Im Kerker ist es kalt (P-12)

Im Kerker ist es kalt (P-12)

Beitragvon Ria » 29. Aug 2010, 21:16

Titel: Im Kerker ist es kalt

Autor: Ria

Beta: Alraune

Genre: Romanze mit ein wenig Humor

Rating: P-12

Pairing: Neville/Blaise, diverse angedeutete Nebenpairings, die ich jetzt noch nicht verraten möchte ;o)

Warnung: Ein bisschen Slash hier, ein wenig OOC da und ich fürchte, ich habe puren Fluff fabriziert^^

Disclaimer: Alle hier verwendeten Personen gehören der grandiosen JKR.

Disclaimer 2: Es wird eine Geschichte in der Geschichte auftauchen, die auf der Novelle „A Christmas Carol“ basiert und die ist natürlich auch nicht von mir, sondern von Dickens.


Spielt an Weihnachten im sechsten Schuljahr, allerdings wurde der Halbblutprinz ignoriert… Na gut, es wurde beinahe alles ignoriert, was die Bücher so vorgeben.



ooOoo

22.12. 1996

Obwohl Neville wach war, weigerte er sich einfach seine Augen zu öffnen. Im Schlafsaal der Gryffindors war es so still… so leblos. Er war der einzige Sechstklässler, der an Weihnachten in Hogwarts bleiben musste. Der Arzt hatte seiner Großmutter in eine Kur geschickt, um ihren hohen Blutdruck zu behandeln. Jedoch war Neville der Meinung, dass diese Maßnahme nichts nützen würde – Granny regte sich einfach zu gern über alles und jeden auf. Ihr Blutdruck würde nie besser werden.

Gestern hatte er sich traurig von seinen Mitschülern verabschiedet und heute war der Schlafsaal so furchtbar verlassen ohne sie. Er hatte sich am Nachmittag hingelegt, und musste eingeschlafen sein; die Sonne stand tief über den vereisten Ländereien Hogwarts und schickte ihre letzten spärlichen Strahlen durch die Fenster des Schlafsaales. Entschlossen dieser Einsamkeit zu entkommen, schwang Neville die Beine aus dem Bett, kurz zusammenzuckend, als seine Zehen den kalten Boden berührten, und lief ins angrenzende Badezimmer.

Mit klappernden Zähnen zog er sich an und ging in den Gemeinschaftsraum hinunter, nur um festzustellen, dass niemand zurückgeblieben war, den er näher kannte. Nur einige Erst- und Zweitklässler und ein paar verbissen lernende Siebtklässler. Niedergeschlagen stieg er aus dem Portraitloch heraus und begab sich über die Treppe nach unten.


Hunger verspürte er nicht, außerdem wollte er nicht am leeren Gryffindortisch sitzen und das Abendessen allein zu sich nehmen. Seine Schritte führten ihn an der Großen Halle vorbei auf die Flügeltüren zu. Klirrend kalte Luft empfing ihn, als er das Schloss verließ. Die untergehende Sonne ließ den im Laufe des Tages gefallenen Schnee goldrot glitzern und funkeln, nicht stark genug, um die weiße Pracht zum Schmelzen zu bringen, die leise unter Nevilles Schuhen knirschte und knackte.

Blinzelnd sah er in den wolkenlosen Himmel hinauf, Stille und Schönheit des Winterabends genießend und schlug den Weg zum See ein, dessen Ufer von raureifüberzogenem Gras eingeschlossen war. Er wäre beinahe über eine Gestalt gestolpert, die einsam am Ufer saß und schnell einen zerknitterten Brief in den Ärmeln der Robe verschwinden ließ, als Neville näher kam. Ein kurzer prüfender Blick aus dunkelblauen Augen traf ihn, ehe sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf die glitzernde Oberfläche des Sees richtete.

Ein wenig beteten blieb Neville neben dem Jungen aus Slytherin stehen, selbst nicht wissend, warum er nicht einfach wieder ging. Vielleicht einfach deshalb, weil der Andere beinahe so einsam aussah, wie Neville sich fühlte.

„Hallo“, brach er schließlich das unangenehme Schweigen. „Du bist Blaise Zabini, oder?“

Wieder ein musternder Blick, aus diesen von dichten dunklen Wimpern umkränzten Augen.

„Ja.“ Blaise’ Stimme war angenehm dunkel und leise, ein wenig heiser, als hätte er eine Erkältung. „Und du heißt Longbottom, richtig?“

„Neville Longbottom“, antwortete Neville überrascht, dass Blaise seinen Namen kannte. „Warum bist du nicht beim Abendessen?“

„Warum bist du nicht dort?“

„Ich… mir war nicht danach“, antwortete Neville leise und setzte sich unaufgefordert neben Blaise in den Schnee. Sofort drang eisige Kälte durch seine gefütterte Robe, durchnässte seine Hose und ließ ihn schaudern. „Ist dir nicht kalt?“

Blaise zuckte die Schultern, das halblange dunkle Haar fiel ihm ein wenig wirr in die Stirn.

„Es geht. Immer noch besser, als die Weihnachtsdekoration in der Großen Halle.“

„Freust du dich nicht auf Weihnachten?“

„Warum sollte ich?“ Die dunkle Stimme klang amüsiert, auch wenn die Augen noch immer ernst Nevilles Gesicht musterten.

„Naja… weil es… es eben Weihnachten ist“, stotterte Neville verlegen. „Darauf freut man sich doch…“

„Freust du dich denn? Es hier zu feiern, ohne deine Familie?“ Bitterkeit hatte sich in Blaise’ Stimme geschlichen und Neville spürte plötzlich einen Kloß im Hals.

„Ich… ich weiß nicht.“

„Was bedeutet Weihnachten für dich, Longbottom?“

Perplex sah Neville auf. Er wusste nicht genau wie die Frage gemeint war, warum Blaise sie überhaupt gestellt hatte und… warum der Slytherin mit ihm redete.

„Es bedeutet…“, setzte Neville an. „Es bedeutet…“ Nicht fähig sich auszudrücken, ließ er den Kopf hängen und flüsterte: „Ich kann es nicht erklären.“

„Kannst du es mir denn zeigen?“

Nevilles Kopf ruckte hoch, sein Mund war vor Überraschung zu einem kleinen Oval geöffnet. Er dachte, dass Blaise ihn nur aufzog, wartete auf das höhnische Gelächter – das nicht kam. Da waren nur Blaise’ Augen, die ihn ohne Hintergedanken anblickten.

„Ich weiß nicht“, antwortete er scheu. „Normalerweise gehört Plätzchenbacken dazu, aber… aber ich kann nicht backen…“

Eine Augenbraue hochgezogen biss Blaise sich auf die Lippen und gluckste leise, ehe er in lautes Gelächter ausbrach.

„Das… das macht nichts“, feixte er. „Ich denke, ich kann auf Plätzchen verzichten.“

Mit hochroten Ohren wagte auch Neville ein Lächeln. Es war kalt und nass und er fröstelte in seinen mit Schmelzwasser durchtränkten Sachen, aber es war nett hier mit einem anderen Jungen zu sitzen und gemeinsam zu lachen. Es machte die Verlassenheit erträglicher.

Blaise bemerkte die klappernden Zähne Nevilles und stand lächelnd auf.

„Wir sollten reingehen, dir ist kalt.“

„Nein, es ist alles in Ordnung mit mir“, rief Neville aus, nicht wollend, dass dieses friedliche Beisammensein schon endete.

„Dann ist eben mir kalt“, entgegnete Blaise schmunzelnd, Neville eine Hand hinhaltend, um ihm hoch zu helfen.

Verblüfft sah Neville auf die dargebotene Hand. Seine Ohren glühten im schönsten Gryffindorrot, als er sich von Blaise hochziehen ließ. Solch nette Geste hatte er nicht erwartet – schon gar nicht von einem Slytherin.

Die Nacht warf ihr dunkles Kleid über die Ländereien, während der Gryffindor und der Slytherin im einträchtigen Schweigen nebeneinander her liefen und das Schloss betraten. Unschlüssig blieb Neville am Fuß der Treppe stehen und sah, wie Blaise zweifelnd auf die Tür blickte, die zum Kerker führte.

„Ist etwas nicht in Ordnung?“

Blaise sah leicht irritiert auf. Als hätte er Nevilles Anwesenheit schon wieder vergessen.

„Im Kerker ist es kalt… und…“

Einsam…

Das Wort hing unausgesprochen in der Luft. Sich scheu umsehend, überbrückte Neville die wenigen Schritte die sie trennten und erklärte, auf seiner Unterlippe kauend:

„Der Gryffindorturm ist wärmer. Ich glaube es ist in Ordnung, wenn du mit hoch kommst, bis du dich aufgewärmt hast.“

„Und was werden die anderen tapferen Gryffindors sagen?“, fragte Blaise zwinkernd.

Mit heißen Wangen zuckte Neville nur die Schultern und sah den Slytherin abwartend an. Er wusste selbst nicht, was über ihn gekommen war, warum er Blaise diesen Vorschlag gemacht hatte. Jetzt wartete er halb ängstlich, halb verlegen auf die Antwort.

„Ich habe keine Ahnung, wo genau sich euer Turm befindet. Du wirst also vorgehen müssen“, erklärte Blaise lächelnd und Neville schreckte auf.

„Oh, klar… hatte ich ganz vergessen.“

Nervös ging Neville vor Blaise die Treppe hinauf. Die Situation schien ihm seltsam absurd. Ein Slytherin und ein Gryffindor die sich nicht stritten und friedlich, beinahe freundschaftlich miteinander umgingen.

Am Portrait angekommen murmelte Neville das Passwort, jetzt wurde er doch von leichtem Unbehagen ergriffen, was die Anderen wohl davon halten würden, dass er einen Slytherin mitbrachte. Und er war erleichtert, dass nur ein paar Erstklässler im Gemeinschaftsraum waren, die sie mit offenen Mündern anstarrten und aufgeregt tuschelten.

„Wir sollten nach oben gehen“, flüsterte Neville Blaise zu, der ernst nickte und Neville fragend ansah. Wieder übernahm dieser die Führung und brachte Blaise schnell und ohne Umwege in den Schlafsaal der sechsten Klasse.

Neugierig die roten Vorhänge betrachtend ließ Blaise sich auf dem erstbesten Bett nieder.

„Nett hier. Ein wenig überladen aber… nett.“

„Danke. Aber du hast Recht, es ist etwas überfüllt“, antwortete Neville, der nicht so recht wusste, was er jetzt mit Blaise anfangen sollte.

Dann erinnerte er sich daran, dass Granny ihm immer Geschichten vorgelesen hatte, die von Weihnachten handelten. Das Dumme war nur… Neville hatte sich keiner dieser Geschichten merken können. Aber…

„Ich hab’s!“, rief er aus, hastete zu Harrys Kommode und hoffte, dass sein Freund sie nicht abgeschlossen hatte. Doch Harry hatte wohl nicht damit gerechnet, dass ausgerechnet Neville seine Sachen durchsuchen würde, und so hielt dieser bald eine Pergamentrolle in der Hand, die er triumphierend in die Höhe hielt.

„Harry hat mal eine Weihnachtsgeschichte umgedichtet, sodass sie sich auf Hogwarts abspielt“, erklärte Neville einem überraschten Blaise.

„Potter schreibt Geschichten?“

„Nur zum Spaß.“

Neville grinste, als Blaise ungläubig beide Brauen hob.

„Soll ich vorlesen?“

Nickend klopfte Blaise auf das Bett, auf dem er saß (es war Rons), und trocknete nebenbei ihre durchnässte Kleidung.

„Klar, leg los.“

Sich Bäuchlings auf das Bett legend, entrollte Neville das Pergament und begann zu lesen:

A Hogwarts Carol

Von Harry James Potter

Voldemort war tot. Der einzige Freund Severus Snapes hatte das Zeitliche gesegnet und die Laune des Zaubertranklehrers war sprichwörtlich im Kerker…


Neville unterbrach sich und schluckte. Wer konnte denn ahnen, dass Harry ausgerechnet den Hauslehrer von Slytherin auf die Schippe nahm… Vielleicht war es doch keine so gute Idee gewesen, Blaise diese Geschichte vorzulesen – er hätte vielleicht doch zuhören sollen, als Harry sie Ron und Seamus vorgelesen hatte.

„Nur weiter, ich bin gespannt, was sich euer Goldjunge noch so zusammen gesponnen hat“, forderte Blaise lachend auf.

Mit zitternden Händen suchte Neville nach der Stelle, an der er sich selbst unterbrochen hatte, und las leise weiter:

Wie immer, wenn er schlechter Laune war, ließ Severus Snape diese an Harry Potter aus. Er suchte nach Gründen, ob fair oder nicht, um ihm wertvolle Punkte abzuziehen. Auch heute, und dass, obwohl Harry ihm nur "Fröhliche Weihnachten" gewünscht hatte.

Müde von der anstrengenden Potter-Schikane ließ Severus Snape, sich abends in sein Bett fallen und war schon beinahe eingeschlafen, als ihn Kettengerassel aufschrecken ließ.

Voldemort in höchsteigener Person stand vor ihm und erklärte einem überraschten Snape:

„Du bist ein unfairer Lehrer geworden, und so werden dich in dieser Nacht drei Geister besuchen, die dich auf den rechten Weg zurückführen wollen!“

Nach einem gelangweiltem „Ja, ja“ legte Severus sich zurück in sein Bett und beachtete den Geist Voldemorts nicht weiter. Immerhin war der ja tot, und Freundschaft hin oder her: Er brauchte seinen Schlaf.

Mitten in der Nacht wurde Severus von einem leisen Geräusch geweckt und fuhr aus dem Schlaf hoch. Vor ihm stand ein alter Mann mit weißem Bart und jungen zwinkernden Augen.

„Ich bin der Geist der vergangenen Lehrerschaft“, stellte er sich, ein Brausebonbon lutschend, vor. „Folge mir in deine Vergangenheit, Severus Snape.“

Fasziniert stand Severus auf, schlüpfte in seine Hausschuhe und nahm die Hand des Alten.

Der Raum veränderte sich, wurde heller und plötzlich befanden sie sich in einem Kinderzimmer voller Bücher. Ein Junge mit dunklen Haaren beugte sich über eine Pergamentrolle und schrieb eifrig.

„Erkennst du den Jungen, Severus?“, fragte der Geist zwinkernd.

„Das bin ja ich!“

„Ganz genau. Du hattest schon damals nur das Lernen im Kopf und deswegen keine Zeit für Freunde. Erinnerst du dich daran?“

Stolz nickte Severus.

„Und es hat mich weit gebracht!“

„Mhm, meinst du? Vielleicht sollten wir weiterziehen“, sagte der Geist nachdenklich.

Das Zimmer verschwamm und machte einer neuen Szenerie Platz. Wieder sah man Severus, einen älter gewordenen studierenden Severus, wie er eifrig an seiner Meisterarbeit der Zaubertränkkunst schrieb.

„Erinnerst du dich daran, Severus?“

„Ja… ich…“

Eine andere Person betrat das Zimmer. Ein in violetter Robe gekleideter Mann, dessen goldblonde Locken sich mit Severus’ schwarzem Haar vermischte, als er seinen Kopf auf dessen Schulter legte.

„Jetzt nicht, Gilderoy“, wies der junge Severus ihn ab…


Das war der Moment, in dem Blaise vor Lachen vom Bett fiel.

„Wenn Snape das jemals liest, bringt er Potter um!“

„Du wirst es ihm doch nicht etwa erzählen, oder?“, rief Neville erschrocken aus. Die Vorstellung reichte, um ihm die Haare zu Berge stehen zu lassen. Snape würde Amok laufen.

„Lies… lies einfach weiter“, kicherte Blaise, auf das Bett zurückkrabbelnd. „Von mir erfährt er es nicht.“

„Wir überspringen diese Stelle am besten“, murmelte Neville, setzte ein ganzes Stück weiter unten an und hoffte, dass sich solche Szenen nicht wiederholten:

Severus Snape erwachte ein weiteres Mal, als er ein leises Hüsteln hörte und setzte sich misstrauisch auf. Vor ihm stand einen junge Frau mit braunem buschigem Haar und klugen Augen.

„Ich bin der Geist der Gegenwärtigen Lehrerschaft“, stellte sie sich ernst vor. „Folge mir, um zu sehen, was du in jüngster Zeit angerichtet hast.“

Severus schwang erneut die Beine aus dem Bett und nahm die Hand der jungen Frau. Sie standen plötzlich in den spärlich beleuchteten Gängen der Kerker und flüsternde Stimmen näherten sich ihnen.

„Du hast schon wieder Nachsitzen aufgebrummt bekommen? Aber wir wollten doch nach Hogsmeade!“

„Ich kann nichts dafür, Snape war absolut unfair! Er hat einfach behauptet, ich hätte die Baumschlangenhaut gestohlen.“

Severus Snape konnte Harry Potter erkennen, der Draco Malfoy bittend ansah und nach dessen Hand griff…


Neville war so gut wie tot! Immer wieder starrte er auf die letzte Zeile und fragte sich, ob Flucht ihm noch nützen würde.

„So, so… das ist ja richtig spannend“, grinste Blaise und zog Neville das Pergament aus den Händen. „Was Potter sich da zusammendichtet, wird Draco brennend interessieren!“

„Du willst es Malfoy erzählen? Das kannst du doch nicht machen!“, quiekte Neville entsetzt. Er griff nach dem Schriftstück, das Blaise schnell hochhielt. „Harry wird mich umbringen!“

„Nicht unbedingt…“, murmelte Blaise nachdenklich. „Entspann dich. Ich lese weiter vor.“

„Du wirst Malfoy nichts sagen?“, fragte Neville hoffnungsvoll.

Blaise zuckte nur die Schultern und las grinsend weiter, während Neville ergeben die Augen schloss und seiner Stimme lauschte:

„Wir wollten Weihnachtsgeschenke kaufen!“

„Ich kann wirklich nichts dafür!“

Die Schüler verschwanden um eine Biegung und der Geist sah den entsetzen Severus strafend an.

„Siehst du, was du angerichtet hast? Sie streiten sich! Deinetwegen! Weil du Harry eine Strafarbeit aufgebrummt hast, obwohl er die Haut nicht gestohlen hat!“

„Das behauptet Potter! Ich bin mir sicher, dass er es war“, widersprach Severus störrisch. „Außerdem ist es nur gut, dass sie ein wenig getrennt werden! Sie sollten lieber lernen!“
„Papperlapapp! Du gönnst ihnen ihr Zusammensein nur nicht, weil du deine eigenen Liebe gegen die Lernerei eingetauscht hast!“

„Elende Besserwisserin“, murrte Severus, ehe es ihm schwarz vor Augen wurde und er in tiefen Schlaf fiel.

Als er das dritte Mal erwachte stand ein Mann in langer schwarzer Kutte vor ihm, der mit knochiger Hand auf die Tür deutete.

„Du bist also der Geist der zukünftigen Lehrerschaft“, stellte Severus fest und folgte der stillen Aufforderung.

Er trat durch die Tür und blieb verwundert stehen. Überall im Kerker waren glückliche Schüler versammelt, die aufgeregt miteinander tuschelten.

Severus hörte Wortfetzen wie: „… endlich kann der alte Griesgram uns nicht mehr piesacken…“ und ihm wurde sehr kalt.

„Was hat das zu bedeuteten?“, fragte er den Geist mit schriller Stimme.

Der Geist deutete nur auf einen Anschlag an der Wand. Auf dem Severus Snapes Ableben verkündet wurde.

Mit weichen Knien bat Severus den Geist ihm einen Menschen zu zeigen, der um seinen Tod trauerte, woraufhin der Geist ihm eine Schülerin zeigte, die ihr Gesicht in den Händen vergrub. Erleichtert, dass es doch noch jemanden gab, der ihn beweinte, trat Severus näher und erstarrte, als das Mädchen schluchzte:

„Er hat die Arbeit schlechter benotet als verdient. Und jetzt ist er tot und ich kann mich nicht mit einem Streich revanchieren!“

Empört wandte Severus sich wieder dem Geist zu und verlangte, etwas zu sehen, dass er in seinem Leben geschafft hatte.

Der Geist zeigte ihm einen Mann mit dunklem Haar, das nach allen Seiten abstand, der von seinem Geliebten verlassen wurde, weil er soviel Zeit beim Nachsitzen verbracht hatte.

„Trauert denn niemand um mich?“, rief da Severus und brach in die Knie, als der Geist nur den Kopf schüttelte und verschwand.

Schweißgebadet erwachte Severus und sprang aus dem Bett. Er stürmte aus seinem Zimmer in den Kerkergang und hielt einen Erstklässler auf.

„Welchen Tag haben wir heute?“

„Weihnachten, Sir“, flüsterte der Junge verschreckt.

Severus atmete auf und machte sich gutgelaunt auf dem Weg in die Große Halle. Er würde alles wieder gut machen und nie wieder unfair sein!

„Potter!“, rief er, als Harry seinen Weg kreuzte. „Das Nachsitzen ist gestrichen!“, verkündete er strahlend.

Harrys Mund klappte vor Überraschung auf und er nickte, während sich ein glückliches Lächeln auf seinem Gesicht ausbreitete.

„Danke, Sir“ Und… äh… Frohe Weinachten!“

In der Halle angekommen, verfügte Severus, dass jedes Haus fünfzig Punkte bekam. Nur Slytherin erhielt fünfundsiebzig… ein wenig parteiisch durfte er wohl doch noch sein…

Ende




„Es hatte zwar nicht viel mit Weihnachten zu tun, war aber trotzdem ganz amüsant…“

Blaise sah grinsend auf und stutzte. Neville lag friedlich zusammengerollt auf der Seite und atmete ruhig und gleichmäßig. Blaise’ leise Stimme hatte ihn eingeschläfert, als wäre er noch ein Kind, dem man eine Gute-Nacht-Geschichte vorlas.

Nevilles entspanntes Gesicht betrachtend, legte Blaise seinen Kopf auf das Kissen und lauschte den regelmäßigen Atemzügen Nevilles, bis ihm ebenfalls die Augen zufielen.


23.12.1996

Das erste, das Neville bemerkte, als er erwachte, war Wärme. Das, und ein gleichmäßiges Heben und Senken dieser Wärme. Sich näher an diese lebendige, atmende Wärme schmiegend öffnete Neville die Augen und sog erschrocken die Luft ein. Seine Wange lag auf weichem Stoff, der noch weichere Haut verhüllte. Mit einem leisen Keuchen fuhr Neville hoch und sprang beinahe aus dem Bett vor Schreck. Er hatte Blaise’ Bauch als Kopfkissen benutzt!

„Ah, du bist wach…“, murmelte Blaise mit geschlossenen Augen.

Neville glaubte, vor Scham im Erdboden versinken zu müssen. Blaise hatte nicht mehr geschlafen…

„Ich… ich…“

Blaise streckte sich wie eine Katze und grinste den hochrot vor sich hinstotternden Neville verschlafen an.

„Ich habe zu lange so gelegen, weil ich dich nicht wecken wollte“, erklärte Blaise, während er sich über den schmerzenden Nacken rieb. „Eine heiße Dusche wäre jetzt gut.“

„Du kannst unsere benutzten. Ich warte solange hier.“

Neville klang, als wäre er zum zweiten Mal im Stimmbruch, als er dieses Angebot machte, doch Blaise winkte lächelnd ab.

„Ich muss in die Kerker. Ich habe keine Sachen zum Wechseln dabei.“

„Oh…“

Mit gesenktem Kopf nickte Neville.

„Treffen wir uns nachher in der Großen Halle?“, fragte Blaise, in der Tür stehend.

Nevilles Kopf ruckte hoch und seine Augen weiteten sich überrascht.

„Ja… ich meine… gern… also… ja…“

Den Türknauf noch immer mit den Fingern umschossen sah Blaise ihn fragend an.

„Alles in Ordnung? Du wirkst irgendwie durcheinander.“

„Wer, ich?“ Neville deutete unsicher grinsend auf sich selbst. „Mit mir ist alles Bestens. Wirklich, ich bin völlig okay!“

„Oh… Okay…“

Kopfschütteln verließ Blaise den Raum und Neville knallte seinen Kopf gegen den Bettpfosten.

„Ich bin so dämlich! Er muss mich ja für total abgedreht halten! Bescheuert! Beschränkt! Absolut minderbemittelt“, lamentierte Neville, ohne zu bemerken, dass die Tür sich wieder öffnete.

„Nein, er hält dich nur für schüchtern“, rief Blaise noch grinsend, ehe er leise lachend die Treppe hinunterlief.

Zu seinem Pech fand Neville kein Loch, in das er sich hätte verkriechen können.

ooOoo

Sehr viel später stieg er zaudernd die Treppe hinunter, die zur Großen Halle führte und sah sich um – keine Spur von Blaise. Mit hängenden Schultern wandte Neville sich wieder um, schon auf dem Weg in den Gryffindorturm, als hinter ihm Blaise’ dunkle Stimme erklang.

„Ich dachte schon, du kommst gar nicht mehr.“

Das Herz klopfte Neville bis zum Hals, als er sich umdrehte und Blaise ansah, der lächelnd am Treppengeländer lehnte.

„Und was machen wir jetzt? Frühstück ist vorbei.“

„Ich hab’ keinen Hunger“, krächzte Neville, dessen Rachen plötzlich seltsam trocken war.

„Du vielleicht nicht, aber ich. Deswegen schlage ich vor, wir statten der Küche einen kleinen Besuch ab“, erklärte Blaise, nach Nevilles Hand greifend.

„Du hast noch nicht gefrühstückt?“

Am liebsten hätte Neville sich für diese dumme Frage selbst geohrfeigt. Aber klar denken war kaum möglich. Nicht, wenn Blaise’ Hand so wunderbar warm in seiner lag.

„Nein, ich hatte auf dich gewartet, aber du bist ja nicht gekommen“, antwortete Blaise amüsiert.

Nevilles Wangen leuchteten blutrot auf, als er undeutlich eine Entschuldigung murmelnd hinter Blaise herlief – oder besser gesagt, mitgezogen wurde.

Vor dem Portrait der Obstschale angekommen, kitzelte Blaise dir Birne, die sich glucksend in einen Türknauf verwandelte und bedeutete Neville mit einer spöttischen Verbeugung vorzugehen.

Sich neugierig umsehend, stieg Neville durch die Öffnung und blieb perplex stehen. Hunderte von Hauselfen wuselten durch die riesige Küche, durch die der betörende Duft frisch gebackener Weihnachtsplätzchen zog. Neville schnüffelte mit halbgeschlossenen Augen und hielt sich beschämt den Bauch, der knurrend andeutete, dass er seit längerer Zeit nicht mehr gefüllt worden war.

„Du hast also keinen Hunger, mhm?“, flüsterte Blaise ihm ins Ohr und Neville bis sich so fest auf die Lippen, dass es schmerzte.

„Naja, vielleicht ein bisschen…“

„Wir haben unglücklicherweise das Frühstück verpasst“, erklärte Blaise den aufmerksam zuhörenden Hauselfen. „Gibt es vielleicht noch ein paar Reste…“

Die letzten Worte waren noch nicht ganz ausgesprochen, da rannten die ersten Hauselfen auch schon los und überhäuften die beiden mit soviel Kuchen, Törtchen und Pasteten, als wollten sie eine ganze Kompanie verköstigen.

Jetzt meldete Nevilles Magen sich erneut zu Wort; in begeisterte Vorfreude knurrte er so laut und nachdrücklich, dass es in der ganzen Küche nachhallte. Aufstöhnend vergrub Neville sein Gesicht in den Händen. Als wenn er sich nicht schon peinlich genug benahm, jetzt arbeitete sein Körper auch noch gegen ihn.

„Hier“, sagte Blaise und hielt Neville eine Pistazienpastete hin, die dankbar angenommen wurde.

Neville wusste später nie so genau, wie und warum, aber plötzlich fand er sich mit einem Nudelholz bewaffnet an einer Arbeitsplatte wieder. Vor ihm lag ein Stück goldgelben Plätzchenteiges, den er mit mehlbestäubten Wangen bearbeitete.

„Das also ist Weihnachten für dich?“, erkundigte Blaise sich interessiert, während er den ausgerollten Teig ausstach.

„Nun, ein Teil davon“, antwortete Neville zögernd. „Eigentlich ist es mehr dieses warme, kribbelnde Gefühl im Bauch, wenn man sich darauf freut. Auf den Geruch der Tannenzweige, der sich mit dem der brennenden Kerzen vermischt. Der Geschmack des ersten Plätzchens, das man isst. Das leise Knistern des Geschenkpapiers. Und die Überlegung, ob das, was man schenkt, gefällt. Natürlich auch darauf, was man selbst geschenkt bekommt…“

Neville brach ab, als er Blaise’ fragenden Gesichtsausdruck bemerkte.

„Was?“

„Hast du Lust, morgen nach Hogsmeade zu gehen?“, fragte Blaise leise.

Ein überaus glückliches Lächeln breitete sich auf Nevilles Gesicht aus, als er nickte.

„Ja, gern.“

ooOoo

Neville traute sich nicht nachzufragen, warum Blaise sich mit ihm abgab. Ihm genügte es, dass es so war. Es war angenehm Zeit mit Blaise zu verbringen. Angenehm der heiseren Stimme zu lauschen, die Neville in Gewohnheiten Malfoys einweihte, für die Harry seinen linken Arm gegeben hätte. Und das anscheinend nur, um Neville zum Lachen zu bringen.

Viel zu schnell ging der Tag vorbei und am Abend breitete sich wieder dieses Gefühl des Alleinseins in Neville aus, als er der Fetten Dame das Passwort sagte und zu seinem Schlafsaal ging.

Mit offnen Augen lag er in der Dunkelheit, lauschte in der drückenden Stille seinen eigenen Atemzügen und dachte lächelnd daran, dass dieser Tag der netteste seit Jahren gewesen war. Und er drückte sein heißes Gesicht in die Kissen, als er mit einem warmen Kribbeln im Bauch daran dachte, wie Blaise ihn an der Hand zur Küche gezogen hatte.

Die Tür öffnete sich mit einem kratzenden Geräusch und Neville schrak mit klopfendem Herzen hoch. Diffuses Licht fiel in den Raum, unterbrochen durch eine schemenhafte Gestalt, die im Türrahmen lehnte.

„Im Kerker ist es kalt“, sagte Blaise leise und brachte mit diesen Worten Nevilles Herz ins Stolpern.

Sekundenlang herrschte Stille, bis Neville schließlich atemlos flüsterte:

„Ich… ich denke, es ist in Ordnung, wenn du solange hier bleibst, bis du dich aufgewärmt hast.“

Der spärliche Lichtstrahl verschwand, als die Tür sich schloss. Die Matratze gab unter Blaise’ Gewicht nach, als er sich darauf niederließ und unter die Decke schlüpfte, die Neville einladend hochhielt.

Mit angehaltenem Atem lag Neville stocksteif mit dem Rücken zu Blaise, halb hoffend halb ängstlich auf das wartend, was als nächstes geschehen würde.

„Danke.“

Neville spürte den leichten Lufthauch an seinem Nacken ebenso intensiv, wie die weichen Lippen, die flüchtig seine Halsbeuge streiften.

„Gern geschehen…“

In dieser Nacht brauchte Neville lange, ehe er einschlief. Zu kostbar waren diese Sekunden, in denen er Blaise’ tiefen Atemzügen lauschen durfte. Vorsichtig rutschte er näher an den warmen Körper heran und hielt erschrocken die Luft an, als sich ein schlanker Arm um seine Taille schlang. Ohne einen Muskel zu rühren lag Neville mit klopfendem Herzen in der Dunkelheit und spürte, wie sich schlanke Finger mit seinen eigenen verwoben.

24.12.1996

Obwohl die Sonne schien, war es schneidend kalt, als Neville neben Blaise auf das Dorf Hogsmeade zusteuerte. Der frisch gefallene Schnee knirschte leise unter ihren Schritten und ihr Atem bildete kleine weiße Wölkchen, wenn er ihre Lippen verließ.

Neville fühlte sich, als hätte er Feuerwhiskey getrunken. Ihm war schwindelig, er konnte kaum einen klaren Gedanken fassen, und in seinem Bauch schien sich ein Bienenschwarm einquartiert zu haben.

Verstohlen betrachtete er Blaise’ Profil. Der Slytherin redete zwar mit ihm, doch Neville war aufgefallen, dass er kaum etwas über sich offenbarte. Es waren Anekdoten aus dem Alltag der Slytherins, kleine Begebenheiten im Unterricht, doch Blaise gab wenig über sich selbst preis. Neville wollte nicht aufdringlich erscheinen und fragte ihn nicht aus, dennoch interessierte es ihn brennend, was wirklich in dem Slytherin vorging.

Heute früh war er schon fort gewesen, als Neville erwacht war und er war den ganzen Morgen über verschwunden gewesen. Bis er plötzlich wie aus dem Nichts auftaucht war und Neville lächelnd gefragt hatte, ob er ihren Ausflug nach Hogsmeade vergessen hätte.

„Sollen wir in Die Drei Besen gehen?“, schlug Neville nun vor, als sie die ersten Häuser des Dorfes passierten.

„Das wäre wohl am besten“, antwortete Blaise nach einem kurzen Blick auf Nevilles verfrorene Hände.

Erleichtert stieß Neville die Tür zur Schenke auf, die warme Luft, die ihm entgegenkam genießend. Das Gasthaus war beinahe leer, nur zwei ältere Hexen tranken vorsichtig ihren dampfenden Tee an einem der Fenstertische.

Blaise bestellte warmes Butterbier und deutete auf einen Tisch in der Nähe des Kamins. Das Feuer flackerte fröhlich, köstliche Wärme und sanftes Licht verbreitend.

„Warum bist du eigentlich über Weihnachten in Hogwarts, Neville?“, fragte Blaise unvermittelt.

„Meine Großmutter musste zur Kur“, murmelte Neville. Er bemerkte den fragenden Ausdruck in Blaise’ Augen und fuhr widerwillig fort: „Meine Eltern sind… krank; dorthin konnte ich also nicht. Ich hatte keine andere Wahl, als hier zu bleiben.“

Ein wenig zu hastig, um ruhig zu wirken, trank er einen Schluck seines Butterbieres. Es tat weh, an seine Eltern zu denken – und auch, über sie zu sprechen.

„Meine Mutter befindet sich gerade auf Hochzeitsreise“, sagte Blaise rau. Seine Augen betrachteten den Krug in seinen Händen düster. „Also werde ich demnächst auf eine Beerdigung müssen…“

Neville bemühte sich den Kloß hinunterzuschlucken, der in seiner Kehle saß. Er hatte von Mrs. Zabini gehört – Granny nannte sie verächtlich: Schwarze Witwe.

„Du brauchst mich nicht so mitleidig ansehen“, seufzte Blaise, als er Nevilles Blick bemerkte. „Ich habe mich daran gewöhnt.“

„Hast du das?“

„Ja.“

Blaise’ Hände glitten über den Tisch und umfassten Nevilles kribbelnde Fingerspitzen.

„Es lohnt sich nicht, darüber nachzudenken. Die meiste Zeit des Jahres verbringe ich hier und wenn ich die Schule abgeschlossen habe, werde ich irgendeinen Job im Ministerium annehmen und meine Mutter nur noch selten sehen.“

Neville wollte nicht darüber nachdenken, wie es wäre nicht mehr in Hogwarts zu sein. Er wollte nicht einmal über das Ende der Ferien nachdenken, wenn alles wieder beim Alten sein würde. Wenn Blaise und er sich wieder an die strenge Häusereinteilung halten mussten. Slytherins waren nicht mit Gryffindors befreundet.

„Was willst du nach der Schule machen?“

„Ich wollte immer Heiler werden, aber meine Zaubertranknoten sind zu schlecht“, antwortete Neville. Er war ein wenig überrumpelt von diesem plötzlichen Themenwechsel.

„Warum hast du eigentlich so große Angst vor Snape?“

„Ich… ich weiß es nicht“, gab Neville zögernd zu. „Aber wenn er mich schon ansieht, mit diesem ganz speziellen, durchdringenden Blick, läuft es mir kalt den Rücken hinunter. Ich kann mich dann nicht mehr konzentrieren. Meine Hände fangen an zu zittern. Ich kann dann kaum noch die Zutaten an der Tafel entziffern, und letztendlich jage ich meinen Kessel in die Luft“, beendete er seufzend seine Aufzählung.

Leise lachend schüttelte Blaise den Kopf. „Okay, ich gebe zu, dass Snape furchteinflößend ist, aber er kann dir doch gar nichts anhaben. Er kann dir zwar drohen, dass er dich in eine Kröte verwandelt, aber er würde es nie tun!“

„Das sagst du…“, nuschelte Neville unbehaglich. „Ich bin mir da nicht ganz so sicher. Der bringt es fertig, und lässt es wie einen Unfall aussehen!“

Für einen Moment schwieg Blaise, verblüfft blinzelte er Neville an, der das völlig ernst meinte, dann lachte er schallend los:

„Ihr Gryffindors seid verrückt! Potter verkuppelt Snape mit Lockhart und du traust ihm zu, dass er Schüler umbringt und es als Unfall tarnt!“

Gegen seinen Willen grinste Neville ebenfalls. „Jaha, kann schon sein, dass wir ein wenig… anders sind.“

„Anders trifft es beinahe so gut wie verrückt!“ Blaise lachte noch immer. „Aber ihr seid ein wirklich amüsanter Haufen.“

„Als wenn ihr Slytherins weniger verrückt wärt…“

ooOoo

Die Nacht brach schon herein, als Neville und Blaise sich auf den Rückweg machten. Da Blaise beharrlich schwieg, redete Neville. Er erzählte von Ron, der es noch immer nicht geschafft hatte Hermine um eine Verabredung zu bitten. Von den Streichen der Zwillinge (Es war eigentlich ein gut gehütetes Geheimnis, dass sie Snapes Klassenzimmer in die Luft gejagt hatten.) und er schaffte es sogar, Blaise ab und an ein amüsiertes Lächeln zu entlocken.

„Alles in Ordnung mit dir?“, fragte Neville schließlich leise. „Du bist so still seit wir den Buchladen verlassen haben.“

„Ja, ich denke es ist alles in Ordnung.“ Blaise lächelte ihn beschwichtigend an und wieder spürte Neville dieses nervöse Flattern in seinem Bauch.

„Dann ist ja gut.“

Noch immer ein wenig beunruhigt wollte Neville geradewegs auf das Schloss zulaufen, dessen erleuchtete Fenster ihnen den Weg durch die Nacht wiesen, doch Blaise nahm seine Hand und zog ihn in Richtung der Gewächshäuser.

„Ich wollte dir etwas zweigen“, murmelte er, ohne Neville anzusehen, dessen Magen jetzt geradezu Purzelbäume schlug.

Der Duft von Tannen und Kerzenwachs empfing sie, als Blaise die Tür öffnete und Neville bedeutete vorzugehen. Die Kerzen am geschmückten Weihnachtsbaum, ließen die rotgoldenen Kugel glitzern, die an seinen Zweigen befestigt waren und tauchten den ganzen Raum in weiches flackerndes Licht.

„Das ist…“, setzte Neville an.

„… furchtbar kitschig, ich weiß“, vollendete Blaise seufzend den Satz. Verlegen fuhr er sich durch die Haare und brachte es kaum fertig, Neville anzusehen.

„Nein. Es ist wunderbar“, antwortete Neville ernst. In seiner Brust breitete sich ein warmes Feuer aus, wärmte ihn von innen heraus, bis hin zu seinen Fingerspitzen. Neville wandte sich vom Anblick des Baumes ab und stellte sich dicht vor Blaise, um ihm in die Augen sehen zu können.

„Danke, Blaise.“

„Gern geschehen…“ Blaise’ Stimme hörte sich noch rauer an als sonst, als er mit geröteten Wangen nach oben deutete. „Mistelzweige… Ich meine, wir stehen unter einem Mistelzweig…“, jetzt krächzte er beinahe.

Neville sah hoch und biss sich auf die Lippen, um ein befreites Lachen zu unterdrücken. Es gab keinen Zentimeter der Decke, der nicht von einem Mistelzweig bedeckt war.

Er sah wieder zu Blaise und glaubte sich in dessen Augen selbst wieder zu erkennen.

Furcht.

Neville konnte den Puls an Blaise’ Hals erkennen, der beinahe so schnell schlug wie sein eigener.

Unsicherheit.

Vorsichtig neigte Blaise den Kopf, dazu bereit, jederzeit zurück zu weichen, sollte er ein Zeichen der Ablehnung wahrnehmen.

Aufregung.

Nevilles Herz schlug so laut und schmerzhaft in seiner Brust, dass er glaubte, Blaise müsste es hören.

Sehnsucht.

Blaise’ Gesicht war nun ganz nah, dennoch zögerte er, während er Neville mit großen fragenden Augen ansah.

Als er die letzten Millimeter überwand, die sie noch trennten, spürte Neville Blaise’ Atem auf seinen Lippen. Dann war da nur noch diese wundervoll köstliche Wärme, die Blaise’ Berührung verströmte.

Und er war sich sicher, dass die Kerker auch heute Nacht kalt sein würden…

Ende
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