Mission Impossible P-18

Mission Impossible P-18

Beitragvon Alraune » 27. Aug 2010, 18:22

Titel: Mission Impossible?

Autorinnen: Ria und Alraune

Genre: Romantik, Humor

Disclaimer: Alles JKR, nichts unser

Widmung: Abranka

A/N: Viel Spaß mit dieser Geschichte! :)

ooOoo


Neville wusste, dass es nichts Gutes bedeuten konnte, wenn Hermine ihn mit diesem Blick ansah. Irgendwie lauernd, abwägend und ganz und gar nicht kompromissbereit… Flucht war unmöglich, da sie in der Tür stand und ein Entkommen somit ausschloss. Da half nur eines: Augen zu und durch.

„Äh, kann ich dir helfen, Hermine?“

Sie lächelte ihn beruhigend an. Nur, dass sie dabei aussah, wie eine Katze, die ihr Opfer in die Enge gedrängt hatte und kurz davor war, es zu verspeisen. Neville wischte sich die feuchten Hände an seiner Hose ab.

„Oh nein, ich bin hier, um dir zu helfen“, verkündete Hermine fröhlich und Neville wich instinktiv einen Schritt zurück. „Weißt du, Neville, du bist immer so nett und hilfsbereit und ich dachte mir, das muss belohnt werden…“

Neville kam sich plötzlich vor, als spiele er in einem Film mit. Einem sehr, sehr schlechten Film!

„Ach, das mach ich doch gern“, murmelte er, mit einem Auge die Tür taxierend, um eventuell doch noch entkommen zu können. Rons Bett brachte ihn sanft zu Fall, als seine Kniekehlen gegen die Kante stießen und er in den weichen Laken landete.

Hermine grinste ihn amüsiert von oben herab an, ja, sie weidete sich geradezu an seinem panischen Gesichtsausdruck. „Tut mir Leid, Neville. Aber diesmal kannst du dich nicht herausreden!“

„Hermine, ich bitte dich…“, versuchte Neville mutlos, das Unvermeidliche abzuwenden.

Mit einem Ruck zog Hermine den schüchternen Jungen an seiner Krawatte hoch und sah ihn ernst an.

„Ich habe ein ganz spezielles Weihnachtsgeschenk für dich und du wirst es annehmen, Neville!“, verkündete sie, und Neville nickte ergeben – wer konnte ihr schon einen Wunsch abschlagen, wenn sie einen halb erwürgte?

„Wenn es wirklich sein muss…“

„Es MUSS sein. Und es wird dir gefallen, ich weiß es. Und außerdem, das muss ich zugeben, ist es nicht ganz uneigennützig, aber ich bin halt praktisch veranlagt“, erklärte Hermine gelassen. „Zum einen löse ich meine verlorene Wette mit Ron ein, zum anderen vollbringe ich auch noch eine gute Tat!“

Diese verdammte Wette! Hätte Neville damals gewusst, dass es sich bei dem Wetteinsatz um sein Liebesleben handelte, wäre er wahrscheinlich ausgewandert. Eigentlich hatte es ganz harmlos angefangen. Ron hatte Hermine geneckt, er wüsste, mit wem Harry zusammen war, und dass sie nie im Leben darauf kommen würde. Hermine hatte dagegengehalten (sie verlangte nur drei Tage Zeit) und war gescheitert. Hätte sie nur einmal in den Schlafsaal geschaut, hätte sie herausgefunden, dass es sich bei dieser Person um Draco Malfoy handelte. Ron hatte sie grinsend in das Zimmer der Sechstklässler geführt und ebenso grinsend zugesehen, wie Hermine sprachlos das knutschende Pärchen auf Harrys Bett betrachtete. Dann hatte er sie wieder in den Gemeinschaftsraum gebracht und ihr gesagt, was sie zu tun hatte…

„Was soll daran gut sein?“, fragte Neville nun kläglich. „Er weiß ja noch nicht einmal, dass ich existiere!“

„Und genau daran werde ich etwas ändern“, verkündete Hermine gefährlich lächelnd.

„Hermine?“

„Mhm?“

„Das wird nicht klappen, das weißt du doch, oder?“

Das Mädchen ließ seine Krawatte los und schürzte unwillig die Lippen. „Zweifelst du etwa meine Fähigkeiten an?“

„Nein. Aber es wird trotzdem nicht funktionieren“, antwortete Neville resignierend.

„Papperlapapp, wir schaffen das schon! Und jetzt komm mit, jetzt wird ein Slytherin erobert!“

Ohne auf Nevilles halbherzige Proteste einzugehen, zog Hermine ihn auf die Beine und zerrte ihn die Treppe hinunter in den Gemeinschaftsraum. Harry lächelte ihn von der Couch aus mitleidig an. „Viel Glück, Neville.“

„Danke, das kann ich gebrauchen“, konnte Neville gerade noch antworte, ehe Hermine ihn durch den Ausgang auf den Flur schubste.

„Du hast alles was du brauchst: Dean, Seamus und ich werden das Kind schon schaukeln“, sagte sie ein wenig verstimmt über soviel Misstrauen.

Wie angewurzelt blieb Neville stehen. In seinem Kopf rauschte es, als wäre gerade ein Flugzeug direkt neben ihm gestartet.

„D-D-Dean… und Seamus?“

Mit einem Ruck riss er sich los, raste in den Gemeinschaftsraum zurück und klammerte sich an Harry fest.

„Du musst sie aufhalten! Du rettest doch sonst auch alles und jeden – jetzt rette mich! Bitte, Harry…“

„Ich kann nicht“, gab Harry seufzend zu. „Ich habe Hermine bereits versprochen, ihr zu helfen.“

„Ich bin verloren“, hauchte Neville mit vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen.

„Oh, komm schon, Neville!“ Hermine ragte mit verschränkten Armen über ihm auf und sah äußerst streng drein. „Das ist doch wirklich albern. Bist du jetzt in Blaise verliebt oder nicht?“

„Schon, aber ich ziehe es eben vor, ihn aus der Ferne zu lieben!“

„Und währenddessen dürfen wir uns dein unglückliches Geseufze anhören“, mischte Ron sich ein, der unbemerkt den Raum betreten hatte. „Warum, glaubst du wohl, bleiben wir alle über Weinachten hier?“

„Ihr wollt meinem Untergang beiwohnen?“, mutmaßte Neville unglücklich.

„Wir wollen unserem Freund helfen!“ Hermine tätschelte Neville aufmunternd die Schultern.

„Und wie wollt ihr das anstellen?“

„Erst einmal musst du lernen, mit Blaise zu reden. Reden, Neville! Ich meine nicht dieses wirre Stottern, das du sonst immer in seiner Nähe hervorbringst“, erklärte Hermine eifrig.

„Nichts einfacher als das“, krächzte Neville, dessen Hals plötzlich staubtrocken war. „Sonst geht’s euch aber gut, oder?“

„Alles bestens, danke der Nachfrage“, entgegnete Hermine bissig. „Und jetzt komm endlich, du verpasst deine Nachhilfestunde.“

„Aber ich habe gar keine Nachhilfestunde…“

„Doch, hast du! Du gibst Blaise und Draco Nachhilfe in Kräuterkunde“, klärte Hermine einen äußerst geschockten Neville auf.

„WAS???“

Harry sah betreten zu Boden, als Nevilles entrüsteter Blick ihn traf.

„Das hab ich doch dir zu verdanken!“

„Hermine kann wirklich gut argumentieren…“, murmelte Harry entschuldigend.

„Und Harry ebenfalls“, gab Hermine das Kompliment großzügig zurück. „Schließlich hat er Draco dazu überredet, mitzumachen.“

Harry grinste schief und Neville verbarg sein Gesicht stöhnend in den Händen.

„Ich bin so was von erledigt…“


ooOoo


Halb ziehend, halb drückend und schubsend, hatte Hermine es doch noch geschafft, Neville zum Gewächshaus zu bugsieren. Jetzt war ihr Gesicht krebsrot vor Anstrengung und sie stieß ihn mit einem gemurmelten „Viel Glück“ durch die Tür, um ihn seinem Schicksal zu überlassen.

Besagtes Schicksal blickte Neville gelangweilt entgegen. Das dunkle Haar fiel ihm widerspenstig in die Stirn, die dunkelblauen Augen beinahe überschattend.
Neville schluckte und starrte Blaise mit großen Augen an, ohne einen einzigen Ton hervorzubringen.

„Können wir anfangen, Longbottom?“, machte Draco sich bemerkbar. Seine Stimme klang ein klein wenig gereizt.

„Uh?“ Neville blinzelte verwirrt, ehe er aus seiner Erstarrung erwachte. „Oh… Ja, natürlich. Kräuterkunde. Womit fangen wir an?“

„Das solltest du uns wohl sagen“, antwortete Blaise. Seine Stimme war angenehm leise, ein wenig rau und Neville sah beinahe Sterne vor lauter Entzücken.

Draco vermied es, sich die Haare zu raufen, nahm sich aber vor, ein ernstes Wort mit Harry zu reden, schließlich war er schuld daran, dass Draco jetzt Nachhilfe von Longbottom bekam.

„Die Alihotsy?“, gab er Neville ein Stichwort.

„Löst Hysterie aus, wenn man die Blätter isst…“, hauchte Neville ohne darüber nachzudenken. Nachdenken war überhaupt ganz schlecht, wenn Blaise sich mit der Zunge die Lippen befeuchtete.

„Und was kann man dagegen tun?“ Dracos Finger krallten sich um eine hübsche Topfpflanze, um sie ein wenig zu würgen – Harrys Hals war ja gerade nicht verfügbar.

„Man trinkt den Sirup der Glumbumbel…“ Hatte Blaise ihn gerade angegrinst? Und waren da wirklich kleine dicke Engel, die durch die Lüfte flogen und das Halleluja sangen?

„Bravo, Longbottom“, knurrte Draco halblaut. „Und jetzt alles noch mal, in ganzen Sätzen…“

Neville war leider nicht mehr aufnahmefähig, da Blaise seine gefütterte Robe auszog. In den Gewächshäusern herrschte tropische Hitze, die im krassen Gegensatz zu der eisigen Dezemberkälte stand, die draußen vorherrschte.

Draco beschloss, dass, egal, was Harry mit seiner Zunge alles anstellen konnte, er in Zukunft nur noch mit "nein" antworten würde, sollten irgendwelche Bitten an ihn herangetragen werden.

„Ich geb’ auf“, murmelte Draco, packte seine Robe und rauschte an Neville vorbei zur Tür.

Blaise folgte ihm langsam, blieb aber noch kurz neben Neville stehen, der den Atem anhielt, als er aus nie gekannter Nähe in Blaise’ hübsches Gesicht sehen konnte.

„Interessante Stunde…“, stellte Blaise leise lachend fest, ehe er einem, vor sich hinfluchenden Draco, nachging.

Nevilles Beine begannen zu zittern, gaben schließlich unter ihm nach und er ließ sich auf den nächstbesten Hocker fallen.

„Ich hab’s vermasselt!“

ooOoo

"Ich sterbe", jammerte Neville am nächsten Morgen, als sie alle beim Frühstück zusammensaßen.

"Unsinn, Neville", sagte Hermine und goss ihm eine Tasse starken Kaffees ein.

"Meine Würde ist ruiniert!", seufzte Neville.

"Welche Würde?", mischte Seamus sich grinsend von der Seite her ein und verzog danach schmerzvoll das Gesicht, als Hermine ihn wohl kräftig unter dem Tisch getreten hatte.

"Das ist alles halb so wild", beruhigte Hermine ihn. "So was passiert jedem. Nicht wahr, Harry?"

"Hm?", machte Harry, der bis eben damit beschäftigt gewesen war, auf äußerst laszive Weise Butter von seinem Messer zu lecken - wohl, um Draco zu besänftigen, wie Neville nach einem kurzen Kontrollblick feststellte. Gleich darauf bereute er diesen Blick jedoch, denn dadurch war auch Blaise in sein Sichtfeld geraten und er hatte ihm zugezwinkert. Zugezwinkert. Oh Merlin. Neville fühlte sich einem Nervenzusammenbruch sehr, sehr nahe.

Als Hermine Harry einen strafenden Blick zuwarf, beeilte er sich, ihr zuzustimmen: "Ähm, ja. Ja, genau. Du hast vollkommen Recht, Hermine." Und mit der traumwandlerischen Sicherheit eines wahren Könners erriet er ihr momentanes Gesprächsthema: "Mach dir keine Sorgen wegen Blaise, Neville. Am Anfang hab ich auch gedacht, Draco hasst und verachtet mich. Dann hab ich festgestellt, dass es gar keine Todesblicke waren, die er mir zugeworfen hat, sondern dass er mir auf den Arsch geglotzt hat." Genüsslich leckte er nun Marmelade von seinen Fingern.

"Kumpel, ich liebe dich, rein platonisch, versteht sich, aber das wollte ich nicht wissen", sagte Ron milde entsetzt. "Behalte Details bitte für dich."

"Siehst du, Neville", sagte Hermine aufmunternd. "Das ist alles ganz wunderbar."

"Aber..." Neville wand sich auf seinem Stuhl. "Woher weiß ich denn, ob Blaise ganz eventuell..." Er wagte nicht, es auszusprechen, so, als ob es dadurch vielleicht einen grauenhaften Anklang von Realität bekommen könnte.

"Wenn er dich gegen die Wand presst und dich knutscht", sagte Harry und sein Blick wurde ein wenig glasig.

"Mann, ey! Erzähl ich dir, wie Hermine und ich zusammengekommen sind?" Ron fuchtelte drohend mit seinem Löffel in Harrys Richtung.

"Nein, aber Hermine." Harry grinste und Hermine kicherte, als Ron rot anlief. "Aber wenn du willst, kann ich Draco fragen, ob Blaise auf dich steht."

Neville zuckte zusammen. "Nein, nein, ähm... lieber nicht. Ich will nicht, dass es irgendjemand merkt."

Betretenes Schweigen herrschte.

"Ich sag's dir nur äußerst ungern, Neville", formulierte Ron schließlich vorsichtig, "aber ich glaube, selbst Filch weiß, dass du total auf Blaise abfährst."

"Uäh", sagte Harry und verzog das Gesicht. "Ron, du bist pervers."

"Nein, ich hab ihn neulich mit einem Siebtklässler darüber diskutieren hören und -" Ron unterbrach sich mit einem gequälten Schmerzensschrei. "Ähm... war 'n Witz. Das weiß ganz bestimmt niemand von den Erwachsenen. Vor allem nicht Snape. Au!"

Wütend funkelte Hermine ihn an, dann wandte sie sich mit einem geduldigen Lächeln wieder Neville zu. "Also, Neville. Ignorier Ron. Da Plan A gescheitert ist, kommen wir jetzt zu Plan B."

"Wie viele Pläne habt ihr denn?", fragte Neville kläglich.

Mit gerunzelter Stirn wandte Hermine sich an Harry. "Wie viele waren es?"

"Ich glaube, es ging bis Plan F oder so", entgegnete der nachdenklich. Erschrocken schnappte Neville nach Luft. Seine Freunde wirkten beunruhigend entschlossen.

"Ja. Jedenfalls, Plan B besagt, dass du zufällig zur gleichen Zeit wie Blaise aufstehst, sodass ihr in der Vorhalle aufeinander trefft. Dort verwickelst du ihn dann ein Gespräch, das sich zu einem kleinen Flirt entwickelt."

"Euch ist schon bewusst, dass ich das machen soll?", hakte Neville nervös nach, für den Fall, dass sie irgendetwas nicht berücksichtigt hatten. "Und überhaupt, worüber sollen wir reden?"

"Ach was, das packst du. Lass dir was einfallen - oh, er steht auf! Schnell, schnell, schnell!"

"Aber -", stammelte Neville, doch Harry zerrte ihn erbarmungslos hoch.

Beunruhigt und verunsichert ging Neville am Gryffindortisch entlang - die Fäuste mit den gedrückten Daumen und die vielstimmig geflüsterte Unterstützung seiner Hauskameraden trugen nicht dazu bei, seinen Verwirrungsgrad zu mindern. Sobald die Torflügel mit einem unheilverkündenden Donnern ins Schloss gefallen waren, blickte Neville seinem ebenso unheilverkündenden Schicksal in die hinreißend blauen Augen. Draco stand mit verschränkten Armen neben Blaise und tappte mit dem Fuß einen ungeduldigen Rhythmus auf den Boden. "Hallo, Longbottom", sagte er nach einigen Sekunden des Schweigens genervt.

"Hi", hauchte Neville mit weitaufgerissenen Augen. Das Herz schlug ihm bis zum Hals und der Angstschweiß brach ihm aus, als Blaise nur schmal lächelte.

Stille herrschte. Draco rollte mit den Augen und schnitt einige Grimassen. Offensichtlich war er von Harry angeleitet worden, unter allen Umständen ein Gespräch zu erzwingen. "Danke für die Nachhilfestunde", sagte er deshalb in gereiztem Tonfall.

"Gerne", stammelte Neville. Sein Geist war vollkommen leergefegt. Die einzigen Gedanken, die durch sein weitgehend funktionsunfähiges Gehirn schossen, waren: "Mann, er sieht so gut aus", "Scheiße, ich bin doof", "Ich trau mich das nie" und "Woah, aus der Nähe betrachtet hat er echt wunderschöne Lippen!" Allerdings war selbst ihm bewusst, dass das keine guten Phrasen waren, um ein Gespräch einzuleiten.

Aus dem Augenwinkel beobachtete er Filch, der in die Halle trottete, seinen Besen ärgerlich schwingend. Der Hausmeister bemerkte sie ebenfalls, starrte sie einige Sekunden lang an und begann dann, meckernd zu lachen.

Wie vom Schlag getroffen, zuckte Neville zusammen. "Ich... ich muss gehen!", stammelte er. "Ich muss... ich hab... ich hab jetzt Nachsitzen bei Snape!" Panisch ergriff er die Flucht und hörte so nur noch von Ferne Draco rufen: "Longbottom, in die Kerker geht es aber in die andere Richtung!"

Nur noch weg, weg, weg! Als Nevilles Lungen nach Luft schrieen, blieb er schließlich vornübergebeugt stehen und versuchte, sein rasendes Herz zu beruhigen.
Scheiße. Wieder vermasselt.

ooOoo

"Hey, Neville! Hey, hier!" Verwundert blickte Neville sich um - niemand befand sich in seiner Nähe. Er war gerade von einer langen Sitzung in der Bibliothek unterwegs in den Gryffindorturm und sehnte sich nur noch danach, die schweren Bücher von sich zu schleudern, die Füße hochzulegen und vor dem Kamin auszuspannen. Nach einigen Sekunden erschien eine Hand in der leeren Luft direkt vor ihm, ergriff ihn am Kragen und zerrte ihn zu sich.

Bevor Neville auch nur einen Laut des Protests von sich geben konnte, befand er sich unter Harrys Tarnumhang. "Scht!", machte Harry und legte einen Finger an die Lippen. "Er ist gerade um die Ecke! Und jetzt komm!"

Wer kam? Was war hier eigentlich überhaupt los? Neville hatte jedoch keine Zeit, darüber nachzudenken, als Harry ihn am Handgelenk hinter sich herzerrte. Der drahtige Gryffindor rannte unglaublich schnell und ausdauernd und Neville kam schnell ins Keuchen, doch Harry war erbarmungslos. Schließlich hielten sie vor einer unscheinbaren Tür an. "Zitronengras", zischte Harry und die Tür öffnete sich. Dahinter erstreckte sich ein großer Raum, der ganz mit Marmor ausgekleidet war und in dessen Mitte ein tiefes Wasserbecken eingelassen war. Das war doch nicht etwa...

"Woher hast du das Passwort?", war das Erste, was Neville wissen wollte.

Harry grinste. "Von Draco. Aber jetzt husch, husch, rein!"

"Äh... was soll das überhaupt?"

"Plan C", erklärte Harry flüsternd, schubste ihn in den Raum und knallte dann die Tür zu, bevor Neville widersprechen konnte.

Allein stand Neville nun in dem großen, hohen Raum und wusste nicht weiter. Hilflos blickte er sich um - goldene Wasserhähne glänzten am Rand des Beckens und überall lagen flauschig weiche Handtücher und Bademäntel in den Hausfarben.

Da öffnete sich die Tür und Neville machte einen Satz zurück. Blaise trat ein und stockte kurz, als er Neville erblickte. Dann lächelte er wieder jenes schmale Lächeln, das Neville den Verstand raubte. "Hi", sagte er. "Ich wusste gar nicht, dass du Vertrauensschüler bist."

"Bin ich auch nicht", erwiderte Neville aus einem Reflex heraus. "Ich... ähm... geh dann mal."

Blaise lachte leise und dem Gryffindor lief es kalt den Rücken runter. "Ach was, bleib ruhig hier. Ich bin auch keiner; ich habe das Passwort von Draco."

"Ach so", murmelte Neville und blickte zu Boden, um Blaise nicht ansehen zu müssen.

Nach einer Weile sagte Blaise: "Na ja, ich geh dann mal ins Wasser. Kommst du?"

Neville konnte jedoch nicht antworten, denn Blaise ließ gerade den Umhang von seinen Schultern rutschen, knöpfte sein Hemd auf, das zu Boden flatterte, öffnete seine Hose, schlüpfte aus seinen Socken und - Neville kniff die Augen so fest zusammen, dass es schmerzte. "Wie lange willst du noch da stehen?", fragte Blaise mit mildem Spott. "Ich schau auch nicht hin."

Mit einem kurzen prüfenden Blick stellte Neville fest, dass eine dunkelgrüne Boxershorts auf dem Klamottenhaufen lag. Oh Merlin. Zitternd und sich seiner Bewegungen nicht bewusst, entledigte Neville sich ebenfalls seiner Klamotten und glitt dann rasch in das Wasser, auf dessen Oberfläche zum Glück schon viele große, blubbernde Blasen einen Teppich bildeten. Sie rochen angenehm nach Honig - nein, es war Blaise, der nach Honig roch, stellte Neville fest. Der Geruch war betörend und vor allem schrecklich verwirrend uns sprachlos machend.

Blaise öffnete die Augen, blickte ihn kurz an, dann lehnte er sich gegen den Beckenrand, die Arme, die gerade perfekt waren - sehnig, aber nicht zu muskulös - lässig ausgebreitet und legte den Kopf auf die Fliesen, seine Kehle bloßliegend und verletzlich. Zarte Schatten von den gedimmten Lampen an den Wänden tanzten auf seinem blassen Gesicht, seinen Wangen, auf denen ein Hauch von Röte zu erkennen war.

Irgendwie hatte Neville das Gefühl, dass er etwas sagen sollte. Irgendetwas Cooles. Irgendetwas, das Blaise zeigte, was er wollte, was er empfand. Leider fiel seinem gelähmten Gehirn kein anderer Anmachspruch als "Ganz schön voll hier drin. Wollen wir rausgehen?" ein und der ließ sich nun überhaupt nicht auf die Situation anwenden. Außerdem fand Neville ihn sowieso bescheuert.

So saß er bloß da, stumm, gequält und Blaise anstarrend, der seine Blicke nicht zu bemerken schien. Die Stille lastete von Sekunde zu Sekunde schwerer und Neville wollte ums Verrecken nichts einfallen, das er sagen könnte - es schien, als hätte ein Wirbelsturm in seinem Geist gewütet und alles Vernünftige, Coole und Lässige (das ohnehin nur sehr spärlich vorhanden war) einfach hinweggefegt.

Nach einer Weile (Neville konnte nicht schätzen, wie lange, aber die Blasen waren deutlich weniger geworden) drehte Blaise sich schließlich seufzend um und angelte nach einem Handtuch. Elegant setzte er sich auf den Beckenrand (Neville wurde rot, als er sich vorstellte, wie er selbst gleich rauskraxeln müsste), schlang sich das Handtuch um die Hüften, warf sich einen slytheringrünen Bademantel über und sammelte seine Kleider auf. "Man sieht sich", sagte er schließlich, dann verließ er das Badezimmer.

Mit einem frustrierten Stöhnen ließ Neville seinen Kopf auf die Fliesen donnern und knirschte wütend mit den Zähnen. Schon wieder versaut.

ooOoo

„Neville, wir müssen dringend etwas gegen deine Schüchternheit tun!“, stellte Hermine sachlich fest, als sie die ganze Geschichte gehört hatte.

„Lasst mich doch einfach alle in Ruhe“, verlangte Neville gepresst. „Kümmert euch um euer eigenes Liebesleben!“

Er saß vor dem Kamin im Gemeinschaftsraum und starrte düster in die Flammen. Die Mitglieder des Kupplerordens saßen um ihn herum und sahen ihn je nach Temperament mitfühlend oder entschlossen an. Ganz besonders Dean und Seamus, die sich für so etwas wie die Nachfolger der Zwillinge zu halten schienen, zumal sie von diesen wöchentlich ein wahres Arsenal an mehr oder weniger gefährlichen Testsubstanzen zugeschickt bekamen und nicht zögerten, diese an unschuldigen Opfern auszuprobieren…

„Weißt du, Neville…“, begann Dean grinsend.

„… wir hätten da eine Idee…“, fügte Seamus hinzu. Inzwischen hatten sie sich sogar angewöhnt, ähnlich versetzt wie die Zwillinge zu reden, was die Leute zunehmend irritierte und sie in nicht rational erklärbare Angstzustände versetzte.

„Ich will es nicht wissen!“

„Oh, komm schon, Nevillein, wir haben hier sehr leckere Coolnesstropfen…“

Deans Augen glitzerten lauernd und ehe Neville sich versah, saß Seamus auch schon halb auf ihm, und schüttete eine bittere Flüssigkeit in seinen Mund.

Hustend und würgend versuchte Neville die widerlichen Tropfen, die weiß-der-Teufel-was mit ihm anstellen würden, wieder auszuspucken, doch der Großteil war schon durch seine Kehle gerauscht.

„WAS ZUR HÖLLE…“, setzte er an, doch dann weiteten sich seine Augen ungläubig. Er fühlte sich entspannt, locker und… cool. Sehr cool, um genau zu sein. So cool, dass es ihn wunderte, dass die Flammen im Kamin in seiner Gegenwart noch nicht sofort zu Eis erstarrt waren.

„Neville?“, fragte Hermine vorsichtig. „Wie fühlst du dich?“

„Alles easy, Herm.“

„HERM????“

„Mach dich locker, Herzchen. Alles wird gut“, fuhr Neville mit schleppender Stimme fort, und stand langsam auf. „Ich werd’ mir dann mal Blaise schnappen…“

Hermine blitzte die Nachwuchs-Zwillinge finster an. „Ihr habt ihm eine Überdosis verpasst!“

„Das Produkt befindet sich in der Testphase, wir haben keine Ahnung, wie und wie lange es wirkt“, gab Seamus grinsend zu. „Aber es scheint zu funktionieren.“

Hermine schnaubte nur und beeilte sich Neville zu folgen, der soeben aus dem Gemeinschaftsraum spazierte. Die anderen folgte ebenfalls – dieses Schauspiel wollten sie sich nicht entgehen lassen.

ooOoo

Unten in den Kerkern angekommen, stand Neville erst einmal vor einem größeren Problem. Seine neu erworbene Coolness hatte zwar auch seinen Orientierungssinn verbessert; leider hatten ihm die Tropfen jedoch nicht das zusätzliche Wissen miteingeflößt, wo sich der Slytherin-Gemeinschaftsraum befand, wo er Blaise aufreißen konnte.

Aber natürlich verzweifelte er nicht an seiner Lage: Lässig lehnte er sich gegen die Wand, verschränkte die Arme und wartete. Er wusste, dass etwas passieren würde. Irgendetwas musste passieren - so großen Gefallen konnte das Schicksal an Sinnlosigkeit nicht finden. Außerdem war er viel zu cool, um hier lange rumstehen zu müssen.

Schließlich passierte tatsächlich etwas, aber leider kam kein leichtbekleideter Blaise um die Ecke, sondern ein bulldoggengesichtiger Erstklässler, der Neville finster anstarrte. "Was machst du denn hier?", bellte er mit einer zu seinem Gesicht passenden Stimme.

"Jetzt mach mal halblang, Dreikäsehoch", sagte Neville gedehnt und einen kurzen, verwirrten Moment fragte er sich, ob er tatsächlich gerade wie Draco klang. "Zeig mir lieber, wo euer Gemeinschaftsraum ist."

Der Erstklässler schnaubte. "Einem Gryffindor ganz sicher nicht."

Mit einer schnellen Bewegung, die ihn selbst überraschte, hielt Neville dem Erstklässler plötzlich seinen Zauberstab an die Kehle. Der überrumpelte Junge schluckte deutlich hörbar und starrte Neville an. "Ist das ein gutes Argument?", fragte Neville mit hochgezogenen Augenbrauen.

"Überredet", fiepte der Erstklässler mit plötzlich sehr viel höherer Stimme und eilte dann voran.

Neville folgte ihm, neugierig (aber nicht allzu sehr, es war mehr so eine lässig-entspannte Neugier) und sich ständig umblickend, um sich den Weg merken zu können. Schließlich standen sie vor einem außergewöhnlich hässlichen Porträt von Salazar Slytherin und der Junge hauchte das Passwort ganz leise, damit Neville es nicht hörte. Das Porträt klappte zur Seite, der Erstklässler kletterte in den Raum und Neville folgte ihm.

Der Slytherin-Gemeinschaftsraum war groß, gemütlich (bis auf die Folterinstrumente, die in einer Ecke im Schatten blitzten, wenn man den Kopf ein wenig schieflegte) und war mit bequemen Sofas ausgestattet. Einige Slytherins lagerten vor dem Feuer und spielten Strip-Snape-explodiert. (Neville bedauerte, dass Blaise nicht dabei war.) Einige der Jüngeren hüpften lachend um den Weihnachtsbaum, tranken aus kleinen Fläschchen mit sicherlich alkoholischem Inhalt und übten Feuerzauber an den Ästen des Baums. Ältere wiederum lagen bequem auf den Sofas, bewegten sich nur minimal und verfolgten träge mit den Augen, wie sich zwei Dritttklässler mit fiesen Flüchen um eine Galleone duellierten.

"Ähemhem", sagte der Erstklässler. Niemand reagierte. "ÄHEMHEM." Keine Reaktion. "Neville Longbottom ist hier!", rief er dann und sofort drehten sich alle Köpfe zu ihnen herum und eine gefährliche, tödliche Stille senkte sich über den Raum.

Draco, der auf einem Sofa gelegen hatte, stand sofort auf und näherte sich Neville mit raubtierhafter Eleganz. "Und was genau, Longbottom", schnurrte er im Tonfall einer Katze, die gleich angreifen wird, "treibt dich hierher?"

"Jetzt entspann dich mal, ich will hier keine Bombe hochgehen lassen", sagte Neville lässig. Mit einem Hauch von Verwirrung hob Draco eine Augenbraue - er wusste nicht, was eine Bombe war, vermutete Neville. Egal. "Ich bin hier, um... mit Blaise zu reden", sagte er.

"Ach", sagte Draco und in diesem einen Wort lagen so viele Dinge, dass Neville Stunden gebraucht hätte, um sie alle aufzuzählen. Deswegen fing er lieber erst gar nicht damit an. "Ich glaube, ich muss mal mit Har- Potter sprechen."

"Ich bin hier, Scha- äh, du Arschloch!", rief es von draußen.

Mit der Beschleunigung eines Kometen schoss Draco aus dem Gemeinschaftsraum und dann waren von draußen Geräusche zu hören, die nach einem Aufprall von Haut auf Haut, "Mpfh!", leisem Knurren und zerreißendem Stoff klangen. Jemand hustete sehr laut. Die Geräusche verstummten, nur um durch hastige Schritte ersetzt zu werden. Neville lenkte seine Aufmerksamkeit wieder auf die Slytherins, die sich ihm unterdessen auf unbemerkte Weise genähert hatten. Irgendwie wirkte es, als hätten sie unsichtbare Räder unter den Füßen, denn ohne dass sich einer von ihnen bewegte, kamen sie ständig näher und näher.

Neville lächelte. Cool. Unberührt. Irritiert verharrten die Slytherins, gaben die Angriffshaltung und die drohenden Blicke deswegen jedoch noch nicht auf.

Da drängte sich jemand zwischen ihnen durch - schlank, hochgewachsen, dunkelhaarig, von der Eleganz eines Tigers, mit Augen von einem Blau, für das selbst das Blau des Himmels über dem Himalaya als Beschreibung noch unzureichend gewesen wäre, und mit einer Präsenz, die den ganzen Raum zu erfüllen schien. Die Slytherins wichen bewegungslos zurück. Nur ein bisschen. Aber sie wichen zurück.

"Ja?", fragte Blaise und seine Stimme klang wie ein Streichholz, das jemand über einen Scheiterhaufen hielt. „Was willst du?“

"Können wir das nicht draußen besprechen?", fragte Neville und verschränkte lässig die Arme. "Ich weiß nicht, wie es dir da geht, aber ich habe keine Lust, alles vor tausend neugierigen Slytherin-Plappermäulern zu bereden." Sofort erhöhte sich das Tötungspotenzial der Slytherin'schen Blicke um einiges, aber sie prallten von Neville ab wie die Wärme einer Kerze von einem Eisblock.

Blaise zuckte mit den Schultern, stieg nach draußen und wartete, bis Neville ihm gefolgt war, bevor er den Zugang schloss. Ohne ein Wort zu sagen, lief der Slytherin scheinbar wahllos um einige Ecken, bis er einen dunklen, engen Gang erreicht hatte und sich an die Wand, die Arme verschränkt und Neville aufmerksam anblickend. Und auf einmal spürte Neville, wie die Wirkung des Trankes implosionsartig nachließ - er war nur ein winselndes, hilfloses Kaninchen, und Blaise war eine große, giftige Schlange, Hilfe, Hilfe, HILFE –

"Ja?", fragte die Schlange - äh, Blaise. Wieder dieser Tonfall, der Neville aber diesmal das Blut in den Adern gefrieren ließ. Oh Merlin. Oh heilige Cliodna. Bei allen Druiden - was hatte er sich GEDACHT?! ... Nun, nichts, das war klar. Aber sein Gehirn hatte sich leider noch nicht wieder eingeschaltet und so konnte er Blaise nur anstarren und hoffen, dass er nicht sabberte.

"Sag was", ermunterte ihn jemand von hinten - Neville wirbelte herum.

"Hermine!", brachte er hervor - immerhin ohne zu stottern. "Ron!", fügte er nach einigen Sekunden hinzu. Sie mussten ihnen unbemerkt gefolgt sein - na ja, unbemerkt war bei seinem momentanen Geisteszustand wohl kein Wunder.

"Wir sind hier, um dich anzufeuern", erklärte Hermine fröhlich.

"Ihr... ihr...", würgte Neville hervor.

"Ach, lenkt es dich ab, wenn du uns hier so rumstehen siehst? Kein Problem. Ron?" In einer fließenden Bewegung holte Ron den schimmernden Tarnumhang hervor und warf ihn über Hermine und sich selbst. "Besser?", erklang Hermines Stimme etwas gedämpft.

"Ähm... nein."

"Hm." Die beiden machten einige trippelnde Schritte zur Seite. "Und jetzt?"

"NEIN."

"Wir können nicht noch weiter weg, Neville, dann hören wir ja gar nichts mehr!"

"Ja... ähm, eben. Bitte, Hermine", flehte Neville. "Könnt ihr nicht einfach in den Gemeinschaftsraum und... ich hab da noch so eine Pflanze in dem Kasten neben meinem Bett... du weißt, was ich meine, Ron... ähm, du kannst sie gerne -"

"Überredet", sagte Ron, ein zischendes Geräusch erklang, als er mit Hermine im Schlepptau davonraste, und der Tarnumhang flatterte in der dünnen, kalten Kerkerluft.

Schlagartig erinnerte Neville sich an die Situation und wirbelte zu Blaise herum, der immer noch genauso dastand wie eben, mit dem einzigen Unterschied, dass er jetzt die Augenbrauen hochgezogen hatte. DAS war wahre Coolness, dachte Neville innerlich seufzend, nicht durch Doping oder ähnliches hervorgerufen. Vermutlich konnten in seiner Nähe wirklich Flammen gefrieren.

"Du wolltest mit mir reden, Longbottom", erinnerte Blaise ihn. Seine Stimme war dunkel und ein wenig rau und Nevilles Knie zitterten wie Espenlaub.

"Ähm, ja... ich... weil... ähm... ich..."

"Ich wollte dir sagen, dass", half Blaise ihm mit einem Satzbaustein auf die Sprünge.

"Dass du die schönsten Augen hast, die ich jemals gesehen habe!", platzte Neville los und machte dann vor Entsetzen über sich selbst einen Sprung zurück. Erschrocken schlug er sich die Hände vor den Mund - hatte er das wirklich gesagt? War er verrückt geworden? Wirkte der Coolness-Trank doch noch? War das da die Andeutung eines Lächelns um Blaises Mundwinkel? WAR er vielleicht schon verrückt und halluzinierte gerade?

"Weiter", sagte Blaise nur. "Ich wollte dir sagen, dass..."

"Dass du... du...", murmelte Neville und brach dann hilflos ab. "Oh verdammt", sagte er bedrückt. "Bitte, Blaise, kannst du noch mal reingehen? Dann hol ich mir noch mal kurz Nachschub an dem Coolness-Trank und probier es noch mal, okay?"

"Ach, das wäre ja zu einfach", spottete Blaise sanft. "Ich mag Menschen lieber ehrlich und unverfälscht. Und ich dachte immer, Gryffindors wären mutig?"

Neville schluckte. Und schluckte wieder. Konnte er seine Gryffindor-Ehre aufs Spiel setzen und kneifen? Klar, kein Problem. Konnte er vor Blaise das Gesicht verlieren? Welches Gesicht? Und hatte er das nicht schon längst verloren, weil er sich in den letzten Monaten beinahe jeden Tag bis auf die Knochen vor Blaise blamiert hatte? War es insofern nicht egal? Neville blinzelte nervös.

Und holte tief Luft.

Dann begann er so schnell zu reden wie noch nie in seinem Leben: "Ich wollte dir sagen, dass du wunderschön bist. Alles an dir. Deine Augen, die wahrscheinlich im Dunkeln leuchten – okay, tun sie tatsächlich. Dein Gesicht, das selbst hier im Schatten einfach anbetungswürdig ist. Die feinen Linien deines Profils – selbst die Falten auf deiner Stirn, wenn du dich konzentrierst. Und deine Hände… sie sind es, die mich in Zaubertränke so sehr ablenken, dass ich jedes Mal kläglich versage. Diese langen, blassen Finger, die einen Tanz aufführen, wenn du redest.“

Neville nahm sich gerade genug Zeit, sich mit einer staubtrockenen Zunge über die rissigen Lippen zu lecken.

„Ich wollte dir sagen, dass deine Stimme mich verwirrt und mich vergessen lässt, wie ich heiße und warum ich auf dieser Welt bin. Dass du dich so elegant bewegst wie eine Katze. Dass du die faszinierendste Person bist, die ich mir vorstellen kann, und ich dich gerne näher kennen lernen würde, wenn ich mich hier nicht gerade um Kopf und Kragen reden würde. Was mich zu meinem letzten Punkt führt: Wieso hast du mich nicht schon längst mit einem dunklen Zauber an die gegenüberliegende Wand gepinnt und mir alle Klamotten vom Leib gezaubert, damit ich mich vor allen vorbeikommenden Slytherins so richtig gründlich blamieren kann?"

Blaise lächelte, wie ägyptische Göttinnen lächelten, bevor sie einem mit den Zähnen den Kopf abrissen. "Das mit dem An-die-Wand-Hexen ist eine gute Idee." Ehe Neville sich's versah, baumelte er tatsächlich an der gegenüberliegenden Wand, durch die Kraft eines Zaubers dort gehalten; und so sehr er auch zappelte, er kam mit den Füßen nicht auf den Boden. "Allerdings mache ich das mit den Klamotten lieber von Hand."

Er trat nahe an Neville heran - viel zu nahe - und begann, dessen Krawatte zu lockern. Neville brach der kalte Schweiß aus. Oh welcher-Gott-oder-Druide-oder-zufällig-vorbeikommender-Mensch-auch-immer - irgendjemand MUSSTE ihm helfen! Wieso hatte er Hermine weggeschickt?! Sie hätte ihm geholfen! ... Okay, nein, hätte sie nicht. Sie hätte höchstens angeboten, einen Wärmezauber auf die Umgegend zu legen, damit Neville ohne Klamotten nicht fror.

Aber... Harry! Harry hätte ihm geholfen! ... Okay, nein. Draco hätte ihn davon abgehalten, weil er viel lieber zugesehen hätte, wie Neville sich wand und wimmerte und vor Angst verging.

"B-B-Blaise", fiepte Neville.

Blaise, der den Krawattenknoten inzwischen gelöst hatte, unterbrach sich und blickte Neville an.

"Ja?"

"Willst du... willst du nicht vielleicht irgendwas sagen?", murmelte Neville schwächlich. "Irgendetwas, das meinen Untergang vollkommen besiegeln wird. So etwas wie: "Jetzt reiße ich dir die Eingeweide heraus und schmücke den Weihnachtsbaum damit" oder "Ich lasse dich drei Monate hier hängen, damit jeder vorbeigehende Slytherin über dich lachen kann"? Ich glaube, dann würde ich mich besser fühlen."

"Nein, tut mir Leid", sagte Blaise bedauernd. "Aber ich würde ganz gerne noch die Schlussfolgerung hören."

"Welche Schlussfolgerung?"

"Die aus deiner rhetorisch nicht ganz ausgefeilten Rede eben", erklärte Blaise. "Du hast mir all diese Dinge gesagt und ich weiß es zu schätzen, ja. Aber was ist das Ziel, das Resultat aus diesen Dingen?"

Na gut, dann wollte Blaise eben, dass er sich selbst den Todesstoß versetzte. Sollte ihm auch recht sein. Er hatte längst aufgegeben. Jetzt war es zu spät. Jetzt war alles vorbei.

„Ich hab mich in dich verliebt“, flüsterte Neville tonlos und wartete, ergeben die Augen schließend, auf das Gelächter, das seiner Liebeserklärung gewiss folgen würde.

Und das ausblieb.

„Ja, etwas in der Art habe ich mir schon gedacht, bei all den schmachtenden Blicken, die du mir immer zugeworfen hast.“ Blaise klang schrecklich neutral, während er seelenruhig Nevilles Krawatte zu Boden gleiten ließ. „Allerdings hätte ich mir wirklich gewünscht, dass du ein wenig früher mit der Sprache rausgerückt wärst – bevor ich halb Gryffindor bestechen musste, damit sie dich… motivieren.“

Neville, viel zu abgelenkt durch den geschmeidigen Körper, der sich gegen seinen presste, brauchte etwas länger, um zu begreifen, was Blaise gesagt hatte.

„B-bestochen?“

„Bestochen.“

„Wen?“

„Jeden, der nötig war.“

Neville holte tief Luft, um weitere Erklärungen zu verlangen – zur Not auch stotternd und stammelnd, weil Blaise sich gerade sehr konzentriert seinen Hemdknöpfen widmen wollte und Neville schon jetzt kaum einen klaren Gedanken fassen konnte.

Doch dann legte der Slytherin den Kopf schief und betrachtete Neville mit geschürzten Lippen.

„Irgendwas ist falsch.“

„Falsch?“

Neville wagte kaum zu atmen. Hatte Blaise etwa jetzt erst gemerkt, wen er hier auszog? Dass Neville keineswegs ein junger Adonis mit Muskeln aus Stahl, sondern vielmehr die pummelige Schüchternheit auf zwei Beinen war?

„Ja. Du hast mich so abgelenkt, dass ich die Abläufe völlig durcheinander gebracht habe. Das liegt an diesem ängstlichen Blick, der bringt mich jedes Mal um den Verstand. Dabei wollte ich dich nicht so bedrängen...“

Oh, aber Neville wollte nur zu gern weiter von Blaise bedrängt werden. Da half anscheinend nur eins: Blaises Gewissen musste eiskalt ausgeschaltet werden!

Nevilles Herz klopfte schnell und hart in seiner Brust, als er die Augen noch weiter aufriss und vorsichtshalber auch noch ein jämmerliches Wimmern ausstieß. Schließlich sollte Blaise auf seine Kosten kommen. Und dieser verstandlose Zustand musste möglichst lange beibehalten werden.

Für einen Moment schien diese Taktik auch durchaus zu klappen. Blaise drängte sich noch dichter an Neville, der instinktiv die Beine um schmale Hüften schlang und sich nicht um die kalte Wand kümmerte, gegen die er gepresst wurde. Für solche Nichtigkeiten hatte er jetzt keine Zeit; Blaise war dafür viel zu nahe, roch einfach zu gut, nach Wind und Regen und –

Und er riss sich keuchend von Neville los.

„Neville! Könnten wir uns bitte an die Regeln halten?“

„Regeln?“, nuschelte Neville debil grinsend. „Klar… Äh, welche Regeln?“

Neville registrierte entzückt, dass Blaise inzwischen gar nicht mehr so cool war, sondern sich zitternd gegen ihn lehnte, die Stirn gegen Nevilles gepresst, sodass sein warmer Atem über Nevilles Lippen floss.

„Normalerweise beginnt man mit einem Date, gefolgt von einem Kuss – und nicht mit Fesselspielen in den Kerkergängen…“

„Können wir die Regeln nicht… uhm, einfach vergessen?“, fragte Neville schüchtern. „Oder wenigstens großzügig auslegen? Die Fesselspielchen haben wir ja sozusagen schon abgehakt, jetzt könnte der Kuss kommen und dann das Date?“

Neville fand seinen Plan genial. Blaise anscheinend auch, wenn er das leise Aufkeuchen korrekt interpretierte – und die steinharte Erektion, die gegen seine Hüften drückte.

„Ja, ich schätze, Küssen wäre jetzt gar nicht so schlecht.“

Heilfroh, dass er eh schon hing, denn seine Beine hätten ihn bei diesem knierweichenden Lächeln, mit dem Blaise ihn gerade beschenkte, garantiert nicht mehr gehalten, schloss Neville erwartungsvoll die Augen…

Und er wurde nicht enttäuscht.

Blaises Lippen waren genauso weich wie sie aussahen. Genauso warm, wie Neville sie sich immer vorgestellt hatte. Und süß, so unendlich süß. Mit einem ganz und gar uncoolen Seufzen gab er sich dem Kuss hin und erschrak sich für seine Verhältnisse recht wenig, als er auf einmal Blaises kühle Finger spürte, die zuerst seinen Hosenknopf und dann den Reißverschluss öffneten. Oh Himmel... Neville sog die Luft ein, öffnete die Augen, nur um in Blaises Augen zu blicken, die noch ein wenig dunkler waren, die tiefblaue Iris von einem hellen Ring umkränzt, und - er musste die Augen wieder schließen, um nicht einfach zu vergessen, wie man atmete und wie man küsste. Nicht, dass er damit besonders viel Erfahrung hätte, aber mit Blaise war es nicht schwer, fand Neville.

Er vergrub seine Hände in Blaises Haar, was diesem ein wohliges Seufzen entlockte, und traute sich dann sogar, seine Hüfte ein wenig zu bewegen. Blaise stöhnte leise gegen seine Lippen und Neville konnte kaum glauben, was hier geschah: Er tat etwas und es gefiel Blaise. Es brachte ihn zum Stöhnen und Seufzen und - Neville schielte ein wenig - dazu, die Augen zu schließen.

Und es brachte ihn auch dazu, seine Hand in Nevilles Boxershorts zu schieben. Neville dankte Merlin und jedem, der ihm gerade einfiel, dass er heute gewöhnliche schwarze Boxershorts trug und nicht diese unendlich peinlichen, goldrotfarbenen, auf denen "Kleiner Gryfindor" (mit Rechtschreibfehler) aufgestickt war und die seine Oma ihm letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt hatte.

Neville wimmerte, wand sich unter den geschickten Fingern, die über seine Erektion rieben, die empfindliche Spitze reizten. Keuchend drängte er sich Blaise entgegen, öffnete die Lippen, als Blaises Zunge darüberflatterte, vergaß die kühlen Kerker, die Gefahr, dass sie jederzeit entdeckt werden könnten.

Es war das wunderbarste Gefühl, das er jemals gehabt hatte. Blaises Hand, die sich so viel besser als seine eigene anfühlte. Blaises Zunge, die sich tief in seinen Mund schob, feucht an seiner entlangglitt. Blaises Stöhnen, das auf seinen Lippen vibrierte. Blaises raue Fingerkuppen, die klebrige Feuchtigkeit verrieben, kleine Feuerwerke durch seinen bebenden Körper sandten. Neville riss sich von diesem köstlichen Mund los, erschreckend schmutzige Anfeuerungen auf den Lippen, die er vergaß, kaum, dass er daran gedacht hatte.

"Blaise…"

Ein Laut, halb gestöhnt, halb artikuliert, aber Blaise schien es dennoch zu verstehen, öffnete die Augen, lächelte wieder dieses unglaubliche, umwerfende Lächeln, das Neville einfach… kommen ließ.

Ein erbärmliches Aufschluchzen unterdrückend, kniff Neville die Augen fest zu und wollte die bittere Realität einfach ignorieren, in die er so jäh zurückgerissen worden war, kaum, dass sein Verstand nicht mehr von flackernder Lust vernebelt wurde.

VERDAMMT! Oh heilige Scheiße! Oh nein - das war ja wohl nicht mal eine Minute gewesen! Oh Scheiße, Scheiße, Scheiße! Ängstlich verspannte er sich in Blaises Armen - Lachen erwartend oder eine spitze, spöttische Bemerkung - das konnte ja wohl nicht wahr sein! Da stand er hier und machte mit Blaise herum - und spritzte wie ein ungeduldiger kleiner Junge in seiner Hose ab, kaum dass Blaise ihn angefasst hatte. VERDAMMT!

Als er nichts hörte, öffnete er die Augen wieder einen Spalt - nur um zu sehen, dass Blaise sich mit maliziösem Lächeln einen Finger nach dem anderen ableckte. Das war doch... Nevilles Mund klappte kraftlos auf.

"Du hast ziemlich lange durchgehalten", sagte Blaise, immer noch mit diesem Lächeln. "Andere haben noch nicht mal die Hälfte geschafft."

Die Worte waren wie Peitschenhiebe.

"W-wa-was?", stotterte Neville. "An... andere?" Ungläubig starrte er Blaise an und spürte, wie sich ein Schluchzen seine Kehle hochkämpfte und Tränen in seinen Augen brannten.

Er blinzelte gegen das schmerzhafte Brennen an. Bloß nicht losheulen! Er war eben nur... irgendjemand. Austauschbar. Er bedeutete Blaise nichts. Er war nur gerade verfügbar gewesen (und Merlin konnte ihm nicht helfen, er war auch mehr als willig gewesen), damit Blaise sich die Zeit vertreiben konnte. Mehr war da nicht. Mehr war er nicht.

Oh, aber es tat so weh, dass Blaise nur mit ihm gespielt hatte.

"Hey", sagte Blaise überrascht und legte ihm eine Hand auf die Wange. "Neville... nicht weinen."

Weinen? Wer weinte denn hier? Er bestimmt nicht. Wo die Tränen herkamen, die Blaise da gerade wegwischte, wusste er auch nicht.

"Was hast du denn gedacht, hm?", fragte Blaise sanft. "Dass ich eine Unschuld vom Lande bin?"

Neville versuchte verzweifelt, den Kloß in seinem Hals herunterzuschlucken. "N-nein", würgte er hervor. "Nein, schon klar. Ich... egal. Ich sollte dann... ich sollte mich dann besser mal revanchieren."

„Revanchieren?“, echote Blaise fassungslos. „Nein, das ist nicht… ich meine, du musst doch nicht…“

Neville fühlte sich mit jeder Silbe noch erbärmlicher und schwächer. Natürlich hatte Blaise nicht das geringste Interesse daran, dass ein dämlicher Idiot, wie Neville es war, ihm schniefend und heulend einen runterholte. Neville schluchzte verletzt auf und zappelte, damit er endlich von der Wand hinunterkam und sich in sein Bett flüchten könnte, um sich ganz unbemerkt die Augen aus dem Kopf zu heulen.

„Neville, hör mal, es…“

Den mitfühlenden Ton konnte Blaise sich sonst wo hin stecken! Dann könnte Neville wenigstens vergessen, und sei es nur für einen Augenblick, wie unglaublich toll Blaise war. Und dass er sich so rettungslos in ihn verliebt hatte.

„Lass mich runter“, befahl Neville, mühsam die letzten Reste seiner Ehre zusammenkratzend. Blaise blinzelte irritiert über den ungewöhnlich kühlen Tonfall, trat seufzend einen Schritt zurück und murmelte den Gegenzauber.

„Neville, jetzt warte doch mal und lass mich was klarstellen!“

Oh, Neville wusste genau, was Blaise klarstellen wollte. Die üblichen Floskeln, dass es nur zum Vergnügen war, dass es nichts zu bedeuten hatte, dass Neville doch bitte nicht denken sollte, dass Blaise jemals mehr als flüchtigen Spaß in ihm gesehen hatte.

„Nein. Es ist besser, wenn ich jetzt gehe.“

Er gönnte sich noch einen letzten Blick auf Blaise, dessen geschmeidiger Körper ein sehnsüchtiges Ziehen in seinem Inneren auslöste – und wandte sich ab. Den Blick traurig zu Boden gesenkt und im Gehen Hose und Hemd schließend, trottete er davon.

Eine Hand an seinem Arm hielt ihn zurück. Es war Blaise und seine großen, blauen Augen sahen unglaublich traurig aus - Neville verfluchte sich dafür, ihm überhaupt in die Augen gesehen zu haben. "Es tut mir Leid", sagte Blaise leise. "Ich habe etwas sehr Dummes gesagt. Es tut mir wirklich Leid. Ich wollte es nicht kaputt machen."

Neville schniefte nur - und war sehr überrascht, als Blaise ihm ein Taschentuch reichte. "Schon gut. Ich bin es ja gewöhnt, dass man sich immer nur über mich lustig macht."

"Aber das wollte ich gar nicht!", rief Blaise aus und Neville zuckte ob der Eindringlichkeit zusammen. "Wirklich, Neville, das war einfach nur... so dumm dahergesagt. Ich meine, nicht, dass es nicht wahr wäre, aber das mit den anderen, das bedeutet mir nichts und das hier ist viel... viel..." Stöhnend wandte Blaise sich ab und schlug mit der Faust gegen die Wand. "Ich mache alles falsch", sagte er frustriert. "Wirklich, ich wollte nur... Merlin, ich weiß nicht mal, was ich wollte!"

"'Nen coolen Spruch ablassen?", flüsterte Neville ganz leise und wischte sich mit dem Handrücken über die laufende Nase.

Blaise nickte und lächelte erleichtert. "Ich wollte einfach... Neville, kannst du mir verzeihen?"

"Das klingt jetzt aber ziemlich melodramatisch", murmelte Neville.

"Na ja... ist ja auch dramatisch. Ziemlich", fügte Blaise an.

Neville zuckte mit den Schultern. "Ja. Na ja, ich hab mich ja auch ziemlich doof angestellt."

„Wir können ja üben… nachher“, flüsterte Blaise mit einem zweideutigen Lächeln, das Nevilles Wangen in Siedehitze aufgehen ließ und sein Herz zum Stolpern brachte.

"Wie wäre es, wenn wir noch mal von vorne anfangen? Mit einem Date in Hogsmeade?"

Blaises Stimme war rau, doch seine Finger, die nach Nevilles griffen, waren sehr weich. Ganz schwindelig vor Glück erwiderte Neville den sanften Druck und kümmerte sich nicht um das absolut uncoole, selige Lächeln, das quer über sein Gesicht gepflastert war.

ooOoo

Als Neville in den Gemeinschaftsraum zurückkehrte, war es schon weit nach Mitternacht. Er war müde und vollkommen ausgepumpt (im wahrsten Sinne), aber so glücklich wie schon seit Jahren nicht mehr. Er strahlte ununterbrochen, sein Gesicht war inzwischen vermutlich knallrot und seine Augen leuchteten wohl schlimmer als der überschmückteste Weihnachtsbaum. Seine Krawatte hatte er irgendwo verloren, der oberste Hemdknopf stand offen und seine Haare waren zerzauster denn je.

Natürlich erwartete er nicht, um diese Zeit irgendjemanden im Gemeinschaftsraum anzutreffen - er hatte vor, schnell ins Bett zu gehen und dort zuerst mit offenen und dann mit geschlossenen Augen ein wenig von Blaise zu träumen. Allerdings sollte seine Abendplanung sich nicht erfüllen.

Kaum, dass er das Porträtloch hinter sich geschlossen hatte, umringten ihn Hermine, Ron, Harry (dessen mit Knutschflecken übersäter Hals von einer sehr körperlichen Versöhnung mit Draco sprach), Dean und Seamus.

"Oh, seht nur, er hat einen Knutschfleck!", quietschte Hermine und augenblicklich erhellten sich alle Gesichter, während Nevilles Gesicht noch röter wurde. Verdammt, wenn das so losging, würde er sie nie loswerden...

"Na, wie war's?", fragte Dean mit sehr breitem Grinsen.

Neville holte tief Luft, um etwas zu sagen... dann blies er sie wieder aus, denn er wusste nicht, wie er es beschreiben sollte. Alle Adjektive, die ihm einfielen konnten nicht einmal ansatzweise erklären, wie es war mit Blaise zusammen zu sein. Diese kleinen Schauder zu beschreiben, wenn Blaise ihm liebevoll das Haar zerzauste. Ihn anlächelte. Küsste…

"Ich glaube, sein Gesicht sagt alles, oder?", fragte Harry grinsend und klopfte Neville kumpelhaft auf den Rücken.

"Ich will Details!", verlangte Hermine, deren Haar vor lauter Aufregung schon wie elektrisiert abstand.

"Zuerst haben wir Fesselspielchen in den Kerkern veranstaltet, dann hatten wir ein Date in Hogsmeade und dann haben wir geknutscht, um wenigstens die Regeln ein bisschen zu befolgen", erklärte Neville kurz.

"Ooooohhh!", machte Hermine mit großen Augen.

"Fesselspielchen?", fragte Seamus sehr interessiert.

"So war es mit Draco auch", seufzte Harry mit verhangenem Blick und rieb sich gedankenverloren den Hals.

"Küsst er denn wenigstens gut?", erkundigte Ron sich mit breitem Grinsen.

"Habt ihr ein Video?", hakte Hermine nach.

"Wisst ihr was, beim nächsten Mal nehm ich euch einfach mit", sagte Neville ein wenig verärgert.

"Deal!", rief Hermine, streckte die Hand aus und schlug ein, bevor Neville die Hand zurückziehen konnte.

Mist!

oOo

A/N: Dürfen wir unsere geschätzten Leser um Reviews bitten? :)
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