Projekt Alphabet (Death Note)

Projekt Alphabet (Death Note)

Beitragvon Medianox » 16. Sep 2015, 21:06

[reupload]

Genre: Parodie
Rating: P6
Summary: L hat sich ein Projekt ausgedacht: Die Death Note-Charaktere sollen gemeinsam ein Alphabet bilden. Was bezweckt er damit? Finden sich genug Leute für jeden Buchstaben? Und wer wird eigentlich das M?
Disclaimer: Mir nix Geld.


Projekt Alphabet

„Ryuzaki...“, seufzte Light genervt. „Sagst du mir jetzt endlich, was wir hier wollen?“

Er war wirklich geduldig gewesen. Hatte Ls Wunsch nachgegeben und war neben ihm in das Auto gestiegen, das sie an einen ihm unbekannten Zielort bringen sollte. Die ganze Fahrt über hatte sein schwarzhaariger Begleiter geschwiegen, obwohl er ihn dazu gedrängt hatte, ihm zu erzählen, wo er ihn hinbrachte. Aber jetzt waren sie anscheinend endlich angekommen... An einem alten, stillgelegten Fabrikgebäude. Auf dem Parkplatz standen bereits einige andere Autos, er war also anscheinend nicht der einzige, den L hierher beordert hatte. Das lange Gebäude selbst war aber in einem schlechten Zustand. Die Fassade war von Sonne und Niederschlag ausgeblichen und verwaschen, einige Fenster waren kaputt und das Dach war von einer grünen Moosschicht bedeckt. Was konnte hier schon so Wichtiges sein? Langsam verlor er die Geduld mit dem Detektiv. Er konnte nicht verlangen, dass alle immer nach seiner Pfeife tanzten, wenn er ihnen jegliche Informationen vorenthielt.

„Wir bilden ein Alphabet“, antwortete L knapp und stieg aus.

Das warf in Lights Kopf nur noch mehr Fragen auf und er folgte ihm nach draußen, blieb aber in der offenen Autotür stehen, während L seine bereits zuschlug. „Moment mal, das beantwortet gar nichts. Wer ist 'wir'? Wie bilden wir dieses Alphabet? Und was ist der Sinn dahinter?“

Da L nun auf das verwahrloste Gebäude zuschlurfte, war er gezwungen, ihm zu folgen und zu hoffen, dass er doch noch eine Antwort bekam.

„Wie du weißt, gibt es in Death Note einige unterschiedliche Charaktere, die alle verschiedenen Fraktionen angehören.“

Light runzelte die Stirn. „Ja... und? Was ist damit?“

„Ich habe dieses Projekt initiiert, um möglicherweise einige unserer Differenzen niederzulegen.“

Light wartete darauf, dass L seine Erklärung fortführte, doch das tat er nicht. Also hakte er noch einmal nach. „Und darum sollen wir ein Alphabet formen?“

„Korrekt. Wenn wir es schaffen, alle zusammenzuarbeiten, wirkt sich das höchstwahrscheinlich positiv auf die allgemeine Harmonie zwischen uns aus.“

„Und was hast du dafür konkret geplant?“

L warf ihm einen schon fast tadelnden Blick von der Seite zu, empfand es aber anscheinend nicht für nötig, dabei den Kopf zu drehen. „Du wirst es sehen, wenn wir reingehen.“

Bis dahin würde er wohl auch nichts aus ihm herauskriegen. Also fügte er sich widerwillig und betrat mit L das Fabrikgebäude durch das rostige Eisentor auf der schmalen Querseite. Im Inneren herrschte bereits reges Treiben. Die Anwesenden hatten wohl schon ihre Anweisungen erhalten und bereiteten alles vor.

Über den gesamten Boden zogen sich Markierungen in weißer Farbe, wie man sie auf der Straße hätte finden können. In 26 weiße Quadrate waren die einzelnen Buchstaben des Alphabets gemalt worden. In einigen dieser Quadrate standen bereits Personen, andere waren noch leer und bei wieder anderen hatten sich kleine Gruppen gebildet. In regelmäßigen Abständen standen Polizisten und beobachteten das Geschehen – vermutlich, damit sie sofort eingreifen konnten, sollte es zu ernsthaften Streitigkeiten kommen.

Light und L hatten das Gebäude am hinteren Ende betreten und so waren sie nun der Markierung für den Buchstaben Z am nächsten, die noch leer war. Auf dem Feld daneben jedoch...

„Mein Vater ist auch hier?“, fragte Light an den Detektiv gewandt und nickte seinem Vater zu.

„Selbstverständlich. Yagami-san steht für das Y. Wir ordnen den Leuten einen Buchstaben nach dem Anfangsbuchstaben ihrer Namen zu. Meistens richten wir uns nach dem Nachnamen, in einigen Fällen nehmen wir aber auch den Vornamen.“ Während L dies erklärte, deutete er auf die Buchstaben etwas weiter vorn.

Seine Schwester Sayu stand auf der Markierung für das S und warf nervöse Blicke auf Takada, die neben ihr stand. Hätte sie Rem sehen können, die den Posten für das R bezogen hatte, wären diese Blicke wohl eher in die andere Richtung gegangen.

Ein wenig abseits schwebte Ryuk in einer Ecke und schmollte. Er hätte auch gern das R gehabt. Zu seinem Pech war er für die meisten unsichtbar, also wurde er einfach ignoriert.

„Am dringendsten fehlen uns übrigens noch Personen für X und Z“, fügte L hinzu und deutete auf die leeren Markierungen am Ende des Alphabets und zwischen Lights Vater und Watari. „Hast du zufällig irgendwelche spontanen Ideen?“

Light schüttelte den Kopf, überlegte unterdessen aber, was L mit dieser Aktion bezwecken könnte. Dass er es nur so zum Spaß arrangiert hatte, war äußerst unwahrscheinlich. Das war nicht seine Art. Solange es nicht zur Lösung eines Falls beitrug, hatte L nichts für solche Spielereien übrig. Aber einen Sinn konnte er hinter diesem Alphabet auch nicht erkennen. Wie könnte ihm das in irgendeiner Weise weiterhelfen? Wollte er damit wirklich nur den Zusammenhalt stärken?

Sie gingen weiter zu den anderen Buchstaben. Besonders in der Mitte um das M hatte sich eine Menschentraube gebildet. Von dort ging auch der größte Lärm aus. Die junge Frau, die er mal umgebracht hatte, wenn er sich nicht irrte, hieß sie Naomi Misora, stand mit Mogi etwas abseits der anderen, während Misa, Matsuda und zwei von Ls Nachfolgern, Matt und Mello, lautstark miteinander stritten.

Als sie näher kamen, drangen die Gesprächsfetzen zu ihnen vor.

„Misa-Misa hat die Stelle verdient! Sie hat gleich zwei Ms im Namen!“

„Nur, weil du deinen Namen wiederholst, heißt das nicht, dass er zweimal zählt! Ich bin der beste Schüler in Wammy's House, dessen Name mit einem M anfängt. Deshalb sollte das mein Posten sein. Ist doch so, stimmt's Matt?“

„Hmm, also eigentlich finde ich, dass ich das M mehr verdient habe. Immerhin habe ich so wenig Screentime, dass mir wenigstens das zustehen sollte.“

„Du solltest mich unterstützen!“

„Ich will aber auch mal eine wichtigere Rolle übernehmen!“

„Wenn ihr euch nicht einig werdet, könnte ich ja-“

„Nein, Matsuda!“, kam es von mehreren Seiten.

Zur gleichen Zeit wurde Mikami von zwei Polizisten gewaltsam aus der Gruppe entfernt und aus dem Raum befördert, während er hysterisch etwas über Gott und Löschen schrie.

Was für ein Kindergarten. Als ob es so eine große Ehre wäre, bei Ls dämlichen Alphabet mitzumachen. Der dritte der Waisen aus Ls Heim, Near, schien ähnlich zu denken. Er beobachtete das Schauspiel scheinbar gelangweilt von seinem Platz daneben aus und spielte mit einer Haarsträhne.

Bei den übrigen belegten Posten herrschte weniger Gedränge. Einige der Leute hatte Light noch nie gesehen. Hier und da erkannte er aber ein paar der FBI-Agenten, Polizisten und Yotsuba-Vorständen.

Und weiter vorne stand... „Ruyzaki?!“ Sofort wandte sich Light wieder an den anderen L an seiner Seite. Er war noch da. Wie konnte er dann gleichzeitig da vorn stehen? Er sah ihm zum Verwechseln ähnlich. Die gleichen schwarzen, wüsten Haare, die Augenringe, selbst die gekrümmte Haltung und die Kleidung. „Du hast einen Zwilling?“

L folgte seinem Blick. „Oh, das ist nicht mein Zwilling. Er ist ein... Fan. Sein Name ist Beyond Birthday. Er steht für das B.“

Light rollte mit den Augen. „Was du nicht sagst...“, murmelte er. Welchen Buchstaben sollte er bei dem Namen denn sonst repräsentieren? Und was ihn selbst betraf... „Dann schätze ich mal, dass ich das L werde.“

„Hm? Oh, nein, das musst du missverstanden haben, Light-kun. Das L bin ich. Immerhin ist das seit Jahren meine Identität“, stellte L klar.

„Was?“ Light war verwirrt und ein bisschen beleidigt. „Aber du hast so viele Identitäten, dass du auch einfach einen von den anderen Buchstaben nehmen kannst.“

„Das könnte ich. Aber als L bin ich am weitläufigsten bekannt, außerdem gefällt mir dieser Buchstabe am besten.“

„Aber mein Vater steht schon für das Y!“

„Das stimmt“, bestätigte L ruhig.

„Wenn sowieso kein Buchstabe mehr für mich frei ist, was soll ich dann überhaupt hier?“, fragte Light verstimmt.

„Ich habe nie gesagt, dass kein Platz mehr für dich ist. Du könntest das K für 'Kira' ganz für dich allein haben. Vorausgesetzt natürlich, der zweite Kira sagt nicht auch zu. Dann müsstet ihr euch den Posten wohl ebenfalls teil-“

„Auf keinen Fall!“, empörte sich Light. „Das K gehört mir allein! Ich bin der einzig wahre Ki-“ Er brach entsetzt ab, als er realisierte, was er gerade gesagt hatte. Doch in dem Moment schnappten auch schon die Handschellen um seine Handgelenke zu, die L ihm blitzschnell angelegt hatte.

„Danke für das Geständnis“, sagte er ruhig, als würden sie sich gerade am Frühstückstisch unterhalten. Doch an dem kleinen Lächeln auf seinem Gesicht sah man ihm an, dass die Lösung seines bisher schwersten Falles selbst in ihm Freude ausgelöst hatte. Dann wandte er sich den anderen zu und rief in den Raum: „Ihr könnt das alles wieder abbauen.“

„Nein, das war nicht- Ich meine... Das war ein Missverständnis!“, rang Light nach Worten. „Ich bin nicht Kira! Das war... ein Reflex! Nichts weiter! Du hast mich mit deiner Frage beeinflusst und mir die Antwort quasi in den Mund gelegt! Kein Richter wird mich für schuldig befinden!“

Doch sein Versuch, die Situation zu retten, ging in den Protesten der anderen unter. „Was? Aber wir haben gerade erst die letzten Markierungen aufgezeichnet!“

„Und es wurde noch nicht mal geklärt, wer von uns jetzt das M werden darf!“

„Wenn es sowieso schon alles vorbereitet ist, schadet es doch nicht, es auch durchzuziehen, oder?“

L nickte bedächtig. „Eigentlich spricht nichts dagegen, das Projekt dennoch weiter fortzuführen.“ Er sah wieder zu Light hinüber. „Würdest du dich noch eine Weile für das K zur Verfügung stellen?“

Light, der mittlerweile eingesehen hatte, dass L ihm nicht mehr erlauben würde, sich hier herauszuwinden, warf ihm nur einen Todesblick zu.

„Ich werde das als ein 'Nein' werten“, merkte L an. „Übrigens, selbst wenn du Shinigamiaugen hättest, würdest du mich damit nicht umbringen können. Nach meinen Informationen verleihen nämlich selbst die Augen eines Shinigami nicht die Fähigkeit, mit Blicken zu töten.“

Er nickte zwei kräftigen Polizisten zu, die Light augenblicklich zwischen sich nahmen und aus dem Raum führten. L sah ihnen nach, den Daumen abwesend an seine Lippen gelegt, die noch immer ein Lächeln zierte. „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.“
Benutzeravatar
Medianox
Büchereitaschenträger
Büchereitaschenträger||
Beiträge: 585
Registriert: 12.2014
Geschlecht: weiblich

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron