Zehn Dinge (KH, Riku/Sora) für Kazu

Zehn Dinge (KH, Riku/Sora) für Kazu

Beitragvon Sammy-chan » 26. Sep 2015, 01:08

Titel: Zehn Dinge
Fandom: Kingdom Hearts
Rating: P12-slash
Pairing: Sora/Riku
Warnings: fluff!


Hallo liebe Kazu,

ich habe mir natürlich einen deiner Kingdom Hearts-Wünsche ausgesucht. Ich hätte dir sehr gerne auch den Lea/Ventus-Wunsch erfüllt und habe da lange drüber nachgedacht. Aber er war mir dann leider doch etwas zu verzahnt in der Story, die wir ja noch nicht kennen und deshalb habe ich mich dann doch für Sora und Riku entschieden. Und zwar für das Teenimagazin :D Weil ich den Wunsch interessant fand und so etwas in der Art noch nie gelesen habe. Ich bin allerdings nicht sicher, ob es mir so richtig gut gelungen ist den Wunsch umzusetzen, aber sieh einfach selbst.
Ansonsten kann ich noch sagen, dass hier vielleicht noch der ein oder andere Onnie zu folgen könnte, aber man kann es auch so als Stand-alone lesen.
Und nun wünsche ich dir viel Spaß :knuff:


~~~

Nach allem, was passiert war. Nach allem, was sie erlebt hatten, war Riku wieder hier. Zurück in ihrem kleinen Ort, zurück in der Schule.
Hier hatte sich nichts verändert, rein gar nichts hatte sich verändert. Immer noch der gleiche beschauliche Ort direkt am Meer. Immer noch dieselben Menschen, die in einem scheinbaren Paradies lebten. Verändert hatte sich nur Riku selbst.
Er hatte Welten gesehen, alles, was er sich so gewünscht hatte. Aber jetzt? Jetzt machte es ihn glücklich wieder hier zu sein, bei seinen Freunden, bei Sora. Manchmal war es so friedlich, dass es langweilig schien, aber für Riku war es das, was ihn zur Ruhe kommen ließ.
Die Schulglocke klingelte zur Pause und keine Minute später stand ein schweratmender Sora in der Tür zum Klassenzimmer.
„Riku!“
Mit Sora wurde es sowieso nie langweilig.
„Bist du gerannt?“, wollte Riku wissen und fühlte sich gleich noch ein bisschen besser, weil Sora es anscheinend kaum abwarten konnte, ihn zu sehen.
Sora nickte nur kurz, als wäre es vollkommen nebensächlich und hielt Riku dann etwas ins Gesicht.
„Tadaa!“
Er runzelte die Stirn, das etwas, was ihm da entgegen gestreckt wurde war eine Zeitschrift mit einem Titelbild, das ein gut gelauntes Mädchen mit pinken Fingernägeln und einem übertriebenen Lächeln im Gesicht zeigte.
„Hat Selphie mir gegeben.“
Riku schob die Zeitschrift beiseite, um Sora wieder ins Gesicht sehen zu können.
„Aha, und das hat sie getan, weil?“
Und einen Moment wirkte Sora verblüfft, als hätte er sich die Frage noch gar nicht gestellt. Hatte er wahrscheinlich auch nicht. Irgendetwas zu hinterfragen war nicht gerade Soras Stärke.
Aber schon im nächsten Augenblick grinste Sora wieder sein typisches Sora-Grinsen und kratzte sich am Kopf.
„Wahrscheinlich damit wir sie lesen.“
„Wir? Also ich lese das bestimmt nicht, ich bin kein Mädchen. Wo ist eigentlich Kairi, warum liest du sowas nicht mit ihr?“
Aber im nächsten Moment bereute Riku seine Worte, denn Sora sah ihn erst groß an und wechselte dann in den Schmollmodus. Es war pure Berechnung, manchmal dachte Riku das zumindest. Sora wusste es doch ganz genau, er wusste, dass man ihm dann nichts abschlagen konnte, schon gar nicht Riku, der machte nämlich sowieso alles, was Sora wollte, früher oder später. Ob er selbst das wollte oder nicht, das war dabei reichlich egal. Aber eigentlich wollte er ja auch nur, dass Sora ihn anlächelte, mit diesem besonderen Lächeln, was er Riku manchmal schenkte und das sich wie Heimat anfühlte.
„Keine Ahnung, die ist mit den anderen Mädchen weg. Ich will das aber mit dir lesen.“
Und Riku seufzte innerlich, als er die kaum vorhandene Gegenwehr aufgab. Eine Chance hatte er sowieso nie gehabt.
„Okay, schon gut.“
Das Strahlen kehrte auf Soras Gesicht zurück und Riku dachte sich, dass es dann wohl nicht so schlimm wäre, wenn er dafür eine Mädchenzeitschrift lesen musste.

Diese Meinung revidierte er aber wieder, als sie wenige Minuten später draußen auf der Wiese unter einem der Bäume, mit dem Rücken an dem Stamm gelehnt, saßen. Sora blätterte durch das Magazin, während Riku ihm halbherzig über die Schulter sah.
Er blätterte sich von einer Seite zur nächsten, die Schmink- und Beautytipps beinhalteten. Riku hatte nicht gewusst, was man sich alles schminken konnte und auf wie viele verschiedene Arten oder was der Unterschied zwischen blass-rosa und apricot war. Jetzt wusste er es. Und wenn er ehrlich war, dann hätte er auch gut und gerne auf die Informationen verzichten können.
Auf den folgenden Seiten wurden die Schminktipps von passenden Frisurentipps für jede Gelegenheit abgelöst. Locken oder glatt, offen, zusammengebunden, für feierliche Anlässe oder auch leger. Tatsächlich für jede Gelegenheit, wie Riku feststellte. Und nein, er hatte natürlich auch nicht gewusst, was man mit Haaren alles anstellen konnte oder wo der Unterschied zwischen Beach Waves und Korkenzieherlocken war.
„Glaubst du wirklich an deiner Frisur ist noch irgendwas zu retten?“
Er nutzte die Gelegenheit und wuschelte Sora durch das Haar, was sich weicher anfühlte als es aussah.
Sora knuffte ihn in die Seite, machte aber keine Anstalten seine Hand wegzuschubsen, eher lehnte er sich in die Berührung und Riku ließ seine Hand vielleicht ein bisschen länger auf Soras Kopf ruhen, als es nötig gewesen wäre.
„Nee, aber du könntest da vielleicht den ein oder anderen Tipp gebrauchen.“
Er deutete auf ein Bild mit einer schicken Hochsteckfrisur, bei der Riku gar nicht wusste, wie man das Haar an manchen Stellen feststecken sollte, damit es auch da blieb, wo es war.
„Ich glaub das würde dir stehen, Riku.“
Er grinste jetzt und spielte dabei auf Rikus Haare an, die mal wieder viel zu lang geworden waren. Bei Riku wurden die Haare meistens länger, weil er sich einfach den Gang zum Friseur gern mal sparte und ja, so langsam bekamen sie wieder eine gewisse Länge, wo sie ihm störend ins Gesicht fielen.
„Meinst du? Also wenn es dir gefällt, dann würde ich sie extra nur für dich so tragen.“ Riku nahm seine Haare und hielt sie probeweise nach oben.
„Ne, lass mal.“ Sora lachte kurz, schaute aber im nächsten Moment wieder auf das Magazin, vielleicht etwas zu schnell, wie Riku fand.
Es folgten ein paar Seiten mit Klatsch und Tratsch.
„Ich kenn die fast alle nicht.“, meinte Sora bei den Promis, die abgelichtet waren. Riku zuckte die Schultern.
„Ne, ich auch nicht. Wir waren aber auch lange fort.“
Die eine hatte nen neuen Typ, die andere war mit ihrem gerade verkracht. Wieder eine andere hatte auf dem roten Teppich ein Kleid getragen, was der Journalistin - falls man die Verfasserin des Artikels so nenne konnte - zufolge eine modische Todsünde sein sollte.
Danach folgte ein Interview mit einem Sänger, der wohl vor Jahren einer dieser Boygroups angehört hatte. Riku konnte sich erinnern, dass die Mädchen ihnen damals reihenweise hinterher gelaufen waren. Aber irgendwann schienen sich die Mitglieder getrennt zu haben. Das hatte Riku wiederum nicht mitbekommen, wahrscheinlich hatte er andere Dinge zu tun gehabt.
Die Überschrift des Titels sagte: „Schwule Boygroup-Sänger gibt es nicht“.
„Findest du sowas schlimm?“
Soras Stimme klang ungewohnt ernst, aber Riku hatte Schwierigkeiten seinem Gedankengang zu folgen und wusste im ersten Moment nicht, was Sora meinte bis dieser weitersprach, ohne eine Antwort abzuwarten.
„Jeder kann sich doch verlieben in wen er will, oder? Ist doch toll und vollkommen egal, ob es ne Frau oder nen Mann ist. Warum muss sowas so breit getreten werden?“
Ein bisschen fühlte sich Riku überrumpelt. Wenn er ehrlich war hatte er sich bisher noch nie Gedanken darüber gemacht und es verwunderte ihn, dass Sora es anscheinend getan hatte. Aber wenn er genauer darüber nachdachte, dann passte es zu ihm. Sora machte sich immer Gedanken darüber, wenn jemand ungerecht behandelt wurde, egal ob es ihn selbst betraf oder nicht. Das war immer schon einer derjenigen Charakterzüge gewesen, der Riku an Soras Wesen fasziniert hatte, dieser unumstößliche Gerechtigkeitssinn.
Riku legte einen Arm um Soras Schulter und drückte ihn leicht.
„Du hast vollkommen recht.“
Sora sah zu ihm und lächelte ihn an und Riku erkannte erneut, wie glücklich er sich schätzen konnte Sora als Freund zu haben.
Sie sahen sich einen Moment einfach nur an, bevor Sora den Blickkontakt löste und sich wieder dem Heft in seinen Händen widmete. Riku war fast ein bisschen enttäuscht, als der Blickkontakt abbrach. Wahrscheinlich lag es daran, dass sie solange getrennt gewesen waren, dass sie so vieles durchgemacht hatten. Es hatte sie noch mehr zusammenwachsen lassen. Zuvor waren sie beste Freunde gewesen, jetzt war es irgendwie mehr als das. Auch, wenn Riku es nicht genau betiteln konnte. Er wollte einfach so viel Zeit in Soras Nähe verbringen, wie er konnte.
„Ich denke das sollten wir machen.“ Sora deutete auf die Seite, die er aufgeschlagen hatte, während Riku seinen Gedanken nachgehangen war.
Es war einer dieser Psychotests, die in solchen Zeitschriften immer standen. Riku las den Titel: „Bist du verliebt in deinen besten Freund?“
Er starrte das Heft einen Moment an und zog dann den Arm weg, den er noch immer um Sora gelegt hatte. Das war nicht sein ernst, oder? Wollte Sora herausfinden, wer hier in Kairi verknallt war? Darauf hatte Riku definitiv keine Lust.
„Ne, mach ich nicht.“ Gab er nur knapp zur Antwort und Sora sah ihn beinahe enttäuscht an.
„Warum nicht?“
Riku wappnete sich innerlich, weil ihm Soras enttäuschtes Gesicht schon wieder einen kleinen Stich gab und er es im nächsten Moment doch machen würde, wenn Sora ihn noch einen Augenblick so ansah.
Also schaute er weg mit einem genuschelten „Keine Lust.“ Auf den Lippen.
Zu seiner Überraschung akzeptierte Sora es. „Okay, dann mach nur ich das.“
Er begann auch sogleich die erste Frage vorzulesen. „Wenn du auf deinen besten Freund wartest, wie fühlst du dich dann?“
Riku verdrehte die Augen und richtete seinen Blick auf das Blätterdach des Baumes unter dem sie saßen, wo ein paar Strahlen der Sonne hindurchblitzten. Nein, das brauchte er sich nicht geben. Das Ergebnis würde sowieso bezeugen, dass Sora und Kairi füreinander bestimmt waren, das sah ja ein Blinder mit nem Krückstock. Also blendete Riku Soras Worte aus und ließ sich nur von seiner Stimme berieseln.
„Hey, Riku, hörst du mir zu?“
Riku blinzelte.
„82%“
Er drehte den Kopf zu Sora, der ihn mit einer Mischung aus Freude und Beschämung ansah.
„Was?“
„Wo bist du gewesen? Ich bin zu 82% in meinen besten Freund verliebt.“
Sora hielt ihm wie zum Beweis erneut die Seite mit dem Psychotest entgegen. Riku setzte sich auf und schob genervt die Zeitschrift beiseite.
„Solltest du nicht lieber Kairi davon erzählen?“ Seine Stimme klang abweisender, als er beabsichtigt hatte, aber er konnte es in diesem Moment nicht ändern.
„Kairi?“, fragte Sora nun aber verständnislos uns Riku hatte keine Lust mehr auf diese Spielchen, also nahm er dieses Weiber-Blatt aus Soras Händen und überflog ein paar Seiten unkoordiniert. Er blieb bei den Horoskopen hängen. Er hatte niemals daran geglaubt, es war Quatsch, erst recht wenn es in einer solchen Zeitschrift stand, wo sich irgendwelche Journalismus-Studenten wahrscheinlich etwas aus den Fingern gesaugt hatten und es möglichst schwammig den Mädchen unterjubelten. Aber es war harmloses Zeug. Also drückte er Sora die Zeitung wieder in die Hand, der ihn mit großen verständnislosen Augen ansah.
„Lies das vor.“
„Uh, okay.“ Sora kratzte sich am Kopf und durchsuchte die Spalten.
„Du hast im Januar Geburtstag. Steinbock, oder?“
Riku nickte und wappnete sich für den Unsinn, der zweifelsohne folgen würde.
„Das gilt für den ganzen Sommer, der ist ja eigentlich schon fast vorbei.“
Es war mittlerweile Ende August, viel war vom Sommer also tatsächlich nicht mehr übrig.
„Ist egal, dann wissen wir was wir hätten diesen Sommer machen müssen und nun versäumt haben.
Besser spät als nie, ne?“
Sora begann nun das Horoskop vorzulesen. Es war in drei Kategorien eingeteilt, Schule und Beruf, Gesundheit und natürlich Liebe. Riku erfuhr, dass er in der Schule ein Hoch haben sollte, wenn er sich ordentlich reinhängte. Wer hätte das gedacht? Wenn man lernte, dann bekam man gute Note. Außerdem war er bei bester Gesundheit und es war an der Zeit sich von vergangenen Strapazen zu erholen.
„Und jetzt die Liebe!“, sagte Sora vielsagend und hob eine Augenbraue. „Merkur steht unter Spannung. Die verbale Verständigung kann sich deshalb derzeit etwas schwierig gestalten. Hör deinen Lieben aufmerksam zu, sonst entstehen Missverständnisse, die dir das Leben unnötig schwermachen.“
„Aha.“, sagte Riku. „Bisher gab es diesen Sommer noch keine Missverständnisse.“
„Kommt vielleicht noch.“
„Und mit wem?“
Riku war nicht unbeliebt, aber normalerweise hatte er kein großes Interesse daran mit den Mädchen, die ihn mochten, mehr Zeit zu verbringen. Ihm war es viel lieber so, wie es jetzt war.
„Komm ich les dir deines vor.“, meinte er nun, nur, um nicht weiter am Thema verharren zu müssen. Sowieso waren diese Magazine viel zu sehr auf das Thema Liebe und Partnerschaft fokussiert, war das wirklich alles, was Mädchen interessierte?
Riku nahm Sora das Magazin aus der Hand, der sich nur mit einem „Hey“ kurz beschwerte, aber Riku suchte schon das passende Sternzeichen, Zwilling, und begann vorzulesen. Es folgten die drei schon bekannten Themengebiete, zunächst Schule und Beruf. Es wurde Sora prophezeit, dass er sich anstrengen müsse, weil er viel versäumt hätte. Sora tat sich tatsächlich etwas schwerer damit, den Schulstoff nachzuholen. Was aber vor allem daran lag, dass er seine Gedanken überall hatte, nur eben nicht gerade dort, wo sie hinsollten.
Das Gesundheitshoroskop meinte, dass er voller Energie sei und Bäume ausreißen könnte, das stimmte überraschenderweise wohl. War aber augenscheinlich ein dauerhafter Grundzustand von Sora.
Zu guter Letzt gelangten sie auch hier zu dem, in dieser Zeitschrift allseits beliebten Thema Liebe.
„Die Venus regt bis zum Ende des Sommers die Gefühlslage an. Diese Zeit ist besonders für Zweisamkeit geeignet. Aber Vorsicht ist geboten, du fühlst dich besonders zu den konträren Erdzeichen – in Klammern, Jungfrau, Stier und Steinbock- hingezogen. Dies kann zu Konflikten führen, aber ebenso können dabei die interessantesten Beziehungen entstehen. Gegensätze ziehen sich schließlich an.“
Riku sah auf und Sora starrte ihn einen Moment an, senkte aber dann den Blick und sagte wenig geistreich: „Uuuh.“
Riku zog eine Augenbraue hoch, schien als hätte das Horoskop anscheinend ins Schwarze getroffen, was wahrscheinlich ein absoluter Zufall war. Aber so, wie Sora nun vor ihm saß und alles ansah, nur nicht ihn, war da definitiv etwas im Busch.
Riku dachte nach und überlegte, was Kairi für ein Sternzeichen war. Sie hatte im Frühjahr Geburtstag, vielleicht Stier?
Sora nahm ihm die Zeitung, reichlich hastig, wieder ab, blätterte weiter und murmelte dabei: „ Das ist doch echt Humbug, was da in den Horoskopen drinsteht. Lesen wir lieber das hier.“
Riku sah auf die Seite, die Sora aufgeschlagen hatte, er hob eine Augenbraue. „Du willst über ‚Das erste Mal – Was du unbedingt wissen solltest‘ lesen?“
Sora lief prompt rot an, sah die Zeitung einen Moment an, als wäre sie der schlimmste Herzlose, dem er jemals begegnet war. Dann blätterte noch eine Seite weiter. „Nein, doch nicht.“
Riku lachte auf, er konnte sich nicht helfen. Sora war verlegen und es war ein Zustand, den er durchaus noch an wenig länger beibehalten durfte.
„Ich glaube die Beratung ist noch nicht vorbei.“ Er nahm Sora jetzt das Heft aus der Hand, nicht, dass der auf die Idee kam einfach weiter zu blättern und den Moment zu zerstören.
„Bin ich eine schlechte Küsserin?“ las er laut vor und Sora verbarg sein Gesicht in den Händen.
„Warum fragen Mädchen denn sowas?“
„Keine Ahnung, wir werden es herausfinden.“
„Rikuuu.“ Soras Stimme klang verzweifelt und er wagte es nicht Riku anzusehen, der gerade Spaß an der Sache fand. Sora hatte ihn gezwungen fast ein ganzes Mädchenmagazin zu lesen, also musste er jetzt hier durch, also begann er vorzulesen.
Der Brief stammte von einem Mädchen, das mit ihrem ersten Freund zusammen war. Sie war bis über beide Ohren verliebt und alles war perfekt und in rosa Wolken gehüllt, da war nur ein Problem: Ihr Typ wollte nicht mit ihr knutschen. Lief sogar manchmal mitten während eines Kusses einfach fort. Und nun fragte sie sich – berechtigterweise, wie Riku fand – ob sie einfach eine miserable Küsserin war. In Rikus Augen war die Antwort einfach und lautete: Ja. Aber das Beratungsteam der Zeitschrift sah das anders und meinte, dass es dem Jungen wahrscheinlich nur unangenehm war, weil ihm selbst die Erfahrung fehlte. Dass sie mit ihm reden sollte und dass küssen durchaus auch Übungssache sei. Und wenn sich herausstellte, dass sie wirklich schlecht sei, könne sie doch an ihrer Technik arbeiten. Eine Anleitung für die richtige Kusstechnik suchte Riku aber vergebens. Eine schöne Hilfe war dieses Magazin ja mal.
„Und?“ schloss Riku jetzt ab. Sora hatte sich zumindest soweit wieder im Griff, dass er Riku angucken konnte. Ein paar Sekunden, bevor er befand, dass der Rasen heute besonders betrachtenswert war.
„Bist du ein guter Küsser, Sora?“ fragte er dann, von einem seltsamen Kribbeln begleitet, was er ignorierte und sich nicht anmerken ließ.
„Keine Ahnung.“, sagte Sora leise und zupfte nun an den bemitleidenswerten Grashalmen herum, die er eben noch so interessiert begutachtet hatte. „Ich hab noch nie jemanden geküsst.“
Ein bisschen Leid tat er Riku ja schon, aber nur bis zu dem Moment, bis er den Mut aufbrachte und Riku die Gegenfrage stellte.
„Und du? Hast du schonmal jemanden geküsst, Riku?“
Und jetzt sah er doch auf, immer noch mit roten Wangen, aber seine Augen so blau wie eh und je. Es verschlug Riku für einige Sekunden die Sprache. Dieses blau sollte definitiv verboten werden, es hatte eine seltsame Wirkung auf ihn.
„Nein.“, sagte er dann, als er endlich seine Sprache wiedergefunden hatte. „Ich hatte andere Dinge zu tun.“
Und außerdem wusste er nicht, wen er hätte küssen sollen.
Sora nutzte Rikus unachtsamen Moment und brachte die Zeitung wieder an sich, er grinste triumphierend. „Genug mit dem Mist!“
Er schlug eine andere Seite auf.
Riku wollte etwas sagen, aber Sora hielt schon wieder inne und las die Überschrift vor. „Zehn Dinge, die du diesen Sommer unbedingt tun solltest.“
Riku beobachtete, wie Soras Augen hin und her huschten, als er die Zeilen las. Er sah auf, beinahe schon geschockt. Vergessen waren die Diskussionen über das Küssen oder über Liebes-Horoskope, worum Riku auch nicht ganz undankbar war letztendlich.
„Ich habe nichts davon gemacht!“
Er streckte Riku die Zeitschrift hin, der sie jetzt doch wieder an sich nahm. „Das ist doch bestimmt eh nur unnützes Zeug.“
„Wir müssen das alles noch machen!“, wiedersprach ihm Sora, er fuchtelte mit den Händen, als würde sein Leben davon abhängen und Riku konnte ein Lächeln nicht ganz unterdrücken.
„Also gut, wenn das so wichtig ist."
Und im nächsten Moment hatte er Sora in den Armen, er strahlte Riku glücklich an. „Das wird so super, weißt du das?“
Und Riku fühlte sich ein bisschen überrumpelt von so viel Sora, so plötzlich. Obwohl er solche Gefühlsausbrüche längst gewöhnt sein sollte, aber sein Körper kribbelte vor Überraschung und es machte ihm die Nähe nur umso bewusster.
Erst nach einer Weile, fiel Riku auf, dass er noch überhaupt nicht wusste, worauf er sich da gerade eingelassen hatte. Sora hatte sich von ihm gelöst, er saß aber immer noch nahe, so nahe, dass Riku glaubte dessen Wärme spüren zu können. Und er fragte sich, ob es so clever gewesen war die berühmte Katze im Sack zu kaufen. Aber was sollte so eine Liste schon beinhalten? Grillen, ins Freibad gehen, was man im Sommer halt machte.
Er angelte nach dem Magazin, was sträflich missachtet jetzt am Boden lag und suchte die Seite wieder, auf der sein Schicksal gelistet war.

    1. Mach ein Picknick mit deinen Freundinnen – Packt ein paar Leckereien ein, eine Decke und Kerzen und dann genießt die Zeit zusammen unter freiem Himmel
    2. Schwimm in einem See – Dreh einfach mal eine Runde und kühl dich ab
    3. Mach eine Nachtwanderung – es gibt nichts schöneres, als Zeit mit Freunden unterm Nachthimmel zu verbringen
    4. Stell ein Planschbecken auf und mach es randvoll mit Wasserbomben – Dann lädst du all deine Freunde zur Sommerparty ein. Die Wasserschlacht kann losgehen!
    5. Mach ein Lagerfeuer am Strand – vergiss nicht eine Packung Marshmallows mitzunehmen!
    6. Und wenn du schon am Strand bist: bau eine Sandburg!
    7. Besuch ein Straßenfest – lass dich vom bunten Treiben mitreißen
    8. Geh mal wieder Zelten – Einfach spontan raus und die Nacht woanders verbringen
    9. Fahr Nachts mit dem Boot auf einen See – du wirst sehen, das ist etwas ganz anderes, als am helligten Tag
    10. Kletter auf einen Baum! - Es muss ja nicht der höchste sein, einfach mal wieder ausprobieren


Riku starrte die Liste einen Moment an. „Wie sollen wir das noch alles schaffen? Es ist Ende August.“
Aber Sora winkte ab. „Das geht schon, das Wetter ist doch noch super und wir fangen gleich heute an, okay?“
Gegen Soras Optimismus hatte Riku bisher sowieso kein Gegenmittel entdeckt und so ließ er sich einfach mal von seiner Stimmung mitreißen. Das würde schon passen und letztendlich freute er sich ja auch irgendwie darauf mit Sora Zeit zu verbringen, im schlimmsten Fall saßen sie hinterher im Baum und es regnete.
Die Schulglocke klingelte.
„Okay.“, meinte er und war ein bisschen enttäuscht, als Sora aufstand und somit die Nähe unterbrach, die in den letzten Minuten zwischen ihnen geherrscht hatte.
„Was willst du machen?“
Sora sah sich nachdenklich die Liste an, während sie den Pausenhof überquerten und zu den Klassenräumen gingen.
„Wie wäre es mit dem Boot fahren? Wir waren ewig nicht mehr drüben und ich bringe Marshmallows mit, dann machen wir das Lagerfeuer am Strand. Was sagst du dazu?“
Sora hatte recht, sie waren tatsächlich schon lange nicht mehr auf der kleinen Nebeninsel gewesen, nicht, seitdem sie wieder da waren.
Riku nickte. „Okay. 21 Uhr am Steg?“
Sora strahlte ihn überglücklich an. „Das wird super!“
Dann verschwand er in seinem Klassenraum.
~~~
Riku erkannte Sora schon von weiten, seine Silhouette hob sich vom orange der untergehenden Sonne ab und Riku würde sie wohl jederzeit und überall wiedererkennen. Er saß auf einem der Pfeiler am Steg und ließ seine Beine baumeln.
Riku warf einen kurzen Blick auf die Uhr. Es war selten, dass Sora pünktlich war, es war noch seltener, wenn er zu früh war.
Als Sora ihn entdeckte, strahlte er und es war dermaßen ansteckend, dass Riku sich sofort auf ihren gemeinsamen Abend freute.
Sie begrüßten einander und Sora bestand darauf, dass sie sich ein Boot teilten. Dann machten sie sich auf den Weg. Es machte Riku etwas melancholisch; als Kinder hatten sie jeden Tag auf der kleinen Insel verbracht, waren jeden Tag mit ihren Booten übergesetzt.
Riku war es nicht genug gewesen, er hatte fremde Welten sehen wollen und sie hatten ein gar mächtiges Floss gebaut mit dem sie wahrscheinlich nicht mal bis zur Hauptinsel gekommen wären.
Dann hatte sich alles verändert, alles hatte auf der Insel begonnen und Riku war von Dunkelheit erfasst worden. Wenn er daran dachte, schauderte er noch immer. Und er versuchte die Gedanken fort zu schieben. Er hatte noch immer nicht das Gefühl das alles hier wieder verdient zu haben.
„Hey, Rikuuu!“
Er erschrak und zuckte zurück, als er bemerkte, dass Sora direkt vor ihm saß und ihn ansah. Das Boot schwankte und Riku klammerte sich an den Rand, während Sora es für eine gute Idee hielt sich an ihm festzuhalten. War es nicht. Sie bekamen Schlagseite und das Boot neigte sich gefährlich. Riku steuerte dagegen, Sora klammerte sich noch fester an ihn, das Boot drohte zu kentern und Riku sah sie schon beide im Wasser liegen.
Nachts nass am Strand zu hocken war eher nicht seine Vorstellung von einem schönen Abend, nicht heute. Er wollte mit Sora am Strand sitzen und, er schluckte… Sora lag auf ihm und Rikus Herz schlug viel zu schnell gegen seine Brust.
Das Boot schaukelte noch etwas aufgebracht hin und her und keiner von ihnen wagte es sich gerade groß zu bewegen. Und erst jetzt fiel Riku auf, wie romantisch dies hier war, gemeinsam Boot fahren, ein Lagefeuer am Strand. Fast alles auf dieser Sommerliste. Warum wollte Sora es überhaupt mit ihm machen? Er wollte doch ganz offensichtlich etwas von Kairi, warum machte er all diese Dinge nicht mit ihr?
Und warum antwortete sein Körper mit solch widersprüchlichen Gefühlen, wenn er darüber nachdachte? Denn es versetzte ihm einen Stich, dass nicht er es sein sollte, der mit Sora jetzt hier im Boot lag. Aber gleichzeitig freute er sich, dass er es eben doch war. Er war derjenige, mit dem Sora diesen Abend verbrachte. Er war derjenige mit dem Sora all diese Dinge machen wollte. Ein Lagerfeuer, ein Picknick, Zelten, eine Nachtwanderung. Aber nun ja, ob Kairi so scharf darauf wäre in einen Baum zu klettern? Er bezweifelte es.
Aber einen Moment dachte er darüber nach, ob es eine Bedeutung hatte, dass Sora all diese Sachen mit ihm machte und eben nicht mit Kairi. Aber wahrscheinlich hatte Sora überhaupt nicht darüber nachgedacht, Riku war da gewesen und sie waren Freunde, da unternahm man halt etwas zusammen.
Und er konnte sich glücklich schätzen, dass sie eine solche Freundschaft verband. Selbst wenn aus Sora und Kairi irgendwann mal etwas werden würde. Riku würde nicht das fünfte Rad am Wagen sein, sie würden auch weiterhin beste Freunde bleiben. Es gab also keinen Grund für seine seltsamen Gefühle, das versuchte er sich zumindest einzureden.
„Sorry“, vernahm er jetzt Soras Stimme viel zu nahe an seinem Ohr und rein aus Reflex zog er seinen Kopf zurück, was die Situation nicht besser machte, weil sie sich nun direkt anschauen konnten und Soras Gesicht nur Zentimeter von seinem entfernt war. Der räusperte sich, machte aber immer noch keine Anstalten von Riku wegzurücken, obwohl das Boot jetzt wieder fast ruhig im Wasser lag.
„Du hattest aufgehört zu paddeln. Ich wollte sehen, ob alles in Ordnung ist.“
Hatte er das? Riku hatte es nicht mal wirklich bemerkt.
„Ist ja nichts passiert.“ , meinte er und seine Stimme krächzte seltsam und er spürte Soras Atem an seiner Haut und seinen Körper, der viel zu nahe an seinen gepresst wurde.
Sora richtete sich ein bisschen auf, verlagerte dabei sein Gewicht und drückte sich nun an Stellen, an denen er definitiv nicht drücken sollte. Aber er würde jetzt endlich aufstehen und sie aus dieser unangenehmen Situation befreien, dessen war Riku sich sicher.
Und schon wieder wusste er nicht, ob er sich darüber freute, denn so langsam schlief sein rechter Arm ein mit dem er sich auf dem Bootsrand abstützte und die Bank drückte ihm seltsam in den Rücken, aber andrerseits fühlte es sich gut an, wenn Sora so nahe war. Wenn er spüren konnte, dass es ihm gut geht, wenn er meinte dessen Herzschlag spüren zu können.
Was war denn auch dabei? Sora war sein bester Freund, sie waren schon hunderte Male bei irgendwelchen Trainingskämpfen übereinander gefallen. Es war allerdings nie so gewesen wie jetzt, so merkwürdig intensiv, dass er jede Muskelregung bei Sora wahrnahm.
Er schloss die Augen und wartete darauf, dass Sora sich erhob, was er nicht tat.
„Ich dachte, wir könnten das einfach ausprobieren, also das mit dem Küssen.“
Soras Stimme klang leise und unsicher und Riku war sich sicher, dass er sich verhört hatte. Wovon sprach Sora überhaupt?
„Was?“
Und jetzt zog Sora sich doch zurück, setzte sich auf und lachte unsicher, während er auf den Boden des Bootes starrte.
„Ich meine wegen des Küssens, wir haben doch heute festgestellt, dass wir das noch nicht gemacht haben. Ich dachte wir könnten das einfach mal üben oder so.“
Selbst im Dunkeln konnte Riku sehen, dass sein bester Freund rot angelaufen war. Er rückte jetzt weiter weg und das Boot begann wieder zu schwanken. Wenn man ehrlich war, dann waren die Boote nicht für zwei gemacht, zumindest nicht für zwei Teenager, zwei Kinder, okay, zwei Teenager waren vielleicht etwas viel.
„Ich…“, begann Riku, aber Sora unterbrach ihn. „Lass uns schnell rüber, sonst sitzen wir ewig in diesem Boot und die Marshmallows landen noch im Wasser.“
Sora nahm seine Paddel und begann das Boot nach vorne zu treiben, als wolle er ein Drachenbootrennen ganz allein gewinnen und Riku sah ihn einen Moment dabei zu, viel zu überfordert mit der Situation und seinen Gefühlen.
~~~
Es hatte nur ein paar Minuten gedauert bis sie angelegt hatten und Sora hatte sofort begonnen eifrig Feuerholz zu sammeln. In einem kleinen Wettbewerb, wer mehr Feuerholz fand, waren sie gegeneinander angetreten. Es war fast ein wenig wie früher und kaum hatte Riku sich darauf eingelassen, kehrte auch sein alter Ehrgeiz zurück. Es hatte nicht lang gedauert, da hatten sie mehr als genug Feuerholz, was sie stapelten und anzündeten.
Jetzt saßen sie zusammen am knisternden Feuer, sie hielten Stöcke mit Marshmallows in die Flamme. Sora schob sich den ersten Marshmallow zwischen die Zähne, viel zu früh, weil er nicht abwarten konnte. Sie hatten kaum gesprochen seit der Sache im Boot. Das war nichts Ungewöhnliches, sie mussten nicht immer reden, sie konnten auch einfach so zusammen sitzen. Aber jetzt war es anders, es lag eine gewisse Spannung in der Luft, die Riku nicht definieren konnte und er hatte das Gefühl, dass er etwas tun musste, um sie aufzulösen, damit es wieder ganz normal war zwischen ihnen. Riku steckte den Stock in den Sand, so dass das Feuer so gerade noch an seinen Marshmallows lecken konnte.
Er sah Sora von der Seite an, das Gesicht vom Licht des Feuers erhellt. Er biss schon von seinem nächsten Marshmallow ab.
„Die Dinger sind großartig.“, meinte er und angelte nach der Packung, um seinen Stock neu zu bestücken.
„Okay.“, sagte Riku jetzt, als habe er plötzlich einen Entschluss gefasst, dessen er sich aber selbst nicht bewusst war.
Sora hob den Kopf und sah ihn fragend an.
„Wir können das machen, also das mit dem küssen.“, sagte er schnell, bevor ihn der Mut verließ. Sora sah ihn erstaunt an, fast schon perplex.
„Also, wenn du noch willst.“, schob er noch schnell nach und bereute sofort, dass er überhaupt etwas gesagt hatte.
Sora ließ die Packung fallen und nickte nur. Riku war plötzlich tierisch aufgeregt und er wusste nicht, ob er seinen Worten einfach Taten folgen lassen oder ob er abwarten sollte. Ob er darauf warten sollte, ob Sora etwas unternahm. Er blickte auf Soras Lippen und in seinem Körper kribbelte es nervös. Es war nur Sora, sein bester Freund, wenn es nicht funktionierte, dann würden sie hinterher darüber lachen. Oder? War es nicht seltsam mit seinem besten Freund rumzuknutschen? Würde die Stimmung zwischen ihnen noch merkwürdiger werden?
Aber Riku kam nicht mehr dazu seine Gedankengänge zu Ende zu bringen, denn Sora war jetzt näher zu ihm rüber gerückt und Riku wurde sich jetzt erst wirklich bewusst, was hier passieren würde. Er würde Sora küssen. So richtig.
Er spürte, wie Sora eine Hand in seinen Nacken legte, sie war warm und angenehm und es beruhigte ihn ein bisschen. Wenn er mit jemanden seinen ersten Kuss haben wollte, dann war es Sora. Der zog ihn ein Stück herunter und sah ihm dabei in die Augen. Die von Sora sahen im Licht des Feuers dunkel aus.
Und dann trafen sich ihre Lippen, Riku konnte nicht sagen, wer von ihnen die letzten Zentimeter überbrückt hatte, vielleicht waren sie es beide gewesen, gleichzeitig. Zuerst war es nur ein unschuldiges Zusammenpressen der Lippen.
Sie lösten sich kurz und Sora legte den Kopf schräg, um ihnen mehr Spielraum zu geben, bevor er seine Lippen wieder auf die von Riku legte. Und dann öffnete er seinen Mund einen Spalt, fast schon fragend. Und Riku verstand die zögerliche Aufforderung und ließ seine Zunge durch den Spalt in Soras Mund gleiten. Sein Herz schlug schnell und hart gegen seine Brust. Sora schmeckte süß und fast noch ein bisschen klebrig von den Marshmallows, die er vorher gegessen hatte. Aber da war noch ein anderer Geschmack, den Riku nicht definieren konnte, von dem er aber mehr wollte und so ließ er seine Zunge tiefer gleiten, bis er auf die von Sora stieß. Es sollte seltsam sein, wenn man seinen besten Freund küsste. War es aber nicht. Wenn Riku ehrlich zu sich war, konnte er kaum genug davon bekommen. Ihre Zungen umspielten einander und Riku versuchte alles zu bekommen, was er kriegen konnte. Er legte einen Arm um Soras Taille und zog ihn noch ein bisschen mehr zu sich, um ihren Kuss vertiefen zu können.
Später lösten sie sich voneinander, Riku öffnete die Augen, die ihm irgendwann zugefallen waren. Er sah, dass Sora schwer atmete, dass seine Lippen roter und voller waren und er musste ein Keuchen unterdrücken, als ihm ein Ziehen in seine Lendenregion schoss, das dort nichts zu suchen hatte.
Sora sah ihn aus halb geöffneten Augen an und Riku wollte sich erneut herunterbeugen, er wollte mehr von diesem Geschmack, der so unvergleichbar Sora war. Doch dann öffneten sich Soras Augen vollständig, fixierte einen Punkt links von Rikus Schulter.
„Riku! Deine Marshmallows brennen!“
Es brauchte ein paar Sekunden bis Riku realisierte, was Sora gesagt hatte. Und genau die Zeit brauchte er auch, um zu verstehen, was hier gerade passiert war, dass er gerade dabei gewesen war sich mit seinem besten Freund den Verstand aus dem Kopf zu knutschen. Er ließ Sora abrupt los und war froh, dass er die brennenden Marshmallows als Ablenkung und Ausrede hatte. Er nahm den Stock aus der Flamme, die jetzt deutlich größer war, als noch vor ein paar Minuten? Wenn Riku ehrlich war, dann hatte er jegliches Zeitgefühl vergessen und er hatte nur noch Soras Lippen, seine Zunge und seinen Geschmack im Kopf gehabt.
Riku löschte die Flammen an seinen Marshmallows, pustete sie aus oder zerdrückte sie mit den Fingern und betrachtete die kleinen schwarzen Bällchen skeptisch.
Sora lachte neben ihm. „Ich würd sie ehrlich gesagt nicht mehr essen.“
„Nein, ich auch nicht. Ungenießbar.“
Er zupfte sie von seinem Stock und dachte daran, dass er viel lieber wieder Soras Lippen probieren würde, als irgendwelche Marshmallows, ob verbrannt oder nicht.
„Hier.“
Er wandte sich um, Sora hielt ihm die Tüte hin. „Wir haben ja noch genug.“
Sora strahlte ihn an, so, wie nur er es konnte. „Vielleicht sollten wir dies Mal nicht so sehr die Zeit vergessen.“
Und Riku fragte sich, ob er sich den Rotschimmer nur einbildete, der sich bei den Worten auf Soras Wangen legte oder ob es der Schein des Feuers war. Und er fragte sich, was es wohl bedeutete, dass er hier mit Sora am Feuer saß, dass sein Herz schneller schlug als es sollte und dass er seinen ersten Kuss mit seinem besten Freund gehabt hatte und dies absolut nicht bereute.
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