch das kleine Fenster in der Zimmertür starrte und die Tür nicht öffnen konnte. Egal, wie sehr er schrie und an der Klinke rüttelte, die Tür öffnete sich nicht. Irgendwann schlug er mit beiden Händen dagegen, so dass das donnernde Klopfen durch das gesamte Krankenhaus hallte und ihn alle böse anstarrten. Dann sah er, wie hinter der Tür eine Flamme aus dem Grill schoss und das Zimmer in Brand steckte. Panisch rief er nach Hilfe und trommelte weiter gegen die Tür, doch alle starrten ihn nur an, bis letztlich ein kleiner Junge auf ihn zu rannte und ihn von der Tür wegstieß. Kurt schrie auf, fiel- und knallte in seiner Bettdecke verheddert auf den Boden seines Schlafzimmers.

Der Weihnachtsmorgen

Es dauerte einen Moment, ehe er wusste, wo er war, und noch einen Moment, ehe er sich aus der Umklammerung seiner Bettdecke befreit hatte. Erst als er frierend in seinem Pyjama dastand und auf die Uhr starrte, merkte er, dass das Klopfen aus seinem Traum noch immer zu hören war. Irgendjemand klopfte an seine Wohnungstür. Verschlafen und mit zerzausten Haaren stolperte er schlaftrunken in Richtung Flur. Er würde Rachel umbringen! Er würde sie packen, sie an einen Stuhl binden und sie zwingen, stundenlang schlecht gesungene Polka anzuhören! Mit geübten Fingern öffnete er die Schlösser und Riegel der Wohnungstür, ohne auch nur einen einzigen Gedanken an sein Aussehen oder den Türspion zu verschwenden, und riss diese mit wütend funkelnden Augen auf. „WAS WILLST DU, RACHEL?!“ Doch vor seiner Wohnungstür stand nicht Rachel. Stattdessen starrten ihn hellbraune Augen geschockt und amüsiert zugleich an.
„Na, das ist aber eine ungewohnte Begrüßung.“ Das Lächeln auf Blaines Gesicht brachte Kurts schlechte Laune schneller zum Schmelzen als eine Wärmelampe ein Sorbet. „Blaine? Aber? Was-?“ brachte er noch kurz heraus, ehe sein Freund seine Überraschung ausnutzte, um seine Hände um Kurts Hüften zu schlingen und ihn in einen zärtlichen und zugleich leidenschaftlichen Kuss zu ziehen. „Überraschung.“ Flüsterte der Dunkelhaarige, ehe er Kurts Lippen erneut mit seinen versiegelte und einen sehnsüchtigen Seufzer erklingen ließ. Mit einem Schlag hatte Kurt all den Ärger und die finsteren Gedanken vergessen und legte stattdessen seine Hände in den Nacken seines Freundes, während er den Geschmack, den Duft und die Wärme des Anderen gleichermaßen in sich aufnahm. Sie hätten wahrscheinlich ewig so dagestanden, wenn sie nicht eine ihm wohlbekannte Stimme unterbrochen hätte. „Ich weiß, ihr habt euch ewig nicht gesehen, aber wir könnten hier mal ein wenig Hilfe gebrauchen!“ „Dad? Bist du das?“ rief Kurt erstaunt ins Treppenhaus hinein, während er noch immer seinen Freund umarmte. „Natürlich bin ich das. Und jetzt kommt gefälligst und helft tragen! Wir schaffen das nicht alles allein.“ Der vertraute Kopf von seinem Vater tauchte auf den Treppenstufen auf, dicht gefolgt von einem großen Karton, den er mit beiden Händen vor sich hertrug. „Mum, schaffst du das wirklich alleine?“ hörte Kurt Finn weiter unten fragen und Caroles Stimme antwortete seinem Stiefbruder, auch wenn er nicht genau verstehen konnte, was sie sagte. „Aber, was macht ihr denn alle hier?“ fragte Kurt den Tränen nahe vor Freude. „Das war alles Blaines Idee.“ Sagte sein Vater, während er sich mitsamt des Kartons an seinem Sohn vorbeiquetschte, da dieser noch immer die Wohnungstür verstopfte. Erstaunt sah Kurt Blaine an und dieser lachte. „Du hast doch nicht geglaubt, dass ich mir Weihnachten mit dir entgehen lasse, oder?“ „Aber wie seid ihr hier hergekommen?“ Kurt war glücklicher und verwirrter zugleich als jemals zuvor in seinem Leben. „Blaine hat einen alten Freund von sich angerufen.“ Antwortete nun Finn, welcher dicht gefolgt von Carole die Treppen hinauf kam. „Der hat so einen monstermäßigen Geländewagen. Du weiß schon, einer von denen, in denen man eine halbe Footballmannschaft samt Ausrüstung transportieren kann! Der hat uns gestern den gesamten Tag und die ganze Nacht hindurch hierhergefahren.“ Kurt runzelte die Stirn. „Welcher Freund?“ Doch wie zur Antwort kam nun Jeremiah die Treppen hinauf, welcher schwer mit einem Tannenbaum zu kämpfen hatte, den er hinter sich her hievte.
Blaine schien anscheinend besorgt zu sein, dass Kurt etwas missverstand, daher begann er sofort hastig damit, ihm alles zu erklären. „Jeremiah musste eh nach New York zu seinem neuen Freund und da war er so nett und hat uns mitgenommen.“ „ Es war ganz schön schwierig, bei dem ganzen Schnee hierherzukommen. Cole hatte leider keinen Flug mehr bekommen, bevor der Verkehr eingestellt wurde.“ Mit diesen Worten stellte Jeremiah den Tannenbaum an die Wand neben die Wohnungstür. „Ich muss jetzt auch weiter. Ich habe die anderen Sachen unten ins Treppenhaus gestellt.“ Mit diesen Worten reichte er Kurt die Hand. Dieser schüttelte sie. „Vielen Dank.“ Sagte er und er wusste, wie zerknirscht es klang, doch Jeremiah lächelte nur, winkte Blaine kurz zum Gruß und polterte dann die Treppen wieder hinab. Wie hatte er nur so falsch liegen können? Aber Kurt blieb keine Zeit, ein schlechtes Gewissen zu haben, denn Carole zog ihn sofort in eine Umarmung, als sie seiner habhaft wurde. „Du hast doch nicht gedacht, dass wir dich an Weihnachten alleine lassen, Schätzchen?“ Leicht kniff sie ihn in die Wange, ehe sie ihn aus ihrem Griff entließ und den Koffer in die Wohnung rollte. Blaine platzierte noch einen kurzen Kuss auf seine Lippen, ehe er ihn wieder zurück durch die Wohnungstür schob. „Ich werde mit Finn die restlichen Sachen hochholen und du ziehst dir erst einmal etwas Vernünftiges an.“ Grinsend lief der dunkelhaarige junge Mann wieder die Treppen hinunter und Kurt sah ihm kurz nach, ehe er sich umwandte und seinem Spiegelbild im großen Wandspiegel gewahr wurde. Noch nie in seinem Leben war er so schnell im Bad verschwunden gewesen.
************
Am Abend, als Ruhe in der kleinen Wohnung eingekehrt war (wenn man vom schnarchen seines Vaters im Nebenraum einmal absah), lag er mit Blaine in seinem Bett und sprach flüsternd mit ihm. „Das war ein schöner Tag“ seufzte er. Blaine platzierte einen Kuss auf seiner Stirn und antwortete: „Ja, das war er.“ Dann lachte er leise. „Ich mochte besonders das Grillen der Marshmallows vor der Haustür. Eure Nachbarn haben nicht schlecht gekuckt.“ Auch Kurt musste lächeln. „Weißt du, das ist bei uns Tradition. Es ist vielleicht ein wenig schräg, aber es gehört einfach dazu.“ Er kuschelte sich noch ein wenig enger an seinen Freund. Seine Finger waren mit Blaines verschränkt und er konnte seinen Herzschlag hören. „Es tut mir leid, dass sich so schrecklich eifersüchtig gewesen bin.“ Sagte Kurt aus einem Puls heraus. Jetzt im Nachhinein war ihm klar geworden, dass er sich unmöglich aufgeführt hatte. Blaines Hand wanderte sanft seinen Rücken hinauf und wieder hinab. „Schon in Ordnung. So weiß ich wenigstens, dass du dir hier keinen süßen New Yorker angelacht hast.“ Blaines Stimme klang nur halb scherzend und zu seinem großen Erstaunen wurde Kurt zum ersten Mal bewusst, dass sein Freund vielleicht genauso eifersüchtig war, wie er selbst. Sie hatten nur unterschiedliche Wege es zu zeigen. Kurt blickte auf und sah Blaine in die Augen. Er wollte noch so viel loswerden, so viel sagen, doch manchmal hatte man ein so großes Glück wie er selbst es hatte und traf einen Menschen, der einen auch ohne Worte verstand. Blaines Lippen schmeckten nach süßem Punsch und mehr und wenig später war er sehr dankbar, dass sein Vater manchmal so ein lauter Schnarcher war und sein Bett nicht quietschte.
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Re: Weiße Weihnacht - Glee-Wichtelgeschichte für Luthien82

Beitragvon luthien82 » 31. Okt 2013, 23:12

Vielen Danke für die nette kleine Weihnachtsgeschichte. Hätte Kurt mal lieber auf seinen Dad gehört :) Aber Gott sei Dank war Blaine so fantastisch wie immer und hat die Feier einfach nach New York verlagert. Ich würd gern mehr schreiben, aber leider bin ich schon die gesamten Feiertage furchtbar krank und hab nur Flusen im Kopf. Aber sei versichert, dass mir deine Story sehr gefallen hat!
Zuletzt als neu markiert von Anonymous am 31. Okt 2013, 23:12.
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