Was die Sehnsucht nicht stillt - Jokla

Was die Sehnsucht nicht stillt - Jokla

Beitragvon Ria » 16. Aug 2016, 20:56

Fandom: Joko und Klaas
Pairing: Joko und Klaas
Warnungen: Joko und Klaas Ein bisschen Fluff und Liebe
Rating: P16 Slash

Anmerkung: Sowas ähnliches wie Telefonsex im „Fremder Freund-Universum“ ;)


ooOoo

Joko hatte wirklich versucht, wach zu bleiben, hatte das Licht angelassen und den Fernseher laut gestellt. Hatte versucht, sich auf das flackernde Bild und die seltsam grelle Spielshow zu konzentrieren, die gezeigt wurde. Trotzdem waren ihm irgendwann die brennenden Augen zugefallen. Immer wieder. Und mit jedem Mal war es schwerer gewesen, die Lider wieder zu öffnen.

Nur fünf Minuten, hatte er gedacht, während sein Körper angenehm schwer immer tiefer in die weiche Matratze gesunken war. Nur fünf Minuten hatte er sich gönnen wollen, nach dem langen Flug und dem aufreibenden Hickhack am Flughafen von Honkong, weil die Hälfte ihrer Ausrüstung auf halben Weg verschollen war. Zum Glück nur auf einem anderen Gepäckband gelandet und nicht in einen anderen Flieger verfrachtet. Das hätte ihnen gerade noch gefehlt. Die Duell-Reisen waren auch ohne diese Zwischenfälle hektisch und anstrengend genug. Gestern noch waren sie in Alaska gewesen, heute in Honkong gelandet und in zwei Tagen würde es nach Italien weitergehen.

Stress, der an Joko und den anderen zehrte. Schließlich wurden sie alle nicht jünger und steckten Hitze und Zeitverschiebung nicht mehr so gut weg wie früher. Doch es war nicht der Jetlag, die endlosen Stunden in irgendwelchen Flugzeugen oder die Aufgaben für die Duelle, die Joko an seine Grenzen brachten. Das alles kannte er schon. Das war nicht das Schlimmste an der ganzen Sache. Viel schwerer wog die Tatsache, dass er Klaas mit erschreckender Intensität vermisste. Wie ein Rumoren in seinem Bauch, das von Tag zu Tag übler wurde. Dieses beißende Gefühl in seinem Inneren trieb ihn noch in den Wahnsinn. Ließ ihn nicht schlafen, ließ ihn die Reise, aller Abenteuer zum Trotz, als endlos lang und zäh wahrnehmen. Joko zählte schon die Tage, bis Klaas und er endlich in Costa Rica zusammentreffen würden, um dort einen gemeinsamen Einspieler zu drehen. Dauerte allerdings noch eine knappe Woche. Bis dahin musste die Technik reichen, die Sehnsucht zu stillen. Telefonate, WhatsApp und FaceTime, waren allerdings nur ein billiger Ersatz.

Aber es war besser als nichts und deswegen hatte Joko wach bleiben wollen.

Klaas hatte versprochen, anzurufen, wenn er die Aufgabe bei den Massai in Tansania hinter sich gebracht hatte und Joko hatte gewartet, hatte den Zeitunterschied von fünf Stunden im Kopf und wusste, dass es spät werden könnte, bis Klaas wieder allein in seinem Zimmer sein würde. Er hatte wirklich versucht, nicht einzuschlafen, hatte versagt und als sein Telefon jetzt klingelte, schreckte Joko hoch, blinzelte desorientiert, nahm den Anruf mit einem fahrigen Wischen seines Daumens an und tastete mit der anderen Hand nach der Fernbedienung, um den Fernseher auszuschalten.

„Klaas?“, nuschelte er, die Zunge noch ganz schwer vom Schlaf. „Klaas? Bis' du's?“

„Nee, der heilige Geist“, schnaubte Klaas ihm lachend ins Ohr. „Hab ich dich geweckt?“

„Nee, bin wach, bin ganz wach“, log Joko schwerfällig, zog sich die Brille von der Nase und rieb sich mit der freien Hand über das Gesicht. „Hab schließlich auf deinen Anruf gewartet, wie versprochen. Wie is' gelaufen?“

„Du bist kein Stück wach und die Aufgabe war beschissen und das weißt du ganz genau.“ Klaas schaffte es irgendwie, völlig genervt und liebevoll gleichzeitig zu klingen und Joko grinste, setzte sich auf, um die Kissen in seinem Rücken bequemer zu ordnen und lehnte sich zufrieden seufzend zurück.

„Erzähl“, verlangte er, ein Gähnen unterdrückend. „Hast du das Zeug da echt getrunken? Dieses Satoi?“

„Saroi, du Trottel. Das nennt man Saroi. Das solltest du wissen, wenn du mich schon so eine Kacke schlucken lässt!“, fiel Klaas Joko ins Wort und jetzt klang er vorwurfsvoll.

„Ich würd' dich ja auch lieber andere Sachen schlucken lassen, aber ich schätze, das dürfen wir nicht im Fernsehen zeigen“, murmelte Joko grinsend und kratzte sich den mühevoll gezüchteten Bart.


„Witzig, Winterscheidt!“, maulte Klaas. „Ich hab im ersten Moment gedacht, die stechen das arme Rindvieh wirklich ab! Die haben da mit nem Pfeil drauf geschossen!“

Joko lachte glucksend und konnte sich bildlich vorstellen, wie Klaas ausgesehen haben musste, als ein paar Massai-Krieger eines ihrer Rinder vor seine Füße gezerrt und dem Tier auf traditionelle Weise Blut abgezapft hatten. Joko hatte Videos gesehen und das hatte ihm schon gereicht. Doch das war nicht die eigentliche Aufgabe gewesen, die Klaas zu bestehen gehabt hatte.

„Und? Hast du das Blut jetzt getrunken oder nicht?“, fragte er lächelnd. „Haste den Punkt?“

„Die haben das mit Milch vermischt“, klagte Klaas, als wäre das sogar noch schlimmer als das Blut an sich. „Und damit es nicht gerinnt, ne? Weißte, was die damit gemacht haben? Die haben es geschüttelt. Ne Viertelstunde oder so. Hat es aber nicht besser gemacht. Im Gegenteil! Sah noch ekelhafter aus als vorher. Und ich bin mir auch wirklich nicht sicher, wie frisch die Milch von denen war. Hab da weit und breit keinen Kühlschrank gesehen, wenn du verstehst, was ich meine. Hat auf jeden Fall echt mal widerlich gerochen, als ich die Nase dran gehalten hab. Wirklich wi-der-lich!“

Joko lachte, stand auf und löschte das Licht, das ihm unangenehm grell in den Augen stach. In der Dunkelheit tastete er sich zum Bett zurück und legte sich wieder hin, kuschelte sich in die weichen Kissen. Genoss Klaas' Stimme in seinem Ohr, schloss die Augen und stellte sich vor, wie es wäre, wenn Klaas hier bei ihm wäre. Wie es sich anfühlen würde, wenn Klaas halb auf ihm liegen und sich darüber beschweren würde, wie ekelig es gewesen war, mit Milch vermischtes Rinderblut zu trinken. Wie wunderbar es wäre, die Hand durch Klaas' Haare gleiten zu lassen, seinen Atem auf der Haut zu spüren.

„Ich hab mir da vermutlich fünf unbekannte Krankheiten eingefangen, die ich alle nach Deutschland einschleppen werde!“, motzte Klaas. Joko hörte es leise im Hintergrund rascheln. „Und es ist so heiß hier. Ich war grad' duschen und schmor' schon wieder im eigenen Saft. Ich schwitz' wie'n Schwein, Joko. Das ist ekelhaft, wirklich ekelhaft. Ohne das Netz hier hätten mich vermutlich schon die Moskitos gefressen!“

„Du Armer! Ich hab vor zwei Tagen über ner Gletscherspalte in Alaska gehangen und sollte da runterklettern. Ich hab gedacht, ich stürz' ab und sterb'. Schätze, wir sind quitt“, unterbrach Joko lächelnd die Tirade. Klaas schnaubte nur ungeduldig in den Hörer und Joko hatte wieder den Gedanken im Kopf, wie es wäre, wenn Klaas hier bei ihm wäre. Wie es wäre, ihn ganz nah an sich zu ziehen und dieses Schnauben als heißen Lufthauch an seinem Hals zu spüren. Gänsehaut breitete sich unwillkürlich über seine Schultern aus und Joko schluckte, als die latente Sehnsucht nach Klaas zu einem ziehenden Gefühl in seinem Körper wurde. Er vermisste nicht nur den Sex. Er vermisste Klaas. Vermisste es, ihn ansehen zu können. Sein Lächeln zu sehen. Oder die Art wie er die Stirn krauste, weil ihm irgendwas nicht passte. Er vermisste das leise Geräusch seines Atems, wenn sie nebeneinander im Bett lagen. Er vermisste die Hektik am Morgen, weil Klaas mal wieder viel zu spät aufgestanden war. Er vermisste das Geräusch der umgeblätterten Seiten einer Zeitung oder eines Buches, das Klaas ganz oldschool las.

„Bist aber nicht abgestürzt. Und selbst wenn, wäre nix passiert. Du warst nämlich gut gesichert, soweit ich weiß. Ist nich' so, als hätte ich dich da an nem Springseil runterklettern lassen. Ich pass' da schon auf“, murmelte Klaas plötzlich und klang nicht ganz so brummig wie vermutlich beabsichtigt. Eine Sekunde lang schwiegen sie beide, bevor Klaas seufzte. „Weißte, Joko, ich denk ganz oft drüber nach, das Format einfach abzuschaffen. Oder es meinetwegen zu ändern. Ob's jetzt erfolgreich ist oder nicht. Ich werd' eh langsam aber sicher zu alt für den Scheiß.“

„Du bist jünger als ich.“

„Na und? Ich hab trotzdem keinen Bock mehr drauf, wochenlang nur aus dem Koffer zu leben und bescheuerte Aufgaben zu absolvieren. Rinderblut, ey. Das war echt so... bah, das sag ich dir. Ich hab den Geschmack immer noch auf der Zunge!“

„Also doch den Punkt geholt“, stellte Joko lächelnd fest. „Bin stolz auf dich, Hase.“

Klaas machte ein pfeifendes Geräusch, das halb nach Schnauben, halb nach Lachen klang und Joko zum Grinsen brachte. Wäre Klaas hier gewesen, hätte er ihn garantiert jetzt in die Seite geknufft – und sich dann enger an Joko gedrängelt. Vielleicht hätte er sein Bein über Jokos gelegt, um mehr Körperkontakt zu bekommen. Das tat er oft. Joko liebte es, wenn Klaas beinahe in ihn hineinkroch, nach Nähe und Zärtlichkeit gierte. Das kam in letzter Zeit nämlich ein bisschen sehr kurz. Vor der Sommerpause hatten so viele Termine angestanden, dass sie einander tatsächlich nur sporadisch zu Gesicht bekommen hatten. Joko hatte für Werbeverträge Shootings in Österreich und Dänemark gehabt. Klaas hatte eine kurze Gloria-Tour absolvieren müssen. Akuter Zeitmangel war das Ergebnis des vollen Terminplanes gewesen und kaum war die letzte Folge HalliGalli abgedreht, hatten die Reisen für das Duell um die Welt angestanden. Joko hatte kaum gewusst, wie ihm geschah, da hatte er auch schon im Flieger in Richtung Tokio gesessen, während es Klaas nach Russland verschlagen hatte. Dabei hatte Joko darauf gehofft, mit Klaas wenigstens ein paar Tage...

„Noch sechs Tage“, murmelte Klaas plötzlich und Joko blinzelte in die Dunkelheit hinein. „Sechs Tage. Dann drehen wir in Costa Rica und ich sag dir, den ersten Abend schließen wir uns im Zimmer ein und kommen nicht raus! Dann bist du fällig, Winterscheidt!“

Wieder blinzelte Joko, grinste dann, kribbelndes Glück breitete sich in ihm aus, floss in jeden Winkel, fühlte sich warm und süß an. Ließ ihn laut auflachen, ob der schieren Euphorie, die hinter seinem Nabel explodierte.

„Ist das deine Art, mir zu sagen, dass du mich vermisst?“, fragte Joko lächelnd nach, wartete Klaas' Antwort gar nicht ab und rutschte tiefer in seine Kissen hinein, legte seufzend den Kopf zurück. „Ich vermiss' dich auch, Klaas. Alles an dir. Sogar dein ständiges Gemotze fehlt mir. Die Aufgaben sind ausnahmsweise mal nicht das Beschissenste an den Reisen.“

„Na, das freut mich zu hören. Und ja, ich vermiss dich. Keiner hier, nicht mal Thomas, kann mir so schön auf die Nerven gehen wie du“, spottete Klaas, aber es klang ganz sanft, ganz liebevoll, stand im genauem Gegensatz zu seinen Worten. Dann seufzte er und Joko hörte ein kratzendes Geräusch, wusste, dass Klaas sich mit der freien Hand über den Bart rieb, sah es regelrecht vor sich und die Sehnsucht war mit einem Schlag unerträglich. „Ich hab nachgedacht, Joko. Hab ja massig Zeit, im Flieger und so. Und weißt du, die gemeinsamen Duelle kommen doch gut an. Vielleicht können wir das nutzen. Nur noch zusammen reisen, meine ich. Is' eh unpraktisch, wenn wir immer getrennt unterwegs sind. Außerdem ist es unser Konzept, unsere Show und unsere Produktion. Das können wir ändern, wie wir lustig sind!“

„Wir und ProSieben und Endemol“, erinnerte Joko Klaas lächelnd. „Ich find' die Idee von gemeinsamen Duellen aber gut. Ist auch billiger, wenn wir zusammen reisen. Halbes Team und so.“

„Scheiß auf die Kohle“, brummte Klaas trotzig in den Hörer und bescherte Joko hartes Herzklopfen. „Ich hab einfach nur keinen Bock drauf, wochenlang von dir getrennt zu sein.“

Joko blinzelte die Schatten des Zimmers an und glaubte sich verhört zu haben. Das Blut rauschte ihm ziemlich laut in den Ohren, da konnte das schon mal passieren. Er wusste zwar, was Klaas für ihn empfand, aber mit solchen Geständnissen geizte er normalerweise schon. Und auch, wenn Joko nicht ständig eine Liebeserklärung nach der nächsten bekommen wollte, so tat es eben manchmal gut, sowas ähnliches zu hören. Erst recht, wenn zwei, drei Kontinente zwischen ihnen lagen.

„Außerdem kann ich mich nicht dran erinnern, wann wir das letzte Mal Sex hatten! Also so richtigen. Nicht das kurze Gefummel da im Büro. Oder dieser blöde Abend nach dem einen Dreh, weißt schon“, murmelte Klaas plötzlich und klang mit jeder Silbe frustrierter. Joko prustete ein Lachen in den Hörer, der ihm fast aus der Hand fiel. „Was'n? Ich vermiss' eben nicht nur dein nerviges Gelaber“, gab Klaas schlecht gelaunt zu, auch wenn Joko sicher war, dass die miese Laune nur vorgeschoben und gespielt war. „Ich mein, nenn' mich oberflächlich, aber ich mag Sex mit dir. Und ich hab vielleicht so'n bisschen dran zu knabbern, dass ich bei der letzten Gelegenheit... zu müde war.“

Joko grinste vor sich hin und hob ungesehen von Klaas die Augenbrauen. So konnte man das auch nennen, wenn man partout keinen hochbekommen hatte. Natürlich war Klaas müde gewesen. Müde und abgespannt von dem Stress und der Tour und dem Zeitmangel. Und frustriert war er gewesen. Frustriert und ein bisschen fassungslos und Joko hatte sich alle verständnisvollen Sprüche verkniffen, die es nur schlimmer gemacht hätten. Was einen schlaffen Penis anging, war jedes Wort zu viel, das wusste er aus Erfahrung. Joko hatte Klaas nur an sich gezogen, seinen Nacken geküsst und gewartet, bis Klaas sich an ihn gelehnt und sich entspannt hatte. Ihm einfach stumm versichert, dass es völlig okay war. Konnte passieren, war keine Katastrophe und solange die Lust aufeinander nicht völlig verging, wollte Joko der Sache nicht zu viel Bedeutung beimessen.

„Ich vermiss es auch“, gab Joko leise zu. „Und in Costa Rica kannst du dich schon mal auf ne schlaflose Nacht einstellen.“ Er lachte leise ins Telefon, streckte sich lang auf dem Bett aus und starrte an die Decke, die hell in der Dunkelheit schimmerte. „Ich schätze, ich bin auch oberflächlich. Und ist nicht so, als hätte ich nicht schon längst den ein oder anderen Plan für den Abend.“ Er grinste, schloss die Augen und ließ seine Stimme ein, zwei Oktaven tiefer rutschen, weil er wusste, dass Klaas es mochte. „Ich hab nämlich auch viel Zeit, weißte? Die nutz' ich.“

„Für deine Wichsphantasien?“, lachte Klaas, doch Joko ließ sich gar nicht beeindrucken. Er grinste nur und leckte sich über die trockenen Lippen. Natürlich hatte er Phantasien. Und Klaas spielte darin meistens die ziemlich unanständige Hauptrolle. Aber ihm ging es in Costa Rica nicht darum, endlich wieder zu vögeln. Er wollte Klaas. Er wollte ihn so sehr. Und er wollte jede Sekunde auskosten.

„Auch“, gab er zu. „Aber nicht nur deswegen. Ich will, dass es perfekt wird, deswegen plane ich. Ich weiß, dass wir uns am Flughafen treffen, weil wir in etwa zur gleichen Zeit ankommen werden. Da müssen wir dann ganz überrascht tun und so. Kennst das Spiel ja. Und dann fahren wir zusammen ins Hotel und gehen da direkt auf unser Zimmer, um uns richtig zu begrüßen. Geht am Flughafen ja schlecht, so in aller Öffentlichkeit“, erklärte Joko grinsend. Er hielt die Augen geschlossen und konnte sich genau vorstellen, wie Klaas und er es gerade mal bis ins Zimmer schaffen würden, bevor sie sich küssten. Wie Joko an Klaas' Shirt zerren würde, wie es ihnen gar nicht schnell genug gehen könnte.

„Ich soll bis zum Hotel warten?“, fragte Klaas ungläubig. „Spinnst du? Mit Glück schaff' ich es, die Finger bis zum Auto von dir zu lassen. Kann da aber nichts garantieren, Joko.“

Sachtes Prickeln breitete sich in Joko aus, als er sich lachend vorstellte, wie Klaas ihm schon am Flughafen an die Hose ging. Aufregender Gedanke. Und nicht so abwegig, wie man meinen sollte. Joko gefiel die Vorstellung zwar, doch er hatte ganz andere Pläne gehabt für ihr Wiedersehen.

„Nee, nee, ich will mir da Zeit nehmen und das genießen“, protestierte Joko trotzdem lachend. Er strich mit den Fingern am Bund seines Shirts entlang, rieb über seinen Bauch, in dem es sich verlangend zusammenzog. „Keine flotten Handjobs auf irgendwelchen Flughafentoiletten, die uns in Schwierigkeiten bringen können.“

„Jetzt sei doch nicht so spießig! Toiletten auf Flughäfen sind super! Ich check' vorher die Gesetzeslage, wenn's dich beruhigt“, spottete Klaas. „Damit du Opa dich nicht nass machst.“

„Aber ich will's nicht hektisch machen, wenn da nebenan Leute in dreckige Toiletten pissen“, protestierte Joko, der wusste, dass er vermutlich ziemlich viele Dinge, an ziemlich schmutzigen und unmöglichen Orten tun würde, wenn es Klaas gefallen würde. „Ich will mit dir alleine sein und mit dir duschen, wenn wir schon nicht zusammen baden. Und ich will dich einseifen und so, bis alles an dir ganz glitschig ist...“ Joko schluckte, als sein Mund plötzlich voller Speichel war. Klaas' Atem an seinem Ohr war seltsam laut, war ganz nah, verursachte selbst über die Ferne hinweg Gänsehaut.

„Überall?“, fragte Klaas und klang heiser. „Willste mich überall einseifen?“

Joko schloss die Augen, holte zittrig Luft und nickte, obwohl Klaas es ja gar nicht sehen konnte.

„Mhm, ja... überall“, gab Joko leise zu. Wieder stockte er. Holte tief Luft und spürte seine Wangen heiß werden, als er begriff, worauf das hier hinauslaufen würde. Er zögerte nicht, wusste, dass es Klaas gefallen würde und verdrängte die aufwallende Scham, weil er seine schmutzigen Phantasien in Worte packen musste. „Ganz gründlich würd' ich dich einseifen. Wir würden da unter der Dusche stehen und ich... küssen würd' ich dich. Die ganze Zeit. Ich vermiss' das so, dich küssen zu können.“ Joko legte die freie Hand über die Augen, lauschte Klaas' schnell gehendem Atem und fragte sich, ob er sich selbst anfasste, die Hand in seine Hose schob und...

„Ich vermiss's auch. Dich zu küssen... und alles andere“, murmelte Klaas, riss Joko aus der Vorstellung, wie Klaas sich selbst berührte, brachte ihn ins Hier und Jetzt zurück. „Was machst du dann mit mir?“

Klaas' Stimme hatte etwas Lockendes, das Joko unwillkürlich lächeln ließ. Klaas hatte schon des Öfteren betont, dass Telefonsex durchaus was hätte und Joko war mehr als gewillt, es auszuprobieren. Anscheinend war jetzt die perfekte Gelegenheit. Auch wenn es sich seltsam anfühlte, Klaas detailliert zu erzählen, was er gerne mit ihm tun würde. Es fiel ihm wesentlich leichter, einfach zu machen, anstatt darüber zu reden. Doch Klaas gefiel es, also leckte Joko sich über die Lippen, schloss die Augen und versuchte, die Bilder in seinem Kopf in Worte zu fassen.

„Ich werd' dich küssen, dich gegen die Duschwand drücken und... mich an dich pressen, mich an dir reiben...“ Wieder stockte Joko, grub die Zähne in die Unterlippe und presste die Augenlider fest zusammen. Es fühlte sich so verflucht seltsam an, diese Dinge zu sagen. Joko hätte sich nicht als sonderlich prüde bezeichnet, aber Klaas jetzt detailliert zu erzählen, wie er Sex mit ihm hatte, fiel ihm erstaunlich schwer. Es fühlte sich nicht richtig an.

„Was tust du dann? Erzähl's mir Joko“, bat Klaas, schickte ein leises Keuchen hinterher und Joko schluckte alles Unbehagen hinunter. Stellte sich vor, wie sich Klaas' nasse Haut an seiner anfühlen würde, wie gut es sein würde. Er konnte ihn beinahe spüren. Konnte Klaas' Atem beinahe an seinem Hals spüren, Zähne, die sacht über sein Schlüsselbein glitten. Er konnte Klaas' Hände fühlen, die sich an ihm festkrallten. Er konnte ihn fast schmecken...

Aber er konnte es ihm nicht sagen. Konnte es nicht formulieren. Es war wie ein Knoten im Kopf und in der Zunge. Klaas war mehr als ein Körper, den Joko wollte. Mehr als Sex und Lust und Triebbefriedigung. So viel mehr. Und Joko war nicht in der Lage, es auszudrücken.

„Joko?“ Klaas klang fragend und Joko öffnete den Mund, wollte ihm diesen Gefallen nur zu gern tun, wollte mitspielen und Klaas auch auf diese Weise Lust bereiten.

„Ich werd'... werd' deinen Hintern massieren und dann werd' ich...“ Joko schluckte. Hitzige Scham ließ ihn verstummen. Er blinzelte hinauf zur Decke und war selbst ein wenig verblüfft, dass er es nicht über die Lippen brachte. Dass er Klaas nicht erzählen konnte, wie er ihm ein, zwei Finger in den Hintern schieben würde. Dass es sich gut anfühlen würde. Dass Klaas ganz eng und heiß sein würde. „Es geht nicht“, gab Joko erstaunt zu. „Ich... ich kann's nicht, Klaas.“ Er setzte sich auf, fuhr sich mit der freien Hand durch die Haare und wischte sich über das Gesicht. „Ich krieg's nicht hin, dir... ich ... das gibt’s doch nicht“, schnaubte Joko ein halbes Lachen; war über sich selbst erstaunt und auch ein wenig enttäuscht. „Das... das ist in meinem Kopf, also die Bilder von dir und ich find's geil, aber ich... ich kann's nicht sagen“, murmelte er, griff sich zwischen die Beine und spürte – nichts. Nicht mal ein müdes Zucken. „Ich bin nicht mal hart!“

„Ist doch nicht so wild, Joko“, unterbrach Klaas ihn leise. „Lassen wir es eben.“

„Nee. Nee, nee, nee“, protestierte Joko, war aufgebracht über die eigene Unfähigkeit, hier ein bisschen Dirty-Talk zu betreiben. „Ich weiß, dass du das willst und ist ja nicht so, als hätte ich keine Phantasien über dich! Ich mein... ich hol mir schließlich ständig einen auf dich runter, ey!“

„Ja, danke auch für die Info. Ich nehm's mal als Kompliment.“ Klaas' Stimme war voll von liebevollem Spott. „Aber wenn's dir nicht gefällt, lassen wir es halt.“

„Aber dir gefällt es und ich-“

„Gefällt mir nicht, wenn es dir nicht gefällt“, unterbrach Klaas ihn leise und Joko schloss den Mund, als ihn warmes Kribbeln durchfuhr, ihn ein bisschen sehr breit grinsen ließ. Klaas wusste wieder einmal mit wenigen Worten pure Euphorie auszulösen. Ein rosarotes Feuerwerk in seinem Hirn, das ihm die Synapsen effektiv wegbrannte.

„Wir könnten es ja... mit FaceTime versuchen“, murmelte Joko und grinste, als Klaas leise an seinem Ohr lachte.

„Meinste, dir fällt es leichter, wenn du mich dabei siehst?“

„Ich meine, dass es mich anmachen würde, dir dabei zuzusehen, wenn du dir einfach nur einen runterholst“, gab Joko zu, lehnte sich wieder bequemer in die Kissen zurück und lachte verlegen. „Ohne reden und so.“

„Das geht auch am Telefon“, erklärte Klaas und Joko hörte das Lächeln aus seiner Stimme heraus. „Ohne reden und so.“

„Ist aber nicht das, was du eigentlich machen wolltest“, erklärte Joko, seufzte, rieb sich mit den Fingerspitzen die Nasenwurzel. „Echt ich... du Klaas, es tut mir leid, dass ich das nicht hinbekomme. Ich mein', ist ja nicht so, als hätten wir nicht schon viel abgefahrenere Sachen gemacht und-“

„Joko?“, raunte Klaas, ließ Joko verstummen. Seine Stimme hatte einen rauen Klang angenommen, war dunkler und Joko spürte kribbelnde Gänsehaut seinen Nacken hinabwandern. „Ich will's nicht machen, wenn's dir nicht gefällt, okay? Dann bringt mir das nichts, verstehst du?“

„Weiß ich“, gab Joko lächelnd zu. In seiner Brust breitete sich ein hitziges Gefühl von Zärtlichkeit aus. Und von Sehnsucht. Alles, jede Faser seiner Selbst verlangte nach Klaas. Er wollte ihn hier bei sich haben. Direkt neben sich, wollte ihn anfassen, ihn küssen können. Er wollte ihn bei sich wissen. Dabei ging es nicht einmal um Sex allein. Es ging um sehr viel mehr. „Weißt du, was das Problem an dieser Telefonsache ist?“

„Mhm?“

„Ich will dir hier nicht platt meine kleinen Phantasien um die Ohren haun', verstehst du? Das fühlt sich irgendwie falsch an, weil, keine Ahnung, weil's nicht einfach nur darum geht, einen wegzustecken oder Druck abzulassen, wenn ich mit dir schlafe.“ Joko stockte, leckte sich über die Unterlippe und wusste nicht, wie er wirklich ausdrücken sollte, was er empfand. Mit Klaas zu schlafen, das war nicht einfach nur Sex, keine reine Befriedigung körperlicher Triebe. Es war mehr als nur Lust und Hitze und Leidenschaft. Es war so viel mehr und Joko fand keine Worte dafür. Dabei konnte er sonst so gut mit Worten. Reden war sein verdammter Job. Und jetzt bekam er die Zähne nicht auseinander. „Das ist, das ist...“, ihm brach erneut die Stimme weg und Klaas sprang ein:

„Wie endlich ankommen“, murmelte er, ganz leise, kaum hörbar und doch ließen die Silben irgendwas in Joko brennend heiß explodieren.

„Ja, genau so fühlt es sich an“, gab er zu, ebenso leise wie Klaas. Schwieg dann. Schluckte hart. Klaas' Worte gingen tiefer als eine einfache Liebeserklärung, berührten ihn auf anderer Ebene. Joko schloss die Augen und stieß zittrig lachend angehaltenen Atem aus. „Weißt du was? Am liebsten würd' ich mich in den nächsten Flieger nach Tansania setzen“, gestand er. Er verzog das Gesicht zu einer Grimasse; er vermisste Klaas mit einer Intensität, dass es körperlich schmerzte.

„In drei Stunden ginge der nächste Flug in diese Richtung“, erklärte Klaas völlig trocken. „Ich hab's vorhin nachgesehen. Aber dann könntest du natürlich morgen nicht zu deiner Aufgabe antreten und würdest den Punkt verlieren.“

„Scheiß auf den Punkt“, sagte Joko. Enthusiasmus und der völlig irrsinnige Wunsch, aufzuspringen und tatsächlich zum Flughafen zu fahren, wallten in ihm hoch. Für einen kurzen Moment stellte er sich vor, wie es wäre, einfach alles hinzuwerfen, sich ein paar Klamotten und seinen Reisepass zu schnappen und zu Klaas zu fliegen. „Wie gut stehen die Chancen, dass sie mich feuern, wenn ich hier abhaue?“

„Ziemlich gut, würde ich sagen“, überlegte Klaas lachend. „Muss ich also wieder der Vernünftige sein und dir raten, schön in China zu bleiben, obwohl ich lieber das Gegenteil tun würde. Aber ich kann's nicht riskieren, dass sie dich raus werfen und wir dann beide im Eimer sind.“

„Mist“, brummte Joko ins Telefon, lächelte dabei und seufzte gleichzeitig. Natürlich würde er den Dreh nicht unterbrechen, um mal eben um die halbe Welt zu fliegen. Auch wenn der Gedanke noch so verlockend war. Er war schließlich ein erwachsener Mann und kein verknallter Teenager. Aber es war verdammt noch mal wirklich schwer, dem Wunsch zu widerstehen...

Sechs Tage noch. Die wären zu schaffen. An die neun Tage, die nach dem gemeinsamen Dreh kommen würden, dachte er vorerst nicht. Mit diesem Problem würde er sich später beschäftigen.

„Ja, großer Mist.“ Klaas' raues Lachen ließ ein Kribbeln über Jokos Wirbelsäule rinnen. „Und was machen wir in der Zwischenzeit? Sind immer noch sechs Tage zu überbrücken.“

„Mir reicht's, dir einfach nur zuzuhören“, gestand Joko. „Den Rest kann ich mir vorstellen. Müssen ja nicht reden dabei.“

„Dass ich das mal von dir hören darf, dass du nicht reden willst, hätte ich auch nicht gedacht“, spottete Klaas und Joko grinste.

„Hab anscheinend meinen Meister gefunden.“

„Ja mich. Kannst mich aber trotzdem weiter Klaas nennen, du, da bin ich gar nicht so.“

Wieder lachte Joko, nannte Klaas einen Idioten und kuschelte sich tiefer in die weichen Kissen hinein. Schloss die Augen, die vor Müdigkeit brannten. Er hatte keine Ahnung, wie spät es war, aber er würde den Teufel tun, jetzt aufzulegen. Dafür tat es zu gut, Klaas zuzuhören, der Unsinn erzählte, der ihn zum Lachen brachte und keine Anstalten machte, irgendwie gearteten Telefonsex anzuleiern.

„Was ist jetzt eigentlich damit, dass wir uns... also zuhören?“, nuschelte Joko in den Hörer und Klaas schnaubte belustigt.

„Ich kann vor allem hören, wie müde du bist. Du kriegst ihn doch eh nicht mehr hoch.“

„Ich kann's dir vorspielen“, schlug Joko träge grinsend vor. „Mach ich ständig. Wirst keinen Unterschied merken.“

„Geh schlafen, du kleiner Schauspieler, du. Ich will nicht, dass du morgen bei der Aufgabe müde bist und aus Versehen stirbst. Konzentrier' dich morgen, hörst du? Und sei vorsichtig.“

„Hat's wieder was mit Höhe zu tun?“

„Joko, es hat immer was mit Höhe zu tun, weißt du doch.“ Klaas lachte, als Joko ein gar nicht so gespieltes Wimmern ausstieß und sich unter der Bettdecke verkroch, als würde das helfen.

„Ich hasse dich.“

„Tust du nicht. Du vermisst mich. Ganz, ganz doll. Und wenn du morgen Abend wieder in deinem Zimmer bist, versuchen wir das von heute noch mal per Webcam, was sagst du dazu, Wintimaus?“

„Ich sag, dass ich keinen Bock auf die Aufgabe habe und lieber sofort Webcam-Sex mit dir hätte.“

„Sex fällt heute aus. Ich wette, du schläfst schon halb. Ich kann das hören, weißte? Du nuschelst dann so'n bisschen. Und garantiert grinst du wieder mal debil vor dich hin. Das machst du dann nämlich auch, wenn wir reden und du schon halb schläfst und so tust, als wärst du noch total wach.“

Joko lachte, weil Klaas ihn anscheinend ziemlich gut beobachtet hatte. Aber er liebte es einfach zu sehr, mit Klaas in der Dunkelheit zu liegen und zu reden. Über dies und das und jenes. So wie jetzt. Nur, dass Klaas normalerweise halb auf ihm lag, oder Joko sich an seinen Rücken drängen konnte, die Arme um ihn geschlungen hatte, um ihn festzuhalten. Die Nase drückte er dann immer in Klaas' Nacken, hauchte dann und wann einen Kuss auf dessen Haut und spürte die Einfachheit des Glücks. Dann waren ihm Geld und Erfolg völlig gleichgültig. Dann zählte nur Klaas' Stimme im Dunkeln und die Wärme seines Körpers und seine Finger, die nach Jokos Hand griffen.

„Will nicht auflegen“, gab er zu, obwohl er schon den schweren Sog spürte, mit dem der Schlaf ihn lockte. „Will lieber noch ein bisschen deine Stimme hören.“

Klaas' Lachen war warm und liebevoll und ganz nah. Es trieb ein Kribbeln durch Jokos Nerven, ließ sie prickeln. Und gleichzeitig war es herrlich beruhigend, war ganz vertraut.

„Mach endlich die Augen zu, Joko. Ich erzähl dir noch ne Gute Nacht Geschichte, bis du eingeschlafen bist.“

„Wirklich? Tust du das?“

Joko lächelte, fühlte sich aufgehoben, als Klaas ganz nah an seinem Ohr lachte.

„Klar. Wenn du willst.“

Natürlich wollte Joko. Wollte Klaas' Stimme hören. Wollte sicher sein, dass er da war, bei ihm, auch wenn die halbe Welt zwischen ihnen lag.


Ende

Anmerkung: Ich weiß, viele haben sich „richtigen“ Telefonsex gewünscht, aber ich hab beim Schreiben festgestellt, dass ich mit den beiden viele Kinks ganz wunderbar verarbeiten kann. Diesen einen allerdings nicht. Ich hoffe, ihr hattet trotzdem Spaß beim Lesen :)
Bis zum nächsten Mal und liebe Grüße
Ria
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