Konnichiwa! (Jokla)

Konnichiwa! (Jokla)

Beitragvon Ria » 7. Nov 2015, 13:55

Konnichiwa!

Herzlich willkommen zu einem kleinen Oneshot, der im Fremder Freund Universum spielt. Und zwar nach Kapitel 10. Wer die Geschichte also verfolgt, sollte zuerst Kapitel 10 lesen und dann den Onnie hier ;) Kennt man Fremder Freund allerdings nicht, kann man die Warnung hier getrost vergessen und einfach so weiter lesen.

Aber es gibt eine weitere Besonderheit, die ich erklären muss: und zwar ist das hier ein sogenanntes Fandom-Crossover. Es gibt nämlich eine Zwillings-Story, von der lieben Kuyami geschrieben, die die Ereignisse des Tages aus der Sicht zweier anderer Charaktere beschreibt. Und zwar hier Zwei YouTuber namens Taddl und Ardy. Wer also wissen will, wie die Story aus Sicht der beiden Jungs aussieht, der klickt und liest das hier ;)

Und danke an Sammy-Chan und Kuyami fürs Beta lesen!

Disclaimer: Bedauerlicherweise sind die nachfolgenden Ereignisse frei erfunden und Joko und Klaas fummeln nicht ständig auf äußerst unanständige Art und Weise aneinander herum.



ooOoo

Joko lachte schon im Voraus, als er sich durch die vielen Menschen schob, die sich unter der Brücke versammelt hatten und auf den Kleinbus zuging, vor dem das Team stand und die Kameras schon im Anschlag hatte. Auch Klaas war da, drehte sich auf einen Wink von Thomas um und versteckte lachend das Gesicht in den Händen, als er Joko im Pokémonoutfit näher kommen sah. Joko ging schneller und hörte gerade noch wie Klaas sich beschwerte:

„Ach Mann ey, das ist doch immer dasselbe mit euch!“

„Sorry, ich musste mich erst noch schick machen, vor dem Dreh. In Zivil fällt man hier ja schon fast auf“, lachte Joko und schlug Klaas auf den Rücken.

Der sah ihn an, zog eine Grimasse und tat so, als hätte er nicht wenigstens geahnt, dass Joko sich für das 'Wenn ich Du wäre' eine kleine Kostümierung ausdenken würde, damit Klaas dann darin lächerlich aussah.

Erst recht bei einer so guten Gelegenheit wie dem Japantag.

Das schrie ja geradezu nach einem Kostüm. Da brauchte Klaas jetzt gar nicht so böse Seitenblicke zu ihm herüber zu schicken. Kaufte Joko ihm eh nicht ab, wenn seine Mundwinkel so verräterisch zuckten und er das Grinsen schließlich doch nicht unterdrücken konnte.

„Du hast echt nen Rad ab“, murmelte Klaas, als die Anmoderation im Kasten war.

„Und du hast gleich ein richtig schön flauschiges Pikachu-Kostüm an, das ist mein persönlicher Spaß an der Sache.“

Joko lachte, als sie schnell in den schwarzen Van kletterten, um ihre Sachen zu tauschen. Joko zog die Schiebetür hinter sich zu, warf einen kurzen Blick durch die getönten Fenster, ob alle aus dem Team beschäftigt waren und griff nach Klaas, der sich gerade das Shirt über den Kopf zog, um es Joko zu geben.

„Und ich glaub, ich steh drauf, wenn du ein flauschiges Pikachu-Kostüm anhast“, raunte Joko, eine Hand in Klaas' Nacken, bevor er ihn küsste. Nur ganz kurz und flüchtig, weil ja doch jeden Moment die Tür aufgehen und Thomas oder Frank oder Olaf sie erwischen könnte. Und das wäre echt scheiße.

„Ich sag ja, Rad ab“, lachte Klaas und tippte mit dem Zeigefinger gegen Jokos Stirn. Er warf einen kurzen Blick zur Tür, presste seine Lippen erneut auf Jokos und schob ihn dann entschlossen ein Stück von sich fort. „Und jetzt sei mal ein bisschen professionell, Winterscheidt!“

„Und was soll das heißen?“ Joko streifte Klaas' Shirt über, zerrte sich die zu kurze Hose über die Beine und betrachtete Klaas ganz unschuldig.

„Dass man nicht an seinem Co-Moderatoren herumfummelt.“ Klaas nahm das Kostüm an sich und betrachtete es zweifelnd. „Dir ist schon bewusst, dass ich bei dem Wetter da drin kaputt gehen werde?“

„Aber du wirst niedlich dabei aussehen“, erklärte Joko todernst und kniff kurz in Klaas' Wange. „Mein Kleiner!“

„Ich geb dir gleich niedlich!“

Joko wich lachend dem Schwinger aus, zu dem Klaas ausholte und der nur halb im Spaß gemeint war, wenn er das mordlustige Blitzen in Klaas' Augen richtig interpretierte.

„Übertreib's nicht jetzt schon, Winterscheidt. Das Spiel hat nicht mal angefangen und hier sind keine Kameras.“ Er warf Joko einen wütenden Blick zu, zog sich die Kapuze mit den langen gelben Ohren über den Kopf und verließ das Auto.

„Ach, Klaas... jetzt sei doch nicht so“, rief Joko. Er kletterte ihm seufzend hinterher und ließ sich von Jakob das Klaas-Schild reichen, das er sich um den Hals hing, bevor der zweite Teil der Anmoderation begann.

Klaas stand neben ihm und zog die Schultern hoch, während er grummelig seinen Text vortrug und immer wieder einwarf, dass es verdammt warm wäre und er sich vermutlich zu Tode schwitzen würde. Joko grinste und deutete auf viele kleine Pikachus, die gerade an ihnen vorbeiliefen und sich nicht darüber beschwerten, in einer kleinen Kunstfellsauna herum zu laufen.

„Die sind auch zwölf oder so, die haben noch nen stabilen Kreislauf im Gegensatz zu mir“, motzte Klaas, seufzte dann und sah Joko mit schief gelegtem Kopf nachdenklich an. „Mhm, aber wir sind ja hier auf dem Japantag, ne?“

„Jaha“, antwortete Joko gedehnt und wurde sofort misstrauisch, als er Klaas' lauernden Blick bemerkte.

„Und hier fällt man in Zivil ja angeblich total auf...“

„Ach scheiße... ich hätt's mir denken sollen, verdammt!“, fluchte Joko und warf aufstöhnend den Kopf in den Nacken, als Klaas sich von Thomas eine Tüte reichen ließ, die er Joko in die Hand drückte.

„Wenn ich du wäre...“

„Würde ich mich jetzt umziehen gehen“, beendete Joko den Satz und warf einen Blick in die Tüte. Er sah eine Menge blonde Kunsthaare und einen Haufen roten, blauen und weißen Stoff.

„Genau. Mach hinne.“

Klaas schlug ihm lachend auf die Schulter, zwinkerte und schob Joko auf den Van zu. Joko spürte wie Klaas' Finger sacht zudrückten und lachte, weil er auf dessen beleidigte Show vorhin hereingefallen war. Da konnte er also doch noch eine kleine Schippe drauf legen.

Er drehte sich um und sah Klaas, der sich eine Zigarette angezündet hatte und auf seinem Handy herumtippte. Joko nickte Olaf zu, der die Kamera anwarf und pfiff einmal laut, um Klaas Aufmerksamkeit zu erringen.

„Wenn ich du wäre“, setzte Joko an, als Klaas zu ihm sah und fragend den Kopf schief legte. „Würde ich mich von Pia noch schön passend zum Outfit schminken lassen!“

Joko hörte Klaas entgeistert fluchen, sprang lachend in den Van und zog die Autotür hinter sich zu, bevor er den Inhalt der Tüte inspizierte. Er zog das Kostüm heraus, das aus einem weißen, engen Body bestand, der in einem blauen Faltenrock endete.

„What the fuck?“, hauchte er fassungslos, bevor er kurz in ungläubiges Gelächter ausbrach und die Schiebetür wieder aufriss.

„Ernsthaft, Klaas?“, fauchte er und wedelte mit dem Kostüm. Das Team, das vermutlich eingeweiht war – verräterisches Pack! – brach vor Vergnügen fast zusammen. Klaas, der ergeben vor Pia stand und sich ein schwarzes Näschen schminken ließ, lupfte nur eine Braue, grinste diabolisch und wedelte abwehrend mit einer Hand.

„Heul' nicht rum. Zeit ist Geld, Winti. Wir sind hier nicht bei beim ZDF, also gib Gas“, kommandierte er und verzog das Gesicht, als Pia ihm grinsend zwei rote Wangen malte, während Joko fluchend die Autotür zu warf. Das hatte er jetzt davon, dass er Klaas unterschätzt hatte. Er hatte zwar auch mehr oder minder mit irgendeiner Kostümierung gerechnet, aber doch nicht mit einem Minirock!

Joko kickte sich seufzend die Sneaker von den Füßen, als sein Handy plötzlich vibrierte. Er warf einen Blick auf das Display und runzelte die Stirn, als er sah, dass Klaas ihm eine Nachricht geschickt hatte.

Ich hab dir da übrigens noch ein kleines 'Extra' mit in die Tüte gepackt. Und wenn ich du wäre, würde ich das anziehen...

Joko blinzelte und las die Nachricht noch einmal, bevor er erneut die Tüte inspizierte und einen weißen Albtraum aus Satin und Spitze heraus fischte. Joko betrachtete den knappen Slip einen Moment und fluchte dann so laut, dass er sicher war, die anderen könnten ihn draußen hören. Er war so fassungslos und empört, dass er kaum Luft bekam und tippte mit fliegenden Fingern eine zornige Antwort:

Vergiss es, du Perverser! Hast du ne Ahnung wie kurz der scheiß Rock ist?! Jeder wird das Teil sehen!

Joko warf sein Handy auf den Sitz und zog sich schimpfend aus, bevor er sich in sein neues Outfit zwängte. Klaas hatte sie doch nicht mehr alle! Seufzend zuppelte er an der großen roten Schleife vorn herum und zog sich die roten Stiefel aus Lederimitat über die Beine. Der Rock erwies sich als nicht ganz so kurz wie befürchtet und ging ihm immerhin bis knapp zur Mitte der Oberschenkel, aber alles in allem war die ganze Angelegenheit mehr als luftig. Und lächerlich! Da war Klaas mit seinem Kostüm ja richtig gut bedient! Joko bereute es jetzt bitter, ihn nicht auch in einen Minirock gesteckt zu haben.

Er schnappte sich sein Handy und machte den Fehler, der Neugierde nach zu geben und zu gucken, ob Klaas geantwortet hatte. Natürlich hatte Klaas geantwortet. Und natürlich traf er wieder mal einen Nerv bei Joko.

Und was wäre, wenn ich drauf stehen würde, zu wissen, dass du das Teil drunter an hast?

„Ach scheiße, Mann!“, fluchte Joko leise, ließ den Kopf hängen und hatte im Grunde schon verloren. Er wusste nicht genau, ob Klaas nur die richtigen Knöpfe drücken wollte, um ihn zu überreden, das hier durchzuziehen oder ob er wirklich drauf stand. Allerdings stand Klaas auf so einige Sachen, die Joko sich vorher nicht mal hätte träumen lassen. Und wenn auch nur die kleinste Chance bestand, ihm damit eine Freude zu machen...

Er hoffte inständig, dass niemand zu genau hinsehen würde, was er unter seinem Rock trug, als er die Unterwäsche wechselte. Das Höschen war zwar knapp, aber es bedeckte seinen Hintern und Joko war froh, dass Klaas wenigstens keinen String ausgesucht hatte, als er aus dem Auto kletterte und sich zum Applaus des Teams verneigte. Vorsichtig verneigte.

Und dabei Klaas ansah, der fragend die Stirn nach oben zog. Joko setzte sein Pokerface auf, verarschte ihn ein bisschen wegen des niedlich geschminkten Gesichts und verriet nichts, bis er direkt neben Klaas stand und darauf wartete, dass Olaf, Laura und Thomas die Kameras soweit hatten. Erst dann neigte er leicht den Kopf und brachte seine Lippen nahe an Klaas' Ohr.

„Hast deinen Willen bekommen, Hase“, flüsterte er und musterte Klaas, der ihn schnell anblickte und zufrieden grinste.

„Scharf“, raunte Klaas ihm zwinkernd zu und Joko presste die Lippen zusammen, als er das gierige Blitzen in den blauen Augen bemerkte und ihn heißes Glücksgefühl durchströmte.

Für dieses Wollen in Klaas' Blick hätte er tatsächlich noch viel mehr gemacht, als im Minirock und Weiberunterwäsche den ganzen Tag lang einen Einspieler zu drehen. Allerdings durfte Klaas dann jetzt auch mal aufhören, ihn so hungrig anzustarren, dass es schon ein bisschen unanständig war und ihm durch und durch ging. Joko hatte wirklich keine Lust mit dem Rock Zelte zu bauen. Außerdem war der Schlüpfer jetzt schon unbequem knapp.

Sie quetschten sich durch eine große Menschentraube, wurden erkannt und waren direkt von Fans umringt, die ein Foto und ein Autogramm und ein wenig Quatschen wollten. Dafür war immer extra Zeit eingeplant und es stellte kein Problem dar, ein paar junge Leute glücklich zu machen. Joko posierte gerade mit einem aufgeregten Mädchen für ein Selfie, als er eine Hand an seinem Bein spürte, die höher wanderte. Im ersten Moment glaubte er an einen echt verrückten, dummen Zufall und warf sich panisch zur Seite, bevor der Besitzer der Hand ein bisschen zu viel von Joko ertasten konnte. Und dann grinste Klaas ihn an, der ganz nahe neben ihm gestanden hatte und jetzt wieder unauffällig an ihn herantrat, bevor er das nächste Autogramm gab. Plötzlich war Joko klar, wer da so dreist an ihm herumgetatscht hatte.

Und es auch jetzt nicht sein ließ.

Verblüfft starrte Joko Klaas an, der ihm im zweifelhaften Schutz der Menschenmenge unter den Rock griff. Der hatte sie doch nicht mehr alle! Joko brach glatt der Schweiß aus, als Klaas einmal sacht über seinen Hintern streichelte und ihm zu der Gänsehaut auch noch ein Ziehen in den Leisten bescherte, das er jetzt wirklich absolut nicht gebrauchen konnte.

Er drängte von Klaas fort, der seine Hand zwar wegnahm, aber an Joko klebte wie ein Schatten, während er lächelnd Autogramm um Autogramm gab, bis Thomas eingriff und den Fans auf nette Art erklärte, dass sie hier jetzt noch einen Beitrag zu drehen hatten. Joko atmete auf, als die Leute sich verteilten und er viel, wirklich viel Abstand von Klaas halten konnte, der ihn spöttisch musterte.

„Ich musste mich doch überzeugen, dass du nicht schummelst“, flüsterte er und lachte gutgelaunt.

Joko zeigte ihm nur wortlos einen Vogel. Er traute seiner Stimme nicht. Er traute ja nicht mal seinen Knien, die jämmerlich wackelten. Er wischte sich Schweiß von der Stirn und war sich der knappen Unterwäsche unter seinem Rock sehr bewusst, als Klaas aus einer Wasserflasche trank und ihm dabei wieder einen Blick zuwarf, der seine alberne Polyesterkostümierung gleich in Flammen aufgehen lassen würde. Das war doch echt... Was war heute los mit dem Kerl?

Joko sah ein anderes flauschiges Pokémon, eins in Orange, und deutete schnell mit dem Finger darauf.

„Wenn ich du wäre, würde ich mit dem da jetzt mal so einen kleinen Showkampf veranstalten“, sagte er zu Klaas, der wieder viel zu dicht neben ihm stand und ärgerte sich, weil seine Stimme so belegt und heiser klang wie er befürchtet hatte. „Mit Geräuschen und so!“

Klaas zierte sich und motzte, für die Show und für das Amüsement des Publikums, aber er konnte Joko nicht täuschen. Er zwinkerte ihm zu, musterte Joko noch einmal auf eine Art, die ihm glattweg die Schamesröte ins Gesicht trieb, bevor er auf das andere Pokémon zu schlenderte und von Olaf samt Kamera verfolgt wurde.

„Das ist übrigens Glumanda“, erklärte Thomas Joko, der verwirrt blinzelte und aufhörte, sich zu fragen, ob es wohl auffallen würde, wenn Klaas und er mal eben kurz in den Dixiklos verschwinden würden. War eine Schnapsidee. Natürlich würde es auffallen. Außerdem war er nicht so notgeil, dass er es ausgerechnet da drin treiben würde. Noch nicht.

„Ach echt?“, fragte er abgelenkt nach und hörte Thomas kaum zu, der anscheinend ein echter Pokémonfan war und Joko einen kleinen Vortrag über die Pokémon der ersten Generation hielt. Joko hatte nur Augen für Klaas, der sich von einem sichtlich erfreuten Glumanda erklären ließ, wie sein Angriff auszusehen hatte. Joko hörte Klaas lachen und betrachtete ihn grinsend, wie er sich mit beiden Händen nervös durch die Haare strich, bevor er nickte und sich in Position brachte.

Inzwischen hatten sich wieder viele Zuschauer eingefunden und filmten mit ihren Handys mit, während sie abwechselnd Klaas und das andere Pokémon anfeuerten, die sich umkreisten, bevor Klaas mit einem lauten: „Pika... Pika... Pikachuuuu!“ auf das Glumanda zusprang und Thomas anerkennend kommentierte, dass er gar nicht so schlecht gewesen war.

Joko lachte, weil es einfach nicht anders ging. Und weil der Blick, den Klaas ihm jetzt zuwarf, weniger notgeil sondern vielmehr bitterböse war. Vermutlich schämte er sich gerade die Augen aus dem Kopf, wie er selbst immer so schön sagte. Joko zog die Brauen hoch und lächelte Klaas gehässig an, als er vorsichtig mit seinem Röckchen wedelte. Klaas' Lippen zuckten; er versprach Joko nur mit den Augen blutige Rache – und ein bisschen mehr als das – als er sich wieder seinem Gegner zuwandte. Wieder umkreisten sie sich, wieder griffen sie an und Joko hatte den Eindruck, dass Klaas so langsam aber sicher Spaß an der Sache bekam.

Er selbst gab nebenher noch das ein oder andere Autogramm oder posierte für ein Foto mit einem glücklichen Fan, bis Thomas beschloss, dass der Kampf dann auch mal lang genug gegangen war und Klaas Glumanda ruhig gewinnen lassen könnte. Klaas setzte zur Diskussion an, aber Joko war direkt zur Stelle und zeigte lächelnd Zähne.

„Wenn ich du wäre, würde ich dieses nette Glumading gewinnen lassen“, sagte er schnell, bevor Klaas auch nur den Mund richtig aufgemacht hatte. Klaas lächelte gezwungen und blitzte Joko aus schmalen Augen lauernd an.

„Dafür wirst du bezahlen, Winterscheidt, das weißt du hoffentlich.“

„Ja, ja, weniger labern, mehr verlieren“, erwiderte Joko liebenswürdig und warf Klaas ein kleines Luftküsschen zu, bevor er aus dem Bild verschwand. Grinsend sah er dabei zu, wie Glumanda Pikachu fertig machte und siegreich um Klaas herumtanzte, der die Hände auf die Knie stützte und Joko finster musterte. Joko spitzte kurz erneut die Lippen zu einem angedeuteten Kuss und grinste Klaas frech an. Wäre doch gelacht, wenn er sich von Klaas so sehr aus dem Konzept bringen lassen würde, dass er ihr kleines Spiel nicht mehr richtig würde spielen können.

Spielen konnten sie allerdings beide und Klaas verdonnerte Joko erst einmal dazu, bei jedem Fankontakt das Sailor Moon Zepter zu schwingen und mit der Macht der Liebe zu schreien. Was Klaas und dem Team fast schon peinlicher war als Joko selbst. Klaas musste dafür einen lustigen Pikachu Tanz vorführen, den Joko sich spontan ausgedacht hatte. Klaas fluchte und drohte wieder mit Rache, die Joko lachend anforderte.

Und auch bekam. Zuerst, indem er sich einmal quer durch den Sushi-Stand probieren musste – und Joko hasste rohen Fisch – und dann...

„Ach guck mal, ein Cosplay Wettbewerb!“, rief Klaas plötzlich, als sie auf dem großen Platz mit der Bühne standen. Joko starrte Klaas ungläubig an und schüttelte den Kopf.

„Nicht dein Ernst...“, setzte er an, doch Klaas unterbrach ihn teuflisch grinsend.

„Wenn ich du wäre...“

„Klaas, bitte...“

„Würde ich jetzt bei diesem Wettbewerb da mitmachen“, lachte Klaas und breitete die Arme aus, bevor er mit einem „Hahaha!“ vor Joko herumhüpfte und schließlich den lustigen Tanz aufführte, zu dem Joko ihn im Laufe des Tages gezwungen hatte.

Joko zeigte Klaas schlecht gelaunt den Mittelfinger und musste nicht einmal großartig schauspielern, dass er absolut keinen Bock hatte auf Cosplay-Wettbewerb.

„Rache, ne, Rache wird eiskalt serviert“, murrte er Klaas an, als er die Treppe zur Bühne hoch lief, um mit dem Veranstalter zu reden. Er hörte Klaas, der ihm etwas hinterher rief und ignorierte ihn ganz bewusst. Momentan sorgte Joko sich am meisten darum, dass ihm auf der Bühne irgendwer unter den Rock gucken und zu viel von seiner Unterwäsche sehen könnte. Aufgeben wollte er allerdings auch nicht.

Die Veranstalter waren begeistert davon, Joko auch ohne offizielle Anmeldung am Wettbewerb teilnehmen zu lassen – zumal er eh keine Chance hatte, hier auch nur einen alten Blumentopf zu gewinnen – und eine junge Frau gab ihm noch den guten Ratschlag, so was wie eine Performance einzubauen.

„Sehr guter Plan!“, bestimmte Klaas, der plötzlich hinter Joko auftauchte und ihm flüchtig den Hintern tätschelte. Joko wich der Berührung mit einem warnenden Fauchen aus und bedeutete Klaas, sich wieder zu verziehen.

„Hau ab und lass mich meine Aufgabe durchführen“, verlangte Joko, doch Klaas grinste ihn nur an und schüttelte den Kopf, als er sich an seine Seite drängte und seine Hand wie zufällig über Jokos Bein gleiten ließ. Das war doch echt nicht zum Aushalten mit dem Kerl!

„Nee, ich muss ja gucken, ob das hier auch mit rechten Dingen zugeht.“

Joko trat einen Schritt zur Seite, zog eine Grimasse in Klaas' Richtung und wandte sich dann einer jungen Frau in einem sehr aufwendigem weißen Kleid mit vielen Blumen zu, die ihn aus großen Augen betrachtete und knallrot anlief, als Joko sie hoffnungsvoll anlächelte.

„Du siehst aus, als hättest du Ahnung! Kannst du mir da irgendwie bei einer Art Performance helfen?“

„Und könnte da vielleicht irgendwas mit Spagat vorkommen?“, mischte Klaas sich lachend ein und wich Jokos Boxhieb aus.

„Alter, ich mach keinen Spagat!“

Und das nicht nur aus dem offensichtlichen Grund, dass er sich dabei einen beidseitigen Leistenbruch zuziehen würde. Im besten Fall.

„Aber...“

„Vergiss es!“, fauchte Joko, warf die langen Zöpfe der Perücke über die Schultern und lächelte die junge Dame entschuldigend an, die grinsend den Streit verfolgt hatte. „Weiter im Text, ich brauch ne Performance, ohne Spagat, irgendwas ganz einfaches, was zu meinem Kostüm passt...“

„Lass mal dein Zepter sehen.“ Sie lächelte und nahm Joko den Plastikstab aus der Hand, um ihn fachmännisch zu begutachten. „Das müsste der aus der zweiten Staffel sein, oder?“, fragte sie eine andere junge Frau, die an irgendein Fabelwesen erinnerte.

„Ja, aber das Kostüm ist das aus der ersten Staffel“, antwortete sie und betrachtete Joko, der mit einer entschuldigenden Geste auf Klaas zeigte.

„Hat er ausgesucht. Ich würde ja auch lieber mit Profis arbeiten, aber naja...“

„Und ich würde gerne einen Spagat sehen“, stichelte Klaas im Hintergrund, stellte sich verdächtig nahe hinter Joko und grinste nur, als Joko ihm einen warnenden Blick zuwarf. So langsam wurde ihm sehr heiß trotz des knappen Outfits und er war nicht wütend genug, um Klaas' ständige Tatscherei nicht auch irgendwie scharf zu finden.

„Leider kein Spagat, nur ein bisschen Rumgewirbel“, antwortete das Fabelwesen und zückte ihr Handy, um Joko auf YouToube ein Video mit den Bewegungsabläufen zu zeigen. Joko riss die Augen auf und lachte ungläubig, als das kurze Video lief.

„Ja ne, is' klar“, murmelte er und schlug abgelenkt nach Klaas, der wieder viel zu nahe neben ihm stand und sich köstlich amüsierte. „Dann mal auf in den Kampf.“

Eins musste Joko den ganzen Anime und Manga Fans ja lassen, sie hatten eine Engelsgeduld mit ihm. Und es wurden immer mehr. Eine ganze Horde stand inzwischen um ihn herum und gab ihm gute Ratschläge. Sie machten ihm jede Drehung vor, jedes Wirbeln des Zepters – das Joko gefühlte hundert Mal fallen ließ – und am Ende kam tatsächlich so was ähnliches wie eine Performance heraus, die entfernt an das erinnerte, was Joko im Video gesehen hatte.

Einen Preis holte er damit zwar nicht, aber viel Applaus und Liebe vom Publikum.

Joko stolperte geschafft von der Bühne und hoffte inständig, dass der Rock alles verdeckt hatte und da nicht demnächst ein unvorteilhaftes Video von ihm viral durchs Netz gehen würde. Er warf einen kurzen Blick auf die Uhr, als er auf Klaas und den Rest des Teams zuging und seufzte, weil es bis zum wohl verdienten Feierabend noch dauern würde. Dabei würde er sich jetzt schon gerne in das nächstbeste Bett werfen. Auch gerne in ein Bett mit einem nackten Klaas darin.

„Haste Hunger?“, fragte Klaas und Joko blinzelte, bevor er überrascht und dankbar die Nudeln in der Pappschachtel entgegen nahm, die Klaas ihm hinhielt. „Ist mit Hühnchen.“

„Danke“, murmelte Joko und lächelte Klaas an, der die Lippen zusammenpresste und so tat, als wäre es eine Nebensächlichkeit, dass er Joko was zu Essen besorgt hatte. War es aber nicht. Nicht für Joko.

„Haste aber nix mit angestellt oder?“, raunte Joko, die Lippen so nah an Klaas' Ohr, dass er es beim Sprechen berührte. Klaas zuckte zurück und rollte die Augen.

„Ich hab nen Spritzer Liebe reingetan“, brummte er gespielt schlecht gelaunt und deutete flüchtig auf seinen Schritt.

Joko lachte schallend und verschluckte sich prompt an einer Gabel Nudeln. Klaas grinste ihn an, wackelte kurz mit den Brauen und ließ seinen Blick vielsagend zu Jokos Rock gleiten, während sie neben einander standen und zusammen aßen. Für einen kurzen Moment war das Spiel und der Dreh vergessen. Frank lehnte an Jokos linker Seite am Geländer und deutete beeindruckt mal hier mal dorthin. Es war ein Wahnsinn, welche Mühe sich manche Leute mit ihren Kostümen gegeben hatten, wie viel Liebe und Detail teilweise drin steckten. Thomas kannte sogar viele Figuren, die dargestellt werden wollten und klärte sie darüber auf. Joko hörte nur mit halben Ohr hin. Er lehnte sich an das Geländer der Promenade, legte den Kopf in den Nacken und genoss die Sonne auf seinem Gesicht. Bis er Klaas' Fingerspitzen spürte, die an seiner Hand entlang glitten. Eine ganz kurze Berührung, die Joko trotzdem Herzrasen bescherte. Er wandte den Kopf, sah Klaas an, der so tat, als wäre gar nichts gewesen und Thomas angeblich ganz gespannt zuhörte.

Joko grinste, rückte ein kleines Stück näher an Klaas heran und berührte dessen Arm. Klaas sagte nichts, sah ihn nicht an, aber er trat eine Winzigkeit zurück, lehnte sich an Joko, der sich sehr danach sehnte, einfach die Arme um Klaas schlingen und ihn an sich ziehen zu können.
Benutzeravatar
Ria
Forum Admin
Forum Admin
Beiträge: 6624
Registriert: 08.2010
Geschlecht: weiblich

Re: Konnichiwa! (Jokla)

Beitragvon Ria » 7. Nov 2015, 13:56

Der Tag neigte sich dem Ende zu und sie hatten noch immer keine Entscheidung, wer dieses 'Wenn ich du wäre' gewonnen hatte. Also stand die nächste Aufgabe an und Joko war dran, sie Klaas zu stellen. Nach dem Essen schlenderten sie an der Promenade direkt am Rheinufer entlang und Jokos Blick fiel auf eine lange Menschenschlange. Im ersten Moment dachte er, dass die ganzen jungen Leute für irgendetwas anstanden und ganz so verkehrt war der Gedanke auch gar nicht. Es war eine lange Reihe von Menschen, die sich alle umarmten und darauf warteten, umarmt zu werden. Viele von ihnen trugen sogar Schilder auf denen Free Hugs stand. Joko lachte, als ihm eine grandiose Idee kam.

Klaas sah ihn stirnrunzelnd an und Joko bedeutete Olaf, schnell die Kamera anzuwerfen, als er einen Arm um Klaas' Nacken schlang und ihn feixend an sich zog.

„Wenn ich du wäre“, setzte er an, wackelte mit den Augenbrauen und deutete mit einem Kopfnicken auf die Leute vor sich. „Würde ich diese Reihe da entlang gehen und bei der ganzen Umarmerei mitmachen. Free Hugs, Hase, die magst du doch besonders gerne!“

Klaas starrte erst Joko an, dann die ganzen Menschen, die sich lachend und mal mehr mal weniger enthusiastisch umarmten und löste sich unwirsch von ihm.

„Ey spinnst du?“, fauchte er. „Das sind hundert Leute oder so! Das dauert ewig, bis ich da durch bin!“

„Eher zweihundert“, gab Joko gleichmütig zu. „Und weil ich so großzügig bin, darfst du dich hier einreihen und musst nicht von vorn anfangen.“

„Ja, ja, sehr großzügig, du...“

Er beendete den Satz nicht und fügte sich überraschend schnell in sein Schicksal, als er einen Mario fragte, ob er sich vordrängeln durfte. Er durfte und lächelte gequält, als ihn ein mageres Mädchen mit violetten Haaren begeistert an sich drückte.

„Du bist doch der eine, ne? Der Klaas von Pro7, ne? Kann ich ein Foto mit dir machen?“

„Klar...“

Klaas warf Joko einen Blick zu, der ihm mit Schmerz und Folter und eventuell mit Tod drohte und der mit einem lauten Lachen beantwortet wurde. Joko wusste, dass Klaas sich rächen würde, ganz bitter rächen. Aber nicht heute. Der Drehtag war fast vorüber und meistens konnte Klaas den Job vergessen, wenn sie alleine waren. Und ein paar Umarmungen würden ihn nicht direkt umbringen.

Dafür amüsierte es Joko ungemein, wenn hier und da mal laut gekreischt wurde vor Begeisterung, Klaas umarmen zu dürfen oder wenn Klaas hochgehoben wurde, so wie jetzt gerade. Der Kerl griff ziemlich beherzt zu und Joko prustete los, als er Klaas leise aufjaulen hörte. Und die Reihe war noch erfreulich lang! Klaas machte Jokos Schadenfreude jedoch einen Strich durch die Rechnung, indem er plötzlich kapitulierte.

„Okay, das reicht, ich geb auf!“, rief Klaas, hob beide Hände und verließ die Schlange. „Ich hab echt keinen Bock mehr und ich glaub, der da hat mir irgendwas ausgerenkt.“

Joko lachte wieder, wollte Klaas gerade damit aufziehen, dass er so leicht die Flinte ins Korn warf und ihm den Sieg schenkte und stutzte. Er hatte die Dixiklos ziemlich genau im Blick, als zwei junge Männer aus einer Kabine stolperten und sich hastig die zerknautschten Klamotten richteten. Vergeblich. Jeder, der nicht in einem fensterlosen Turm aufgewachsen war, konnte sich denken, was sie da drin getrieben hatten; einer von ihnen hatte sogar noch einen ziemlich deutlichen Ständer, wenn Joko nicht alles täuschte.

Er lachte leise in sich hinein, schaute genauer hin und runzelte irritiert die Stirn.

Irgendwoher kannte er die beiden. Er kam nur nicht drauf, woher...

„Hallo?! Hörst du mir zu, oder was?“

„Huh?“ Joko sah Klaas an, der ihm gegen die Schulter schlug, um seine Aufmerksamkeit zu erringen. „Wa- was hast du gesagt?“

„Dass ich aufgebe und du jetzt bitte dein Freudentänzchen aufführen kannst, damit wir hier endlich weg können!“

„Aha… äh, ja, sofort...“ Wieder ließ Joko seinen Blick über die Menge schweifen, aber die beiden Männer waren verschwunden. Joko streckte sich und fragte sich noch immer, wo er die beiden einzuordnen hatte. Spielten die bei Berlin Tag und Nacht mit? Oder in einer anderen Soap? Waren es Musiker, die schon mal bei ihnen aufgetreten waren? Joko kam nicht drauf und die Frage wurmte ihn irgendwie. Es war wie ein Jucken, an das man nicht heran kam, um sich zu kratzen. Er spürte Klaas' Blick noch immer auf sich und fühlte sich zu einer Erklärung genötigt:

„Da waren gerade zwei Typen, die ich irgendwoher kenne“, murmelte Joko abgelenkt und sah sich erneut um.

„Ja, spannend“, maulte Klaas ihn an. „Sieh zu, dass du die Abmoderation hinter dich bringst und komm mit!“

„Ja, aber...“, setzte Joko an, der die beiden ominösen Kerle vergaß und sich jetzt eher darüber sorgte, dass Klaas so pissig war, als er sich vor die Kamera stellte und knapp erklärte, dass er aufgab und Joko gewonnen hätte.

Olaf hielt daraufhin auf Joko, der eine Sekunde oder zwei brauchte, um sich zu fangen und eine halbwegs glaubwürdige Siegesrede zustande zu bringen. Doch kaum waren die Kameras aus, suchte er mit Blicken schon nach Klaas, der nicht mehr in der Nähe zu sein schien.

„Wo isser denn jetzt so schnell hin?“, fragte Joko möglichst unbeteiligt und zog sich die lächerliche Perücke vom Kopf, als Frank sich das Mikro über die Schulter hängte. Er deutete mit dem Daumen Richtung Brücke und balancierte dabei das Equipment.

„Ist schon mal zum Auto gegangen, glaub ich.“

Joko wandte den Kopf und schluckte. So hatte er sich den Abend eigentlich nicht vorgestellt. Im Gegenteil. Er hatte sich auf Sex im Hotelzimmer eingestellt und nicht auf Streit mit Klaas. Warum spann der jetzt eigentlich so herum? War doch eigentlich den ganzen Tag recht entspannt gewesen – bis jetzt. Hatten die vielen Umarmungen tatsächlich dessen Stimmung kippen lassen?

„Ich geh dann auch schon mal vor“, nuschelte Joko und schob sich an Thomas vorbei, der noch einen schnellen Blick auf die letzten gedrehten Bilder warf und nicht auf ihn achtete.

Joko war froh, dass es schon so dunkel war und die Verkleidung auch ganz gut tarnte, als er den kleinen Hügel hinaufging, um zum Van zu gelangen. Allerdings kam er nur bis zur Brücke, bevor sich warme Finger um sein Handgelenk schlossen und eine Spur fester zudrückten als nötig.

„Mitkommen, Winterscheidt“, knurrte Klaas ihn an. Klaas, der unkostümiert war und sich die dunkle Basecap tief ins Gesicht gezogen hatte. Er drückte Joko dessen Jacke in die Hand und zerrte ihn dann unwirsch hinter sich her.

„Hast du'n Rad ab?“, fragte Joko, der jetzt selbst ärgerlich wurde und riss seinen Arm zurück, um ihn aus Klaas' Griff zu befreien. Klaas' Finger glitten von seinem Handgelenk und Joko blieb stehen. „Ich weiß ja nicht, was du für'n Problem hast, aber...“

„Du. Du bist mein Problem. Schon den ganzen Tag lang“, zischte Klaas, drehte sich zu Joko um und kam dicht an ihn heran. „Hör auf zu quatschen und komm endlich mit. Ich hab doch vorhin nicht so schnell aufgegeben, um mit dir ne Runde zu plauschen!“

Joko starrte Klaas an, registrierte nebenher, dass der noch immer so lustig auf Pikachu geschminkt war und runzelte die Stirn. Er fragte sich, ob er diesen Blick gerade richtig interpretierte; immerhin war es ziemlich dunkel und die nächste Laterne stand ein Stück weit weg und... Joko wurde angestoßen, stolperte einen Schritt auf Klaas zu, hielt sich an dessen Schulterm fest, als er noch einmal angerempelt wurde und stand jetzt wirklich nahe genug, um sehr deutlich zu bemerken, dass Klaas nicht wütend war.

Er war steinhart.

„What the...? Alter, ernsthaft?“, fragte Joko ungläubig lachend. Klaas' Augen wurden schmal, als er wieder nach Jokos Handgelenk griff und ihn hinter sich herzog. Joko machte jetzt rein gar keine Zicken mehr. Er schwankte viel zu sehr zwischen Unglauben und Amüsement. Klaas war doch immer wieder für eine Überraschung gut. „Hier?“, flüsterte er grinsend. „Du willst es echt hier treiben?“

„Genau. Exakt hier an der Promenade“, zischte Klaas zurück und warf Joko über die Schulter einen Blick zu, der genervt wirken sollte, Joko aber heißkalte Schauder über den Rücken trieb, weil Klaas alles andere als sauer aussah.

Dabei überraschte es ihn nicht einmal wirklich. Klaas hatte schließlich den halben Tag bei jeder sich bietender Gelegenheit an ihm herum gefummelt. Und Joko fragte sich lächelnd, ob es an ihm, dem Rock oder der Tatsache lag, dass er unter besagtem Rock weiße Frauenunterwäsche an hatte. Er öffnete den Mund, um Klaas diese süffisante Frage zu stellen, als er wieder diese beiden jungen Männer sah, die vorhin aus dem Dixiklo gestolpert waren. Einer von ihnen lachte, ein dunkles, kehliges Lachen und Joko wusste plötzlich wieder, woher er den Kerl kannte.

„Genau! Das sind diese Typen von YouTube! Todd… Takl… Taddl!“, rief er triumphierend und grinste Klaas an, der ihm über die Schulter hinweg einen fragenden Blick zuwarf.

„Drück dich mal deutlich aus. Wer oder was ist ein Taddl?“

„Die Typen, die ich vorhin gesehen habe, das sind so 'Youtube-Stars'“, erklärte Joko und deutete Anführungszeichen mit den Fingern an. „Die Zwillinge, mit denen ich hin und wieder Videos gedreht habe, hatten mal Stress mit diesem Taddl.“

Joko war sehr zufrieden mit sich und – obwohl es absolut bescheuert und unwichtig war – auch erleichtert, dass er endlich drauf gekommen war, woher er zumindest einen der beiden kannte. Er hasste es, wenn ihm irgendwas auf der Zunge lag und er den Gedanken nicht so recht fassen konnte.

„Ja, faszinierend“, spottete Klaas und zog Joko weiter hinter sich her. „Willst du hin und dir ein Autogramm schnappen? Ist vielleicht irgendwann mal was wert.“

„Idiot“, kommentierte Joko grinsend, sah zurück zu Taddl, der sich irgendwie unanständig an seinen Kumpel presste und ihm an den Hintern langte. So war das also…

„Ey, ich glaub die beiden...“, setzte Joko grinsend an, wurde aber von Klaas unterbrochen, der immer schneller wurde und Joko ungeduldig hinter sich her zog.

„Jetzt mach endlich!“, motzte Klaas ihn an, als sie eine Brücke betraten. „Wir haben nicht ewig Zeit, bevor die anderen uns suchen.“

„Hier finden die uns eh nie“, prophezeite Joko, als sie die Brücke überquerten und einen schmalen Weg entlang gingen, der mitten hinein ins Unterholz führte. Dünne Äste knackten unter Jokos Füßen, als er Klaas in die Dunkelheit folgte. Das Licht der wenigen Laternen am Rand der Straße reichte nicht, um mehr von Klaas zu sehen als einen Schatten.

„Sinn der Sache“, brummte Klaas, drehte sich jäh um und zerrte Joko an sich. Der nicht einmal so tat, als wüsste er nicht, worum es hier ging und seine Arme um Klaas schlang, als sie sich endlich, endlich küssten. Darauf hatte er schon den ganzen Tag warten müssen. Und verdammt, das Warten hatte sich eindeutig gelohnt!

Wie immer brannten ein paar Sicherungen in Jokos Kopf durch, weil Klaas' Küsse einfach zu gut waren. Klaas stolperte rückwärts und Joko folgte ihm blindlings, war ganz verloren in dem Gefühl Klaas zu spüren, ihn zu schmecken und sich nicht mehr ständig zurück halten zu müssen, weil sie sich nicht verraten durften. Klaas' Hände glitten unter Jokos Rock, waren rau und weich in einem und Joko spürte das triumphierende Grinsen an seinen Lippen, als Klaas' Finger seine Erektion streiften, die nicht mehr ins knappe Höschen passte.

„Jetzt schon hart, Winterscheidt?“, raunte Klaas spöttisch, griff um Joko herum, grub seine Finger in seinen Hintern, um ihn näher an sich heran zu ziehen.

Joko zuckte nur die Schultern und schob Klaas erneut die Zunge zwischen die Lippen. Wozu leugnen? Er war hart, seit er begriffen hatte, dass Klaas nicht bis zum Hotel hatte warten wollen. Die Finger in Klaas' dunklen Haaren vergraben, drängte er sich ihm entgegen, rieb sich an ihm und wurde ein bisschen wahnsinnig, als Klaas dunkel an seinem Mund stöhnte. Da kam die alte, verwitterte Holzbank, über die sie beinahe fielen, gerade recht.

Joko stieß Klaas darauf und setzte sich ohne zu zögern auf seinen Schoß. Klaas zog ihm die Brille von der Nase und sie lachten, heiser, nervös und nur ganz kurz, bevor sie sich wieder wie zwei verknallte Teenager küssten. In Jokos Bauch stiegen ganze Schmetterlingsschwärme auf, als er Klaas' Arme spürte, die sich besitzergreifend um ihn schlossen, bevor dessen Hände zu seinem Hintern glitten und über den kühlen Satin strichen. Joko war froh über die Dunkelheit, weil ihm plötzlich bewusst wurde, wie abgefahren es war, dass er im Rock und Unterhöschen breitbeinig auf Klaas' Schoß hockte und vor lauter Verlangen nach diesem Mann fast den Verstand verlor.

Immerhin ging es nicht nur ihm so.

„Das hat mich den ganzen Tag schon total irre gemacht“, gestand Klaas ihm flüsternd und seine Finger glitten unter den weichen Stoff des Höschens, ließen Joko erschaudern und noch eine Spur härter werden. „Genau zu wissen, dass du dieses Teil an hast.“

„Hab ich gemerkt“, gab Joko grinsend zu, rutschte auf Klaas' Schoß herum, bis er dessen Gürtel erreichen und mit zitternden Fingern öffnen konnte. „Ich hätte trotzdem nicht gedacht, dass du so notgeil bist, gleich hier mitten im Busch zu vögeln.“

„Bis wir im Hotel sind, dauert's doch noch ewig. Und wer weiß, ob wir die anderen dann sofort loswerden“, gab Klaas zu und Joko hätte schwören können, da so etwas wie Verlegenheit heraus zu hören. Er beugte sich herunter und hauchte einen Kuss auf Klaas' Nase, dann auf seine Lippen und er schluckte jeden Spott herunter, der die Stimmung irgendwie hätte stören können.

Es amüsierte und faszinierte ihn, dass Klaas ihn so sehr wollte, dass er nicht einmal mehr warten konnte, bis sie im Hotel waren. Und es machte ihn ziemlich glücklich. Es war noch nicht lange her, da war er überzeugt gewesen, dass Klaas und er nie mehr als Freunde und Kollegen sein würden... und jetzt saß er hier irgendwo im Nirgendwo auf Klaas, während sie feuchte Küsse tauschten und so gierig aneinander herum fummelten wie pubertierende Jungs. Wer hätte gedacht, dass die Dinge sich mal so gut entwickeln würden.

Er zerrte an Klaas' Hose und hielt erst inne, als er ein leises Klicken hörte. Das Geräusch war vertraut und doch hatte Joko nicht damit gerechnet, es hier zu hören. Er unterbrach den Kuss, rang nach Luft und versuchte im Dunkeln etwas mehr von Klaas zu erkennen, als einen Schatten.

„Du hast an Gleitgel gedacht?“, fragte er schließlich verblüfft.

„'Türlich“, murmelte Klaas und Joko grinste, als ihn wieder dieses heiße Glücksgefühl durchfloss. „Ich... ist sonst ja echt unangenehm... also für mich und...“, stammelte Klaas und Joko neigte wieder den Kopf, um ihn mit einem Kuss zum Schweigen zu bringen.

Zärtlich jetzt, auskostend, den Moment der Nähe genießend. Weil Klaas das Gleitgel garantiert nicht für sich selbst mitgeschleppt hatte und weil es so verdammt Klaas war, diese Tatsache nicht zugeben zu wollen. Und weil Joko sehr verliebt war und es nicht anders zeigen konnte. Es nicht durfte, um Klaas nicht misstrauischer zu machen, als er manchmal schon war.

Er zischte, als er Klaas' Finger spürte, die unter sein Höschen schlüpften. Joko keuchte in den Kuss, wurde noch eine Spur härter, weil ihn die Geste so anmachte und klammerte sich an Klaas, als der kühles Gleitgel zwischen seinen Pobacken verteilte. Klaas unterbrach den Kuss, legte eine Hand an Jokos Wange und strich kurz mit dem Daumen darüber.

„Okay?“

„Bestens“, brachte Joko heraus und drängte sich Klaas' Fingern entgegen.

Er war scharf und ungeduldig und Klaas neigte dazu sehr vorsichtig zu sein, wenn Joko ihn ließ. Doch Klaas schien ihn zu verstehen, so wie er ihn oft verstand, ganz ohne Worte und schob einen Finger tief in Joko. Zischend holte Joko Luft, presste das Gesicht gegen Klaas' Hals und stöhnte unterdrückt, als Klaas ihm nur ganz kurz Zeit gab, sich daran zu gewöhnen, bevor er sich Joko entzog, um gleich darauf mit zwei Fingern einzudringen.

Es zog und es drückte und es fühlte sich seltsam an, wie immer am Anfang, aber Joko wusste, dass es besser werden würde. Viel besser. Arme fest um Klaas' Nacken geschlungen, entspannte Joko sich so gut es eben ging und presste seine Stirn gegen die von Klaas, als er noch einen weiteren Finger spürte und unwillkürlich lauter stöhnte.

„Immer noch okay?“, fragte Klaas und Joko spürte dessen freie Hand, die ihm die Haare aus der Stirn strich. Eine ganz simple, liebevolle Geste, die Jokos Herz viel zu schnell schlagen ließ.

„Alles gut“, gab er mit belegter Stimme zu und er stöhnte noch einmal, als Klaas jeden einzelnen Finger vorsichtig aus ihm zurückzog und mehr Gleitgel nahm. Er küsste Joko und war so behutsam, als täten sie das hier zum ersten Mal.

„Du musst nicht...“, setzte Joko lächelnd an und wurde von Klaas unterbrochen, der seine freie Hand in Jokos Nacken legte und ihn erneut auf den Mund küsste; hart, fast strafend.

„Ich weiß, dass ich nicht muss. Aber stell dir vor, ich hab... ich mein'... ich kann... ich... will dir dabei nicht weh tun, okay“, gab er widerwillig zu und Joko starrte ihn überrascht an, obwohl er in der Dunkelheit kaum etwas sehen konnte. Mit so einem Zugeständnis hatte er nicht gerechnet und ein klein wenig überforderte es ihn.

Es machte ihm wieder einmal viel zu viel Hoffnung, dass Klaas doch mehr für ihn empfinden könnte. Dass es hier nicht nur um einen unanständigen Fick ging.

„Das tust du nicht“, gab Joko schließlich leise zu, legte beide Hände an Klaas' Wangen und küsste ihn kurz. „Hast du auch noch nie.“

„Gut“, stellte Klaas leise fest und Joko glaubte ein Lächeln an seinen Lippen zu spüren, bevor Klaas an seiner Hose herum fummelte, die ihm in den Kniekehlen hing.

Joko schluckte, war sehr verliebt und glücklich und geil und griff nach Klaas' Schwanz. Das leise Knistern der Kondomverpackung mischte sich mit Klaas' zischend ausgestoßenem Atem und Joko grinste benebelt, als Klaas ihm das glitschige Kondom in die Hand drückte. Nicht sonderlich romantisch, aber das tat Jokos Stimmung keinen Abbruch. Erst recht nicht als Klaas wieder nach ihm griff, die seidene Unterhose nur zur Seite schob und mehr Gleitgel benutzte – unverschämt viel Gleitgel benutzte, um ehrlich zu sein – bevor er Joko bedeutete, die Hüften anzuheben.

Diese Stellung war neu für Joko, der sich langsam auf Klaas setzte und jedes scharfe Einatmen, jedes Keuchen, jedes unterdrückte Stöhnen mehr als nur genoss. Er liebte es, Klaas diese Laute zu entlocken. Er liebte es, wenn Klaas ihn anfasste, ihn an sich presste, wenn er irgendwann kapitulierte und heiser fluchend die Beherrschung verlor und hart in Joko stieß. Das machte jede Unannehmlichkeit, jedes Ziehen und jeden Schmerz mehr als wieder gut. Es machte Jokos Welt perfekt.

Joko lehnte mit einem Keuchen die Stirn gegen die von Klaas, schloss die Augen und hielt einen Moment inne, als er ihn ganz in sich spürte. Immer noch war es unbegreiflich für ihn, Klaas auf diese Art und Weise nahe zu sein. Es war berauschend wie eine Droge, wenn Klaas seinen Namen flüsterte, wenn seine Hände über Jokos Haut glitten. Joko spürte wie Klaas unmerklich zitterte, sie fahrig seine Finger ihn streichelten, wie ungeduldig er war und dass er sich nur um seinetwillen zurück hielt – weil er Joko Zeit geben wollte, die er gar nicht benötigte.

Die Stellung mochte ungewohnt sein, aber sie gefiel Joko schon jetzt, der sich aufrichtete und seine Lippen auf Klaas' presste. Es fühlte sich verdammt gut an – für sie beide, wenn er Klaas' Hände richtig interpretierte, die sich schmerzhaft fest in seine Hüften gruben. Die Lust war wie ein elektrischer Schlag, der Joko durch und durch ging, als Klaas jäh die Hüften hob und hart zustieß.

„Oh fuck, Klaas… ich...“, setzte Joko keuchend an und spürte plötzlich Klaas' Hand auf seinem Mund.

„Warte mal! War da was? Ey! Hör mal auf, ich glaub, ich hab da wen gehört“, flüsterte Klaas und kniff Joko in die Seite, als der sich einfach weiter auf ihm bewegte. Solange da niemand direkt neben ihnen stand und den Takt mitklatschte, war es Joko herzlich egal, ob es da noch andere Leute in den Büschen trieben. Jetzt plötzlich aufzuhören grenzte ja an seelischer Grausamkeit!

Aber er fügte sich widerwillig, spannte sich nur an und grinste, als Klaas ihn noch einmal warnend in die Seite kniff, während sie beide lauschten.

Doch da war nichts. Nichts zu hören, außer entfernten Rufen und Lachen und dem Wind, der durch die Bäume glitt.

„Da ist keiner“, raunte Joko ganz dicht an Klaas' Ohr und leckte kurz über dessen Hals, lachte, als er dessen Schaudern spürte. „Und selbst wenn, hier ist es stockdunkel, da erkennt uns eh keiner.“

„Hoffentlich“, nuschelte Klaas und stöhnte wieder, als Joko sich auf ihm bewegte. „Du...

„Kannst du jetzt endlich mal deinen Kopf ausschalten?“, bat Joko und es klang nicht ganz so bissig wie gewollt.

Klaas stockte, flüsterte etwas, das nach einem „'kay“ klang und schlang die Arme um Joko, der Klaas küsste. Und sich wieder auf ihm bewegte, langsam erst, dann schneller, immer schneller; er konnte spüren, wie Klaas sich ihm entgegen drängte. Er konnte Klaas' Gier spüren, die Spannung, die zwischen ihnen war. Er genoss es, wie Klaas die Finger in seine Haut grub, wie er stöhnte, keuchte, wie fahrig seine Bewegungen waren, als er zwischen sie griff und Jokos Schwanz umfasste. Sein Daumen presste sich auf Jokos Eichel, verteilte sanft reibend die klebrige Flüssigkeit und Joko warf kapitulierend den Kopf in den Nacken.

Pure Lust durchfuhr ihn wie ein Peitschenhieb und er machte nicht einmal den Versuch, lange durchzuhalten. Klaas fasste härter zu und Joko sackte auf ihm zusammen. Er vergrub das Gesicht an Klaas' Hals und ließ sich gehen. Er wusste, dass er keine Chance hatte und er wollte sie auch nicht. Klaas kannte ihn zu gut, wusste inzwischen einfach zu genau, was ihm gefiel, wie er ihn anfassen musste, wie er ihn dazu bringen konnte, für ihn zu stöhnen, zu keuchen und zu kommen.

Jokos Finger klammerten sich an Klaas' Schultern fest, als Hitze und Verlangen unerträglich wurden und Klaas' Hand ihm den Rest gab. Er presste seine Lippen auf die von Klaas, als er über dessen Hand kam. Die Welt um ihn herum wurde grau und bedeutungslos und nur Klaas war da und real und konstant, als er stöhnte, sich anspannte und kaum zwei Herzschläge länger brauchte, um in Joko zu kommen.

Er zog Joko an sich, stieß noch ein, zweimal ungelenk in ihn und Joko grinste, war seltsam glücklich und stolz, weil er Klaas wieder einmal dazu gebracht hatte, sich selbst zu vergessen. Er lehnte sich erschöpft an Klaas, tauschte träge Küsse mit ihm und noch trägeres Streicheln und wünschte sich, sie hätten doch bis zum Hotel gewartet.

So aufregend Sex im Freien auch war, Joko hätte jetzt für ein weiches Bett und die Möglichkeit direkt in Klaas' Armen einzuschlafen getötet. Sehr widerwillig löste er sich von Klaas, stand auf und blinzelte verblüfft, als Klaas nach ihm griff, ihn zu sich herunterzog und noch einmal schnell küsste.

„Bild dir nix drauf ein, Winterscheidt“, flüsterte Klaas lächelnd an Jokos Mund. „Ohne küssen ist's so unromantisch.“

„Genau“, lachte Joko und zerrte Klaas von der Bank hoch. Du bist ja eh der große Romantiker von uns beiden. Das ist mir gleich aufgefallen.“

Sie lachten beide, als sie sich die Klamotten so gut es ging zurecht zupften, gemeinsam Jokos Brille suchten und sich aus dem Unterholz zurück zu dem kleinen Weg kämpften. Klaas deutete lachend auf Jokos Rock, der arg zerrupft aussah und selbst im schummrigen Licht der fernen Laterne ziemlich eindeutige Spermaspuren aufwies. Verdammt, das würde nicht mal seine Jacke verdecken können.

„Alter, du siehst aus, als würdest du von nem Pornoset kommen. Wie erklären wir das den anderen?“

„Wir sagen einfach, ich hab mich so sehr über meinen Sieg gefreut, dass ich spontan über meine Klamotten ejakuliert habe“, spottete Joko. „Oder wir fahren mit dem Taxi ins Hotel und verdrücken uns ganz schnell auf's Zimmer. Du siehst nämlich nicht viel besser aus als ich.“

Er zupfte an Klaas' Shirt herum, das mindestens so viel Sperma wie Jokos Rock abbekommen hatte und vergaß zu erwähnen, dass Klaas mit dem verschmierten Pikachu-Makeup mindestens so lächerlich aussah wie er selbst. Weil Klaas ihn plötzlich an sich zog, um ihn zu küssen und noch ein bisschen an ihm herum zu tatschen, während sie rückwärts auf die Straße zu stolperten. Als das verräterische Licht der Laternen näher kam, ließ Klaas ihn seufzend los und Joko musste sich beherrschen, ihn nicht direkt wieder an sich zu ziehen.

Er ging vor Klaas her, zog sich seine Jacke über und versuchte einen möglichst seriösen Eindruck zu machen, als er den Weg betrat und noch einmal an seinem Rock zerrte, der zerknittert und eingerissen und voller weißer Flecken war. Er hoffte wirklich, dass sie gleich nicht zu vielen Leuten begegnen würden und die Düsseldorfer Taxifahrer diskret waren.

Und dann stutzte er, als er fast in das Paar hineinrannte, das mitten auf dem Weg stand und selbstvergessen knutschte. An und für sich nichts Ungewöhnliches. Nicht einmal die Tatsache, dass es zwei Typen waren. Aber Joko schnappte erschrocken nach Luft, als er die beiden jungen Männer erkannte, die just in diesem Moment aufhörten, sich zu küssen und Klaas und ihn anstarrten. Joko konnte im Licht der nahen Laterne die Überraschung auf ihren Gesichtern sehen – und sie konnten Klaas' und seinen derangierten Zustand vermutlich ebenso gut erkennen.

Joko blinzelte und spürte wie ihm unangenehm heiß wurde, als er das Erkennen in Taddls Augen sah. Verdammter Mist! So viel zu seiner Hoffnung, unerkannt mit Klaas im erstbesten Taxi verschwinden zu können. Er schluckte, als Klaas hinter ihm aus dem Unterholz kam und brummelnd anmerkte, dass Joko ihm das Lieblingsshirt versaut hatte, bevor auch Klaas bemerkte, dass sie nicht so allein waren wie gehofft.

Joko starrte Taddl und dessen Freund noch immer fassungslos an, die zurück starrten und keinen Ton sagten. Nur Taddls Augen wurden jäh schmal, als er anscheinend begriff, was vor sich ging und langsam die Lippen zu einem Lächeln verzog. Scheiße.

Joko schluckte und spürte plötzlich Klaas neben sich, der sich räusperte und ein „N'Abend“, raunte, bevor er Joko einen leichten Schubs gab und ihn vor sich herschob. Joko wandte den Kopf und sah zurück zu den beiden Typen, die ihnen nachsahen und leise miteinander sprachen. Jetzt wusste er auch wieder, wer der andere Kerl war. Der war früher auch immer in Taddls Videos herum gesprungen, wenn Joko nicht alles täuschte.

„Die haben uns nicht erkannt“, murmelte Klaas und es klang mehr hoffend als alles andere. „Und wenn, dann… haben die keine Ahnung, was da zwischen uns gelaufen ist und vor allem keine Beweise.“

„Die wissen genau, wer wir sind und was wir miteinander getrieben haben“, sagte Joko seufzend und sah noch einmal zurück. Doch sie waren bereits um die Ecke gebogen und konnten Taddl und seinen Freund nicht länger sehen. „Das waren die zwei, von denen ich vorhin gesprochen habe. Die immer Stress mit den Zwillingen hatten.“

„Na super“, seufzte Klaas, blieb stehen und sah Joko streng an. „Dann hoffe ich mal, dass du es dir mit den beiden Typen da hinten nicht verscherzt hast.“

„Kein Plan, ich… ich glaub nicht, dass sie uns verraten“, überlegte Joko leise und blickte wieder zurück. „Ich mein, die müssten doch wissen, wie das ist... oder?“ Er konnte sich zumindest denken, dass sie es wussten wie es war, wenn man ständig auf jeden Blick, jede Geste achten musste... soweit Joko wusste, war es zwar ruhig um die beiden geworden, aber nicht so ruhig, dass es wirklich gar niemanden interessierte, was sie miteinander trieben. Vor allem Taddl stand wohl noch immer in der Öffentlichkeit.

„Warte mal kurz“, bat Joko, drückte kurz Klaas' Hand, bevor er sich umwandte und zurückging. Hinter sich hörte er Klaas leise aufstöhnen, bevor er ihm folgte.

„Joko, echt, was hast du denn jetzt schon wieder vor? Mach's nicht schlimmer, als es schon ist.“

„Nee, keine Sorge“, murmelte Joko, als er um die Ecke bog und erleichtert ausatmete, weil die beiden immer noch unter der Laterne standen. Er hob die Hand, als sie zu ihm herüber blickten und versuchte zu verdrängen, dass er absolut lächerlich aussah, als er auf sie zueilte. Er konnte die Überraschung auf ihren Gesichtern sehen, als er nahe an sie herantrat und unsicher lächelte.

"Hi, Jungs, hört mal. Ich will gar nicht lange stören und ich weiß, dass ihr wisst wer wir sind und wir wären euch echt dankbar, wenn ihr unser kleines Zusammentreffen für euch behalten könntet."

Joko wischte sich nervös die Haare aus der Stirn und betrachtete die beiden jungen Männer, die nur mal kurz ihr Handy zücken müssten, um Klaas' und sein Leben ziemlich aus der Bahn zu werfen. Taddl räusperte sich und wusste Jokos Sorgen mit einem kurzen Nicken zu zerstreuen.

„Ja... sicher, äh... Ardy und ich kennen das, ist echt kein Problem.“

Joko atmete erleichtert aus und wollte sich gerade bedanken, als Taddl mit einem Grinsen fortfuhr:

„Aber hey... auch kein Wort über uns irgendwo, klar? Dass die ganzen kreischenden Teenager nen Nervenzusammenbruch kriegen kann ich echt nicht gebrauchen.“

Joko blinzelte und nickte dann. Er wusste, dass sogenannte YouTube Stars eine ziemlich große Reichweite haben konnten, wenn sie nur bekannt genug waren. Und vermutlich waren da auch ein paar Fans darunter, die den ganzen Hype ein bisschen zu ernst nahmen. Da wären vielleicht wirklich Nervenzusammenbrüche vorprogrammiert.

„Abgemacht.“ Er sah Ardy lächeln, murmelte ein „Danke“ und wandte sich ab, um zu Klaas zurück zu gehen, der im Schatten auf ihn wartete und unruhig seine Hände knetete; ein untrügliches Zeichen dafür, dass ihm die Situation mehr als unangenehm war.

„Und Joko...“

Joko stockte mitten im Schritt und wandte sich schnell um, als er Taddls dunkle Stimme hinter sich hörte. Was kam jetzt noch?

„Huh?“, machte er und schob sich mit zitternden Fingern die Brille höher auf die Nase, als er Taddl betrachtete, der ihn frech angrinste.

„Klang nach ner Menge Spaß bei euch, lasst euch das nicht versauen.“

Joko schluckte, öffnete den Mund und lachte schließlich leise, als Taddl ihm zuzwinkerte, einen Arm um seinen Freund legte und mit ihm gemeinsam in die entgegengesetzte Richtung schlenderte. Joko sah ihnen noch einen Moment lang nach und beneidete sie glühend. Sie waren jung und frei und so offensichtlich verliebt wie Joko es nicht sein durfte.

„Meinst du echt, die halten dicht?“, fragte Klaas, der hinter ihn getreten war und den beiden schlanken Schatten nachsah, bis sie um eine Biegung verschwanden. Joko hörte die Spannung aus seiner Stimme heraus und nickte kurz.

„Ja, ich denke schon. Die haben ja nichts davon, uns auffliegen zu lassen.“

„Vor allem haben sie keine Beweise in Ton und Bild“, stimmte Klaas ihm zu und klang gleich ein wenig entspannter.

Joko grinste ihn an, dachte bei sich, dass das vermutlich nicht der Grund war, warum die beiden schweigen würden, als sie gemeinsam ein Stück weiter gingen und schließlich am Rheinufer stehen blieben. Um sie herum war alles still und dunkel. Joko blinzelte überrascht, als die ersten Raketen des Feuerwerks in den Himmel stiegen und grelle Lichter vor seinen Augen tanzten.

Er lächelte, als er sich der Romantik des Augenblicks bewusst wurde. Der perfekt wäre, wenn er nicht in einem völlig zerrupften, spermabeschmierten Cosplaykostüm stecken würde und Klaas verschmierte rote Wangen und eine schwarze Nasenspitze hätte. Sie mussten ein ganz schön verrücktes Paar abgeben. Leise lachend senkte Joko den Kopf, sich der Ironie durchaus bewusst und griff nach Klaas' Hand. Eine ganz unwillkürliche Geste, über die er so wenig nachdachte wie über den nächsten Atemzug.

Doch Klaas zerstörte den Moment so wirkungsvoll wie eine Abrissbirne ein Hochhaus. Er entzog Joko seine Hand und trat einen Schritt von ihm fort. Aber am schlimmsten war dieser entsetzte Blick, mit dem er Joko ansah.

„Spinnst du? Reicht es nicht, dass wir gerade schon aufgeflogen sind? Wer weiß, wer hier noch alles im Busch herumsteht!“

Joko sah Klaas einen Moment lang an und wusste nicht, ob er ihm wütend den Mittelfinger zeigen und einfach gehen sollte, weil Klaas es so spielend schaffte, einen wirklich guten Tag mit zwei Sätzen völlig in Schutt und Asche zu legen. Ihm war sehr danach. Ihm war aber genauso danach, Klaas am Kragen zu packen und noch einmal um den Verstand zu küssen. Oder ihm die Nase zu brechen. Alles wirklich nette Möglichkeiten.

„Sorry“, brachte er mühsam hervor und wandte sich wieder dem Feuerwerk zu, das wunderschön anzusehen war und für das Joko keinen Sinn mehr hatte. Er war müde und enttäuscht und er fror und wollte einfach nur in irgendein Hotel, um da ins nächstbeste Bett zu kriechen. Ohne Klaas vermutlich. Der spann ja wieder mal. Und er sah ihn an, als hätte Joko die verfluchte Pest.

„Joko...“

„Lass stecken“, knurrte er, ballte die Hände zu Fäusten und hörte neben sich ein Feuerzeug klicken, als Klaas sich eine Zigarette anzündete. Übersprungshandlung. Das tat Klaas immer, wenn er erst mal nicht weiter wusste. Joko presste die Lippen zusammen und verschränkte die Arme vor der Brust. Er hätte jetzt wirklich gerne irgendetwas anderes angehabt, als dieses dämliche Kostüm. Er fühlte sich nackt und verletzlich und das lag nicht daran, dass ihm der kühle Nachtwind durch die bloßen Beine strich. Es lag an Klaas, der schwieg und es immer schlimmer machte.

Er hörte Klaas neben sich leise Rauch einatmen und fühlte sich beschissen. Dabei schalt er sich selbst einen Trottel. Immerhin hatte er gewusst, worauf er sich einließ. Er hatte von Anfang an gewusst, dass Klaas keine romantischen Gefühle für ihn hegte. Doch Joko war so fürchterlich verknallt und darum verdrängte er diesen Fakt immer wieder. Klaas erwähnte es zwar oft genug, aber inzwischen war es für Joko fast zur Gewohnheit geworden, so zu tun, als würde es ihm ebenfalls nur darum gehen. Um den Sex und den Kick, mit Klaas zu schlafen und nicht darum, dass er so schrecklich verliebt in ihn war, dass es ihn eines nicht allzu fernen Tages in den Wahnsinn treiben würde. Vielleicht war es auch langsam aber sicher an der Zeit, Klaas entweder zu sagen, was Sache war oder es zu beenden. Nur, dass der Gedanke an ein Ende allein reichte, Joko in völlige Panik zu versetzten. Er wollte nicht, dass es endete. Er wollte es auskosten, solange es dauerte. Jede einzelne schmerzhafte Sekunde. Er wollte...

Joko schüttelte den Gedanken ab, ließ die Arme sinken und wollte sich abwenden. Wurde Zeit, dass sie zum Hotel zurück kehrten. Und sie mussten sich auch bei Thomas und den anderen melden, bevor die eine Suchmannschaft los schicken würden. Joko wandte sich ab, machte einen Schritt und erstarrte, als er Klaas' Finger spürte, die nach seiner Hand griffen und kurz zudrückten.

Er sah Klaas an, der den Blick auf das Feuerwerk gerichtete hatte und lächelnd rauchte, als er noch einmal Jokos Hand sanft drückte. Und damit alle düsteren Gedanken, die Joko keine fünf Sekunden vorher gehabt hatte, verscheuchte. Er war eben ein verknallter Trottel, der wieder einmal viel zu schnell klein beigab.

„Sorry“, murmelte Klaas. „Ich bin manchmal ein Arsch.“

„Manchmal?“, spottete Joko liebevoll, stieß Klaas an und vergaß die Wut und die Enttäuschung und ihr Team, als er sich an ihn lehnte und die Farben des Feuerwerkes genoss, das über dem Rhein abfeuert wurde. Er hörte Klaas neben sich lachen, leise und rau und war sicher, dass er in dieser Nacht nicht allein schlafen würde. Dass Klaas und er noch einmal eine Menge Spaß haben würden. Aber vorher gab es da etwas, was er ihm unbedingt sagen musste...

„Klaas?“

„Mhm?“

Klaas wandte den Kopf, sah Joko fragend an, der sich amüsiert auf die Lippen biss, bevor er sich zu ihm beugte und einen Kuss auf Klaas' Nase hauchte, die schwarze Schminke darauf noch ein wenig mehr verschmierte.

„Ich steh' irgendwie auf diese schwarze Nasenspitze“, gab er zu und grinste, als Klaas entsetzt die Augen aufriss.
Benutzeravatar
Ria
Forum Admin
Forum Admin
Beiträge: 6624
Registriert: 08.2010
Geschlecht: weiblich


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron