Auch ein kleines Feuerwerk hat manchmal große Wirkung (CHG)

Auch ein kleines Feuerwerk hat manchmal große Wirkung (CHG)

Beitragvon kuyami » 5. Feb 2016, 14:46

Titel: Auch ein kleines Feuerwerk hat manchmal große Wirkung
Fandom: Circus HalliGalli
Pairing: Thomas Schmitt / Jakob Lundt
Rating: P-12 Slash (ich hab's tatsächlich geschafft. Bin selbst ganz erstaunt ;D )

Paket Nr. 25:
Wunderkerzen
Schneeengel
Schlitten
Silvester kotzend auf dem Klo verbringen
Feuerwerk



Auch ein kleines Feuerwerk hat manchmal große Wirkung



Eine Skihütte. Mitten in Österreich. An Silvester. Schnee soweit das Auge reichte. Im Grunde Romantik pur. Eigentlich war es wunderschön hier. Doch unter gewissen Umständen hatte so eine gemeinsame Silvesterfeier in romantischer Atmosphäre auch seine Nachteile.
Zumindest machte es die Tatsache, heillos in einen Arbeitskollegen verknallt zu sein für Jakob nicht leichter. Weil sie hier mit der halben Redaktion alle zusammen diese Hütte gemietet hatten, damit sie über Silvester in Ruhe feiern und Ski fahren konnten. Und natürlich war Thomas auch dabei. Klar. Thomas liebte Ski fahren. Und Jakob liebte Ski fahren. Trotzdem wäre es alles irgendwie leichter, wenn er da nicht ständig mit seinen Gefühlen zu kämpfen hätte.
Dass er sich jetzt auch noch nicht nur ein Zimmer, sondern ein Doppelbett mit Thomas teilte, machte die Sache nicht gerade einfacher. Viele der Kollegen hatten ihren Partner mit eingepackt und waren zusammen hier. Bei Thomas und ihm war das jedoch Fehlanzeige und so waren sie in einem Zimmer gelandet. Zumindest hatte Thomas sich dafür eingesetzt, sich mit Jakob ein Zimmer zu teilen. Und Jakob hatte sich gleichermaßen gefreut und sich nicht getraut, zu widersprechen. Natürlich war es für ihn das Größte, neben Thomas schlafen zu kommen. Ein Highlight des endenden Jahres. Und doch hatte er schon gewusst, dass er dann wohl einfach die halbe Nacht neben Thomas wach liegen würde. Und das nicht nur, weil der schnarchte, als müsste er den ganzen Wald rings um die Hütte umsägen.
Sondern vor allem, weil er ihn furchtbar klischeebehaftet angestarrt hatte. Lange. Viel zu lange. Und teilweise so intensiv, dass er Angst gehabt hatte, Thomas würde davon aufwachen. Weil er seinen Blick bemerken würde, der über seine zerzausten Haaren und über sein Gesicht geglitten war, das ohne Brille so viel jünger aussah. Sein Blick, der auf Thomas‘ leicht geöffneten Lippen hängen geblieben war und sich vorgestellt hatte, wie es wohl wäre, sie zu küssen. Ob sich das gut anfühlen würde. Mit Sicherheit. Oder vielleicht doch ein wenig kratzig wegen des Bartes? Aber im Grunde war Jakob das sowieso egal. Er würde Thomas immer küssen, wenn er nur dürfte.
Jakob hatte befürchtet, dass Thomas den Blick bemerken würde, der über seinen Hals geglitten war, zum Rand seines T-Shirts und sich gewünscht hatte, es wäre nicht da. Damit er weiter hätte starren und mehr sehen können.
Aber immerhin war das Glück wohl auf seiner Seite gewesen und Thomas war nicht so empfindlich, was Blicke von anderen Menschen anging.
Jakob hingegen hasste es, beobachtet zu werden. Er spürte es genau, wenn ihn jemand anstarrte. Selbst, wenn derjenige hinter ihm stand oder weit entfernt war. Aber manchmal war Jakob ein Glückspilz. So wie letzte Nacht, als er Thomas einfach nur hatte anstarren und anstarren können, bis ihm die Augen irgendwann doch zu gefallen waren.

Den ganzen Tag auf der Piste zu verbringen war gut gewesen und hatte Spaß gemacht. Es hatte ihn vor allem abgelenkt. Und Ablenkung war im Moment immer gut. Denn er merkte es ja selbst. Manchmal, da hing er an Thomas wie eine Klette.
Wann immer er konnte, saß er neben ihm, redete mit ihm, lachte über seine Witze, bildete bei Spielen mit ihm ein Team, fuhr mit ihm gemeinsam den Abhang hinunter oder teilte sich mit ihm sein Essen. Weil es gut war. Es tat einfach gut, sich dieser Illusion hinzugeben. Thomas war nie kalt oder unfreundlich zu ihm. Überhaupt nicht. Aber dennoch konnte er sich in solchen nahen Momenten eher dem Wunschdenken hingeben, dass da zwischen Thomas und ihm mehr war. Mehr, als da jemals sein würde. Und mehr, als da sein durfte.
Denn er durfte nicht verliebt sein. Das hatte er sich so oft gesagt, dass er fast durchgedreht war. Aber es hatte nicht geholfen. Es hatte alles nur noch schlimmer gemacht. Er hatte das Gefühl, dass sich mit jedem Mal, wo er sich selbst seine Gefühle hatte verbieten wollen, diese einen großen Schritt in Richtung Eigenständigkeit gemacht hatten und mittlerweile hatte er so gar keine Kontrolle mehr über sie. Sie machten, was sie wollten. Brachten ihn dazu, sich an Thomas zu lehnen, während er lachte. Brachten ihn dazu, sich neben Thomas auf die Couch zu setzen, wenn der gerade den Arm auf die Rückenlehne gelegt hatte. Brachten ihn dazu, an Thomas‘ Ärmel zu zupfen wie ein kleiner Junge, wenn er seine Aufmerksamkeit haben wollte.
Doch manchmal, da brachten sie ihn auch dazu, sich für einen Moment zu vergessen. So wie vorhin. Als Thomas großzügig Alkohol in ihre Gläser geschenkt hatte und dabei aber schon so betrunken gewesen war, dass er sein halbes T-Shirt voll gekleckert hatte. Da hatten seine beschissenen Gefühle ihm einen unsichtbaren Schubs gegeben und er war einen Schritt nach vorne getaumelt, dich an Thomas heran.
Immerhin hatte er es geschafft, ihm nicht ganz klischeehaft die Flecken mit einer Serviette abzutupfen. Das hätte gerade noch gefehlt. Aber vielleicht war er auch schlimmer gewesen. Denn er hatte einfach nur sanft mit seinen Fingerkuppen über die Wodka-getränkten Stellen von Thomas‘ Shirt gestrichen und hatte dann den Fehler gemacht, Thomas anzusehen. Und Thomas hatte zurück gesehen und da hatten seine Gefühle ihm wieder einen Schubs gegeben und beinahe, um ein Haar, hätte er herausgefunden, wie das nun mit Thomas‘ Lippen wirklich war. Ob sie weich waren. Ob ein Kuss mit ihnen kratzte. Ob das vielleicht ganz gut passte, weil sie ja schließlich beide Bart trugen.
Aber gerade rechtzeitig hatte sich die Vernunft wieder eingeschaltet. Die Vernunft in Form von Jano. Ausgerechnet er, dem nie einer auch nur irgendeine vernünftige Aktion zugetraut hätte. Naja, gut. Er hatte nicht viel getan. War einfach nur zu ihnen getorkelt und hatte ihnen beiden einen Arm um die Schultern geschlungen. Doch das hatte ausgereicht, um Jakob wieder in die Realität zurück zu holen, in der es nicht in Ordnung war, sich so von seinen Gefühlen leiten zu lassen. Nein, war es wirklich nicht. Also hatte er nur gelacht, hatte Thomas eines der gefüllten Gläser gemopst und war damit nach draußen gegangen. Seine Jacke hatte er auf dem Weg aufgesammelt und hatte einfach nur gehofft, dass Thomas nichts gemerkt hatte. Wie nervös er in seiner Gegenwart geworden war. Wie seine Hände gezittert hatten, weil er ihn berührt hatte. Wie nah er ihm gekommen war. Dass er ihn hatte küssen wollen. Und wie rot er geworden war, als ihm bewusst geworden war, was er da eigentlich gerade im Begriff gewesen war zu tun.
Die frische Luft tat ihm auf jeden Fall gut. Die brauchte er wohl auch, nicht dass er heute noch etwas sehr, sehr Dummes tat. Gefühle in Kombination mit Alkohol waren nie gut. Zumindest bei ihm nicht.
Deswegen war Jakob froh, als er sich draußen an den Zaun der Veranda des Hauses lehnen und einfach mal kurz durchatmen konnte. Sich kurz wieder sammeln. Sich bewusst werden, was er tun wollte und was er tun durfte. Und sich vor allem darüber klar werden, dass dazwischen ein himmelweiter Unterschied lag.

Doch so sehr er es sich vielleicht auch gerade wünschte, lange blieb er nicht alleine – natürlich nicht; schließlich war er ja hier mit seiner Redaktion unterwegs. Da war man nie lange allein. Denn Frank stolperte angetrunken die Treppe neben ihm herunter und grinste ihn dann schief an, als er bemerkte, dass Jakob ihn hatte auffangen wollen. Und nach seinem Grinsen lehnte er sich neben Jakob an den Zaun, wenn auch wesentlich wackliger als er selbst. Könnte aber durchaus an Franks Alkoholpegel liegen. Der löste auch seine Zunge und Frank fing an, ihm irgendeinen Mist zu erzählen. Über seinen letzten Auftrag. Über Jano. Darüber, dass Jano schnarchte. Von seinem letzten Wochenende. Von einem alten Freund aus der Grundschule, den er vor ein paar Tagen wieder getroffen hatte.
Jakob hörte gar nicht wirklich zu. Er sah Frank nur an, nickte und lachte an den passenden Stellen. Nicht, weil er Frank nicht mochte oder unhöflich sein wollte. Aber gerade im Moment fiel es Jakob einfach unfassbar schwer, sich auf etwas anderes, als auf Thomas zu konzentrieren. Er fühlte sich ständig wie auf der Jagd. Er jagte sich selbst und lief gleichermaßen vor sich selbst davon. Musste ständig aufpassen, kein Geräusch zu machen um das Objekt seiner Begierde nicht zu verjagen. Und musste auch aufpassen, dass er selbst nicht als Beute endete. Als Beute seiner Gefühle, die die Macht an sich rissen und mit ihm trieben was sie wollten. Es war aufregend und erfüllend zugleich. Und doch fühlte er sich heute, am Ende eines langen Tages, den er permanent mit Thomas verbracht hatte, einfach erschöpft. Er brauche eine kleine Verschnaufpause. Wenigstens kurz. Mehr wollte er gar nicht.
Und die sollte er auch bekommen, als Frank ein großer Schneeball mitten im Gesicht traf und Jano laut lachend in den Schutz eines Baumes sprang. Dank der recht starken Außenbeleuchtung waren doch einige Meter des umliegenden Schneeparadieses sichtbar und die Hütte stand sowieso halb im Wald. Erinnerte Jakob alles viel zu sehr an dieses bescheuerte Last Christmas Video. Doch lieber nicht darüber nachdenken. Nicht jetzt.
Kaum hatte der Schneeball sein Ziel in Franks Gesicht gefunden, als der natürlich auch schon aufsprang, sich kurz bei Jakob entschuldigte, bevor er Jano hinterher jagte. Es machte Spaß den beiden zuzuschauen und lenkte Jakob eben doch ein wenig von seinen Gedanken ab.
Silvester war keine so gute Zeit für ihn. Da wurde er immer ein wenig wehmütig. Ein wenig nostalgisch. Alles fühlte sich ein bisschen schwerer an. Und ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass das neue Jahr nicht mehr lange auf sich warten ließ.
Jetzt, wo er hier ein wenig ungestört an der Seite stand und Frank und Jano dabei zusahen, wie sie sich um die Bäume jagten, ließ er das vergangene Jahr Revue passieren. Und wie jedes Jahr schnitt er dabei schlecht ab. Eigentlich war er so immer ganz zufrieden mit seinem Leben. Nur an Silvester, da hatte ihn die Melancholie meist in ihren Krallen und ließ einige düstere Gedanken aufziehen.
Gerade verfluchte er Thomas. Und diesen einen Tag im April, als er gemerkt hatte, dass er sich wohl oder übel in ihn verliebt hatte. Verdrängt hatte er das schon viel länger, das wusste er. Zugelassen jedoch erst in diesem Moment. Dabei wusste er nicht einmal wieso. Es war ein ganz normaler Tag gewesen und Thomas war mit Joko, Klaas und dem Kamerateam bei einem Dreh unterwegs gewesen. Das Wetter war miserabel gewesen, es hatte junge Hunde geregnet und nach Jakobs Mittagspause war Thomas wieder in ihr gemeinsames Büro gestolpert und hatte geschimpft wie ein Rohrspatz wie beschissen das Wetter doch sei und dass seine ganze Jacke jetzt nass war und seine Schuhe durchweicht und sowieso war alles scheiße gewesen, weil kalt und nass und Joko und Klaas hatten so viel diskutiert bei dem Dreh, dass es noch viel länger gedauert hatte. Kurzum: Thomas war schlecht gelaunt gewesen. Mehr als das.
Und ausgerechnet in dem Moment, als Thomas mit der schlechtesten Laune des Jahrhunderts vor ihm gestanden hatte und Jakob eigentlich hätte Angst haben müssen, dass der ihm bei einem falschen Satz den Kopf abriss, hatte er gemerkt, dass er sich verliebt hatte.
Schöne Scheiße.
Das hatte dann auch seine Hoffnung, dass er Thomas vielleicht einfach nur in einem schlechten Moment erwischen musste, um ihn gar nicht so toll zu finden, zerstört. Weil er Thomas noch nie mit so schlechter Laune gesehen hatte wie an diesem Tag. Schlecht ging es nicht. Da gab es keine Möglichkeit und keine Ausflüchte mehr für Jakob.
Erst Recht nicht, als Jakob ihm, während Thomas verzweifelt und fluchend versucht hatte, mit einem Handtuch seine klitschnassen Haare trocken zu rubbeln, gesagt hatte, dass sie eine Drehgenehmigung nicht bekommen hatten. Da war Thomas wirklich auf dem absoluten Höhepunkt der schlechten Laune angelangt, den Jakob bisher noch nie so erlebt hatte. Und dieses Gefühl in ihm war trotzdem nicht weg gegangen. Egal, wie sehr Thomas geflucht und das nasse Handtuch danach auf die Couch geklatscht hatte. Das alles hatte nicht geholfen. Es war nicht weg gegangen. War nur schlimmer geworden. Seine ganze Brust hatte sich heiß angefühlt. Heiß und gut. Und seine Finger hatten leicht gezittert, als er sich an seinen Stuhllehnen hatte festhalten müssen.
Und das war der Moment gewesen, in dem Jakob gemerkt hatte, dass er verloren war.
Und er war es immer noch. Weil Thomas für ihn nicht erreichbar war. War er noch nie gewesen. Würde er nie sein. Und ihn jeden Tag zu sehen, half Jakob wirklich kein Stück dabei, sich irgendwie zu entlieben. Es machte alles nur noch schlimmer. Alles noch ein wenig schwerer. Sorgte für ein bisschen mehr verzweifelten Herzschmerz jeden Tag.

Jakob nahm einen Schluck von dem Drink, den Thomas wirklich ganz schrecklich gemixt hatte und lachte, als Frank und Jano sich im Schnee kugelten und den Wettbewerb starteten, wer den schönsten Schneeengel machen konnte. Jakob sollte der Schiedsrichter sein und war seinen beiden Freunden dankbar, dass sie ihn aus seinen Gedanken gerissen hatten. Brachte ja sowieso nichts, noch weiter darüber zu sinnieren, dass er verliebt war. Davon ging es ja auch nicht weg.
Jakob entschied sich als Schneeengel-Schiedsrichter für Jano als Gewinner, weil dessen Engel die formschöneren Flügel hatte und Frank es sich nicht hatte nehmen lassen, dem Engel einen Penis zu formen.
Aus Rache wollte Frank schon eine große Schneeballschlacht mit Jakob als Opfer anzetteln, als der jedoch glücklicherweise von Katharina gerettet wurde, die mit Laura im Schlepptau nach draußen kam und verkündete, dass es in zehn Minuten Mitternacht war.
Da waren alle Rachegedanken vergessen und Frank und Jano packten Jakob in die Mitte und schleiften ihn zu Katharina, die Sekt für alle verteilte. Unbemerkt kippte Jakob den Rest seines Glases aus und ließ es sich stattdessen neu mit Sekt befüllen. Von Thomas‘ Mischung würde er nur heillos betrunken werden. Und das war einerseits gut und einerseits schlecht, weil er sich eben doch immer noch mit Thomas ein Zimmer und ein Bett teilte und immer noch verliebt war und von seinen Gefühlen kontrolliert wurde. Also entschied er sich lieber für den Sekt. War zwar auch Alkohol, aber sicherer.
Mit dem befüllten Glas trat Jakob einen Schritt aus dem großen Pulk zurück, der sich augenblicklich um Katharina gebildet hatte. Natürlich, bei Alkohol kamen sie alle wie die Motten ans Licht. Nur einer nicht. Jakob vermisste dunkelbraune Haare und die markante Brille von Thomas. Und egal, wie oft er seinen Blick über all die Köpfe schweifen ließ, er war nicht hier.
Und ja, er war betrunken. Und nein, es war keine gute Idee, ausgerechnet mit Thomas an seiner Seite ins neue Jahr starten zu wollen. Und er tat es eben trotzdem. Er suchte Thomas. Wollte, dass der neben ihm stand, wenn sie alle von 10 abwärts zählten. Wollte mit Thomas anstoßen und sich dann von ihm in eine kumpelhafte Umarmung ziehen lassen. So kumpelhaft, dass es verdammt wehtun würde. Und trotzdem wollte er es. Wollte genau das. Nichts anderes. Niemand anderen. Nur das neue Jahr mit Thomas an seiner Seite beginnen.
„Noch fünf Minuten!“, verkündete Laura breit grinsend und hielt die Sektflasche hoch. Noch fünf Minuten und noch immer keine Spur von Thomas.
„Hast du Thomas gesehen?“, fragte er Jana neben sich, die jedoch nur desinteressiert die Schultern zuckte. Große Hilfe.
Also ging er weiter. Getrieben von seinen Gefühlen und dem Drang, das neue Jahr mit Thomas beginnen zu wollen. Egal, wie schwer es sein würde, sich bei der Umarmung von einem Kuss abzuhalten. Und egal, wie sehr es wehtun würde, falls Thomas dann sein Handy zücken und vielleicht irgendeine Frau anrufen sollte. Er wollte das.
„Habt ihr Thomas gesehen?“, fragte er an Daniel und Patrick gewandt, die gerade darüber diskutierten, ab welchem Alkoholpegel so eine Abfahrt morgen wohl gefährlich wäre, so dass sie doch lieber mit dem Schlitten rodeln sollten.
„Ich glaube, der war drinnen“, antwortete Daniel und ruckte mit dem Kinn Richtung Haustür. Jakob bedankte sich noch bei ihm, doch Daniel war schon wieder vertieft darin, eine Geschichte zu erzählen, wie er sich mit so einem Schlitten Mal selbst über den eigenen Arm gefahren war.
Jakob musste grinsen. Er mochte Daniels abstruse Geschichten und hätte in einer anderen Situation vielleicht gerne zugehört. Doch nicht jetzt. Jetzt wollte er zu Thomas und hatte ihn immer noch nicht gefunden. Und so langsam wurde er unruhig.
Also trat er sich den Schnee von den Schuhen und ging nach drinnen. Dort traf er zwar auf einen Thomas, aber auf den Falschen. Thomas Martiens zog sich gerade sehr umständlich seinen Mantel falsch herum an und schielte Jakob grinsend an. Ohje… War er hier eigentlich der einzige, der doch nicht voll war bis unter die Haarspitzen?
Und trotz seines inneren Drangs den anderen Thomas zu finden, konnte er einfach nicht anders, half Thomas Martiens bei seinem Schal, bevor der sich vielleicht noch erwürgte und knöpfte ihm dann schließlich auch noch die Jacke zu. Das war ja nicht mit anzusehen. Und außerdem war es kalt. Sehr kalt. Da war er doch zu gutherzig, als dass er Thomas so hinaus in den Schnee und die Kälte gelassen hätte.
„Danke. Bist n Guter!“, lallte Thomas und klopfte Jakob so fest auf die Schulter, dass der kurz Angst hatte, die knarzigen Holzbretter unter ihm würden nachgeben. Dann stolperte Thomas nach draußen und Jakob konnte sich endlich weiter auf die Suche machen. Nach dem richtigen Thomas.
„Thomas?“, rief er, kam sich bescheuert vor, weil er hier so einen Aufriss betrieb. Nur, weil er Thomas finden wollte. Weil er neben ihm stehen und ihn umarmen wollte, wenn das neue Jahr begann. Weil er sich dann wieder einer seiner wunderbaren Illusionen hingeben konnte. Dass Thomas und er das Mal hinkriegen würden. Dass sie irgendwann zusammen sein würden. Und damit ihm danach, nachdem die Illusion geplatzt war wie eine Seifenblase, das Herz noch ein wenig mehr bluten konnte als eh schon. Das war sein Plan.
Ein kurzer Blick auf die mittlerweile recht leere Garderobe zeigte ihm, dass Thomas‘ Jacke noch an einem der Haken hing. War also zumindest ein gutes Zeichen. Dann war er wohl noch irgendwo im Haus. War er etwa schon ins Bett gegangen? Das bezweifelte Jakob jedoch stark. Solange es irgendwo Alkohol gab, ging Thomas doch nicht freiwillig ins Bett.
„Thomas?“, rief er ein weiteres Mal und bekam keine Antwort.
Gerade wollte er los stapfen in den Wohnraum, als ihn seine guten Manieren doch davon abhielten. Also zog er sich die schneebedeckten Schuhe aus und machte sich nur auf Socken auf die Suche nach Thomas. Das Wohnzimmer war leer. Die Küche war leer. In der Sauna würde er jetzt wohl kaum sein. Hoffentlich.
Doch gerade als er dann doch die Treppe nach oben steigen und sehen wollte, ob Thomas vielleicht doch schon ins Bett gegangen war, hörte er etwas. Klang nicht gerade gut und auch nicht gerade anziehend. Und doch führte ihn sein Weg zum Gäste-WC.
„Thomas?“, fragte er nochmal und klopfte an die Tür.
Als Antwort bekam er nur ein paar würgende Laute und ihm schwante nichts Gutes. Vor allem war das wirklich Thomas‘ gewesen. Den würde er immer erkennen. Egal, ob er jetzt gerade vor sich hin schimpfte, lachte oder eben… kotzte. Zumindest fiel Jakob nichts ein, was man sonst auf dem Klo machen konnte, das solche Geräusche verursachte.
„Thomas, lass mich rein“, forderte er und drückte trotzdem probeweise die Türklinke. Abgeschlossen. Natürlich. Von drinnen hörte er nur ein wiederstrebendes Brummen, gefolgt von erneuten Würge-Lauten.
„Komm schon.“
War er wirklich so erbärmlich, dass er Silvester lieber mit Thomas verbringen wollte, der sich gerade die Seele aus dem Leib kotzte, als allein zu sein?
Wieder hörte er nur ein Würgen, gefolgt von einigen platschenden Geräuschen und dann Thomas‘ Stimme.
„Hau ab, Jakob“
Doch das war etwas, das Jakob jetzt bestimmt nicht tun würde. Er wollte nicht. Und konnte nicht. Es war eine Mischung aus beidem, die ihn dazu brachte, erneut an die Tür zu klopfen. Ein wenig ungeduldiger dieses Mal.
„Thomas… mach auf. Bitte“, bat er dieses Mal sanft. Weil er mit dieser Methode bei Thomas bisher doch immer die besten Ergebnisse erzielt hatte.
Thomas‘ Antwort war simpel und zeigte sich einfach darin, dass Jakob sofort ins Gäste-WC schlüpfen konnte, sobald er in einer kurzen Pause hörte, wie Thomas die Tür aufschloss. Ja, Jakob war so erbärmlich, dass ihn genau das glücklich machte. Glücklicher als es sollte.
Zumindest sah er jetzt die Bestätigung seiner Vermutung: Thomas hing gerade wirklich mit dem Kopf über der Kloschüssel und würgte ein weiteres Mal, als Jakob gerade hinter sich die Tür wieder abschloss.
„Ohje… was treibst du denn?“, meinte er leise und mitfühlend.
Mittlerweile war es für ihn kein neues Bild mehr, irgendwelche Leute kotzend über dem Klo hängen zu sehen. Aber bei Thomas war das eben nochmal etwas anderes. Weil es ihn ein wenig anders traf, als wenn sich irgendein anderer Kumpel heillos mit Alkohol zugeschüttet hatte. Bei Thomas war alles anders.
Etwas unschlüssig, was er jetzt konnte, zog Jakob sich erstmal seine Jacke aus und warf sie in eine Ecke.
Thomas schien gerade eine kurze Pause gegönnt zu sein, denn er hatte einen Ellenbogen jetzt auf die Klobrille gelegt und seine Stirn darauf abgestützt.
„Alles gut?“, fragte Jakob unnötigerweise und kniete sich neben Thomas auf den Boden. Etwas hilflos streichelte er ihm erstmal den Rücken und bekam von Thomas als Antwort nur ein ersticktes Stöhnen und ein Kopfschütteln. Noch immer ratlos und noch immer von dem Drang getrieben, Thomas einfach anzufassen, streichelte er ihm weiter sanft über die Schultern. Half ja vielleicht etwas. Wenn auch nur ihm selbst.
Dann schien Thomas‘ jedoch keine Pause mehr gegönnt zu sein, denn er erbrach sich wieder laut und deutlich.
Da das hier vermutlich eine längere Angelegenheit werden würde, setzte Jakob sich jetzt doch auf den Boden. Und auch, wenn es nicht das Schönste der Welt war, ihn beim Kotzen zu sehen, blieb er dicht an Thomas‘ Seite und streichelte ihm weiter den Rücken.
„Boah, wat eine Scheiße!“, grummelte Thomas und legte seinen Kopf wieder auf dem Ellenbogen ab.
Jakob sah sich um und entdeckte sein Sektglas, das er auf dem Waschbecken abgestellt hatte.
„Warte“, murmelte er und strich Thomas noch ein weiteres Mal über die Wirbelsäule, bevor er aufstand, sich sein Glas schnappte und den Sekt weg schüttete. Er spülte es gut aus, wollte bei Thomas ja nicht schon wieder den Würgereiz auslösen, und füllte es dann randvoll mit Wasser. Außerdem schnappte er sich noch das kleine Gäste-Handtuch, das neben dem Waschbecken hing und machte es nass.
Mit beidem bewaffnet setzte er sich wieder neben Thomas, der immer noch sehr mitleiderregend über der Kloschüssel hing, aber zumindest für einen Moment aufgehört hatte, sich zu übergeben.
„Hier“, meinte Jakob sanft und hielt Thomas das Glas Wasser hin.
Der grunzte nur etwas, wollte vielleicht ein ‚Danke‘ damit ausdrücken und hievte sich dann ein Stück hoch, so dass er aufrecht vor der Toilette saß.
Er nahm einen Schluck Wasser und spuckte ihn wieder in die aus in die Kloschüssel.
„Baaah“, stöhnte er nur und fuhr sich übers Gesicht, nachdem er einen Blick hinein geworfen hatte. Da Jakob es nicht mit ansehen konnte, wenn es Thomas so schlecht ging und er auch selbst noch sonderlich appetitlich fand, stand er schnell auf und betätigte einmal die Klospülung. Schon viel besser.
„Danke“, nuschelte Thomas und trank jetzt einen Schluck.
Da Jakob immer noch so unschlüssig war, was er jetzt tun konnte, wollte er gerade einfach danach fragen, ob er Thomas irgendwie helfen konnte, als er hörte, wie die anderen draußen das neue Jahr anzählten.
„Wat eine Scheiße“, grummelte Thomas wieder, fuhr sich etwas verzweifelt dreinschauend übers Gesicht und nahm noch einen Schluck Wasser.
„Willste nicht…“, setzte er an und deutete dann undeutlich mit dem Arm in Richtung Fenster. Vermutlich wollte er Jakob fragen, ob der nicht lieber draußen mit den anderen feiern wollte. Wollte er aber natürlich nicht. Das stand für ihn gar nicht zur Debatte. Er hatte gerade alles, was er wollte. Zumindest alles, was er wollte und das realistisch war. Er durfte an Thomas‘ Seite sein, wenn das neue Jahr begann.
„Alles gut“, antwortete er also nur, nahm Thomas das leere Glas ab und drückte ihm stattdessen das feuchte Handtuch in die Hand.
Thomas wischte sich damit etwas unkontrolliert übers Gesicht und Jakob konnte ein liebevolles Lächeln nicht unterdrücken, als er ihm das Wasserglas ein weiteres Mal gefüllt entgegen hielt. Trotz seines momentanen Zustandes sah Thomas dabei einfach nur liebenswert aus. Fand zumindest Jakob. Dem eben doch irgendwie alles an Thomas gefiel.
Draußen hörten sie das laute Geschrei der anderen und die ersten Raketen wurden abgeschossen.
Etwas schwach grinste Thomas ihn an und meinte: „Frohes Neues“. Wobei er so neben der Kloschüssel sitzend wirklich ein ziemlich erbärmliches Bild abgab. Und dennoch keines, das Jakob würde tauschen wollen. Er wollte hier sein. Hier mit Thomas. Und ob der nun fröhlich singend das neue Jahr feierte oder eben kotzend über der Toilette hing, ihm war das egal.
„Frohes Neues“, grinste Jakob zurück und lehnte sich dann an die Wand hinter ihm. Die kalten Fliesen taten gut. Erinnerten ihn irgendwie daran, was er hier gerade tat und wieso er es tat. Was er wollte. Was er durfte.
Besser wurde es dadurch allerdings nicht.
„Du hättest ruhig gehen können“, meinte Thomas jetzt zerknirscht und spülte sich noch ein paar Mal den Mund aus, bevor er sich dieses Mal selbst das Glas mit frischem Wasser füllte. Jakob schüttelte nur den Kopf. Sparte sich lieber jedes Wort, weil er gerade einfach nur Angst hatte, dass er etwas Falsches sagte. Irgendetwas. Alles konnte falsch sein, wenn es um Thomas ging und darum, sich nicht zu verraten, sich aber auch nicht zu verrennen.

Richtig elend sah Thomas aus, als er sich neben Jakob setzte und sich ebenfalls an die Wand lehnte. Schweißperlen standen ihm auf der Stirn und auf der Nase und Jakob musste dem Drang widerstehen, sie einfach weg zu wischen. Oder noch schlimmer, sie einzeln weg zu küssen. Das Salz auf seinen Lippen zu schmecken… Doch daran durfte er jetzt gar nicht denken. Lieber handelte er wieder pragmatisch, wie schon die ganze Zeit, und zog Thomas mit einer sanften Geste die Brille von der Nase. Und Thomas beschwerte sich nicht. Normalerweise durfte verständlicherweise niemand auch nur in die Nähe seiner Brille kommen. Doch jetzt ließ er sie sich abnehmen und das sollte Jakob wohl deutlich genug machen, wie fertig sein Kollege gerade eigentlich war.
„Hier“, meinte Jakob und hielt ihm erneut das feuchte Handtuch hin. Doch Thomas murrte nur widerwillig und schloss die Augen.
„Komm schon“, bat Jakob ihn. Doch innerlich bettelte er, Thomas möge jetzt dieses blöde Handtuch nehmen und sich den Schweiß aus dem Gesicht wischen. Weil er genau wusste, was sonst passierte. Jakob kannte sich. Er kannte sich und seinen kleinen Drang, anderen Menschen immer helfen zu wollen. Wie vorhin bei Thomas Martiens, so jetzt auch hier.
Jakob wartete einen Augenblick, während er noch immer lautes Knallen und bunte Lichter von draußen wahrnahm. Die Silvesterparty war in vollem Gange. Und er saß hier auf kalten Fliesen, alles stank nach Erbrochenem und er flehte Thomas fast schon an, sich das Gesicht abzuwischen. Es klang erbärmlich und niederschmetternd, wenn er so darüber nachdachte. Und doch wollte er gerade nirgendwo anders sein. Er wollte hier sein. Auf den kalten Fliesen. Neben Thomas, dem die Haare wirr auf der nassen Stirn klebten und der noch immer keinerlei Anstalten machte, das Handtuch selbst zu nehmen.
So fies es auch klang, aber Jakob war gerade tatsächlich ein wenig froh, dass Thomas sich hatte übergeben müssen. Denn das war das einzige, das seinen Drang ihn zu küssen wirklich auf ein absolutes Minimum eindämmte, als er sich ergeben zu Thomas lehnte und ihm eben selbst über das Gesicht wischte. Er konnte sich das nicht mit ansehen und konnte Thomas nicht so fertig da sitzen lassen. Da sprachen nicht nur seine verliebten Gefühle in ihm dagegen, sondern er sah es allein schon als absoluten Freundschaftsdienst an, sich um seinen Kumpel zu kümmern, wenn es dem so dreckig ging.
Auf Thomas blasses Gesicht legte sich ein leichtes Grinsen, während Jakob ihm über die Stirn wischte und er murmelte wieder ein leises „Danke“, als Jakob fertig war und ihm die Brille vorsichtig wieder auf die Nase schob.
„Kein Ding“, versicherte ihm Jakob, bevor er das Handtuch in eine Ecke schmiss und Thomas dann ganz kurz das Knie tätschelte. Weil er wollte. Und es ausnahmsweise auch Mal durfte. Wenigstens für einen kurzen Augenblick.
Noch immer tobte draußen die große Party und er hörte ihre Kollegen lachen. Und noch immer wusste er, dass er Thomas‘ Seite gerade für kein Geld der Welt verlassen würde. Vor allem, wenn es ihm nicht gut ging.
Eine Weile war es still zwischen ihnen. Thomas‘ Hand wanderte irgendwann auf Jakobs Knie und kam dort zum Liegen. Und Jakob hatte eine Menge mit sich und seinen Gedanken zu kämpfen, bis er sich endlich selbst davon überzeugt hatte, dass Thomas‘ Welt sich gerade vermutlich ganz schrecklich drehte und er einfach irgendwie Halt suchte. Und dass es nicht okay wäre, seine Hand auf die von Thomas zu legen. Nein.
„Sorry“, brummte Thomas irgendwann neben ihm und Jakob schaffte es nur schwer, seinen Blick von der Hand auf seinem Knie loszueisen und Thomas stattdessen in die Augen zu sehen. Jakob hob fragend eine Augenbraue und war sich gerade nicht sicher, was Thomas meinte.
„Jetzt hast du wegen mir Silvester verpasst. Weil ich’s mit über 30 immer noch nicht hinkriege, vernünftig zu saufen.“
Jakob lachte leise und stieß mit seiner Schulter gegen Thomas‘.
„Ich hätte dich auch einfach hier sitzen lassen können. Wollte ich aber nicht“, gab er dann zu und hatte für einen Augenblick lang das Gefühl, zu viel gesagt zu haben. Zumindest, als Thomas ihn danach so seltsam ansah. Und so lange. So intensiv, dass es Jakob dazu brachte zu schlucken und er schon überlegte, wie er es schaffen konnte, den Blick abzuwenden, um Thomas bloß nicht zu küssen.
Das Problem löste sich dann jedoch von selbst, als Thomas mit einem Grinsen und einem Kopfschütteln den Kopf abwandte und Jakob damit nur einen kleinen Stich versetzte. Wirklich nur einen kleinen. Er hatte schon andere Dinge überlebt.
Dann war es wieder still zwischen ihnen und Jakob konnte seinen Blick wieder auf Thomas‘ Hand konzentrieren. Die immer noch auf seinem Knie lag. Und die vor kurzem angefangen hatte, ihn ein wenig zu streicheln. Vermutlich wollte er sich nicht mehr so sehr festhalten.
War jetzt vielleicht eher Selbstwahrnehmung. Den eigenen Körper spüren. Ja. Bestimmt. Etwas anderes durfte Jakob nicht in seinen Kopf lassen. Nicht jetzt, wenn er Thomas so verdammt nahe war. Das war grundsätzlich schon gefährlich und er hatte das Gefühl, jeden Tag an einem Abgrund zu stehen, wenn Thomas ihm so nahe kam. Sollte er springen, ohne zu wissen, ob er aufgefangen wurde? Oder lieber oben an der Kante stehen bleiben und sehnsüchtige Blicke in den Abgrund werfen, der einen ungewissen Ausgang versprach?
Bisher hatte er sich immer für die sichere Kante entschieden. Und so tat er es auch heute. Also tat er nichts. Saß nur neben Thomas, ließ sich von ihm streicheln und hoffte, dass er dabei nicht allzu steif wirkte.
„Jetzt haben wir das Feuerwerk verpasst“, stellte Thomas nach einiger Zeit fest und klang irgendwie niedergeschlagen.
„Naja, das neue Jahr ist ja trotzdem“, versuchte es Jakob mit einem aufmunternden Grinsen.
„Trotzdem. Das ist kacke. Wollte mit dir Feuerwerk gucken“, nuschelte Thomas bockig und rieb sich unter der Brille die Augen.
Ruhig bleiben. Nicht darauf reagieren. Nichts in die Worte hinein interpretieren, das gar nicht da war. Sein Herz davon abhalten, so heftig gegen seine Brust zu hämmern. Sich nicht vorstellen, wie es gewesen wäre, mit Thomas das Feuerwerk anzusehen. Die Illusion einer trauten Zweisamkeit ignorieren, die er sich dabei herauf beschworen hätte. Ruhig weiter atmen.
Jakob versuchte sich selbst zu beruhigen und scheiterte doch kläglich. Die Worte waren zu schön, zu verlockend, um davon nicht seine Fantasie ein bisschen anregen und ein wenig spielen zu lassen.
Doch er wusste, dass er nicht zu viel denken durfte. Nicht hier. Nicht jetzt. Nicht, wenn Thomas ihm immer noch so nah war und sein Knie streichelte. Dann musste er sich zurück halten. Musste rational denken. Pragmatisch abwägen, was man mit seinem betrunkenen Kumpel am besten jetzt machte und…
„Du hättest echt gerne das Feuerwerk gesehen?“, fragte Jakob nach und beobachtete aufmerksam Thomas Gesicht.
Seinen Kopf hatte er an die Fliesen hinter ihnen gelehnt und jetzt schlick sich ein Grinsen auf sein Gesicht und er zuckte mit den Schultern, als er leise „Schon“ antwortete.
„Das lässt sich machen“, grinste Jakob, dem da soeben eine Idee gekommen war. Und auch, wenn sich alles in ihm dagegen sträubte, griff er nach Thomas‘ Hand, zog sie von seinem Knie und legte sie Thomas stattdessen in den Schoß, bevor er aufstand. Ihm war so heiß geworden, hätte er Thomas Hand noch eine Minute länger auf seinem Knie gespürt, hätte er für gar nichts mehr garantieren können.
Schnell schlüpfte er aus dem Gäste-WC, fand das Objekt seiner Begierde auf dem Tisch im Wohnzimmer und kehrte damit zu Thomas zurück. Der saß immer noch auf dem Boden, hatte den Kopf an die Fliesen gelehnt, aber sah nicht mehr ganz so schlimm aus, während er an dem Glas Wasser nippte. Jakob grinste ihn kurz an, schloss dann die Tür ab und setzte sich wieder neben ihn.
„Was wird das denn jetzt?“, fragte Thomas verwirrt.
„Na Feuerwerk“, grinste Jakob, fischte zwei Wunderkerzen aus der Verpackung und zündete sie gleichzeitig an. Dann stütze er seine Hand auf seinem abgewinkelten Knie ab und Thomas lachte leise auf und vergrub sein Gesicht kurz an Jakobs Schulter.
„Ist n bisschen klein“, redete Jakob vor sich hin, damit er ignorieren konnte, wie nah Thomas ihm gerade wieder war. Damit er seine Finger davon abhalten konnte, durch Thomas‘ zerzaustes Haar zu fahren und es ihm aus der Stirn zu streichen. Nicht jetzt. Nicht heute. Niemals.
Den kleinen Riss in seinem Herzen ignorierend, den dieser Gedanke ausgelöst hatte, hielt Jakob die nächsten zwei Wunderkerzen an die Funken, damit sie sich entzündeten. Die zwei Abgebrannten legte er zur Seite.
„Nein.“
Thomas schüttelte den Kopf.
„Perfekt so. Danke“, murmelte er gegen Jakobs Schulter, bevor er seinen Kopf darauf ablegte und dem Funkensprühen der Wunderkerze zusah.
Und Jakob wusste, dass er die ganze Packung an Wunderkerzen abbrennen würde, solange Thomas nur so nah bei ihm blieb und seinen Kopf nicht mehr von seiner Schulter hob.

~*~

Jakob starrte angestrengt auf das Display seines Handys. Er konnte Thomas nicht schon wieder anstarren. Gut, konnte er schon. Schließlich schlief Thomas noch neben ihm, auf der anderen Bettseite. Aber es war vielleicht doch besser für alle Beteiligten, wenn er es nicht tun würde. Wenn er seine sehnsüchtigen Blicke einfach mal für sich behielt.
War schon schlimm und heikel genug gewesen, als Jakob ihm gestern das Shirt und die Hose ausgezogen hatte, bevor er ihn ins Bett gelegt hatte.
So fertig hatte er Thomas wirklich noch nie erlebt. Und wäre Jakob nicht gewesen, wäre Thomas wahrscheinlich einfach nur mit dem Gesicht voran ins Bett gefallen und eingeschlafen. Doch das hatte Jakob nicht zulassen können. In Jeans schlafen war schließlich ziemlich unbequem, das hatte er Thomas nicht antun wollen. Dem war es eh schon schlecht genug gegangen. Und egal, wie sehr seine Finger gezittert hatten und egal, wie sehr er dabei mit sich selbst hatte kämpfen müssen, irgendwie hatte er es doch geschafft Thomas die Hose auszuziehen. Ohne ihn zu begrapschen. Ohne hinzusehen, wo seine Augen nichts verloren hatten. Irgendwie. Danach hatte er sich gefühlt, als wäre er einen Marathon gelaufen, so fertig war er gewesen. Sein Herz hatte ihm bis zum Hals geschlagen, das Adrenalin hatte seine Hände zittern lassen und es fast unmöglich gemacht, diesen blöden Jeans-Knopf zu öffnen. Doch irgendwie hatte er es geschafft.
Und das T-Shirt hatte er ihm einfach ausziehen müssen. Das hatte nämlich bei Thomas‘ kleinem … Ausfall vorhin etwas abbekommen. Und niemand sollte in voll gekotztem T-Shirt schlafen müssen. Schon gar nicht der Kerl, in den Jakob verliebt war.

Das Ganze hatte dann jedoch dafür gesorgt, dass Jakob die halbe Nacht wach gelegen hatte.
Thomas war wie erwartet einfach ins Bett gefallen und eingeschlafen. Jakob hatte ihn noch zugedeckt und ihm die Decke bis zum Kinn hochgezogen. Und das hatte er nicht nur getan, damit Thomas nicht kalt wurde. Aber er hätte es nicht ertragen können, die ganze Zeit seine nackte Brust in Reichweite zu haben. Denn die Nachttischlampe hatte er natürlich nicht ausgeknipst, nachdem er sich neben Thomas ins Bett gelegt hatte.
Seine ganze Selbstbeherrschung hatte er davor schon gebraucht, um Thomas auszuziehen ohne ihn irgendwie anzugrapschen oder zu sehr anzustarren. Da hatte er sich das bisschen schmachten und beobachten schon verdient. Hatte er sich zumindest eingeredet und war mit seinen Blicken so oft Thomas‘ Lippenkontur entlang gewandert, bis er geglaubt hatte, sie auswendig zu kennen. Wenn er sie schon nie auf seinen eigenen Lippen spüren würde, dann wusste er eben wenigstens das. Ein schwacher Trost. Sehr schwach. Und vielleicht war das auch der Grund gewesen, wieso er irgendwann seine Hand nicht mehr hatte beherrschen können. Die war ihm plötzlich ausgekommen, hatte sich in Thomas‘ Gesicht geschlichen und ihm eine Haarsträhne zur Seite gewischt, die ihm fast ins Auge gehangen hatte.
Thomas war nicht wach geworden und hatte sich nicht geregt. Jakobs großes Glück. Schließlich musste der ja nicht mitkriegen, was Jakob hier trieb.
Irgendwann waren dann jedoch auch ihm fast die Augen zu gefallen und er hatte es, nach einem letzten Blick auf den friedlich schnarchenden Thomas, geschafft, das Licht auszuknipsen und sich dann mit wild klopfendem Herzen neben ihn zu legen.

Lange geschlafen hatte er nicht. Erst recht nicht, als er bemerkt hatte, wie nah Thomas im Schlaf an ihn heran gerückt war und dass er ein Bein unter Jakobs Decke gesteckt hatte.
Da war an Schlaf nicht mehr zu denken gewesen.
Also saß er jetzt hier seit einer Stunde, hatte sich mit einem Kissen ans Kopfende des Bettes gelehnt und versuchte, sich auf dieses dämliche Handy-Spiel zu konzentrieren, das er sich Mal runtergeladen hatte. Hauptsache er starrte Thomas nicht wieder an. Das war eh schon alles viel zu gefährlich.
Mittlerweile war es langsam hell geworden vor ihrem Fenster, aber noch war alles ruhig im Haus. Gestern Nacht waren alle noch lange wach gewesen und hatte gefeiert. Und Jakob war einfach nur zufrieden gewesen, weil er an Thomas‘ Seite hatte sein können. Ganz ohne zu feiern. Wie erbärmlich…
Neben ihm setzte das tiefe Schnarchen plötzlich aus und Jakob warf einen Blick zu Thomas. Der blinzelte ein wenig gegen das helle Licht, bis er es schaffte, die Augen ganz zu öffnen.
Ein Lächeln schlich sich auf Jakobs Gesicht, als er Thomas dabei beobachtete, wie der einen irritierten Blick über seine nackte Brust wandern ließ, die mittlerweile unter der Decke hervor lugte. Dann wanderte sein Blick zu Jakob und der zwang sich, sein Grinsen schnell abzulegen. Sich bloß nicht verraten. Lieber Guten Morgen sagen. Genau.
Doch gerade als er den Mund geöffnet hatte, fragte Thomas mit rauer und kratzig-verschlafener Stimme:
„Haben wir gevögelt?“
Jakob konnte regelrecht spüren, wie seine Augen größer wurden und er konnte es nicht verhindern, dass sein Mund ein Stück auf klappte. Thomas sprach von Sex? Zwischen ihnen beiden? Warum? Wie kam er darauf? Hatte er Jakobs Blicke bemerkt? Hatte er gespürt, wie er ihn angefasst hatte? Hatte er etwas in Jakobs Worte und Handlungen hinein interpretiert?
Jakob bekam Panik, sein Atem ging schneller und er überlegte siedend heiß, was er jetzt sagen konnte, das absolut unverfänglich war. Bis er Thomas beobachtete, der einen kritischen Blick unter die Bettdecke warf und Jakob verstand. Thomas war es nicht gewohnt, ohne Shirt zu schlafen – außer er hatte Sex. Das war gut. Das war sehr gut. Dann hatte er keinen Verdacht geschöpft. Alles in Ordnung.
Mindestens genauso erleichtert, wie er sich fühlte, lachte Jakob jetzt auf und schüttelte den Kopf. „Nee“, antwortete er und grinste immer noch, als Thomas ihn jetzt wieder ansah. Doch er lachte nicht, sondern nickte nur.
Hatte er etwas Falsches gesagt? Aber was? Vielleicht sollte er Thomas erklären, wieso er dann trotzdem oben ohne hier lag. Genau.
„Du hast dein T-Shirt gestern vollge… also, eingesaut. Dachte, das muss nicht sein, dass du darin schläfst“, erklärte Jakob gestikulierend und beinahe wäre ihm sein Handy aus der schweißnassen Hand gerutscht. Noch immer war er viel zu nervös.
„Oh Gott“, brummte Thomas und ließ sich zurück in die Kissen fallen, einen Ellenbogen legte er über seine Augen.
Jakob schluckte und versuchte sich langsam wieder zu beruhigen. Es war alles in Ordnung. Thomas wusste von nichts. Er hatte sich nicht verraten.
„Danke“, meinte Thomas jetzt und streckte sich ein wenig.
„Und sorry nochmal. Also wegen gestern. Hätte es echt nicht so übertreiben sollen.“
„Schon okay“, winkte Jakob ab. „Wir hatten ja trotzdem noch ein Feuerwerk.“
Thomas grinste ihn jetzt an, brachte seinen Magen dazu, völlig durchzudrehen und machte es schwer, ihm zuzuhören, als er sagte:
„Das war schön.“
Jakobs Mund war trocken und er hatte das Gefühl, seine Zunge würde an seinem Gaumen festkleben, seine Oberlippe an seiner Unterlippe. Er schluckte, doch es half nichts. Noch immer war sein Mund staubtrocken und in seinem Kopf wirbelten die Worte, dass Thomas es gemocht hatte, mit ihm das Wunderkerzen-Feuerwerk anzusehen. Jakob nickte nur und wollte dann gerade wieder auf sein Handydisplay schauen – das war einfach sichereres Terrain als Thomas so halb entblößt neben sich liegen zu haben - als Thomas ihn wieder ansprach. Und etwas sagte, das nicht nur Jakobs Kopf und seinen Magen durcheinander wirbelte.
„Haben wir denn wenigstens geknutscht?“
Jakob schluckte wieder, versuchte vergeblich seinen Mund zu einer Antwort zu bewegen. Zu einer vernünftigen Antwort, die nicht verriet, wie sehr er sich das gewünscht hatte. Wie sehr er sich das seit Wochen, Monaten ersehnte und wie schwer es war, sich immer davon abzuhalten. Doch er schaffte es nicht. Er brachte keine Antwort heraus und Thomas, der ihn immer noch sehr aufmerksam und so ganz humorlos ansah, bekam von ihm nur ein verneinendes Kopfschütteln.
Mehr brachte Jakob nicht zu Stande. Zu sehr fuhren die Gedanken in seinem Kopf Achterbahn, rauschten einmal durch seinen Magen, wirbelten alles durcheinander und legten dann wieder den Rückwärtsgang ein. Noch immer konnte er sich keinen Reim drauf machen, warum Thomas solche Fragen stellen sollte. Schließlich hatte er alles getan, was in seiner Macht lag, um sich nicht zu verraten. Alles.
„Schade“, stellte Thomas fest und klang wieder sehr ernst. So gar nicht scherzend. Und als Jakob verwirrt seinen Blick suchte, blitze auch kein Schalk in Thomas‘ Augen. Nur etwas anderes, aber es konnte es nicht lesen.
Einen Augenblick lang, indem er Thomas dabei zusah, wie er sich aufsetzte, brauchte Jakob, bis Thomas‘ Feststellung zu ihm durchdrang. Bis ihm bewusst wurde, dass Thomas es bedauert, dass sie sich nicht geküsst hatten. Und ehe er es verhindern konnte, verließ ein quiekend-fragender Laut seine Kehle und er sah Thomas an. Konnte seinen Blick einfach nicht abwenden.
Doch auch Thomas sah nicht weg und er lachte nicht. Er sah ihm nur in die Augen. Lange und so intensiv, dass Jakob instinktiv versuchte, sich an seiner Bettdecke festzuhalten.
Und Thomas lachte immer noch nicht, als er sichtlich schluckte und dann sagte:
„Ich meinte…das ist schade, dass wir uns nicht geküsst haben. Dann hab ich schon wieder meinen Neujahrs-Vorsatz gebrochen. Zum zweiten Mal.“
Fassungslos starrte Jakob ihn an. Er versuchte verzweifelt diese Information zu verarbeiten. Wusste nicht, was er sagen, denken oder tun sollte. Starrte Thomas einfach nur an. Der jetzt den Blick abwandte und stammelte:
„Sorry. Das… ich hätte das nicht sagen sollen.“
Und er sah ein wenig verzweifelt aus, als er sich übers Gesicht rieb. Dann machte er Anstalten, aus dem Bett aufzustehen und endlich kam wieder Leben in Jakob. Endlich konnte er seine Gedanken so weit ordnen, dass er Worte daraus formen konnte, die seinen Mund verließen:
„Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?“
Vielleicht waren es auch doch nicht ganz seine Gedanken. Aber immerhin etwas, das Thomas am Aufstehen hinderte. Der sah ihn jetzt erschrocken an, schluckte wieder sichtlich und meinte dann:
„Ver…vergiss es einfach, okay? Tun wir so, als wäre nichts gewesen, damit das neue Jahr nicht schon scheiße anfängt.“
Thomas klang niedergeschlagen und verzweifelt. Und es brach Jakob nicht nur das Herz, sondern löste auch endlich seine Zunge, damit er mehr sagen konnte. Mehr als nur ein paar nichtssagende Worte.
„Zwei Jahre lang? Zwei Jahre lang rennst du damit durch die Gegend und sagst nichts?“
Wieder seufzte Thomas, sah jetzt zusätzlich noch etwas beschämt aus und wandte sich von Jakob ab.
„Ehrlich, Jakob. Lass uns das einfach vergessen. Ich komm schon klar.“
‚Vonwegen‘, dachte Jakob nur. Weil ihm endlich bewusst wurde, dass Thomas genauso wenig klar kam wie er selbst. War er die ganze Zeit nicht, wenn er ehrlich war. Und es tat gut zu wissen, dass es Thomas genauso ging.
„Hättest du einfach Mal was gesagt, wären die letzten Monate wesentlich einfacher gewesen.“
Jakob grinste Thomas an und hoffte, dass er damit jetzt endlich etwas Eindeutigeres gesagt hatte. Etwas, das Thomas nicht wieder falsch interpretieren konnte.
Fragend zog Thomas die Augenbrauen zusammen.
„Wie…“, setzte er an, doch Jakob unterbrach ihn gleich wieder. Er wollte jetzt keinen Raum mehr für Spekulationen lassen. Alles in ihm drängte danach, dass er endlich deutlich machte, was er wollte. Endlich!
„Seit Monaten eier ich durch die Gegend und versuche alles, damit du ja nicht merkst, wie verschossen ich bin. Und jetzt sagst du mir, dass es dir schon viel länger so geht“, stellte Jakob fest. Sanft, weil er Thomas nicht verscheuchen oder vor den Kopf stoßen wollte. Er wollte ihn nicht anklagen, schließlich hatte er selbst sich ja auch nicht getraut, etwas zu sagen oder zu tun. Stattdessen wollte er ihm doch nur sagen…
„Wir hätten uns das Leben auch wesentlich leichter machen können. Hätten wir beide Mal was gesagt.“
Und wieder grinste er. Und endlich grinste Thomas zurück, verwandelte seinen Magen in einen heiß schlingernden Ball, der hin und her hüpfte und streckte die Hand nach ihm aus.
„Heißt das etwa… wir können uns jetzt doch küssen?“, fragte Thomas und rutschte ein Stück näher zu Jakob. Der ihn angrinste. Breit und ehrlich und frei.
Frei, weil er sich und seine Gefühle endlich nicht mehr verstecken musste. Weil er sich verraten hatte – ganz bewusst. Und weil das das beste Gefühl der Welt sein musste.
„Also ich muss sagen… ich kann es mir auf meinem Karma-Konto echt nicht leisten, wenn du wegen mir schon zum dritten Mal deinen Neujahrsvorsatz brechen müsstest“, antwortete Jakob und bekam das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht. Und das Beste an der Sache war, dass er das jetzt gar nicht mehr musste. Weil Thomas ihn genauso angrinste. Breit, ehrlich und heillos verliebt.
„Allerdings…“
Thomas sah auf, fragend und irgendwie immer noch ein kleines bisschen besorgt. Dabei hatte Jakob nicht vor, jetzt etwas Böses zu sagen.
„Allerdings sollten wir wirklich erst Zähne putzen. Das gestern war alles nicht ganz so appetitlich“, erklärte Jakob grinsend und Thomas lachte erleichtert auf. Und immer noch lachend rollte er sich einfach zur Seite, kam auf Jakob zum Liegen und Jakob schloss seine Arme um Thomas.

Weil er ihn jetzt endlich festhalten durfte. Weil er sich nicht mehr verstecken musste. Weil er frei sein durfte.
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