Das doch nicht schlimmste Weihnachten aller Zeiten - für Ria

Das doch nicht schlimmste Weihnachten aller Zeiten - für Ria

Beitragvon Alraune » 24. Dez 2014, 16:16

Titel: Das doch nicht schlimmste Weihnachten aller Zeiten
Autorin: Alraune
Rating: P-16-Slash
Summary: Draco muss Weihnachten als Auror im Bereitschaftsdienst im Ministerium verbringen – alleine mit Potter, seinem ewigen Nemesis. Das kann nur im Desaster enden…
Widmung: Meiner lieben Ria, die ich heute bewichteln darf :) Meine Liebe, ich wünsche dir frohe Weihnachten und hoffe, die Geschichte gefällt dir, auch wenn du dir vielleicht etwas Düstereres gewünscht hättest… aber es ist ja Weihnachten :)

A/N: Glaubt es oder nicht, ich lebe tatsächlich noch; und jetzt, da mein Studium so gut wie abgeschlossen ist, habe ich auch wieder Zeit für das Fandom… vielleicht erinnert sich der eine oder andere ja noch an mich ;)

xXx

Das war das schlimmste Weihnachten, das Draco jemals erlebt hatte. Es übertraf sogar noch das bisher schlimmste-Weihnachten-aller-Zeiten, als er fünf gewesen war und sich einen Drachen gewünscht hatte. Seine Eltern hatten ihm einen verdammten Niffler geschenkt – vielleicht hätten sie ihn dann besser Nifflo genannt anstatt Draco. Und dann hatten sie nicht einmal verstanden, warum er in einem Tobsuchtsanfall all seine anderen Geschenke zu Kleinholz verarbeitet hatte.

Dennoch stach dieses Weihnachtsfest alles bisher Dagewesene aus – und das Schlimmste war, es hatte noch nicht einmal begonnen. Anstatt im Manor seiner Eltern in seinem gigantischen Himmelbett zu erwachen, Champagner zum Frühstück aus Kristallgläsern zu trinken und mit kostspieligen Geschenken überhäuft zu werden, durfte er den Weihnachtstag im Ministerium verbringen – während alle anderen Angestellten frei hatten, außer einem.

Ihm. Harry Potter, Krux in Dracos friedlichem Leben. Und Potter hatte ihn auch noch in diese Lage gebracht.

Draco hatte seinen Augen nicht trauen wollen, als er am ersten Tag seines Aurorentrainings Harry Potter als Partner zugeteilt wurde – der, anstatt es Draco nachzutun und aus althergebrachten Klischees auszubrechen, Auror werden wollte, wie es selbst der schlechteste Wahrsager auf Trelawney-Level hätte vorhersagen können. Und trotz diverser Tobsuchtsanfälle Dracos hatte Kingsley sich geweigert, ihm einen anderen Partner zuzuteilen – er hatte behauptet, ein Auror müsse in der Lage sein, mit jedem beliebigen Auror zusammenzuarbeiten.

Allerdings war zu vermuten, dass Kingsley seine Konsequenz oft bereute, denn so oft wie in den letzten drei Jahren war die Einrichtung des Trainingsraums, des Pausenraums und von Kingsleys eigenem Büro wohl noch nie ersetzt worden. Aber Potter war unerträglich: Nie tat er das, was Draco wollte, sondern gab Widerworte, hielt stets dagegen und wich keinem Streit aus. Und er war sturer als alle Personen, die Draco kannte – ihn selbst ausgenommen. Und dann, sein Aussehen: Nie war seine Uniform gebügelt, nie seine Haare gekämmt, nie seine Hände perfekt sauber; wenn Draco ihn deswegen tadelte, lachte Potter ihn nur aus. Dass er das wagte! Und dann ging es wieder los: einer ihrer spektakulären Streits, der die anderen Rekruten schreiend aus dem Raum fliehen, die Betreuer in Deckung gehen und Kingsley vorzeitig altern ließ.

Bis jetzt hatte kein Betreuer es länger als ein paar Wochen mit ihnen ausgehalten – sogar Mad-Eye Moody, der aus dem Ruhestand zurückgerufen worden war, hatte nach einigen Wochen verkündet, sie zwei gemeinsam zu trainieren sei schwieriger als eine ganze Kompanie Kobolde zum Nähen von Spitzendeckchen zu verdonnern.
Immerhin konnte keiner der anderen Rekruten behaupten, mehr Erfahrung im Nahkampf zu haben als Draco und Potter – leider war Potter etwas besser als Draco (auch wenn es wehtat, das zuzugeben), denn er gewann ihre Handgemenge meistens. Und das, obwohl er kleiner als Draco war und als Gryffindor eigentlich nicht so viele fiese Tricks kennen sollte.

Und es gab noch etwas, bei dem sie von keinem der anderen Rekruten übertroffen wurden: Sie waren, konkurrenzlos, an der Spitze der Strafpunkteliste. Strafpunkte wurden verteilt für Streits unter den Rekruten, Ungehorsam gegenüber dem Betreuer, Zerstörung von Trainingsgegenständen und Unpünktlichkeit. Deswegen führte Potter mit knappem Vorsprung vor Draco, da er offensichtlich die Uhr nicht lesen konnte.
Und wer die Strafpunkteliste im dritten Jahr der Ausbildung anführte, der wurde zum Bereitschaftsdienst an Weihnachten eingeteilt – weswegen Draco seit fünf Minuten am Schreibtisch im Bereitschaftsbüro saß und abwechselnd den prächtig geschmückten Weihnachtsbaum, die tickende Uhr über dem Kaminsims und die Flammen im Kamin selbst böse anstarrte.

Um zehn nach acht (wie Draco es vorhergesehen hatte) färbten die Flammen sich grün und spuckten Potter aus, der eine Bruchlandung vor dem Kamin hinlegte und hustend einen Mundvoll Asche ausspuckte. Draco rollte mit den Augen – wenn es ums Flohen ging, besaß Potter die Grazie eines Bergtrolls – nicht, dass er bei seinen sonstigen Aktivitäten besonders graziös war.

„Besitzt du keine Uhr, Potter?“, fragte Draco zur Begrüßung und schenkte Potter einen abwertenden Blick.

Potter stand auf, klopfte Asche von seiner Hose und schob seine Brille zurecht. Immerhin trug er nicht mehr diese schreckliche Brille aus ihrer Schulzeit, die ihn wie eine Witzfigur hatte aussehen lassen, sondern eine moderne, kantige Brille – auch wenn die ihm immer noch nicht stand. „Dir auch einen schönen Abend, Malfoy“, entgegnete er gepresst und ließ sich am Schreibtisch gegenüber nieder. „Du bist auch schon in Weihnachtsstimmung, wie ich sehe.“

„Das könnte ich sogar sein, wenn du nicht mein Weihnachten ruinieren würdest.“

„Ach ja? Und du trägst daran keine Schuld?“

„Natürlich nicht. Es ist alles deine Schuld, Potter.“

„Genau, ich habe all die Streits zwischen uns nur provoziert, um Weihnachten mit dir verbringen zu können, im menschenleeren Ministerium, und nebenbei Papierkram zu erledigen“, sagte Potter spöttisch. „Du hast mich durchschaut.“

Draco schnaubte. „Zuzutrauen wäre es dir.“

„Wäre diese Art von Plan nicht eher dein Fachgebiet?“

„Wie ich sehe, bist du immer noch nicht über alte Schul-Klischees hinweg“, entgegnete Draco hochmütig.

Potter lachte. „Aber du, Malfoy.“

„Ich trage keinen bescheuerten Pullover in den Farben meines Hauses“, zischte Draco. Potter trug einen schrecklichen Wollpullover in Knallrot, mit einem goldenen Löwen auf der Brust – es sah unmöglich aus.

„Grün steht dir sowieso nicht“, sagte Potter gedehnt, „du siehst darin immer aus, als müsstest du dich gleich übergeben.“

Leider hatte er damit Recht: Grün machte Draco furchtbar blass; eigentlich war Blau seine Farbe – allerdings war das für seinen Vater kein ausreichender Grund gewesen, nach Ravenclaw zu gehen. Er hatte Draco gedroht, ihn zu enterben, sollte er in das Haus der Besserwisser kommen – „seit fünfzehn Generationen waren alle Malfoys der Stolz von Slytherin, und du, mein Sohn, wirst diese Tradition nicht brechen!“

Unglücklicherweise hatte Draco den richtigen Moment verpasst, um zurückzuschießen, denn Potter hatte eine siegessichere Pose angenommen. So schnaubte Draco nur und wandte sich dem Aktenstapel vor ihm zu, der seinen Kopf überragte. Es handelte sich um alte Fälle, die schon gelöst waren; allerdings erhielten sie nur den Teil der Dokumentation, in denen der Täter nicht offenbart wurde, und es war ihre Aufgabe, ihn herauszufinden. Die Fälle waren in Partnerarbeit zu lösen, also war ein Teil der Akten mit kleinen gelben Post-Its mit Potters unleserlicher Handschrift und vielen Tintenflecken versehen.

Gedankenverloren fragte Draco sich, wie lange die Professoren auf Hogwarts wohl über seiner Sauklaue gebrütet hatten – Severus hatte sich sicherlich nie die Mühe gemacht, alles zu entziffern, sondern ihm prophylaktisch direkt ein „T“ gegeben.

Eine Weile arbeiteten sie schweigend, dann durchbrach Potter die Stille. „Malfoy, das ist albern. Es ist Weihnachten, die Zeit des Friedens und so weiter, also könnten wir vielleicht zumindest heute das Kriegsbeil begraben?“

„Ich besitze kein Beil“, entgegnete Draco eisig, „und wenn ich eines besäße, dann würde ich es sicherlich nicht vergraben, sondern es von den Hauselfen wegräumen lassen.“

Potter rollte mit den Augen. „Es ist ein Muggel-Sprichwort, es bedeutet, Frieden zu schließen und alte Streitthemen zu vergessen.“

„Mein Gedächtnis funktioniert ganz ausgezeichnet – im Gegensatz zu deinem – und ich vergesse nie etwas.“

„Würde dir aber gar nicht schaden“, bemerkte Potter. „Oder kannst du dich wirklich noch an jeden unserer Streits erinnern?“

„Natürlich“, sagte Draco hochmütig.

„Das kann auch bloß dir passieren“, sagte Potter kopfschüttelnd. „Ich hab beinahe schon all unsere Streitereien aus der Schulzeit vergessen – nur an den Tag, an dem Hermine dich geohrfeigt hat, kann ich mich noch sehr gut erinnern.“

„Ich auch“, presste Draco hervor. Es war der Tag seiner größten Scham gewesen – nicht, nur dass er von Granger, der nervigsten Besserwisserin aller Zeiten, geohrfeigt worden war; nein, als er seinem Vater diesbezüglich einen Brief geschickt hatte (der zu seiner Schande mit sehr viel Ausrufezeichen gespickt gewesen war), hatte seinen Vater ihm einen sehr strengen Brief, triefend von eisiger Kälte, gesendet, in dem er Draco dazu aufforderte, sich wie ein Malfoy zu benehmen und nicht ständig seine Hilfe wegen „Lappalien“ zu verlangen. Wenn sein Vater auch nur geahnt hätte, wie fest Granger zuschlagen konnte, hätte er das wohl kaum als „Lappalie“ bezeichnet.

„Sprechen wir über etwas anderes“, schlug Potter vor. „Das könnte eine lange Nacht werden.“

Draco seufzte. „Ausnahmsweise könntest du da Recht haben. Also, Potter, mit welchen Themen darf ich dein simples Gemüt belustigen?“

Potter rollte mit den Augen. „Du kannst es dir aber auch nie verkneifen, Malfoy. Du weißt schon, dass meine NEWTs besser waren als deine, oder?“

Das traf Draco hart – wirklich? Wer hätte das vermutet? Und er hatte sich schon die ganze Zeit gefragt, wieso er Drittbester des Jahrgangs gewesen war – dass Granger die Beste gewesen war, das musste ihm niemand erklären, aber er hatte eigentlich einen Ravenclaw-Streber an zweiter Stelle erwartet. „Tatsächlich“, brachte er hervor und räusperte sich. „Ähm. Beeindruckend, Potter. In welchem Fach warst du denn besser als ich? Wahrsagen?“

Potter lachte. „Willst du das wirklich wissen, Malfoy? Es könnte dein Weltbild zerstören.“
Draco hob nur die Augenbrauen – in so vielen Fächern konnte Potter ihn gar nicht übertroffen haben.

„In Zaubertränke“, sagte Potter mit funkelnden Augen. „In der Theorie-Prüfung konnte ich fehlerfrei die Zubereitung eines Vielsafttranks rezitieren, inklusive aller Zutaten-Interaktionen und Nebenwirkungen. Gab ein Ohnegleichen mit Sternchen.“

Schon wieder war Draco gegen seinen Willen beeindruckt, er hatte nur ein Ohnegleichen gehabt. „Das ist nicht mal NEWT-Material. Aber du warst doch immer so schlecht in Zaubertränke, wie kam das denn zustande?“

„Nun, ohne Snape“, an dieser Stelle verfinsterte sich Potters Gesichtsausdruck und Draco erinnerte sich plötzlich daran, dass Potter derjenige war, der Severus hatte sterben sehen, „sein Andenken in Ehren, aber er war nun wirklich kein Pädagoge – lief alles sehr viel besser bei mir.“

„Aber der Vielsafttrank ist nicht Teil des Lehrplans“, beharrte Draco.

„Tja“, sagte Potter und bemühte sich, gelangweilt auszusehen; dann jedoch brach er in lautes Gelächter aus, so heftig, dass Tränen über seine Wangen liefen. „Oh, das ist herrlich! Malfoy, wenn du nur wüsstest…“

„Was?“, fragte Draco irritiert.

Potter winkte ab. „Glaub mir, es ist besser, wenn ich es dir nicht sage.“

„Du sagst es mir jetzt sofort, was auch immer es ist!“, herrschte Draco ihn an – und Potter knickte ein – nun gut, Draco war schon immer gut darin gewesen, anderen Befehle zu erteilen.

„Auf deine Verantwortung“, sagte er. „Kannst du dich noch an dein zweites Schuljahr erinnern? Kurz vor Weihnachten? Es gab da einen Abend, an dem Crabbe und Goyle sich sehr seltsam verhalten haben…“

Langsam dämmerte es Draco. „Ihr habt doch nicht etwa…?“

Potter begann schon wieder zu lachen. „Das waren Ron und ich; Hermine hatte den Trank gebraut und Ron und ich haben uns in Crabbe und Goyle verwandelt, um dich zu befragen und herauszufinden, ob du der Erbe Slytherins warst.“

„Aber ihr wart zwölf!“

„Hermine war schon immer brillant“, sagte Potter. „Und sie ist ein wenig krimineller veranlagt als die meisten denken.“

„Unfassbar“, sagte Draco und schüttelte den Kopf. Er hatte schon immer gewusst, dass alle Mitglieder des „Goldenen Trios“ wesentlich mehr Dreck am Stecken hatten als gemeinhin bekannt war, aber das schlug dem Fass den Boden aus. „Und wieso dachtet ihr, ich sei der Erbe?“

„Wie gesagt, wir waren zwölf“, entgegnete Potter schulterzuckend. „Du warst eben der beste Verdächtige und wir konnten dich sowieso nicht leiden. Und so weit daneben lagen wir ja gar nicht; schließlich hatte dein Vater Ginny Voldemorts Tagebuch gegeben.“

„WAS? Mein Vater? Voldemorts Tagebuch? Potter, was erzählst du da?“

„Wusstest du das nicht?“, entgegnete Potter erstaunt. „Dein Vater hatte es damals Ginny untergeschoben; allerdings wusste er wohl nicht genau, was es war…“

Sein Vater hatte das nie erwähnt, dachte Draco; der Dunkle Lord wurde bei ihnen niemals erwähnt, seit er und seine Eltern begnadigt worden waren – unter anderem auch dank Potter, der sich für sie eingesetzt hatte. Er schluckte; er dachte nicht gerne darüber nach, was er und seine Familie Potter schuldeten, der davon recht unberührt schien. Elende Gryffindor-Selbstlosigkeit.

„Das Tagebuch des Dunklen Lords“, wiederholte Draco, noch immer ungläubig. „Das klingt nicht sehr glaubhaft.“

„Es stammte noch aus seiner Schulzeit in Hogwarts“, erklärte Potter.

„Der Dunkle Lord war auf Hogwarts?!“

„Malfoy, was weißt du eigentlich über den Mann, dem du jahrelange gefolgt bist?“, entgegnete Potter verärgert. „Natürlich war er auf Hogwarts; er hatte damals die Kammer des Schreckens geöffnet und der Basilisk hat die Maulende Myrte getötet.“

„Ein Basilisk?!“, kreischte Draco – nein, er hatte nicht gekreischt. Malfoys kreischten nicht – es war nur ein Schrei gewesen. „Ein Basilisk in Hogwarts? Merlin, wir müssen McGonagall informieren!“

„Beruhige dich“, sagte Potter genervt. „Ich habe ihn in unserem zweiten Schuljahr getötet.“

Draco fühlte sich, als müsse er gleich in Ohnmacht fallen. „Du hast im Alter von zwölf Jahren einen Basilisken getötet?“

„Fawkes – also Dumbledores Phönix – hat seine Augen ausgekratzt und ich hab ihn dann mit dem Schwert von Gryffindor erstochen“, sagte Potter, offensichtlich unbekümmert.

Draco stöhnte und vergrub sein Gesicht in den Händen. Das war das Unglaublichste, was er je gehört hatte – und doch war Potter, bei all seinen Fehlern und Charakterschwächen – kein Lügner und er neigte auch nicht zu Übertreibungen. In ihrem zweiten Jahr der Ausbildung hatten sie eine Lerneinheit zur Abhärtung erhalten – der Ausbilder hatte damals gefragt, wie lange sie es ihrer Meinung nach ohne Essen aushalten könnten. Die meisten hatten ein oder zwei Tage gesagt; nur Potter hatte, ohne mit der Wimper zu zucken, eine Woche gesagt. Draco hatte ihn ausgelacht – eine Woche ohne Essen? Das war absurd! Potter hatte ihn nur einige Sekunden angestarrt und war wortlos gegangen, ohne an diesem Tag noch einmal zu erscheinen.

Abends hatte Kingsley ihn beiseite genommen und ihm erklärt, dass Potter in seiner Kindheit vernachlässigt und misshandelt worden war und von seinen Verwandten tagelang in einen Schrank gesperrt worden war, in dem er offensichtlich auch gelebt hatte. Draco wurde heute noch schlecht, wenn er daran dachte; er hatte sich am nächsten Tag sehr kurzangebunden bei Potter entschuldigt und ihn seitdem nur noch wegen seiner Unfähigkeit beleidigt, seine Familie jedoch nie wieder erwähnt.

„Geht’s dir gut, Malfoy?“, fragte Potter. Klang da ein Hauch Besorgnis in seiner Stimme mit?

„Können wir bitte über etwas anderes sprechen?“, fragte Draco – und biss sich beinahe auf die Zunge – hatte er gerade „bitte“ gesagt?

„Klar“, sagte Potter. „Sprechen wir über… äh, Weihnachten. Was hattest du dieses Jahr eigentlich vor?“

Draco seufzte. „Eigentlich hätte ich den Weihnachtsmorgen mit meinen Eltern verbracht und den Nachmittag mit meinen Freunden; Pansy, Blaise und Greg. Pansy hat sogar schon fünf Flaschen vom besten Kobold-Weihnachtsmet gekauft, aber vielleicht kann ich ihr danach noch eine abluchsen. Und bei dir, Potter?“, fragte er mit mäßigem Interesse und eher aus Höflichkeit – Potter verbrachte Weihnachten bestimmt jedes Jahr bei den Weasleys, wo wahrscheinlich alle Familienmitglieder mit Kind und Kegel um einen Tisch gequetscht saßen und schreckliche Strickpullover als Geschenke untereinander austauschten.

„Nun ja, eigentlich… hatte Marcus mich gefragt, ob ich Weihnachten bei ihm sein möchte, aber ich hielt es für keine besonders gute Idee. Eigentlich wollte ich einen gemütlichen Tag mit Ron und Hermine verbringen.“

„Marcus?“ fragte Draco – er kannte niemanden mit diesem Namen.

„Flint“, entgegnete Potter hochgezogenen Augenbrauen.

Ach, richtig – Dracos Ohren klingelten noch immer, wenn er an Flints legendäre Aufmunterungsreden dachte, die überwiegend aus gebrüllten Anti-Gryffindor-Schlachtsprüchen bestanden hatten. „Was hast du denn mit dem am Hut?“ Er konnte sich keinen Grund vorstellen, warum Flint mit Potter überhaupt in Kontakt stehen sollte – geschweige denn Weihnachten mit ihm verbringen.

Potter runzelte die Stirn. „Er ist mein Exfreund. Ich dachte, das wäre gemeinhin bekannt.“

Draco fiel aus allen Wolken. „Dein WAS? Moment mal, du bist schwul?“

„Wo lebst du, hinter dem Mond?“, fragte Potter ihn gedehnt. „Unsere Trennung war in den letzten Wochen beinahe das einzige Thema im Tagespropheten – zu meinem Leidwesen.“

„Ich lese den Tagespropheten schon seit Jahren nicht mehr“, entgegnete Draco, der sich seltsam losgelöst fühlte und mit den ständigen Eröffnungen Potters nicht klarkam – wirklich, musste er alle zwei Minuten eine Dracos-Weltbild-erschütternde Äußerung von sich geben? „Ich habe aufgehört ihn zu lesen, seit deine Trennung von Weasley wochenlang das einzige Thema auf der Titelseite war.“

„Trotzdem“, sagte Potter skeptisch. „Was ist mit deinen Freunden? Ich kann mir gut vorstellen, dass das gefundenes Fressen für sie war.“

„Meine Freunde wissen sehr gut, dass sie deinen Namen mir gegenüber besser nicht erwähnen sollten“, erwiderte Draco, der seinen Hochmut kurzfristig wiedergefunden hatte.

Potter lachte. „Ron und Hermine erwähnen deinen Namen auch schon seit langer Zeit nicht mehr.“

Aus irgendeinem Grund fühlte Draco sich dadurch verletzt – aber das war absurd – sicher eine Nachwirkung der ständigen Schocks, die er gerade erlitt. „Also, Potter, du bist schwul?“

„Offensichtlich“, sagte Potter. „Hier noch mal mein Coming-Out, nur für dich: Malfoy, ich muss dir etwas sagen. Ich bin schwul.“

Langsam begann Dracos Gehirn, das eben Gesagte zu prozessieren – so weit, so gut. Nun zu weiteren schockierenden Enthüllungen. „Und was ist mit Flint?“

„Wie gesagt, er ist mein Exfreund“, entgegnete Potter. „Wir haben uns vor einigen Monaten getrennt.“

„Warum? Nein, halt – der Reihe nach – wie zur Hölle kommt Flint dazu, sich mit dir abzugeben?“

„Du weißt schon, dass ich nach meinem NEWTs eine Saison bei den Howling Harpies gespielt habe, oder?“

Draco zuckte mit den Schultern. „Kann sein. Wie gesagt, ich habe versucht, deinem Privatleben möglichst wenig Aufmerksamkeit zu schenken.“

„Wie auch immer, du wolltest es wissen“, sagte Potter. „Er war Jäger, ich war Sucher, wir hatten unerwarteten Sex in den Duschräumen und kurz darauf haben wir angefangen, miteinander auszugehen.“

Draco verschluckte sich an dem Tee, den er gerade zur Beruhigung trinken wollte, und versprühte Tee in alle Richtungen. „Wirklich?“, hustete er und rang nach Luft. „Ich hätte ja nie gedacht, dass du der Typ dafür wärst.“

Potter grinste. „Glaub mir, es gibt eine ganze Menge Dinge, von denen du glaubst, dass ich sie nie tun würde.“

Draco winkte schwächlich ab. „Genug davon, Potter, ich muss mein Herz schonen, ich will nicht heute Nacht eines verfrühten Todes sterben. Also, Potter, wie lange wart ihr zusammen?“

„Zweieinhalb Jahre.“

„Hmh“, sagte Draco, und obwohl er sich nicht so sicher war, ob er es wissen wollte, fragte er: „Und weshalb habt ihr euch getrennt?“

„Es hat eben nicht funktioniert“, sagte Potter langsam.

„Komm schon, Potter, da kann ja Goyle bessere Ausreden aus dem Ärmel schütteln! Mich schockt heute nichts mehr, das kannst du mir glauben.“

Potter lachte. „Na gut, Malfoy, wenn du es unbedingt wissen musst. Marcus kann ein wenig, nun ja, obsessiv sein. Sehr obsessiv. Und er war zu…“ Potter zögerte.

„Brutal?“, schlug Draco vor, der sich noch gut erinnern konnte, dass Flint selten gezögert hatte, seine Fäuste einzusetzen.

„Ganz im Gegenteil“, erwiderte Potter, „er hat mich immer wie mit Samthandschuhen angefasst und ich hasse das.“

Erneut versprühte Draco Tee in alle Richtungen. „Flint? Samthandschuhe?“

„Ob du es glaubst oder nicht, so war es“, sagte Potter und verzog das Gesicht. „Er ist ein lieber Kerl, wirklich, aber nein.“

„Aha“, war alles, was Draco hervorbrachte, während sein Weltbild um ihn herum Scherben zerfiel. Adieu, dachte er wehmütig, adieu, du schöne Zeit, in der alles so war, wie es sein sollte.

„Aber genug von mir. Warum hast du dich damals von Parkinson getrennt?“

„Nun, ich bin auch schwul“, entgegnete Draco etwas gedankenverloren.

„Ha!“ Potter schlug mit der flachen Hand auf den Tisch. „Ich wusste es! In unserem achten Jahr habe ich mit Ron darum gewettet – er schuldet mir was.“

„Ich möchte gar nicht wissen, was“, sagte Draco schwach.

Potter grinste. „Das willst du tatsächlich nicht.“

Draco winkte ab. „Potter, das war nun wahrlich genug Konversation für heute. Ich glaube, ich muss schlafen.“ Ohne ein weiteres Wort Potters abzuwarten, schleppte er sich zu dem Feldbett, das in einer Ecke des Zimmers stand, und schlief sofort ein, geplagt von wirren Träumen, in denen ein Basilisk Quidditch spielte und Klatscher, die aussahen wie Zaubertrankkessel, in seine Richtung schlug.

xXx

Er erwachte durch Potters wenig einfühlsame Schläge gegen seine Schulter. „Wach auf, du Schlafmütze!“, zischte Potter. „Wir haben einen Einsatz!“

„Ugh“, brummte Draco. Er fühlte sich nicht wirklich wach und hatte das dumpfe Gefühl, dass seine Frisur wohl kaum geeignet war, in der Öffentlichkeit vorgeführt zu werden.“

„Los, los, steh auf!“ Potter kniff ihn in den Oberarm. „Was bist du denn für ein Auror?“

„Jaja“, grummelte Draco und erhob sich gähnend. Leider sah Potter so gar nicht übernächtigt aus – abgesehen von seiner Frisur, aber die sah sowieso immer aus, als sei er soeben aus dem Bett gefallen.

Noch immer gähnend, folgte er Potter zum Kamin, der das dunkle Zimmer gespenstisch grün erleuchtete. Es dauerte einige Sekunden, bis Dracos müde Augen den Kopf im Kamin erkannten: Es war Adrian Pucey, der in Slytherin zwei Jahre über ihm gewesen war und in der Quidditchmannschaft als Jäger gespielt hatte.

„Was machst du denn hier?“, fragte er verdutzt.

„Nicht dumm rumreden, los geht’s!“, rief Potter, der schon immer eine Neigung besessen hatte, sich Hals über Kopf in jede Gefahr zu stürzen, und warf eine Handvoll Flohpulver in den Kamin, keine Sekunde, nachdem Pucey seinen Kopf zurückgezogen hatte.

„Nunduhöhle!“, rief er und verschwand mit einem „Whoosh“ im Kamin.

Nunduhöhle? Nun ja, Pucey war schon immer etwas größenwahnsinnig gewesen – dabei besaß seine Familie nicht mal ein Manor. Kopfschüttelnd folgte Draco Potter und schaffte es trotz seiner Müdigkeit elegant aus dem Kamin über Potter hinweg zu steigen, der auf dem Boden lag und Aschewolken aushustete.

„Schnell, schnell!“ Pucey – noch im mit Rentieren bedruckten Pyjama und weihnachtlicher Schlafmütze – rang nervös die Hände. „Ich glaube, es will mich angreifen!“

„Worum genau geht es eigentlich?“, erkundigte Draco sich mit hochgezogenen Augenbrauen und klopfte imaginäre Staubwolken von seiner – natürlich tadellosen – Aurorenuniform.

„Da ist ein Monster in meinem Garten!“ rief Pucey und deutete in die entsprechende Richtung. „Ich habe geschlafen und Geräusche in meinem Garten gehört und bin daraufhin aufgestanden, um nachzusehen – ich dachte zuerst, es wären Einbrecher.“

Potter hatte sich inzwischen aufgerappelt und hörte mit einem ernsten Gesichtsausdruck zu, auch wenn seine Uniform, die sich wie immer in desolatem Zustand befand, ihm etwas von seiner Seriosität nahm – nicht, dass er davon jemals viel besessen hätte.

„Nun, auf jeden Fall bin ich in den Garten und habe aus den Büschen lautes Fauchen und Zischen gehört – und ich habe gesehen, wie sich dort etwas Großes bewegt hat.“

Potters Gesicht hatte einen etwas gequälten Ausdruck angenommen – ganz so, als habe er eine dunkle Vorahnung. „Tatsächlich“, sagte er, „nun, dann schauen wir mal nach.“

Ganz der Gryffindor, der er nun mal war, schritt er zur Tür und stieß sie auf. Ganz der Slytherin, der er war, zückte Draco seinen Zauberstab, hielt sich hinter Potter und bedachte währenddessen Puceys Einrichtung mit herablassenden Blicken – es juckte ihn regelrecht in den Fingern, seinen inneren Raumgestalter herauszulassen und alles neu zu arrangieren.

Und diese kümmerlichen Pflänzchen und verwilderten Büsche nannte Pucey einen Garten? Nun gut, jedem das seine.

Nanu, was tat Potter denn da? Er war in die Hocke gegangen, die Handflächen auf den Boden gepresst und gab leise, schnalzende Geräusche von sich. Und in diesem Moment sah Draco, wie sich tatsächlich etwas in der Hecke bewegte – und es war in der Tat sehr groß! Pucey warf sich schreiend hinter ihn und umklammerte seine Waden. „Rettet mich! Rettet mich!“, schluchzte er und Draco wurde etwas mulmig, doch Potter schien kaum beeindruckt, denn er hatte sich keinen Millimeter bewegt.

Ein lautes Zischen erklang und mit einem mulmigen Gefühl umklammerte Draco seinen Zauberstab etwas fester, während er fieberhaft überlegte, welche Zaubersprüche zur Gefangennahme von Monstern vorgesehen waren.

Und dann – begann Potter ebenfalls zu zischen – dieses Mal lief Draco ein Schauer über den Rücken; war das etwa Parsel gewesen? Er konnte sich noch sehr gut an jenen Moment im Duellierclub in ihrem zweiten Jahr erinnern, in dem Potter Parsel gesprochen hatte – vermutlich hatte er keine Ahnung, wie unheimlich das gewesen war; die unmenschlichen, zischenden Laute aus seinem Mund, sein starrer Blick wie der einer Schlange – und die Schlange, die Draco heraufbeschworen hatte, um Potter anzugreifen, die aber Potter gehorcht hatte – Draco hatte ihm damals geglaubt, als er gesagt hatte, er habe sie nicht auf den Hufflepuff Wie-hieß-er-noch gehetzt hatte – denn wenn er der Schlange einen Angriff befohlen hätte, hätte sie ihn sicherlich auch ausgeführt.

Und tatsächlich, Potters Augen hatten wieder den starren, reptilienartigen Blick angenommen, und – Draco traute seinen Augen kaum – ein großer, schuppiger Kopf schob sich zwischen den Büschen hervor. Pucey schrie erneut und auch Draco musste schlucken – er war zwar kein Fachmann für Magische Kreaturen, aber ihm fiel kein Wesen ein, das so aussah.

Der Kopf war ähnlich dem einer Schlange, aber bedeutend größer und mit wesentlich mehr Zähnen bestückt als Schlangen gemeinhin besaßen; mit dunkelgrünen Schuppen und großen, goldenen Augen mit schlitzförmigen Pupillen.

Potter war inzwischen dazu übergegangen, gurrende Laute von sich zu geben, eine Hand der Kreatur entgegen gestreckt, und bewegte sich langsam vorwärts. „Ist er denn wahnsinnig?“, stöhnte Pucey auf Höhe von Dracos Waden.

Die Kreatur begann, sich weiter aus der Hecke hervorzuarbeiten, den Blick auf Potters Hand gerichtet, und näherte sich ihm langsam, wie ein heranschleichendes Raubtier. Tatsächlich sah es aus wie eine Schlange, eine etwa fünf Meter lange Schlange von der Dicke eines Baumstamms mit grün schillernden Schuppen und, seltsamerweise, winzigen Flügeln kurz hinter ihrem Kopf.

Die Schlange – oder was auch immer es war – näherte Potter sich noch immer, das Maul leicht geöffnet, sodass die beeindruckenden Zähne im Licht des Mondes glitzerten; und Draco war sich auf einmal nicht sicher, ob er Potter schubsen und sich selbst in Sicherheit bringen sollte (und hinterher behaupten, es sei ein Unfall gewesen), oder ob er ihn von der Kreatur wegreißen und mit ihm disapparieren sollte.

Potter schnipste mit den Fingern und dann war es zu spät, denn dann schoss die Kreatur mit beeindruckender Geschwindigkeit auf ihn zu – Draco schrie und sprang etwa einen Meter in die Luft, da er sich nicht entscheiden konnte, ob er einen Satz vorwärts, um Potter zu retten, oder rückwärts, um sich selbst zu retten, machen sollte – und dann berührten Potters Finger die Schnauze und die Schlange gab ein fiependes Geräusch von sich, das auf skurrile Weise an einen Welpen erinnerte. Potter seufzte und begann ihn unter dem Kinn zu kraulen.

„Potter“, begann Draco vorsichtig (Verhaltensregeln für Auroren, Nummer 112, Absatz 1: „Personen, die unter psychischen Störungen magischen oder natürlichen Ursprungs leiden, sind stets mit Vorsicht anzusprechen, da ihre Reaktionen nicht kalkulierbar sind“), „was genau tust du da? Ist das nicht… gefährlich?“ Draco wagte es, dieses Wort etwas mehr zu betonen, für den Fall, dass Potter den Ernst der Lage noch nicht erkannt hatte.

„Ach nein“, entgegnete Potter, „das ist nur Micky.“

„Ach so“, sagte Draco (Verhaltensregeln für Auroren, Nummer 112, Absatz 2: „Diesen Personen ist stets zuzustimmen, da Widerspruch in ihren Augen in der Regel einem Affront gleichkommt.“)

„MICKY!“ Ein Brüllen klang durch die Nacht und mit raschen Schritten näherte sich ihnen jemand.

„Nimmt das denn kein Ende?“, stöhnte Pucey, der noch immer auf dem Boden lag und die Hände vor die Augen geschlagen hatte, als könne er sich dadurch beschützen.

„Marcus“, sagte Potter genervt und stand auf, sich die Hände an der Hose abklopfend.
In diesem Moment brach – Draco brauchte einen Moment, um ihn zu erkennen – Marcus Flint wie ein angreifender Troll durch die Hecke und Pucey schrie schon wieder – wenn er nicht so ein erbärmlicher Wicht im Rentier-Schlafanzug wäre, könnte Draco beinahe Mitleid haben.

„Da bist du ja, Micky!“, sagte er und fiel vor der Schlange auf die Knie.

Potter hatte unterdes die Arme verschränkt und blickte mit gerunzelter Stirn auf Flint hinab. „Möchtest du mir erklären, was das bedeutet?“, fragte er mit eisiger Stimme. Micky gab jaulende Geräusche von sich – die keine Schlange jemals hervorbringen können sollte – und Flint strich ihm beruhigend über den Kopf.

„Oh, Harry“, sagte er und tat so, als habe er Potter eben erst bemerkt. „Was machst du denn hier?“ Draco rollte mit den Augen – Flint mochte, physisch betrachtet, eine Naturgewalt sein (er war, wenn überhaupt möglich, noch breiter und muskulöser als Draco ihn in Erinnerung hatte), doch sein Schauspieltalent befand sich in einer Liga mit Longbottoms Fähigkeiten an einem Kessel.

„Du brauchst gar nicht erst zu versuchen, mich für dumm zu verkaufen“, sagte Potter. „Also, was machst du hier und was macht Micky hier?“

„Nun, er ist gestern Abend abgehauen und ich habe die ganze Nacht damit verbracht, ihn zu suchen –“

„Micky hat Angst im Dunklen“, entgegnete Potter. „Er würde niemals im Dunkeln abhauen, also hast du ihn hierher gebracht. Neuer Versuch, Marcus.“

„Was soll das bedeuten, du hast dieses Monster in meinen Garten gebracht?“, mischte Pucey sich lauthals ein.

Potter rollte mit den Augen. „Micky ist alles andere als ein Monster; er ist ein Riesenfeigling, hat sogar Angst vor Katzenbabys, nicht wahr, Micky?“ Er fügte ein langgezogenes, tiefes Zischen hinzu und es schien, als ob die Schlange nickte und Potter lachte. Das war unheimlich, entschied Draco für sich; doch Flint schien das anders zu sehen, denn er sah aus, als ob er Potter auf der Stelle vernaschen wollte.

„Was ist das überhaupt für ein Vieh?“, grummelte Pucey und erhob sich umständlich; blieb jedoch sicherheitshalber hinter Draco stehen.

„Eine Kreuzung aus einem Walisischen Grünling und einem Flubberwurm – frag nicht, wie das zustande gekommen ist, ich will es gar nicht wissen – und der aus irgendwelchen Gründen Parsel spricht – fragt auch nicht, ich denke, es ist, weil er wie eine Schlange aussieht – aber wie dem auch sei, er ist mein Haustier – Hagrid hat ihn mir vor einigen Jahren geschenkt – und Marcus sollte eigentlich auf ihn aufpassen, bis ich eine eigene Wohnung gefunden habe und ihn mit zu mir nehmen kann.“

Flint hatte zumindest den Anstand schuldbewusst dreinzublicken – ein wirklich seltsamer Ausdruck auf seinem Gesicht, fand Draco. „Wo wohnst du denn jetzt?“, fragte er in dem verzweifelten Versuch, seine Gedanken vom unwillkürlichen Ergründen des Paarungsablaufs zwischen einem Walisischen Grünling und einem Flubberwurm abzulenken.

„Bei Ron und Hermine“, entgegnete Potter abwesend. „Aber Micky hat Angst vor den Gnomen in ihrem Garten, bei ihnen kann er nicht bleiben.“ Als habe er das Gesagte verstanden, fiepte Micky schon wieder und Potter tätschelte seinen Kopf. „Keine Angst, hier gibt es keine Gnome. Oder, Pucey?“

„Nein“, grummelte dieser.

„Gut“, sagte Potter und wirbelte zu Flint herum. „Und wie genau bist du auf die brillante Idee gekommen, den armen Micky auszusetzen – nachts und in dieser eisigen Kälte? Hast du denn kein Gewissen?“ Micky jaulte und duckte sich angesichts des scharfen Tons, den Potter anschlug.

„Ich wusste, dass du Dienst hast und kommen würdest. Ich hatte gehofft, dich doch noch zu einem gemeinsamen Weihnachten zu überreden“, sagte Flint, der offensichtlich eingesehen hatte, dass weitere Ausreden zwecklos waren, trat auf Potter zu und wollte ihm den Arm um die Schultern legen, doch Potter wich mit einer schlangengleichen Bewegung aus.

„Ich habe dir gesagt, es ist vorbei“, sagte Potter düster.

„Willst du es nicht noch mal versuchen? Ich könnte…“ Er unterbrach sich und flüsterte etwas in Potters Ohr, das ihn zum Lachen brachte. Draco war unsicher, ob er wissen wollte, was Flint gesagt hatte – seine Neugier sagte ja, sein gesunder Menschenverstand sagte nein.

„Ich sehe, du hast dich kein bisschen verändert“, sagte Potter trocken.

Flint grinste und hob schon wieder den Arm – dieses Mal war er schneller und zog Potter mit einem Ruck zu sich heran.

Draco befand, dass dies der richtige Moment war, um den Beteiligten in Erinnerung zu rufen, dass er auch noch da war. „Chrm, chrm“, sagte er und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als Potter zusammenzuckte – es funktionierte also immer noch. In seinem fünften Jahr hatte er die Imitation von Umbridges Räuspern perfektioniert und nie war er müde geworden, lautlos hinter nichtsahnende Schüler zu treten – vorzugsweise Hufflepuffs, die waren am schreckhaftesten – sich zu räuspern und sich an ihrer sofort aufflammenden Panik zu weiden. Ach ja, das waren noch Zeiten gewesen.

„Es gibt da etwas, das du wissen solltest, Flint“, sagte er. Es war an der Zeit, Potter zu retten – Potter sollte ganz allein Dracos Amüsement dienen und nicht dem Flints.

„Ach ja?“, fragte Flint und auf einmal war er wieder da – der drohende Unterton, der zu Schulzeiten aus seiner Stimme kaum wegzudenken gewesen war und mit dem er schon gestandene Slytherin-Treiber zum Weinen gebracht hatte.

„P – Harry und ich sind seit einer Woche zusammen“, verkündete Draco. „Ich wäre dir also äußerst dankbar, wenn du deine Finger von seiner Hüfte entfernen könntest.“

Potter blickte ihn mit schreckgeweiteten Augen an, doch Flint schien ihm zu glauben. „Ach ja?“, knurrte er. „Was willst du denn mit diesem Weichei, Harry?“

Draco fühlte sich persönlich angegriffen. „Ich mag vieles sein, aber ganz sicher kein Weichei“, sagte er eisig.

Flint schnaubte. „Glaubst du, ich kann mich nicht mehr erinnern, wie du dich nach jedem Quidditchtraining beklagt hast, der Regen hätte deine Frisur ruiniert?“

„Nun, so war es auch“, sagte Draco irritiert. „Wenn du jetzt bitte deine Griffel von P – Harry nehmen würdest.“

„Harry würde sich niemals mit dir einlassen“, knurrte Flint. „Er ist Besseres gewohnt.“

„Also bitte“, sagte Draco in seinem hochmütigsten Tonfall, stolzierte zu Potter hinüber, legte seine Hände auf Potters Wangen und küsste ihn auf den Mund – und, entgegen aller Wahrscheinlichkeit, spielte Potter mit und küsste ihn zurück, öffnete die Lippen und dann war Potters Zunge in seinem Mund, seine Hände auf Dracos Schultern – von Potters Vehemenz überrascht, stolperte Draco einen Schritt zurück, konnte sich aber gerade noch so auf den Beinen halten.

Potter beendete den Kuss und Draco öffnete die Augen wieder – er hatte gar nicht bemerkt, dass er sie geschlossen hatte – um in Potters leuchtend grüne Augen zu blicken. Potter starrte ihn einige Sekunden lang an, dann räusperte er sich und trat einen Schritt zurück.

„Das willst du wirklich, Harry?“, fragte Flint, ein ungläubiger Unterton in seiner Stimme. „Du verlässt mich, und nimmst ihn?“

„So ist es“, sagte Potter nach einigen Sekunden des Zögerns. „Und Micky nehme ich auch mit – glaub ja nicht, dass ich ihn dir auch nur eine Sekunde länger überlassen werde. Wir gehen dann, Pucey“, fügte er an. „Eine Gefahr besteht ja nicht mehr. Wie weit geht denn der Anti-Apparier-Schild?“

„Noch zwanzig Meter in diese Richtung“, sagte Pucey etwas schwächlich und deutete nach links; doch als er sich Flint zuwandte, schien er um einige Zentimeter zu wachsen. „Was fällt dir ein, Flint, ein Monster in meinem Grundstück loszulassen?“

„Monster? Das ist ein halber Flubberwurm!“

„Und ein halber Drache!“, hielt Pucey dagegen und ging in Angriffsstellung. Potter bedeutete Draco stumm, ihm zu folgen, und gab Micky einen zischelnden Befehl, worauf dieser sich in Bewegung setzte. „Und das alles nur, weil du Potter an die Wäsche willst!“

Was Flint dem entgegenzusetzen hatte, hörte Draco nicht mehr, denn Potter hatte seine Hand ergriffen, die andere auf Mickys Kopf platziert und apparierte sie beide. Sie landeten vollkommen lautlos in der Ministeriumshalle – Potters Begabung für das Apparieren war umso beeindruckender, wenn man um seine Fähigkeiten bei der Benutzung von Flohpulver wusste.

Schweigend kehrten sie in ihren Raum zurück; Micky folgte ihnen wie ein Welpe, der zufällig wie eine fünf Meter lange Schlange aussah, und jaulte vor Panik, wann immer ein verirrtes Memo über seinen Kopf hinweg schwirrte.

Kaum waren sie da, beschwor Potter einen überdimensionierten, gepolsterten Korb herauf, in den Micky sich auch sogleich einrollte und von Potter mit gurrenden Lauten in den Schlaf gewiegt wurde. Draco beobachtete das Ganze mit hochgezogenen Augenbrauen und wartete, bis Potter wieder aufstand – natürlich nur, um sich in seinen Schreibtischstuhl zu fläzen und die Füße auf den Tisch zu legen. Bauer.

„Was willst du eigentlich mit dem Vieh?“, fragte Draco, halb aus Neugier, halb um dem unausweichlichen nächsten Gesprächsthema zumindest noch für ein paar Minuten aus dem Weg zu gehen.

Potter zuckte mit den Schultern. „Er ist mir ans Herz gewachsen“, gab er zu. „Außerdem kann er sehr nützlich sein. Immer wenn er sich in unserem Garten gesonnt hat, hatten die Reporter es alle auf einmal sehr eilig, weit weg zu kommen. Hättest du etwas dagegen, ihn bei dir aufzunehmen, bis ich eine Wohnung gefunden habe?“

Draco warf Micky, der friedlich und nichtsahnend in seinem Korb schlief, einen skeptischen Blick zu. Bei jedem Schnarcher stiegen kleine Rauchwolken aus seinen Nüstern auf. „Wir werden sehen“, sagte er, doch er musste zugeben, in seinem Korb und leise schnarchend war er schon beinahe niedlich.

„Ach ja, danke“, sagte Potter noch und starrte ihn schon wieder mit seinen leuchtend grünen Augen an, was Draco unruhig werden ließ.

„Danke wofür?“

Potter rollte mit den Augen. „Den Kuss, du Holzkopf.“

„Ach ja“, sagte Draco und tat für einen Moment so, als ob er das vollkommen vergessen hätte – hatte er natürlich nicht. „War gar nicht mal so schrecklich wie ich befürchtet hatte.“

„War das ein Kompliment?“, fragte Potter grinsend und zog die Augenbrauen hoch.

„Vielleicht“, sagte Draco und hob ebenfalls die Augenbrauen – natürlich wesentlich eleganter als Draco, denn das elegante Heben der Augenbrauen lag Malfoys in den Genen.

„Hmh“, sagte Potter und klopfte mit den Fingern einen unbestimmten Rhythmus auf den Tisch.

Liebe Güte, Draco hatte schon seit Ewigkeiten niemanden mehr aufgerissen – und schon gar niemanden, der Potter auch nur im Entferntesten ähnlich war – aber selbstverständlich war er nicht aus der Übung, das würde einem Malfoy niemals passieren. „Also“, sagte er gedehnt, „wenn du wissen willst, ob es wirklich nicht so schrecklich war, werden wir das Ganze wohl oder übel wiederholen müssen.“

xXx

Als Kingsley Shacklebolt an diesem Abend vor dem Bereitschaftszimmer der Auroren stand, atmete er mehrere Male tief durch. Er hatte bereits mehrere Stunden damit verbracht, sich für diesen Moment zu stählen – und er glaubte, dass nichts ihn schocken konnte. Er war auf Schlachtszenen vorbereitet, auf Blutlachen auf dem Boden und auf zerstörtes Mobiliar; in einer seiner Meditation hatte er sich sogar auf ein brennendes Ministerium vorbereitet. Doch zumindest der Gang vor dem Wachraum wies keinerlei Schäden auf, was zumindest schon mal nicht auf eine Apokalypse hindeutete.

Er atmete erneut tief durch und überprüfte den Sitz seines Helms, für den Fall, dass er von umherfliegendem Mobiliar getroffen werden sollte; dann öffnete er die Tür zum Eingang der Hölle.

Keine seiner Meditationen hatte ihn auf das vorbereitet.

In einer Ecke des Zimmers hatte es sich eine gigantische Schlange mit sehr vielen Zähnen in einem Korb gemütlich gemacht und fraß sich offensichtlich systematisch durch einen großen Aktenstapel mit vielen kleinen gelben Post-Its.

In der anderen Ecke des Zimmers, auf dem Feldbett, lagen Potter und Malfoy, beide unverletzt, splitterfasernackt und offensichtlich tief schlafend.

Das setzte der Potter-Malfoy-Situation die Krone auf.

Kingsley Shacklebolt atmete erneut tief durch. „POTTER! MALFOY! EINE MILLION STRAFPUNKTE FÜR JEDEN VON IHNEN!“

xXx

A/N: Merry Christmas! :)
Benutzeravatar
Alraune
Forum Admin
Forum Admin
Beiträge: 193
Registriert: 08.2010
Geschlecht: weiblich

Re: Das doch nicht schlimmste Weihnachten aller Zeiten - für Ria

Beitragvon Ria » 25. Dez 2014, 12:52

Awww! Vielen Dank, meine Süße! :knuff: So eine süße Geschichte, hatte ich bei meinen Vorgaben tatsächlich nicht erwartet, aber ich bin sehr froh, dass es süß und lustig und nicht dramatisch geworden ist :herz:

Und Draco, der in der Schule nichts mitbekommen hat und dann hinterher Harry rettet, ist einfach zu goldig XD Ebenso Micky, bei dem ich mich auch direkt gefragt habe, wie der wohl gezeugt worden ist :haha: Shacklebolt ist auch schön geschlagen mit den beiden, die wohl Weihnachten jetzt immer Dienst schieben dürfen, bei den vielen Strafpunkten XD

Vielen Dank noch mal für diese sehr herzerwärmende Geschichte! Sie gefällt mir sehr :herz:
Benutzeravatar
Ria
Forum Admin
Forum Admin
Beiträge: 6624
Registriert: 08.2010
Geschlecht: weiblich

Re: Das doch nicht schlimmste Weihnachten aller Zeiten - für Ria

Beitragvon chaotizitaet » 25. Dez 2014, 23:22

Ich liebe Micky! Der ist süß!

Wirklich eine sehr schöne Geschichte. Und allein die Idee, dass Flint Micky beim Pucey aussetzt, um Harry zu einem Date zu überreden... Herrlich :D
Benutzeravatar
chaotizitaet
Buchstabensortierer
Buchstabensortierer
Beiträge: 57
Registriert: 10.2010
Geschlecht: nicht angegeben

Re: Das doch nicht schlimmste Weihnachten aller Zeiten - für Ria

Beitragvon abranka » 27. Dez 2014, 13:30

Herrlich!

Micky dürfte eine der genialsten Fan-Erfindungen für das HP-Universum überhaupt sein. :D

Und das Ende ist einfach nur grandios. *g* Armer Kingsley. ;)
Benutzeravatar
abranka
Büchereitaschenträger
Büchereitaschenträger||
Beiträge: 561
Registriert: 09.2010
Wohnort: Ruhrpott
Geschlecht: weiblich

Re: Das doch nicht schlimmste Weihnachten aller Zeiten - für Ria

Beitragvon Alraune » 27. Dez 2014, 15:20

Vielen Dank für eure Reviews, ihr Lieben! :knuff:
Freut mich sehr, dass euch meine kleine Story gefallen hat :)
Benutzeravatar
Alraune
Forum Admin
Forum Admin
Beiträge: 193
Registriert: 08.2010
Geschlecht: weiblich


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron