Kein Hoffnungsschimmer (Draco/Harry) für Nebelkatze

Kein Hoffnungsschimmer (Draco/Harry) für Nebelkatze

Beitragvon Sammy-chan » 26. Sep 2015, 00:52

Hallo Nebelkatze,
da Lupina zur Zeit keinen Internetzugang hat, haben wir ihr angeboten dir deine Wichtelgeschichte in ihrem Namen pünktlich zu überreichen. Also hier ist sie. :D Lupina wird erst wieder im Oktober online sein und auf Posts antworten können.
Und jetzt wünschen auch wir dir viel Spaß bei der Geschichte :)

~~~


Hey!

Dies ist die Sommerwichtelgeschichte für Nebelkatze!
Da es der einzige Wunsch war, mit dem ich etwas anfangen konnte, habe ich mich für Draco/Harry entschieden.
Diese Geschichte spielt nach dem fünften Buch, also während des sechsten Schuljahres. Und da Nebelkatze in ihrem Wunsch erst Dracos Namen genannt hat, hab ich es kurzerhand aus seiner Sicht geschrieben.
Das die Geschichte absolut nichts mit Sommer zu tun hat, tut mir aufrichtig leid, aber es hat sich eben nicht so ergeben.

Also viel Spaß beim Lesen, besonders natürlich meinem Wichtelkind und liebe Grüße,
Lupina



Kein Hoffnungsschimmer




Draco blickte aus dem Fenster, doch er sah die vorbeiziehende Landschaft nicht. Seine Gedanken waren zu sehr von dem gefangen, was kurz vor den Ferien und während dessen geschehen war.
Die Verhaftung seines Vaters. Seine Aufnahme in die dunkle Familie. Und die Nacht mit seiner Mutter.
Es war ein Schlag für die Todesser, mehr aber noch für die Malfoys gewesen, als die Mission im Ministerium fehlschlug. Die Nachricht, das sich Lucius Malfoy wieder den Todessern angeschlossen und dann versagt hatte, hatte Dracos Familie um viele ihrer "Freunde" gebracht. Kaum einer wollte noch etwas mit ihnen zu tun haben, allen war es zu unsicher Kontakt zu der Familie eines aktiven Todessers aufrecht zu halten.
So um sein hoch geschätztes Ansehen gebracht, hatte Draco nur noch einen Ausweg gesehen um seine Familie wieder herzustellen. Er war der noch kleinen Armee des dunklen Lords beigetreten, mit der Hoffnung die Stelle seines Vaters im inneren Zirkel einnehmen zu dürfen, doch natürlich war dies nicht der Fall gewesen. Nun war er einer von vielen Todessern und sein Ansehen, selbst unter diesen war gering. Hatte sein Vater doch versagt. Das einzige, das dieser Schritt ins Verderben ihm eingebracht hatte, war die Abhängigkeit vom mächtigsten und grausamsten Zauberer dieser Zeit. Noch hatte er zwar keinen Auftrag bekommen, aber das zeigte nur, wie gering selbst der dunkle Lord seine Familie im Moment schätzte.
Und dann seine Mutter. Sie war schon immer labil gewesen, hatte sich an Lucius geklammert und durch ihn gelebt. Nun da ihr Mann fort und nur noch ihr Sohn Zuhause war, hatte sie ihn kurzer Hand als Ersatz genommen. Nicht, das er nicht versucht hätte sich zu wehren, doch gegen einen Liebestrank half auch der stärkste Widerwille nichts. Ihm wurde wieder übel bei dem Gedanken an sie. Nur wegen dieses Vorfalls hatte er heute mit Pansy Schluss gemacht und nur deshalb mied er jede Art von Frau.
Mit einem Seufzer wandte Draco seinen Blick vom Fenster ab und sah hinunter auf den Schlangendolch, der locker in seiner Hand lag, bereit Blut zu fordern.
Ja, er war ein Malfoy. Ja, er wusste, dass er stark und stolz sein musste, gerissen und listig. Doch er konnte nicht mehr. Sein Überlebenswille war gebrochen. Er wollte es einfach beenden.
Und wer würde ihn schon vermissen? All die anderen Schüler sicher nicht, die sich von ihm abgewandt hatten, jetzt da sein Ruf beschädigt war, die nie wirklich seine Freunde gewesen waren und nur an ihren eigenen Vorteil dachten. Auch für seine Mutter wäre es vermutlich besser wenn er starb. Er wusste nicht ob sie verstanden hatte, was sie in ihrer Verzweiflung getan hatte, doch er hoffte für sie, sie würde es nie begreifen. Dann war da natürlich sein Vater. Was für eine Enttäuschung Draco doch immer für ihn gewesen war. Nie Jahrgangsbester, nie Sieger um den Hauspokal oder im Schulquidditch. Nein, auch sein Vater wäre erleichtert bei der Nachricht, er wäre Draco endlich los. Ganz am Schluss seiner Überlegung fiel ihm noch jemand ein, der vielleicht um ihn trauern würde: Severus. Sein Patenonkel war immer gut zu ihm gewesen, doch das würde sich sicher auch ändern, wenn er erfuhr, dass Draco den selben Fehler gemacht hatte, wie er damals. Denn auch wenn sich Severus den Todessern jetzt wieder angeschlossen hatte, wusste Draco doch um seinen Widerwillen gegen sie und den dunklen Lord.
Die Antwort war so klar wie deprimierend, er würde allen einen Gefallen tun, wenn er endlich einen Schlussstrich zog.
Mit ruhiger Hand setzte er den Dolch an. Doch bevor er mit der Schneide die Haut durchtrennen konnte, kam ihm ein unwillkommenes Bild in den Sinn, ein Junge mit grünen Augen.
Er musste Harry noch ein Mal sehen! Ein Mal, bevor er in die Dunkelheit abtauchte. Denn sie waren im Streit auseinander gegangen und am Gleis 9¾ hatte er ihn heute nicht gefunden. Nicht, dass er auch nur ansatzweise glaubte, sie könnten sich unterhalten, ohne in Streit zu geraten, doch mit jedem Moment in dem er weiter an Harry dachte, sehnte er sich stärker nach seinem Anblick.
Langsam sang der Dolch zurück auf seinen Schoß und verschwand dann in der Lederscheide. Ein Mal noch diesem Bedürfnis nachzugeben würde ihm nicht mehr schaden, als das, was er ohne hin vor hatte.

Es dauert eine Zeit bis er Harry in dem langen Zug fand. Die letzte Hoffnung der Zaubererwelt saß mit seinem besten Freund zusammen in einem sonst leeren Abteil. Erst wunderte Draco sich, warum die beiden so eng beieinander saßen, doch dann erkannte er, dass sie sich küssten. Wie erstarrt blickte er auf die Szene, die er nie für möglich gehalten hatte. Harry Potter – schwul? Das konnte doch nicht sein, trotzdem hatte er den Beweis eindeutig vor sich. So überrascht war er von dem Anblick, dass der Schmerz erst ein paar Sekunden verzögert einsetzte. In dem Moment, in dem sich die beiden lösten und Harry ihn durch die Scheibe der Abteiltür entdeckte.
Draco war sich bewusst, dass er sein Gesicht abweisend oder hochnäsig werden lassen sollte, doch er hatte dazu keine Kraft. Der Schmerz, der plötzlich seine Brust durchbohrte, nahm ihm alles was davon geblieben war und er hatte noch nicht einmal eine genaue Ahnung was ihm so weh tat. Es war doch klar gewesen, dass Harry irgendwann mal jemanden haben würde. Vielleicht war es auch ein wenig die Trauer darüber, das er nun wusste, dass Harry zwar auf Jungs stand, ihn aber trotzdem nicht in Betracht ziehen würde.
Nicht fähig seine normale Gesichtsmaske aufzusetzen wandte Draco sich ab und ging mit schnellen Schritten den Gang zurück. Kurz schloss er die Augen, als er hörte wie jemand die Tür öffnete und hinter ihm her lief. Er wollte nicht, dass Harry ihn so sah. Harry sollte ihn als arrogant und selbstsicher in Erinnerung behalten. Nicht so am Ende wie er es jetzt war.
„Malfoy!“
Sein Nachname übertönte die Hintergrundgeräusche des Zuges und es schmerzte Draco noch ein wenig mehr so unpersönlich angesprochen zu werden, auch wenn Harry nun wirklich der letzte war, der Anlass dazu hatte ihn anders zu nennen.
„Bleib stehen!“
Nun war die Stimme schon ganz nah und als er nicht von selbst anhielt, riss Harry ihn an der Schulter herum. Draco sah in das Gesicht, das so viele seiner Träume gefüllt, in die Augen, die er so lieb gewonnen hatte und wusste, dass er nicht wie ein Malfoy aussah. Sein verschleiertes Sichtfeld sagte es ihm und auch Harrys irritierter Gesichtsausdruck. Sicher hatte der andere ihn noch nie so gesehen, den Tränen viel zu nah.
Als Harry ihn nur mit halb geöffnetem Mund ansah, schlug Draco den Blick doch nieder. Er hatte den anderen nur ansehen wollen, weil er sich so danach gesehnt hatte, aber nun sah er ihn ohnehin nicht scharf. Innerlich verfluchte er seine Schwäche.
„Was hast du?“ Harrys Stimme war weicher als zuvor.
„Verschwinde!“, brachte Draco mit einem tonlosen Zischen über die Lippen und spürte wie eine einzelne Träne über seine blasse Wange rollte. Er wusste, dass Harry sie sehen musste, doch dieser sagte nichts dazu, sagte überhaupt nichts, ging aber auch nicht fort. Die nassen Augen weiterhin auf den Boden gerichtet, sah er, wie die Hand des anderen, die ihn so unsanft herumgerissen hatte nun langsam auf sein Gesicht zu kam.
Wollte Harry ihn etwa berühren? Eine weitere Träne benetzte sein Gesicht, als er blinzelte und dann spürte er tatsächlich, wie die warmen Finger des anderen die Träne auf seiner linken Wange wegwischten. Überrascht, fast entsetzt sah Draco den anderen Jungen an. Sein Blick war nun wieder klarer und er verlor sich einen Moment in den besorgten Augen, bevor er leicht lächelte. Es war das erste echte Lächeln seit Wochen, vielleicht seit Monaten, das sein Gesicht zierte und es war diese einfache Berührung, die es auslöste, die Bedeutung dahinter. Harry würde ihn trösten, das wusste Draco plötzlich.
Zumindest für diesen einen Moment, danach kamen wieder Zweifel, die dunklen Gedanken und das Lächeln verschwand. Doch jetzt da er ohne hin hier war, da er wusste, er würde sich umbringen und dass Harry auf Jungs stand, tat er etwas, das er sich mehr als ein Mal sehnlichst gewünscht, aber immer für unmöglich gehalten hatte. Draco legte seine Lippen kurz auf die des völlig überraschten Harry. Theoretisch war es ein Kuss, doch eigentlich war es mehr eine hauchzarte Berührung. Nach der sich Draco sofort umdrehte und davon rannte.

Der reich verzierte Dolch glitt Draco aus den kraftlosen Fingern und fiel polternd zu Boden. Die Klinge war zu scharf gewesen, sie hatte zu tief geschnitten und die Sehnen mit erwischt. Jetzt würde er sich den rechten Arm nicht mehr aufschneiden können. Pech. Auch egal. Das Blut floss in einem karmesinroten Rinnsal aus seinem blassen Körper. Er lehnte sich zurück, sah endlich die Landschaft vorbei ziehen und erinnerte sich mit einem schwachen Lächeln an Harrys Lippen und den verwirrten Ausdruck in den grünen Augen.
Es würde einige Minuten dauern bis er langsam wegdämmerte, aber er hatte sich den Schmerz genommen, sodass er gut die Zeit warten konnte. Niemand würde ihn stören, dafür hatte er Crabbe und Goyle draußen postiert und das Fenster zum Gang hin verhängt.
Kaum hatte Draco sich jedoch entspannt, wurde die Tür sehr langsam, fast zögerlich geöffnet. Er hatte grade noch Zeit den Umhang über den verletzten Arm zu schlagen, bevor Harry eintrat und die Tür hinter sich schloss. Verwirrt sah Draco ihn an. Was wollte er hier? Wie war er an Crabbe und Goyle vorbei gekommen? Obwohl, Harry war schließlich nicht irgendwer. Und warum sah er so unschlüssig aus, als ob er selbst nicht so recht wüsste, was er hier tat?
Trotz seiner Schwäche, seiner Verzweiflung und Verwirrung, war Draco ein wenig missgelaunt. Immerhin war das hier sein Abteil und er war beschäftigt. Warum konnte Potter ihn nicht einfach in Ruhe lassen? Wenn schon nicht in seinen Gedanken, dann doch bitte wenigstens in der Realität.
„Hau ab!“, fauchte er darum, so verärgert wie möglich und wünschte sich plötzlich trotzdem nichts mehr, als das Harry hier blieb, bis es endgültig schwarz um ihn wurde.
Doch anscheinend sah er nicht abweisend genug aus, denn der andere blieb wo er war und fragte leise: „Warum hast du mich geküsst?“
Draco spürte immer noch wie das Blut aus seiner Wunde in den Umhangstoff sickerte, doch trotzdem wurden seine Wangen warm, bei dieser Frage. Ohne eine Antwort zu geben wandte er seinen Blick ab und sah wieder aus dem Fenster, wenn er ihn ignorierte, vielleicht verschwand er dann.
Im Gegenteil, Harry trat weiter auf ihn zu und bemerkte, zu Dracos Verdruss, den Dolch, an dem noch rote Flüssigkeit schimmerte.
„Ist das Blut?“ Harrys Stimme war irritiert, vielleicht ein wenig bestürzt und als der andere ihn weiter ignorierte wurde er ärgerlich. „Sieh mich an, Draco! Ist das Blut?“
Nicht sicher ob er sich nicht vielleicht doch verhört hatte, wandte Draco den Kopf und starrte Harry an. Er hatte doch seinen Vornamen gesagt, oder nicht? Vielleicht hatte er es sich auch nur eingebildet. Inzwischen hatte der andere den Dolch aufgehoben und hielt ihn Draco hin.
Egal wie er ihn genannt hatte, es brachte nichts es zu leugnen. Jeder Idiot konnte sehen, dass es frisches Blut an der Klinge war.
„Ja.“, antwortete er darum schlicht und sagte dann ruhiger als zuvor: „Und jetzt geh.“
Doch wieder tat Harry nicht was er ihm sagte.
„Wessen Blut ist das?“ Die Frage kam zögerlich.
„Meins. Keine Angst, ich habe niemanden umgebracht.“, versicherte Draco kraftlos und fügte in Gedanken ein ,noch nicht' hin zu. Er spürte langsam, wie ihm der Blutverlust zu schaffen machte. Weil Harry ihn jedoch nur ein wenig geschockt ansah zischte er: „Tu nicht so als wenn du dich für mich interessieren würdest und lass mich in Ruhe!“
Ärgerlich blitzten die Augen des anderen auf und ihr Blick musterte prüfend Dracos Leib, fand den verborgenen Arm und Harry hielt sich nicht weiter mit reden auf, sondern legte die Wunde frei.
Er sog scharf die Luft ein und zog dann seinen Zauberstab. Bevor Draco etwas dagegen tun konnte war die Wunde wieder geschlossen.

„Warum hast du das gemacht?“
Die Frage hing schon eine ganze Weile zwischen ihnen, doch Draco hatte nicht vor sie zu beantworten. Es ging Potter nichts an!
Als ob Harry demonstrieren wollte, dass er die ganze Fahrt Zeit hatte um auf eine Antwort zu warten, hatte er sich auf den Sitz gegenüber von Draco gesetzt und ihn ständig im Auge behalten. Der Schlangendolch lag neben ihm, weit außerhalb Dracos Reichweite. Aber selbst wenn Draco ihn gehabt hätte, dass es mit dem Messer nicht so gut klappte wie erwartet, hatte er nun begriffen.
Was also tun? Es gab immer noch den Astronomieturm, obwohl viele Schüler meinten, gerade diesen Turm umgebe ein Zauber, der die Schüler davor schützen sollte herunter zu fallen oder zu springen. Außerdem wäre sein schöner Körper dann nur noch ... Nein, daran wollte Draco lieber gar nicht denken. So sollte nicht der letzte Eindruck sein, den man von ihm in Erinnerung behielt.
„Warum hast du dir die Pulsader aufgeschnitten?“, fragte Harry erneut und holte Draco aus seinen düsteren Gedanken in das Hier und Jetzt zurück. Er sah in Harrys Augen und zuckte einfach mit den Schultern, bevor er wieder aus der Scheibe blickte.
Ein leises Seufzen drang an seine Ohren und dann eine andere Frage.
„Warum hast du mich geküsst?“
In seinem Kopf flüsterte Draco die Antwort, die er sich selbst kaum zugestehen mochte: ,Weil ich dich liebe.', doch nach außen hin zuckte er nur erneut mit den Schultern.
„Das ist keine Antwort. Du musst doch irgendeinen Grund gehabt haben.“ Harrys Stimme war nicht angriffslustig wie sonst, das war sie heute den ganzen Tag noch nicht gewesen, nun war sie jedoch wieder etwas unsicher.
Am liebsten hätte Draco es ihm gesagt. Gesagt, dass er sich nach ihm sehnte, dass er bei ihm sein wollte und gleichzeitig keinen Sinn mehr sah. Aber was sollte das schon bringen, außer das Harry ihn auslachen und für verrückt erklären würde? Sie beide – ein Paar. Draco hatte schon oft mit diesem Gedanken gespielt, doch es war einfach zu absurd und jetzt noch mehr als im letzten Schuljahr. Jetzt da er selbst ein Todesser war.
Nach einer langen Stille, in der die Dämmerung stetig mehr von der Landschaft überschattet hatte, richtete Harry noch ein Mal das Wort an den anderen.
„Ich werde Prof. Dumbledore alles erzählen müssen.“
Draco verzog das Gesicht. Das fehlte ihm grade noch! Schlimm genug, dass Harry alles kaputt gemacht hatte, nein, jetzt musste er es auch noch Dumbledore petzen, der sicher seine eigenen Methoden haben würde um Dracos Gründe herauszufinden.
Nachdem er diese Information einen Moment wirken gelassen hatte, schlug Harry vor: „Außer du sagst mir endlich, warum du es gemacht hast.“
Unentschlossen wog Draco seine Möglichkeiten gegeneinander ab. Wenn sie im Schloss ankamen und Harry alles rumerzählte, würde er sicher keine Chance mehr bekommen sich von seiner Verzweiflung zu befreien. Die Verzweiflung, die erträglicher war, solange Harry hier bei ihm saß. Vielleicht sollte er sich ihm, seinem Feind, doch anvertrauen und darauf hoffen, das Harry ihn verstand, ihm vielleicht sogar half. Nein, das wäre wohl zu viel verlangt, aber es würde schon reichen, wenn er ihn nicht verpetzte.
Harry schien ein wenig erleichtert, als Draco ihn nun wieder ansah und fragte: „Was denkst du denn, warum ich es getan habe?“
„Ich kann mir keinen Grund vorstellen.“, behauptete Harry. „Du bist reich, schön und ein schlechter Schüler bist du auch nicht. Der einzige -“
„Du findest mich schön?“, fragte Draco, obwohl er lieber den Mund gehalten hätte, doch er konnte nicht, es überraschte ihn zu sehr.
Die grünen Augen wichen dem grauen Blick aus und Harry überging die Frage einfach, indem er ernst sagte: „Der einzige Grund, den du haben könntest, wäre, wenn du unfreiwillig zum Todesser gemacht worden wärst.“
Grade so konnte sich Draco davon abhalten die Finger auf den Stoff zu legen unter dem sich das dunkle Mal befand. Er durfte es nicht verraten, nicht einmal, oder besser, grade nicht Harry. Selbst wenn er sterben würde, das sollte Harry über ihm nicht wissen.
Also zwang er sich zu einem schwachen Lächeln und stellte, um das Thema wieder zu wechseln, fest: „Dann gefall ich dir wirklich, wenn du meiner Frage so ausweichst.“
Nun sah Harry ihn direkt an, immer noch ernst. „Ich habe gesagt, du bist schön. Das ist eine Tatsache, nicht meine persönliche Meinung. Und nun lenk nicht vom Thema ab.“
Etwas irritiert sah Draco seinen Gegenüber an und dachte über dessen Worte nach. Wenn er sagte, es sei eine Tatsache, dann war das doch auch seine Meinung. Aber wenn nicht auf ihn, auf was für Jungs stand Harry dann? Der Weasley fiel ihm wieder ein und er verzog das Gesicht voll Eifersucht. Obwohl Draco es lieber nicht wissen wollte musste er fragen, denn es war das einzige, das ihm einfiel, um Harry von der Todesser-Sache abzubringen.
„Bist du jetzt eigentlich mit dem Weasley zusammen?“ Er versuchte es mit seinem arroganten Tonfall, doch es misslang ihm und als ihm der Kuss der beiden wieder ins Gedächtnis kam, musste er den Blick abwenden und die Tränen wegblinzeln.
„Mit Ron?“ Verständnislos sah Harry ihn an und schmunzelte dann. „Machen wir einen Handel. Du verrätst mir warum du so etwas dummes tun wolltest und ich sag dir was zwischen mir und Ron ist.“
„Gut, ich nenne dir einen Grund. Aber du zuerst.“, verlangte Draco.
Das entlockte Harry ein spöttisches Lachen. „Als ob ich dir vertrauen würde, Slytherin! Nein, du zuerst.“
Draco knirsche mit den Zähnen und mustere Harry dabei. Er zweifelte nicht daran, dass dieser seinen Teil der Abmachung halten würde, doch obwohl er sich dazu durchgerungen hatte es Harry zu erzählen, war es nicht leicht.
„Meine Familie hat ihr Ansehen verloren.“, erklärte er dann leise und Harry hob eine Augenbraue, als würde ihm das nicht genügen. „Für uns war Ansehen und guter Ruf immer das wichtigste. Was sind wir denn nun noch? Nur irgendeine gefallene Familie, ohne Oberhaupt, ohne Verbindungen, ohne alles was uns ausgemacht hat.“
Draco konnte sehen, dass Harry ihn nicht verstand, obwohl er stumm nickte. Wie sollte er auch? Harry hatte schließlich nie etwas auf seinen Ruf gegeben, ob nun gut oder schlecht. Aber es kümmerte Draco nicht weiter, sollte Harry doch denken was er wollte, Hauptsache er verpfiff ihn nicht bei Dumbledore.
„Jetzt bist du dran.“, erinnerte Draco seinen Gegenüber, als dieser ihn nur gedankenverloren ansah und ein erneutes Schmunzeln überzog Harrys Gesicht, aber nicht für lange, dann sagte er: „Nein, ich bin nicht mit Ron zusammen. Ich hab nur ein bisschen mit ihm geübt, weil er morgen sein erstes Date mit Hermine hat.“
Nun war es Draco der Harry verständnislos, dann aber ungläubig, zuletzt verächtlich anstarrte. „Und ich dachte immer Gryffindors halten ihr Wort.“ Es verletzte ihn, dass der andere ihm so einfach etwas der Art durchsichtiges vorlog.
„Hab ich doch auch.“ Das Lächeln kehrte auf Harrys Gesicht zurück. „Wenn du mir nicht glaubst, ist das deine Sache. Ich bin auf jeden Fall noch zu haben.“ Dann legte er den Kopf nur ein wenig schief, verbreiterte sein Lächeln und sagte: „Falls es das war, was du wissen wolltest.“
Bevor er noch etwas falsches sagen konnte, wandte Draco sein errötetes Gesicht der Scheibe zu, doch die Dunkelheit hatte bereits die Landschaft verschluckt und er konnte nur sein Spiegelbild erkennen. Seines und das von Harry, welches ihn ansah. Ein Mal atmete Draco tief durch und wurde sich dann darüber klar, dass Harry Recht hatte, er wollte wissen ob Harry noch zuhaben war, auch wenn er ihn selbst nie besitzen konnte. Denn die Eifersucht in seiner Brust war kein schönes Gefühl.
„Es hat dich ganz schön mitgenommen uns so zu sehen, oder?“ Harrys Lächeln war verschwunden, seine Stimme einfühlsamer geworden, doch Draco wollte es nicht hören. Einen Moment konnte er nur an das Bild denken und daran, dass er Harry nie wieder so würde berühren können. Verzweiflung und Wut stieg in ihm auf. Warum konnte Harry ihn nicht einfach in Ruhe lassen? Warum hackte er nun auch auf dem bisschen von ihm rum, das noch übrig geblieben war?
„Warum hast du mich überhaupt geheilt?“, stieß er unvermittelt aus, den zornigen Blick auf sein Gegenüber gerichtet.
„Warum ich dich ... ?“ Harry schien einen Moment sprachlos, dann wurde auch er ärgerlich. „Na, hör mal! Ich kann doch einen Mitschüler nicht einfach verbluten lassen!“
Da hatte Draco es, aus erster Hand: er war nur irgendein Mitschüler für Harry. Natürlich, was auch sonst? Er musste hart schlucken um seine erneut aufsteigende Traurigkeit zu unterdrücken. Harry sollte ihn nicht noch ein Mal weinen sehen. Ruckartig stand er auf.
„Ich hab dir gesagt ...“ Weiter kam er nicht denn ein Schwindel ergriff ihn und er stützte sich an der Scheibe ab. Anscheinend hatte er den Blutverlust noch nicht ganz verkraftet. Nur kurz war ihm schwarz vor Augen, doch als sich die Dunkelheit wieder lichtete bemerkte er, dass Harry direkt vor ihm stand, eine Hand auf Dracos Schulter gelegt.
Einen Moment sah er in die besorgten Augen vor sich, dann aber verhärteten sich seine Gesichtszüge. Mit der Hand, die ihn nicht stützte, wollte er Harrys Berührung wegstoßen, doch seine Bewegung war zu kraftlos.
„Setz dich lieber wieder hin.“, riet Harry ihm, doch Draco wollte nicht.
„Lass mich endlich in Ruhe!“, fauchte er, drehte sich aus dem Griff des anderen und wollte zur Tür gehen, Harry einfach nicht mehr ansehen müssen, doch dabei spürte er, wie seine Beine, die ohnehin schon ziemlich schwach gewesen waren, langsam unter ihm nachgaben.
Harry fing ihn auf, als er stürzte.
„Ich hab dir gesagt, du solltest dich lieber setzen.“, murmelte Harry nah an seinem Ohr und es gelang ihm mit einiger Anstrengung den anderen auf dessen Platz zurück zu bugsieren. Draco kämpfte nur gegen den Schwindel, nicht aber gegen Harry an.
Harry setzte sich jedoch nicht wieder auf seinen Platz, sondern stützte sich auf die Armlehnen rechts und links von Draco, sodass sich ihre Gesichter sehr nahe kamen. Draco spürte wie sein Herz schneller zu pochen begann und sein Blick unvermeidlich von den grünen Augen angezogen wurde.
„Warum hast du mich geküsst, Draco?“, hauchte Harry und sein Gegenüber erstarrte, als er seinen Vornamen aus dem Mund des anderen hörte. So sanft hatte er ihn nicht ein Mal in seinen Träumen ausgesprochen.
Er antwortete nicht, konnte nicht, traute sich nicht. Harry würde ihn auslachen und das würde er nicht verkraften, nicht in seiner jetzigen Verfassung.
Traurig verzog Harry den Mund. Anscheinend enttäuschte ihn Dracos Reaktion, oder besser deren Ausbleiben. Was hatte er sich denn erhofft? Warum hatte er ihn beim Vornamen genannt? Während Draco noch zu verstehen versuchte, was in Harry vor ging, zog der sich schon wieder von ihm zurück.
„Nein!“, flüsterte er erschrocken und hielt den anderen am Arm fest. Der sah ihn erstaunt an, lächelte dann aber. Draco sah Harry an und die Worte lagen ihm schon auf der Zunge, doch dann schluckte er sie wieder hinab, schüttelte den Kopf und ließ los.
Dieses Mal runzelte Harry die Stirn, schien dann aber eine Idee zu haben, denn er lächelte nun keck und fragte: „Gut, wie wäre es denn, wenn ich dieses Mal dich küsse?“
Draco wusste absolut nicht was er dazu sagen, oder überhaupt davon halten sollte. Sicher erlaubte sich Harry grade einen Scherz mit ihm. Er konnte nicht an Draco interessiert sein, nicht ernsthaft, nicht auf diese Art.
Und was wenn doch? Was wenn Harry es ernst meinte und er ihn abblockte, nur weil er sich vor einem Scherz schützen wollte? Prüfend sah er hoch in das Gesicht des anderen. Harry schien sehr gespannt auf seine Antwort. Dracos Blick glitt von den Augen, die er so liebte, hinunter zu Harrys weichen Lippen. Sie waren weich, das wusste er nun. Neue Sehnsucht erfüllte ihn und er fragte sich was er hier eigentlich tat, natürlich wollte er, dass Harry ihn küsste. Was danach kam, was passieren würde, wenn er Hogwarts erreichte und von irgendeinem anderen Turm sprang, das wusste er ja.
Stumm nickte er, die Augen nun begierig auf den anderen gerichtet. Dessen Lächeln zufrieden wurde, bevor er sich langsam zu Draco hinunter beugte.
Also war es doch kein Scherz gewesen, begriff Draco. Ein schmales Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus und sein Herz klopfte hart gegen seinen Brustkorb. Wieder stützte Harry sich rechts und links neben ihm ab und hatte ihn schon fast erreicht, als die Tür sich öffnete.

Das ganze Festmahl über konnte Draco seine Augen nicht davon abhalten immer wieder Harry zu suchen, aber auch Harry schien oft in seine Richtung zu sehen, denn ihre Blicke trafen sich mehr als ein Mal.
Seine Gedanken drehten sich nur um diese wenigen Augenblicke, in denen sie sich fast geküsst hatten und fast entdeckt worden wären. Wenn Draco Harry nicht von sich gestoßen hätte, dann hätte Zabini sicher gesehen, was sie beide so allein getan hatten. Draco verfluchte Zabini in Gedanken. Wieso hatte er auch unbedingt hereinkommen müssen. Er interessierte sich doch sonst nicht für Dracos Angelegenheiten, aber vielleicht hatte er sich eine Belohnung versprochen, falls er Draco behilflich war. Dass Zabini sich Sorgen um ihn gemacht haben könnte, als er Crabbe und Goyle bewusstlos am Boden liegen gesehen hatte, zog Draco gar nicht erst in Betracht. Niemand sorgte sich mehr um ihn. Das zeigte sich besonders gut daran, wie lange es gedauert hatte, bis sie überhaupt jemand gestört hatte. Viele Schüler mussten einfach über die bewusstlosen Crabbe und Goyle hinüber gestiegen sein.
Ein hoffnungsloser Seufzer entrang sich seiner Kehle. Wieder trafen seine Augen den grünen Blick und er musste seine Gedanken korrigieren. Vielleicht sorgte sich doch jemand um ihn.
Auf dem Weg hinunter in die Kerker dachte Draco noch ein Mal über seine Zukunft nach. Wenn er immer noch den Wunsch hatte sich das Leben zu nehmen, dann sollte er es jetzt tun. Jetzt den Schülerstrom verlassen und hinauf zu den Türmen steigen. Doch wenn er ehrlich war, dann wollte er das gar nicht mehr. Nicht, dass er es jemals „gewollt“ hätte, er hatte nur keinen anderen Ausweg mehr gesehen. Nun hatte er jedoch noch etwas zu erledigen.
Er würde Harry noch ein Mal küssen, richtig küssen und dann würde er ihn fragen, warum Harry ihn hatte küssen wollen. Bevor er dies nicht getan hatte, würde ihn die Dunkelheit nicht bekommen.

Die Eule ließ den Brief in Dracos Schoß fallen. Als er verwirrt von seinem Frühstück auf sah, konnte er nicht mehr sagen, welche es gewesen war und es stand auch kein Absender auf dem Umschlag, sodass er ihn im ersten Moment am liebsten sofort entsorgt hätte. Denn man wusste nie wann einem die Weasley-Zwillinge einen Streich spielten.
In dem Moment in dem ihm bewusst wurde, dass die beiden im letzten Jahr von der Schule abgegangen waren, fiel ihm auch ein, dass er selbst gestern Abend fast einen solchen Brief ohne Absender verschickt hätte. Abgehalten hatte ihn die Ausgangssperre. Denn zwar besaß er einen stattlichen Uhu, doch dieser war unter den Slytherin ziemlich bekannt und würde sicherlich wiedererkannt werden, wenn er Harry einen Brief beim Frühstück brachte. Also wäre ihm der Weg in die Eulerei nicht erspart geblieben, um eine Schuleule zu beauftragen, und dann hätte er es auch heute über Tag erledigen können, hatte er zumindest gedacht.
Nun suchte er mit den Augen nach Harry und fand ihn zwischen seinen Freunden sitzend. Harry erwiderte seinen Blick, lächelte dann und wandte sich mit einem kleinen Nicken ab.
Sofort ergriff Draco das Bedürfnis den Brief zu lesen, doch er hielt sich zurück. Er wusste nicht, was Harry ihm geschrieben hatte und falls er seinen stümperhaften Versuch, sich das Leben zu nehmen, oder den Kuss erwähnte, wäre es ziemlich peinlich, wenn Crabbe oder Goyle dies lasen. Also beendete er sein Frühstück, sobald sie ihre Stundenpläne bekommen hatten und verließ die große Halle. Ohne seine beiden bulligen Freunde kam sich Draco zwar verletzlicher vor als sonst, doch im Moment war es unumgänglich.
In einer Nische riss er den Umschlag auf, begann voll Ungeduld zu lesen und stoppte schon bei der Anrede. Dort stand „Mein Drache“. Was dachte sich dieser Gryffindor eigentlich wer er war? Sein Drache? Na, das würden sie ja noch sehen. Trotzdem schmunzelte Draco und dies blieb so während er weiter las.
„Mein Drache,
wenn du diese Zeilen tatsächlich liest, dann hast du es vielleicht bereut, was du gestern im Zug versucht hast. Ich hoffe es sehr. Ich werde niemandem etwas davon erzählen, wenn du dich noch ein Mal mit mir triffst. Nur wir zwei, heute nach der letzten Stunde, vor dem ehemaligen Versteck der DA.
Dein Löwe“
Das Schmunzeln war zu einem breiten Lächeln geworden. Sie würden sich also treffen und das schon heute. Mit Sehnsucht im Herzen faltete er den Brief zusammen. Wie gern würde er Harrys Drache sein, wenn dieser sein Löwe wäre.

Nach einem Schultag, der Draco endlos vorkam, machte er sich auf den Weg zum Treffpunkt. Doch ja näher er diesem kam, desto unsicherer wurde er. Den ganzen Tag hatte er sich darauf gefreut mit Harry allein zu sein, doch plötzlich kamen ihm Zweifel an den Beweggründen des anderen. Es konnte doch sein, dass Harry ihn versetzte oder mit seinen Freunden auftauchte, um ihn aufzuziehen. Unschlüssig blieb Draco stehen. Aber dazu hatte Harry eigentlich keinen Grund, versuchte er sich die Zweifel auszureden und rief sich ins Gedächtnis, was sein Ziel war. Er wollte diesen Kuss, den Harry ihm noch schuldete. Mit neu gewonnener Zuversicht macht er sich auf den Weg und hielt erst bei seinem Ziel wieder an.
Ernüchtert stellte er fest, dass er entweder als erstes da war oder Harry ihn wirklich versetzt hatte.
Dann würde er eben noch ein wenig warten, immerhin war er ziemlich zügig hier her gegangen. So lässig wie möglich lehnte er sich gegen die Wand, an der die Tür erscheinen würde.
Es lohnte sich, wenige Minuten später hörte er schnelle Schritte. Er hob den Blick und sah Harry auf sich zu kommen. Das erleichterte Lächeln, das sich auf Dracos Gesicht breit machen wollte, bei diesem Anblick, schaffte es nicht auf seine Züge. Er hielt es zurück und blickte gleichgültig zu Harry, der langsamer auf ihn zu kam und dann vor ihm stehen blieb.
„Tu nicht so.“ Harry lächelte ihn an. „Ich weiß, dass du dich freust mich zu sehen.“
Wie aus Gewohnheit wollte Draco schnippisch antworten, doch etwas in den grünen Augen hielt ihn davon ab. Sie waren nicht angriffslustig nur freundlich. Also stieß er sich von der Wand ab und fragte nur: „Wo warst du so lange?“
„Wollen wir nicht erst mal rein gehen? Dir ist es doch sicher nicht recht, wenn uns jemand zusammen sieht – schon wieder.“
Draco nickte und überließ es Harry einen geeigneten Raum zu beschwören. Als sie eintraten, war er nicht überrascht gemütliche, dunkelrote Sofas und einen stabilen Couchtisch vorzufinden. Harry war eben auch nur ein Gryffindor.
Mit einer auffordernden Geste deutete Harry auf die Sofas und setzte sich. Unschlüssig zögerte Draco einen Moment, dann entschied er sich dafür seinem Plan endlich zu folgen, anstatt den unnahbaren Slytherin zu spielen und nahm neben Harry Platz. Was diesem ein Grinsen aufs Gesicht zauberte, mit dem er, wie Draco fand, verboten gut aussah.
„Ich bin übrigens so spät dran, weil ich erst Hermine und Ron loswerden musste. War nicht so leicht wie ich dachte.“, erklärte Harry.
Es interessierte Draco eigentlich nicht wirklich, warum Harry so spät gekommen war, er war ja jetzt da, darum nickte er nur. Was ihn dagegen brennend interessierte, ließ ihn seinen Herzschlag deutlich spüren. Es war nicht Dracos Art mutig zu sein, trotzdem brauchte er diese Information und so fragte er: „Warum wolltest du mich im Zug küssen?“
Harry jedoch antwortete nicht, sondern stellte eine Gegenfrage: „Warum hast du mich denn zuerst geküsst?“
Beim Gedanken an die flüchtige Berührung ihrer Lippen konnte Draco Harry nicht mehr in die Augen sehen. Er wandte den Blick ab, bis er Harrys Finger an seinem Kinn spürte, die es langsam und behutsam wieder zu ihm drehten. Als sie sich wieder ansahen, lächelte Harry und antwortete: „Schon gut, ich wollte dir einfach ein wenig Hoffnung geben.“
Mit einer solchen Antwort hatte Draco nicht gerechnet, besonders nicht nach dem Brief und so brauchte er einen Augenblick, bis er begriff, was sie bedeutete. Wie hatte er auch so dumm sein können zu denken, Harry Potter würde etwas für ihn empfinden? Der Schmerz, der sich nach dieser Einsicht in seiner Brust ausbreiten wollte, wurde zu Wut, als er in Harrys Augen sah, die ihn immer noch freundlich anblickten. Verstand Harry denn überhaupt nicht, dass er es nur noch schlimmer machte?
Wut entbrannt sprang Draco auf. Er konnte nicht mehr hier sitzen und er hatte ja bereits seine Antwort, für die er sich hier mit Harry hatte treffen wollen. Gut, der Kuss, aber wenn es nicht echt war, dann wollte er es auch nicht.
„Mir Hoffnung geben? Das kannst du dir sparen, Potter!“, stellte er erbost fest, den Blick starr auf die grünen Augen gerichtet, die ihn überrascht ansahen. „Ich will deine Almosen nicht und ganz bestimmt bin ich nicht dein Drache!“
Mit dem letzten Wort drehte er sich um und wollte den Raum verlassen. Kaum zwei Schritte später spürte er eine Hand an seinem Arm, die ihn zwar nicht herumriss, aber doch zum stehenbleiben zwang.
„Bitte geh nicht. Lass uns darüber reden.“
„Worüber?“, fragte Draco immer noch gereizt und hasste sich dafür, wie er sich nach mehr Berührung des anderen sehnte. Er war einfach viel zu schwach. Er sollte gehen, dass wusste er, doch bei Harry zu sein, auch wenn dies ihm im Moment Schmerzen zufügte, tat ihm immer noch gut, dass spürte er jetzt, beim beruhigenden Klang seiner Stimme und der Wärme seiner Berührung.
„Wir können reden über was du möchtest. Aber ich würde immer noch gern wissen, warum du dich umbringen wolltest, denn da muss es ja noch mehr geben, und warum du mich geküsst hast. Obwohl da kenne ich die Antwort vielleicht schon.“
Harry ließ ihn langsam los und strich dabei mit den Fingern seinen Arm entlang. Doch Draco drehte sich nicht zu ihm um, er wollte ihm noch nicht wieder in die freundlichen Augen sehen, besonders nicht, nachdem Harry förmlich gesagt hatte, dass er wusste, dass Draco in ihn verliebt war.
Mit dem letzten Rest Widerstand, den er in sich gegen den anderen finden konnte, knurrte Draco: „Das geht dich beides nichts an.“ Gleichzeitig spürte er, wie ein Bedürfnis nach Nähe in ihm heranwuchs, dass er bisher immer unterdrückt hatte. Er sollte es auch jetzt nicht zu groß werden lassen, dass wusste er, doch allein Harrys Gegenwart machten dies im Moment schwierig.
„Ich finde, zumindest über den Kuss könntest du mit mir reden, wenn schon nicht über deine richtigen Probleme.“ Harry machte eine kleine Pause und bat dann leise, als der andere nicht reagierte: „Bitte, Draco, sieh mich an.“
Der Schmerz durchzuckte Draco erneut, als Harry ihn bei seinem Vornamen nannte und in einem neuen aufflammen der Wut drehte er sich tatsächlich um.
„Nenn mich nicht so!“, fauchte er. „Wir sind keine Freunde!“
Vielleicht hatte er noch mehr sagen wollen, mehr das Abstand zwischen sie brachte, doch Harry unterbrach ihn, indem er sagte: „Ich wäre aber gerne dein Freund.“
Zweifelnd sah Draco seinen Gegenüber an. Meinte Harry das ernst? Und wenn ja, wie meinte er es genau? Wäre er nur gerne mit Draco befreundet? – Das könnte dieser sicher nicht aushalten und es gab auch gar keinen Grund dann noch weiter zu machen. Oder meinte er es doch auf die Art, die Draco sich so sehr wünschte?
Er brachte nicht den Mut auf zu fragen. Die einfachen Wörter: Bedeute ich dir etwas? Wollten nicht über seine Lippen.
Dann wurde er sich wieder dem anderen Problem bewusst. Selbst wenn Harry es so meinte, wie er es sich wünschte, wie stellte er sich diese Beziehung vor? Die Hoffnung der Zaubererwelt und ein Todesser, das war unmöglich!
Nun eher verzweifelt sah er Harry an und bemerkte, dass dieser erneut eine Hand nach ihm ausstreckte. Doch dieses Mal scheute sich Draco vor der Berührung. Sie würde nur noch mehr Schmerzen bringen und dies würde ohnehin zu keinem guten Ende führen. Also wich er zurück. Erst einen Schritt, dann einen zweiten und als ihm völlig bewusst wurde, dass er hier nur Schmerzen finden würde und nicht die Hoffnung, nach der er vielleicht unterbewusst gesucht hatte, wandte er sich um und lief aus dem Raum.

Der laue Abendwind strich Draco über das tränennasse Gesicht. Sie flossen noch immer, diese Zeichen seiner Schwäche und er konnte nichts dagegen tun, wollte es auch nicht mehr. Er wollte nun nichts mehr, außer dem ganzen ein Ende machen. Trotzdem zögerte er, einen Schritt vom Abgrund entfernt.
,Ich wäre aber gerne dein Freund.', hallte es in seinem Kopf nach und einen Augenblick verlor er sich in dem Wunschgedenken, dass dies möglich wäre. Bis er jemanden auf sich zu rennen hörte. Es gab keinen anderen Ausweg, nichts das ihn retten konnte.
Ohne sich umzudrehen ließ er sich fallen und schloss die Augen.
Seine Gedanken waren bei Harry. Er hielt den Moment, in dem sich ihre Lippen berührt hatten, ganz fest, damit die schrecklichen Dinge, die ihn hierzu getrieben hatten nicht das letzte waren, an das er dachte. Es sollte Harry sein. Seine Berührung, sein Lächeln, seine Augen.
Abrupt kam sein Fall zu einem Ende, aber nicht im geringsten so, wie er es sich vorgestellt hatte. Denn kein Grass und kein Stein bremste ihn, sondern Magie, das konnte er deutlich spüren. Verwirrt sah er sich um und bemerkte, dass ihn nur noch ein halber Meter von seinem ersehnten Ausweg getrennt hatte. Im nächsten Augenblick begann er langsam wieder nach oben zu schweben. Wie er es erwartet hatte, stellte er fest, dass er sich ansonsten überhaupt nicht bewegen konnte.
Nach sechs Stockwerken wurde er durch das Fenster hinein geholt, aus dem er gesprungen war und sanft nieder gelassen.
Nun saß Draco auf dem Boden, starrte ins leere und fragte Harry kraftlos: „Warum kannst du mich nicht einfach sterben lassen?“
Harry kniete sich vor ihn, nahm sein feuchtes Gesicht in beide Hände und küsste ihn zart. Zu überrascht und zu erschöpft um sich zu wehren, ließ Draco es geschehen, erwiderte den Kuss jedoch auch nicht. Es brachte nichts, sie waren nicht für einander gemacht.
Als Harry den kurzen Kuss löste, sah er traurig aus. Vielleicht hatte er gehofft Draco würde auch ihn küssen. Dann sah er in die grauen Augen und sagte ernst: „Ich liebe dich. Das wollte ich dir sagen, bevor ich dich gehen lassen kann.“
Mehr als ein schwaches Lächeln brachte Draco nicht zustande, obwohl ihn Harrys Worte sehr freuten. Er liebte ihn also tatsächlich und hatte sein Angebot vielleicht sogar ernst gemeint. Dracos Augen wurden wieder traurig, als er nickte und begriff, dass er es Harry schuldig war, ihm zu erklären, warum sie nicht zusammen sein konnten. Langsam schob er seinen linken Ärmel hoch und lenkte so Harrys Blick auf das schwarze Zeichen auf seiner hellen Haut.
Eine Schock Sekunde sah Harry auf des dunkle Mal und dann in Dracos Augen. Sein Blick war verzweifelt, doch nach ein paar Augenblicken wurde er entschlossen. Genauso entschlossen zog er den Ärmel wieder herunter und umarmte Draco. Dieser war völlig verwirrt von dieser Geste. Er hatte vermutet, dass Harry ihn zumindest bedrohen würde. Erst als Harry ihm ins Ohr flüsterte verstand er, auch wenn er es noch immer nicht ganz fassen konnte.
„Es ist mir egal! Ich liebe dich trotzdem. Bitte, verlass mich nicht.“
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