Ferienjob (Original) für Chaotizitaet

Ferienjob (Original) für Chaotizitaet

Beitragvon Ria » 26. Sep 2015, 07:55

Titel: Ferienjob
Fandom: Original
Rating: P 16/18 slash – irgendwas dazwischen

Liebe Chao, ich durfte dieses Jahr für dich wichteln und ich habe mich für deinen Originalwunsch entschieden, der am Nordpol spielen sollte. Vielen Dank für die Inspiration, denn die Jungs lassen mich nicht mehr los ^^ Ich hoffe, du hast an den beiden genauso viel Freude wie ich und ich wünsche dir viel Spaß mit der Geschichte :)



ooOoo


„... wir haben uns doch darauf geeinigt, Hausschuhe zu tragen. Das haben wir ganz demokratisch beschlossen!“

„Ich weiß. Aber sie haben den Energieaustausch zu sehr gestört. Barfuß ist besser.“

„Barfuß ist unhygienisch!“

„Moin“, grüßte Jens in den morgendlichen Streit hinein, als er in die Küche schlurfte, sich das stoppelige Kinn kratzte und als erstes die Kaffeemaschine ansteuerte.

„Guten Morgen“, knurrte Nele schlecht gelaunt, die selbst so früh am Tag schon korrekt gekleidet und frisiert war.

Jens spürte schon ihren dolchartigen Blick im Rücken. Vermutlich würde sie ihn jetzt erst mal wieder lang machen, weil er gestern vergessen hatte, einkaufen zu gehen. Und weil er ein leichteres Opfer war als Sarah, die ihm – in bunte Pumphosen und Batiktop gekleidet – ein strahlendes: „Namaste!“ entgegen schmetterte.

Das war natürlich gleich wieder Öl in Neles Feuer, die keine Zeit damit verlor, Sarah zu erklären, dass man sich hierzulande so nicht begrüßte und dabei so aussah, als wolle sie Sarah mit einem der bunten Tücher erwürgen, die sie sich um die blonden Locken geschlungen hatte.

Jens setzte sich mit einem randvollen Becher zu seinen beiden Mitbewohnerinnen an den Tisch, lehnte sich im Stuhl zurück und trank seinen Kaffee. Dem Streit der beiden Mädels folgte er nur mit halben Ohr, als er die Zeitung zu sich heranzog und die Jobangebote durchging. Er brauchte dringend einen neuen Nebenjob, nachdem Herr Obermeier ihm gestern hatte kündigen müssen, weil der kleine Elektronikfachmarkt sich kaum mehr selber trug, nachdem direkt gegenüber ein Media Markt eröffnet hatte. Jens fuhr sich geistesabwesend durch die braunen Haare und trank einen Schluck Kaffee.

„Was bitte schön ist verkehrt daran, inneren Frieden zu finden?“

„Finde doch erst mal heraus, was genau du studieren willst, um etwas aus deinem Leben zu machen. Der Frieden kommt dann von ganz alleine!“

„Das klingt, als hätte es deine Mutter gesagt! Du klingst schon genau wie sie!“

„Na wenigstens klinge ich nicht wie deine! Die unterstützt dich ja auch noch mit diesen... diesen Hirngespinsten!“

Mhm, da wurde eine Aushilfe im Supermarkt gesucht. Besser als nichts und er brauchte dringend das Geld, wenn er demnächst nicht bei seinem Vater die Hand aufhalten wollte. Jens reckte sich nach hinten, um die Krams-Schublade erreichen zu können und schnappte sich einen Stift, um das Angebot einzukreisen.

„... da werden doch nur Orgien gefeiert!“

„In diesem Tempel wird meditiert, da feiern wir keine Orgien!“

„Das hast du auch gesagt, als du dieser komischen Sekte beigetreten bist. Und was war dann? Der Oberguru wollte dir an die Wäsche.“

„Das war nur ein Missverständnis!“

„Deswegen musste ich dich da auch nachts um drei rausholen. Und mit einem Seitenschneider ein Loch in den verdammten Drahtzaun schneiden, der euer ach so friedliches Gehege umgeben hat.“

Im Media Markt arbeiten kam nicht in die Tüte. Das könnte er mit seinem Gewissen nicht vereinbaren. Die waren ja erst Schuld an seinem Dilemma. Die kamen nicht mal dann in Frage, wenn ihm wirklich die Kohle ausging und er bei seinem Vater zu Kreuze kriechen musste... aber was war das mit dem Lagerarbeiter auf Zeit?

„Ein bisschen Meditation und Ruhe würde dir auch mal gut tun, Nele. Warum begleitest du mich nicht einfach? Platz ist da genug. Und Thailand ist einfach wunderschön!“

„Ich hab keine Zeit für so einen Unsinn. Ich muss noch genug für die Uni tun. Und...“

„Und wenn du irgendwann auf dein Leben zurück blickst, was wirst du dann sehen?“

Das war's. Mehr interessante Stellen gab die Zeitung nicht her. Musste er später doch noch mal das Internet durchforsten. Jens legte die Zeitung zur Seite und machte den Fehler, einen Blick auf Sarahs Frühstück zu werfen, das beachtliche Ähnlichkeit mit Froschleich hatte. Irgendwelche Körner, auf die sie momentan schwor und die schon die alten Ägypter gegessen hatten. Könnten aber auch die Maya gewesen sein – so genau hatte Jens ihr da nicht zugehört.

Er wollte gerade nach dem Brot greifen, als Nele ihn aus schmalen, braunen Augen fixierte und anscheinend beschlossen hatte, dass sie lieber ihn ins Visier nehmen sollte als Sarah, bei der sie Diskussionen in schöner Regelmäßigkeit verlor.

„Du warst gestern nicht einkaufen!“

„Stimmt“, gab Jens den Kampf auf, bevor er begonnen hatte. „Ich hatte andere Sorgen, nachdem Herr Obermeier mir gesagt hat, dass er mich nicht weiter beschäftigen kann.“

„Ja. Vor allem, weil du so blöd warst und seine Abfindung nicht annehmen wolltest!“

Jens schwieg und schmierte Butter auf sein Brot. Nele hatte Recht. Es war blöd gewesen, das Geld nicht zu nehmen, das Herr Obermeier ihm angeboten hatte. Andererseits... er hatte es einfach nicht übers Herz gebracht. Dem Mann stand das Wasser jetzt schon bis zum Hals und Jens hatte genug Ahnung von Wirtschaft, um zu wissen, dass er über kurz oder lang das Geschäft dicht machen konnte. Das wäre so schon schlimm genug, aber der Laden hatte schon Obermeiers Vater und davor seinem Großvater gehört und...

„Oh, du suchst einen neuen Job?! Das ist ja großartig!“

Jens blinzelte Sarah an und fragte sich, ob sie mal wieder zu viel an Bewusstseins-erweiternden Raucherstäbchen geschnuppert hatte, als sie aufsprang und aus der Küche raste. Kopfschüttelnd sah auch Nele ihr hinterher, bevor sie wieder Jens anstarrte.

„Um zum Thema zurück zu kommen: Wie gedenkst du demnächst deinen finanziellen Beitrag zu unserer kleinen Wohngemeinschaft beizutragen?“

„Keine Sorge, ich...“, setzte Jens an, als Sarah in die Küche zurück kam und sich – zu Neles sprachlosem Entsetzen – zwischen Teller und Tassen auf den Tisch setzte. Es klirrte bedenklich, als sie es sich gemütlich machte und Jens rettete beiläufig das Marmeladenglas vor dem Absturz, als Sarah begeistert in die Hände klatschte.

„Du suchst einen Job? Ich hab einen für dich!“, rief sie lachend und wedelte mit einem Brief vor Jens' Nase herum. „Du fährst an meiner Stelle zum Nordpol!“

Jens klappte der Mund staunend auf, als Sarah ihm mit einem aufgeregtem Giggeln den Brief hin hielt. Er griff danach, um ihn kurz zu überfliegen. Tatsächlich schien es sich um ein Schreiben von der Weihnachtsmann GmbH & Co. KG zu handeln, in dem sie Sarah dazu gratulierten, dass sie die nötigen Anforderungen erfüllen würde, um in der Fabrik tätig werden zu können.

Oh man oh man! Der Nordpol! Jens spürte das erste aufgeregte Kribbeln, das aus seinem Bauch aufstieg. Er liebte Weihnachten und hatte sich schon so oft vergebens für einen Job in der berühmten Weihnachtsmann GmbH & Co. KG beworben – allerdings war er immer abgelehnt worden. Er wusste, dass es verteufelt schwer war, einen der begehrten Jobs dort zu bekommen. Dass Sarah ihm ihren Platz jetzt so einfach abgab, war...

„Was für Anforderungen stellen die denn da?“, fragte Nele, die sich neugierig wie immer, über Jens' Schulter gebeugt hatte. „Hast du da nicht schon vor zwei Jahren mal gejobbt?“

„Korrekt. Und die verlangen nicht viel. Einfach nur...“ Sie legte einen Finger an die geschürzten Lippen, als sie kurz überlegte. „Experimentelle Freude an Spielzeug, würde ich es mal nennen.“

Jens starrte noch einen Moment länger den Brief an. Er sah es schon vor sich. Den Schnee und die Elfen und die Zuckerstangen und...

„Ich kann da nicht hin“, sagte er schließlich düster und versuchte nicht an die Rentiere zu denken, die er jetzt nicht sehen würde, obwohl er sich nichts mehr wünschte. „Diese Einladung geht ja an dich und...“

„Quatsch! Das geht schon klar. Ich schreib Nick einfach ne Mail. Nick ist der Sohn vom Chef und ein wirklich netter Kerl. Der regelt das schon.“ Sie beugte sich vor und lächelte Jens an, ihre blauen Augen blitzten, als sie schmal und berechnend wurden. „Ich kann nicht hin, ich bin ja in Thailand und du... würdest mit dem Polarexpress fahren!“ Wie ein Zauberkünstler zog sie ein goldenes Zugticket hinter dem Rücken hervor und Jens griff wie hypnotisiert danach.

Nie hätte er sich träumen lassen, dass er jemals mit dem Polarexpress fahren dürfte! Er starrte das Ticket in seinen Händen an und grinste glücklich, während Sarah Nele noch einmal zu ihrem kleinen Selbstfindungstrip in Thailand einlud. Nele zählte tausend Gründe auf, warum sie hier nicht weg konnte und dass ja irgendwer auf die Wohnung aufpassen musste.

„... und dann kommen wir wieder und die ganze Wohnung ist leer geräumt! Man liest das doch immer wieder. Ganze Banden spionieren Häuser aus und lauern nur darauf, dass alle Bewohner weg sind!“

„Meine Mutter könnte doch für die Zeit hier wohnen und nach dem Rechten sehen.“

„Deine Mutter?! Nur über meine Leiche!“

„Du hast Vorurteile, Nele. Die fressen dich irgendwann noch auf.“

„Deine Mutter leitet eine verdammte Sexschule!“

„Ein Tantrazentrum. Das ist etwas völlig anderes.“

„Die haben da Sex!“

„Nur für die Selbstfindung und den inneren Frieden.“

Jens bekam das Gespräch nur halb mit. In Gedanken packte er schon und sah sich selbst Puppen und Nussknacker bemalen. Dabei würde er perfekt abschalten können und das Desaster mit Stefan vergessen, das...

„Okay, also gut, ich begleite dich nach Thailand. Aber nur, damit du da nicht in die Hände irgendwelcher Menschenhändler oder so gerätst!“

Jens blinzelte Nele an, die ihre gestärkte weiße Bluse zurecht zupfte, als sie sich wieder an den Tisch zurück setzte und sich den Pony ihres akkurat geschnittenen Bobs hinter das Ohr strich, bevor sie sich Zettel und Stift griff.

„Aber bevor wir fahren, müssen wir Regeln aufstellen. Ich will nicht wieder so ein Desaster erleben wie letztes Jahr auf Bali!“

Sarah grinste nur, als Nele aufzählte, was sie auf keinen Fall tun würden und was alles tabu war und zwinkerte Jens zu, der zurück zwinkerte und sich noch einmal das goldene Ticket ansah, das ihn an den Nordpol bringen würde. Zu Elfen und Glöckchen und zu den Rentieren, die Santas Schlitten zogen.

ooOoo

Jens war extrem nervös, als er drei Tage später mitten in der Nacht an einem stillgelegtem Gleis stand und auf seinen Zug wartete. Sarah hatte ihm den Ablauf genau erklärt, aber mit jeder Minute, die er hier herumstand, wurde er skeptischer, ob es wirklich so funktionierte, wie sie gesagt hatte. Weit und breit war hier nämlich nichts außer Feldern und Wiesen und Kuhweiden. Er hörte auch nicht viel mehr, als das sachte Zirpen von Grillen und den Wind, der leise in den Kornähren raschelte.

Jens beugte sich vor und blickte nach rechts und nach links, sah aber nicht viel in der Dunkelheit, außer die kaputten, von Unkraut überwucherten Schienen, auf denen schon verdammt lange kein Zug mehr gefahren war. Allerdings war Sarah nicht der Typ, der ihm so einen miesen Streich spielen würde. Wäre auch echt schlecht für's Karma, vermutete Jens, als sich plötzlich Lichter nährten und er das leise Rattern von Zugrädern vernehmen konnte.

Augenblicklich stieg sein Puls an und er umklammerte die Griffe seiner Reisetasche fester, als das Geräusch und die Lichter schnell näher kamen. Er schob die freie Hand in die Hosentasche und vergewisserte sich, dass er das goldene Ticket auch wirklich dabei hatte, damit sie ihn hier nicht irgendwo im Nirgendwo einfach stehen ließen.

Völlig gebannt trat er einen Schritt zurück, als der Zug mit einem kreischenden Geräusch abgebremst wurde. Er starrte das antiquierte Ungetüm an, das leise zischend und rauchend zum Stehen kam und fühlte sich seltsam klein und jung, als sich direkt vor ihm eine Tür öffnete. Niemand war zu sehen und Jens stieg nach einem Moment des Zögerns ein, bevor der Zug ohne ihn losfahren würde. Verwechslung war ja ausgeschlossen, hier stand schließlich nur er herum.

Kaum, dass sich die Abteiltür hinter ihm geschlossen hatte, setzte sich der Zug auch wieder in Bewegung. Langsam erst, schnaufend wie eine alte Frau, die kaum einen Fuß vor den anderen bekam – doch dann war die erste Trägheit überwunden und Jens betrachtete fasziniert die Felder, die an den Fenstern vorüberzogen.

Das Abteil war vollkommen leer und Jens war nicht sicher, ob der Zug heute noch mehr Menschen zum Nordpol brachte oder ob er der einzige war. Er würde den Schaffner fragen, wenn der vorbei kam. Die ganze Reise allein verbringen wäre allerdings auch nicht allzu schlimm – Jens hatte sich zu diesem Zweck Bücher mitgenommen. Viele Bücher, da Sarah ihm vorher schon verraten hatte, dass elektronische Geräte nicht funktionieren würden. Damit fielen Reader und Smartphone flach.

„Das liegt an der Magie“, hatte Sarah lachend erklärt und ihre weit aufgefächerten Hände durch die Luft gleiten lassen. „Das blockiert die Technik. Ist wie bei Harry Potter. Aber du wirst dich wahrscheinlich trotzdem nicht langweilen. Das Eis bricht da zwischen den Leuten immer recht schnell und dann sind alle eine große glückliche Familie.

Jens war also vorbereitet und zog Der Tod in Venedig aus seiner Tasche – kannte er zwar schon, aber er las manche Passagen immer wieder gern.

Ganz vertieft in Aschenbachs Ausführungen über Tadzios Schönheit, bemerkte er den Schaffner erst, als der neben ihm stand und ihm auf die Schulter tippte.

„Fahrkarte bitte!“, schnarrte der Mann durch den Vollbart und Jens ließ mit einem erschrockenen Lächeln das Buch sinken und kramte in seiner Tasche nach dem Ticket.

Mit jeder Sekunde wurde er nervöser und der Blick des Schaffners strenger. Da fühlte Jens sich selbst noch mit dreiundzwanzig wie ein kleiner Junge, der beim Schwarzfahren erwischt wurde. Bis sich seine Finger um das Ticket schlossen und er es sehr erleichtert aus den Tiefen seiner Taschen zerrte.

„Hier! Hier ist es.“

Er überreichte es dem bärbeißigen Schaffner, der es eingehend betrachtete und dann wieder Jens ansah. Seine Brauen ruckten näher zusammen, als sein Blick abwechselnd von Jens zum Ticket und wieder zurück glitt.

„Wie heißt du, Junge?“

„J-jens Maierhofer“, stotterte Jens, bevor er sich daran erinnerte, dass er eigentlich erwachsen war und sich gerade hinsetzte. „Und ich glaube, ich weiß, was das Problem ist, dieses Ticket...“

„Ist für eine Sarah Taubach ausgestellt! Und du siehst nicht aus wie eine Sarah! Nicht einmal wie eine sehr flachbrüstige Sarah!“, fauchte der Schaffner und fixierte Jens' Brust, die vielleicht nicht gerade stahlhart trainiert war, aber auch garantiert keine weiblichen Rundungen aufwies.

„Äh, nein. Aber ich kann das erklären, ich...“

„Das wird ein Nachspiel haben, Junge!“, brüllte der Schaffner so plötzlich, dass Jens glatt der Mund aufklappte. „Man schleicht sich nicht ungestraft in den Polarexpress! Das wirst du dem Boss höchstpersönlich erklären dürfen!“

Der Schaffner zerrte Jens am Kragen von seinem Sitz hoch, um ihn hinter sich her durch den ganzen Wagon zu ziehen. Jens versuchte noch immer zu erklären und verfluchte dabei im Stillen Sarah, die gemeint hatte, das wäre alles gar kein Problem. Blieb nur zu hoffen, dass sie Nick diese Mail geschrieben hatte... die ja gar nicht angekommen sein dürfte, weil es am Nordpol keine Computer gab.

Verdammt!

ooOoo

Die restliche Fahrt verbrachte Jens im leeren Frachtraum auf dem Boden sitzend. Hier hatte man ihn eingesperrt, damit er nicht versuchte zu türmen. Als wenn er verrückt genug wäre, aus einem fahrenden Zug zu springen, weil es hier ein Missverständnis gab!

Aber der Schaffner hatte nicht zuhören wollen und jetzt hockte Jens auf alten Holzdielen, unter sich die ratternden Räder und hatte viel zu viel Zeit, um über dies und das nachzudenken.

Über seinen Vater beispielsweise, der bis heute nicht darüber hinweggekommen war, dass sein Sohn lieber Lehramt studieren wollte, als irgendetwas, was ihm später helfen könnte, das Familienunternehmen zu übernehmen. Sein Vater machte in Immobilien und die Geschäfte liefen zwar gut, aber nicht immer moralisch einwandfrei, um es mal vorsichtig auszudrücken.

Jens stellten sich schon die Nackenhaare auf, wenn er nur daran dachte, dabei mit zu mischen. Und seinem Vater stellten sich vermutlich ebenfalls die letzten Haare auf, wenn er sich vorstellte, dass der gutherzige Spross seiner Lenden, an seinen geliebten Geldanlagen herum pfuschen würde.

Zum Glück gab es da noch Alexander, seinen Bruder, der zwar zwei Jahre jünger war als Jens, aber bei Weitem nicht so hohe moralische Standards hatte wie er.

Jens lehnte den Kopf gegen die Bretterwand hinter sich und lächelte seufzend. Er und sein Vater hatten sich auf eine Art Waffenstillstand geeinigt, indem sie einfach nicht mehr über seine Zukunft sprachen. Allerdings hatte Jens sich geschworen niemals, wirklich absolut niemals um Geld zu bitten, um sich selbst die Niederlage zu ersparen, dass sein Vater mit der Annahme recht hatte, er würde wegen seiner sozialen Ader irgendwann am Hungertuch nagen.

Nur deswegen brauchte er einen Job. Einen gut bezahlten Job.

Und jetzt hockte er hier und wusste nicht genau, was ihn am Ziel seiner kleinen Reise erwarten würde. Schickten sie ihn postwendend wieder nach Hause? Übergaben sie ihn der Polizei? Gab es am Nordpol eigentlich Polizei? Und würde der Boss – der vermutlich Santa war – ihm glauben, dass er eigentlich in friedlicher Absicht gekommen war und dass er völlig verrückt auf alles war, was mit Weihnachten zu tun hatte?

Schon immer hatte Jens Weihnachten geliebt. Auch dann, wenn spätestens am zweiten Feiertag die gesamte Familie zerstritten gewesen war, die sich Jahr für Jahr im Hause Maierhofer versammelte. Das war eines der Rituale, auf die Jens gut hätte verzichten können. Aber nicht auf die Glöckchen und den Weihnachtsbaum und die Kerzen und auf den Geruch von Lebkuchen.

Er hatte es immer geliebt, seinem Opa zuzuhören, der Geschichten erzählte. Bis die Geschichten mit jedem Glas Wein ein bisschen weniger jugendfrei geworden waren. Dann war meistens seine Mutter oder seine Tante dazwischen gegangen und hatte die Märchenstunde beendet. Er hatte das gute Essen geliebt und die Süßigkeiten und die Geschenke. Natürlich mochte er die Geschenke. Auch wenn es nicht immer haargenau das gewesen war, was er sich gewünscht hatte. Der Weihnachtsmann hatte ihm zum Beispiel nie eine kleine Schwester gebracht. Aber Jens hatte ihm das verziehen, nachdem er herausgefunden hatte, wie das mit den kleinen Schwestern tatsächlich funktionierte.

Weihnachten gehörte zu seinen schönsten Erinnerungen – wenn auch mit Abstrichen, aber was war schon perfekt?

Der Zug kam fauchend und zischend zum Stehen und der Ruck riss Jens aus seinen Gedanken. Er stand eilig auf und zupfte sich Hose und Pullover gerade. Er wollte nicht wie der letzte Mensch beim Weihnachtsmann auflaufen. Die Gelegenheit, ihn zu treffen bekam man schließlich nicht alle Tage! Allerdings ließ man ihn wieder ziemlich lange warten. Oder würde der Zug einfach wieder zurück fahren, damit sie ihn an dem verlassenen Kornfeld rauswerfen konnten? Das wollte Jens doch nicht hoffen. Das wäre eine verflucht harte Strafe!

Jens blinzelte erleichtert, als die Waggontür aufgerissen wurde und der bärtige Schaffner ihm ungeduldig zuwinkte.

„Dann mal raus mit dir. Der Chef erwartet dich schon.“

Aha, deswegen hatte es also gedauert. Jens kletterte nervös aus dem Waggon und folgte dem Bärtigen durch ein ziemlich verlassen wirkendes Elfendorf. Leider lag nur noch wenig Schnee herum, auch wenn es kalt genug war, dass Jens' Atem gefror. Aber auch am Nordpol gab es einen Sommer – und der brachte zwar nicht viel Wärme mit sich, dafür aber die Mitternachtssonne, die auch jetzt am Himmel zu sehen war.

Jens sah sich um und war trotz allem begeistert. Es gab zwar kaum Schnee, aber dafür besaßen die kleinen Häuschen Gartenzäune, die wie Zuckerstangen aussahen und Gartenzwerge, die aus Lebkuchen gefertigt waren. Und es gab überall Glöckchen in allen Größen, mit hübschen roten Bändern. Jens konnte sich gar nicht satt sehen. Selbst die Hecken waren zu kleinen Rentieren gestutzt worden. Jens starrte mit offenem Mund und war völlig fasziniert. Sie gingen weiter die Straße entlang zu einem Haus. Einem, das abseits lag und das weder einen Zaun aus Zuckerstangen, noch eine Rentierhecke hatte.

„Hier rein, Junge!“

Der Schaffner öffnete eine Tür und schob Jens hinein, der plötzlich ganz weiche Knie hatte und den Weihnachtsmann gar nicht mehr so dringend treffen wollte.

„Ich...“, setzte er an und drehte sich in dem Augenblick um, als ihm die Tür vor der Nase zugeschlagen wurde. Mist. Er starrte sekundenlang die Tür an und fragte sich, ob Santa direkt hinter ihm saß und ihn streng unter seinen weißen dichten Augenbrauen musterte...

„Ist meine Tür so interessant oder warum stierst du sie so an?“

Jens zwinkerte irritiert, als neben ihm eine schmale Gestalt auftauchte und sich fast die Nase an der Tür platt drückte, so dicht ging er an sie heran. Er wandte den Kopf und starrte statt auf die Tür auf den jungen Mann, der neben ihm stand und garantiert nicht Santa war. Und der ihm glattweg die Sprache verschlug, als er sich zu ihm umdrehte und ihn anlachte.

„Nee, ist ne ganz normale Tür!“

Sollte das ein Scherz sein? Jens betrachtete stumm die helle Haut und die weichen blonden Haare, die dem Jungen in die Stirn und die dunkelblauen Augen fielen. Er war hübsch, rein objektiv betrachtet. Nicht übel, auf eine geschmeidige Art und Weise. Aber absolut nicht der Typ, auf den er normalerweise stand.

Warum zum Geier war er also plötzlich so nervös wie bei seinem ersten Mal?

„Ich äh, dachte, man bringt mich zum... Boss“, stotterte Jens und ärgerte sich über sich selbst, weil er sich von einem fremden Kerl so sehr irritieren ließ, dass er das große Stammeln anfing.

„Das bin ich“, gab sein Gegenüber zurück und ihm fiel auf, dass die raue Stimme so gar nicht zur zarten äußeren Erscheinung passen wollte. „Ich bin Nick Clause, der Sohn von Santa. Und während mein Daddy in den Sommerferien ist, schwinge ich hier die Zuckerstange.“ Er zwinkerte Jens spöttisch zu und schlenderte zurück zu seinem Schreibtisch, wo er anscheinend vorher gesessen hatte.

Wieder mal baff vor Staunen starrte Jens ihn an und ihm wurde klar, dass der Junge doch nicht ganz so jung war, wie es der erste Eindruck vermittelte. Vielleicht war es die Art, wie er sich bewegte. Da war keine Spur von jugendlicher Unsicherheit zu erkennen.Vielleicht lag es aber auch an dem durchdringenden Blick, mit dem Nick Jens durchgehend musterte. Und der ihm, warum auch immer, den Schweiß auf die Stirn trieb.

Jens schluckte, als er aufgefordert wurde, sich auf den Stuhl vor dem Schreibtisch zu setzen. Er schalt sich selbst einen Trottel und nahm sich vor, sich jetzt endlich mal zusammen zu reißen. Er war ein Mann, kein dummer Junge, der nervös vor dem Weihnachtsmann stand und hoffte, das er brav genug gewesen war. Außerdem war das hier nicht mal Santa! Das war nur sein dürrer Sohn, der ihn die ganze Zeit angrinste, als wäre Jens der beste Witz, den er seit langem gesehen hatte.

„Du hast da im Zug ganz schön für Aufregung gesorgt“, sagte Nick schließlich, nachdem sie sich ein paar Minuten einfach nur schweigend gemustert hatten. „Der gute George hat direkt ein paar graue Barthaare mehr deinetwegen.“

„Ich kann das erklären“, setzte Jens an. „Sarah wollte Ihnen...dir... also sie wollte eigentlich Bescheid sagen, dass ich ihre Vertretung für den Job in der Spielzeugfabrik bin...“

Eine hellblonde Augenbraue zuckte kurz nach oben, als Nick sich jäh über den Schreibtisch lehnte und mahnend den Zeigefinger hob.

„Ah, aber diese Jobs hier, die sind nicht einfach von jemand anderem zu machen. Wir suchen uns unsere Mitarbeiter nach besonderen Kriterien aus! Und ich befürchte...“

„Aber ich erfülle alle Kriterien!“, rief Jens, der Angst hatte, dass Nick ihm gerade mangelnde Begeisterung für Weihnachten vorwerfen wollte. „Ich liebe Weihnachten! Und es war schon immer ein ganz großer Wunsch, hier zu arbeiten! Wenn ich nur die Chance bekomme, mich zu beweisen... nur einen einzigen Tag!“, bettelte Jens ein wenig unkoordiniert, weil Nicks Gesicht mit jedem Wort zweifelnder wurde.

Schließlich seufzte er und rieb sich mit zwei Fingern über die Stirn.

„Ein Weihnachtsfan, huh?“

„Ja, absolut! Weihnachten war immer schon das Größte für mich! Ich habe mich auch schon ein paar Mal beworben für die Produktion, allerdings wurde ich nie genommen...“ Jens stockte und räusperte sich verlegen, weil der letzte Teil wie ein Vorwurf geklungen hatte. Und Vorwürfe wollte er dem Sohn von Santa nicht machen. Der Kerl verwirrte ihn zwar ein wenig, aber anscheinend hatte er hier zu entscheiden, ob Jens bleiben konnte oder nicht und deswegen sollte er sich besser so gut mit ihm stellen wie es möglich war.

Wenn er nur nicht so seltsame Augen hätte, die irgendwie viel zu viel zu sehen schienen. Jens konnte dem Kerl kaum länger als zwei Sekunden anschauen, bevor er den Blick wieder abwenden musste, um nicht knallrot anzulaufen.

„Ok, du Hobbyelf, dann zeig ich dir jetzt mal die Produktion. Danach kannst du selbst entscheiden, ob du die nächsten Wochen über hier arbeiten willst oder ob du dich lieber wieder in den Express setzt und nach Hause fährst.“

Jens blinzelte, als Nick seinen Stuhl schwungvoll zurück schob und um den Schreibtisch herumkam. Er grinste spöttisch, als er eine knappe Verbeugung machte und zur Tür deutete.

„Da geht’s raus, werter Jens. Durch die Tür, die du gerade noch so angehimmelt hast.“

„Ich hab sie nicht... angehimmelt“, stammelte Jens, als er aufstand und mit Nicks Zwinkern nicht so recht etwas anzufangen wusste.

So wenig wie er seine seltsame Andeutung einordnen konnte. Natürlich wollte er in der Fabrik arbeiten! Deswegen war er doch hier! Und er war ziemlich froh, dass Nick ihn nicht gleich wieder postwendend rauswarf, sondern ihm jetzt alles zeigen wollte. Da hatte er vielleicht noch eine Chance, ihn von seinem Arbeitswillen und seinen Qualitäten zu überzeugen.

Jens betrachtete Nick unauffällig von der Seite, als sie das Haus verließen und nebeneinander die Straße entlang gingen. Er war größer, als er zunächst gedacht hatte. Fast so groß wie Jens selbst, aber wesentlich schmaler gebaut. Vielleicht wirkte er deswegen so jung, dachte Jens bei sich und ließ seinen Blick an Nicks Körper hinab wandern. So hatte er sich Santas Sohn eigentlich nicht vorgestellt. Dünn und schlaksig in seinen Jeans und seinem grauen Pullover, über den er eine Jacke mit Fellkragen gezogen hatte.

Er hatte...

„Soll ich die Klamotten ausziehen, damit du besser gucken kannst?“, fragte Nick grinsend, ohne Jens anzusehen, der schnell den Blick abwandte und zu seinem Ärger spürte, wie er wieder rot wurde.

„Sorry“, nuschelte er und vergrub die Hände in den Taschen seiner Jacke. „Ich hatte mir Santas Sohn nur irgendwie... anders vorgestellt.“

„Wie denn? Mit nem weißen Rauschebart und ner roten Mütze auf dem Kopf?“ Nick sprang lachend ein paar Schritte voran und lief dann rückwärts vor Jens her. Er legte den Kopf schief. „Sorry, muss dich enttäuschen, da wachsen keine Haare – zumindest nicht im Gesicht. Und rote Mützen stehen mir nicht.“

Er zwinkerte und Jens konnte sich einfach nicht helfen, aber er schluckte unwillkürlich, als sein Blick über Nicks Lippen glitt. Die waren voll und weich und zu einem sehr spöttischen Grinsen verzogen. Außerdem hatte er Grübchen. Eigentlich ganz niedlich. Aber nicht an Nick, der breit grinsend Zähne zeigte und mit den Augenbrauen wackelte.

„Das Angebot, dass ich mich ausziehe, steht noch.“

„Danke, aber lass mal stecken.“

Wieder blickte Jens fort und wieder wurde er knallrot wie ein dämliches Schulmädchen. Er ging schneller und wich Nick aus, der noch immer vor ihm herum hüpfte und ihn leise auslachte. Was für ein Idiot!

Jens war weder blöd, noch hatte er die letzten Jahre in einem Kloster zugebracht. Er kannte die Clubs in seiner Stadt und er kannte die Maschen der Jungs, die dort auf das nächste Abenteuer aus waren. Er hatte ja auch ein wenig gehofft, hier jemanden zu treffen, mit dem man nach Feierabend ein bisschen... die Mitternachtssonne betrachten konnte.

Er hatte nur nicht damit gerechnet, dass ihn ausgerechnet Santas Sohn angraben würde. Ein dürrer, blasser Kerl, der jetzt pfeifend neben ihm herging und ihn ganz unverhohlen musterte. Gereizt wandte Jens den Kopf und schluckte noch einmal hart, als er direkt in diese verwirrenden, dunkelblauen Augen sah.

„Was?!“, schoss es aus ihm heraus. „Ich zieh bestimmt nicht meine Klamotten aus, damit du besser gucken kannst!“

Jens blinzelte und fragte sich, wo das hergekommen war. Normalerweise flippte er nicht direkt wegen ein paar Provokationen aus und machte seinen potenziellen neuen Boss dumm von der Seite an. Der sich nicht aus der Ruhe bringen ließ und nur lachend die Schultern zuckte.

„Schade eigentlich.“

Nick zog eine schwere Holztür auf und bedeutete Jens mit einer angedeuteten Verbeugung, vor zu gehen. Jens stapfte an ihm vorbei in einen spärlich beleuchteten Flur hinein und war sich ziemlich sicher, dass Nick ihm gerade auf den Hintern starrte.

„Willst du nicht lieber vorgehen? Du kennst den Weg besser als ich“, fragte er mühsam beherrscht und drehte sich ruckartig um.

Nur um direkt Nicks Nase an seiner zu haben, weil er ganz dicht vor ihm stand. Wieder lächelte Nick und Jens fiel auf, dass seine Augen dabei ganz schmal wurden und amüsiert funkelten.

„Nur ein kurzes Stück geradeaus. Kannst es gar nicht verfehlen.“

Jens atmete scharf durch die Nase ein – was ein Fehler war, weil er damit Nicks Geruch einfing. Er wusste einfach, dass Nick mit dieser Beschreibung nicht den Weg in die Fabrik meinte. Und das Schlimme war, dass Jens tatsächlich drauf und dran war, der Einladung zu folgen und Nick einfach zu küssen. Er wollte testen, ob dessen Lippen wirklich so weich waren wie sie aussahen. Und er wollte testen, ob Nick ein guter Küsser war.

'Jetzt reiß dich gefälligst zusammen', schalt er sich stumm und wich jäh einen Schritt zurück. Sein Gesicht drohte zu explodieren. So oft wie in der letzten Stunde war er in den letzten dreiundzwanzig Jahren nicht rot angelaufen. Er trat noch einen Schritt zurück und zur Sicherheit noch einen weiteren. In seinen Fingern zuckte es, Nick am Kragen zu packen und gegen die nächste Wand zu drücken und...

„Immer geradeaus also?“, krächzte er und drehte sich schnell um, als Nick langsam nickend eine blonde Augenbraue hochzog.

Jens sah zu, dass er Land gewann und lief den langen Gang entlang, ohne nach rechts und links zu schauen. Er bemerkte die Türen, die abzweigten nur am Rande und steuerte auf ein weiteres großes Tor am Ende zu, das er mit zitternden Fingern auf zog. Ein schmaler Streifen goldenes Licht, der schnell breiter wurde, fiel in den Flur. Für einen winzigen Augenblick schloss Jens die Augen, als er die Halle betrat, weil er von den vielen Kerzen geblendet war. Doch dann schaute er sich um und vergaß Nick, der an seine Seite trat und ihn gespannt ansah.

Jens hatte jetzt allerdings keine Zeit für ihn. Er war schließlich an dem Ort, von dem er schon immer geträumt hatte. Und er war genauso wundervoll, wie er es sich ausgemalt hatte. Kerzen und Schleifen und Holz und Menschen und sogar ein paar Elfen, die Spielzeuge zusammenbauten, die über ein leise surrendes Fließband liefen. Jens drehte sich einmal um sich selbst, Kopf in den Nacken gelegt und betrachtete die großen Kronleuchter über sich, die im Licht glitzerten und glänzten.

„Äh, Jens? Ich schätze, da gibt es etwas, was ich dir noch...“

„Später“, unterbrach Jens Nick, strahlte ihn an, weil nicht mal Nick ihn jetzt noch ärgern konnte und lief zum Fließband herüber.
Er fragte sich, was sie wohl heute produzierten. Autos? Puppen? Irgendetwas aus Holz oder...

Jens runzelte irritiert die Stirn, als eines der Spielzeuge in Sicht kam. Es war violett und groß und voller kleiner Knubbel und wenn Jens sich nicht wirklich täuschte, hatte er etwas ganz ähnliches mal in einem Online-Sexshop gesehen.

„Was zur Hölle?!“

Er griff danach und tatsächlich: da war kein Irrtum möglich. Das Ding war ein verdammter Dildo. Jens starrte und drückte wie ferngesteuert den kleinen Knopf am Ende des Schafts. Der Dildo fing sanft zu vibrieren an und riss Jens endlich aus seiner Starre. Er sah auf, zu Nick, der ganz unschuldig die Lippen schürzte und auf den Fersen wippte.

„Was ist das, verdammt?“, fauchte Jens und zeigte anklagend mit dem Vibrator auf Nick, der kurz den Kopf schief legte und sich am Nacken kratzte.

„Eigentlich geben wir den Dingern keine Namen. Aber du könntest es... Noppi nennen, wenn du der sentimentale Typ bist.“

„Sehr witzig, du... du...!“

Jens fehlten die Worte und er hätte Nick Noppi jetzt ganz gerne vor den Latz geknallt. Er warf den Vibrator zurück auf das Fließband, als das nächste 'Spielzeug' an ihm vorbei fuhr. Ein Spielzeug, das aussah wie eine moderne Kunstfigur. Jens massierte sich die Schläfen, die unangenehm pochten. Er fixierte Nick, der noch immer ganz unschuldig tat.

„Okay, was geht hier vor? Wo bin ich und wo ist Santa? Denn das hier ist garantiert nicht seine Spielzeugfabrik!“ Er schaffte es gerade so, nicht zu schreien, aber trotzdem spürte er die Blicke der anderen Leute im Raum auf sich ruhen.

Nick hob seufzend die Arme zu einer Kein Plan, was du eigentlich für ein Problem hast Geste, die Jens nur noch mehr auf die Palme brachte.

„In den Sommerferien stellen wir das, äh, etwas andere Spielzeug her“, gab Nick schließlich zu. „Das ist nicht Jedermanns Sache, das gebe ich zu und die meisten Elfen täuschen Jahr für Jahr ne Grippewelle vor, damit sie sich nicht an der Produktion beteiligen müssen. Deswegen haben wir angefangen, Menschen dafür einzustellen. Allerdings sortieren wir solche kleinen Weihnachtsfanatiker wie dich immer aus, weil wir hier früher öfter mal Ärger deswegen hatten.“

Aus dem Augenwinkel rollte etwas heran, das aussah wie ein verdammter massiver Stiefel in schwarz und Jens wandte schnell den Kopf ab, bevor er ein bisschen zu genau hinsehen konnte. Er wollte gar nicht wissen, wo...

„Ich dachte, ihr beschenkt alle braven Kinder!“, stellte er mühsam beherrscht fest und Nick schnalzte mit der Zunge.

„Das ist ein Übersetzungsfehler. Wir beschenken alle braven Menschen.“ Er ging zum Fließband und nahm eine Gerte herunter, die er einmal kurz und knackig gegen seine Hand klatschen ließ. „Und auch die nicht ganz so braven“, gab er lachend zu.

Das war genug. Jens drehte sich auf dem Absatz um und stürmte aus der Halle.

ooOoo


Ein wenig verdattert starrte Jens die Gleise an, auf denen kein Polar Express stand und rauschend und zischend darauf wartete, wieder los zu fahren. Da war weit und breit nichts zu sehen. Dabei hätte Jens darauf schwören können, dass der Schaffner ihn genau an dieser Stelle aus dem Zug gezerrt hatte, um ihn zu Nick zu bringen.

Und seine Tasche war zu allem Überfluss auch noch weg!

Seufzend ließ er sich auf eine kleine Mauer fallen, die einen Garten vom Weg abgrenzte und vergrub das Gesicht in Händen. Was für ein Desaster! Dabei hatte er sich so sehr auf diesen Job gefreut! Nur wer konnte auch ahnen, was hier für Spielzeuge hergestellt wurden! Damit rechnete doch wirklich niemand! Da hätte Sarah ihn wirklich mal vorwarnen können.

Aber Sarah würde vermutlich nicht einmal das Problem verstehen. Für sie waren das tatsächlich Spielzeuge. Für Jens war es... ein pulverisierter Kindheitstraum.

„So schlimm?“

Jens zuckte ertappt zusammen, als er Nicks Stimme neben sich hörte. Er nahm die Hände vom Gesicht und wandte vorsichtig den Kopf. Doch das erwartete spöttische Lachen blieb aus. Nick sah ihn nur fragend an und knibbelte mit den Fingern an seinen Jeansnähten herum.

„Schlimmer“, brummte Jens. „Das ist... das war... ihr bastelt da Sexspielzeug zusammen!“

Er sah Nick anklagend an, der allerdings wenig betroffen die Schultern zuckte.

„Stimmt. Aber auch die machen Freude. Und darum geht’s bei der ganzen Sache ja schließlich.“

Jens schnaubte, sah wieder auf seine Hände und kaute auf seiner Unterlippe herum. Was sollte er jetzt tun? Wie kam er hier weg? Und womit...

„Willst du es nicht trotzdem versuchen?“, bat Nick ihn plötzlich und Jens, dem schon ein spontanes 'Nein!' auf der Zunge lag, schluckte, als sich ihre Blicke erneut trafen. „Wir könnten deine Hilfe hier echt gebrauchen und so schlimm ist das gar nicht. Ich mein, du kannst ja in der Verpackungsabteilung arbeiten oder so.“

Nick grinste und zwinkerte und Jens wurde das Gefühl nicht los, dass er immer noch gnadenlos angegraben wurde. Das war irritierend. Und gleichzeitig aufregend. Ob er es sich jetzt gerne eingestand oder nicht, aber Nick ließ ihn nicht so kalt wie er sollte.

Dabei war er wirklich das genaue Gegenteil von dem Typ, der ihm sonst gefiel. Jens mochte seine Kerle groß und breit und männlich. Die dürren Twinks hatten ihn immer wenig interessiert. Und Nick war quasi die laufende und grinsende Definition eines Twinks.

Und trotzdem begann er Jens zu faszinieren, der sich verlegen räusperte, als ihm bewusst wurde, dass er Nick die ganze Zeit über schweigend angestarrt hatte. Schien Nick nicht zu stören, der nur lächelte und eine sandfarbene Braue hob.

„Also? Was sagst du? Versuchst du es? Ich versprech dir, du gewöhnst dich dran, keine Nussknacker zu bemalen, sondern Dildos einzutüten. Und zur Belohnung zeig ich dir die Rentiere und geb dir deinen Koffer wieder.“

Nick wackelte vielsagend mit den Brauen und Jens musste gegen seinen Willen lachen. Es war zwar nicht das, was er sich vorgestellt hatte, aber er war tatsächlich bereit, zu bleiben und es zu versuchen.

Vor allem, weil er dringend das Geld brauchte, das ihm dieser Job einbrachte. Lieber Sexspielzeug verpacken, als bei seinem Vater wegen der nächsten Miete betteln zu müssen.

„Ok, überredet. Ich bleibe.“

Nicks Lächeln wurde strahlend und Jens schluckte, als er den Gedanken schnell zurück drängte, dass er vielleicht nicht nur wegen der Bezahlung blieb.

Sondern ganz vielleicht, ein kleines Bisschen wegen Nick...

ooOoo

„Was zur Hölle soll das denn darstellen?!“, fragte Jens ungläubig und hielt etwas hoch, das wie eine Mischung aus mittelalterlichem Folterwerkzeug und Stringtanga aussah.

„Schau's dir nicht zu genau an, wenn du so empfindlich bist, Mann“, antwortete Baba ihm breit grinsend.

Und breit war hier wortwörtlich zu nehmen. Baba – der eigentlich Martin hieß und aus Norddeutschland kam – machte in regelmäßigen Abständen eine kleine Pause, um sich sein angeblich medizinisch verordnetes Marihuana durch das Pfeifchen zu ziehen. Führte vor allem dazu, dass Baba extrem entspannt war und von Jens brennend beneidet wurde. An dessen Nerven zerrte der Job nämlich jetzt schon.

Dabei war er erst seit gestern hier und versuchte der Sache einen positiven Aspekt abzugewinnen. Aber immer, wenn er gerade soweit war, das Dilemma doch nicht so schrecklich schlimm zu finden, bekam er irgendein wirklich abenteuerliches Sexspielzeug in die Hände und verfluchte Nick und seine bescheuerte Sommerproduktion.

Allerdings auch nur so lange, wie Nick nicht in der Gegend war und ihn mit seinem Grinsen und seinen Augen so durcheinander brachte, dass es Jens ziemlich egal war, welche abgefahrenen Dildos er da gerade mit hübschen roten Schleifen versah.

Und das ärgerte ihn sogar noch mehr. Er wollte nicht auf Nick stehen, der irgendwie durchgeknallt war und der ihn auf Teufel komm raus anbalzte. Und dabei in der kurzen Zeit tatsächlich Erfolge verbuchen konnte.

Jens grinste selbstvergessen auf den schwarzen Vibrator herab, den er in Seidenpapier gewickelt in eine rote Geschenkbox legte. Wenn er ehrlich zu sich selbst war, dann gefiel es ihm eben doch, mit Nick ein bisschen zu flirten. Auch wenn Nick immer noch nicht sein Typ war. Allerdings schaffte Nick es mit seinen brachialen Zweideutigkeiten immer wieder, ihn zum Lachen zu bringen.

Doch mehr als ein paar eindeutige Blicke und lockere Sprüche hatte es bisher auch nicht gegeben. Aber was nicht war konnte ja noch werden und...

Jens stoppte seine Gedanken mit einem kurzen Kopfschütteln. Er sollte das echt lassen. Es wäre ohnehin nur ein kleiner Flirt in den Semesterferien. Der Nordpol lag dann doch ein kleines bisschen weit ab vom Schuss, um an eine Fernbeziehung zu denken. Und einer Affäre konnte er nicht sonderlich viel abgewinnen.

Jens war zwar kein Mönch und er hatte seinen Anteil an schnellen, anonymen Nummern in Clubs und auf Parkplätzen gehabt. Aber er hatte gemerkt, dass es nicht das war, was er wollte; nicht auf Dauer. Und dann war Stefan gekommen und hatte ihm erst den Kopf verdreht und dann das Herz gebrochen; seitdem hatte Jens erst mal die Nase voll. Von Männern, von Beziehungen und sogar von schnellen Affären. Stefan war auch eine Affäre gewesen, am Anfang. Und dann war es mehr geworden, immer mehr. Zumindest was Jens betraf. Stefan hatte das anders gesehen. Und das Ende vom Lied war Jens' gebrochenes Herz gewesen, als er seinen Freund beim Spaß haben mit einem anderen erwischt hatte.

Nick war zwar nicht Stefan, aber Jens war eben vorsichtig geworden. Lieber kein Risiko eingehen. Auch wenn es schwer fiel.

„Du guckst das Ding so verknallt an, da kann man ja direkt eifersüchtig werden“, raunte Nick ihm plötzlich ins Ohr.

Jens zuckte ertappt zusammen. Ihm raste das Herz in der Brust, was er auf den Schreck schob und nicht darauf, dass Nicks Augen ihn aus nächster Nähe anlachten. Erst jetzt fiel ihm auf, dass er einen Delphinvibrator in der Hand hielt und die ganze Zeit angestarrt hatte. Er ließ das Ding fallen und wandte sich möglichst gelassen zu Nick um, der keinen Millimeter zurück wich und Jens Puls durch seine schlichte Anwesenheit in die Höhe trieb.

„Ich... äh, war in Gedanken“, stotterte Jens und verfluchte sich selber, weil er grade der Inbegriff der Uncoolness war. Aber er konnte nicht vernünftig denken, wenn Nick ihm so nahe war und sich über die Lippen leckte, während er ihn betrachtete.

„Schmutzige Gedanken, hoffe ich.“

„Nee, ganz harmlos“, sagte Jens, was jetzt auch nicht gelogen war. Die Gedanken an Stefan waren mittlerweile ungefähr so sexy wie kalte Dosenravioli.

„Schade“, stellte Nick fest und legte den Kopf schief. „Bist du heute Abend mit dabei?“

„Wo bei?“, fragte Jens irritiert und drängte die Überlegungen zurück, wie Nick wohl unter den Klamotten aussah. Ob er wohl so sehnig und drahtig war, wie Jens vermutete?

„Bei der Party, Mann“, rief da Baba von rechts und wackelte auf der Stelle tanzend mit den Hüften. „Steigt jedes Jahr am zweiten Abend. Gibt Glühwein und so Zeug. Das macht die Mädels schwach! Vor allem wenn sie den ganze Tag die Plastikteile hier angefingert haben.“

Jens lachte kopfschüttelnd, als Baba ihn flüsternd auf die Vorzüge der anwesenden Damen aufmerksam machte und zwinkerte Nick reflexartig zu. Der hob eine Braue und lächelte und brachte Jens wieder einmal so durcheinander, dass er sich ohne darüber nachzudenken vor Baba outete:

„Sorry, aber ich kann mit deinen Ladys nichts anfangen.“

Im gleichen Moment schalt er sich einen Spinner. Nicht, dass er jemals ein großes Geheimnis daraus gemacht hätte, dass er schwul war. Aber normalerweise band er das auch nicht jedem direkt auf die Nase. Zumal hier nicht nur Baba stand, sondern auch Nick. Aber vielleicht hatte Jens auch nur seinetwegen für klare Verhältnisse gesorgt. Ganz ohne Hintergedanken, natürlich.

„Oh, auch cool. Bleibt mehr Auswahl für Baba“, stellte Baba fest und schob sich einen blonden Dread aus der Stirn, bevor er irgendeinen Song so falsch pfiff, dass Jens die Ohren klingelten.

Eines musste man Nick und seinem Auswahlverfahren lassen: Die Leute hier waren extrem gelassen und tolerant. Leben und leben lassen lautete das allgemeine Motto und Jens musste zugeben, dass Sarah perfekt hierher gepasst hätte. Nele allerdings wäre schon nach einer Stunde durchgedreht.

„Und? Bist du dabei? Auch wenn du mit den anwesenden Damen nichts anfangen kannst?“, fragte Nick – diesmal ganz ohne dieses spöttische Lächeln.

Jens nickte mechanisch und grinste selber, als Nick plötzlich doch noch lächelte. Allerdings nicht höhnisch oder provozierend, sondern strahlend und ehrlich. Und das war wirklich gefährlich. Denn es gefiel Jens viel zu gut. Es ließ seinen Puls in die Höhe schnellen und es ließ ihn ebenso strahlend zurück lächeln.

Und es ließ ihn sich auf diesen Abend freuen.

ooOoo

„Hier, für dich“, zwitscherte eine Rothaarige mit dem Kopf voller Locken, als sie Jens einen dampfenden Becher in die Hand drückte. „Damit du nicht auf dem Trockenen sitzt.“ Sie zwinkerte und Jens ging innerlich direkt auf Abstand, auch wenn er sie höflich anlächelte.

„Ich bin übrigens Tine“, redete sie weiter, als Jens nichts sagte, sondern nur an seinem Punsch nippte, in dem mehr Schnaps als alle andere war und der ihm nach drei Schlucken schon in den Kopf stieg.

„Ich bin Jens. Erfreut, dich kennen zu lernen.“

Sie lachte, dann redeten sie über dies, das und jenes und Jens gab sich alle Mühe, interessiert und höflich zu sein und ihr gleichzeitig behutsam die Hoffnung zu nehmen, dass sie bei ihm landen könnte. Darin hatte er es im Laufe der letzten Jahre zur Meisterschaft gebracht. Sie war nicht die erste Frau, die ihn vergeblich anzugraben versuchte. Doch sie merkte schnell wo der Hase lang lief und sie war nicht eingeschnappt deswegen.

Im Gegenteil. Sie quatschte locker mit ihm und versorgte Jens mit Punsch. Mit viel Punsch. Mit so viel Punsch, dass Jens irgendwann die Flucht antrat, um frische Luft zu schnappen. Er verließ die kleine Scheune, in der die Party stieg und atmete einmal tief durch.

Trotz der späten Stunde, war es noch immer hell – was schlicht daran lag, dass am Nordpol um diese Jahreszeit die Sonne nicht wirklich unter ging. Jens lehnte sich an die Scheunenwand, lauschte der Musik und dem Gelächter, das zu ihm nach Draußen drang und grinste betrunken den Himmel an.

Und er dachte an Nick.

Nick hatte er heute Abend nur vom Weiten gesehen, wie er hier und da bei den einzelnen Grüppchen gestanden und sich unterhalten hatte. Jens hatte zwar viel Spaß mit Tine gehabt, aber es dennoch nicht geschafft, Nick ganz aus seinem Fokus zu vertreiben. Und wo er jetzt so schön angetrunken war, schaffte er es sogar, vor sich selbst zuzugeben, dass er trotz allem auf Nick stand.

Irgendwie. Ein bisschen. Ob er wollte oder nicht.

Jens schloss die Augen und seufzte, als ihm diese Erkenntnis durch den Kopf schoss. Da half auch alle Rationalität nichts. Nick mochte nicht der Typ Kerl sein, auf den er normalerweise abfuhr und er suchte sich hier vermutlich jedes Jahr einen neuen Spielgefährten... aber Jens stand trotzdem auf ihn.

Auch wenn noch so viel gegen Nick sprach, konnte er seinem Grinsen nicht widerstehen. Das hatte ihn vom ersten Moment an eingewickelt und jetzt hatte er den Salat. Deswegen musste er auch Abstand halten von Nick, bevor es... schlimmer wurde. Bevor es wie bei Stefan wurde und in einer emotionalen Katastrophe endete.

Jens nippte an dem Becher voller Punsch, den er noch immer in der Hand hielt und schreckte zusammen, als er leise angesprochen wurde:

„Bist nicht so für Party, mhm?“

Nick. Natürlich.

Jens wandte den Kopf und musterte ihn. Er trank einen weiteren Schluck und dachte daran, dass Nicks Augen in dem diffusen Licht der Mitternachtssonne ganz dunkel wirkten.

„Doch. Ich feier' sogar ganz gern. Ich brauchte nur frische Luft. Der Punsch hat's in sich.“ Jens hielt seinen Becher hoch und zwinkerte Nick betrunken zu. „Außerdem war es ne gute Gelegenheit, Tine los zu werden. Nicht, dass sie nicht nett wäre, aber ich...“

Jens stockte, als ihm bewusst wurde, dass er viel zu viel gesagt hatte. Doch Nick lächelte nur, nahm ihm den Becher aus der Hand und trank daraus, ohne Jens aus den Augen zu lassen. Dem der Kopf rauschte vom Punsch und von den Blicken, die Nick ihm zuwarf, als er Jens den Becher wieder in die Hand drückte.

„Musst nichts erklären. Ich kenn das Problem.“

Nick grinste und Jens bekam direkt so weiche Knie, dass er schnellstens den Rest Punsch austrank, um wieder auf Kurs zu kommen. Leider war der Erfolg mäßig. In seinem Kopf drehte es sich nur mehr und mehr und er starrte Nick an, der ihn ernst ansah und dann doch die Lippen zu einem Lächeln verzog.

„Was für ein Eiertanz“, murmelte er plötzlich, stellte sich ganz dicht vor Jens und packte ihn am Kragen seines Pullis.

Bevor er ihn küsste.

Und Jens mochte sich noch so oft sagen, dass es falsch war und dass er das besser lassen sollte... er ignorierte sich selbst. Er packte Nick bei den schmalen Hüften und zog ihn näher an sich, als er die Lippen öffnete und Nicks Zunge in seinen Mund glitt.

Es war genau das Feuerwerk, das Jens befürchtet hatte. Es war süß und gut und es schoss ihm direkt zwischen die Beine. Seine Rechte rutschte zu Nicks Hinterkopf, krallte sich in weiches Haar und hielt ihn fest, falls Nick auf die saudumme Idee kommen sollte, diesen Kuss zu unterbrechen.

Denn genau darauf konnte Jens verzichten. Jetzt, wo er Nick erst mal am Wickel hatte, wollte er ihn auch auskosten. Voll und ganz.

Doch Nick dachte anscheinend nicht daran, den Kuss zu unterbrechen. Er presste sich ganz eng an Jens, stöhnte an seinem Mund und machte es nur besser. Jens stöhnte auch, schob seine Linke hinten in Nicks Jeans und umfasste dessen Hintern. Verdammt, selbst der schien perfekt.

Jens griff zu, keuchte, als Nick sich an ihm zu reiben begann; aufreizend langsam und intensiv. Jens war bewusst, dass jederzeit irgendwer vorbei kommen konnte und er wägte die vorhandenen Optionen, wohin sie verschwinden könnten, noch ab, als Nick sich schwer atmend von ihm löste und nach seiner Hand griff.

„Komm mit.“

Jens umklammerte die schmalen Finger und folgte Nick wie hypnotisiert zu einer kleinen Seitentür. Er wusste, dass er sich nur wieder selbst in die Scheiße ritt... aber er konnte nicht widerstehen. Ihre Finger verschränkten sich, als Nick rückwärts in den dunklen Raum ging und Jens lächelnd hinter sich her zog.

ooOoo

Jens hatte keine Ahnung, wie er den heutigen Tag herum bekommen hatte. Dabei war er nicht einmal so schrecklich verkatert wie die meisten seiner Kollegen. Nein, er hatte ganz andere Probleme.

Nachdem der Rausch irgendwann abgeklungen war, in den Nick ihn mit Lippen, Zunge und Händen versetzt hatte, war Jens klar geworden, dass er tatsächlich einen Fehler gemacht hatte.

Denn Nick war gefährlich. Er interessierte Jens ein wenig zu sehr. Es war ein bisschen zu gut gewesen, was sie letzte Nacht getan hatten. Und er dachte jetzt schon viel zu oft an ihn.

Jens kannte die Anzeichen und sie bereitetem ihm schlimmere Kopfschmerzen als der Punsch von letzter Nacht.

„Verlieb' dich nicht, du Trottel. Egal, was du tust, verlieb' dich bloß nicht“, murmelte er, als er die Fertigungshalle verließ und die Straße überquerte, um zu der kleinen Hütte zu gelangen, in der er wohnte. Der Schnee, der letzte Nacht gefallen war, knirschte unter seinen Füßen und Jens sog tief die frische, kalte Luft ein, um Nicks Geruch aus seiner Nase zu vertreiben, der sich darin festgesetzt zu haben schien.

Nick, der ihn geküsst hatte, der so entzückende atemlose Laute von sich gegeben hatte, die Jens am liebsten direkt wieder hören wollte. Nick, der verdammt geschickte Finger hatte und einen verdammt geschickten Mu...

Das unverkennbare Geräusch von kleinen Glöckchen riss Jens aus den Gedanken und als er aufblickte, kam ihm ein kleiner Schlitten entgegen, vor dem ein Rentier gespannt war. Und auf diesem Schlitten...

Im ersten Moment wollte Jens am liebsten abhauen. Aber Nicks Grinsen, als er den Schlitten neben Jens zum Stehen brachte, bannte ihn an Ort und Stelle. Zumal da ja auch noch das Rentier war, dessen Nase rot leuchtete. Jens hob automatisch die Hand und tätschelte dem Tier den Kopf.

„Darf ich vorstellen: das ist der berühmte Rudolph“, erklärte Nick lachend und klopfte auf den freien Platz neben sich. „Spring rein, Ich zeig dir die Gegend.“

Jens ahnte schon, dass Nick ihm noch was ganz anderes zeigen wollte – und kletterte vielleicht gerade deswegen in den Schlitten hinein. Es war ja im Grunde ganz einfach. Er durfte sich nur nicht noch mehr verknallen als ohnehin schon, dann wäre alles in Ordnung. Dann könnte er diesen Ferienflirt hier ruhig mitnehmen und ein bisschen Spaß haben.

Und wenn er sich das nur lange einredete, glaubte er es bestimmt auch.

„Kannst ruhig mit unter die Decke kommen“, sagte Nick, zwinkerte und schnalzte dann mit der Zunge, damit Rudolph sich langsam in Bewegung setzte.

Jens kam dem Vorschlag nur zu gern nach, schlang die Decke um sich und rutschte dicht an Nick heran, der lächelnd sein Bein gegen Jens' presste. Und warum zum Henker sollten sie auch schüchtern sein? Gestern noch hatte Jens Nick im dunklen Heuschober einen geblasen, da konnte er jetzt ruhig mal den Arm um ihn legen. Vielleicht war Nick ja auch kalt.

Zumindest schien Nick nichts dagegen zu haben, sondern lehnte sich gegen Jens, der das aufgeregte Klopfen seines Herzens ignorierte, einen kurzen Kuss auf Nicks blonde Haare hauchte und lieber glücklich als rational war.

Der Abend war faszinierend schön. Die tief stehende Sonne, die auch in dieser Nacht nicht untergehen würde, warf glitzerndes Licht auf den Schnee. Die Glöckchen an Rudolphs Geschirr klimperten und klingelten leise und es war ganz und gar nicht schlimm, dass sie schweigend nebeneinander saßen und die Nähe des anderen genossen.

„Wirst du eigentlich bleiben?“, fragte Nick nach einer Weile und riss Jens aus der Betrachtung seines Profils.

Was für eine Frage! Natürlich würde er bleiben. Er würde bleiben und sein Herz in Einzelteilen wieder mit nach Hause nehmen, wenn diese Semesterferien vorbei waren. Das wusste Jens jetzt schon. Da konnte er sich noch so oft sagen, dass er sich einfach nur nicht verlieben durfte.

„Ich brauch das Geld“, gab Jens zu, weil er nicht beichten wollte, dass es vor allem an Nick lag, dass er nicht so schnell wieder abreisen wollte.

Nick warf ihm einen kurzen Blick zu, bevor er sich wieder auf den verschneiten Waldweg konzentrierte, auf dem sie fuhren. Manche Tannenzweige waren so schwer vom Schnee, dass sie tief hinunter hingen. Nick und Jens duckten sich und Nick zuckte zusammen, als ihm Schnee in den Kragen seiner Jacke rieselte. Automatisch wischte Jens ihn fort und erntete einen weiteren Blick von Nick, den er nicht zu deuten wusste.

„Liegt's nur am Geld?“, bohrte er grinsend nach und Jens konnte einfach nicht anders, als dieses Grinsen zu erwidern.

„Nee, liegt nicht nur am Geld.“

„Gut. Ich dachte schon, ich wäre gestern nicht überzeugend genug gewesen.“

Jens schnaubte und spürte, wie er rote, heiße Ohren bekam. Nick war letzte Nacht so verflucht überzeugend gewesen, dass er ihm für einen weiteren Blowjob ohne mit der Wimper zu zucken seine Seele verkauft hätte. Aber das musste er Nick ja nicht auf die Nase binden. Jens ahnte nämlich, dass der kleine Mistkerl genau wusste, was er gut konnte.

„Wozu brauchst du die Kohle eigentlich?“

„Zum Leben“, gab Jens amüsiert zurück. „Du weißt schon, Wohnung, Essen – so Zeug eben.“

„Was ist mit deiner Familie?“

„Was soll mit der sein?“

Jetzt war Jens wachsam. Ihm gefiel es nicht, wohin dieses Gespräch führte. Und ihm gefiel der Blick nicht, mit dem Nick ihn schon wieder musterte. Sie verließen den Wald, vor ihnen lag offenes Feld und Nick ließ das Ren in einen leichten Trab fallen. Der Schnee spritzte an den Kufen hoch, glitzernd im Licht der Mitternachtssonne.

„Hab mal recherchiert“, gab Nick zu und seufzte, als Jens reflexartig ein Stück fort rückte. „Jetzt spinn nicht gleich rum. Ich will wissen, mit wem ich es hier zu tun habe. Wir produzieren nun mal keine Nussknacker und ich hab keinen Bock auf Stress, weil sich hier irgendwer von der Presse einschleicht. War so schon schwer genug, meinen Vater davon zu überzeugen, dass er mir die Fabrik für die Sommermonate überlässt.“

Nick hatte bitter geklungen, doch Jens war zu sehr damit beschäftigt, diese ganzen Informationen erst einmal zu verarbeiten, als dass er auf solche Feinheiten wirklich hätte reagieren können.

„Wann?“, brachte er fassungslos heraus. „Wann hast du Nachforschungen über mich angestellt?“

„Na, direkt, als du angekommen bist. Wenn du verdächtig gewesen wärst, hätte ich dich postwendend nach Hause geschickt.“

Jens blinzelte, als ihm klar wurde, was an diesem Tag so lange gedauert hatte, bevor man ihn zu Nick gebracht hatte. Und dann blinzelte er erneut, als ihm etwas einfiel.

„Ich denke, hier funktioniert keine Elektronik!“

„Keine Herkömmliche“, gab Nick zu und zügelte Rudolph, als sie das nächste Waldstück erreichten. „Aber es gibt Möglichkeiten. Und ich war neugierig, warum der Sohn eines Immobilien Tycoons ausgerechnet in unserer lauschigen, kleinen Firma arbeiten will. Deswegen hab ich dich aus dem Zug gelassen. Und dann war ich... neugierig auf dich.“

Jens schnaubte und stützte die Ellenbogen auf den Knien ab, als er das Gesicht in den Händen verbarg. Er machte ja kein wirkliches Geheimnis aus seiner Herkunft, aber er ging auch nicht damit hausieren. Die Leute wurden manchmal komisch, wenn es ums Geld ging. Und wenn der Name des Unternehmens fiel, wussten die meisten Menschen, dass es um sehr viel Geld ging.

„Also? Erzählst du mir, warum du hier jobben wolltest?“

Jens spürte Nicks Fingerspitzen, die an seinem Nacken entlang glitten – und sie waren warm und fühlten sich gut an. Verdammt gut. Er richtete sich auf, blickte Nick an und legte doch wieder einen Arm um dessen Schultern.

„Mein Vater unterstützt mich nicht. Er sagt, mein Studium ist Zeitverschwendung und er hält nicht viel von meiner sozialen Ader“, gab er seufzend zu. „Ich würde vermutlich Geld von ihm bekommen, wenn ich brav darum bitte – aber darauf kann ich verzichten.“

Nick schwieg. Er lehnte sich nur ein wenig mehr an Jens, der den Kopf senkte und seine Nase in blonde, weiche Haare schob. Er inhalierte den Geruch von Nick, der ihm jetzt schon ganz vertraut war und schloss die Augen, um dessen Nähe zu genießen.

„Respekt, dass du dich einfach so gegen ihn stellst. Gegen das, was er von dir verlangt. Das ist mutig.“

Jens sah auf und runzelte die Stirn. Er hatte sein 'Nein' zur Firma nie als wirkliche Rebellion gesehen. Und mutig hatte er sich auch nicht gefühlt, damals. Nur trotzig und wild entschlossen, sein Gewissen nicht zu verkaufen.

„Das hat nichts mit Mut zu tun. Eher mit Dummheit“, gab er lachend zu. „Ich war damals einfach nur stur genug gewesen, nicht das zu tun, was er wollte. Das kann jeder Idiot.“

„Wenn das nur so einfach wäre“, murmelte Nick, lachte dann humorlos und zuckte die Schultern. „Manchmal kann man sich halt nicht gegen sein Schicksal wehren. Sei froh, dass es bei dir geklappt hat.“

Jens öffnete schon den Mund, um Nick zu fragen, was genau er damit sagen wollte und schloss ihn dann wieder. Da war irgendetwas in Nicks Stimme, in seinem Gesicht, das Jens schweigen ließ. Dafür beugte er den Nacken und hauchte einen Kuss auf Nicks Wange. Und noch einen, auf seine Lippen, als Nick den Kopf zu ihm wandte und eine warme Hand in Jens' Nacken gleiten ließ.

„Lass uns zurück fahren“, murmelte Jens zwischen zwei hitzigen Küssen und Nick grinste nur wissend, als er Rudolph mit einem Schnalzen antrieb und Jens noch ein „Halt dich fest“ zuraunte, bevor der Schlitten tatsächlich abhob.

(weiter in Teil 2)
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Re: Ferienjob (Original) für Chaotizitaet

Beitragvon Ria » 26. Sep 2015, 07:56

Jens starrte an die Decke, schnappte noch immer nach Luft und versuchte die letzten Stunden zu verarbeiten.

Fliegen war toll. Keine Frage. Fliegen war sogar fantastisch. Aber Sex mit Nick war... ziemlich unbeschreiblich.

Nick, der jetzt zufrieden und ganz friedlich in Jens Armen lag und träge die Striemen nachzeichnete, die seine Nägel auf Jens' Haut hinterlassen hatten. Jens starrte noch immer die Decke an, grinste ein bisschen vor sich hin und fühlte sich so gut wie schon lange nicht mehr.

„Zu heftig?“, fragte Nick, ohne den Kopf zu heben und küsste Jens' Haut, bevor er einen Kratzer mit der Zunge nach fuhr und Jens empfindlich zusammen zucken ließ.

„Ne“, gab Jens noch immer grinsend zu und zog Nick dichter an sich heran. „Ich bin als Aktiver nur noch nie so rumkommandiert worden“, gab er leise lachend zu.

Nick lachte auch.

„Sorry. Macht der Gewohnheit.“

Er robbte ein kleines Stück hoch, um seine heißen Lippen auf Jens' Hals zu pressen.

Fühlte sich gut an. Fühlte sich nach Runde zwei an.

Jens wandte den Kopf, legte eine Hand in Nicks Nacken und presste seinen Mund auf Nicks. Seine Zungenspitze glitt über weiche Lippen, drängte sich dazwischen. Nick schmeckte süß und herb und einfach wunderbar und Jens konnte kaum genug davon bekommen.

Er war jetzt schon hoffnungslos verknallt. Er schimpfte sich einen Idioten. Und er küsste Nick, als hinge sein Leben davon ab.

Zumindest, bis Nick den Kuss unterbrach, sich halb aufrichtete und auf Jens herab starrte. Sein schmales Gesicht war seltsam ernst und Jens hob unwillkürlich eine Hand und strich ihm über die Wange.

„War es schwer? Damals? Als du dich gegen deinen Vater gestellt hast?“

Jens blinzelte. Er war jetzt nicht auf ein Gespräch über seinen Vater eingestellt. Er war eigentlich viel mehr darauf eingestellt, Nick bei den Hüften zu packen und sich dessen entzückenden, kleinen Arsch noch mal ganz genau anzugucken.

„Äh...“ Er kratzte sich irritiert am Kinn und zuckte dann die Schultern. „Es war nicht leicht. Aber auch nicht unmöglich. Mein Vater kann ein echter Mistkerl sein und ich halte nicht viel von der Art, wie er seine Interessen durchsetzt, wenn es um Geld geht... aber er... er ist kein Unmensch. Außerdem hab ich noch nen Bruder. Der übernimmt die Geschäfte.“

Nicks Lippen wurden schmal und Jens strich aus Reflex mit dem Daumen darüber, damit sie sich wieder entspannten. Damit sie wieder so voll und weich und einladend wurden. Nick küsste flüchtig seinen Daumen und ließ sich dann seufzend auf den Rücken fallen.

„Ich beneide dich“, gab er leise zu und jetzt war es an Jens, sich auf zu richten und sich über Nick zu beugen.

„Häh?“, fragte er wenig eloquent. „Wofür? Dass ich das Familienvermögen sozusagen im Klo runter gespült habe und jetzt zusehen darf, wie ich den WG-Kühlschrank jede Woche voll bekomme?“ Jens lachte ehrlich amüsiert. „Da bist du echt der Erste, der mir dazu gratuliert. Die meistens anderen halten mich für nen Idioten.“

„Aber du tust, was du willst“, sagte Nick leise.

„Das tust du doch auch“, antwortete Jens, dem plötzlich gar nicht mehr nach Lachen war. „Ich mein', Santa wird’s doch sicher nicht gefallen, dass du hier Dildos herstellst!“

Nicks Lippen verzogen sich zu einem Lächeln, das seine blauen Augen nicht erreichte.

„Es ist ein Kompromiss“, gab er leise zu. „Aber im Grunde weiß ich genau, wie meine Zukunft aussieht. Was ich tun werde und dass ich nie von hier weg komme.“ Wieder lachte er; hart und bitter. „Leute wie du, die lieben Weihnachten. Weil ihr nicht in dieser verfluchten Welt gefangen seid. Ich hatte nie die Wahl. Ich...“

Nick brach ab und fuhr sich seufzend mit beiden Händen durch die Haare. „Vergiss es“, murmelte er, schlang jäh die Arme um Jens' Hals und drängte sich auffordernd an ihn. „Switcht du eigentlich? Oder bestehst du auf den aktiven Part?“

Jens ließ sich nicht ablenken. Er kannte das Gefühl, das Nick beschrieb. Er hatte sich nur nicht mit seinem Schicksal abgefunden, das war alles.

„Du hast immer die Wahl“, sagte er deswegen, beugte sich vor und küsste Nicks Lippen. „Wenn du nicht der zweite Weihnachtsmann werden willst, dann geh einfach.“

Nick erwiderte den Kuss nicht und sah Jens einfach nur lange an, bevor er seufzend feststellte:

„So einfach ist das nicht. Ich hab Pflichten. Verantwortung. Santas Nachfolger zu sein... ist eine Ehre, die man nicht einfach so ausschlägt.“

Jens starrte auf ihn herab, hatte das Gefühl, einen auswendig gelernten Text zu hören. Er fragte sich, wie oft Nick diese Worte gehört hatte, bevor er sie als unumstößlich angenommen hatte. Und er hatte keinen wirklich guten Rat für ihn, außer den, einfach alles hinzuwerfen und abzuhauen. Spitzen Idee. Fiel Weihnachten einfach demnächst aus. War vermutlich keine wirklich Option.

Also griff er zur zweitbesten Möglichkeit: Ablenkung.

„Um auf deine Frage von eben zurück zu kommen“, sagte Jens langsam und rutschte über Nick, bis er über ihm kniete. „Nein, ich besteh' nicht drauf, aktiv zu sein.“

Nicks zufriedenes Grinsen war echt, als er seine Finger über Jens' Wirbelsäule abwärts tanzen ließ.

„Auf diese Antwort hatte ich gehofft...“

ooOoo

Jens sah auf seine Uhr und lächelte, weil der Feierabend nicht mehr weit war. Und das hieß, dass er Nick gleich wieder sehen würde. Meistens stand er vor der Halle, an eine Mauer oder einen Baum gelehnt und grinste Jens entgegen. Dann hüpfte Jens' Herz aufgeregt in seiner Brust, während sein Kopf seufzte und ihn daran erinnerte, dass er sich nicht hatte verlieben wollen. Ein wirklich guter Vorsatz, bei dem er auf ganzer Linie versagt hatte. Er war so hochgradig in Nick verschossen, dass es schon fast albern war.

Aber wenn er ehrlich zu sich selbst war, hatte er schon von Anfang an gewusst, dass es so kommen würde. Schon nach dem ersten Kuss war es unweigerlich um ihn geschehen gewesen. Das konnte Jens jetzt auch vor sich selbst zugeben. Er war ja selbst schuld und er würde die Quittung in spätestens zwei Wochen bekommen. Dann, wenn die Semesterferien zu Ende gingen und er zurück musste, während Nick bleiben würde.

Der Gedanke an den Abschied drückte seine rosarote Stimmung.

Jens seufzte, band eine Schleife um einen Vibrator, als hätte er nie etwas anderes getan und verpackte ihn in Seidenpapier und Karton. Inzwischen zuckte er nicht einmal mehr mit der Wimper, wenn er das tat. Wenn er in den letzten Wochen eins gelernt hatte, dann dass erlaubt war, was gefiel.

Was das betraf, war Nick ein ziemlich guter Lehrer. Allerdings trieb er Jens immer noch regelmäßig die Schamesröte ins Gesicht, wenn es zwischen ihnen zur Sache ging.

Was seine Zukunft anging war Nick jedoch weniger experimentierfreudig.

Sie hatten darüber gesprochen. Oft. Meistens, wenn sie verschwitzt und träge miteinander verschlungen auf dem Bett lagen, sich leise unterhielten und sanfte Küsse tauschten. So hatte Jens erfahren, dass Nick noch niemals das Meer gesehen hatte. Und Nick hatte erfahren, dass Jens solche Angst hatte, wie sein Vater zu sein, dass er oft ganz bewusst Dinge tat, die ihm missfallen würden.

Nick verabscheute die Kälte und ihm kam Eierpunsch zu den Ohren heraus. Jens befürchtete, dass er doch irgendwann scheitern und sein Vater recht behalten würde mit seiner Prophezeiung, dass er wieder zu ihm an gekrochen kommen würde.

Nick hatte sich in sein Schicksal ergeben und belog sich selbst, indem er Sexspielzeug herstellte und ganz rebellisch Weihnachten hasste. Jens küsste ihn dann immer und wünschte sich insgeheim doch, dass Nick ein klein wenig mutiger wäre und einfach drauf scheißen würde. Auf Verpflichtungen und Schicksal und den ganzen Kram. Sogar auf Weihnachten.

Doch das war nicht möglich, das musste sogar Jens einsehen, verliebt oder nicht.

Es war nicht einmal der Gedanke, dass Nick weit weg wäre und er ihn vielleicht nie wieder sehen würde, der Jens das Herz schwer machte. Es war der Gedanke, dass Nick hier bleiben müsste und unglücklich sein würde. Aber was sollte er ihm schon raten? Dass er es wie Jens machen und alles hinwerfen sollte? Hier ging es nicht um Geld, sondern um Weihnachten. Santa war zwar noch weit vom Ruhestand entfernt, aber es würde keine Ewigkeit mehr dauern, bis Nick in seine Fußstapfen treten müsste. Und dann...

Die große Glocke unterbrach Jens' Gedanken und läutete den Feierabend ein. Jens legte den Cockring, den er in Händen hielt, in einen blassblauen Karton und streckte sich dann. Er lächelte Baba zu, der pfeifend zwei Finger hob und sich die blonden Dreads aus der Stirn strich, als er zu Jens herüber kam. Jens war eigentlich nicht nach Smalltalk, er wollte lieber schnellstens hinaus, zu Nick, aber er mochte Baba und wollte nicht unhöflich sein.

„Hey, Mann!“, rief Baba in dem für ihn typischen Singsang. „Hast du dein Wichtel-Geschenk schon fertig?“

Jens blinzelte. Wichtel-Geschenk? Hatte er in seinem matschig verknalltem Hirn irgendwas völlig durcheinander gebracht?

„Äh...“, sagte er wenig eloquent. „Ich hab... ich wusste gar nicht... was denn für ein Wichtel-Geschenk?“

Baba zog die Brauen hoch und hob in einer ausladenden Geste die Arme.

„Na, das Wichteln. Alter, wie kannst du das nicht mitbekommen haben? Hat Nick dir das Hirn weich geblasen, oder was?“

Er lachte und Jens spürte zwar, dass er knallrot wurde, aber er lachte mit. Ganz so falsch lag Baba nämlich nicht. Jens war nicht ganz bei der Sache, wenn Nick in der Nähe war. Und er erinnerte sich ganz dunkel an eine Besprechung letztens, irgendwann, da war es um ein Wichteln gegangen. Allerdings hatte Nick ihn angesehen dabei, die ganze Zeit und sich über die Lippen geleckt und...

„... auf jeden Fall musst du dich echt ran halten, Mann. Für wen wichtelst du denn?“

„Äh, keine Ahnung“, gab Jens zu und fühlte sich dezent überfordert beim Gedanken daran, einen der anderen Studenten zu beschenken. Er kannte die meisten nur flüchtig. Bis auf Baba – und Nick. Daran hatten auch die zahlreichen Partys nichts geändert, die regelmäßig stiegen. Jens übte sich da die erste halbe Stunde in Smalltalk und verschwand dann mit Nick in der nächstbesten dunklen Ecke.

Dafür kassierte er am nächsten Tag meistens gutmütiges Gelächter und den ein oder anderen zweideutigen Spruch. Doch das war alles harmlos und brachte Jens nicht in wirkliche Verlegenheit. Allerdings hätte er auch nicht sagen können, womit er Jana oder Dirk oder Steffen glücklich machen könnte, wenn er für sie hätte wichteln müssen.

„Du hast doch diesen Zettel bekommen, von Nick.“ Baba schüttelte den Kopf und lachte. „Alter, du bist so hart verknallt, du peilst ja weniger als ich, nach ner richtig schönen Tüte.“

Jens fiel in das Lachen mit ein. Mehr aus Verlegenheit als aus echter Heiterkeit. Baba hatte ja recht. Er war verdammt hart verknallt und er wollte zu Nick. Jetzt.

„Äh, gut, dass du es sagst, ich hab den Wisch in meiner Hütte. Da guck ich gleich mal rauf...“

„Ja genau. Ich merk schon, du hast es eilig. Dann geh mal schnell.“

Baba grinste und machte eine wegwerfende Handbewegung, als er sich mit einem „Mach's gut und grüß Nick“ abwandte und zu Jana ging, die sein momentanes Objekt der Begierde war. Jens grinste in sich hinein, schnappte sich seine Jacke und zog sie über, als er in den kalten Abend hinaus ging. Wie immer stand die Sonne zwar tief, doch sie ging nicht unter. Jens sah sich suchend um. Doch Nick stand leider nicht irgendwo herum und wartete auf ihn.

Jens krauste kurz die Stirn und lächelte dann in sich hinein. Vermutlich würde Nick in seiner Hütte auf ihn warten und wenn Nick nicht da wäre, dann eine Nachricht, wo er ihn finden würde. Nick liebte es zu spielen und Jens machte nur zu gern mit.

Doch in seiner Hütte wartete keine Nachricht auf ihn, sondern etwas viel besseres. Jens grinste schon, als er nur die Tür öffnete und ihm Plätzchenduft entgegen schlug. Und die rochen gleich noch mal so gut, weil Nick sie gebacken hatte. Dabei hasste Nick Plätzchen. Jens lächelte verschossen, weil Nick für ihn so oft Dinge tat, die mit Weihnachten zu tun hatten, obwohl Nick genau diesen Dingen nicht sonderlich viel abgewinnen konnte. Jens sog die süßen, schweren Aromen ein und folgte ihrer Spur, bis er die Küche erreicht hatte.

Da allerdings verging ihm die Lust auf Kekse und machte einem anderen Verlangen Platz.

Er starrte Nick an, der auf dem großen Küchentisch aus Holz saß, die Beine übereinander geschlagen hatte und Jens träge anlächelte, während er sich einen Keks zwischen die rosigen Lippen schob.

„Hallo, Schatz. Ich hab gebacken“, sagte er rau und Jens schluckte.

Nick trug eine weiße Schürze und sonst nichts und allein der Gedanke, dass er halbnackt den halben Nachmittag hier herum gerannt war und Kekse gebacken hatte, machte Jens völlig verrückt.

„Ich liebe Kekse“, stellte Jens fest, streifte seine Jacke ab und öffnete langsam seinen Gürtel, ohne den Blick von Nick zu wenden.

In dessen Augen es interessiert aufblitzte, als er die Füße auf den Stuhl direkt vor sich abstellte und sacht die Beine spreizte. Irgendetwas Goldenes blitzte auf und Jens' Augen wurden groß und rund, als er ein kleines Glöckchen erkannte, das mit einem schmalen, roten Seidenband um Nicks Penis gebunden war.

Ein Anblick, der die ein oder andere Sicherung in Jens' Kopf durchbrennen ließ.

„Ich dachte, wir versuchen mal, es zum läuten zu bringen“, erklärte Nick spöttisch. „Aber erst probierst du einen der Kekse.“

Er hielt Jens ein Plätzchen vor die Nase und Jens schnappte mit den Lippen danach, obwohl ihm der Sinn nach anderem stand und schob sich zwischen Nicks Beine. Er packte Nick an den schmalen Hüften und zerrte ihn nahe an sich heran.

„Köstlich“, kaute er um das Plätzchen herum, ohne wirklich etwas zu schmecken. Er sah und hörte Nicks Lachen, grinste und küsste die weichen Lippen, die so viel besser als jede Süßigkeit waren.

Nick gab nach, war ganz weich in Jens' Armen, schlang die Beine um Jens und feuerte ihn mit schmutzigen Worten an, als Jens sich die Hosen von den Hüften zerrte und nach dem Öl griff, das Nick rein zufällig in der Nähe abgestellt hatte.


ooOoo


„War ich zu grob?“, fragte Jens besorgt.

Inzwischen lagen sie in Jens' Bett; Nick auf dem Bauch ganz nah an Jens geschmiegt, der seine Finger über Nicks Rücken gleiten ließ. Nick hob träge den Kopf und schüttelte ihn kurz.

„Keine Panik. Ich geh' schon nicht kaputt.“

„Das meine ich nicht.“

„Ich weiß.“ Nick drückte sich hoch und hauchte einen Kuss auf Jens' Mund. „Aber mir geht’s gut. Ich wollte es, fand es geil und ich hätte was gesagt, wenn es nicht so wäre.“

Jens brummte nur und gab sich damit zufrieden. Wenn er inzwischen eins über Nick wusste, dann, dass er tatsächlich den Mund aufmachte, wenn ihm irgendwas nicht passte. Das hatte Jens' Ego in den letzten Wochen den ein oder anderen Dämpfer verpasst, wenn er ehrlich war. Gleichzeitig hatte Nick so eine Art an sich, solch persönlicher Kritik mit einem Lachen und einem Kuss die Schärfe zu nehmen.

Außerdem wollte Jens die wenige gemeinsame Zeit nicht damit verbringen, zu schmollen, weil Nick Verbesserungsvorschläge an seiner Technik recht unverblümt an ihn heran trug. Dafür war ihre gemeinsame Zeit zu kurz und zu kostbar.

Er betrachtete Nick, der träge mit dem Glöckchen spielte, das jetzt ganz unschuldig auf dem Kissen neben ihm lag, nachdem es wirklich heftig geklingelt hatte und presste einen Kuss auf die Stelle zwischen Nicks Schulterblättern. Jens richtete sich auf und machte Anstalten aufzustehen. Nicks Finger ließen das Glöckchen los, um sich um Jens' Handgelenk zu schließen.

„Wohin willst du?“

Jens musterte ihn amüsiert. Nick machte keinen Hehl daraus, dass er Jens' Nähe genoss und nicht gern von ihm getrennt war, nicht einmal kurz – und Jens mochte das.

„Ich wollte kurz zum Klo und dann mal eben nachgucken, für wen ich wichteln muss. Der Zettel müsste in der Küche liegen. Darf ich? Oder willst du mitkommen und aufpassen, dass mir unterwegs nichts passiert?“

Nick grinste, das Gesicht halb im Kissen vergraben und wedelte mit den Fingern, als Zeichen, dass Jens ruhig gehen konnte. Gnädiger kleiner Nick Clause.

„Du wichtelst übrigens für mich“, sagte Nick, als Jens schon an der Tür stand. „Und ich wünsche mir ein besonders persönliches Geschenk!“

Jens wandte sich um, starrte Nick an, der sich grinsend auf den Rücken drehte und sich auf den zerwühlten Laken räkelte. Hatte er wirklich richtig gehört?

„Hast du etwa dieses Wichteln manipuliert?“, fragte Jens verblüfft und vergaß ganz, dass er eigentlich pinkeln musste.

„Irgendeinen Vorteil muss der Job des Chefs ja haben“, gab Nick zu und stützte sich dann seufzend auf seinen Unterarmen ab. „Und jetzt mach hin, die Nacht ist zwar lang, aber ich will sie nicht mit Quatschen verschwenden.“

Jens schnaubte ein „Charmant und dezent wie immer“ und ging grinsend zur Toilette. Ihm war da direkt eine passende Idee gekommen, was er Nick schenken könnte...

ooOoo

„Auf jeden Fall ein individuelles Geschenk“, lachte Baba, der die Alginatmasse anrührte, während Jens sich vorbereitete.

Es hatte viel Überwindung und einen gescheiterten Versuch mit Gips gebraucht, bis er zugegeben hatte, dass er Hilfe bräuchte. Und da er Nick ja überraschen wollte, hatte er sich an Baba gewandt, der zwar kurz etwas irritiert gewesen war, aber dann keine Probleme damit hatte, ihm dabei zu helfen, einen naturgetreuen Abdruck von seinem Penis zu machen. Baba hatte auch die Idee mit dem Alginat gehabt und das war wirklich besser als Gips. Viel besser.

„Nick hat das Wichteln vermutlich nicht umsonst manipuliert“, murmelte Jens und dachte sehr intensiv an Nick, während er sich bemühte, in Babas Gegenwart einen Ständer zu bekommen.

Was für eine abgefahrene Situation.

Gut, dass Baba so tiefenentspannt war. Jens kannte ein paar Typen, die da ganz anders reagiert hätten, wenn er hinter ihrem Rücken seinen steinharten Schwanz einölen würde.

„Alles klar, kann losgehen.“

Baba warf eine Blick über die Schulter, grinste und stellte den Messbecher mit der blauen Alginatmasse auf den Boden.

„Dann häng dich mal rein. Und denk dran, immer schön hart bleiben.“

„Scherzkeks“, murmelte Jens, als er sich über den Becher kniete und seinen Penis in die Masse drückte. Was tatsächlich ziemlich unerotisch war. Erst recht, weil er sonst nichts weiter zu tun hatte, als über dem Ding zu knien und nicht wieder schlaff zu werden.

„Ich kann dir ja was Geiles erzählen“, schlug Baba vor, der sich an den Küchentisch gesetzt hatte und sich wie zuhause fühlte, indem er sich erst mal ein kleines Tütchen anzündete. „Ich hatte da gestern was mit dieser Tine – du weißt schon, diese Rothaarige, die am Band weiter vorn steht. Und ich sag dir, dir hat echt prachtvolle Titten! Weiß wie Sahne und...“

„Baba, echt mal, das hilft mir nicht“, schnaubte Jens, Augen geschlossen, während er sich Nicks Mund vorstellte, der sich saugend um seinen Schwanz schloss.

„Ich kann mich auch ausziehen für dich.“

„Danke, aber geht auch so.“

„Ich will nur helfen, Mann.“ Baba grinste wieder, zog an seiner Selbstgedrehten und lehnte sich dann in seinem Stuhl zurück. „Schade, dass du nicht an Tines Titten interessiert bist, die waren echt hammer...“

Jens schnaubte nur und blendete Babas Ausführung über Tines Vorzüge aus. Lieber an Nick und an dessen Vorzüge denken. Oder daran, wie er letzte Nacht unter Jens gelegen hatte; verschwitzt und erschöpft und lächelnd, als er Jens zu sich herab gezogen hatte, um ihn zu küssen.

„Manchmal wünschte ich, dieser Sommer würde nie enden“, hatte Nick geflüstert und sich dann mit einem Seufzen unter ihm gestreckt. „Aber leider ist der Sommer hier immer schnell vorbei.“

Jens hatte da schon den Mund geöffnet, um Nick zu bitten, einfach mit ihm zu kommen. Einfach alles hinzuwerfen, damit sie zusammen sein könnten. Damit sie glücklich sein könnten.

Aber er hatte nur die Zähne zusammen gebissen und Nick geküsst. Nick hatte bei früheren Gelegenheit deutlich genug gemacht, dass es diese Option nicht gab. Und Jens wollte ihre Zeit nicht mit Streit verschwenden. Oder mit Diskussionen, die zu nichts führen würden.

Er spürte, wie seine Erregung abflaute und schob die düsteren Gedanken mit einem Seufzen beiseite. Lieber daran denken, wie Nick aussah, wen er an seinem Schwanz saugte. Oder wenn er kam oder...

Jens gab sich seinen Phantasien hin und vergaß die Zeit, bis Baba plötzlich neben ihm kniete.

„Ist es schon hart? Zehn Minuten sind rum“, stellte Baba fest, griff unter Jens' Körper und presste prüfend einen Finger gegen die Masse. „Jo, is perfekt. Zieh raus, dein Teil“, forderte Baba auf und Jens richtete sich auf, umfasste den Messbecher und zog vorsichtig.

Es klappte. Sein Penis glitt aus der Masse und Baba nahm den Messbecher grinsend an sich, um das vorbereitete Silikon einzufüllen.

„Ich hätte übrigens ne Farbe genommen. Schwarz oder so.“

„Nee, lass mal“, wehrte Jens ab, der mit einem Tuch seinen Penis von Rückständen säuberte und sich die Hose wieder über die Hüften zog. War jetzt doch leichter gegangen, als gedacht. Das Schwierigste war wirklich seine Erektion gewesen. Das musste man erst mal schaffen. Wie gut, dass er noch jung und ständig geil auf Nick war.

Er trat hinter Baba und sah zu, wie der sehr gewissenhaft das Silikon in der Form verteilte. Er war jetzt schon ein wenig aufgeregt, wie Nick das Geschenk wohl finden würde, obwohl er sich nach wie vor einbildete, dass Nick genau so etwas verlangt hatte.

„Macht Nick das eigentlich jedes Jahr?“, hörte er sich plötzlich selbst fragen. „Also, dass er was mit einem der Aushilfen anfängt.“

Jens wusste, dass Baba das dritte Jahr in Folge hier war und er wusste, dass Baba zwar meistens zugedröhnt war, aber doch eine Menge mit bekam. Und Nick versteckte sich und seine Vorlieben nicht gerade. Jens wusste nur nicht, woher diese Frage plötzlich kam. Er war nicht eifersüchtig oder so. Normalerweise...

Baba drehte sich zu Jens um und hob eine blonde Braue, als er das Silikon fort stellte und sich die Hände wusch.

„Nee, eigentlich nicht“, sagte Baba langsam, als er sich wieder an den Tisch setzte. „Zumindest ist es mir nie aufgefallen. Du bist der Erste, dem er so offensichtlich nachsteigt.“

Jens wusste, dass er nicht so erleichtert sein dürfte und dass es ihn nichts anging, was Nick vor ihm getrieben hatte oder nach ihm treiben würde. Er selbst war schließlich auch keine schüchterne Jungfrau.

Dafür war er ein ziemlich verknallter Trottel, der nicht daran denken wollte, dass die Zeit des Abschieds immer näher rückte.

„Er mag dich, weißt du“, sagte Baba in diesem Augenblick und lächelte Jens an, der zurück lächelte und genau verstand.

„Ich mag ihn auch. Aber ich befürchte, das reicht nicht.“

ooOoo

Die meistens Wichtelgeschenke waren schon lange verteilt und niemanden hatte es gewundert, dass weniger Bücher und mehr Vibratoren verschenkt worden waren. Nick hatte Jens' Paket nur ganz kurz geöffnet und ihm dann zu geraunt, dass es genau das Richtige wäre, um ihn über die Trennung hinweg zu trösten.

Das hatte Jens' Stimmung ein wenig getrübt. Er wollte nicht daran denken, dass es ihr letzter Abend war. Er wollte nicht daran denken, dass es schon wieder vorbei sein sollte. Sie hatten sich zwar versprochen, sich zu schreiben, in Kontakt zu bleiben, aber... Jens wollte keine Briefe, er wollte Nick. Er wollte ihn komplett und am liebsten für immer.

Die Party war in vollem Gange, als Jens endlich Nicks Finger spürte, die sich um sein Handgelenk schlossen.

„Komm mit“, raunte Nick ihm ins Ohr und Jens folgte der Aufforderung nur zu gerne.

Er hatte schließlich den ganzen Abend darauf gewartet.

„Ich dachte schon, wir bleiben echt bis zum bitteren Ende“, gab er lachend zu, als er Nick durch den dunklen Flur folgte. Er hatte ein bisschen zu viel von der Bowle getrunken und stolperte gegen Nick, der ihn lachend umarmte.

„Ich hoffe, du bist nicht zu betrunken, um ein bisschen Spaß zu haben.“

„Nee, keine Sorge“, murmelte Jens, grabschte nach Nick und zerrte ihn an sich, um ihn zu küssen.

Hart und besitzergreifend, weil er wieder daran denken musste, dass es ihr letzter gemeinsamer Abend sein würde. Morgen schon würde Jens sich in den Polarexpress setzen und wieder nach Hause fahren. Ja, vermutlich würde es ein paar Briefe geben, vielleicht sogar ein Treffen oder zwei... aber Jens ahnte schon, wie es enden würde. Wie es immer endete.

Und es ließ ihn Nick nur noch verlangender küssen. Seine Hände glitten unter Nicks Hemd, zerrten es aus der Jeans heraus, damit er gierig die weiche Haut streicheln konnte, die es verbarg. Nick stöhnte an seinen Lippen, ließ Jens nur noch härter werden, als er es ohnehin schon war und drängte ihn rückwärts weiter den Flur entlang.

„Wohin gehen wir?“, flüsterte Jens zwischen zwei Küssen und nestelte an Nicks Gürtel.

„Lass dich überraschen“, gab Nick zurück und war sehr geschickt darin, Jens' Hose zu öffnen und direkt danach eine Tür zu öffnen, durch die er Jens schob. „Und flipp nicht aus, okay?“

Das machte Jens trotz aller Lust doch stutzig und er löste sich ein wenig von Nick, der keine Zeit verlor und ihm die Hose von den Hüften zog. Jens hob den Kopf und sah sich um – oder versuchte es zumindest, als Nick seinen Schwanz in die Hand nahm und quälend sanft darüber rieb.

Jens sah Bücher und Spielzeug und Sterne, als Nicks Daumen über seine Spitze glitt.

„Wo... ahahh, fuck! - wo sind wir hier eigentlich?“

„Im Büro meines Vaters“, nuschelte Nick an Jens' Lippen, drehte sich um, ohne Jens los zu lassen und zog ihn langsam hinter sich her zu einem Schreibtisch, der in der Mitte des Raumes stand.

„Büro, deines Vaters...?“, murmelte Jens und drängte sich an Nick, als der sich an den Schreibtisch lehnte. In seinem Hirn herrschte wunderbare watteweiße Leere, als er Nicks Hüften packte und ihn auf die Tischplatte schob.

„Ja... ich wollt's hier schon immer mal treiben.“

Das weckte Jens aus seiner Trance. Er hielt inne und starrte erst Nick an, dann den Schreibtisch, auf dem er saß und der übersät war mit Pergamenten voller Namen von braven Kindern. Jens sah auch Zuckerstangen und Spieluhren, die vermutlich Weihnachtsmelodien spielen würden. Er sah eine Menge Kitsch und Glöckchen und...

Und er wusste, dass er hier keinen Sex haben konnte. Nicht mal Nick zuliebe.

„Alter! Das ist das Büro von Santa!“

Er sah Nick entsetzt an, der seufzte und wieder Hand an Jens anlegte, der zusammenzuckte, weil die Lust ihn durchzuckte wie ein Blitzschlag, als Nicks Daumen erneut über seine Eichel rieb. Naja, vielleicht könnte er hier doch Sex haben, wenn Nick ihn nur lange genug überzeugte.

Und ihm das Hirn weich genug kochte.

„Ich weiß, dass es das Büro von Santa ist und ich will hier Sex. Mit dir.“

Jens sah Nick an und wusste plötzlich, dass dies hier keiner von Nicks kleinen Kinks war. Hier ging es um etwas anderes.

„Okay“, antwortet Jens nur und sah wie Nicks Augen jäh ganz weich und zärtlich wurden, als er sich zu ihm herunter beugte, um ihn zu küssen.

Es war kein harter, verlangender Kuss. Ihre Lippen berührten sich kaum, ihre Zungen glitten nur sacht aneinander. Zumindest, bis Nick sich aufrichtete und hinter sich die Pergamente und Schneekugeln und was sonst noch alles auf dem Schreibtisch herum lag, zur Seite wischte, Das meiste ging flatternd zu Boden, hier und da klirrte es – und ein wenig tat es Jens leid.

Aber er verstand die Wut, die Hilflosigkeit, die Nick dazu trieb. Er beugte sich erneut über Nick, wollte ihn erneut küssen und hatte schon eine Hand an dessen Hose, als Nicks Hände ihn energisch zurück schoben. Jens richtete sich seufzend auf und sah fragend auf Nick herab.

„Du hast dein Wichtel Geschenk noch gar nicht ausgepackt“, sagte Nick plötzlich, griff hinter sich und beförderte ein kleines Paket zu Tage. Und er machte deutlich, dass er das hier sehr genau geplant hatte. Ansonsten hätte er sein Geschenk an Jens wohl kaum hier deponiert.

Jens grinste, schüttelte kurz den Kopf über Nick, den er nie verstehen würde und den er doch so gerne so viel besser kennen lernen wollte und öffnete die kleine, rote Schleife, die um das Päckchen gewickelt war.

Dann öffnete er den Karton und starrte hinein. Er schluckte. Mit vielem hatte er gerechnet, aber nicht...

„Sag nicht, dass es ein Vibro-Ei ist“, seufzte Jens, der die Antwort längst kannte.

Und dazu brauchte es nicht mal Nicks breites Grinsen, als der eine kleine Fernbedienung hoch hielt.

„Doch. Und ich bin bei dem Teil am Drücker, Baby.“ Nick lachte, küsste Jens und leckte mit seiner Zunge aufreizend über seine Lippen, die sich automatisch teilten. Und jetzt entspann dich...“

Jens öffnete den Mund, um zu protestieren, als Nick das Ei zwischen die Finger nahm und großzügig mit Gleitgel bedeckte. Doch er schloss ihn wieder. Wenn es Nick anmachte, sollte es ihm recht sein. Sollte es wirklich so gar nicht nach seinem Geschmack sein, würden sie es eh lassen.

Jens zuckte zusammen, als er Nicks glitschige Finger an seinem Eingang spürte, während er selbst auch seine Finger in Nick schob, um ihn vorzubereiten. Er holte zischend Luft als Nick nicht lange fackelte und das Ei langsam in Jens' Innerem verschwand. Jens biss sich auf die Lippen, bevor er unsicher lachte.

„Sieh nur zu, dass es gleich nicht... weg ist... ich hab keinen Bock, das demnächst einem Proktologen erklären zu müssen...“

„Keine Sorge, ich pass auf.“

Seine Stirn gegen Nicks gepresst, keuchte Jens mit geschlossenen Augen, versuchte sich zu entspannen und an das Gefühl zu gewöhnen. Er war kein Fan von Sexspielzeug, auch nicht nach den letzten Wochen. Aber das hier fühlte sich okay an. Erst recht, als Nick die Sache mit dem Kondom auch noch übernahm und die Beine um seine Hüften wickelte. Nicks Multitaskingfähigkeiten faszinierten Jens immer wieder aufs Neue.

Nick flüsterte ihm zu, wie sehr er ihn wollte, ihn brauchte – jetzt – und Jens gab ihm nach, nahm, was Nick ihm anbot und drang langsam in ihn ein. Er packte Nick bei den Hüften, als der sich ungestüm an ihn drängte und schüttelte den Kopf.

„Langsam“, keuchte Jens, der Nick nicht weh tun wollte, auch nicht aus Versehen. „Wir haben Zeit... wir...“

„Zärtlich darfst du später wieder sein“, unterbrach Nick ihn und hielt lächelnd die runde Fernbedienung hoch. Sein Daumen drückte den kleinen Knopf in der Mitte und in Jens' Unterleib explodierte brodelnde Hitze.

Er schrie, stieß reflexartig zu und hörte Nicks Keuchen, er hörte ihn lachen, atemlos und abgehackt, als er ihm gab, was er brauchte. Jens schwitzte, spürte Nicks Nägel, die ihm über den Rücken fuhren, fest genug, um Spuren zu hinterlassen, als er sich aufrichtete, seinen Mund ganz nahe an Jens Ohr brachte.

„Bereit für Stufe zwei?“

Jens starrte ihn an, fluchte und war mehr als bereit. Und er verlor sich zusammen mit Nick in diesem Strudel, der sie beide mit sich riss, bis ihre Welt an Kontur verlor und nichts mehr Bedeutung hatte, außer sie selbst. Die Küsse, die sie tauschten, die Lust, die sie aneinander band. Das Wissen, dass es nicht von Dauer war.

Das alles ließ sie diesen Augenblick nur intensiver erleben.

ooOoo

Jens packte seine Bücher und Notizen ein und erhob sich von seinem Platz. Er wartete geduldig, bis sich der Hörsaal langsam leerte, bevor er ihn verließ. Er hatte es nicht eilig. Es war die letzte Vorlesung für heute gewesen, und Jens hatte nicht viel mehr vor, als sich Zuhause zu langweilen.

Also konnte er sich auf dem Heimweg auch Zeit lassen und den Herbsttag genießen, der sich von seiner schönsten Seite zeigte. Jens lief lächelnd eine Schneise in die bunten Blätter, die knöcheltief auf dem Weg lagen und wünschte sich, er hätte Nick an seiner Seite, um ihm das hier zu zeigen.

Sein Lächeln verblasste. Wie immer, wenn er an Nick dachte.

Der sich nicht bei ihm gemeldet und auch nicht auf die Briefe geantwortet hatte – obwohl er es versprochen hatte. Aber Versprechen waren so eine Sache.

Jens seufzte, kickte ein Blatt vor sich her und ließ das letzte Gespräch mit Nick mal wieder Revue passieren. Er sah noch immer Nicks schmales, blasses Gesicht vor sich, als sie am Bahnhof gestanden und sich angesehen hatten. Er sah noch immer das Lächeln, als Nick sich gestreckt und ihn geküsst hatte. Er spürte noch immer Nicks streichelnde Hände auf seinen Wangen.

Und er hörte sich selbst, wie er Nick endlich vorgeschlagen hatte, einfach alles hin zu werfen und mit ihm zu kommen.

„Ich kann nicht“, hatte Nick geflüstert und ihn wieder geküsst.

Jens hatte nicht protestiert, er hatte schließlich von Anfang an gewusst, auf was er sich einließ. Aber es hatte wirklich beschissen weh getan, in diesen Zug zu steigen und Nick zurück zu lassen. Der sich bis jetzt nicht gemeldet hatte.

Jens hatte nicht wirklich erwartet, dass diese Sache zwischen Nick und ihm Bestand haben würde. Dafür war die Entfernung zu groß, die Umstände zu ungünstig und... aber er hatte es gehofft, verdammt. Er hatte wirklich gehofft, dass sie es vielleicht doch schaffen würden. Dass es keine Rolle spielen würde, wer Nick war und was aus ihm werden sollte.

Jens verscheuchte die Gedanken, als er in die Straße einbog, in der er wohnte. Er und Nele und Sarah, die sich noch immer ständig in der Wolle hatten. Für Nichtigkeiten, die Jens eher amüsierten, als dass er die Streiterei darüber wirklich nachvollziehen könnte.

Er schob seine Tasche auf die andere Schulter und fragte sich, ob er einen letzten Versuch wagen und Nick noch einmal schreiben sollte, als ein schmaler Schatten neben ihm auftauchte und einfach drauflos redete:

„Tja, und was soll ich sagen, es war ein echter Tanz mit meinem Dad, aber irgendwann hat er zugestimmt, dass ich Wirtschaft und Ökonomie studiere. Und: Tadaa, hier bin ich! Außerdem dachte ich mir, hey, vielleicht kann ich dich überreden, später mit mir zu kommen, Schließlich stehst du auf diesen ganzen Weihnachtsscheiß und irgendwo bringen wir dich schon nutzbringend unter. Zur Not in meinem Bett.“

Jens war schon bei der ersten Silbe stehen geblieben und hatte Nick angestarrt, der wie aus dem Nichts neben ihm aufgetaucht war und jetzt so tat, als hätte es keine wochenlange Trennung gegeben. Der den vorlauten Mund schloss und ihn unsicher anlächelte. Der wirklich und wahrhaftig da war und Jens allein dadurch glücklich machte.

„Ich wollte dich überraschen, deswegen keine Briefe von mir. Und es war... es stand ziemlich lange auf der Kippe, ob ich...“

Jens unterbrach ihn, indem er Nicks Gesicht zwischen die Hände nahm und ihn küsste. Ihn endlich wieder schmeckte, ihn endlich wieder berühren konnte. Und lieber Himmel, es war genauso gut wie in seiner Erinnerung.

Oder nein, es war besser. Viel besser.

Jens schob seine Zunge tiefer in Nicks Mund und drängte ihn zurück, bis Nick zwischen irgendeiner Wand und ihm eingequetscht stand und keine Möglichkeit zur Flucht mehr hatte. Nicht, dass Nick den Eindruck machte, flüchten zu wollen, als Jens sich endlich von seinen Lippen losreißen konnte, um ihn anzusehen. Erst jetzt fiel ihm auf, dass er noch nicht einmal 'Hallo' gesagt hatte.

„Hi. Freut mich, dass du ausgerechnet hier studierst“, brachte er ein wenig konfus heraus, beugte sich wieder herab und küsste Nick erneut. „Und ich kann ja die Elfen unterrichten, später, wenn du Geschenke auf der ganzen Welt verteilst.“

„Und im Sommer gehen wir mit einem Dildo nach deinem Vorbild in Großproduktion“, murmelte Nick an Jens' Lippen und grinste dabei.

Jens lachte, heiser und glücklich und verliebt und lehnte seine Stirn an Nicks. Es fühlte sich an, als hätte irgendwer einen grauen Schleier fort gezogen und als könne er die Welt erst jetzt wieder in all ihren Farben sehen.

Nicks dunkelblaue Augen leuchteten, als er eine Hand an Jens' Wange legte und ihm zu zwinkerte.

„Hast du das Ei eigentlich noch, das ich dir geschenkt habe?“

Jens grinste zurück, froh und aufgekratzt, als er seine Hände hinten in Nicks Jeans schob, um ihn an sich zu pressen.

„Hab ich“, gab er rau zu und presste seine Lippen kurz auf Nicks. „Hast du die Fernbedienung?“

Nick lachte zwinkernd und machte Jens nur dadurch schon wieder lächerlich glücklich. Erst recht, als Nick die Arme um ihn schlang und sich an Jens drängte – und dabei steinhart war.

„Das und noch etwas viel Besseres...“

Er holte ein kleines Glöckchen aus seiner Tasche, das an einem roten Seidenband hing. In Jens zog sich alles vor Verlangen zusammen, als er nur daran dachte, was sie damals auf dem Küchentisch angestellt hatten.

„Meinst du, wir bringen es wieder zum klingeln?“, fragte er atemlos und Nick grinste, als er nach Jens' Hand griff und ihn langsam hinter sich her zog.

„Lass uns zu dir gehen und es heraus finden.“
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Re: Ferienjob (Original) für Chaotizitaet

Beitragvon chaotizitaet » 26. Sep 2015, 11:18

Genial! :fangirl:
Als ich gelesen hab, dass ich eine Original-Geschichte kriege hab ich noch gehofft, dass es der Nordpol wird und dann das. Ich mochte die Geschichte bereits bei der Frühstückstischszene und danach wurde sie nur noch lustiger und besser. Dass die Elfen die Grippe nur vortäuschen... oder der tiefenentspannte Baba. Und es kommt sogar Rudolph vor. Absolut super!

Vielen, vielen Dank!
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Re: Ferienjob (Original) für Chaotizitaet

Beitragvon Ria » 26. Sep 2015, 12:13

Danke! Freut mich sehr, dass es dir gefallen hat :-D

Bist du eigetnlich bei der Winterchall dabei? ^^
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Re: Ferienjob (Original) für Chaotizitaet

Beitragvon chaotizitaet » 26. Sep 2015, 12:36

Winterchallenge? Welche Winterchallenge? *nix findet*
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Re: Ferienjob (Original) für Chaotizitaet

Beitragvon Ria » 26. Sep 2015, 12:44

Die Winterchallenge, für die wir das Wichteln verschoben haben, weil es sonst zeitgleich stattgefunden hätte. Eigentlich ist es die 4-Jahreszeiten Challenge, bei der wir ja diese Wortpakete schnüren, jeder Teilnehmer sich pro Story ein Paket claimen kann und dazu eine Geschichte schreibt. Frühling, Sommer und Herbst haben wir durch, dieses Jahr ist der Winter dran ^^

Hier findest du die Regeln, die sind jedes Jahr gleich und hier kannst du dir angucken, wie die Pakete ungefähr aussehen werden - natürlich diesmal auf Winter/Weihnachten ect getrimmt:
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Re: Ferienjob (Original) für Chaotizitaet

Beitragvon chaotizitaet » 26. Sep 2015, 13:39

Na ja, mit Paketen hab ich so meine Probleme. Beim Wichteln habe ich quasi all die Pakete meines Wichtelkindes zur Wahl, sie sind reserviert für mich, niemand kann sie mir streitig machen, und ich muss letztlich nur zu einem eine Story finden. Und ob mir die Idee gleich nach Zulosung des Wichtelkindes einfällt oder erst zwei Wochen vor Abgabe, ist egal. Bei der Challenge müsste ich sofort wissen, welches Paket ich haben will, denn wenn mir erst zwei Wochen vor Schluss was einfällt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass eben dieses Paket schon vergeben ist, beliebig groß.

Leider aber ist meine Muse/mein Schreibplanstil meist mehr so, dass ich im Hinterkopf mit verschiedenen Ideen spiele und es ist eher selten, dass mich spontan und sofort eine Idee anspringt und geschrieben werden will.

Hinzu kommt, dass ich den Gedanken beim Wichteln mag, dass hier eine Geschichte geschrieben wird, die auf dem Wunsch einer konkreten Person basiert. Es ist persönlicher.
Dementsprechend würde ich Wichteln immer einer Challenge vorziehen.
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Re: Ferienjob (Original) für Chaotizitaet

Beitragvon Ria » 27. Sep 2015, 09:14

Ja, dass ein bestimmtes Paket dann weg ist, wenn man nicht schnell genug zugreift, kann passieren, das ist wahr. Aber da sich dieses Jahr die Frage nicht stellt, ob Wichteln oder Winterchall, kannst du es dir ja auch spontan noch überlegen, ob du mitmachen willst, wenn du doch eine Idee hast und das passende Paket dazu noch verfügbar ist ;)
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Re: Ferienjob (Original) für Chaotizitaet

Beitragvon chaotizitaet » 27. Sep 2015, 11:06

Du vergisst, dass bekennede Wichtelfans auch bereit sind ein unabhängiges Mini-Wichteln zu veranstalten... Sprich abranka und ich haben vor, ähnlich wie wir es jedes Jahr mit dem Geburtstagswichteln zwischen uns beiden machen, uns auch zu Weihnachten zu bewichteln. Womit wir dem Paket-Problem der Challenge aus dem Weg gehen...

Aber mal ne andere Frage: Was spricht eigentlich dagegen, Pakete mehrfach zu vergeben? Hätte auch für die Organisatoren den Vorteil eine Art Statistik erheben zu können, welche Elemente beliebter sind als andere.
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Re: Ferienjob (Original) für Chaotizitaet

Beitragvon Sammy-chan » 27. Sep 2015, 12:44

Ich misch auch mal ein bisschen mit ;)

Euch steht es natürlich vollkommen frei ein eigenes, privates Wichteln zu veranstalten. Ich meine vor allem, wenn ihr letztendlich eh gerne füreinander schreiben wollt. Das ist ja bei uns sowieso nicht immer der Fall, eher im Gegenteil, wir versuchen die Leute ja bewusst immer ein bisschen anders zu verteilen, damit nicht immer jeder für denselben wichtelt bzw. immer von demselben etwas bekommt.
Alternativ gibt es ja auch zig andere fanfiction-Wichtel-Aktionen zu Weihnachten rum, wo man sich bei Interesse letztendlich auch mal umschauen kann. Ist tatsächlich auch einer der Gründe, warum wir das Wichteln gerne rotieren lassen würden. Wenn man dafür Werbung außerhalb der Plattform macht, dann geht das letztendlich meistens total unter. Aber ein Sommer-/Herbst-/Frühlingswichteln hat sonst keiner. Und ich mein, um sich gegenseitig eine Freude zu machen, braucht es keinen festen Termin. Das kann man auch über das ganze Jahr verteilt. Die Message dahinter finde ich eigentlich auch sehr schön.

Naja, es ist ein Schreiber-Challenge, ich persönlich fände es auch ein bisschen langweilig, wenn dann zig Leute dasselbe Paket nehmen und dazu schreiben. Außerdem soll es ja auch schon eine Herausforderung sein und dann schaut man halt, welche Pakete noch da sind und überlegt, was man da noch zu schreiben könnte, auch, wenn es vielleicht nicht die erste Idee gewesen wäre. So entstehen ja auch neue Denkrichtungen etc. Ich mag es so persönlich wirklich ganz gern, außerdem motiviert es einen auch wirklich zu sagen: okay, mir fällt da jetzt etwas zu sein, dann nehme ich mir das Paket, bevor es jemand anderes hat. Und dann schreibt man dazu auch eher was, als wenn man sagt: vielleicht, aber ich hab ja noch Zeit.

Nichtsdestotrotz werden wir den Vorschlag natürlich in Erwägung ziehen und ihn besprechen, das war ja jetzt auch nur meine persönliche Meinung dazu.
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