Es beginnt vor deinen Füßen [JoKla]

Es beginnt vor deinen Füßen [JoKla]

Beitragvon Soronya » 12. Sep 2015, 15:45

Hallo :)

Ich hab mich dann auch mal entschieden, hier meine Story aus dem JoKla-Fandom zu posten, falls das wer lesen möchte :D
Ein großer Dank geht an Ria, die mir beim Plotten hilft und alles Beta-liest :) Du bist ein Schatz :knuff:
Viel Spaß beim Lesen :)




1) "Ey, pass doch auf!"

Das Handy in seiner Hosentasche klingelte und Joko schob seinen Einkaufswagen kurz zur Seite, um es herauszufischen und ranzugehen.

„Hey Thomas!“, begrüßte er seinen guten Freund am anderen Ende der Leitung.

„Hallo Joko! Na, alles klar bei dir?“

„Alles super. Ich kaufe gerade für Freitag ein. Bock auf irgendwas bestimmtes?“, fragte er, während er einige Konserven in die Hand nahm und sie kritisch betrachtete.

„Solang Bier da ist, bin ich zufrieden“, lachte Thomas.

„Klar. Was denkst du denn?“

„Sehr gut. Sag mal, warum ich eigentlich anrufe: Ich wollte fragen ob ich noch ´nen Kumpel mitbringen kann am Freitag. Oder ist die Bude schon voll?“

„Ne, kannste ruhig machen. Wer ist das denn?“, erkundigte sich Joko, während er für eine ältere Dame seinen Einkaufswagen an die Seite schob, damit sie an das Regal kam. Sie packte Rotkohl und Sauerkraut ein und bedachte Jokos lautes Telefonat mit einem Kopfschütteln.

„So ein Typ den ich mal in Hamburg kennengelernt habe. Ist gerade in Berlin. Wir wollten uns eh mal wiedersehen und ich glaube, du findest ihn auch ganz lustig“, erklärte Thomas.

„Na dann lass ich mich mal überraschen.“

„Okay. Dann wohl bis Freitag. Sieben oder acht?“

„So dazwischen?“

„Gut, dann bis dann!“

„Ciao!“

Freitag würde ein cooler Abend werden, dachte Joko. Ein paar Bier vernichten, Bundesligaauftakt, Tiefkühlpizza.

Er drehte den Einkaufswagen mit etwas zu viel Schwung, übersah den Mann, der sich neben ihm am Regal zu schaffen machte, um an ein Glas Apfelmus heranzukommen, dass außerhalb seiner Reichweite lag, und rammte ihm den Wagen in die Hüfte. Das Glas Apfelmus, das er sich mühsam geangelt hatte, rutschte dem Mann aus der Hand und fiel in Zeitlupe zu Boden.

„Au! Ey, alter, pass doch auf, du Bewegungslegastheniker!“, schimpfte der Mann, ein kleiner Dunkelblonder mit leichtem Bart.

„Ja, sorry, tut mir leid, ich –“

„Ja nix, tut mir leid, ich“, äffte er ihn nach, „Du bist auch so’n Ferrero-Küsschen-Anbieter, oder? Das Blockflötengesicht dazu hast du ja.“

Joko konnte nicht anders. Er musste grinsen. Die Beleidigungen, die ihm da an den Kopf geworfen wurden, waren einfach zu komisch.

„Findest du das jetzt noch witzig, oder was?“

„Nein“, entgegnete Joko schnell, grinste aber immer noch.

„Weißte, am Sonntag hab ich auch Zeit, da versuch ich drüber zu lachen.“

„Super. Dann komm ich Sonntag vorbei und wir lachen zusammen“, witzelte Joko.

„Ja sehr witzig, du Buchstabenkasper. Jetzt hol mal lieber so ´ne Pappnase die jetzt hier sauber macht. Und gib mir ein neues Glas Apfelmus.“

Komm, diskutier nicht, dachte Joko, holte das Glas aus dem Regal und drückte es ihm in die Hand. „Hier! Viel Spaß damit.“

Joko ging an ihm vorbei und suchte die Regalreihen nach einem Mitarbeiter ab, der hoffentlich schnell das Malheur beseitigen konnte. Nach kurzer Zeit lief er bereits mit einer etwas älteren, dezent untersetzten Frau mit Putzeimer und Wischmopp im Schlepptau zurück.

Der andere Mann wartete tatsächlich noch dort, wo der Unfall passiert war und sah Joko aus schmalen Augen an. Wenn Blicke töten könnten, wäre Joko wohl in dem Moment in Flammen aufgegangen und zu Staub zerfallen.

„Tut mir sehr leid“, sagte Joko zu der Frau, „uns ist da ein kleines Missgeschick passiert, das –“

„Uns?“, fauchte der Mann dazwischen, „Dir, du Spülsteinmatrose.“

„– Glas werde ich selbstverständlich ersetzen.“

„Ist schon in Ordnung, junger Mann. Erledigen Sie Ihren Resteinkauf.“

„Vielen Dank“, erwiderte Joko höflich und nahm seinen Einkaufswagen, um endlich weiter einzukaufen. Dabei musste er erneut in sich hinein grinsen. Spülsteinmatrose, also ehrlich. Wer dachte sich solche Sachen aus?

„Ey, glaubst du, du kannst dich einfach so verpissen, du Turnbeutelverlierer?“

Joko drehte sich um und seufzte. Wie konnte ein einzelner Mensch so ein Theater um diese Situation machen? „Ja?!“, gab er genervt zurück. „Was willst du denn noch? Schadensersatz? Oder doch Gnadenschuss? Ich hab heute auch noch andere Sachen vor, als mich hier mit einem dahergelaufenen Miesepeter rumzuschlagen, dem ich versehentlich und mit nachfolgender Entschuldigung meinen Einkaufswagen in die Hüfte gerammt hab. Ja, das tut weh, ja, das war dumm von mir, aber lange kein Grund, sich so anzustellen.“

Nun war er auch angepisst. Toll. Dabei war heute nicht mal ein so schlechter Tag gewesen. Aber jetzt würde er sich den restlichen Abend über diesen Blödmann ärgern.

„Von mir aus zisch doch ab“, entgegnete der andere. „Dann muss ich dich wenigstens nicht mehr sehen. Jedem das, was er verdient.“ Damit drehte er sich um und ging, sein Glas Apfelmus in der Hand.

„Jedem das, was er verdient“, äffte Joko leise nach und verdrehte die Augen. Der Typ hatte doch mit dem ganzen Gekeife angefangen wie ein altes Waschweib. Nicht aufregen, dachte er sich. Denk an Freitag.

„Vielen Dank“, sagte er noch zu der Mitarbeiterin, die gerade mit Saubermachen fertig war. Sie lächelte ihn kurz an und nickte ein Auf Wiedersehen.

Joko besorgte noch den Rest, der auf seiner Einkaufsliste stand, bezahlte, und war froh, als er den Laden endlich verlassen konnte. Wie noch nie freute er sich auf sein Sofa zuhause und das abendliche immer gleich bleibende und vor allem langweilige Fernsehprogramm. Obwohl er echt kein Mensch der Langeweile und Gleichgültigkeit war, gab es so Tage, an denen es schon genug Aufregung gegeben hatte. Wie heute zum Beispiel.

Auf dem Weg nach Hause drehte er die Musik so laut, dass jeder andere Normalsterbliche wohl schlagartig einen Hörsturz erleidet hätte. Gottseidank war er allein im Auto.

Zuhause gab es Ravioli und Bier zum Abendbrot. Seine Kochkünste waren eher bescheiden, weswegen eine selbst zubereitete Tomatensoße zu Spaghetti oft schon ein Wunder war. Das Bier hingegen beruhigte einfach nur sein Gemüt.

Im Fernsehen lief irgendeine neuartige Gameshow, die bestimmt nach drei Ausstrahlungen auf einen anderen Sendeplatz verlegt werden würde. Besonders geistreich oder innovativ war sie zumindest nicht.

Also genau das, was Joko jetzt brauchte. Verdammt, dachte er sich, warum kann nicht endlich Freitag sein? Das Wochenende schien gerade meilenweit entfernt. Trotzdem, oder gerade deswegen, öffnete er noch eine weitere Flasche Bier und ließ den Abend damit ausklingen, sich auf YouTube bescheuerte Videos reinzuziehen und darüber zu lachen.
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Re: Es beginnt vor deinen Füßen [JoKla]

Beitragvon Soronya » 16. Sep 2015, 17:49

Hey!

Ich stelle begeistert fest, dass es jetzt einen eigenen Thread für JoKla gibt - sehr cool :) Da poste ich doch gleich mal das 2. Kapitel hier :)




2) "Womit habe ich das verdient?"

Woah. Endlich Wochenende.

Die letzten beiden Tage hatten Joko echt viel Durchhaltevermögen und Ruhe gekostet. Nach Mittwochabend und dem dort vorgefallenen Einkaufswagen-Unfall ging es mit seiner Laune gefühlt nur noch bergab.

Gestern, am Donnerstag, gab es bei seiner Arbeit nur Ärger. Die Quoten für die Fernsehshow, für die er Abläufe, Ideen und Gags schrieb, sanken seit letztem Monat und irgendwie gab es kein Ausblick auf Besserung. Natürlich gab man ihm die Schuld. Natürlich musste ihm das gestern jeder drei Mal aufs Brot schmieren. Natürlich wurde er zum Chef geordert.

Dass er aber fest davon überzeugt war, dass es am Wechsel des Moderators lag, der zur Konkurrenz gegangen war, interessierte anscheinend niemanden.

Also schön auf Herrn Winterscheidt rumhacken, das ist viel einfacher, als darüber nachzudenken, dass manche TV-Formate mit den Persönlichkeiten stiegen und fielen.

Und heute? Naja, der Tag war nicht viel besser gewesen. Zwar hatten seine lieben Kollegen und Kolleginnen als auch sein Chef davon abgelassen, ihm auf die Nerven zu gehen, aber richtig produktiv war er nicht. Und den Spaß an der Sache hatte er irgendwie auch verloren. Hauptsache, das legte sich bis Montag wieder. Sonst konnte er bald auf Jobsuche gehen.

Seufzend stieg er die Treppenstufen zu seiner Wohnung hinauf. In ein paar Stunden würde Thomas endlich da sein und sie könnten ihre Zeit mit Fußballgucken und Biertrinken verbringen, anstatt über nervige Alltagsprobleme zu diskutieren.

Er betrat seine Wohnung, schmiss seine Sachen in die Ecke und atmete einmal tief durch. Dann vergrub er seine miesen Gedanken in einer hinteren und dunkleren Ecke in seinem Hirn und schaltete die Musikanlage ein.

Die fantastischen Vier begannen zu singen und Jokos Laune besserte sich mit der Musik schlagartig.

Während er die Bude soweit aufräumte, dass man nicht an jeder Ecke über schmutzige Wäsche stolperte und Besteck und Geschirr in die Spülmaschine wanderten, trällerte er lauthals mit. Gottseidank hörte ihn niemand. Sein Gesang war furchtbar, auch, wenn er sich nicht dafür schämte.

Generell würde er behaupten, dass seine Hemmschwelle sowieso sehr niedrig lag. Auch, wenn er das nicht auslebte und grundsätzlich eher auf die Menschen in seiner Umgebung Rücksicht nahm.

Wenig später war alles soweit fertig. Die Biere waren schon seit heute Morgen kalt gestellt, die Pizza lag im Tiefkühlschrank, die Bude war vorzeigbar und endlich, endlich konnte Joko sich auf sein großes Sofa fläzen und entspannen.

Mit geschlossenen Augen lag er auf der Couch, hörte Musik und spürte förmlich, wie der Stress von ihm abfiel.

Viel Zeit für sich hatte er allerdings nicht. Schon nach sechs Liedern klingelte es an der Haustür.

„Na, wer das wohl sein mag“, grinste er in sich hinein und ging zur Gegensprechanlage, um seinen Besuch hereinzubitten.

„Penisverlängerungszentrum Berlin Mitte, Winterscheidt am Apparat, schönen juten Tach, was kann ick für Sie tun?“, sprach er in perfektem Berliner Dialekt in den Hörer und erntete einen Lacher.

„Schmitt hier, ich wollte mich mal erkundigen, ob für meinen Kumpel hier noch schnell ´n Termin zur OP möglich ist!“, begrüßte ihn Thomas durch die Sprechanlage.

Joko lachte. „Das wird sich zeigen. Kommt hoch, ihr zwei!“

Er drückte den Summer und öffnete schon mal seine Wohnungstür. Die Musik wurde aus-, der Fernseher eingeschaltet und das Bier nahm er aus dem Kühlschrank, um es seinen Gästen gleich in die Hand zu drücken.

Als er aus der Küche kam, drei Flaschen Krombacher in den Händen, stand sein Besuch bei ihm im Flur.

„Hi, schön, dass ihr da seid, ich freue mich scho–“

Joko ließ vor Schreck fast das Bier fallen. Er konnte nicht glauben wer da neben Thomas in seiner Wohnung stand. Nach mehrmaligem Blinzeln verschwand der Typ allerdings immer noch nicht.

„Das ist nicht dein Erst“, fragte er Thomas in strengem Tonfall und deutete auf dessen Freund, der ihn ebenso wie ein Auto anstarrte und nicht zu wissen schien, wen er zuerst ankeifen sollte.

„Wieso bringst du diesen Typen mit in meine Wohnung? Ich glaub es hackt?!“, maulte er und stellte die Bierflaschen auf die Anrichte.

„Ganz locker, ja?“, pampte der Typ, der sich nun ein Stück nach vorne schob. Der Typ, den er im Supermarkt umgefahren hatte. Der Typ, der ihm unsagbar bescheuerte Beleidigungen an den Kopf geworfen hatte. Dunkelblonde Haare, leichter Bart, winzig – ja, kein Zweifel möglich. Was machte dieser Klappspaten hier und wieso kannte er Thomas?

„Wenn ich gewusst hätte, dass ich hier auf so einen Wollsockenträger wie dich treffe, wäre ich bestimmt nicht mitgekommen.“

„Jetzt hör mal zu, du Giftzwerg – das sind meine vier Wände, und wenn dir hier was nicht passt, dann“, er machte eine ausladende Geste Richtung Tür, „ist da der Ausgang.“

„Ich bin ganz sicher nicht wegen dir hier, du Flusendödel“, fauchte sein Gegenüber. „Was kann ich ahnen, dass Thomas mit so einem dumpfbackigen Strichmännchen befreundet ist?“

Thomas sah derweil zwischen ihnen hin und her wie eine Katze einem Ping-Pong-Ball. Bevor Joko jedoch zu einer erneuten Retourkutsche ausholen konnte, meldete er sich zu Wort. „Okay, Time-Out! Hört ihr, Time-Out!“, brüllte er dazwischen. „Joko, komm mal mit in die Küche.“

Einen bösen Blick auf den Giftzwerg werfend, folgte Joko seinem Freund genervt und schloss die Tür hinter sich.

„Womit habe ich das verdient?“, heulte er los, noch bevor Thomas auch nur den Hauch einer Chance hatte, zu fragen, was eigentlich los war. „Das ist sowas von nicht fair, Thomas. Der Abend hätte so schön werden können.“

„Kannst du dich bitte mal erklären?“, fragte Thomas genervt und lehnte sich gegen die Küchenzeile.

Seufzend strich sich Joko durch seine Haare. „Ich hab dir doch von dem Typen bei Real erzählt?“

„Ja, mehr als ein Mal.“

„Super. Der Typ, den du mit in meine Wohnung geschleppt hast, ist genau derselbe Typ aus dem Supermarkt.“

„Klaas ist der Typ, dem du den Einkaufswagen in die Rippen gehauen hast?“, wollte Thomas ungläubig wissen.

„Wie auch immer er heißen mag“, maulte Joko. „Er ist ein riesen Arsch! Ich hab mich entschuldigt! Aber ihm ist das egal. Hauptsache mich fertig machen. Was für ein egoistischer Idiot!“

„Jetzt komm mal wieder runter von deinem Ross. Vielleicht hatte er ja nur einen schlechten Tag“, versuche Thomas ihn zu beschwichtigen. „Gib ihm eine Chance. So, wie du sagst, kenne ich Klaas sonst gar nicht.“

Thomas zuliebe schluckte Joko seine Wut herunter. „Von mir aus. Aber erwarte keine Extra-Würste.“

„Nee. Ich kenn dich ja“, grinste Thomas ihn an und klopfte ihm aufmunternd auf den Rücken.

Joko indes war sich ziemlich sicher – der Abend würde richtig beschissen werden.
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Re: Es beginnt vor deinen Füßen [JoKla]

Beitragvon sociopath-25 » 24. Sep 2015, 21:12

MEHR!!!! Ich hatte während diesem Anfang ein kleines Dauergrinsen und will unbedingt wissen wies weitergeht!!! Bitte schreib bald wieder!! *warte* :connie_eatingpopcorn:
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Re: Es beginnt vor deinen Füßen [JoKla]

Beitragvon Soronya » 24. Sep 2015, 21:17

Vielen Dank für den Kompliment :) Die Story ist bereits auf FF.de mit mehreren Kapiteln zu finden. Ich bin nur gerade zu faul zu beschäftigt *hust*, um hier weiter zu updaten! Kommt aber :)
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Re: Es beginnt vor deinen Füßen [JoKla]

Beitragvon Soronya » 24. Sep 2015, 21:20

Hallo und willkommen zu Kapitel 3 :)
Ich lade jetzt hier mal die Story weiter hoch! Hinke ja etwas hinterher...




"Lauch mit Brille."

Joko konnte sich kaum auf das Fußballspiel freuen, wenn die zwei neuen besten Freunde neben ihm auf dem Sofa nicht aufhören würden, zu quatschen. Vom Vorbericht bekam er weniger als die Hälfte mit und dabei war das, am Tage des Bundesligaauftakts, wohl schon fast das Wichtigste.

Außerdem spielte seine verdammte Lieblingsmannschaft, Borussia Mönchengladbach, aber das schien den Giftzwerg nicht zu interessieren. Ganz im Gegenteil. Der fand Fußball nach eigenen Aussagen sowieso eher doof und Joko fragte sich wieder einmal am heutigen Abend, wieso dieser Vollhorst überhaupt hier in seiner Wohnung war.

Nachdem er und Thomas aus der Küche wieder gekommen waren, stand Klaus oder Klaas, oder wie sein dummer Name auch sein mochte, immer noch im Flur und starrte resigniert vor sich hin. Joko hätte ihn am liebsten sanft zur Türe hinaus geleitet und hinterher gewinkt.

Aber er hatte Thomas versprochen, sich zu benehmen. Für Klaas traf das anscheinend nicht zu. Kaum hatte Thomas die beiden namentlich miteinander bekannt gemacht, hatte Klaas den nächsten dummen Spruch auf den Lippen: „Ich kann mir deinen Namen eh nicht merken. Kann ich dich Lauch mit Brille nennen?“

Joko klappte den Mund auf, um ihm gehörig die Meinung zu pfeifen, doch er wurde jäh von einem bösen Blick seitens Thomas unterbrochen, der auch Klaas genervt ansah.

„Benehmt euch, bitte, ja? Ich bin hier für einen guten Abend mit Freunden.“

Klaas grummelte etwas, was Joko, wohl zum Glück, nicht verstand und setzte sich aufs Sofa. An den Fensterplatz. Auf den Platz, wo Joko sonst immer saß, weil es dort einfach am Gemütlichsten war. So ein Arsch!

„Kannst du bitte aufstehen?“, bat Joko betont freundlich. „Das ist mein Platz.“

„Pech“, gab Klaas zurück. „Such dir ´n anderen. Hier sitz‘ ich jetzt.“

Joko warf seinem Freund einen bösen Blick zu, als er wohl oder übel im Sessel Platz nahm, um nicht neben dem Giftzwerg zu sitzen. Er hatte definitiv mehr als Einen bei Thomas gut und dieser sollte das wissen. Joko würde ihn in Zukunft auch des Öfteren daran erinnern.

Während also Klaas und Thomas über Gott und die Welt plauderten und sein Bier vernichteten, versuchte Joko angestrengt, sich auf den Fernseher zu konzentrieren und Olli Kahn zuzuhören, wie er über die Leistung der verschiedenen Spieler und Mannschaften sinnierte.

Aber bei dem Gequatsche war das nahezu unmöglich. Aus Rücksicht auf Thomas blieb er allerdings still und dachte darüber nach, ob er in seiner Situation vor Gericht Erwürgen als Notwehr geltend machen konnte.

„Was treibt dich eigentlich nach Berlin, Klaas?“, wollte Thomas gerade wissen, als im Fernseher die Aufstellung angezeigt wurde. „Ich hab dich noch gar nicht gefragt.“

„Bin ja auch eben erst angekommen“, antwortete dieser grinsend. „Ich muss ja gestehen, ich hab dir was verschwiegen.“

„Ahja?“

„Eigentlich bin ich nicht zufällig hier. Ich suche ´ne Wohnung für mich“, erklärte Klaas und Joko hätte am liebsten alle Immobilien in Berlin aufgekauft, nur um zu verhindern, dass dieser Giftzwerg in seine Stadt zog.

„Cool!“, freute sich Thomas. „Dann sehen wir uns ja in Zukunft öfter. Was treibt dich in die Hauptstadt?“

„Der Job, um ehrlich zu sein. Ich hab vom Radio zum Fernsehen gewechselt und wenn ich Glück habe, kannst du mich bald aus Moderator auf der Mattscheibe bewundern.“

Joko wurde kreidebleich. Oh Gott, was hatte er in seinem vorherigen Leben so Schlimmes getan, dass er dermaßen bestraft wurde? Es reichte ja nicht, dass er unter Höhenangst litt, schon viel zu lange Single war und seit geraumer Zeit auch noch Stress auf der Arbeit hatte.

Nein, so ein dahergelaufener Trottel machte ihm seit einigen Tagen das Leben schwer, saß in seiner Wohnung auf seinem Platz und seine Fresse würde bald auch noch in der Glotze sichtbar sein.

Juhu, Jackpot. Ding, Ding, Ding!

In der Küche piepte der Timer vom Ofen und Joko flüchtete aus dem Wohnzimmer, um die Pizza zu holen und sich eine ruhige Minute zu gönnen.

Der Duft nach Essen ließ ihn seinen Missmut für kurze Zeit vergessen und er bemerkte, dass er wirklich hungrig war. Er brachte seinen Gästen zwei Pizzen, die er widerwillig vor sie auf den Couchtisch stellte, ohne ein Wort zu verlieren. Anschließend holte er sich selbst seine eigene Pizza und brachte bei der Gelegenheit noch weitere Flaschen Bier mit.

Der Alkohol würde ihm verhelfen, den Abend zu überstehen. Und er würde ihn brauchen.

Als das Spiel endlich begann, drehte er die Lautstärke absichtlich viel höher als unbedingt nötig, damit die zwei Quasselstrippen endlich die Klappe hielten.

Ausgerechnet das sah Thomas als Einladung, um ihn anzulabern. Joko wünschte sich, er hätte ihn niemals eingeladen.

„Wie läuft es bei dir eigentlich, Joko?“, fragte er. „War es heute besser?“

„Geht so“, antwortete er einsilbig und versuchte erneut, seine gesamte Aufmerksamkeit dem Fernseher zu widmen. Das war ihm aber nicht gegönnt.

„Hat sich dein Chef beruhigt?“

„Keine Ahnung.“

„Mh“, gab Thomas nur zurück, offensichtlich gekränkt, dass Joko jetzt nicht mit ihm reden wollte. Dabei musste er ganz genau wissen, dass Joko beim Fußballgucken nicht die ganze Zeit gestört werden wollte. Und normalerweise hatten sie zu zweit auch immer Spaß dabei, beim Kampf um den Ball zuzuschauen. Aber irgendwie wollte Thomas die erdrückende Stille im Raum wohl füllen. Joko konnte es ihm noch nicht einmal übel nehmen, obwohl ihm das Gequake ziemlich auf die Nerven ging.

„Klaas, was hältst du davon, wenn wir morgen zusammen auf Wohnungssuche gehen?“, schlug Thomas dem Giftzwerg vor, nachdem er bemerkt hatte, dass Joko heute lieber die Klappe hielt, was tatsächlich recht komisch für ihn war. Sonst suchte man vergebens seinen Aus-Knopf.

„Ich hab tatsächlich schon zwei Termine mit einem Makler, aber du kannst mitkommen, wenn du willst. Vier Augen sehen immer mehr als zwei“, antwortete Klaas.

„Warum nicht? Soll ich dich vom Hotel abholen?“

„Ja, gute Idee. Dann um zwei?“

„Perfekt“, grinste Thomas und stieß mit Klaas an.

Super, dass sie sich so toll verstanden und Joko in seiner eigenen Wohnung zum Außenseiter degradiert wurde. Was für ein toller Abend. Lange nicht so viel Spaß gehabt, dachte er sich.

Zu allem Überfluss fand Wolfsburg in der Verteidigung von Gladbach eine Lücke, nach drei schnellen Pässen stand Dost vor dem Tor und schoss den Ball in die obere linke Ecke. Tor für die Wölfe, ausgerechnet. Nicht mal sein Lieblingsverein konnte ihn an diesem Tag mit einem guten Spiel erfreuen.

Wann war dieser Abend endlich vorbei?!
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