Gibt es einen Weg zusammen zu bleiben? - für callisto24

Gibt es einen Weg zusammen zu bleiben? - für callisto24

Beitragvon Sammy-chan » 26. Dez 2014, 01:39

Liebe callisto, alle Jahre wieder, nicht wahr ;)
Ich wünsche dir hiermit wunderschöne Restweihnachten. Es geht natürlich weiter mit Fabian und Manuel. Ich hoffe das ist in Ordnung.
Fertig bin ich natürlich nicht und so geht es demnächst mal weiter, ich hoffe auch mal außerhalb des Wichtelns, denn ich würde den Jungs gern mal ein ordentliches Endfe geben, aber wir werden sehen. Bis dahin hoffe ich, dass dirt der neue Teil gefällt :)

Titel: Gibt es einen Weg zusammen zu bleiben?
Rating: P18-Slash
Warning: Incest, Cybersex (mehr oder minder)
Anmerkung: Fortsetzung zu Zwei Wege zu Lieben und Gibt es einen Weg zueinander zu finden(muss man gelesen haben, sonst macht es keinen Sinn XD)



Fabian wurde als erstes wach, er betrachtete seinen Bruder. Er wirkte zufrieden und Fabian hoffte, dass er daran nicht ganz unschuldig war. Er wusste nicht, wie lange er ihn einfach nur ansah, bis Manuel sich rührte und die Augen öffnete.
„Was machst du hier, Fabs?“
Fabian wollte antworten, aber dann schüttelte Manu kaum merklich den Kopf und lächelte.
„Komm her.“
Manuel zog ihn zu sich rüber in eine Umarmung, Fabian vergrub sein Gesicht in die Halsbeuge seines Bruders, sog seinen Geruch ein, den er so gut kannte, den er aber noch nie so intensiv wahrnehmen durfte. Würde es jetzt immer so sein? So wirklich hatten sie nicht geklärt, welchen Status ihre Beziehung nun hatte. Aber es war nichts über das sich Fabian jetzt Gedanken machen wollte. Er wollte sich auf das warme Gefühl konzentrieren, was sich in ihm breit machte, das Gefühl, dass ihm sagte, wie glücklich er war. So glücklich, dass er sich fragte, ob man nicht irgendwann platzen würde, wenn man dauerhaft so glücklich war. Aber er war durchaus bereit das auszuprobieren.
Er wusste nicht wie lange sie einfach so dalagen, die Anwesenheit des anderen genossen, wie lange Fabian sich einfach nur in Manuels Gegenwart bettete, seinen Atem, seine Wärme spürte.
Er fühlte sich fast ein wenig, als hatte er getrunken. Sein Kopf schwirrte und ohne weiter nachzudenken folgte er seiner inneren Eingebung und küsste Manuels Hals. Wollte die weiche Haut probieren, die dort war. Er leckte über die Stelle und es schmeckte so perfekt, so nach Manu. Er hatte keine Ahnung, warum er wusste, wie sein großer Bruder schmecken musste, aber er wusste es einfach.
„Was tust du?“ Fragte Manu leise direkt neben seinem Ohr, machte aber keine Anstalten, etwas an ihrer Situation zu ändern, also vermutete Fabian, dass es in Ordnung war und ihrem Beziehungs-Status entsprach. Wie auch immer der gerade aussah.
Er küsste sich langsam Manus Hals entlang, probierte aus, setzte seine Zunge ein, kratzte mit den Zähnen über die Haut oder biss leicht hinein. Und dicht neben seinem Ohr hörte er diese kleinen Geräusche, die über Manus Lippen kamen. Nicht laut, kleine Seufzer, und allein das ließ sich eine heiße Kugel Erregung in seinem Unterleib zusammenballen.
Irgendwann erreichte er die Lippen, die diese Laute von sich gaben und sie küssten einander, er konnte Manus schweren Atem dabei spüren, wenn sie sich kurz lösten.
Mit den Händen fuhr Fabian Manuels Seiten entlang, suchte den Saum des Shirts, um seine Hände darunter gleiten zu lassen. Ein bisschen überrascht war er über sich selbst, wenn er sich selbst eingeschätzt hätte, hätte er niemals gedacht, dass er derjenige sein würde, der die Initiative übernahm, zumindest nicht am Anfang. Aber genau das passierte hier gerade. Und er mochte es, er mochte es zu sehen, welche Reaktionen er bei Manuel hervorrufen konnte. Er mochte, wie sich die Muskeln unter seinen Berührungen anspannten, er mochte es, wie Manu unter ihm lag und die kleinen Stöhner, die seinen Mund verließen. Und er mochte es, wie er Manuels Erregung spüren konnte, wie er durch den Stoff ihrer Boxershorts fühlen konnte, dass Manuel hart war, so wie es bei ihm selbst auch der Fall war. Und er positionierte sich mit Absicht so, dass sein Bein an Manuels Erregung rieb und erntete dafür weitere Stöhner, die er versuchte mit den Lippen einzufangen.
Langsam fuhr er mit einer Hand weiter hinab, nestelte an dem Bund von Manuels Boxershorts.
„Fabs.“ Manuels Stimme klang rauh und wahnsinnig sexy. Aber dann fasste er mit einer Hand Fabians Handgelenk von der Hand, mit der er gerade in Begriff war unter den Stoff zu gleiten.
Fragend sah er auf.
„Nicht… ich meine, nicht jetzt. Ich will das hier nicht überstürzen, nicht mit dir, ich will, dass wir uns sicher sind, okay?“
Fabian setzte sich auf. War Manuel sich nicht sicher? Er selbst war sich gerade ziemlich sicher gewesen. Aber er versuchte sich seine Enttäuschung nicht anmerken zu lassen. Vielleicht hatte er Recht und sie sollten es wirklich langsam angehen lassen. Fabian erinnerte sich noch ganz gut an die Panik, die er gespürt hatte, als sie das letzte Mal körperlich miteinander geworden waren. Jedoch kam es ihm vor, als sei das eine Ewigkeit her und er selbst wäre seitdem deutlich älter geworden.
„Okay?“ wiederholte Manuel seine Frage und Fabian nickte jetzt.
Er zog ihn zu sich und küsste Fabian.
„Lass uns aufstehen, wir sollten heute definitiv noch bei Mum vorbeischauen.“
Fabian hatte nicht mehr wirklich daran gedacht, an die gestrigen Ereignisse, der Kuss, der von ihrer Mutter unterbrochen worden war.
„Ich mag nicht“, schmollte er, und vergrub sein Gesicht erneut, diesmal an Manus Brust, wo er dessen Herz schlag hören konnte. Er hatte wirklich keine Lust sich irgendwelchen Problemen stellen zu müssen, wenn er stattdessen hier sein konnte, dicht gepresst an seinen Bruder, so wie es sein sollte.
Manuel lachte und Fabian konnte die Vibration spüren. „Hast du keinen Hunger, ich mache uns Frühstück.“
Jetzt, wo Manu es sagte, spürte er tatsächlich eine kleine Leere im Magen, aber nichts wofür es sich wirklich lohnte aufzustehen. Aber Manuel blieb standhaft und scheuchte ihn nach zehn weiteren Minuten dennoch aus den Federn und unter die Dusche.

Kurze Zeit später saß Fabian am Esstisch und Manu stellte einen Korb mit aufgebackenen Brötchen auf selbigen.
„Wir sollten gleich nach Haus‘ fahren und sehen, wie es Mum geht.“
Er drehte sich wieder um, und öffnete den Kühlschrank, um das Frühstück zu vervollständigen.
„Ja“, sagte Fabian, erst jetzt ließ er es zu, dass er sich erinnerte, was am gestrigen Tag passiert war. Ihre Mutter hatte gesehen wie sie einander geküsst hatten. Ob sie Manu geglaubt hatte? Dass es nichts gewesen war? Nur ein Versehen? Er wusste, dass Manuel ebenfalls darüber nachdachte, aber keiner von ihnen sprach es aus.
„Wow, Frühstück, Klasse!“
Ein blonder junger Mann war gerade zur Tür hereinspaziert und setzte sich zu Fabian an den Tisch. Einen kurzen Moment fragte sich Fabian, warum sich ein fremder Kerl an Manuels Frühstückstisch setzte, aber dann erinnerte er sich, dass Manuel ja in einer WG wohnte.
„Hi“, sagte besagter Typ jetzt in seine Richtung, „ich bin Alex.“
Seine Haare waren zerstrubbelt und er trug nur T-Shirt und Boxershorts, er nahm sich eines der Brötchen aus dem Korb und riss ein Stück ab, was er sich in den Mund steckte.
„Fabian.“
Er musterte Fabian. „Bist du der Neue?“, fragte er nun und Fabian runzelte die Stirn. Der Neue?
Dann wandte sich Alex an Manuel. „Muss ich mir seinen Namen merken?“
„Ja“, meinte Manuel tonlos, und reichte Alex einen Teller rüber. „Er ist mein Bruder.“
„Oh, Sorry, Mann, ich mein, Manuel schleppt ständig irgendwen an. Vor ein paar Wochen, da war Marie ja die große Liebe, das hat ja sogar mal gehalten, ein paar Wochen zumindest. Aber seitdem…“ Er seufzte theatralisch. „Ständig neue Gesichter. Ich mein, an seiner Stelle, wenn ich jeden so um den Finger wickeln könnte, wie dein Bruder, dann würde ich es ja genauso machen.“ Er grinste.
„Aber nicht jeder ist mit so viel Talent gesegnet.“
Und Fabian musste erstmal schlucken, um dem Gefühl Herr zu werden, was sich in ihm breit machte. Alex hatte ihn für Manus Lover gehalten, aber das war nicht das Problem. Es schien ja anscheinend vollkommen normal, dass Manuel ständig neue Lover hatte. Ständig irgendwelche Leute mit denen er geschlafen hatte, während Fabian versucht hatte mit den Gefühlen, die er für seinen Bruder hegte, klar zu kommen.
Er presste die Zähne aufeinander, es tat weh. Er wollte nicht eifersüchtig sein und er hatte es ja gewusst, dass Manu mit anderen Leuten geschlafen hatte, er hatte es immer gewusst, aber es war etwas anderes, wenn man so etwas vermutete, als wenn einem das direkt ins Gesicht gesagt wurde. Und wenn man Gewissheit hatte, wenn man wusste, wie viele es gewesen waren. Viel zu viele, wenn man sich anscheinend nicht mal deren Namen merken konnte. Dann tat es noch mehr weh.
„Alex!“, unterbrach Manu jetzt Alex‘ Redeschwall und damit auch Fabians Gedanken, „Laber nicht so einen Mist.“
„Schon klar“, Alex schien ziemlich unbeeindruckt, lehnte sich in dem Stuhl zurück und musterte Fabian jetzt ausgiebiger, als zuvor. „Du bist also sein Bruder, ich habe schon gedacht dich gäbe es gar nicht. Manuel redet ständig von dir, aber dafür, dass er so viel von dir redet, hat man verdammt wenig von dir gesehen.“
„Warum kannst du nicht einfach mal deine Klappe halten?“ Manuel vermied es zu Fabian zu sehen. Er war verlegen, stellte Fabian überrascht fest. Und plötzlich überkam ihn das Gefühl, seinen Bruder umarmen zu müssen. War er nicht einen Moment zuvor noch rasend eifersüchtig gewesen? Er befand sich in der berühmt berüchtigten Gefühlsachterbahn. Hoch, runter und wieder von vorn.
„Naaa, das muss dir doch nicht peinlich sein. Ist doch süß, wie sehr du ihn liebst.“
Und Fabian zuckte bei den Worten ein wenig zusammen, er meinte es nicht ernst. Aber war das so offensichtlich?
„Auf jeden Fall kannst du gern öfter vorbei kommen, wenn es dann immer Frühstück gibt.“
Alex redete anscheinend gern. Fabian hatte nichts dagegen. Er hörte nur mit einem Ohr zu, als Alex weiterredete und von einem Thema zum nächsten wechselte.

~~~
Kurze Zeit später saß Fabian auf dem Beifahrersitz. Sie hatten noch kein Wort geredet, seitdem sie wieder zu zweit waren. Alles Mögliche ging Fabian durch Kopf. Wie wohl ihre Mutter reagierte, ob es ihr besser ging, würde sie den Kuss erwähnen?
Und das Gespräch vom Frühstück, es hatte Fabians Gefühle mehr aufgewühlt, als er sich eingestehen wollte. All die Menschen mit denen Manu geschlafen hatte, er konnte seine Eifersucht nicht wirklich unterdrücken. Welches Recht hatten sie gehabt, das zu bekommen, was er sich so sehr gewünscht hatte? Nur weil sie eben nicht Manus Bruder gewesen waren, so wie Fabien es war. Wenn Manu ihn einfach nicht auf diese Weise gemocht hätte, dann wäre es etwas anderes gewesen, aber er hatte nur mit den anderen geschlafen, weil er es mit Fabian eben nicht gedurft hatte.
„Fabs?“
Fabian sah aus dem Fenster, nicht zu seinem Bruder, der den Wagen gerade nach rechts lenkte.
„Mmmh?“
„Wegen dem, was Alex eben gesagt hat…“
„Schon okay.“
Fabian wollte nicht wirklich darüber sprechen, er wollte am liebsten nicht mal mehr daran denken.
„Fabs, ich wollte dich damit nicht verletzen, wir waren ja noch nicht…“
„Ich wusste es.“
Er spürte Manus Blick kurz auf sich, bevor er seinen Blick gezwungenermaßen wieder dem Verkehr widmen musste.
„Du wusstest was?“
Fabian wandte sich jetzt doch zu seinen Bruder um.
„Dass du mit anderen schläfst, ich habe es gewusst, als du die Nächte über fort warst und wenn du wieder gekommen bist, hast du nach jemand anderes gerochen. Ich habe es immer gewusst und es hat jedes Mal weh getan, dass du sie mir bevorzugst… Aber ich wusste nicht, dass es so viele waren.“
Fabian drehte sich wieder weg, er konnte Manu nicht weiter ansehen, in seinem Gesicht lesen, dass er sich schuldig fühlte. Er wollte nicht, dass er sich schuldig fühlte, er hatte ja Recht, sie waren nicht zusammen gewesen, sie waren nur Brüder gewesen, so wie es doch richtig war. Fabian presste die Zähne aufeinander.
„Keiner von ihnen hatte Bedeutung, Fabs. Ich weiß nicht mal mehr alle Namen. Du bist derjenige, der mir etwas bedeutet. Du bist derjenige, der mir mehr bedeutet, als jeder andere.“ Er machte eine Pause, er wartete eine Reaktion von Fabian ab, aber er reagierte nicht. Er starrte weiter aus dem Fenster. Also sprach Manuel weiter, mittlerweile waren sie vor ihrer Wohnung angekommen, in der sie so lange gemeinsam gelebt hatten. Manuel hatte den Wagen geparkt und der Motor erstarb.
„Ich habe es nur getan, weil ich dachte, es gäbe vielleicht jemand anderes, jemanden, den ich lieben könnte, so wie ich dich liebe und bei dem ich es auch dürfte. Aber ich habe mich geirrt, so jemanden gibt es nicht.“
Fabians Hände verkrampften sich und er spürte die Tränen in den Augen. Warum sagte Manuel sowas, gerade in diesem Moment, wo er mit seinen Gefühlen sowieso kämpfte, als seien sie ein Tier, das ihn von innen zerreißen wollte.
Er spürte Manuels Hand an seinem Kinn, etwas widerwillig ließ er es aber zu, dass Manu seinen Kopf zu ihm drehte und sie sich in die Augen sehen konnten.
„Komm schon Fabs, sei nicht sauer. Alex hat maßlos übertrieben, es hörte sich an, als hätte ich jede Nacht mit jemand anderen gevögelt.“
So hatte es sich tatsächlich angehört, aber Fabian wusste nicht, ob es so viel veränderte, wenn es nicht so gewesen wäre.
„Ich bin nicht sauer“, sagte er und das entsprach der Wahrheit, er war nicht sauer auf Manuel. Er hatte nur versucht das Richtige zu machen.
Manuel beugte sich hinab und küsste ihn auf die Lippen, nur eine kurze Berührung, vorsichtig.
„Nein?“, fragte er nur einige Zentimeter von Fabian entfernt „Ich an deiner Stelle wäre sauer.“
Fabian schüttelte den Kopf, er war traurig und eifersüchtig und es schmerzte, aber er war nicht sauer. Aber das sagte er Manuel nicht, er wollte nicht, dass er ein noch schlechteres Gewissen bekam, als er ohnehin schon hatte.
Manuel strich ihm durch die Haare und küsste ihn erneut, genauso sanft wie zuvor.
„Komm, lass uns rein gehen, wer weiß, was uns drinnen erwartet.“

~~~
Sie fanden ihre Mutter in der Küche vor, sie hatte aus dem Fenster gesehen und drehte sich um, als sie ihre Söhne hörte.
Sie wirkte gefasst und nicht mehr am Boden zerstört, so wie noch am Vortag und Erleichterung machte sich in Fabian breit. Anscheinend war es die richtige Entscheidung gewesen ihr ein wenig Ruhe zu gönnen, auch wenn Fabian gezweifelt hatte, als sie sie allein gelassen hatten.
„Hey Mum, geht es dir besser?“, fragte Manuel und man konnte die Sorge trotz allem noch aus seiner Stimme heraushören.
Sie nickte. „Ja, danke.“
Es entstand eine Stille, die Fabian unangenehm war. Aus dem Küchenfenster konnte man auf die parkenden Autos an der Straße sehen. Hatte ihre Mutter gesehen, wie sie einander geküsst hatten? Schon wieder?
„Ich möchte mit euch reden.“
Ein ungutes Gefühl keimte in Fabian auf, sie wollte definitiv mit ihnen über ihre Beziehung reden. Er unterdrückte den Wunsch sich näher an Manu zu stellen, sie standen bereits näher beisammen, als es normal war…für Brüder. Manuel nickte, als hätte er es gewusst, wahrscheinlich hatte er das auch, aber sein Körper war angespannt, das spürte Fabian.
Ihre Mutter wandte sich jetzt ihm selbst zu. „Fabian, kommst du mal zu mir rüber?“
Die Frage verwirrte ihn noch mehr, als er es ohnehin schon war, außerdem wollte er Manus Seite nicht verlassen, er wollte nicht, dass Manu alleine dastand, auch wenn es nur symbolischen Charakter hatte, also zögerte er und sah zu Manu. Aber der nickte nur unmerklich. „Geh“, sagte er.
Immer noch zögernd ging Fabian zu seiner Mutter, sie lächelte ihn an und fasste ihn am Arm.
Dann richtete sich ihr Blick wieder auf Manuel.
„Manuel, ich möchte, dass du die Wohnung verlässt und möchte, dass du nicht mehr wiederkommst.“ Sie machte eine Pause und dann fügte sie hinzu: „Und ich möchte, dass du dich von Fabian fern hältst.“
Fabian starrte sie einen Moment an, bevor ihre Worte wirklich bis in sein Bewusstsein vordrangen. „Was?“
Er sah zu Manuel, der noch gar nichts dazu gesagt hatte und das anscheinend nicht vorhatte.
„Du schmeißt ihn raus?“ Er riss seinen Arm los, den seine Mutter noch immer im Griff hatte. Wie konnte sie sowas tun, es war so absurd.
„Ich schmeiße ihn nicht raus, er wohnt doch schon längst nicht mehr hier.“
Aber das war natürlich nicht das Problem an der Sache, Fabian konnte nicht glauben, dass sie sie trennen wollte, dass sie Manu der Familie verwies. Fabian hatte immer das Gefühl gehabt, dass Manuel enger mit ihrer Mutter verbunden war, als er es gewesen war. Vielleicht lag es daran, dass sie gemeinsam so viel durchgestanden hatten oder vielleicht weil ihre Mutter trotz allem immer Manus Bezugsperson gewesen war, währenddessen diese Rolle bei Fabian eben Manuel selbst übernommen hatte. Aber er konnte nicht glauben, dass sie Manuel das antun wollte. Dass er die Konsequenzen tragen musste, denn Fabian hatte das dumpfe Gefühl, dass es den Falschen traf, wo er selbst doch mindestens genauso beteiligt war.
„Es ist nicht seine Schuld, wie kannst du das machen.“
„Es ist schon okay.“ Das war das erste, was Manuel zu der Sache sagte und Fabian verstand auch das nicht. Nichts war okay. Sie sollten einander nicht mehr sehen. Ausgerechnet jetzt. Und Manuel hatte nichts dagegen? Es versetzte Fabian einen weiteren Stich. War es ihm egal?
Er wollte etwas sagen, aber er wusste nicht was.
Er spürte nur, wie die Tränen hinter seinen Lidern brannten, mal wieder.
„Fabs…“, sagte Manuel jetzt.
„Ich will nicht, dass du gehst.“ Es klang verzweifelt und fast schon weinerlich und Fabian schämte sich ein bisschen dafür, dass er keine Ruhe bewahren konnte.
Manuel machte einen Schritt auf ihn zu, wandte sich dann aber ihrer Mutter zu.
„Ich will mit ihm allein sprechen.“
Fabian achtete nicht auf ihre Reaktion, er war zu sehr damit beschäftigt die aufkeimende Panik hinunter zu schlucken.
Anscheinend war es aber okay, denn Manuel stand plötzlich neben ihm und legte einen Arm um seine Schulter. Er führte ihn mit sanftem Druck aus der Küche in den Flur und schloss die Tür.
Manuel strich ihm durch die Haare, er sah Fabian in die Augen, verkettet ihre Blicke miteinander.
„Ich will nicht, dass du gehst.“, wiederholte Fabian sich, aber das war der vorherrschende Gedanke gerade in seinem Kopf.
„Ich will auch nicht gehen.“, antwortete Manuel ihm. „Aber ich denke, es ist besser, wenn wir erstmal auf Mum hören.“
Fabian wusste nicht, warum Manuel überhaupt so denken konnte. Er schüttelte den Kopf und Manuel sah ihn nachdenklich an.
„Ich kann es verstehen, was würdest du als Mutter tun, wenn du herausfindest, dass deine Söhne …“ er machte eine Pause und wusste anscheinen nicht, wie er es betiteln sollte, was sie hatten.
„…eine Beziehung führen.“ Beendete er und es schien nicht das, was er ursprünglich hatte sagen wollen.
Fabian zuckte mit den Schultern. „Weiß nicht, ist mir aber auch egal.“
Fabian wollte gerade stur sein, er konnte nicht verstehen, warum Manuel sich selbst gegen ihre Beziehung stellte, es ging nicht in seinen Kopf.
„Fabs, sie hat das Sorgerecht für dich, ich habe keine Ahnung, was sie machen kann, wenn wir uns nicht freiwillig trennen lassen, aber ich bin mir sicher, dass sie etwas machen kann. Und ich denke das wird unangenehmer sein, als wenn wir jetzt einfach freiwillig ein bisschen Distanz zwischen uns bringen.“
Manuel zögerte kurz, nahm ihn aber dann doch in den Arm und Fabian schmiegte sich sofort an. Wieso sah niemand, wie gut es passte und wie richtig es war? Sollte nicht gerade ihre Mutter das sehen?
„Wir warten einfach ein bisschen ab und schauen, wie sich das entwickelt, okay?“
Fabian nickte, sein Gesicht in Manus Halsbeuge vergraben. Zumindest verstand er, was Manu meinte, auch wenn ihm der Gedanke von Distanz gar nicht gefiel.
„Okay.“ Manu löste sich von Fabian, auch wenn der das nicht wirklich wollte.
„Versprichst du mir was?“
Fabian nickte, auch wenn er nicht wusste, worum es ging.
„Pass ein bisschen auf Mum auf, okay?“
Wenn er ehrlich zu sich war, dann hatte er wenig Lust ihre Mutter überhaupt in nächster Zeit zu sehen, aber er wusste, dass Manuel es immer ein bisschen als seine Aufgabe angesehen hatte auf alle Familienmitglieder acht zu geben. Und jetzt, wo er es nicht mehr konnte, gab er es an Fabian weiter. Warum musste Manuel auch immer so verantwortungsbewusst sein?
Fabian nickte abermals „Mach ich.“.
Manuel strich ihm durchs Haar und der Gedanke ihn in nächster Zeit nicht wieder zu sehen schmerzte ihn schon jetzt.

~~~

Und genau aus diesem Grund hatte Fabian überhaupt nicht vor auf ihre Mutter zu hören. Er war sauer auf sie, sie hatte Manuel nur wieder ein schlechtes Gewissen eingeredet. Und deshalb hatte er sich in sein Zimmer verkrochen und war am nächsten Tag zur Schule gegangen, ohne ihr überhaupt zu begegnen, worum er froh war.
Und er hatte definitiv nicht vor, sie so schnell wieder zu sehen. Was er aber vor hatte, war Manuel wiederzusehen. Und zwar so schnell wie möglich. Ihre Mutter hatte zwar Manuel gesagt er solle sich von Fabian fern halten, sie hatte aber Fabian nichts dergleichen gesagt. Schob sie eigentlich wirklich Manuel allein den schwarzen Peter zu? Es hatte beinahe den Anschein. Fabian fand es nicht fair, aber gerade war es ihm Recht, er war nämlich auf dem Weg zur WG.
Als er dort ankam machte ihm Alex auf und teilte ihm mit, dass Manuel noch nicht wieder da war, wie zu erwarten, er war schließlich auf der Arbeit, aber Fabian wollte auf ihn warten und Alex schien das vollkommen egal, also saß er in Manus Zimmer und erledigte Hausaufgaben. Ein bisschen fühlte es sich an wie früher, da hatte Fabian auch oft in Manus Zimmer auf ihn gewartet. War das eigentlich normal für Brüder? Wahrscheinlich nicht, es war für Fabian immer normal gewesen, dass er mehr Zeit in Manuels Zimmer verbracht hatte, als in seinem eigenen und Manuel hatte auch nie Probleme damit gehabt.
Als Manu das Zimmer betrat blieb er erstmal überrascht im Türrahmen stehen. „Fabs? Was machst du hier. Du solltest doch nicht…“ Er brach ab, denn Fabian war aufgestanden und hatte sich in seine Arme geworfen, vielleicht etwas zu enthusiastisch, wenn man bedachte, dass sie sich eigentlich erst vor einem Tag das letzte Mal gesehen hatten. Manuel schloss die Tür hinter sich.
„Du weißt, dass dies hier vielleicht keine gute Idee ist?“
Fabian nickte, aber Manuel selbst schien sich auch nur verpflichtet zu fühlen, sie daran zu erinnern, dass sie nicht zusammen hier sein sollten, denn er küsste Fabian dann.
„Ach egal…“, sagte er stattdessen und zog Fabian noch ein bisschen näher, küsste ihn wieder. Leidenschaftlicher diesmal, so dass ein Schauer über Fabians Rücken lief. Fabian schloss die Augen, wollte Manuel spüren, seine Wärme, seine Lippen.
„Ich sollte duschen gehen.“, sagte der zwischen zwei Küssen. Normalerweise duschte er immer nach der Arbeit, weil er geschwitzt hatte und sich der typische Geruch nach arbeitenden Maschinen auf seiner Haut und in seinen Haaren festgesetzt hatte.
„Ich mag es, wenn du so riechst.“
Manuel lachte leise. „Wirklich? Das hast du mir nie gesagt.“
„Ich sage es dir jetzt.“ Und mit diesen Worten zog er Manuel zum Bett, ließ sich rücklings darauf fallen und zog seinen Bruder einfach mit, der sich mit den Händen rechts und links neben Fabians Kopf abstützte.
„Was wird das hier Fabian?“
Täuschte sich Fabian oder hatte Manuels Stimmlage etwas von ihrem flirtenden Ton verloren, den er kurz vorher noch angeschlagen hatte? Er zog ihn hinab und küsste ihn erneut, aber Manuel machte sich nun tatsächlich von ihm los und rollte sich zur Seite, so, dass er neben Fabian zum Liegen kam.
Fabian seufzte innerlich, hatte er etwas falsch gemacht? Er drehte den Kopf und sah zu seinem Bruder, der zur Decke starrte und gedankenverloren auf der Unterlippe kaute. Er sollte ihn lieber wieder küssen, als seine schönen Lippen so zu malträtieren.
„Ich denke“, sagte er stattdessen, „ich werde dich gleich besser wieder nach Hause bringen.“
Mit Resignation schloss Fabian die Augen. Natürlich, Manuels schlechtes Gewissen hatte ihm wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht.
„Ich kann doch einfach hier bleiben.“
„Mum wird ganz genau wissen, dass du hier bist.“
Und wenn er ehrlich war, dann wurde Fabian bei diesen Worten tatsächlich wütend.
„Natürlich weiß sie, dass ich hier bin, was macht es also für einen Unterschied?“
Manuel richtete sich jetzt auf. „Ich hab‘s ihr versprochen und ich will nicht, dass sie das Gefühl hat sich nicht mehr auf mich verlassen zu können.“
„Und es ist dir wichtiger, dass Mum dir traut, als ich es bin? Sie hat dir verboten deine Familie zu sehen!“ Auch Fabian hatte sich jetzt wieder aufgerichtet und er schmollte, er wusste, dass er es tat, aber er konnte nicht anders.
„Nein, natürlich nicht, aber wir sollten Mum wirklich keinen Grund geben uns mehr zu misstrauen, als sie es ohnehin schon tut. Selbst wenn diese Inzest-Sache wirklich nicht strafbar ist, aber du bist immer noch minderjährig. Ich hab keine Ahnung, ob man mich deswegen dran kriegen könnte.“
Geschockt starrte Fabian zu Manuel. „Du glaubst doch nicht wirklich, dass Mum dir die Polizei auf den Hals hetzt?“
Er zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, wahrscheinlich nicht, wenn es sich vermeiden lässt, aber sie will uns nur schützen. Und wenn sie sich entscheiden muss und nur einen schützen kann, dann wird sie das machen.“
Fabian presste die Zähne aufeinander, das hieß nämlich, dass Manuel die Konsequenzen zu tragen hatte, während er glimpflich davon kommen würde als vermeintliches Opfer. Er war dämlich, mit seinen Aktionen brachte er nur Manuel in Gefahr.
„Tut mir Leid“, sagte er leise.
Aber Manuel legte einen Arm um ihn. „Nicht. Ist schon okay, ich bin sehr froh, dass du gekommen bist.“ Und dann küsste er ihn. Dennoch saßen sie eine viertel Stunde später im Wagen und steuerten in Richtung der Wohnung, die Fabian eigentlich lieber nicht betreten wollte.

~~~
Ihre Mutter war zu Hause, sie saß auf dem Sofa, der Fernseher lief. Fabian überlegte, ob er sich einfach vorbei in sein Zimmer schleichen sollte. Er hatte noch immer keine große Lust mit ihr zu reden, aber gleichzeitig war es vielleicht besser, wenn sie wusste, dass er zu Hause war.
Er machte einen Schritt ins Wohnzimmer und sie sah auf.
„Fabian, wo bist du gewesen?“ Es klang nicht verärgert, nur eine einfache, beinahe neutrale Frage.
„Bei Manuel.“ Es machte keinen Sinn zu lügen, sie wusste es ja sowieso bereits. Fabian erwartete, dass sie ihm Vorwürfe machen würde, aber sie nickte nur kurz.
„Setz dich zu mir, Fabian.“
Er folgte ihrer Aufforderung, wenngleich auch nur zögernd.
Sie sah ihn einen Moment nur an und Fabian wusste nicht, was er tun sollte. Erwartete sie, dass er das Gespräch begann, was ohne Zweifel bevorstand.
„Ich möchte“, begann sie aber dann von selbst, bevor Fabian sich zurechtlegen konnte, was er sagen wollte. „dass du weißt, dass ich euch nicht aus reiner Willkür oder Boshaftigkeit trenne. Ich weiß, dass ihr euch nahe seid, dass Manuel sehr wichtig für dich ist und dass es schwer für euch ist, ohne einander klar zu kommen.“
Sie machte eine Pause, und Fabian wusste, dass jetzt ein großes „Aber“ folgen würde und er wollte es eigentlich nicht hören.
„Aber ich denke, dass ihr nicht überblicken könnt, welche Konsequenzen euer Handeln haben kann. Ich will nur verhindern, dass ihr euer Leben ruiniert.“
Fabian wollte wiedersprechen, wie konnte etwas so Richtiges ihr Leben ruinieren? Musste sie gleich so übertreiben, es hörte sich an, als würden sie den Teufel persönlich aus dem Exil befreien. Aber seine Mutter ließ ihn nicht zu Wort kommen und fuhr weiter fort.
„Ich will nur, dass du darüber nachdenkst, Fabian. Was ist, wenn es nicht funktionieren sollte? Meinst du ihr könnt zurück? Meinst du ihr könntet einfach wieder Brüder sein?“
Fabian nickte. „Ja. Wir würden eine Lösung finden.“
Er wusste, dass es kein Argument war, aber sie würden doch niemals in diese Situation kommen… oder?
Seine Mutter antwortete nicht auf seine Aussage, sondern fuhr einfach fort, als habe er nichts gesagt. „Was ist, wenn es jemand herausfindet? Wollt ihr euch für immer verstecken?“
„Es ist mir egal, was andere Denken.“
„Fabian, es geht nicht darum, dass ihr nur schwul seid, es geht darum, dass ihr Brüder seid. Sie werden euch spüren lassen, was sie denken, dass es krank und pervers ist, immer, alle. Niemand wird es verstehen. Was wollt ihr dann tun?“
Fabian schluckte, es war nicht krank oder pervers. Alle die so darüber dachten, hatten Unrecht, was natürlich nichts daran änderte, dass sie so darüber dachten. Er sah weg, wollte nicht damit konfrontiert sein, was seine Mutter gesagt hatte.
Es herrschte einen Moment Stille. Fabian wünschte sich, das Gespräch würde so schnell wie möglich vorbei sein. Wenn er ehrlich war, versuchte er all diese Dinge einfach nicht in sein Bewusstsein zu lassen. Das war aber schwierig, wenn man sie ins Gesicht gesagt bekam.
„Warum strafst du Manu so sehr, warum gibst du ihm die Schuld.“
„Ich gebe ihm nicht die Schuld“, sagte sie kopfschüttelnd. „Er kann nichts dafür, er hat viel erlebt in seinem Leben, viel zu viel für jemanden in seinem Alter. Ich war immer erleichtert, dass all die Ereignisse in seiner Kindheit kaum Auswirkungen auf ihn gehabt haben, wenn man mal von dem ausgeprägten Beschützerinstinkt absieht. Aber anscheinend ist doch etwas schief gelaufen, ich hoffe er bekommt das in den Griff. Es tut mir Leid, dass es so kommen musste, aber er kann auf sich selbst achten. Er verdient Geld, er hat sein eigenes Leben, er kommt klar.“
Fabian konnte sie nur sprachlos anstarren, es hörte sich an, als glaube sie Manuel hätte einen geistigen Schaden davongetragen.
„Was? Du redest, als sei Manu krank!“, brauste er auf, als er seine Starre endlich überwunden hatte.
Und es machte ihn wütend, dass sie ihn noch immer so ruhig anschauen konnte, als sei es normal, seinen eigenen Sohn als geisteskrank zu betiteln.
Aber dann nickte sie nachdenklich. „Ja, ich denke, dass er vielleicht so etwas wie krank ist. Es ist nicht normal, wenn man denkt man sei in seinen kleinen Bruder verliebt und es muss Gründe dafür geben.“
„Und ich? denkst du ich sei auch krank? Was sind die Gründe dafür, dass ich nicht richtig ticke?“
Diesmal schüttelte sie den Kopf. „Ich denke du hast dich beeinflussen lassen, Manuel ist für dich die wichtigste Person und er hat diese Gefühle für dich. Und du willst ihn nicht verlieren. Also erwiderst du es.“
Fabian konnte seiner Mutter kaum noch zuhören, sie dachte Manuel sei krank und er würde sich etwas einbilden, das bedeutete doch, was sie gerade gesagt hatte.
„Ich wusste nicht mal, dass er irgendwelche Gefühle für mich hat, als ich anfing es zu wollen!“, sagte er mit Nachdruck.
„Du hast es bemerkt, wie sollte man sowas nicht bemerken bei einem Menschen, mit dem man so viel Zeit verbringt, wie du mit Manuel?“
„Ich habe nichts bemerkt, Manu hat es all die Jahre versteckt.“
Ihr Blick änderte sich, ihre Augen weiteten sich überrascht. „Jahre? Wie viele Jahre?“
Und Fabian realisierte in dem Moment, dass er sich verplappert hatte. Manuel kämpfte ja selbst mit dem schlechten Gewissen, weil Fabian seiner Meinung nach viel zu jung gewesen war.
„Seit er 16 ist.“
Sie schwieg und Fabian hatte das Gefühl es schlimmer gemacht zu haben, als es vorher gewesen war.
„Er hat mir das erzählt, er hat nie irgendetwas versucht, ich habe angefangen, ich habe ihn geküsst und ich wollte es so sehr, er hat versucht es zu unterbinden erst, aber ich habe doch gemerkt, dass er es auch wollte und wenn wir es beide wollen, warum soll es denn dann so schlimm sein?“
Sie schwieg noch immer, als er fertig war. Ein Zeichen, dass sein Monolog wahrscheinlich nichts verändert hatte, also holte er Luft und setzte nochmal an.
„Erklär mir, was so schlimm daran ist. Manuel ist der wichtigste Mensch in meinem Leben, wir wollen es beide. Ich weiß, dass er mir niemals wehtun würde. Ich würde ihm mein Leben anvertrauen. Und das alles hat keinen Wert, nur weil er mein Bruder ist? Ich soll jemanden wildfremdes Vertrauen? Das ist Richtiger?“
„Ja“, sagte sie. „Manuel würde dir nie absichtlich wehtun, aber indem er diese Beziehung mit dir eingegangen ist, wird er dir wehtun. Es kann nicht funktionieren, es wird scheitern und das wird wehtun.“
Fabian presste die Augen zusammen, er wollte nicht weinen. Er wollte es nicht hören, er wollte bei Manuel sein, er wollte ihn berühren können, er wollte ihm nahe sein. Warum hatten alle etwas dagegen?
Er wollte aufstehen und gehen, für ihn war dieses Gespräch verloren, ihre Mutter würde sich nicht abbringen lassen, würde sich nicht von der Richtigkeit ihrer Beziehung überzeugen lassen. Vielleicht hatte sie mit einigen ihrer Argumente Recht, und Fabian wusste, dass es nicht der einfachste Weg war, aber es war der Richtige, es war der Weg, den er gehen wollte.
Er drehte sich weg, aber seine Mutter hielt ihn auf.
„Ich schlage dir etwas vor.“, sagte sie. Fabian wollte es nicht hören, dennoch blieb er stehen.
„Ich weiß, dass du nicht darauf hören wirst, was ich dir sage. Und ich kann euch nicht überwachen. Aber ich möchte, dass du Abstand gewinnst, dass du darüber nachdenkst, was du willst. Deshalb schlage ich dir eine Abmachung vor.“
Fabian drehte sich skeptisch zu ihr.
„Eine Abmachung in welcher Form?“
„Ich möchte, dass du keinerlei Kontakt hast zu Manuel, keine Treffen, keine Telefonate, keine SMS, nichts für die nächsten vier Monate.“
Vier Monate? Er schaffte es kaum für eine Woche ohne Manuel auszukommen, wie sollte er denn vier Monate ertragen?
„Was sollte passieren, wenn wir uns nicht daran halten, was willst du tun?“
„Falls ich irgendetwas bemerke, egal was, werde ich Maßnahmen ergreifen, die verhindern, dass ihr euch sehen könnt, endgültig.“
Es hörte sich an, wie eine Drohung, wahrscheinlich war es das auch. Was konnte sie tun? Fabian wusste es nicht, was hatte Manuel gesagt? Sie hatte das Sorgerecht. Würde sie Manuel anzeigen?
„Was ist nach den vier Monaten?“
„Wenn ihr die komplette Zeit keinerlei Kontakt habt und es trotz allem noch weiterhin wollt, diese Beziehung, dann werde ich euch nicht mehr im Weg stehen. Es ist nicht so, dass ich es für richtig halte oder es gut heiße, aber ich werde nicht versuchen es weiterhin zu verhindern.“
Fabian war hin- und hergerissen, wenn sie es vier Monate ertragen würden, dann würde sie nichts unternehmen, dann brauchten sie nicht Angst zu haben, dass sie Manuel anzeigen würde. Ein Problem weniger. Außerdem wäre Fabian bald 18 und sie würde dann sowieso das Sorgerecht verlieren.
Er presste die Zähne aufeinander, er durfte einfach nicht an die vier Monate denken, die dazwischen lagen. Vier Monate ohne Manuel.
„Ich... ich muss mit Manuel sprechen, darf ich zu ihm fahren?“
Sie schüttelte den Kopf. „Du kannst ihn anrufen und alles klären.“
Er wollte nicht ohne Manuel entscheiden, nicht über so etwas. Und am liebsten wollte er es ihm persönlich erklären, dennoch drehte er sich um und ging in sein Zimmer um Manuel anzurufen.

Er hörte gerade mal zweimal das Freizeichen, bevor Manuel abhob.
„Ist alles in Ordnung, Fabs?“
Er klang besorgt, dachte er sie hätten sich gestritten, Fabian und ihre Mutter? Wahrscheinlich. Weil Fabian zu ihm gefahren war.
„Ja“, antwortete er. Aber es schien Manuel nicht zu beruhigen, seine Stimme blieb skeptisch und verlor den besorgten Unterton nicht.
„Was ist los?“
„Ich hab mit Mum geredet, sie hat uns einen Deal vorgeschlagen.“
Im Folgenden schilderte er das Gespräch und den Vorschlag, den sie ihnen unterbreitet hatte. Er erwähnte aber nicht, was ihre Mutter über Manuel behauptet hatte. Er konnte es nicht, er konnte sich nicht vorstellen, wie es sein mochte, wenn man erfuhr, dass seine eigene Mutter dachte man sei geisteskrank.
Nachdem Fabian geendet hatte, herrschte Stille.
„Manuel?“
„Ja“, sagte er. „Ich… vier Monate sind eine lange Zeit.“
„Ja.“ Wieder folgte Stille.
Dann lachte er auf. „Wie soll das jemals funktionieren mit uns? Unsere Beziehung ist aufgeflogen, bevor es etwas gab, das überhaupt auffliegen konnte. Ich mein, es war der erste richtige Kuss und wir lassen uns erwischen und jetzt haben wir den Salat.“
Und er lachte wieder, aber es war humorlos und ließ Fabian einen kalten Schauer den Rücken runterwandern.
„Manu…“, sagte er nur, weil er nicht wusste, was er antworten sollte.
„Schon gut. Wir sollten es machen, es wird deutlich einfacher, wenn Mum nicht mehr versucht uns voneinander fern zu halten. Wir schaffen das mit den vier Monaten. Falls sie auch Wort hält danach.“
„Du meinst sie blufft?“
„Keine Ahnung, ich meine, es könnte sein, nicht wahr? Aber darüber denken wir nach, wenn es soweit ist.“
Fabian mochte sich das nicht vorstellen, wenn sie diese vier Monate durchzogen und das ganz umsonst, um dann trotzdem noch vor demselben Problem zu stehen.
„Okay“, sagte er dennoch und musste einen Kloß im Hals hinunterschlucken. „Ich sage ihr, dass wir es tun werden.“

~~~
Das Telefonat war das letzte Mal, dass er Manus Stimme gehört hatte. Wie viel Zeit war vergangen? Zwei Wochen? Fabian hatte sich nicht wirklich ausmalen können, was es wirklich bedeutete Manuel nicht mehr sehen zu können, nicht mal seine Stimme zu hören oder auch nur zu wissen, dass es ihm gut ging. Es war, als hätte man einen Teil seines Lebens von ihm gerissen, allein der Gedanke an Manuel tat weh und gleichzeitig war es das einzige, an das er denken konnte. Fabian versuchte sich auf andere Dinge zu konzentrieren, auf die Schule, Tag ein Tag aus. Versuchte an etwas anderes zu denken. Er begann zu zeichnen, um sich zu beschäftigen. Zunächst hatte er überlegt sich eine Gitarre zu besorgen, aber das hätte ihn nur viel zu sehr an Manuel erinnert.
Das Zeichnen half ihm sich abzulenken und sorgte dafür, dass er die Zeit in Ruhe auf seinem Zimmer verbringen konnte. Ihrer Mutter ging er aus dem Weg so gut es ging. Er konnte ihr nicht wirklich verzeihen, was sie gesagt hatte. Nicht nur, dass sie dafür gesorgt hatte, dass er Manuel nicht sehen durfte, sondern auch, was sie über Manuel und ihn gesagt hatte, über ihre Gefühle zueinander. Und das war es, was ihn auch Antrieb weiter zu machen. Er hatte bestimmt schon hundert Mal sein Handy in die Hand genommen und hatte eine SMS geschrieben, oder Manuels Nummer in den Kontakten aufgerufen, aber er hatte das unbestimmte Gefühl, dass seine Mutter sein Handy überprüfte, wenn sie die Möglichkeit dazu bekam. Also drückte er die Nummer weg oder löschte die gerade geschriebenen SMS.
Er war froh, als in der Schule die Klausurphase begann, ein paar Wochen in denen er sich mit Lernen beschäftigte und versuchte sich genau darauf zu konzentrieren. Er begann sogar mit ein paar seiner Mitschüler zu Lernen, die wahrscheinlich einfach nur davon profitieren wollten, dass er ihnen Sachen erklären konnte, die sie selbst nicht verstanden und ihn nur aus dem Grund duldeten. Noch immer hatte er keinen guten Draht zu den gleichaltrigen seiner Stufe, aber wo sie ihn früher noch aufgezogen hatten, ließen sie ihn nun größtenteils in Ruhe. Wenn er zusammen mit ihnen lernte, konnte er nach der Schule länger außer Haus bleiben, zunächst schien ihre Mutter skeptisch, aber irgendwann glaubte sie ihm, wenn er sagte, dass er mit den anderen lernte. Vielleicht hatte sie auch das irgendwie überprüft. Vielleicht lag es aber auch daran, dass er öfter vor dem Rechner saß und mit ihnen skypte. Er meldete sich für ein umfangreiches Referat an, für das er die meiste Arbeit erledigte.
Wahrscheinlich war ihre Mutter froh darüber, dass er sich mehr mit anderen beschäftigte. Sie dachte vielleicht sogar, dass ihr Plan aufging und er begann Manuel zu vergessen, aber das stimmte nicht. Er machte all das, um sich abzulenken, aber so wirklich gelang es ihm nicht. Spätestens abends, wenn er im Bett lag, war es alles an das er denken konnte, wie sehr er Manuel vermisste. Und er fragte sich jeden Tag, was Manuel machte, womit er seine Zeit verbrachte. Und dann war da diese Unsicherheit. Etwas, was stetig an ihm nagte. Jetzt, wo er außer Reichweite war, verbrachte Manuel Zeit mit anderen Leuten? Schlief er mit anderen, so wie er es früher getan hatte? Jedes Mal, wenn der Gedanke aufkeimte schmerzte es ihn und er fragte sich, ob Manuel in diesem Moment das Bett mit jemand anderes teilte, während er an ihn dachte.

Er saß vor dem Rechner und recherchierte für das Referat, während die anderen über Skype versicherten, dass sie dasselbe taten, aber in Wirklichkeit wahrscheinlich irgendein PC-Spiel spielten. Wahrscheinlich eines dieser Online-Rollenspiele. Fabian hatte es sogar ausprobiert, weil die Zeit damit ja anscheinend unheimlich schnell verging und das hätte er gut gebrauchen können, aber er konnte sich nicht dafür erwärmen.
Er bekam eine neue Freundschaftsanfrage für Skype rein und drückte automatisch die Bestätigung, der Name sagte ihm nichts, aber selten konnte man wirklich erkennen, wer sich hinter dem Namen verbarg. Es war wahrscheinlich ebenfalls einer seiner Klassenkameraden, seitdem er ihnen bereitwillig half, war die Liste seiner Kontakte stetig angestiegen.
Er suchte eine Weile weiter und achtete eigentlich nicht mehr wirklich auf den Messenger, die anderen schienen beschäftigt, womit auch immer. Irgendwann registrierte er das Blinken des Skype-Emblems, es war eine Nachricht des neuen Kontaktes.
„Wie geht es dir, Fabs?“
Sofort schoss sein Puls in die Höhe, er drehte sich um, als ob jemand hinter ihm stehen könnte, aber seine Mutter war arbeiten.
Niemand nannte ihn so, niemand bis auf Manuel. Er hatte Manuels Kontakt aus der Liste gelöscht, einfach als Sicherheitsmaßnahme, dass er gar nicht auf die Idee kam ihn anzuschreiben.
Er tippte ein „OK“ in das Feld und schickte es ab.
„Bist du allein?“, kam die Antwort.
„Ja.“
Fabian wagte es nicht zu fragen, ob es Manuel war. Aber er wusste es bereits. Alles in ihm sagte ihm, dass er mit Manuel sprach und eine Welle der Erleichterung erfasste ihn. Würde seine Mutter überprüfen können, ob er mit Manuel über Skype redete? Die Anonymität schützte sie, hinter dem Nickname konnte sich jeder verbergen, er war allgemein gewählt. Seine Liste war in letzter Zeit stetig gewachsen. Überprüfte sie die Gespräche, die er hier führte? Konnte sie das überhaupt? Wusste sie, wie das funktionierte? Er bezweifelte es, sie besaß ja selbst nicht mal einen Rechner und benutzte Fabians, wenn sie dringend einen brauchte, was aber so gut wie nie vorkam.
„Wie geht es dir?“, fragte er zurück, auch wenn die Tatsache, dass er mit Manuel schrieb bedeutete, dass es ihm gut gehen musste.
Es entwickelte sich ein Gespräch, was sich allgemein hielt, was sie gerade machten, was in ihrem Leben los war. Nicht zu spezifisch, aber immer so, dass Fabian zwischen den Zeilen lesen konnte.
Er setzte seine Recherche für das Referat nicht fort und antwortete den anderen nur knapp, wenn sie etwas wollten, er war viel zu glücklich wieder mit Manuel sprechen zu können, auch wenn es nur ein paar getippte Zeilen waren, in denen er nicht zu viel verraten wollte. Er wollte Manuel sagen, wie sehr er ihn vermisste, dass er ständig das Gefühl hatte keinen weiteren Tag mehr ohne ihn ertragen zu können.
Stattdessen erzählte er über die Schule, über das Referat, Dinge, die ihm gar nicht wichtig waren in dem Moment.
Und dann war da dieses euphorische Gefühl, dass sich in ihm ausbreitete, je länger er mit Manu sprach. Konnten sie auf diese Weise den Kontakt aufrechterhalten?
Würde ihre Mutter es überprüfen? Nein, wohl kaum.

Fabian beobachtete das Verhalten seiner Mutter genau, er wusste nicht, was sie machte, wenn er in der Schule war, aber er achtete darauf, wenn er zu Hause war, wenn sie skeptisch wurde oder Verdacht schöpfte, dann würde er es bemerken, dessen war er sich sicher.
Nach ein paar Tagen ging er davon aus, dass sie nichts bemerkt hatte und als er allein zu Hause war und Manuel online ging, schrieb er ihn erneut an. Das Gespräch blieb so oberflächlich, wie das, was sie zuvor geführt hatten, aber das war Fabian egal. Er wollte mit Manu reden.

~~~
Es wurde eine feste Sache, in regelmäßigen Abständen schrieben sie einander und je länger es ohne weitere Vorkommnisse klappte, desto sicherer wurden sie. Fabian war sich mittlerweile sicher, dass ihre Mutter keinerlei Verdacht schöpfte. Und wenn er ehrlich war, dann hatte es sogar einen gewissen Reiz dieses kleine Versteckspiel zu spielen. Nie hatte Fabian es verstanden, was an verbotenen Dingen so reizvoll war, jetzt verstand er es, neben dem normalen Gefühlscocktail, den Manuel ohnehin schon bei ihm auslöste kamen jedes Mal noch die Euphorie hinzu, dass sie eine Art Sieg davon getragen hatten.
„Mum ist nicht zu Hause, oder?“
Manuel hatte das bisher nie gefragt, das Risiko ging Fabian nicht ein, mit Manuel zu sprechen, während sie daheim war, noch nicht.
„Nein.“ Schrieb er also zurück.
„Hast du eine Webcam? Ich würde dich gerne sehen.“
Fabians Herz schlug schneller, mit jemanden zu schreiben war das eine, aber mit jemanden zu reden, ihn dabei zu sehen, war etwas vollkommen anderes. Er sollte Manu wiedersehen. Er überlegte, irgendwann hatte er tatsächlich eine Webcam gekauft, hatte sie aber so gut wie nie benutzt und sie in irgendeine Schublade gepackt.
„Warte.“ Tippte er nur ein und machte sich dann auf die Suche und wühlte die Schreibtischschubladen durch. Nach zehn Minuten hatte er sie gefunden und hechtete wieder zum Schreibtisch, wo ihn ein ganzer Monolog erwartete.
„Was tust du?
Bist du noch da?
Es war eine blöde Idee, es ist zu gefährlich.
Wir sollten es doch lieber lassen.
Ich hätte dich nur gerne wiedergesehen.“
Fabian schluckte.
„Nein“, schrieb er. „Ich musste sie nur suchen, Mum ist noch lange auf der Arbeit, sie hat Spätschicht, es kann nichts passieren.“
Er schloss die Kamera an und wartete ungeduldig, dass sich der Treiber installierte.
„Bist du sicher.“
„Ja.“ Versicherte er nochmal und musste sich auch selbst nochmal überzeugen. Mit etwas zittrigen Fingern klickte er das Symbol für die Videokonferenz an.
Das Bild baute sich auf, die Qualität war für Fabians Geschmack viel zu schlecht. Manuel lächelte.
„Hey!“
„Hey…“, antwortete Fabian und wusste nicht wirklich, was er machen sollte, also starrte er Manuel nur an. Seine Haare waren länger geworden, anscheinend hatte er nicht geschafft zum Friseur zu gehen, aber Fabian mochte es. Er hatte nur ein einfaches blaues Shirt mit einem Schriftzug an, was Fabian noch nicht kannte. Er musste es neu haben, Fabian mochte auch das, aber eigentlich mochte er fast alles an Manu und gerade in diesem Moment ganz besonders.
„Ist alles in Ordnung?“, fragte Manuel jetzt und holte Fabian damit aus seiner Starre.
Der nickte, er war aufgeregt, als hätten sie ihr erstes Date.
„Ich weiß nur nicht, was ich sagen soll.“
Manuel lachte und Jesus, es war das schönste Geräusch, was Fabian je gehört hatte, es ließ so ziemlich alles in ihm Kopf stehen. Ihre Mutter hatte vollkommen Unrecht, die Trennung sorgte nicht dafür, dass sich die Gefühle, die er für Manu hatte legten, im Gegenteil, es bewirkte nur, dass sie nur noch schlimmer wurden.
„Du bist doch sonst nicht schüchtern.“
Würde Manu jetzt tatsächlich vor ihm stehen, Fabian könnte nicht versprechen, dass er sich zurückhalten könnte. Er atmete tief durch.
„Ich hab dich vermisst.“, sagte er dann und seine Stimme klang zittrig und der Satz beinhaltete nicht ansatzweise, was er wirklich fühlte. Manus Gesichtszüge wurden ernster.
„Ich dich auch, Fabs.“
Und es tat gut, dass auch zu hören, auch wenn es aus Manus Worten zuvor herauszuhören war.
Und er glaubte ihm. Aber dennoch? Wie lenkte sich Manuel ab?
Und ein wenig hatte Fabian Angst davor, denn er wusste nicht, ob er es ertragen könnte, wenn Manuel jemand anderes hätte, jetzt, wo er wusste, wie es sich anfühlte Manu nahe zu sein.
„Fabs?“ Manus Stimme klang ein bisschen unsicher. Fabian atmete durch.
„In den letzten Wochen…“, begann er, wusste aber nicht so recht, wie er weiter machen sollte und stockte. Aber dann gab er sich innerlich einen Ruck.
„Naja, hast du in den letzten Wochen mit anderen geschlafen?“, brachte er hervor und es war so schnell gesprochen, dass er befürchtete, Manu könnte ihn nicht verstanden haben, aber seine Gesichtszüge verhärteten sich. Fabian wollte ihr Wiedersehen nicht zerstören, er sollte Manu einfach vertrauen, aber so sehr er das wollte, er konnte nicht. Und es stimmte ihn traurig und er senkte den Blick, weil er seinem Bruder nicht vertrauen konnte.
„Fabs… sieh mich an.“
Er klang nicht sauer, er klang, Fabian wusste es nicht, ebenfalls traurig?
Dennoch folgte er der Aufforderung und blickte auf, Manuel sah ihm in die Augen, so gut das eben ging bei einer Videokonferenz.
„Ich habe das wohl verdient.“ Und er wusste, dass Manuel sein Misstrauen meinte und Fabian zuckte kurz zusammen, denn er wollte ihm ja vertrauen können.
„Fabian, ich bin nicht irgendwie süchtig oder so, ich…“ Es schien als würde er Worte suchen. „da waren andere Gründe… sonst. Du und ich, ich weiß zwar nicht genau, was das da zwischen uns ist, aber da läuft irgendwas und ich will dir nicht weh tun, Fabs, ich will, dass du glücklich bist. Ich habe mit niemanden geschlafen, ich habe niemanden auch nur angerührt, ich warte auf dich, so lang, wie es nötig ist. Und solange bin ich dir auch treu.“
Sie schwiegen, Fabians Herz pochte, Erleichterung erfasste ihn, und Sehnsucht. Was würde er jetzt darum geben Manu küssen zu können?
Dieses Video-Ding war etwas vollkommen anderes als die Chat-Nachrichten, viel intensiver, viel näher, aber doch nicht nahe genug.
Fabian spürte ein Lächeln, was er nicht unterdrücken konnte.
„Danke.“, sagte er nur, er hatte die Frage stellen müssen, es hatte zu sehr an ihm genagt, auch wenn er das Gefühl immer versucht hatte zu unterdrücken.
Manu schüttelte den Kopf.
„Es tut mir Leid, dass du dir darüber Gedanken machst. Ich verstehe, warum du danach gefragt hast, ich hab mich in der Vergangenheit da nicht besonders vertrauenswürdig erwiesen.“
„Fehlt es dir? Also, ich mein, das körperliche?“
Manuel wirkte ein bisschen verlegen, Fabian war es definitiv auch, aber er richtete den Blick auf seinen Bruder, weil er es viel zu sehr mochte, wenn der nicht wusste, was er machen sollte.
Manu nickte. „Ja, schon.“
„Manchmal, wenn ich mich selbst berühre, dann denke ich an dich.“
Fabian wusste nicht, woher das kam. Natürlich stimmte es, eigentlich dachte er immer an Manu, wenn er es tat. Aber es auch direkt auszusprechen, das war nochmal etwas ganz anderes.
Er war jetzt selbst so verlegen, dass er wegschauen musste. To much information. Vielleicht hätte er seine Klappe halten sollen, schließlich waren sie in dieser Hinsicht noch, naja, was sollte man sagen, jungfräulich? Aber Manu hatte eben selbst gesagt, dass zwischen ihnen irgendwas lief. Es war alles nur eine Frage der Zeit, oder?
„Uh.“ Kam jetzt doch verspätet eine Antwort mit der Fabian aber erstmal so rein gar nichts anfangen konnte.
Manuel räusperte sich. „Ich meine, was denkst du dann?“
Und Fabian musste sich kurz sammeln, es war ja schon seltsam genug das Thema überhaupt anzusprechen, aber über den Inhalt zu reden war noch seltsamer.
„Ich stelle mir vor, wie du mich küsst und… anfasst.“
Es war seltsam, aber vor allem auch seltsam gut. Er spürte Manus Blick auf sich ruhen, seine Haut kribbelte.
„Ich würde dich gerne küssen.“ ,sagte Manuel jetzt und Fabian wagte es kurz einen Blick zu ihm zu werfen, ging Manuels Atmung schneller? So wie seine eigene schneller ging. „Zeigst du mir, wo ich dich anfasse?“
Fabian nickte „Okay.“
Er überlegte kurz, zögerte aber dann nicht sein Shirt über den Kopf zu ziehen, er strich mit der Hand an seinem Hals entlang, konnte spüren, wie er nervös schluckte.
„Ich stelle mir vor, dass du mich küsst, hier am Hals und... und hier hinab.“
Er fuhr mit der Hand die Brust hinab bis er an einem seiner Nippel ankam, er spielte damit und stellte sich tatsächlich vor, dass es Manus Finger waren und nicht seine eigenen. Er öffnete die Augen, die er irgendwann geschlossen hatte und sah Manuel an. Sein Mund war einen Spalt geöffnet und sein Atem kam stoßweise.
„Kannst du dein Shirt ausziehen?“
Manu lächelte jetzt und nickte. Er kam Fabians Aufforderung nach und warf das Kleidungsstück achtlos ins Zimmer.
„Ich denke auch oft an dich, Fabs. Ich denke sehr oft an dich und dabei denke ich auch an dich. Ich habe schon an dich gedacht, da hätte ich es definitiv noch nicht tun sollen.“
Fabian lachte. „Du denkst viel zu viel.“
Auch er lachte und kam der Kamera näher. „Du hast Recht, vielleicht sollten wir jetzt einfach gar nicht mehr denken.“
Das war Fabian nur Recht, Manus Gedanken standen ihnen viel zu oft im Wege.
„Wollen wir weiter machen?“
„Wenn du willst.“
Fabian nickte.
Sie redeten nicht mehr viel. Fabian strich mit den Händen über seinen Körper und beobachtete, wie Manu es ihm gleich tat. Er verfolgte den Weg seiner Finger, achtete auf jede Regung seiner Muskeln, als er sich selbst berührte. Und stellte sich dabei vor, dass es Manuels Finger wären, die ihn berührten und dass es seine Finger wären, die über Manuels Körper strichen. Im Geiste speicherte er die Stellen ab, an denen Manuel sich besonders lange aufhielt. Das hieß, dass er es dort besonders gern mochte, oder? Es war sicherlich nicht schlecht, das zu wissen.
Manuels Atem ging schwer und immer mehr diese Stöhner traten über seine Lippen, die direkt in Fabians Lendenbereich schossen und seine Erregung steigerten.
Keiner von ihnen war mehr Verlegen. Fabians Verstand war längst umnebelt, er starrte nur noch auf den Bildschirm und konnte nicht glauben, dass Manu noch viel besser aussah, wenn er erregt war. Wie unwiderstehlich er dann war.
Und Fabian wünschte sich einfach durch den Bildschirm greifen zu können.
Stattdessen öffnete er seine eigene Hose und begann seine Erregung zu streicheln. Er sah, dass Manuel ihn dabei beobachtete und allein das steigerte seine Erregung noch um ein vielfaches, jede seine eigenen Berührungen war viel intensiver, als wenn er allein war. Und er sah, wie auch Manuel sich auf dieselbe Weise verwöhnte. Wie seine Bewegungen immer schneller wurden.
Sie kamen fast zeitgleich. Fabian sah, wie sich Manuel über seine eigene Hand ergoss, wie sein Sperma über seine Finger floss und er spürte seine eigene warme Flüssigkeit auf seiner Hand und die Zuckungen seines Körpers.
Eine zufriedene Schwere legte sich auf seinen Körper. Er sah seine Hand an und leckte probeweise an einem seiner Finger, es war bitter und salzig. Ob Manuels Sperma ähnlich schmeckte?
„Was tust du da?“
Fabian nahm die Hand herunter.
„Ich weiß nicht.“
„Du gehörst verboten. Wie kannst du so etwas tun und dabei so unschuldig wirken?“
Er wischte sich mit einem Taschentuch die Hand ab.
„Ich schwör dir, wenn nicht dieser dämliche Bildschirm zwischen uns wär, ich würde dich bei lebendigen Leib fressen.“
„Ich hätte nichts dagegen.“
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Re: Gibt es einen Weg zusammen zu bleiben? - für callisto24

Beitragvon Sammy-chan » 26. Dez 2014, 01:40

~~~
Fabian hatte sich noch mit den anderen zusammengesetzt, um für eine Mathe-Klausur zu lernen, eigentlich musste er für Mathe am wenigsten tun, aber wie immer suchte er die Ablenkung. Ihre Mutter war zu Hause, also konnte er nicht mit Manuel schreiben oder auch mehr als das, zumindest wagte er es nicht, wenn sie da war, also blieb er lieber aus dem Haus.
Sein Handy vibrierte und es alarmierte ihn. Fast nie rief ihn jemand an. Seitdem er keinen Kontakt mehr mit Manuel haben durfte erst recht nicht.
Und der Blick auf das Display machte es nicht besser, denn es war Manuels Name, der darauf aufblinkte, er entschuldigte sich bei seinen Klassenkameraden und ging aus dem Gemeinschaftsraum.
Innerlich bereitete er sich kurz vor, es konnte nichts Gutes bedeuten, wenn Manuel ihn jetzt anrief, es musste irgendwas passiert sein.
Er nahm ab. „Manu? Was ist los?“
„Wo bist du Fabs?“
Manuels Stimme wirkte tatsächlich etwas gehetzt und das ungute Gefühl in Fabian fühlte sich bestätigt.
„Ich bin noch in der Schule, was ist los?“
Es ist einen Moment still.
„Manu!“, mittlerweile war sich Fabian sicher, dass irgendwas nicht stimmte und eine leichte Panik machte sich in ihm breit.
„Fabs, ich habs verbockt.“
„Was denn?“, sagte er ungeduldig, denn er konnte mit den Informationen nichts anfangen.
„Ich hab eben mit dir über Skype geschrieben.“
„Was?“ Im ersten Moment fühlte sich Fabian nur verwirrt. Er war doch hier gewesen. Aber so langsam fiel der Groschen, wenn Manuel nicht mit ihm geschrieben hatte, dann musste es jemand anderes gewesen sein.
„Mum hat sich für mich ausgegeben?“
„Anscheinend.“
„Hat sie gemerkt, dass du es bist?“ Irgendwo in ihm wollte die Hoffnung noch nicht aufgeben, dass sie vielleicht doch noch glimpflich davon kommen würden.
„Sie hat mich mit Namen angesprochen und ich habe ganz normal geantwortet.“
Aber daran gab es nicht mehr viel zu missverstehen. Sie hatten die Abmachung gebrochen, natürlich hatten sie das, schon lange vorher. Fabian holte tief Luft.
„Was machen wir jetzt?“
„Ich weiß nicht.“, sagte er „Schadensbegrenzung?“
Fabian machte sich nach dem Telefongespräch sofort auf den Weg nach Hause, vielleicht konnte er mit ihrer Mutter sprechen. Sie würde Manuel nicht gleich die Polizei auf den Hals hetzen, oder etwa doch? Sie war ihre Mutter.
Als er die Tür aufschloss war es auffällig still in der Wohnung. Er schaute ins Wohnzimmer, in der Küche, auch in sein Zimmer, der Rechner war abgeschaltet. Er beäugte ihn etwas misstrauisch. Er wusste nicht, ob sich etwas verändert hatte. Dann kehrte er zurück in die Küche und holte sein Handy hervor, um Manuel zu sagen, dass sie nicht da war.
Er setzte sich an den Tisch, auf dem einige Zettel und Papierkram lagen, Werbung hatte er gedacht. Doch dann fiel ihm auf, dass es einige Briefe und Broschüren waren, auf denen alle dasselbe blau-gelbe Logo abgedruckt waren.
Er nahm eine der Broschüren in die Hand. Unter dem Emblem stand der Name einer Schule von der Fabian noch nie etwas gehört hatte. Er runzelte die Stirn und blätterte die Broschüre grob durch. Warum interessierte sich seine Mutter für eine Schule? Er schaute auf die abgedruckte Adresse auf einem der Briefe, der Ort sagte ihm nichts, die Postleitzahl begann mit einer acht, was bedeutete, dass er sich nicht ansatzweise in der Nähe befand.
So langsam ahnte er, was es bedeutete, er sollte auf diese Schule gehen. Er blätterte weiter, in der Broschüre waren Bilder von Zimmern mit Betten, Essensräume, Badezimmer. Es handelte sich um ein Internat.
Seine Mutter wollte ihn auf ein Internat schicken, anscheinend irgendwo im nirgendwo. Sie musste sich bereits vorher informiert haben. Das war ihre Maßnahme mit der sie ihre Söhne trennen wollte. Fabian musste zugeben, dass es eine sehr effektive Methode war. Und ein wenig war er erleichtert, dass Manuel keinen Ärger bekam. Aber der Gedanke daran an eine neue Schule zu müssen, hunderte Kilometer entfernt von hier, hunderte Kilometer entfernt von Manuel, ängstigte ihn schon.
Er nahm sein Handy, das er beinahe vergessen hatte und googelte nach dem Ort. Fast 600 Kilometer Entfernung zeigte ihm das Navigationsprogramm.
Er wählte Manuels Nummer.
„Sie will mich auf ein Internat schicken.“
Das waren die ersten Worte, die aus ihm heraussprudelten, als Manuel abnahm.
„Was?“
„Mum ist nicht hier, aber auf dem Küchentisch liegen Broschüren von einem Internat irgendwo in Bayern.“
Es herrschte Stille, dann hörte Fabien das Kratzen von einem Stuhl, auf den sich Manuel wahrscheinlich gerade setzte.
„Das kann nicht ihr ernst sein“. sagte er dann. „Wie kommt sie auf so eine Idee?“
„Es ist nicht blöd, wenn man bedenkt, was die Absicht dahinter ist.“
„Nein, ist es nicht. Wir müssen mit ihr reden, vielleicht will sie uns nur zeigen, dass es ihr ernst ist. Sie kann dich doch nicht kurz vor deinem Abitur die Schule wechseln lassen. Zumindest nicht, wenn es nicht absolut notwendig ist.“
Fabian wusste auch ohne es zu sehen, dass Manuel sich die Schuld dafür gab, was passiert war.
„Wo ist sie jetzt?“
„Keine Ahnung.“
Fabian packte eine von den Broschüren in seine Jackentasche.
„Ich komme zu dir.“
„Okay.“
Als er auflegte war er bereits aus der Wohnung.

Trotz der ganzen Misere, in die sie sich geritten hatten, hatte die ganze Sache doch etwas Gutes, er würde Manuel wiedersehen, ihn wirklich wiedersehen, nicht nur über eine Kamera. Auch, wenn er sich ein bisschen dafür schämte, dass er sich darüber freute, wenn man bedachte, was es in Zukunft für sie bedeutete.
Aber schon auf dem Weg zu Manus Wohnung wurde ihm ein Strich durch die Rechnung gemacht. Kurz nachdem er aus der U-Bahn gestiegen war und am Straßenrand entlang ging hielt ein Auto neben ihm, es war das Auto seiner Mutter.
Er atmete tief durch, bevor er die Autotür öffnete. Er hatte Probleme seine Mutter anzusehen, ohne wütend zu werden, da konnte er sich noch sooft sagen, dass sie versuchte das Richtige zu tun und es für das Beste hielt.
„Mum“, sagte er „wo bist du gewesen?“
„Ich war bei deiner Schule. Steig ein.“
Sie hatte ihn also schon gesucht. Er zögerte.
„Fährst du nach Manuel?“
„Nein, ich habe dich gesucht und dachte mir, dass du dort sein würdest.“
Er würde nach Manuel gehen, da konnte kommen, was wollte.
„Willst du nicht erst mal mit uns reden, bevor du mich aufs Internat schickst?“
Sie beugte sich jetzt mehr zum Beifahrersitz rüber.
„Mir ist bewusst, dass du dort nicht hinwillst, Fabian. Willst du nicht einsteigen?“
„Natürlich will ich dort nicht hin, es ist ein Internat. Ist sowas nicht tierisch teuer? Woher willst du überhaupt das Geld nehmen?“
Sie zögerte kurz. „Dein Vater wird es bezahlen.“
Fabian konnte sie einen Moment lang nur anstarren. Sein Vater? Dem war es wahrscheinlich nur Recht, wenn Fabian ihm nicht mehr im Weg stand. Aber was hatte sie ihm erzählt? wusste er etwas? Wusste er über ihn und Manuel Bescheid? Fabian lief es kalt den Rücken runter, das durfte nicht sein.
„Steig ein Fabian.“
Er hörte nicht auf seine Mutter, stattdessen schlug er wütend die Tür zu und ging demonstrativ weiter. Sie würde ihnen nicht mal zu hören. Sie hatte die Entscheidung längst gefällt. Und die Vorstellung, dass sein Vater seine Hände im Spiel hatte war Fabian unbegreiflich. Er fühlte sich betrogen. Er konnte sich nicht erinnern je so wütend gewesen zu sein.
Sie fuhr neben ihn und kurbelte das Fenster runter.
„Wir haben darüber gesprochen, Fabian, ich habe euch gesagt, dass ich das machen werde, was ich für richtig halte, wenn ihr euch nicht an die Abmachung haltet.“
„Aber es ist nicht das Richtige.“
Fabian hatte Manuels Wohnung fast erreicht und seine Mutter stellte das Auto ab.
„Dir fehlt der Weitblick, Fabian, so etwas, was zwischen dir und Manuel existiert, das kann nicht funktionieren.“
Sie war ausgestiegen und kam jetzt um den Wagen herum.
„Woher willst du das wissen? Ich kann nicht glauben, dass du uns kaputt machen willst, was wir haben. Ausgerechnet du? Meinst du es ist besser, was du tust? Dass du zu einem Mann zurückkehrst, der dich geschlagen hat, dich und Manuel? Warum tust du das? Weil du ihn liebst, noch immer? Warum rechtfertigt es das, aber bei uns ist es krank? Ich denke, dass unsere Beziehung tausendmal gesünder ist, als das, was du hast. Keiner von uns würde dem anderen je etwas anhaben.“
Er starrte sie wutentbrannt an.
„Du kannst das nicht miteinander vergleichen.“
„Warum nicht? Jeder, der gesunden Menschenverstand hat würde dir sagen, dass du keine Beziehung mit Vater eingehen solltest und trotzdem tust du es.“
Fabian war am Absatz der Treppe stehen geblieben. Sie trat auf ihn zu.
„Komm jetzt Fabian, lass uns das nicht auf der Straße besprechen.“
Aber er konnte in ihren Augen sehen, dass er sie verletzt hatte. Es war ihm egal, sie verletzte ihn ja auch.
Sie hatte sich vor ihn gestellt, und stand somit zwischen ihm und der Haustür. Sie wollte Fabians Arm fassen. „Lass uns fahren.“
Sie wollte nicht, dass er mit Manuel sprach, deshalb hatte sie sich genau da positioniert, wo sie jetzt stand.
„Nein.“, sagte er nur und dachte einen Augenblick darüber nach sie einfach aus dem Weg zu rempeln, aber das würde es nicht besser machen. Sie war noch immer ihre Mutter und er wollte nicht wie sein Vater sein.
Also drehte er sich kurzerhand um und rannte davon.
Er achtete nicht wirklich darauf, wo er hinlief. Er bog in Straßen ab. Würde seine Mutter ihn mit dem Auto verfolgen? Zu Fuß hatte sie keine Chance. Also nahm er kleinere Wege, wo sie ihm mit dem Auto nicht folgen konnte.
Er wusste, dass er sich nicht erwachsen benahm, eher wie ein Teenager. Aber schließlich war er ein Teenager und er wusste nicht wohin mit sich und seinen Gefühlen. Er rannte einfach bis er nicht mehr konnte.
Irgendwann erreichte er irgendeinen Spielplatz in einer Wohnsiedlung. Er sah sich um, er hatte keine Ahnung, wo er war.
Er setzte sich in eine Holzhütte, die am Rand stand und fischte sein Handy aus der Tasche. Er hatte drei Anrufe, alle von Manuel, außerdem eine SMS.
„Wo bist du hin? Mum sagt, du seist weggelaufen.“
Fabian überlegte, was er schreiben sollte, aber er schickte nur eine Standortsangabe, die sein Handy über GPS ermittelte.
Ein Internat. Fabian hatte bisher noch keine Zeit gehabt, darüber richtig nachzudenken. Er holte die Broschüre aus der Jackentasche und blätterte sie erneut durch.
Dass er von Manuel getrennt sein würde war das schlimmste, aber was war mit all dem Rest? Würde es ihm besser ergehen mit seinen Mitschülern dort, als mit denen an seiner jetzigen Schule? Was war wenn nicht? Er konnte nicht fort. Hier hatte er Schule und ging Nachmittags nach Hause und hatte nichts mehr mit den anderen zu tun, wenn er nicht wollte. Hatte man in einem Internat überhaupt eigene Zimmer? Oder teilte man sich diese mit den anderen?
Fabian wusste nicht genau, wie lange er dort saß bis er Schritte hörte und Manuel sich neben ihn auf die Bank fallen ließ.
„Zeig mal her“, sagte er und deutete auf die Broschüre, die Fabian immer noch in der Hand hielt, aber längst vergessen hatte über all den Gedanken, die ihm im Kopf rumschwirrten.
Manuel blätterte ebenfalls darin rum, ohne etwas dazu zu sagen.
„Hast du mit Mum geredet?“
Er schüttelte den Kopf.
„Nicht wirklich, sie hat mir nur gesagt, dass du weg bist.“
„Sie hat mir gesagt, dass Vater das Internat bezahlt.“
Manuel hielt in der Bewegung inne. „Er ist da involviert?“
Fabian nickte nur. „Sieht ganz so aus.“
„Glaubst du er weiß etwas?“
„Keine Ahnung. Meinst du Mum erzählt ihm sowas?“
Manuel sah ihn nachdenklich an. Nach einer Weile schüttelte er den Kopf. „Ich denke nicht, aber wir müssen mit ihr reden.“
Trotzdem blieben sie sitzen.
Einen Moment sagte keiner was und Fabian starrte einfach nur auf den Boden. Dann berührte ihn Manu an der Schulter.
„Fabs.“
Fabian dreht sich um und Manuel fasste ihn fast im selben Moment im Nacken um ihn näher zu ziehen und seine Lippen auf die von Fabian zu drücken.
Erst jetzt realisierte Fabian so richtig, dass er Manuel endlich wieder hatte, dass er ihn nach Wochen endlich wieder berühren konnte. Er schlang seine Arme um Manuels Hals und zog ihn näher zu sich.
Vielleicht sollten sie einfach hier bleiben, wer wusste schon, wie lange sie einander hatten. Wie schnell ging so ein Schulwechsel?
Manuel löste sich erst von ihm, als die Luft knapp wurde, er legte seine Stirn an die von Fabian.
„Ich hab dich vermisst.“
Als Antwort küsste Fabian ihn einfach wieder.
Er wusste nicht, wie lange sie da saßen. So lange, dass Fabian sich vormachen konnte, sie könnten immer hier bleiben. Aber dann doch nicht lang genug.
„Wir sollten...“ begann Manuel in diesem Moment, aber Fabian ließ ihn nicht ausreden und presste seine Lippen wieder auf die seines Bruders.
Am liebsten würde er noch etwas ganz anderes machen.
Er unterbrach den Kuss nur ungern.
„Manu, versprichst du mir etwas?“
„Alles, was in meiner Macht steht.“
Fabian lächelte, dass sollte machbar sein.
„Du schläfst doch mit mir, bevor ich ins Internat muss, oder?“
Es hörte sich ein bisschen an, als würde Manuel nach Luft schnappen. Er entwand sich aus Fabians Arme und fasste ihn an den Handgelenken. Obwohl Fabian aufgrund der Reaktion seines Bruders am liebsten weggeschaut hätte, hielt der seinen Blick mit seinen eigenen fest.
„Fabs“, sagte er dann, leise, fast flüsternd. „Du kommst nicht ins Internat, ich mach alles, um das zu verhindern.“

~~~~~~~

„Das ist nicht dein ernst, oder?“
Das war das erste, was Manuel sagte, als sie auf ihre Mutter trafen. Er hielt ihr die Broschüre entgegen, die Fabian ihm gegeben hatte.
„Und du nimmst dafür Geld von Vater an?“
Erst jetzt bemerkte Fabian, dass Manuel wirklich wütend war. Er hatte vorher so ruhig gewirkt, wie immer, aber jetzt bemerkte man seine Anspannung.
Ihre Mutter wollte etwas sagen. Aber Manuel kam ihr nochmals zuvor.
„Was genau weiß er?“
Sie schüttelte den Kopf. „Nichts. Ich habe ihm lediglich erzählt, dass es Schwierigkeiten gibt und dass ich es deshalb für eine gute Idee halten würde Fabian auf ein Internat zu schicken.“
Manuel schnaubte ungläubig.
„Ich kann nicht glauben, dass du ihn da überhaupt mit reingezogen hast.“
„Manuel, er hat niemals einen Cent Unterhalt bezahlen müssen, es ist nicht mehr als Recht, dass er davon jetzt etwas zurückzahlt.“
„Und dir fällt nichts Besseres ein, als Fabian damit in ein Internat zu stecken.“
Ihre Mutter antwortete nicht gleich, zögerte einen Moment.
„Du weißt warum ich das mache, Manuel.“
„Und dein Entschluss steht fest.“
Sie nickte nur. Und er schaute weg.
„Okay, wie du meinst.“, murmelte er und Fabian dachte einen Moment, dass er sich doch einfach dem Schicksal ergeben würde. Aber dann wandte er sich Fabian zu.
„Fabs, kannst du ein paar Sachen von dir zusammenpacken. Du wirst erstmal bei mir wohnen.“
Fabian nickte schnell und verschwand in sein Zimmer. Was passierte hier gerade? Noch vor einigen Momenten dachte er, er würde bald ins Internat ziehen und jetzt zog er zu Manuel. Es würde fast sein wie früher, nein, es würde mehr sein wie früher.
Aber er versuchte seine Hoffnungen flach zu halten. Was würde es ändern? Ihre Mutter würde ihn früher oder später in dieses Internat schicken. Daran änderte auch nichts, dass er jetzt zu Manuel zog.
Als er zurückkehrte hörte er, wie Manuel und ihre Mutter sich unterhielten. Sie stritten nicht. Fabian hatte noch nie erlebt, dass sie miteinander gestritten hatten. Er war es, der manchmal mit ihrer Mutter aneinandergeriet, nicht aber Manuel. Und irgendwie tat es ihm in diesem Moment Leid. Denn schuld daran, dass sie jetzt eine Auseinandersetzung hatten, war diese Beziehung, die Fabian so, so sehr wollte.
„Er wird vollkommen allein sein und muss sich komplett neu integrieren, glaubst du wirklich das ist zu diesem Zeitpunkt eine gute Idee? Er hatte ja schon hier Probleme mit seinen Mitschülern.“
„Wer sagt denn, dass es an einer Schule genau dieselben Probleme geben wird, vielleicht hätte ich ihn längst auf eine andere Schule schicken sollen. Aber...“
Fabian konnte sie nicht sehen, er stand neben der Tür zur Küche. Aber er blieb, wo er war, schließlich redeten sie über ihn, da konnte er auch zuhören.
„...ich glaube er wollte sich überhaupt nie mit seinen Schulkameraden anfreunden, er hatte immer dich und das schien ihm das einzig wichtige. Ich dachte immer, solange er nicht mehr wollen würde, würde ein Schulwechsel ihm auch nicht helfen.“
Er verstand es kaum, als Manuel antwortete, es war kaum mehr als ein Murmeln. „Du denkst, wenn ich nicht gewesen wäre, hätte er die Probleme in der Schule nicht gehabt?“
„Vielleicht“, antwortete sie, aber es klang unsicher. „ich will dir kein schlechtes Gewissen einreden, aber ich denke einfach, dass eine Trennung von dir und ein Schulwechsel einfach mal dazu führen würden, dass er überhaupt bemerkt, dass es noch andere Menschen gibt.“
Sie sagte zwar sie wollte ihm kein schlechtes Gewissen machen, aber genau das tat sie. Es war ja nicht so, dass Manuel nicht so schon ständig in Konflikt mit seinem Gewissen geriet. Machte sie das mit Absicht? Wenn sie Manuel auf ihrer Seite hatte, tja, dann konnte Fabian auch gleich seine Tasche nehmen, die er in der Hand hielt und in dieses bescheuerte Internat ziehen.
„Sein Abitur wird darunter leiden, wenn er jetzt wechselt.“
„Ja, wahrscheinlich. Aber er ist ein guter Schüler, es wird immer noch gut genug sein. Manuel “, sagte sie nun, es klang eindringlich. „Was ist eine etwas schlechtere Abiturnote im Vergleich zu dem, was euch bevorsteht, wenn ihr das mit dieser Beziehung durchzieht und ihr auffliegt auf die eine oder andere Weise? Willst du dich wirklich für den Rest der Zeit verstecken? Oder willst du deinem Bruder irgendwann nicht mehr in die Augen schauen können, wenn ihr realisiert, dass es nicht funktioniert?“
Fabian wartete, es kam keine Antwort von Manuel, keiner von ihnen sprach. Hatte sie Manuel überzeugt? So schnell?
Er betrat die Küche.
„Manu?“ Sein Bruder zuckte zusammen. Fast hastig stand er auf.
„Lass uns gehen“ , sagte er nur.
Und es erleichterte Fabian ein bisschen, zumindest schien ihre Mutter jetzt noch nichts erreicht zu haben. Sie sah zu ihm, in ihren Augen lag Traurigkeit und Fabians Schuldgefühle wuchsen. Es war kein schönes Gefühl, sie hier allein zurück zu lassen. Und ein bisschen keimte in Fabian doch Zweifel auf. War ihre Beziehung das wert? Denn schon jetzt wurde ihre Familie auseinander gerissen, aber dann dachte er daran, dass sie sich mit Vater traf, dass sie keine Rücksicht darauf nahm, dass es die Familie auseinanderreißen würde.
Er folgte Manuel nach draußen und keiner von ihnen sagte ein Wort.
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Re: Gibt es einen Weg zusammen zu bleiben? - für callisto24

Beitragvon callisto24 » 28. Dez 2014, 22:44

:midi27: Awww ... eine Fortsetzung ... :yahoo: :herz: :knuff: ... *rennt zurück zum Lesen* :blümchen:
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Re: Gibt es einen Weg zusammen zu bleiben? - für callisto24

Beitragvon callisto24 » 28. Dez 2014, 23:22

Awww ... wow ... das ist ja wieder ein richtiger Roman geworden. *knuddelt* Vielen lieben Dank dafür. Ich habe es sehr, sehr, sehr genossen. :jajaja: Und so spannend - was bereitet die Mutter ihnen auch noch Zusatz-Schwierigkeiten. Als hätten sie nicht mit sich selbst genug zu kämpfen, die armen Jungs. Und dann auch noch eine Zwangstrennung? Internat? Das kann ja nicht funktionieren. :neinneinnein:
Auf jeden Fall eine Riesengeschichte - der Wahnsinn. (Und natürlich an einer so spannenden Stelle den Cliffhanger ... :sauerlilac: ) Aber umso mehr freue ich mich auf die Fortsetzung. :connie_eatingpopcorn:
Ganz vielen lieben Dank, Sammi! :herz: :knuff: :danke: Und auch Dir noch wunderschöne Feiertage und einen guten Rutsch. ;)
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Re: Gibt es einen Weg zusammen zu bleiben? - für callisto24

Beitragvon Sammy-chan » 9. Jan 2015, 17:42

Ich bin wirklich froh, dass es dir auch weiterhin gefallen hat. :knuff: So langsam wird das ja auch wirklich ein kleines Mammutwerk mit den beiden Jungs.
Und es tut mir wirklich Leid mit dem Cliffhanger. Ich habe soweit geschrieben, wie ich es geschafft habe und ja dann musste ich wohl einen Cliff machen, es war nciht meine Absicht XDD

Ich hoffe du bist gut ins neue Jahr gekommen?
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Re: Gibt es einen Weg zusammen zu bleiben? - für callisto24

Beitragvon callisto24 » 11. Jan 2015, 17:27

Bin ich. *knuddelt* Dankeschön, und ich hoffe, Du bist auch gut gerutscht. Eigentlich umso besser, da kann ich mich auf eine Fortsetzung freuen. :knuff: :connie_eatingpopcorn:
Vielen lieben Dank und ein frohes 2015! :herz:
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