Zwielicht P-18

Zwielicht P-18

Beitragvon Ria » 25. Aug 2010, 23:04

Disclaimer: Wie immer gehört alles der wunderbaren JKR. Mir gehört lediglich die Umsetzung einer Idee und Geld verdiene ich damit auch nicht.

Genre: Drama (Romanze, irgendwie)

Warnungen: Bösartig agierende Charaktere, Dark, Charakter-Death, Slash, Language, Lemon, kein Kuschelsex, Part 1 beinhaltet NonCon, Part 3 enthält Het-Andeutungen und Part 4 Wahnsinn, Sad und alles was sonst noch wehtut.

Pairing: Harry/Draco

Rating: NC-17

Beta: Die wunderbare BlackPriestess und ab Part 2 mischt Alraune mit.

Anmerkung: Ursprünglich nur aus Part 1 bestehend, hat die Story jetzt vier Teile, die nur kurze Eindrücke gewähren und trotzdem eine lineare Geschichte erzählen.


Zwielicht



Als Zwielicht bezeichnet man jene Lichtverhältnisse, die herrschen, wenn Hell und Dunkel aufeinandertreffen. Oder auch die moralischen Abgründe, in welche manche Menschen sich begeben.




Part 1: Wie Krieg




Das Spiel ist zu Ende. Endlich. Er hat lange, zermürbende Stunden in der Luft verbringen müssen. Eisigem Wind und Regen ausgesetzt. Jetzt zittern Harrys Beine unkontrolliert, als er vom Besen springt.

Er spürt dumpfe Wut im Bauch. Sein Blick sucht und findet Malfoy, der grinsend den Schnatz in die Höhe hält. Die Wut verwandelt sich in glühenden Hass.

Während des gesamten Spiels hat Malfoy ihn gefoult – und Snape, als gewissenhafter Schiedsrichter, hat in jenen Momenten zufälligerweise in die andere Richtung geschaut.

Angewidert spuckt Harry metallisch schmeckenden Speichel auf den durchnässten Boden. Seine steif gefrorenen Finger umklammern den vom Regen glitschigen Stiel des Besens, obwohl er sie lieber um Malfoys dürren Hals legen würde.

Mieser kleiner Wichser!

Seine Teamkollegen klopfen ihm trotz der Niederlage auf die Schultern, murmeln tröstende, aufmunternde Worte, die Harry kaum hört. Der Zorn über die unfaire Niederlage rauscht durch seine Venen, lässt ihn alles andere vergessen. Er will Malfoy bluten sehen. Will dieses arrogante Grinsen mit seiner Faust zertrümmern.

Seine schmutzstarre Quidditchrobe fällt zu Boden, ebenso die Arm- und Beinschienen. Sie sind durchweicht, widerlich klebrig auf seiner Haut.

Aggressiv schlägt Harry auf den silbernen Knauf, der die Dusche gurgelnd anspringen lässt. Heißes Wasser prasselt auf ihn herab, beruhigend gleichmäßig.

Die Stirn an kühle Fliesen gelegt, lauscht Harry auf die Geräusche seiner Teamkameraden. Einer nach dem anderen verlässt die Umkleide. Und Harry schließt unter rauschendem Wasser die Augen.

Sieht wieder Malfoys Gesicht nah vor seinem, als dieser ihn fast in eine der Tribünen drängt. Spürt wieder Malfoys Faust, die seine Wange streift. Der Schmerz ist scharf und klar, ehe er einem Pochen weicht. Sieht wieder diesen ungerechtfertigt überlegenen, schadenfreudigen Blick, als Malfoy den Schnatz fängt.

Mit geballter Faust schlägt Harry auf die Fliesen ein. Genießt den Schmerz, der seine Fingerknöchel nach wenigen Sekunden taub werden lässt. Er würde Malfoy schon noch erwischen. In irgendeiner dunklen Ecke der Schule. Wenn niemand in der Nähe wäre. Und dann würde der Slytherin bezahlen!

Allein die Vorstellung (hellrotes Blut, das über Malfoys spitzes Kinn an seinem Hals hinunter läuft… auf die magere Brust tropft...) lässt Harry beinahe hart werden.

Harry kostet das pulsierende Gefühl zwischen seinen Beinen aus. Dennoch fasst er sich nicht an – später vielleicht.

Ein leichter Druck seiner Hand genügt, um das Wasser abrupt versiegen zu lassen. Die plötzliche Stille genießend, bleibt Harry noch einen weiteren Augenblick stehen, lauscht seinen heiseren, zu schnellen Atemzügen, bevor er nach seinem Handtuch greift.

Eiskalte Ruhe breitet sich in ihm aus, als er aufsieht – Draco lehnt grinsend an der Wand, die Arme vor der Brust verschränkt. Keine zwei Schritte von Harry entfernt. Es ist fast wie ein Geschenk.

Dann wird ihm bewusst, dass er verwundbar und halbnackt vor seinem vollständig angezogenen Feind steht; dieser Nachteil ist erniedrigend, lässt den glühenden Hass zurückkehren.

„Wolltest du dich da drin ertränken? Denn was du heute gezeigt hast war ja auch wirklich zu erbärmlich.“

Harry fragt nicht, was Malfoy in der Umkleide der Gryffindors zu suchen hat. Seine Atemzüge werden bedächtiger, tiefer. Draco ist hier. Allein. Alles andere ist unwichtig. Die Spannung nimmt zu, während Harry schweigt – und Dracos Lächeln stirbt.

„Was denn, Potter? Schmollst du?“

Nur Dracos wohltrainierte Reflexe retten seinen Kiefer, als Harrys Faust darauf zurast. Sich unter dem Schlag duckend, lacht Draco höhnisch auf, und Harry verliert die Kontrolle über sich.

Etwas Dunkles bemächtigt sich seiner, als er Draco gegen die Wand stößt. Mit einem ekelhaft dumpfen Geräusch kracht Knochen auf Stein. Harry sieht die Wut und den Schmerz in den grauen Augen, die seinen so nahe sind. Hass umgibt ihre schmalen Körper wie eine düstere Aura; lässt die Luft vibrieren.

Dracos Faust ihrerseits nimmt Harry die Luft zum Atmen, als sie hart seine Rippen trifft. Knurrend wirft Harry ihn herum, presst sich an seinen Rücken, drückt Dracos Gesicht gegen die kalten, feuchten Fliesen. Er genießt das schnelle laute Geräusch der ausgestoßenen Atemzüge, als er die locker sitzende Hose Dracos mit einem Ruck herunterreist. Dracos ersticktes Keuchen hört sich gut an – es weckt die Lust auf mehr.

„Angst, Malfoy?“, flüstert Harry heiser an Dracos Ohr. Malfoy so hilflos zu sehen, macht ihn an.

Dracos Hinterkopf schnellt zurück, lässt Harry bitter-metallisches Blut schmecken. Schmerz, loderndem Feuer gleich, schießt durch Harrys Nase. Doch er lockert seinen Griff um Dracos Handgelenke nicht.

„Etwa vor dir, Potter?“, höhnt Draco belegt. „Als ob du das hier durchziehen würdest!“

„War das eine Einladung, Malfoy?“

Harry lacht gurgelnd, spuckt Blut und Rotz auf den Boden und presst sich dichter an Dracos halbentblößten weißen Körper, lässt ihn seine Erregung spüren. Malfoy zuckt zusammen und dreht den Kopf, um Harry ansehen zu können. Wieder lächelt er spöttisch.

„Warum überrascht es mich nicht, dass du eine kleine Schwuchtel bist?“

Harrys Hand umfasst Dracos steifen Penis.

„Wahrscheinlich deshalb. Wie lange holst du dir schon einen runter und stöhnst meinen Namen dabei?“

„Du wirst mich nicht ficken, Potter.“

„Ach nein?“

„Nein. Ich werde dich ficken!“

Dracos Körper spannt sich, schleudert zurück und reißt Harry mit sich zu Boden. Der Aufprall ist hart und Harry schnappt nach Luft. Die Bodenfliesen hinterlassen blutige Schrammen auf seinem Rücken. Er wird Malfoy nicht gewinnen lassen. In seinen Ohren rauscht es laut, als er sich auf Draco setzt. Berechnend schlägt er zu. Gerade so fest, dass die Haut aufbricht. Harry betrachtet fasziniert Dracos aufgeplatzte Lippe – Blut, das weiße Zähne befleckt.

Draco brüllt wütend, windet sich in wilder Raserei unter Harry. Und es fühlt sich gut an. Sogar besser als ein banaler Sieg beim Quidditch, der ihm vor Kurzem noch so bedeutend erschienen war.

Sich aufbäumend, versucht Draco Harry abzuwerfen. Ohne Erfolg. Unsanft dreht Harry Draco auf den Bauch, berauscht durch die Macht über ihn, und fesselt die Handgelenke mit dem inzwischen zerrissenen Hemd. Er weiß, dass es wehtun muss. Dracos Arme würden bald schon taub sein.

Dracos Kopf an den Haaren zurückreißend, beißt Harry in das weiße, zarte Fleisch seines Halses.

„Sieht so aus, als würde ich dich vögeln. Hmm, Malfoy?“

Dracos blutverschmierter Mund verzieht sich zu einem Grinsen.

„Impotenter Schwanzlutscher!“

Harrys eigenes Blut, das unaufhörlich aus seiner Nase tropft, bildet einen scharfen Kontrast auf Dracos blasser Haut. Malfoys Beinen mit seinen spreizend, benetzt Harry einen seiner Finger mit Speichel und schiebt ihn in Draco hinein. Zuckende Muskeln ziehen sich zusammen. Draco stößt erstickte Laute aus, aber er schreit nicht.

Noch nicht.

Harry zwängt einen weiteren Finger in Dracos Hintern.

Zischender Atem ist seine Belohnung. Grinsend dreht er seine Hand. Er würde Malfoy demütigen, würde ihn betteln lassen, ihn als sein Eigentum brandmarken.

Eine Hand in Dracos Nacken, beugt Harry sich vor. Seine Zunge leckt an gespannter Haut über knochigen Schulterblättern entlang, während seine Finger unaufhörlich im langsamen Rhythmus in Dracos Körper stoßen. Er spreizt sie, dehnt Draco. Und Harrys Leisten schmerzen vor unterdrücktem Verlangen.

„Gefällt dir das, du kleiner Arschkriecher?“

Die gefesselten Hände ballen sich zu Fäusten, als Draco sich, Beleidigungen ausstoßend, Harry entgegendrängt.

„Gib es zu, du willst von mir richtig durchgenommen werden.“

Harry richtet sich auf, hebt Dracos schmale Hüften an, bis dieser vor ihm kniet – sich ihm, den Oberkörper zu Boden gepresst, hilflos anbieten muss. Er zieht seine Finger beinahe vollständig aus Dracos bebendem Körper zurück. Sie umkreisen jetzt folternd den zuckenden Anus.

„Komm schon, Malfoy… ich will es hören…“

„Verpiss dich, Potter!“

Harry lacht gehässig. Mit einer Hand spreizt er die blassen Backen, drückt einen Finger in Draco hinein und verharrt lauernd.

„Sei brav und sag es!“, flüstert er und Draco gibt endlich auf. Fast.

Seine Hüften bewegen sich, er fingert sich selbst auf Harrys Hand.

Die stumme Bitte missachtend, zieht Harry seine Finger zurück und grinst, als Draco frustriert knurrt.

„Wie lautet das Zauberwort?“ Harry zieht die Silben in die Länge, hört sich fast zärtlich an.

Dracos Gesicht ist weiß vor Zorn, als er Harry entgegenspuckt:

„Fick mich, du gottverdammtes Arschloch!“

Malfoys Blut benetzt Harrys Lippen, nachdem er ihn innig geküsst, seine Zunge besitzergreifend in den bebenden Mund geschoben hat.

„Sag bitte…“

Malfoy würgt und sieht aus, als würde er gleich kotzen.

„Bitte!“

Es hört sich an wie ein Befehl, aber Harry kann nicht länger warten. Sein Glied zuckt, als er es in die Hand nimmt und die tropfende Spitze gegen die kleine rosige Öffnung presst.

Draco brüllt auf, als Harry ihn in Besitz nimmt. Eine Mischung aus Qual und Lust. Und es lässt Harry alle Zurückhaltung vergessen. Tief und hart stößt er in den willigen Körper unter sich. Zieht Dracos Becken bei jedem Stoß an sich heran.

Dracos Verwünschungen verklingen ungehört im gierigen Rausch der Sinne. Er schreit Harry seinen Hass entgegen, bettelt um mehr, verflucht ihn, presst seinen Oberkörper dicht an den Boden, damit Harry tiefer eindringen kann.

Harry zwingt sich die Augen zu öffnen. Er will sehen, wie er in Draco steckt, und spreizt mit den Daumen Dracos Backen, bevor er sich vorlehnt.

Draco seine Abscheu zuflüsternd, greift er zwischen Dracos Beine, reibt ihn im gleichen Rhythmus mit dem er in ihn dringt. Glühende Hitze schießt durch seine Venen, sammelt sich zwischen seinen Beinen, lässt seine Stöße unkontrolliert hektisch werden. Pure Lust flutet seinen Verstand, als Dracos Muskeln sich verkrampfen, und er seinen Samen, mit einem erstickten Schrei, in Harrys Hand spritzt.

Erbarmungslos drängt Harry Draco entgegen; seine Finger hinterlassen rote Male auf den weißen Hüften, als er sich zuckend und keuchend daran festkrallt. Ein letztes Mal stößt Harry tief in Draco, verharrt, wirft den Kopf in den Nacken und kommt schmerzhaft lange. Nach Luft ringend, bricht er über Draco zusammen. Noch immer lassen ihn die Nachwehen seines Höhepunktes erschauern.

Minutenlang liegen sie auf dem nassen Boden. Blut, Samen und Wasser vermischen sich miteinander zu einer hellroten schmierigen Brühe. Draco bewegt sich unwillig knurrend unter ihm und Harry richtet sich träge auf. Er zuckt wie unter einem Schlag zusammen, als sein schlaffer Penis aus Draco herausrutscht.

Draco befreit seine Arme und rollt sich auf den Rücken. Schwer atmend sieht er Harry an, während er sich angewidert das Blut aus dem Gesicht wischt.

„Wie lange glaubst du können wir so weiter machen, Potter, ohne dass die Anderen es merken?“

Harry runzelt die Stirn. Er will jetzt nicht darüber nachdenken, was passieren könnte. Er will den Gedanken nicht zulassen, dass Draco dieses Spiel eines Tages beenden könnte. Dass er genug von ihm, Harry, haben könnte.

Er rappelt sich schwerfällig auf und zuckt mit den Schultern.

„Hat doch bisher gut geklappt. Sie werden denken, wir hätten uns geprügelt. So wie immer.“

Grinsend beugt er sich zu Draco und presst seine Lippen roh auf dessen Mund. Ihr Kuss ist nicht zärtlich. Das sind ihre Küsse nie. Sie sind stigmatisierend, besitzergreifend, verzweifelt. Ein Machtkampf.

Sie sind wie Krieg.




Part 2: Heuchler




Nie war das Brennen in seiner Kehle schlimmer als heute. Es nimmt beständig zu, breitet sich aus, ergreift Besitz von seinem Körper, und lässt Dracos Sicht undeutlich werden.

Dennoch streckt er sein Bein im richtigen Moment aus und Harry stolpert. Eine Glasphiole, sorgfältig mit lindgrünem Trank befüllt, zerschellt auf dem Steinboden des Klassenzimmers. Das Geräusch hallt unnatürlich laut von den Wänden wider. Draco verzieht keine Miene, während Harry sich zähneknirschend bückt und Snape den Gryffindors schmerzhaft viele Punkte abzieht. Der Brief in seiner Tasche knistert.

Gehässig lachende Slytherins um ihn herum; die Gryffindors schwören vermutlich blutige Rache. Draco ist es egal. Er sieht nur Harry. Und das Versprechen in den zusammengekniffenen Augen. Draco hat ihn provoziert. Wie immer. Harry ist wütend. Wie immer. Es ist wie ein Zwang.

Oh, und außerdem muss er mit ihm reden.

Draco lässt sich Zeit, als die Stunde zu Ende ist. Er lässt sich soviel Zeit, dass Snape schon missbilligend die Stirn runzelt. Draco seufzt leise und geht hinaus – Potter sollte seine Anhängsel inzwischen losgeworden sein.

Er kann sich denken, was Harry dem Schlammblut und dem Wiesel erzählen wird. Dumme Lügen, über Rache und Vergeltung, für Menschen, die naiv genug sind sie zu glauben. Granger und Weasley glauben Harry. Immer. Ein Duell in einem abgelegenen Klassenzimmer, nachdem Draco Harrys Eltern beleidigt hat. Handgreiflichkeiten auf dem Astronomieturm, weil Draco Sirius verspottet hat. Eine Schlägerei in der Umkleide, nach einem unverdienten Sieg der Slytherins. Egal welchen Grund er vorschiebt – sie kaufen es ihm ab.

Sie bringen es sogar fertig, die Tatsache zu verdrängen, dass Harry extra einen Umweg zu Snapes Schreibtisch gemacht hat. Sie sehen nicht, dass Harry ihn so lange mit brennendem Blick fixiert, bis Draco der stummen Aufforderung nachkommt. Immer. Vielleicht wollen sie es auch nicht sehen.

Draco weiß, wie sehr Harry diese Aufhänger braucht, damit er ihm auflauern kann. Er braucht sie ja selbst, damit er sich von ihm überwältigen lassen kann. Damit die leise Stimme, die ihm gehässig zuflüstert, dass er nichts weiter für Potter ist, als ein Weg Druck abzulassen, endlich schweigt.

Die Kerker sind verlassen. Es ist angenehm kühl hier unten und Draco atmet die muffig feuchte Luft ein. Vertraut. Konstant. Wie die Finger, die plötzlich seinen Arm umklammern. Draco lässt sich in ein Klassenzimmer ziehen, sagt kein Wort, weil er seiner Stimme nicht traut. Das Brennen nimmt zu. Aber er sieht Harry an – auch so ein Zwang. Er muss ihn ständig ansehen. Wenn Harry fliegt, mit windzerzausten Haaren, roten Wangen. Wenn Harry über einem Zaubertrank schwitzt, die Stirn gerunzelt, zum Scheitern verurteilt. Wenn Harry ihn...

Harry grinst und seine Finger graben sich schmerzhaft in Dracos Oberarme.

„Für diese kleine Aktion von eben wirst du bezahlen, du kleiner Pisser.“

Draco beendet dieses Spiel, bevor es richtig anfängt. Bevor Potter nicht mehr zu stoppen ist.

Harry…“

Die Blässe ist interessant. Vor allem da Harry sonst nie blass wird. Draco lässt ihm keine Zeit sich zu erholen und zieht den Brief hervor. Die wenigen Sommersprossen auf Harrys Nase heben sich dunkel von der blutleeren Haut ab.

„Was ist das?“, krächzt Harry. Seine Augenbrauen ziehen sich zusammen – so wie Dracos Magen.

„Ein Befehl“, sagt er schlicht und das Brennen wird unerträglich.

Draco bewegt sich nicht, als ein Stuhl krachend an der Wand zerbricht. Er lässt Harry toben, würde seinen Frust auch gern am Mobiliar auslassen, doch die Akzeptanz, die Apathie, ist bereits zu groß. Also lässt er Harry seinen Zorn. Sie genügt für sie beide. Der Brief liegt zerrissen am Boden; die wenigen Zeilen unleserlich, nur das Wappen seiner Familie ist noch zu erkennen.

Harry schnappt japsend nach Luft, seine Brust hebt und senkt sich schnell. Er sieht müde aus. Müde und verzweifelt.

„Wann?“

„Sonnenaufgang.“

Harry geht nicht eine Sekunde davon aus, dass Draco sich dem Befehl widersetzt. Und Draco ist ihm dafür dankbar. Sie haben beide die ganze Zeit über im Hinterkopf gehabt, dass dieser Tag kommen würde. Dass es keine Zukunft hat. Dass sie zwei Seiten angehören. Die Qual ist dennoch kaum zu ertragen.

Draco sieht, wie Harry sich auf die Unterlippe beißt. Er kennt diese Geste; sieht sie immer dann, wenn Harry nicht mehr weiter weiß. Diese Hilflosigkeit fasziniert ihn, doch gleichzeitig schreckt sie ihn ab. Harry soll gefälligst stark sein, wenn Draco es schon nicht ist.

Harrys Augen flackern. Sein Blick fixiert Dracos Unterarm. Noch unversehrt. Und der Befehl schwebt beinahe greifbar über ihnen, als hätte jemand das Morsmordre schon ausgesprochen.

Für einen Moment verbrennt blanke Panik Dracos Verstand zu Asche. Die Aussicht, Harry nicht mehr Tag für Tag sehen zu können, nimmt ihm die Kraft zu atmen. Er will den Schmerz vergessen, mit anderem Schmerz überdecken und geht auf Harry zu, der schon wieder mit geballter Wut auf die morsche Klassenzimmerausstattung einschlägt.

Harry kann ihn vergessen lassen. Harry kann für einige wenige Augenblicke die Gedanken an Zukunft vertreiben. Außerdem besorgt Harry es Draco immer fantastisch, wenn er wütend ist.

Er lässt das übliche Geplänkel, welches aus Beleidigungen und gegenseitigem Verprügeln besteht, ausfallen und presst stattdessen seine Lippen auf Harrys. Er ist nicht bereit, um den Fick zu bitten. Noch nicht. Er hofft eher, dass Harry seinen Zorn an ihm auslässt, den Part der Bettelei überspringt. Und Draco wird nicht enttäuscht.

Harrys Finger sind eisigkalt, als sie sein Hemd mit einem Ruck öffnen. Draco kann das leise Knacken hören, mit denen einige Knöpfe abspringen. Aber es ist egal. Alles ist egal, bis auf Harrys hungrige Lippen, seine Zähne, die sich bösartig in Dracos Schlüsselbein vergraben und sein drahtig schlanker Körper, der Draco gegen die Wand drängt.

Diesmal unterwirft sich Draco, ohne Harry die vertraute Farce vorzuspielen. Sie wissen beide, dass es nie wirkliches Aufbegehren gegen Harrys Dominanz war. Es war Teil ihres Spiels. Jetzt, wo es bald beendet sein wird, sind solche Manöver nicht mehr nötig.

Harry reißt Dracos Hose herunter und zieht ihn zu Boden. Die Steine sind kalt und Draco zischt leise, als seine warme Haut damit Bekanntschaft macht. Die Berührungen Harrys, die man nicht einmal ansatzweise zärtlich nennen kann, sind fahrig. Seine Augen glänzen hinter der schiefsitzenden Brille wie im Fieber und seine rauen Lippen foltern Dracos Körper eher, als dass sie ihm Lust verschaffen. Er wird trotzdem hart. Harry ist es schon; Draco kann es an seinem Oberschenkel spüren. Er lächelt trotz der Qual, als Harry in seine Brustwarze beißt und wirft sich ihm entgegen. Biegt seinen Rücken durch, verlangt stumm nach mehr. Er kann nicht anders. Außerdem mag Harry es, wenn Draco seine Niederlage eingesteht. Und manchmal, wenn Draco ehrlich zu sich selbst ist, gibt er zu, dass er es auch mag. Es geradezu braucht. Wie er Harry braucht.

Einige schwarze Strähnen kleben lockig an Harrys verschwitzter Stirn und Draco kann den Drang, sie zu berühren, nicht bezwingen. Die ungewohnte Liebkosung lässt Harry innehalten, verwirrt die Stirn runzeln und Draco windet sich unter ihm. Er schämt sich seiner Unbedachtheit. Harry soll nicht einmal ahnen, wie es in seinem Inneren aussieht.

„Jetzt nimm mich endlich!“, fordert er ihn ablenkend auf. Für einen Herzschlag zögert Draco, doch dann tut er ihnen beiden den Gefallen: „Bitte.“

Harry stöhnt heiser auf und Draco wird so hart, dass es schmerzt. Er sieht zu, wie Harry mit zitternden Fingern seine Hose öffnet und wappnet sich gegen die Pein. Es wird wehtun. Er wird wahrscheinlich bluten. Und es ist ihm scheißegal. Doch Harry zögert, beißt sich wieder auf die Lippe und Draco will seinen Frust am liebsten laut hinausschreien: Potter soll jetzt nicht unsicher sein, verflucht!

Als Harry seine Beine anhebt und gespreizt nach oben drückt sieht er Draco an, verharrt kurz – etwas Lauerndes liegt in seinem Blick. Draco schließt die Augen, wartet auf die Marter, mit der Harry ihn in Besitz nehmen wird. Nur um sie keuchend aufzureißen, als er etwas schlüpfrig Warmes an seinem Anus spürt. Fassungslos blickt er an sich herab, will nicht wahrhaben, dass Harrys Kopf zwischen seinen Schenkeln vergraben ist. Dass Harry ihn… leckt.

Draco will aufspringen, will dieser verdammten Rücksicht und Zuneigung nicht ausgesetzt sein. Fremd und unerwünscht. Doch Harry grunzt nur unwillig und seine Finger graben sich erbarmungslos in Dracos Fleisch, lassen ein Entkommen nicht zu. Draco verflucht und beschimpft Potter. Versucht ihn zu treten und spürt noch immer dessen Zunge, die zögernd in ihn eindringt.

Draco kapituliert vor dieser Empfindung. Er bemerkt kaum, dass er seine Beine noch weiter spreizt, dass er sich Harry, den Rücken durchgedrückt, entgegenwirft. Er bemerkt auch nicht, dass er Harry schluchzend anfleht nicht aufzuhören. Alles was Draco spürt, ist Harrys Zunge, die kleine Kreise beschreibt… in ihm ist… ihn erkundet… über seine Hoden hinaufgleitet…

Siedendheiß schießt das Blut in Dracos Lenden, lässt ihn wie unter Elektrizität zucken. Seine Finger reißen grob an Harrys Haaren, pressen dessen Gesicht in seinen Schoß. Und er ist sich nur des warmen Mundes bewusst, der saugend seine tropfende Eichel umschließt, als er mit Harrys Namen auf den Lippen kommt.

Draco grinst träge, als Harry auf den Boden spuckt und sich hastig mit einer Hand über den verschmierten Mund wischt. Er kennt das – ihm hat Harrys Geschmack auch nie sonderlich zugesagt. Was nicht heißt, dass er Harry nicht gerne einen blies.

Die postorgastische Apathie fällt fast vollständig von ihm ab, als er bemerkt, dass Harry seinem Blick ausweicht; wieder ist seine Unterlippe zwischen die Zähne gezogen. Er glaubt, den schmalen Körper zittern zu sehen. Dracos Mund wird staubtrocken und bitterer Geschmack lässt ihn fast glauben, dass er derjenige gewesen ist, der hat schlucken müssen. Harry wirkt so verlegen wie Draco sich fühlt, als er vorsichtig Dracos Wange berührt. Federleicht. Nur mit den Fingerspitzen. In Harrys Augen liegt ein erstaunter Ausdruck – als hätte er Draco noch nie zuvor gesehen.

Draco muss die Kiefer so fest zusammenpressen, dass er die Sehnen knacken hört, damit die verräterischen Worte nicht über seine Lippen kommen. Es wären nur leere Versprechungen, die er ja doch nicht einhalten könnte. Dummes, schnulziges Gesäusel, das sonst nur von albern kichernden Mädchen ausgesprochen wurde. Die bösartige Stimme in seinem Kopf flüstert „Wahrheit“, doch Draco ignoriert sie. Er würde lieber vom höchsten Turm der Schule springen, als Potter die Wahrheit zu sagen. Wahrscheinlich würde die Welt aufhören sich zu drehen, sollte Harry jemals auch nur einen Hauch von dem mitbekommen, was Draco fühlt. Und selbst wenn die Welt sich weiterdreht. Selbst wenn Potter ihn nicht auslacht, weil Draco sich zum absoluten Vollidioten macht und ihm stammelnd und stotternd erklärt, dass sein Herz bei Harrys Anblick droht auszusetzen. Dass Draco den Geruch seiner Haut vergöttert, das Gefühl, wenn Harry in ihm ist, keuchend seinen Namen flüstert. Zuerst wütend, da es das Spiel verlangt, doch dann ändert sich der Klang der Silben, wird zu...

Alle pseudophilosophischen Gedankengänge kommen zu einem abrupten Halt, als Harry sich herabbeugt und Draco küsst. Nicht wie sonst, grob und besitzergreifend. Gemächlich zeichnet Harrys Zungenspitze die schmalen Konturen von Dracos Mund nach. Verschwindet, damit Harry fast schon unschuldig seine Lippen auf Dracos drücken kann. Warm und fest. Die Zurückhaltung ist neu. Beunruhigend. Gleichzeitig facht sie das träge gewordene Feuer erneut an.

Harry grinst schief, und Draco wird bewusst, dass Harry noch nicht zum Zuge gekommen ist. Er revidiert seinen Eindruck: Diese Zurückhaltung ist nicht beunruhigend, sie ist beängstigend. Und alles in allem macht es den Abschied nicht leichter.

Draco schließt die Augen im Versuch sich zu entspannen, als ein Finger in ihn eindringt. Der Druck ist auszuhalten, schmerzt nicht. Noch nicht. Ihm fällt die Behutsamkeit auf, mit der Harry ihn dehnt und steht kurz davor diese sommersprossige Nase zu brechen. Er will ihn anschreien, dass er nicht vorsichtig sein muss. Nicht mehr. Nicht jetzt, nur weil sie an einer Weggabelung angelangt sind, an der sie sich trennen müssen. Dracos Schmerzgedächtnis hat die ersten Male noch gut in Erinnerung. Harrys Finger in seinem Körper, ungeschickt stochernd. Sie beide, hochrot vor Scham. Kläglich versagend, wenn Dracos Körper sich geweigert hat, Harry eindringen zu lassen, oder Harry schon bei der ersten Berührung klebriges Sperma über Dracos Hände verspritzt hat.

Harrys Zähne an seinem Hals sind nicht schmerzhaft, trotzdem zuckt Draco wie ertappt zusammen. Für einen kurzen Moment erlaubt er sich, seine Wange an Harrys zu legen, diesen Geruch nach Seife, Gras und Wind einzuatmen, der ihn berauscht wie ein Opiat.

Seine Arme legen sich ganz ohne Dracos Zutun um Harrys Nacken, ziehen den schmalen Körper auf seinen. Er ist nicht mal mehr überrascht, dass Harry die Umarmung erwidert – so viele Regeln des Spiels sind bereits gebrochen, es spielt keine Rolle mehr und Harry hat Regeln eh immer gehasst. Auch diese – es ist Draco gewesen, der auf die strenge Einhaltung geachtet hat.

Harry will heute also darauf verzichten, Draco betteln zu lassen. Draco macht es trotzdem. Harry zuliebe. Sich selbst zuliebe. Er drängt sich Harry entgegen, legt seine Beine auf dessen Schultern und flüstert all die kleinen schmutzigen Bitten in Harrys Ohr, die sie beide brauchen. Beide wollen.

Das Eindringen ist schmerzhaft. Wie immer. Draco hält angespannt die Luft an. Wie immer. Doch Harry verharrt, gibt Draco die Zeit, sich an ihn zu gewöhnen.

Anders als sonst.

Und Dracos Augen fangen an zu brennen, als der Schmerz sich verlagert, sein Herz erreicht; gleißend hell, dunkel, vergiftend.

Die herausdrängenden katastrophalen Worte zurückhaltend, hebt er seine Hüften an, zuckt und windet sich unter Harry. Er verlangt nach mehr, faucht Harry an, dass er es ihm gefälligst richtig besorgen soll. Harrys Augen scheinen durch die vergrößerten Pupillen dunkler, fast schwarz, als er sich Dracos Wünschen fügt. Er zieht sich zurück, dringt hart in ihn ein, ringt Draco ein Keuchen ab.

Und sie sehen sich an.

Die ganze Zeit über.

Auch als Draco ein zweites Mal kommt, als Harrys Körper sich verspannt, erstarrt und dann erzittert. Harrys verzerrte Gesichtzüge, die Strähnen an seiner nassen roten Stirn, die schiefe Brille… das alles brennt sich regelrecht in Dracos Netzhaut, lässt ihn für einen kurzen Augenblick vergessen, was passieren wird. Harry kann ihm immer Vergessen schenken. Und etwas, das andere Menschen Glück nennen würden…

ooOoo

Draco weiß nicht wie spät es ist, als Harry ihn endlich aufstehen lässt. Es ist immer noch Nacht, wie ein kurzer Blick aus dem Fenster verrät – doch violette Schimmer kündigen den baldigen Abschied schmerzhaft an.

Wortlos zieht Draco sich an; mit steifen Bewegungen. Die Feuchtigkeit, die zwischen seinen Beinen hinabläuft ist widerlich. Doch zugleich würde er einen Teufel tun und sich von Blut und Samen reinigen. Er grinst, als Harry zischend Luft holt, während er seine Hose überzieht. Draco weiß nicht mehr, wie oft sie übereinander hergefallen sind. Sich verzweifelt aneinanderklammernd. Er weiß nur, dass sein ganzer Körper schmerzt und Harrys Penis rot und geschwollen ist. Das Grinsen vergeht ihm, als Harry ihn ansieht; der Schmerz in den grünen Augen mag davon herrühren, dass sie beide wund sind – oder davon, dass alles Weitere ungewiss ist.

Sie reden nicht miteinander, während sie das Schloss durchqueren und auf das Eingangsportal zugehen. Es genügt, dass Harrys Hand Dracos umklammert. Und vielleicht würde Harry nicht lachen, wenn Draco die Worte aussprechen würde, die ihm brennend auf der Zunge liegen.

Vielleicht.

Die Morgensonne taucht die Ländereien der Schule in fahles Licht. Der morgendliche Nebel hüllt Draco ein, als er wortlos Harrys Hand fahren lässt und mit staksigen Schritten auf das von geflügelten Ebern bewachte Tor zuläuft. Innerlich nennt er sich einen Heuchler, weil er zu feige ist, Harry die Wahrheit zu sagen. Doch er geht weiter, automatisch, einfach weil es keinen Ausweg gibt. Und weil Harry die Wahrheit vielleicht schon kennt.

Ein letztes Mal dreht Draco sich um, blinzelt gegen die aufgehende Sonne an, und sieht wie Harry regungslos am Eingang steht, und sich mit einem Arm fahrig über die Augen wischt. Bitteres Ziehen breitet sich in Dracos Brust aus. Auch Harry ist nichts weiter als ein Heuchler.




Part 3: Ungesagt




Die warme Suppe ist eigentlich dazu gedacht, seine Lebensgeister zu wecken, doch die mehlige Konsistenz eignet sich eher dazu, seinen Würgereflex zu reizen. Harry schiebt die Schüssel fort; niemand achtet darauf. Die restlichen Ordensmitglieder sind still. In sich gekehrt hängen sie ihren eigenen Sorgen nach. Verständlich, schließlich haben sie eines ihrer Mitglieder beim letzten Einsatz verloren. Eine tragische Unachtsamkeit hat genügt. Doch das ist es nicht, was Harry zu schaffen macht, er hat den Mann kaum gekannt. Außerdem ist der Anblick einer Leiche inzwischen fast schon vertraut. Es ist auch nicht Ginny, die ihm waidwunde Blicke zuwirft. Oder Hermine, die sich unauffällig einige Tränen von den hohlen Wangen wischt.

Es ist das Bild von silbrigen Augen, die sich im violetten Schein eines Fluches entsetzt weiten.

Die Übelkeit wird dringend und Harry springt auf. Er achtet nicht auf Rons trüben Blick im schmutzverkrustetem Gesicht. Nicht auf Remus’ zitternde Hände, halbherzig erhoben, um ihn in der Küche zu halten.

Alles, was er sieht, sind zusammengepresste Lippen, eine blutende Wunde und Lucius, der mit seinem verletzten Sohn disappariert.

Den antiquierten Schirmständer umzuwerfen und damit das Bildnis der alten Lady Black zum Leben zu erwecken, löst den Druck in seiner Brust nicht. Ebenso wenig wie das Aufplatzen seiner Fingerknöchel, als er seine Wut gegen eine der Wände seines Zimmers richtet. Harry will gerade dazu übergehen, Schmerz und Furcht dadurch zu kompensieren, dass er seine Einrichtung kurz und klein schlägt, als es klopft.

Die verletzend abweisenden Worte hinunterschluckend, öffnet er und unterdrückt ein Stöhnen.

„Können wir reden?“, fragt Ginny und schiebt sich unaufgefordert an Harry vorbei.

Harry überlegt kurz, ob er einfach flüchten soll. Vor dieser Konfrontation. Vor Ginny. Seinem Versagen darin, noch etwas für sie zu empfinden. Dann schließt er lautlos die Tür, lehnt sich mit dem Rücken dagegen und sieht sie an. Falls ihr der schale Geruch und die Flecken auf seinem Bettlaken auffallen (resultierend aus fahrigen Handbewegungen und Dracos Gesicht hinter geschlossenen Lidern), lässt sie es sich nicht anmerken.

„Sicher.“

Er kann das Leuchten in ihren Augen erkennen und verflucht sich selbst, dem Fluchtdrang nicht nachgegeben zu haben, als sie langsam auf ihn zukommt.

„Was ist los mit dir? Du bist so…“ Sie stockt, steht jetzt dicht vor Harry, der nicht zurückweichen kann, auch wenn er es gerne tun würde. „Du bist so abweisend, seit wir…“

Ihre Finger berühren zögernd seine Wange und Harry untersagt sich ein spöttisches Schnauben. Was sollte er dazu sagen? Dass er innerhalb von Sekunden gewusst hat, dass es ein Fehler ist? Dass er es nicht wiederholen will?

Es ist nicht gerade ein erhebender Anblick gewesen, als ihre Hände seinen schlaffen Schwanz bearbeitet haben. Er hat sich blasse Haut gewünscht. Makellos, nicht übersät mit Sommersprossen. Bösartigkeiten, die in sein Ohr geflüstert wurden. Er will engen Widerstand, nicht diese schlüpfrige Feuchtigkeit, die sie zu bieten hat. Nicht weiches, nachgiebiges Fleisch unter seinen Fingern, sondern kantige Rippenbögen.

Manchmal fragt Harry sich, ob Ron ihn dafür umbringen würde, dass er seine kleine Schwester gevögelt hat – oder dafür, dass er sich Draco vorstellen musste, um überhaupt einen hoch zu kriegen.

„Harry?“

Ihre Lippen sind an seinem Hals und Harry ist frustriert. Sowohl, weil ihre Stimme so weinerlich klingt, als auch weil sie es nie wagen würde, ihre Zähne schmerzhaft in seine Schulter zu graben.

„Ich habe es dir doch erklärt“, antwortet Harry bemüht sanft. Er schiebt ihren Körper von sich fort – ebenfalls vorsichtig, obwohl er ihre Oberarme liebend gern quetschen würde. „Im Moment habe ich zu viele andere Dinge im Kopf. Die Angriffe, die Verluste. Außerdem stehen wir kurz davor, Voldemort in die Ecke zu drängen.“

Im Laufe der Zeit hat er zu lügen gelernt. Doch auch Dracos Lektion war hilfreich: Bleibe nahe an der Wahrheit.

Er hat andere Dinge im Kopf.

Draco, und ihr nächstes Treffen.

Die Angriffe.

Und dass Draco aus solchen möglichst unbeschadet herauskommt.

Die Verluste.

Unnatürlich blasse Haut, durchscheinend – und Blut tropft auf Lucius’ Hände.

Voldemorts bevorstehender Untergang.

Keine Lüge.

In Ginnys braunen Augen blitzt es hart auf.

„Die anderen haben dieselben Sorgen und kapseln sich trotzdem nicht so ab wie du!“

Ihre schrill werdende Stimme frisst sich in seinen Kopf wie eine Kreissäge, lässt ihn unwillig das Gesicht verziehen. Dass die anderen Ordensmitglieder dieselben Sorgen haben, bezweifelt Harry stark – und dass sie sich auf ihre Weise von Elend und Sterben ablenken, braucht Ginny ihm nicht zu erzählen. Sein Zimmer liegt neben Rons und das Quietschen der Bettfedern verrät, wie Ron und Hermine nach einem Einsatz ihr Überleben feiern.

„Harry…“ Ihre Stimme wird weich, verständnisvoll und Harry möchte am liebsten kotzen. „Jeder von uns braucht Gesellschaft und Wärme.“

„Ich komme auch so klar, danke.“

Seine Geduld ist am Ende – ihm fehlt es an Kraft, weiter rücksichtsvoll zu sein. Harry will endlich hinaus und auf das warten, von dem er befürchtet, dass es heute ausbleiben könnte.

Die sonst so lebendigen Iriden verwässern. Fassungsloses Kopfschütteln begleitet ihren Rückzug.

„Was ist nur los mit dir? Ich kenne dich kaum noch!“

Was auch gut ist und so bleiben soll, wenn man Harry fragt. Ihm schießt der Gedanke durch den Kopf, ob sie das Spiel mit ihm spielen würde. Ob sie sich derart unterwerfen, aufgeben könnte. Doch sie würde sich wahrscheinlich in echtem Widerstand zur Wehr setzen. Entsetzen würde ihr Gesicht zeichnen, nicht Lust.

Sie ist nicht Draco.

„Ich habe mich eben geändert.“

„Geändert?“, haucht sie schwach. „Du bist nicht mal mehr eine billige Kopie des Harrys, den ich mal kannte!“

Was daran liegen könnte, dass er Dracos ständige Nähe bis zum Wahnsinn vermisst. Dass er sich seit über einem Jahr mit wenigen heimlichen Treffen begnügen muss, die an Orten stattfinden, die Harry sich nur ungern in Erinnerung ruft. Aber auch das spricht er nicht aus.

„Ich bin, wie ich bin.“

Innerlich rollt er die Augen über diese Farce. Ginny soll verschwinden, soll sich irgendwo verkriechen und imaginäre Wunden lecken.

„Gibt es… gibt es eine Andere?“

Bleib nahe an der Wahrheit.

Sich über die trockenen Lippen leckend, schüttelt Harry den Kopf.

„Nein.“

Keine Lüge. Keine Andere. Nur Draco.

Sie sieht erleichtert aus, und Harry weiß, dass er besser gelogen hätte. Ginnys Hoffnung zu schüren ist das Letzte, was er will. Und endlich geht sie, jedoch nicht, ohne ihn unter Halbmastwimpern anzusehen.

„Ich bin für dich da, Harry. Wenn du mich nur lässt.“

Auch darauf kann er verzichten, aber er sagt nichts, ringt sich nur ein Lächeln ab und ist froh, als die Tür sich hinter Ginny schließt. Lautlos zählt Harry bis zehn, gibt ihr die Zeit, in ihr eigenes Zimmer zu gehen, bevor er sich aus dem Haus schleicht. Die Wut ist verflogen, abgelöst durch quälende Angst.

Es ist klirrend kalt. Harrys Atem gefriert, während er im Schutz der eng stehenden Häuser den Himmel beobachtet. Die Farben der aufgehenden Sonne wirken fahl und unwirklich. Harry weiß, dass sich alle anderen jetzt hinlegen; versuchen, die Schrecken der letzten Nacht zu verarbeiten – jeder auf seine Art. Harry wartet. Und drängt die Furcht zurück, dass er umsonst wartet.

Unwillkürlich überrollen ihn die Erinnerungen. Der Abschied von Draco hat ihn beinahe verrückt werden lassen. Die Unsicherheit, ob sie sich jemals wieder sehen würden, hat an ihm genagt; jegliches Zusammenleben zur Hölle gemacht. Doch Harry hat zu lügen gelernt. Und seine Freunde haben jede Ausrede für die Gründe seiner schlechten Laune geglaubt. Drei Monate lang.

Die unscheinbare Eule hat beim ersten Mal ein wildes Stakkato seines Herzens ausgelöst. Und seine Finger haben den kurzen Brief in ihrer Ungeduld fast zerrissen, endlich an den Inhalt zu gelangen. Jenes erste Treffen in einem stinkenden Hinterhof irgendwo in London hat die Dämonen in Harry zum Schweigen gebracht. Es hat ihr Schicksal besiegelt. Und sie zu Verrätern gemacht.

Draco hat keuchend von den Anschlägen erzählt, die Voldemort geplant hatte, während er sich Harrys fiebrigen Stößen entgegengedrängt hat. Harry hat ohne schlechtes Gewissen über die nächsten Schachzüge des Ordens berichtet, während er Dracos Kopf in seinem Schoß zu schnelleren Bewegungen gezwungen hat.

Seitdem haben sie sich wann immer möglich getroffen – was nicht bedeutet, dass es Harry genügt hat. Bis heute.

Harry wagt kaum zu blinzeln, als er einen schemenhaften Schatten zwischen den diffusen Wolken erkennt. Harry will gar keine Adresse, ist bereit darauf zu verzichten. Er kann nur erahnen, wie viel Draco jedes Mal riskiert, wenn er sich davonschleicht. Eine kurze Mitteilung, dass die Verletzung nicht so schlimm ist wie befürchtet, würde ausreichen, Angst und Qual zu mindern. Die Erleichterung, als der Waldkauz die Nachricht in seine Hände fallen lässt, verwandelt Harrys Blut in kochende Lava, lässt ihn die Kälte vergessen.

Die wenigen Worte in erhoffter Handschrift lassen Harry augenblicklich zum diesmaligen Treffpunkt disapparieren.

ooOoo

Er verzieht angewidert das Gesicht, als er das winzige Bahnhofsklo betritt. Der Geruch nach Pisse scheint allgegenwärtig. Eine defekte Glühbirne flackert, wirft bebende Schatten an die dreckverschmierten Fliesen, enthüllt schlecht getroffene Toilettenschüssel ohne Deckel und Draco, der, an eine der Kabinen gelehnt, Harry abwartend ansieht. Die Umgebung rückt in den Hintergrund. Ist unwichtig, kaum real. Dracos Gestalt verdrängt alles andere.

Entgegen dem ersten Impuls, sich mit seinen Händen von warmer, lebendiger Haut zu überzeugen, bleibt Harry stehen und betrachtet Draco nur. Betrachtet die harten Konturen des Kinns; eine Spur zu spitz. Die blasse Haut, so durchscheinend, dass er die Schatten der Venen darunter schimmern sehen kann. Das blonde Haar, sonst fein und seidig, jetzt schmutzstarr und mit Blut verkrustet. Und Dracos Augen; farblos, wild, wie verzehrendes Feuer auf ihn gerichtet. Harry muss schlucken, traut seiner Stimme nicht ganz, fragt aber trotzdem:

„Wie knapp war es?“

Eine wegwerfende Bewegung langfingriger Hände.

„Nur ein Kratzer.“

Der leicht nach vorn gebeugte Körper spricht eine gänzlich andere Sprache und Harry will sich von dieser Lüge überzeugen. Seine Augen werden schmal, als er die dunkle Färbung der Haut um den laienhaften Verband sieht.

„Nur ein Kratzer!“, bestätigt Harry bissig und beschließt schweren Herzens, auf ein Feiern ihres Überlebens zu verzichten.

Dracos Lippen kitzeln Harrys Ohr.

„Warum hast du das gemacht?“

Ertapptes Luftschnappen und Harry ist froh, dass er seine Nase in Dracos Haaren vergraben kann.

„Ich weiß nicht, was du meinst.“

„Ich war nicht sofort weg“, flüstert Draco, nestelt an Harrys Hose herum, „und ich könnte schwören, dass dieser Auror, der mich verletzt hat einen Stoß bekam, der ihn direkt ins Kreuzfeuer beförderte…“

Harry schließt die Augen und atmet Dracos Geruch ein. Eine Mischung aus Schweiß, Blut und jener unterschwelligen Süße, die Harry aus unerfindlichen Gründen immer Amber nennt.

„Tatsächlich?“

Er schaudert, als die Hose von seinen Beinen gleitet. Anscheinend ist Draco nicht bereit, den Fick sein zu lassen.

„Du standest direkt hinter ihm, Harry.“

Kurz flackert wieder der blindwütige Hass in ihm auf, den er verspürt hat, als er Dracos Fall hat zusehen müssen. Diese wenigen Sekunden, in denen alle Gedanken zum Stillstand gekommen sind. Seine Hände auf durchnässten Roben. Der überraschte Laut, als der Stoß erfolgt ist. Eine tragische, leider fatale Unachtsamkeit des jungen Aurors, der seinen Zauberstab auf den Falschen gerichtet hat.

Harry hat nicht nur das Lügen erlernt. Dracos Zähne, die über seine Haut kratzen, lenken ihn ab.

„Warum hast du es getan?“

Lauernde silbrige Augen unter dichten farblosen Wimpern fangen Harry ein, der sich nicht losreißen kann. Es gar nicht will. Zu faszinierend ist Dracos rosige Zungenspitze, die über Harrys Penisspitze leckt. Neckend, verhöhnend, unendlich begehrend.

Weil er dich verletzt hat.

Harry zuckt nur die Schultern und stößt in Dracos warmen Mund.

Weil ich für einen Augenblick dachte, dich nie wieder zu sehen.

Harry vergisst die stinkende Toilette. Vergisst seine Bestimmung. Die Abgründe, die zwischen ihnen liegen.

Weil ich genau das nicht ertragen könnte.

Selbstvergessen drängt er sich Draco entgegen, der seine Finger in Harrys Hüften gräbt.

Weil ich ihn am liebsten selbst getötet hätte.

Draco reißt seine eigene Hose auf und berührt sich selbst. Harry keucht, saugt den Anblick in sich auf.

Weil du das Schlimmste in mir zum Vorschein bringst.

Harry entzieht sich Draco und kniet sich auf den schmierigen Boden. Trotz der verzehrenden Lust ist er vorsichtig, als er auch Draco auf alle Viere dirigiert und in ihn eindringt.

Und das Beste.

Er könnte Draco von seiner Angst um ihn erzählen. Von diesem heißen Gefühl, das in ihm herrscht, das Dracos Namen trägt und das er sich nur in den dunklen, einsamen Stunden der Nacht eingesteht. Der unerträglichen Sehnsucht. Seinem schmerzenden Herzen, wenn sie sich nach wenigen Stunden trennen müssen. Das nächste Treffen ungewiss und unendlich weit entfernt.

Harry sagt nichts dergleichen, während er Draco mit langsamen Bewegungen nimmt, sich vorlehnt, über die hervorstehenden Knochen der Wirbelsäule leckt. Er weiß nicht warum. Vielleicht weil er sich nicht zum Idioten machen will. Vielleicht weil er sich sicher ist, dass Draco es weiß. Wie er um Dracos Gefühle weiß. Worte sind unnötig. Sie wissen beide um die Gefühle des anderen. Ungesagt zwar, doch zweifelsfrei vorhanden.




Part 4: Gewonnen




Das Gras unter seinen Füßen ist grau und verbrannt. Er kennt den Grund für dieses feuchte Geräusch, das jeden seiner Schritte begleitet, aber er ignoriert es. Rauch kratzt seine Kehle, lässt ihn hustend vorwärts stolpern.

Suchend.

Hoffend.

Seine Angst verdrängend.

Die Sonne ist nur ein Schatten am bleiernen Himmel und Draco blinzelt gegen graue Schwaden an, die gnädigerweise das Schlimmste verhüllen.

Was sie nicht überdecken, ist das Schreien und Wimmern der Verletzten. Ebenso wenig den Geruch nach verbrannter Haut. Draco würgt trocken, will eines leblosen Körpers rechter Hand ausweichen und stockt in der Bewegung. Die weiße Maske ist halb geschmolzen, hat sich in das Gesicht des Trägers eingebrannt – es unkenntlich gemacht. Draco weiß trotzdem, vor wem er steht. Das ehemals blonde Haar ist mit geronnenem Blut verfärbt, die langen Finger umklammern noch immer den Zauberstab…

Draco wendet sich von seinem Vater ab, ist zu ausgelaugt, echten Schmerz zu empfinden. Außerdem ist es nicht Lucius, den er sucht.

Humpelnd dirigiert er seinen schmerzenden Körper über das, was vom Schlachtfeld übrig geblieben ist. Was die stolzen Kämpfer übrig gelassen haben. Draco verzieht seinen Mund zu der Parodie eines Lächelns. Zu Anfang hat man in den Augen der Kämpfenden noch Mut und Entschlossenheit erkennen können. Doch als die Zahl derer, die für immer zu Boden gingen zugenommen, als klumpiges Blut den Boden glitschig gemacht hat, hat sich der Patriotismus verflüchtigt. Zu diesem Zeitpunkt hat es keine Rolle mehr gespielt, für welche Seite man gekämpft hat – es war nur noch um das eigene Überleben gegangen. Junge Auroren, die sich, blind vor Angst, gegenseitig getötet haben. Todesser, die in nackter Panik die eigenen Leute gefoltert haben. Wahllos. Nicht mehr wissend, für welche Sache sie eigentlich kämpfen.

Auch Draco weiß es nicht mehr. Er hat es nicht mehr gewusst, seit jener Begegnung in den Katakomben der Schule. Als Harry ihm aufgelauert und das Spiel begonnen hat. Zögernd zuerst. Grenzen haben ausgelotet, Regeln aufgestellt werden müssen. Regeln, die sie gemeinsam gebrochen haben.

Die Draco gebrochen hat. Als sein Unterarm in grünen Flammen aufgegangen ist und seine Lippen einen Treuschwur geleistet haben, der eine Lüge war. Als er den unscheinbaren Waldkauz mit der Adresse eines Hinterhofes in London losgeschickt hat. Als er den Dunklen Lord und seine Ansichten verraten hat.

Als er angefangen hat zu lieben.

Er rutscht aus und sein müder Leib ist zu lethargisch, als dass Draco sich fangen kann. Seine Knie und Hände schmerzen vom harten Aufprall. Immerhin landet er nicht mitten in der angerichteten Sauerei: Die dunkle Lache endet genau vor seinen Fingerspitzen. Trotz seines revoltierenden Magens breitet sich morbide Faszination in Draco aus, als er in die Leiche hineinsieht, die vor ihm liegt. Er denkt, dass die Innereien Tauen ähneln, als er würgt, nicht mehr als galligen Rotz ausspuckt und sich mühsam aufrappelt.

An einer weinenden Frau vorbeitaumelnd, die sich an die leblose, schlaffe Form eines Mannes festkrallt, wischt Draco sich über die tränenden Augen. Sein verletztes Bein tut höllisch weh, lässt ihn nur langsam vorankommen.

Aber er kann die Suche nicht aufgeben. Auch wenn die Hoffnung fast vollständig der Angst gewichen ist. Dieser letzte Funken Zuversicht, der vollständig zerschlagen wird, als Draco Harry entdeckt. Auf dem Rücken liegend, der Zauberstab nutzlos im geschwärzten Gras.

Kaum einen Blick übrig für Voldemorts gebrochene Augen, will Draco am liebsten kehrtmachen, einfach weiterlaufen und leugnen, was er sieht. Bei seinem Vater hat er ihn nicht gespürt: Diesen wahnsinnig machenden Schmerz. Bei Harrys Anblick jedoch zieht er sich beißend wie eine Peitschenschnur durch Dracos Seele. Draco ist zu feige, Harry ins Gesicht zu sehen; diese grünen Augen zu sehen, blicklos gen Himmel gerichtet. Er ist sich sicher, dass er eigentlich etwas sagen müsste, etwas Heroisches, etwas voller Pathos. Doch er kann nur daran denken, dass Potter ein egoistischer toter Wichser ist, der ihn allein gelassen hat. Allein in einer Welt, die nur aus Blut, Angst und Scheiße besteht.

„Müsste nicht eigentlich die Sonne scheinen?“

Der egoistische Wichser ist nicht tot und Dracos Beine geben unter der Erleichterung nach. Dracos Finger krallen sich in schmutzstarre Roben, spüren gleichmäßigen Herzschlag und er lehnt seine Stirn an Harrys Brust, um dessen ruhigem Atem zu lauschen.

„Warum sollte die Sonne scheinen?“

„Weil ich gewonnen habe.“

Harry klingt beleidigt und Draco hebt grinsend den Kopf. Anscheinend hat der Kampf Harrys Verstand nicht gut getan.

„Bei wem willst du dich beschweren?“

Die Stirn gerunzelt, Unterlippe zwischen die Zähne gesogen, zuckt Harry gelangweilt die Schultern und rollt sie beide herum. Über Draco kniend, kneift er die Augen zusammen. Seine Finger betasten Dracos Bein.

„Du blutest.“

Es klingt anklagend. Draco beschließt, dass jetzt sogar weniger als sonst die Zeit ist, sich an Regeln zu halten und berührt Harrys Wange.

„Ist nur ein Kratzer.“

Harry schnaubt und vergräbt sein Gesicht in Dracos Halsbeuge.

„Ich mag es nicht, wenn du blutest.“

„Du magst es nicht, wenn mich jemand anderes bluten lässt“, korrigiert Draco spöttisch.

Harrys blutbeschmierte Finger nesteln ungeschickt an Dracos Robe. Ungeduldig reißt er daran, bis der Stoff nachgibt, Dracos viel zu mageren Oberkörper enthüllt, an dem sich die Rippen überdeutlich abzeichnen. Harry wirft ihm einen lauernden Blick zu. Halb Herausforderung, halb Bitte – jetzt ist der Zeitpunkt für Draco gekommen, nervös zu werden.

„Was genau soll das werden, Potter?“

Harrys Zähne kneifen weiße Haut und Draco betrachtet gebannt die dunklen Schlieren, die Harrys schmutzige Hände auf seinem Körper hinterlassen.

„Ich will mir beweisen, dass ich lebe“, antwortet Harry, während seine Zunge Kreise auf Dracos schmutzige Brustwarzen zeichnet.

Draco ist überzeugt, dass Adrenalin Harrys Hirn weichgekocht hat. Entweder das, oder Potter erlaubt sich einen wirklich üblen Scherz. Draco hofft Letzteres und wird bitter enttäuscht, als Harry sich verlangend an ihn drängt.

„Du wirst mich nicht ficken, Potter“, stellt Draco ruhig klar. „Nicht hier.“

Harry grunzt und runzelt unwillig die Stirn.

„Warum nicht?“

In Dracos Fingern juckt es, die zarte Haut um Harrys Augen violett zu färben. Doch er beschränkt sich darauf mit knapper Bewegung auf das Schlachtfeld im Allgemeinen und Voldemort im Besondern zu deuten.

„Deswegen.“

Das Augenrollen verrät Harrys Gereiztheit, als sich sein Hemd, weiche Falten werfend, auf Voldemorts verzerrtes Gesicht legt.

„Besser?“

Die Zeichen Dracos auf Harrys Haut sind noch gut sichtbar. Draco mag es, wenn er Striemen auf diesem trügerisch schwach anmutenden Körper hinterlässt. Und Harry mag es auch.

„Und was ist mit diesem verdammten Geruch?“

Grollend robbt Harry sich an Dracos Körper entlang, bis er ihm in die Augen sehen kann und ihre Nasen sich berühren.

„Vor nicht mal zwölf Stunden habe ich dich auf einer Müllkippe gevögelt – da hat es dich auch nicht gestört.“

Hat es genau genommen doch, aber da hat Draco auch noch gedacht, dass sie sterben würden. Außerdem taucht genau jetzt das entsetzte Gesicht Minerva McGonagalls in Dracos Blickfeld auf – er bezweifelt, dass er unter ihren schreckensweiten Augen einen hochkriegt.

Er will Harry aufhalten, der sich abermals über Dracos Brust einen Weg von Nippel zu Nippel leckt und küsst. Doch Potter grinst nur und Draco presst die Lippen zusammen. Harry weiß scheinbar, wer hinter ihm steht und sich gerade eine zitternde Hand vor den Mund schlägt.

Schemenhaft erkennt Draco auch die Gestalt von Ginny Weasley, welche in diesem Moment aus den Nebelschlieren auftaucht, als Harrys Lippen sich auf seine legen, zärtlich und hingebungsvoll. Als Harrys Umarmung besitzergreifend und leidenschaftlich wird. In den Kuss hinein gönnt sich Draco ein bösartiges Grinsen. In ihren Augen kann er all diesen Schmerz lesen, den er immer empfunden hat, wenn er Harry hat gehen lassen.

Dass Ron schreiend auf die Knie fällt, verwundert Draco ebenso wenig wie Hermines heiseres Schluchzen. Sie sind blind gewesen, haben Harry alle Ausreden geglaubt. Und Erkenntnis kann manchmal eben schmerzhaft sein.

Harry hält ihn einfach nur fest, schert sich nicht um ihre Anwesenheit, beweist Draco, dass nur er zählt – und Draco wirft sich ihm verzweifelt entgegen, schließt die Augen und vergisst Rauch, Blut und Tod. Da ist nur noch Harry, der ihn schon immer hat vergessen lassen, wer und was er ist. Dass es falsch und richtig gibt. Das Vergessen ist dunkel und süß und zieht ihn in die Tiefe, wie Harry ihn einst in die Tiefe gezogen hat. Wie er Harry damals in diese trübe, düstere Tiefe gezogen hat.

Draco erinnert sich plötzlich wieder, warum er gekämpft hat.

Und er weiß, dass er gewonnen hat.

ooOoo

Hermines Augen sind starr und trocken auf die Szene unten im Hof gerichtet. Ihre Zähne graben sich qualvoll in ihre Fingerkuppen, knabbern an Nägeln, die schon lange nur noch schmerzende Ruinen sind.

Die Wand, vor der er steht, ist aus dunklem Stein, lässt das blonde ungepflegte Haar in groteskem Kontrast leuchten. Lässt die bleiche Haut noch durchscheinender wirken als sonst.

Hermine zuckt zusammen, als die Nagelhaut anfängt zu bluten und steckt die verletzte Fingerspitze in den Mund. Sie will, dass es endlich vorbei ist.

Dass sie dieses Lächeln aus Malfoys Gesicht wischen.

Dieses Lächeln, das schon seinen Mund verzogen hat, als sie ihn auf Harry liegend gefunden haben. Reglos. Apathisch. Die Augen aufgerissen, in die Ferne gerichtet; etwas sehend, was ihnen verborgen geblieben ist.

Der Wind ist kalt, aber das ist es nicht, was Hermine schaudern lässt. Es ist die Erinnerung daran, dass sie Dracos Finger rücksichtslos haben brechen müssen, damit er Harry loslässt. Ron ist überzeugt, dass Malfoy Harry umgebracht hat und fiebert der Hinrichtung entgegen. Sie kann es an seinem grimmig schmalen Mund erkennen, dass er keine andere Wahrheit gelten lassen will. Hermine bezweifelt jedoch, dass Draco schuldig ist.

Dass er den Verstand verloren hat steht fest.

Die Meinung der Menschen über die Verurteilung der Todesser spaltet sich. Die einen sagen, dass es nach Todessermethoden anmute, Todesurteile zu vollstrecken. Die anderen sagen, dass es eine notwendige Maßnahme sei und ein Dementorenkuss schlimmer wäre. Fakt ist, dass es das Ministerium zuviel Geld kosten würde, die ganzen seelenlosen Todesser unterzubringen. Avada Kedavra ist billig und effektiv. Hermine ist es egal – sie will nur, dass es endlich vorbei ist.

Außerdem glaubt sie, dass es für Malfoy das Beste ist. Er ist jetzt schon wie ein Geküsster. Nur dieses Lächeln im hohlwangigen Gesicht, seit sie ihn ins St.Mungos eingeliefert und auch in demselben Zustand abgeholt haben. Keine Geste, die er selbstständig durchführt. Er atmet nur – und lächelt.

Einer der Auroren liest die Anklagepunkte vor und Hermine hört Rons Zähne knirschen. Ein Mord an Harry Potter ist nicht aufgeführt. Sie haben es nicht beweisen können. Und Hermine glaubt, eine ganz andere Version zu kennen.

Sie erinnert sich an jene prahlerischen Geschichten, die Harry zum Besten gegeben hat, wenn er Malfoy in einem Duell fertig gemacht hat. Sie erinnert sich aber auch an verräterisch dunkle Flecken an seinem Hals.

Sie erinnert sich an Harrys schlechte Laune, an den Wahnsinn in seinen Augen, als Draco plötzlich verschwunden ist. Und an die gemurmelten Entschuldigungen, mit gesenktem Blick, nachdem er einem dunklen Zorn Luft gemacht hat.

Sie erinnert sich, dass Harry sich oft aus dem Haus der Blacks geschlichen hat. Wenn er bei Sonnenuntergang dann plötzlich wieder aufgetaucht ist, hat er ruhig gewirkt – und glücklich. Abgesehen davon hat er einen auffällig guten Riecher für die nächsten Schritte Voldemorts gehabt.

Sie erinnert sich auch an den jungen Auror, der seltsamerweise direkt in jenen grünen Funkenstrahl hineingestolpert ist, den Bellatrix Lestrange blind in ihre Reihen geschossen hat. Und an Harry, der hinter ihm gestanden hat. An das Lächeln auf Harrys Gesicht. Das wie Dracos Lächeln gewesen ist.

Hermine bezweifelt stark, dass Draco etwas mit Harrys Tod zu tun hat. Sie ist trotzdem froh, dass er bald... weg sein wird. Sie kann Dracos Lächeln nicht mehr ertragen. Sie kann den Gedanken nicht ertragen, dass es Harry ist, der Draco so lächeln lässt.

Der Auror beendet seine Rede und Hermine fühlt sich, als würde sie neben sich stehen; sich selbst beobachten, wie sie abgekaute Nägel malträtiert, die fiebrigen Augen hasserfüllt auf Draco Malfoy gerichtet, der seinem Tod mit heiterer Gelassenheit entgegensieht.

Die Stille ist atemlos, dröhnt fast schon in ihrer Lautlosigkeit, während der Henker vortritt und seinen Zauberstab hebt.

Grünes Licht lässt Draco fallen.


Draco stolpert. Sein Herz zieht sich zusammen, als er Harry sieht, der reglos neben Voldemort im verbrannten Gras liegt. Er kann nur daran denken, dass Potter ein egoistischer toter Wichser ist, der ihn allein gelassen hat. Allein in einer Welt, die nur aus Blut, Angst und Scheiße besteht.

„Müsste nicht eigentlich die Sonne scheinen?“

Der egoistische Wichser ist nicht tot und Dracos Beine geben unter der Erleichterung nach.


Ende
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