Irgendwann. Vielleicht (Original)

Irgendwann. Vielleicht (Original)

Beitragvon Ria » 3. Sep 2017, 11:45

Fandom: Original
Genre: Romantik/Drama
Rating: P12 Slash

Promts:
Klischee: Fake-Beziehung
Tageszeit: Nachts
Setting: Dachboden/Keller
Gegenstand: Handy
Tätigkeit: lachen
Emotion: Hoffnung

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Irgendwann. Vielleicht

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Lächeln, Smalltalk betreiben, am Champagner nippen, an den richtigen Stellen der langweiligen Konversationen lachen – das konnte er, das war wie ein Tanz, den er im Schlaf beherrschte. Sie war dabei immer an seiner Seite. Wie ein Schatten, der sich warm und lebendig an ihn drängte und der glockenhell lachte und charmant war. Sie teilte seine Interessen, seine Ansichten, seinen Humor. Sie war perfekt und passte doch kein Stück zu ihm.

Er drückte ihre Hand, sanft und bestimmend, und sie verstand ihn ohne Worte; entschuldigte sich beim Gesprächspartner dafür, dass sie sich die perfekt gepuderte Nase nachpudern müsse und ließ sich von ihm durch den Saal ziehen. Andere Gäste grüßten sie nickend, lächelnd, wohlwollend. Er wusste, was sie sahen. Einen jungen, erfolgreichen Fußballer, ein Ausnahmetalent, von dem noch Großes erwartet wurde und eine wunderschöne Frau an seiner Seite. Ein Model, nur mäßig erfolgreich, doch wen interessierte das schon? Es war von Hochzeit die Rede, von Kindern und von der Ewigkeit. Schöne, heile, stabile Welt, auf den Eckpfeilern von Lügen aufgebaut.

Von Anfang an hatten sie beide gewusst, was das zwischen ihnen war und dass es wenig mit Liebe zu tun hatte. Ein Geschäft war es, für beide von Vorteil. Dass sie sich gut verstanden, dass sie Freunde wurden, das war reines Glück. Hochzeit, Kinder, das waren nicht nur Gerüchte. Alles ließ sich arrangieren, alles ließ sich einrichten. War nur eine Frage des Geldes und des guten Willens.

Sie waren das perfekte Paar und mehr sollte und wollte die Welt nicht wissen.

Er war zufrieden. Mit diesem Abend, mit ihr und sich selbst und wollte schon andeuten, dass sie die Veranstaltung bald verlassen würden. Er hatte schließlich morgen Training und sie fühlte sich nicht wohl. Außerdem hatte er...

Dann sah er ihn und krampfte unwillkürlich die Hand um ihre. Spürte ihren Blick, hörte ihre geflüsterte Frage. Er schüttelte nur den Kopf, den Mund ganz trocken, den Hals so eng, dass sein Atem pfeifend entwich, als er es endlich wieder schaffte, Luft zu holen. In seiner Brust raste sein Herz, schneller noch, als wenn er in den letzten Minuten der Verlängerung alles geben musste. Für sein Team, den Verein, sein Ego. Er schluckte dicken, metallisch schmeckenden Speichel hinunter und starrte mit brennenden Augen zum anderen Ende des Raumes. Zu ihm.

Blond und groß und gutaussehend war er. Strahlendes Lächeln, blitzende blaue Augen, Grübchen am Kinn. Und eine kleine Narbe über der Augenbraue. Die war auf diese Entfernung nicht zu erkennen, aber er kannte sie. Hatte sie erst letzte Nacht mit den Lippen berührt.

Er spürte den warnenden Druck schlanker Finger, ignorierte es und sie grub die Nägel in seinen Handrücken. Er sah auf sie herab, wie ein Mann, der aus tiefem Schlaf erwacht und sie schüttelte den Kopf. Ihre Lippen formten Worte, die er nicht hörte, deren Inhalt er sich aber denken konnte. Er musste sich zusammenreißen, musste aufhören, ihn so anzustarren, wenn niemand etwas merken sollte. Immerhin war es noch nicht lang her, dass Gerüchte über ihn laut geworden waren.

Ein paar heftige Partys. Ein paar unvorsichtige Nächte. Handys waren überall. Man konnte sich nicht mehr auf die Absprachen mit den Fotografen und Zeitungen verlassen. Das Problem waren nicht die Paparazzi, sondern die anderen Menschen, die ihn erkannten und auf Schritt und Tritt fotografierten. Und ab und an waren Bilder dabei, die privat bleiben sollten.

Das war der Zeitpunkt gewesen, ihm eine Freundin zu beschaffen. Eine schöne, anmutige Frau, die jedes Gerücht über ihn und seine Interessen schon durch ihre bloße Anwesenheit im Keim erstickte.

Doch das hieß nicht, dass er wie ein Mönch lebte. Er war nur vorsichtiger geworden. Zumindest bis er ihn getroffen hatte. Bis er ihm auf dem Spielfeld gegenüber gestanden hatte. Das Grinsen breit und herausfordernd und elektrisierend. Er hatte ihn angesehen und blinzelnd nach Luft geschnappt. Eng war es in seiner Brust geworden und warm in seinem Bauch. Dann hatte er zurück gegrinst.

Das Spiel war hart gewesen. Geschenkt hatten sie sich nichts. Waren keinem Zweikampf ausgewichen. Auf dem Platz nicht und später, im Bett, ebenfalls nicht.

Zuerst war es nur eine Spielerei gewesen. Ein Abenteuer. Sex, der gut tat und gut war. Doch irgendwann da... da hatte sich alles geändert. Da hatten sie sich geändert. Da war es plötzlich schwer gefallen, sich nur in Hotelzimmern zu treffen. Da hatten ein paar Stunden nicht ausgereicht, den Hunger aufeinander zu stillen.

Irgendwann da wollten sie beide mehr.

Doch mehr war nicht drin. Nicht, wenn man Karriere auf dem Platz machen wollte. Nicht, wenn man ein junges Talent im WM-Kader war.

Also wurde das Verlangen in den tiefsten Keller gesperrt und der Schlüssel fortgeworfen. Doch dieser Keller war baufällig. War zugig und hatte Löcher.

Und manchmal da trafen sie aufeinander. Als Gegner oder als Kollegen. Und manchmal da ließen sich Gefühle nicht einsperren. Manchmal da brachen sie hervor. Mit Wucht und Druck und mit all der Verzweiflung, die er jetzt auch verspürte.

Er konnte nicht aufhören, ihn anzusehen. Konnte nicht aufhören, ihn zu wollen. Und bekam kaum noch Luft, als er seinen Blick erwiderte.

Sie sahen sich an, stumm und verstehend, ein, zwei Sekunden. Dann gingen sie los. Gleichzeitig. Wie von einer unsichtbaren Schnur gezogen. Wie Magnet und Metall. Unwiderstehlich voneinander angezogen.

Doch dann war da eine schmale, sehr energische Hand auf seinem Arm. Ein gezischtes Wort. Er blinzelte. Wusste, dass sie Recht hatte und er nicht zu ihm durfte. Nicht so. Also straffte er sich. Murmelte beruhigende Entschuldigungen, die sie ihm nicht abkaufte und nickte ihm nur zu. Wie einem Kollegen, den man auf solchen Partys eben traf.

Er nickte zurück, die schöne Frau an seiner Seite hob grüßend die Hand und legte sie dann besitzergreifend auf seinen Arm.

Der Anblick schmerzte, denn sie war nicht gekauft. Sie war keine Verbündete in diesem Spiel. Sie war echt. Und das machte es schlimm, ihn mit ihr zu sehen.

Noch ein Zupfen an seinem Arm. Ein verstehender Blick aus vertrauten Augen. Die Frage, ob er gehen wollte und er nickte knapp. Doch einmal noch musste er ihn ansehen.

Und sich vorstellen, dass sie so Seite an Seite nebeneinander stehen würden. Lächelnd, glücklich, verliebt.

Irgendwann. Vielleicht.
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