A Light In The Dark ~ Für IrvisPanther

A Light In The Dark ~ Für IrvisPanther

Beitragvon Kazu » 24. Dez 2014, 17:18

Liebe Irvis,
ich kenne dich leider nicht, hoffe aber sehr, dass dir dein Wichtel Oneshot von mir gefällt :)
Mir hat es Spaß gemacht mal wieder über Harry Potter zu schreiben und diesmal speziell über Lupin und seine Kindheit.
Ich wünsche dir frohe Weihnachten und viel Spaß beim Lesen!
Liebe Grüße,
Kazu


A Light In The Dark

Schon eine Weile wälzte sich der kleine 8-Jährige Junge mit den braunen Haaren in seinem Bett hin- und her, als er plötzlich die Augen aufriss. Sein Herz raste ebenso schnell wie sein Atem. Schnell versuchte er sich zu orientieren. Wo war er? Ein Zimmer? Ein Bett? Allmählich realisierte er, dass es sich bei dem Grauen, was er gerade durchlebt hatte nur um einen Traum gehandelt hat. Er schnaufte. Eigentlich müsste er sich längst daran gewöhnt haben. Seit Monaten plagten ihn diese Albträume nun schon, Nacht für Nacht, und es war für ihn noch genauso schlimm wie am ersten Tag. Er träumte nicht von Monstern, die ihn verfolgten oder gar töten wollten, nein. In seinen Träumen war er das Monster. Genau wie in der Realität...

Als er sich aufraffte und sich immer noch zitternd den Angstschweiß von der Stirn wischte, wanderte sein Blick durch das Zimmer, welches nun schon seit fünf Monaten ihm gehörte. Sein Dad sagte, mit etwas Glück würden sie erst in ein paar Monaten wieder umziehen müssen. Die Nachbarn waren bisher wohl nicht allzu misstrauisch geworden.

So sollte sein Leben nun also sein und für immer bleiben. Kaum Kontakt zur Außenwelt, keine Freunde zum Spielen und niemals lange an einem Ort leben. Wenn man überhaupt von "leben" sprechen konnte...

Während der Kleine wie so oft in seinen Gedanken verloren da saß, stieg ihm der Geruch von Schinken in die Nase. Moment... Schinken? Dass die Familie ausgiebig frühstückte kam eigentlich nur zu besonderen Anlässen vor... Auf einmal wurde im klar, welcher Tag heute war. Nämlich der 25. Dezember. Weihnachten. Er war selbst von sich schockiert, wie er das vergessen konnte! Bis zum letzten Jahr noch, hätte er dem Fest schon Wochen vorher entgegen gefiebert. Er wäre längst aus dem Bett gesprungen und nach unten ins Wohnzimmer geeilt um seine Geschenke auszupacken. Es war nicht so, als wären das immer sehr Viele gewesen, dafür hatte seine Familie einfach nicht genug Geld, aber es war immer etwas Besonderes für ihn.

Dieses Jahr jedoch war alles anders. Selbst jetzt, wo er sich des Datums wieder bewusst geworden war, freute er sich nicht. Er dachte daran, dass letztes Jahr noch alles in Ordnung gewesen war und wie sehr sich sein Leben nach dem Vorfall vor einem halben Jahr verändert hatte. Langsam stieg er aus dem Bett, schlüpfte in seine Pantoffeln und war schon beinahe an der Tür, als sein Blick auf die jämmerliche Gestalt im Spiegel fiel. Er war dürr geworden und unter seinen Augen bildeten sich tiefe Schatten ab. Bissspuren und Kratzer, die er sich selbst zugefügt hatte, markierten seine Unterarme. Die letzte Vollmond-Nacht war erst vier Tage her und das sah man ihm deutlich an.

Bilder von besagter Nacht schossen in seinen Kopf. Kalte, feuchte Steinwände. Der unerträgliche Schmerz. Das Jaulen. Und die unbeschreibliche Angst jemandem etwas anzutun. Jemanden das anzutun, was ihm selbst angetan wurde.

Er schüttelte den Kopf. Diese Gedanken mussten aufhören, wenigstens für heute. Er wollte seinen Eltern keinen Kummer bereiten an Weihnachten. Das hatten sie einfach nicht verdient. Es kam ihm immer noch wie ein Wunder vor, dass seine Eltern ihn nicht ausgestoßen haben, im Gegenteil, sie unterstützten ihn so sehr wie es Ihnen nur möglich war und das obwohl sie derzeit noch so viel Anderes hatten, um das sie sich kümmern mussten. Wenn sein Vater von der Arbeit kam, ging entweder er oder seine Mum noch einmal weg. Ein zweiter Job, sagten sie, aber er wusste, dass mehr dahinter steckte. Irgendetwas ging da draußen vor sich.

Eine Minute stand er noch vor dem Spiegel, dann verließ er das Zimmer endlich. Je näher er der Küche kam, desto stärker wurde der Geruch von leckerem Frühstück und tatsächlich: Als er im Türrahmen stehen blieb, sah er seine Mutter, wie sie gerade den Tisch mit allerlei Köstlichkeiten deckte. Er holte tief Luft, setzte ein gespieltes Lächeln auf, was nicht ansatzweise seine Augen erreichte und sagte: "Guten morgen."

Augenblicklich drehte sich seine Mutter zu ihm um. Ihm entging ihr erster Blick nicht, auf dem deutlich Mitleid und Erschrecken über sein jämmerliches Äußeres zu lesen war, auch wenn ein Sekunde später bereits ein Lächeln über ihre Lippen ging. Sie versuchte stark zu bleiben. Für ihn, aber auch für sich selbst und er wusste es zu schätzen. Es musste schwer sein ein Monster zum Sohn zu haben. "Guten morgen, mein kleiner Liebling", sagte sie und kam auf ihn zu, um ihn zu umarmen. Bei der Berührung zuckte er wie immer kurz zusammen, ließ es aber über sich ergehen. "Ich wünsche dir eine frohe Weihnachten". Mit diesen Worten ließ sie ihn los und wandte sich wieder dem halbgedeckten Tisch zu.

Der Braunhaarige setzte sich auf seinen Platz vom Tisch. "Wo ist Dad?", fragte er während er den leeren Platz seines Vaters betrachtete. "Er musste heute morgen kurz weg, wird aber gleich wieder da sein.", erklärte seine Mum, als auch schon der Schlüssel im Türschloss zu hören war. Keine zwei Minuten später stand sein Vater im Türrahmen. Er lächelte seinen Sohn strahlend an. "Remus, mein Junge! Ich wünsche dir ein tolles Weihnachtsfest!" Auch er umarmte ihn fest, ehe er sich am Tisch niederließ. "Hope, das Essen riecht köstlich!", sagte er seiner Frau zugewandt, die sich nun ebenfalls zu ihnen an den Tisch gesellte. "Mit einer extra Portion Liebe zubereitet und ohne einen Funken Zauberei!", erwiderte sie stolz. "Keine Magie der Welt könnte so ein Festmahl hervorzaubern!", meinte Dad. Remus lauschte dem liebevollen Wortwechsel seiner Eltern. Ohne ihn wären sie eine Bilderbuch-Familie gewesen. Er zerstörte dieses Bild und es tat ihm Leid.

Das Essen verlief ereignislos und wieder begann Remus die Situation mit dem Weihnachten der letzten Jahre zu vergleichen. Meist hatten sie erst nach der Bescherung gefrühstückt, weil er ohnehin vor Aufregung nicht hätte still sitzen bleiben können. Diesmal wollte er einfach, dass der Tag schnell vorbei ging. Ohne Geschenke, ohne Festmahl. Jemand wie er hatte dies nämlich nicht verdient. Er wollte einfach nur in seinem Bett liegen und vielleicht ein Buch lesen.

Er las viel für sein Alter. Sowohl Bücher über Zauberei, als auch die alten Muggel-Bücher seiner Mum. Er selbst hatte magisches Blut wie sein Vater. Schon als kleines Kind konnte er Dinge und Lebewesen mit Magie abwehren, wenn sie ihm Angst bereiteten. Wie oft hatte sein Vater ihm gesagt er würde in Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zauberei, einmal ein sehr talentierter Schüler werden und Remus hatte seitdem jeden Tag von dem großen Schloss geträumt, wo er mit anderen Kindern in seinem Alter einmal lernen würde seine Magie zu kontrollieren. Dieser Traum war nun zusammen mit allen anderen Träumen geplatzt. Hogwarts war für jemanden wie ihn keine Option mehr. Seine Eltern würden ihn weiter daheim unterrichten. Wie sollte es auch anders funktionieren? Jahrelang mit den selben Leuten eng zusammenzuleben, ohne dass sie Verdacht schöpften? Und selbst wenn dies wie durch ein Wunder gelingen würde, was würde er in Vollmond-Nächten tun? Nein, Hogwarts zu besuchen würde für ihn immer ein Traum bleiben.
„Alles in Ordnung, Remus? Dein Ei wird kalt.“, holte seine Mum ihn aus den Gedanken. „Ja, alles okay!“, sagte er schnell und machte sich zum Beweis über sein Ei und den Schinken her.

Als das Frühstück beendet war, räumten sie alle gemeinsam den Tisch ab und sein Dad spülte das Geschirr mit einem Schwung seines Zauberstabs. Anschließend begaben sie sich gemeinsam ins Wohnzimmer, wo der kleine Tannenbaum mit den Geschenken schon in seiner vollen Pracht bereit stand. Alles sah aus wie die Jahre zuvor. Nichts deutete daraufhin, dass sich innerhalb des Jahres irgendetwas geändert hatte. Remus wusste nicht, was er erwartet oder erhofft hatte, aber dass alle so taten, als sei nie etwas passiert, gefiel ihm nicht. Der geschmückte Baum und die bunten Päckchen darunter passten einfach nicht mehr in dieses Haus. Sie passten in ein Bilderbuch.

Doch seine Eltern spielten das Spiel weiter. Wie immer setzten sie sich alle auf den Boden und verteilten untereinander die Pakete. Von seinem Vater bekam er sein neustes Werk: Nichtmenschliche, geisterhaften Erscheinungen Band 2. Remus interessierte sich sehr für die Arbeit seines Vaters. Damals hätte er sich vorstellen können selbst irgendwann einmal in dem Bereich zu arbeiten. Jetzt gehörte er quasi selbst halb in diesen Bereich. Er bedankte sich herzlich bei seinem Dad. Er würde das Buch vermutlich verschlingen, wie schon den ersten Band.

Das Paket seiner Mutter war wesentlich kleiner als ein Buch. Darin befand sich eine kleine sehr altmodische Box. Er begutachtete sie fasziniert. Sie musste schon sehr alt sein. Vorsichtig öffnete er das alte Stück und darin lag auf einem Samtkissen ein Anhänger. Er war tiefgolden und mindestens genauso alt wie die Schatulle. Der Anhänger hatte die Form einer Sonne und irgendwas an ihm löste in Remus von jetzt auf gleich starke Gefühle aus. Positive Gefühle, die so gar nicht in seine Lage passen wollten.

„Es ist ein Glücksbringer“, erklärte ihm seine Mum, „ich habe ihn als Kind von deiner Urgroßmutter Maggy bekommen. Er soll dich immer beschützen und das Licht in dir zum Scheinen bringen, egal wie finster die Nacht ist.“ Die Gefühle in Remus liefen über und eine Träne nach der anderen rannte über seine Wangen. Er verstand die Welt nicht mehr. Wie konnte dieses Ding ohne einen Funken Magie solche positiven Gefühle in ihm wecken? Wie schaffte dieser Glücksbringer das, was monatelang keiner mehr geschafft hatte? Remus hielt die Sonne fest an seine Brust gedrückt und unter der Tränenschicht erschien ein breites, ehrliches Lächeln, welches er gedacht hatte schon verlernt zu haben.

Was auch immer es war, das ihm diese Gefühle bescherte und auch wenn er wusste, dass dieser Moment nur von kurzer Dauer sein würde.

Er genoss den Augenblick aus vollstem Herzen.

Denn gerade jetzt, war er einfach nur glücklich.
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Re: A Light In The Dark ~ Für IrvisPanther

Beitragvon Irvis » 25. Dez 2014, 22:58

Oh, vielen vielen Dank :D Ich liebe Geschichten über Lupin immer und gerade aus seiner Jugend, da darüber ja wenig bekannt ist. Ich kann wirklich gut mit ihm mitfühlen und die Idee mit der Sonne als Gegensatz zum Mond ist auch sehr niedlich ;) Danke für die Geschichte, ich freue mich sehr!
Irvis


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