Lost & Found ~ für Alraune

Lost & Found ~ für Alraune

Beitragvon abranka » 24. Dez 2012, 10:06

Liebe Alraune,

ich wünsche dir fröhliche Weihnachten und ich hoffe, du magst deine Wichtelgeschichte. :)


Fandom: Harry Potter
Pairing: Pansy/Luna
Rating: bis P-18
Genre: Humor/Drama (je nach dem, wie es ausfällt... gerne auch beides zusammen^^) (ich fürchte, beides ist ein klein wenig zu kurz gekommen ^^°)
Wünsche: Pansy und Luna arbeiten beide im Ministerium in verschiedenen Abteilungen; aus irgendwelchen Gründen jedoch (ich lasse euch da freie Hand^^), müssen die zwei zusammenarbeiten und am Anfang gibt es natürlich jede Menge Probleme, weil die zwei nicht miteinander klar kommen... das ändert sich jedoch, als eine von beiden verletzt wird... Nebenpairings wie Harry/Draco sind ebenfalls gerne gesehen, ebenso wie Lemon/Lime ;) (Ich hoffe, du verzeihst mir, dass ich bei meiner ersten Femslash-FF nicht direkt in die Vollen gegangen bin. ^^°)
Auf keinen Fall erwünscht: zu viel Fluff/Kitsch

Lost & Found

I. Der Anfang

Es gab wenige Dinge, die Pansy Parkinson so gerne mochte wie ihren Job. Das lag wahrscheinlich daran, dass sie in wenigen Dingen wirklich gut war. Sicher, sie hätte nie gedacht, dass ausgerechnet sie einmal im Ministerium für Zauberei arbeiten würde, aber da sie hier ihre Fähigkeiten voll einsetzen konnte – warum nicht? Und wenn es eins gab, worin sie wirklich gut war, so waren es Vergessenszauber. Es verwunderte daher wenig, dass sie zu den effektivsten und besten Mitarbeitern der Vergissmich-Zentrale gehörte.
„Marshall, nimm deine ekelhaften Leberwurstbrote weg!“, schimpfte sie lautstark, als sie von ihrem Einsatz zurückkam – Besensichtung über Castle Combe; ein paar halbstarke Zauberer waren übermütig geworden – und das gemeinsame Büro betrat.
„Leck mich, Parkinson.“ Marshall Furths zog die Nase hoch und packte seine Frühstücksbrote wieder weg. Er war fünfzehn Jahre älter als Pansy und im gleichen Maße wie sein Bauchansatz größer wurde, zog sich sein Haaransatz weiter zurück.
„Niemals freiwillig, Furths“, gab Pansy zurück und warf ihm eine Kusshand zu.
Marshall verzog das Gesicht zu einem schiefen Grinsen.
Pansy ließ sich auf den Stuhl hinter ihrem Schreibtisch fallen und betrachtete die Frühstücksbox darauf. „Was gibt‘s heute?“
„Radieschen, Gurkenschnitze, Karottenscheiben und irgendeinen komischen Dip“, murmelte ihr Büropartner.
„Lecker.“ Pansy lächelte zufrieden.
Marshall und sie hatten vor rund zwei Jahren einen Deal geschlossen: Da Marshalls Frau – eine Muggel – ihm seine heißgeliebten Leberwurstbrote für die Frühstückspause aus gesundheitlichen Gründen verboten hatte, Marshall das ganze gesunde Zeug, das sie ihm stattdessen immer einpackte, nicht ausstehen konnte, Pansy es aber liebte, machte ihm Pansy morgens seine Leberwurstbrote und auf der Arbeit tauschten sie Brote gegen Überraschungsbox. Beide waren damit zufrieden und Marshalls Frau Liz war ihren bisher noch nicht auf die Schliche gekommen.
Allerdings hieß das noch lange nicht, dass Pansy den Geruch dieser Butterbrote in ihrem Büro akzeptabel fand. Da sie jedoch in der Regel diejenige von ihnen beiden war, die als erstes auf die Außentermine gerufen wurde, hatte Marshall meist genügend Zeit, um sein Frühstück zu verdrücken, ehe sie wieder zurückkam.
„Alles glatt gegangen?“, erkundigte er sich, während Pansy das erste Stück Gurke in den sauren Dip tauchte und daran knabbert.
„Mhm. Alles reine Routine. Ich hoffe, diese dummen Kiddies bekommen so richtig schön Ärger.“ Sie zog die Nase kraus.
„Vermutlich.“ Marshall blickte seine Kollegin über den Rand seiner Teetasse an. Er trank zwar viel lieber Kaffee, aber beim Teilen ihres heißgeliebten Kaffees war Pansy recht geizig. Und Liz erlaubte ihm nur morgens eine Tasse. „Hey, Pansy, du bist noch nicht so alt, dass du vergessen haben solltest, wie es ist, jung zu sein.“
„Jung und dumm.“ Pansy schnaubte. Wenn sie daran dachte, wie dämlich sie sich oft in ihrer Schulzeit verhalten und wie wenig sie damals begriffen hatte, wurde ihr schlecht. Noch immer brannte in ihr die Demütigung ihrer eigenen Dämlichkeit, als sie es geschafft hatte, dass wegen ihr sämtliche Slytherinschüler von der Schlacht um Hogwarts ausgeschlossen worden waren. Im Nachhinein hätte sie den Kampf gegen diese elenden Todesser liebendgerne aufgenommen. Insbesondere seit sie wusste, was sie damals nicht gewusst hatte: Wie viel Leid durch die Todesser verursacht worden war – auch ihr persönliches Leid und der Zerfall ihrer Familie.
Sie versank in dumpfes Brüten.
Eine Kugel zusammengeknülltes Pergament traf sie nach fünf Minuten am Kopf.
„He!“ Ihre braunen Augen funkelten Marshall zornig an.
„Hör auf über das Gestern zu brüten und denk an das Hier und Jetzt. Du musst noch deinen Bericht schreiben.“
Pansys Blick hätte töten können, doch sie griff kommentarlos nach Feder und Pergament. Sie wusste, dass man sie manchmal wieder in die Gegenwart zurückholen musste und sie war dankbar, wenn Marshall das jedes Mal tat, ohne groß ein Wort darüber zu verlieren.
Wenn sie genau überlegte, gehörte er zu den wenigen Menschen, die ihr von Anfang eine Chance gegeben hatten. Er kannte sie nicht aus der Schulzeit wie so viele von den jüngeren Mitarbeitern hier. Er hatte sie hier erst kennengelernt, als sie so manches begriffen hatte und in vielerlei Hinsicht ein anderer Mensch geworden war.
Die Therapie, nachdem sie erfahren hatte, dass ihre Eltern Todesser gewesen waren – wenngleich sie nicht zum innersten Kreis um Voldemort gehört hatten – und viele Menschen getötet und verletzt hatten, hatte das ihrige dazu beigetragen. Genauso wie die Tatsache, dass ihre Eltern bei der Schlacht in Hogwarts beteiligt gewesen waren und sich offenbar recht wenig Gedanken darum gemacht hatten, dass sich ihre Tochter ebenfalls in diesen Mauern befand und durch einen reinen Kollateralschaden hätte verletzt werden oder ums Leben kommen können.

Eine halbe Stunde später flatterte ein Memo durch die offene Tür. Marshall fing es routiniert ab.
„Oh, oh.“
„Was denn?“ Pansy schaute auf. Sie hatte erst wenige Zeilen über ihren Einsatz zu Pergament gebracht und versuchte immer noch Wege zu finden, die Schimpfworte und wenig freundlichen Adjektive, die ihr in den Sinn kamen, durch etwas Harmloseres zu ersetzen.
„In fünfzehn Minuten Einsatzbesprechung mit den Tierwesen.“ Tierwesen war die üblicherweise genutzte Abkürzung für die Kollegen der Tierwesenbehörde.
„Oha. Ist das nicht Loreenas Job?“ Sie runzelte die Stirn. Loreena McKenzie riss sich üblicherweise immer um alle Einsätze, die im Zusammenhang mit Tierwesen aller Art standen.
„Arbeitsunfall. Es gab beim letzten Mal einen Zwischenfall mit einer Harronatter. Irgendein Muggel hat sie mit einer Anakonda verwechselt...“
„Autsch.“ Pansy verzog das Gesicht. Harronattern waren äußerst giftige Riesenschlangen, die der dagegen weitaus harmloseren Würgeschlange Anakonda äußerlich sehr ähnlich sah. Einige Heiler hielten Harronattern, um aus dem Gift wiederum ein wirksames Mittel gegen Drachenpocken zu erzeugen. Und manchmal kam es eben vor, dass so ein Tier ausbrechen konnte und einem Muggel über den Weg kroch...
„Genau. Und jetzt muss halt jemand Loreenas Job übernehmen...“
„Yeah.“ Pansy ließ die Feder endgültig fallen. „Um was wetten wir, dass Arnie mir das anhängt?“
Marshall lachte. „Dagegen wette ich nicht – und Arnie gibt dir solche Zusatzaufgaben sowieso nur, weil er weiß, dass du das alles hinkriegst.“
„Ja, ja, ja...“ Sie rollte mit den Augen.
Arnold Peasegood, Leiter der Vergissmich-Zentrale, hielt zwar offenkundig große Stücke auf Pansy, aber oft wäre es ihr lieber gewesen, wenn er nicht diese Ansprüche an sie gehabt hätte. Sie fand es weitaus angenehmer, einfach nur in Ruhe ihren Job zu machen.
„Denk positiv, Parkinson.“ Marshall schenkte ihr ein breites Lächeln. Als Antwort bekam er Pansys Tintenfass an den Kopf.

II. Das Meeting

Abwartend hatte sich Pansy auf ihrem Stuhl zurückgelehnt. Das Besprechungszimmer roch wie immer nach gekochtem Kohl. Irgendwer musste sich hier mit einem äußerst hartnäckigen Geruchszauber einmal einen schlechten Scherz erlaubt haben. Leider war es bisher noch niemandem gelungen, diesen wieder aufzuheben.
Marshall hatte sich neben ihr niedergelassen und blätterte in einem Muggelroman. Sie waren zu früh dran, aber Pansy fand, es machte bei solchen Besprechungen immer Eindruck, wenn man bereits da war, wenn die Kollegen aus der anderen Abteilung ankamen. Marshall war das ziemlich egal. Er ließ sich einfach von Pansy mitziehen.
Peasegood betrat den Raum und ihm dicht auf die Fersen folgten zwei Tierwesen-Mitarbeiter. Der erste stellte sich als David Smith vor, die zweite war Pansy durchaus bekannt. Es handelte sich um niemand Geringeres als Luna Lovegood.
Pansy musterte sie aufmerksam. Luna hatte sich seit ihrer gemeinsamen Schulzeit nicht besonders verändert. Ihre langen blonden Locken fielen ihr noch immer auf den Rücken, ihr Blick hatte etwas seltsam Verträumtes und ihr bunter Pullover passte überhaupt nicht zu ihrer gemusterten Hose.
Sie ließ sich Pansy gegenüber nieder und blickte ihr kurz in die Augen.
Darin lag unübersehbares Wiedererkennen und sie neigte leicht den Kopf zur Begrüßung.
„Nun, da wir jetzt alle beisammen sind, schlage ich vor, dass Sie beginnen, Miss Lovegood“, sagte Peasegood und nickte Luna zu.
„Nun, da wir die Saison der großen Wanderungen bereits hinter uns haben, ist hier mit keinem Kontakt zu rechnen. Die November-Brunft der Schimmerflügel ist auch schon vorbei, was eigentlich schade ist. Sie an einem Herbstabend durch die Dunkelheit fliegen zu sehen, ist sehr eindrucksvoll.“ Luna lächelte verträumt, ehe sie fortfuhr: „Die Drachen ziehen sich jetzt in ihre Winterquartiere zurück und werden nur noch auffällig, wenn sie Hunger haben. Da ist mit wenig Aktivität zu rechnen. Auch wenn die Schwarzen Herbriden gerade noch Nahrung für die Wintermonate sammeln. Der eine oder andere fliegende Wal oder eine verschwundene Kuh ist wahrscheinlich. Es sieht übrigens sehr eindrucksvoll aus, wenn ein kleiner Wal oder Delphin von einem Schwarzen Herbriden in den Klauen getragen wird.“
Sie sprach noch weiter über mögliche Zwischenfälle, die im gerade begonnenen Dezember eintreffen konnten, und Pansy fiel ein wenig überrascht auf, dass sie nicht die ganze Zeit über verträumt wirkte. Im Gegenteil: Es waren eher kurze Momente der Verträumtheit, die sich aneinanderreihten und von Augenblicken von sehr scharfem Verstand unterbrochen wurden. Die Frau hatte sicher etwas auf dem Kasten. Außerdem fixierte sie Pansy zwischenzeitlich mit einem derart entschlossenen Blick, dass dieser ganz anders wurde.
Frauen, die wussten, was sie wollten, besaßen für Pansy einen besonderen Reiz. Sie rutschte unwillkürlich auf die Stuhlkante vor und ertappte sich dabei, wie sie Luna anstarrte.
Bei Merlin, das hier war Loonie Lovegood. Miss Durchgeknallt höchstpersönlich. Pansy hatte dieses Mädchen in der Schule mit ihren Freundinnen gemobbt, ihre Sachen versteckt und sie nach allen Möglichkeiten fertiggemacht. Wie konnte sie sie da auf einmal interessant finden? Und vor allem: Luna hatte sich doch kaum verändert. Immer noch die unmöglichen Klamotten, das spleenige Auftreten...
„Wir haben aktuell eine Dodo-Sichtung im Londoner Zoo“, sagte Smith in diesem Augenblick.
„Und? Die können sich doch unsichtbar machen.“ Pansy hob die Schultern. „Sollte doch kein Problem darstellen.“
„In diesem Fall schon.“ Smith verdrehte die Augen ob ihrer Begriffsstutzigkeit. „Dodos kommen in unseren Breiten nicht vor, also muss es ein entwischtes Haustier sein. Das ist zwar noch nicht ganz legalisiert, aber seit sich ihr Bestand in der freien Wildbahn wieder stabilisiert hat, ist das zumindest eine Grauzone.“
„Komm zum Punkt“, knurrte Pansy. Sie mochte Smith nicht. Er behandelte sie von oben herab und das gefiel ihr gar nicht.
„Zahme Dodos machen sich vor Menschen nicht unbedingt unsichtbar“, warf Luna ein und glättete damit die Wogen zwischen ihnen, ehe sich der unterschwellige Konflikt hochschaukeln konnte. „Sie sind an Menschen gewöhnt und haben gelernt, dass sie von ihnen Futter bekommen. Es gibt also für sie keinen Grund für ihre natürliche Schutzreaktion. Das bedeutet, dass Muggel ihn sehr wahrscheinlich sehen werden.“
„Und das ist nicht gut, schon klar.“ Pansy funkelte sie an.
„Außerdem hat er keine großen Überlebenschancen in London im Winter. Es ist nicht nur unsere Pflicht, die Muggel vor unseren magischen Tierwesen zu schützen, sondern auch für die Tierwesen zu sorgen.“ Luna erwiderte Pansys Blick ungerührt.
„Nun, Miss Lovegood, am besten werden Sie Miss Parkinson das bei einer gemeinsamen Rettung dieses Dodos beibringen.“ Peacegoods Worte duldeten keinen Widerstand.
Luna schenkte Pansy ein freundliches Lächeln, während diese ihren Chef nur dumpf anstarrte. Wenn sie sich nicht vollkommen irrte, unterdrückte Peacegood gerade ein Grinsen.

III. Der Dodo

Es war dunkel, als sie in den Londoner Zoo apparierten.
Pansy hielt es für eine reichlich bescheuerte Idee, ausgerechnet im Dunkeln nach einem Vogel zu suchen, der sich unsichtbar machen konnten, aber sowohl Loonie Lovegood als auch Peacegood hatten sie ignoriert. Hier zählte ihre Erfahrung offenbar nichts mehr.
Sie war hochgradig frustriert. Und wie immer, wenn sie frustriert war, wurde sie zickig.
„Toll, Löwen“, knurrte sie ungehalten und fixierte Luna unnachgiebig.
„Eindrucksvoll, nicht wahr?“ Luna warf den Großkatzen einen liebevollen Blick zu, ehe sie weiterging.
„Und woher weißt du jetzt, wo es hingeht?“, bohrte Pansy nach.
„Oh, ich folge meiner Nase.“ Luna lächelte sie freundlich an. „Das ist meist der beste Weg. Musst du auch mal ausprobieren.“
„Du hast ja nen Knall.“ Pansy verschränkte die Arme vor der Brust, doch nachdem sie kurz ins Stolpern kam, löste sie diese Haltung gleich wieder auf. Das wäre ja noch besser, wenn sie sich hier wortwörtlich auf die Nase legte.
Missmutig trottete Pansy der anderen Hexe hinterher. Sie kam nicht umhin zu bemerken, dass Lunas geistigumnachtete Zielstrebigkeit eine seltsame Stärke ausstrahlte - und starke Frauen wiederum waren ihre persönliche Schwachstelle. Sie fand starke Frauen äußerst anziehend, auch wenn sie in diesen Beziehungen immer wieder scheiterte. Vielleicht, weil sie selbst nicht stark war. Jedenfalls nicht so stark, wie sie es gerne hätte.
Bei den Emus hielt Luna inne.
„Was ist?“
„Schau.“ Luna deutete auf die dunkle Wiese hinaus. Die Emus waren in ihrem Unterstand. Pansy fragte sich, ob diese Tiere hier überhaupt frei entscheiden konnten, ob sie draußen oder drinnen sein wollten. Die Muggel kamen ihr grausam vor.
„Ich sehe nichts.“
„Na, da.“ Luna fasste ihr Kinn sanft mit der Hand und richtete so Pansys Blick auf den tolpatschigen Schatten, der über die Wiese taperte. Ein Schauer rann Pansy über den Rücken, den sie gekonnt zu ignorieren suchte.
„Unser Dodo?“
„Sieht ganz so.“ Luna grinste sie aus nächster Nähe an.
„Dann schnapp ihn dir mal, Loonie“, sagte Pansy betont cool und ging auf Abstand. „Ich bin schließlich nur hier, um alle Welt vergessen zu lassen, dass wir jemals hier waren.“ Sie stützte die Arme auf das Geländer und signalisierte äußerst deutlich, dass sie keinen Finger rühren würde.
Luna schaute sie kopfschüttelnd an. „Mensch, für grausam hätte ich dich nicht gehalten. Der arme Kerl erfriert da draußen wahrscheinlich noch.“
„Nun, du bist ja hier, um da zu verhindern“, entgegnete Pansy hochnäsig.
Luna verdrehte die Augen und kletterte dann behände über die Absperrung.
Selbst das konnte sie mit einer seltsam schrägen Anmut. Pansy schluckte trocken. Sie mochte diese Frau nicht – zu spleenig, zu durchgeknallt, zu abgehoben, zu freundlich-nett, zu viel von allem. Sie mochte sie absolut nicht. Trotzig zog sie die Schultern hoch und schaute zu, wie Luna über die buckelige Wiese stolperte und der tolpatschige Schatten vor ihr immer wieder verschwand, nur um einige Meter weiter entfernt wieder aufzutauchen.
„Jetzt hilf mir doch!“, rief sie schließlich rüber.
„Keine Chance!“, gab Pansy zurück und grinste breit. Es war viel zu lustig, zuzusehen, wie Luna von rechts nach links und wieder zurückeilte und der kleine Vogel mit ihr machte, was er wollte.
„Pansy, bitte!“
„Neihein!“
„Pansy!“
„Wer hat dir überhaupt erlaubt, meinen Vornamen zu benutzen?“ Sie schüttelte den Kopf und stützte das Kinn in die Hände.
Eine Stunde später wurde ihrer Anwesenheit zumindest ein kurzer Sinn gegeben, indem sie den Nachtwächter verhexte, sodass er sie und die noch immer im Emu-Gehege herumlaufende Luna vergaß.
Dann hatte sie die Nase voll. Ihr war kalt, sie war müde und sie wollte nach Hause. Sie verpasste dem kleinen vogelförmigen Schatten grob einen Schockzauber.
„Hey!“ Völlig entsetzt und empört schnappte sich Luna das kleine Bündel Vogel und eilte zum Zaun. „Hast du sie noch alle? Du hast ihn vielleicht umgebracht!“
„Ich habe keine Lust hier festzufrieren“, gab Pansy kühl zurück. „Können wir endlich gehen?“
„Ja...“ Luna seufzte und stopfte den Vogel unter ihren Umhang. „Lös aber bitte noch den Zauber.“
Nach einem kurzen Augenrollen kam Pansy der Bitte nach. Der Dodo zappelte kurz und schmiegte sich dann an Lunas warmen Körper. Es schien, als wenn er begriff, dass ihm diese Frau nichts Böses wollte.
„Du bist unsensibel“, sagte Luna trocken.
„Und das kannst du beurteilen?“ Pansy schnaubte.
Luna sagte nichts weiter, sondern deutete nur mit dem Kinn auf den Vogel unter ihrem Umhang.
„Das bedeutet gar nichts!“
„Aber sicher.“ Ein wissendes Lächeln glitt über Lunas Gesicht.
„Was ist das jetzt? Rache für die Schulzeit?“ Pansy stemmte die Hände in die Hüften. Am besten sie klärten das hier und jetzt. Sie hatte keine Lust darauf, sich mit diesen Mist gedanklich mit nach Hause zu nehmen. Das war es einfach nicht wert.
„Wieso?“ Verwirrt blinzelte sie Luna an und ihre blauen Augen besaßen auf einmal einen kuhäugig-naiven Ausdruck.
„Meine Freundinnen und ich haben dich doch gemobbt ohne Ende. Deine Sachen versteckt, dich lächerlich gemacht...“
„Ach...“ Luna winkte ab und sorgte dafür, dass Pansy vor Verblüffung der Mund offen stand. „Als wenn ihr die einzigen gewesen währt. Die Mädchen aus meinem Haus waren schlimmer.“
„Aus deinem Haus?“ Pansy entfuhr ein Laut des Entsetzens. Wenn es etwas gab, auf das sie sich in Hogwarts hatte verlassen können, dann war das ihr Haus gewesen. Die Slytherins hatten immer zueinander gestanden und nach außen hin eine geschlossene Front gebildeten. Sie hatten immer nur einander gehabt – und in absoluter Loyalität zueinander gestanden. Selbst als ihre Beziehung mit Millicent aufgeflogen war, hatte niemand über sie getratscht oder sie verraten. Ja, sie war sich sicher, dass dieses Geheimnis vollkommen in Slytherin geblieben war und kein einziger Schüler außerhalb des Hauses je davon erfahren hatte.
„Wie konnten sie nur!“
„Ach.“ Luna hob die Schultern. „Sie haben es nicht böse gemeint. Sie konnten nur nichts mit mir anfangen. So wie du.“ Sie lächelte noch immer, doch dieses Mal wirkte das Lächeln ein bisschen traurig.
„Du hast ja auch nen Knall.“ Pansy seufzte tief und schüttelte den Kopf.
„Na und? Du doch garantiert auch.“ Der Dodo unter ihrem Umhang schnatterte kurz und schien Lunas Worte bekräftigen zu wollen. Pansy verdrehte nur die Augen und sagte nichts weiter. Denn die einzigen Dinge, die zu sagen gewesen wären, wären eine Entschuldigung oder weitere Gemeinheiten gewesen. Und für beides war sie einfach zu müde.

IV. Der Kelpie

„Pans, Job für dich!“, rief Marshall auf seine unnacharmlichen Art, als Pansy mit schlammigen Stiefeln und abgrundtief schlechter Laune ihr gemeinsames Büro betrat.
„Was denn jetzt schon wieder?“ Seit der Dodo-Jagd im Zoo hatte sie mehr Zeit mit Luna verbringen müssen, als ihr lieb war. So langsam war sie sich sicher, dass sie ihr diese Frau früher oder später den Verstand rauben würde. Sie war sich nur noch nicht sicher, auf welche Weise.
Sie hatte Peacegood schon mehrfach darum gebeten, dass er doch jemand anderes mit Lovegood auf Tour schicken sollte, aber er bestand darauf, dass sie den Job am besten machte.
Und heute hatte sie endlich einmal etwas anderes machen dürfen: Gedächtnislöschung bei einem Haufen Muggel in einem Elektrofachgeschäft, in dem ein verhexter Toaster aufgetaucht war und alle Anwesenden mit einem schier endlosen Vorrat an frisch getoastetem Brot beschossen hatte. Das war tolle Abwechslung gewesen.
„Kelpie-Sichtung in der Quelle der Aire bei Malham.“
„Lovegood?“, fragte Pansy nach einem tiefen Seufzer.
„Wer sonst?“
„Könntest du mich bitte auf eine schmerzfreie Art und Weise umbringen? Das wäre mir lieber.“
Marshall hob den Zauberstab und meinte dann: „Nee... Auf die Unverzeihlichen reagieren die immer so heftig. Langsam und grausam könnte ich dagegen.“ Er hob entschuldigend die Schultern und grinste dabei.
Pansy funkelte ihn an und drehte sich auf dem Absatz um. Ihren Umhang hatte sie gar nicht erst getrocknet, sondern behielt ihn so triefnass, wie er war, an. Wenn sie es mit einem Kelpie zu tun hatten, würde sie eh aller Wahrscheinlichkeit nach wieder nass werden.

Nachdem sie Luna abgeholt hatte, apparierten sie nach Malham. Sie kamen in der Nähe der Quelle an.
„Das Wasser ist doch gar nicht tief genug, um jemanden zu ertränken“, stellte Pansy trocken fest, als sie das klare Wasser betrachtete.
„Oh, das heißt gar nichts. Kelpies können jemanden bis ins tiefe Wasser schleppen. Und die Aire ist immerhin 71 Meilen lang. Viel Wasser.“
„Ja, ja, und irgendwann am Ende des Flusses liegt das Meer.“ Pansy rollte mit den Augen.
Luna bedachte sie mit einem langen Blick, ehe sie sich auf das Wasser konzentrierte.
„Versteck dich. Ich kümmere mich darum.“
„Na, das hoffe ich.“ Pansy zog sich ins Gebüsch zurück und benutzte einen Warmhaltezauber um zu verhindern, dass sie in der widerlich nasskalten Luft fror. Umso besser, wenn Luna sich um das Drecksvieh kümmerte. Dann war das nicht ihr Problem. Sie zog fröstelnd die Schultern hoch.
Wie war das? In zwei Wochen sollte Weihnachten sein? Davon war bisher ja wirklich nichts zu merken. Alles war nass und trist und grau. Von Schnee keine Spur und wenn sie sich nicht irrte, versprachen die Wetteraussichten zumindest für den Großraum London dieses Jahr auch keinen Schnee. Nicht, dass das eine Rolle spielte. Sie wusste ja eh nicht, mit wem sie groß hätte feiern sollen. Ihre Eltern saßen – völlig zurecht – beide in Askaban. Die Freundinnen aus der Schulzeit hatten sich in alle Himmelsrichtungen zerstreut und würden erst zu Silvester wieder zusammenkommen. Eine feste Freundin, mit der sie das Fest verbringen könnte, hatte sie auch nicht. Was spielte Weihnachten unter diesen Umständen dann schon für eine Rolle? Sie würde allein sein. Einsam und allein. Da war es vermutlich besser, wenn sie sich freiwillig für den Notfalldienst meldete. Dann hatte sie immerhin etwas zu tun und konnte im Büro herumhängen, anstatt zu Hause trübe Gedanken zu hegen.
Ein lauter Schrei riss sie aus ihren trüben Gedanken.
Pansy sprang auf. Verdammt, warum hatte sie nicht aufgepasst?
Ein gewaltiges grünbemodertes Pferd hatte sich aus der Quelle erhoben. Luna lag neben ihm im Wasser und gerade packte es sie mit gelben, äußerst scharfen Zähnen am Knöchel.
„Hey!“ Pansy schrie so laut sie konnte.
Hässlich funkelnde Augen fixierten sie kurz, ehe der Kelpie weiter an seiner Beute zerrte.
Luna schien bewusstlos zu sein; sie rührte sich nicht und leistete keinen Widerstand.
Verdammt!
Wie ging man mit diesem Vieh noch mal am besten um? Platzierungszauber! Halfter!
Hektisch hob Pansy den Zauberstab und sprach den notwendigen Zauber.
Daneben oder zu schwach!
Der Kelpie zerrte Luna weiter. Ihr Gesicht lag jetzt schon unter Wasser und das Wesen wurde schneller.
„Oh nein! Sie gehört mir!“, fauchte Pansy zornig und jagte dem Kelpie einen weiteren Platzierungszauber entgegen, der wieder seine Wirkung verfehlte.
Verzweiflung machte sich in ihr breit. Dann tat sie das, was sie am besten konnte: Sie verpasste dem Kelpie einen Vergessenszauber, der sich gewaschen hatte.
Das Pferd ließ von seiner Beute ab. Sein Gesichtsausdruck war hochgradig verwirrt, als es in den sanften Wogen des Baches wieder verschwand.
Pansy eilte zu Luna, plantschte durch das Wasser, fiel auf die Knie und hob ihren Kopf an. Ihr Atem ging schwach. Blut lief aus einer Platzwunde an ihrer Schläfe und aus der Bisswunde an ihrem Knöchel. Wenn sich Pansy nicht irrte, war das Weiße, was sie da sehen konnte der Knochen. Sie schauderte.
Sanft presste sie Luna an sich. „Alles wird gut...“, murmelte sie beschwörend, ehe sie direkt nach St. Mungos apparierte.
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Re: Lost & Found ~ für Alraune

Beitragvon abranka » 24. Dez 2012, 10:07

V. Das Krankenhaus

„Gut, dass Sie direkt hierher gekommen sind“, erklärte die Medihexe, die sich zwei Stunden lang um Luna gekümmert hatte. „Kelpiebisse sind zwar nicht giftig, aber sie können sich sehr schnell infizieren.“
„Wie geht es ihr?“
„Dem Umständen entsprechend gut. Wir behalten sie noch ein, zwei Tage zur Beobachtung hier, aber dann wird sie wieder nach Hause gehen können. Sie können gerne zu ihr.“ Die Medihexe lächelte. „Sie hatte Glück, dass Sie dabei waren.“
Pansy schnaubte leise, während sie der Heilerin nachsah, wie sie davonging. Sie wusste nicht, ob sie überhaupt mit Luna sprechen wollte. Sie fühlte sich verantwortlich, weil sie ihr keine gute Rückendeckung gegeben hatte. Das machte man mit einem Partner nicht. Ganz egal, ob man ihn mochte oder ob nicht.
Langsam legte Pansy die Hand auf die Türklinke und noch viel langsamer drückte sie sie herunter.

Luna lag schmal und blass in dem Krankenbett, aber sie lächelte Pansy sofort an. Dieses Lächeln mit dem leicht geistesabwesenden Blick sorgte dafür, dass Pansys ohnehin schon schlechtes Gewissen nur noch schlechter wurde.
„Hey“, sagte sie leise und zog die Schultern hoch. Irgendwie schien sich gerade alles in ihr zu verkrampfen. Das letzte Mal hatte sie sich so elendig gefühlt, als sie begriffen hatte, wer ihre Eltern wirklich waren und dass sie niemanden mehr hatte, auf den sie sich verlassen konnte. Nur sich selbst.
„Hey, Lebensretterin.“ Luna richtete sich auf und verzog das Gesicht. „Ich glaube, die haben mir irgendetwas gegeben, um mich ganz dulle im Kopf zu machen.“
„Wenn es hilft, ist das doch in Ordnung.“ Pansy mochte den Klang ihrer eigenen Stimme nicht. Sie klang viel zu zögerlich.
Neben dem Bett blieb sie stehen und ignorierte den Besucherstuhl. Sie war sich sicher, dass Luna vermutlich gar nicht wollte, dass sie blieb.
„Ich habe Mist gebaut. Tut mir Leid“, sagte sie zerknirscht.
Lunas Augen wurden groß. „Quatsch. Du hast mir den Hals gerettet, als ich den Kelpie versucht habe, davon zu überzeugen, dass er doch woanders hingehen sollte, anstatt ihn einfach mit einem Zauber zu unterwerfen. Das war dumm von mir.“ Sie lächelte schief. „Ohne dich hätte er mich gefressen.“
„Ich hätte aufpassen müssen. Anstatt über irgendeinen Blödsinn nachzugrübeln, hätte ich dir Rückendeckung geben müssen.“ Pansy schüttelte den Kopf. „Das war... unprofessionell. Ich meine, egal, wie wir zueinander stehen, seinen Partner lässt man nie im Stich.“
„Hey!“ Luna beugte sich vor und deutete an, Pansys Hand ergreifen zu wollen. Diese stand aber zu weit entfernt und Luna fühlte sich noch zu benommen, um aufzustehen. Daher ließ sie die Hand wieder sinken. „Sag so einen Blödsinn nicht. Wenn es etwas gab, das dich beschäftigt hat, dann war es wichtig genug. Außerdem konntest du nicht ahnen, dass ich so dämlich sein würde.“ Luna verdrehte die Augen und auf einmal fiel Pansy auf, dass sie gerade gar nicht verträumt wirkten, sondern sehr klar und fokussiert. Dieser Blick gefiel ihr. Er spiegelte die Stärke wider, die sie in Luna zu erkennen gemeint hatte.
„Schwamm drüber?“, schlug Pansy vor und ließ sich vorsichtig auf der Bettkante nieder.
„Einverstanden. Hast du einen da?“ Luna grinste über Pansys verwirrten Gesichtsausdruck. „Nur ein Scherz. Ich bin nicht so verpeilt, wie alle immer glauben. Ravenclaw, schon vergessen?“
„Na ja... Klugheit kann verschiedene Arten haben, oder?“, gab Pansy zurück und grinste verhalten.
„Uh, Treffer. Der war gut.“ Ein leises Lachen kam über Lunas Lippen.
Sie schwiegen einen Augenblick, dann sagte Luna: „Machen wir zusammen weiter? Sind wir weiter ein Team, Partner?“
Pansy hob die Schultern. „Peacegoods Entscheidung.“
„Mag sein. Aber was willst du?“ Lunas blaue Augen fixierten sie unnachgiebig und drängten auf eine Antwort.
Nachdenklich blickte Pansy ins Leere. Hätte man sie das noch am heutigen Morgen gefragt, hätte sie gesagt, dass sie einfach ihren normalen Job wieder haben und sich nicht mehr um irgendwelche dämlichen magischen Geschöpfe kümmern und noch weniger mit der spleenigen Loonie Lovegood unterwegs sein wollte.
„Seit wann gibt Pansy Parkinson auf?“, sagte sie schließlich mit betont großem Selbstbewusstsein.
„Interessante Antwort, Pansy“, erwiderte Luna und sank ins Kissen zurück.
Und Pansy ging in dem Augenblick auf, dass das das erste Mal war, dass Luna sie beim Vornamen nannte und es sich nicht störte. Irgendwie klang ihr Name aus Lunas Mund gar nicht mal so schlecht.

VI. Der Niffler

Der Alarmruf gellte durch die gesamte Vergissmich-Zentrale. „Notfall! Notfall! Alle verfügbaren Vergissmichs in Bereitschaft!“
Pansy und Marshall sahen sich an. Den letzten Notfall dieser Art hatten sie bei einem Drachenausbruch aus dem Reservat gehabt. Beide sprangen auf.
In diesem Augenblick knallte es laut und Luna erschien in ihrem Büro. Apparieren war im Zaubereiministerium nur im absoluten Notfall gestattet und wurde äußerst aufmerksam überwacht.
Luna war erst seit zwei Tagen wieder im Dienst und bisher hatte Pansy sie noch nicht wieder zu Gesicht bekommen. Es hatte sich einfach noch kein weiterer gemeinsamer Auftrag ergeben und ihr war kein guter Vorwand eingefallen, um Luna in ihrer Abteilung besuchen zu gehen.
„Pansy, ich brauche dich. Marshall, melde dich zum Einsatz. Wir haben einen absoluten Notfall. Unbekanntes Tierwesen in Harrods.“
Ihre ruhige, entschlossene Stimme jagte Pansy einen kurzen Schauer über den Rücken. Von der größtenteils verträumten Luna war gerade sehr wenig zu merken.
„Pansy, du kommst mit mir.“ Damit packte Luna auch schon Pansys Hand und apparierte wieder.

Pansy war kotzübel, als sie in einem dunklen Lagerraum ankamen. Sie würgte und presste die Hand auf den Magen. Sie hasste es, mit jemandem zu apparieren. Ihr wurde dabei jedes Mal hundeelend.
„Wo sind wir?“, brachte sie mühsam hervor und bemühte sich, besonders ruhig und tief zu atmen, um die Übelkeit schnellstmöglich zu vertreiben. Bei einem Notfalleinsatz konnte sie sich schließlich schlecht kotzend in eine Ecke verkriechen.
„Lagerraum von Harrods. Direkt hinter dieser Tür ist die Weihnachtsabteilung. Da gab es die Sichtung. Die Muggelmutter einer Hogwarts-Schülerin hat uns alarmiert.“ Luna warf einen Blick über die Schulter und runzelte die Stirn. „Alles klar?“
„Geht schon.“ Pansy schnitt eine Grimasse, fuhr sich kurz über das Gesicht und durch die kurzen Haare, dann nickte sie. „Los geht‘s.“
Luna wartete nicht lange, sondern öffnete die Tür und schob sich vorsichtig heraus. Pansy folgte ihr direkt.
„Die anderen Vergissmichs sollten mittlerweile Position bezogen haben für den Fall, dass hier irgendetwas außer Kontrolle gerät.“
„Hoffen wir, dass wir sie nicht brauchen“, entgegnete Pansy trocken.
„Hoffen wir‘s“, stimmte Luna zu.
Die beiden jungen Frauen schritten langsam durch das glitzernde Weihnachtsparadies. Überall gab es leuchtende Lichterketten, glitzernden Baumschmuck aus Glas, Kristall, Gold und Silber, mit Sicherheit auch aus echten Edelsteinen, saisonale Vasen, Krippen, Weihnachtsmänner und Christkinder, Rentiere und und und. Dazu kamen noch Berge an Kunstschnee, die über allem verteilt worden waren. Der ganze Raum schien nur aus Dingen zu bestehen, die glitzerten und flimmerten.
„Wow“, entfuhr es Pansy.
„Kann man so sagen.“ Luna lächelte. Sie schien sich hier sichtlich wohl zu fühlen, während sich Pansy dagegen von allem nahezu erschlagen würde. Lunas Augen hatten ein nahezu kindliches Strahlen, als sie sich umsah und es schien, dass sie sich von diesem glitzernden Weihnachtsparadies bezaubern ließ; allerdings ohne ihren Auftrag zu vergessen.
„Ah! Da ist eine Riesenratte!“, hörten sie auf einmal einen gellenden Aufschrei.
„Dorthin!“ Luna rannte sofort los, Pansy folgte ihr auf dem Fuße.
Eine Muggelfrau deutete hektisch auf ein Regal voller Weihnachtsbaumschmuck aus Kristall. „Da vorne! Gerade war es noch da.“
„Wir schauen nach“, sagte Luna freundlich und eilte weiter. Pansy nickte der Frau noch knapp zu und empfahl ihr, sich an die Mitarbeiter vor der Weihnachtsabteilung zu wenden. Damit meinte sie die Vergissmichs, die dort warteten und sämtliche Muggeln, die diese Abteilung verließen, mit einem Gedächtniszauber versehen würden.
Luna wurde auf einmal langsam. „Da vorne“, flüsterte sie Pansy zu und deutete auf einen dunklen Schatten, der zwischen den Silberkugeln entlang huschte.
„Was ist es?“
„Ein Niffler, denke ich.“
Pansy fand Lunas Überlegung sehr logisch. Der ganze Glitzerkram musste diesem Tierchen äußerst gut gefallen und wahrscheinlich wusste es gar nicht, was es sich zuerst schnappen und in sein Versteck bringen sollte. Niffler waren schließlich wie Elstern und horteten alles an Glitzerkram, das sie in ihre spatenförmigen Pfoten bekommen konnten.
„Abgerichtet?“
„Zu orientierungslos dafür. Eher ausgesetzt.“ Lunas Augen fixierten das Tierchen. „Ich pirsche mich an ihn heran, bleib du hier.“
„Okay.“ Pansy nickte und hielt die Augen auf den Schatten gerichtet, während Luna davon huschte.
Ihr Blick folgte Lunas Gestalt, bis sie zwischen den Regalen verschwunden war. Diesmal wollte sie ihr eine bessere Partnerin sein und anstatt ihren Gedanken nachzuhängen, konzentrierte sie sich jetzt auf das kleine Wesen, das jetzt in die gleiche Richtung flitzte, in der Luna verschwunden war.
Pansy folgte mit einem gemessenen Abstand und so leise, wie es ihr möglich war.
Urplötzlich krachte etwas, dann erklang das Klirren von zerbrechendem Glas. Luna fluchte lautstark und sehr fantasievoll. Pansy hatte bisher nicht gewusste, dass man Nargel als Fluch verwenden konnte. Wider Willen musste sie grinsen.
Leise ging sie weiter und erneut ertönte Gepolter, dicht gefolgt von lautem Scheppern und wieder dem Geräusch von zerbrechendem Glas. Erneut fluchte Luna lautstark.
Dann raste der Niffler – jetzt war er deutlich zu erkennen – auf Pansy zu. Diese hob den Zauberstab und tat das erste, was ihr einfiel: Sie verpasste dem Niffler einen Gefrierzauber.
Keuchend kam Luna herangeflitzt und ihre Augen wurden groß, als sie den am Boden liegenden und komplett bewegungsunfähigen Niffler sah.
„Pansy! Du sollst keine armen Tiere einfrieren! Das Einfangen ist mein Job“, entfuhr es ihr.
„Schadensbegrenzung?“, erwiderte sie mit einem möglichst charmanten Lächeln.
Luna musste lachen. Sie nahm den Niffler behutsam in den Arm und steckte ihn so unter ihre Jacke, dass nur noch seine Nasenspitze herausschaute.
„Danke. Das war unkonventionell, aber erspart uns vielleicht die eine oder andere Aufräumarbeit.“
„Möglich.“ Pansy grinste.
Ihre Partnerin trat noch einige Schritte auf sie zu und lächelte. „Schau mal nach oben.“
Verwunderte legte Pansy den Kopf in den Nacken. Ein Mistelzweig. Verwundert sah sie Luna wieder an und setzte dazu an, etwas zu sagen, doch diese war schneller.
Scheinbar aus dem Nichts spürte sie Lunas weiche Lippen auf ihren. Pansys Augen wurden groß. Das war nichts, womit sie gerechnet hätte. Sie zögerte einen Augenblick, war sich unsicher, doch dann gab sie ihrem Gefühl nach. Sie schloss die Augen und öffnete ihren Lippen für Lunas sanft fordernde Zunge. Selbst wenn dies nur ein einziger Kuss bleiben würde, würde es der beste Kuss ihres Lebens sein.

VII. Das Danach

Der Gedanke an diesen Kuss ließ Pansy nicht mehr los. Sie hatte mit Luna nicht mehr darüber sprechen können. Zu viel Aufmerksamkeit hatten die zwei sich küssende Frauen bekommen. Allein sie beide wären fast einen weiteren Vergissmich-Einsatz wert gewesen. Anschließend musste Luna den Niffler noch wegbringen und nun saß Pansy in ihrem Büro, starrte auf die Pergamentrolle, auf der sie ihren Einsatzbericht schreiben sollte, drehte die Schreibfeder in der Hand und dachte an diesen Kuss.
Sie wollte mehr davon. Sie wollte diese weichen Lippen wieder küssen. Sie wollte diesen schlanken Körper wieder an sich pressen. Sie wollte ihre Hände in diesen goldenen Locken vergraben. Sie wollte mehr von dieser Spleenigkeit und Entschlossenheit. Sie wollte mehr von Luna.
Oder anders ausgedrückt: Sie war hoffnungslos verknallt.
Die Erkenntnis traf sie tief in der Magengrube, ließ ihren Bauch sich einmal zusammenziehen und ihren Herzschlag einen kurzen Augenblick aussetzen. Sie war in Luna verliebt.
Und auf einmal wusste sie, dass sie nicht mehr abwarten wollte. Dass sie wissen musste, woran sie war.
Sie schnappte sich ihren Zauberstab, den sie auf ihren Schreibtisch gelegt hatte, und stand auf.
„Marshall, ich muss noch etwas erledigen.“
Ihr Kollege schaute ihr verwirrt nach, als sie aus dem Raum eilte.

Sie fand Luna in der dem Zaubereiministerium angeschlossenen Herberge für Fundtierwesen. Dieses befand sich unweit von London auf einem für Muggelaugen verlassenen Bauernhof. Das Gebäude war mehrfach magisch gesichert, um Ausbrüche der Bewohner zu vermeiden.
In den alten Stallungen befanden verschiedene einzelne Gehege, in denen unter anderem der Dodo aus dem Londoner Zoo, mehrere Bowtruckles, die aus Muggelgärten geholt worden waren, sowie die Gnomfamilie, die im Sommer in den Park des Buckingham Palace eingezogen war, untergebracht waren.
Luna knuddelte den Niffler noch ein wenig und warf ihm einige glitzernde Steine hin, denen er sich mit Hingabe widmete.
„Luna?“
Die Angesprochene sprang auf und wirbelte herum. „Oh, hi.“ Sie schenkte Pansy ein Lächeln, das dieser ihre eigene Unsicherheit zurückspiegelte.
Pansy sagte nichts weiter, sondern tat noch einen weiteren Schritt auf Luna zu – und küsste sie. Sie ersparte sich jedes weitere Wort, sondern legte alles, was sie sagen wollte, in diesen Kuss. Ihre Zuneigung, ihre – mögliche – Liebe, ihre Leidenschaft, ihr ganzes Herz. Sie hatte alles zu verlieren – und alles zu gewinnen.
Luna erwiderte den Kuss. Pansy lächelte glücklich in den Kuss hinein, ließ die Hände sanft über Lunas Taille gleiten, vergrub eine in dem blonden Haar und legte die andere besitzergreifend auf ihren verlängerten Rücken. Sie seufzte zufrieden, als sie Lunas Hände auf ihrem Rücken spürte und gab einen kleinen Laut der Überraschung von sich, als sie auf einmal eine warme Hand auf der nackten Haut ihrer Seite nach oben gleiten spürte.
Atemlos lösten sie sich von einander.
„Das sollten wir woanders fortsetzen“, sagte Pansy leise und lehnte ihre Stirn gegen Lunas.
„Dürfte eine gute Idee sein. Heute Abend?“ Luna ließ ihre Fingerspitzen durch Pansys Ausschnitt gleiten und jagte ihr einen heißen Schauder durch den Körper.
„Ich werde ungeduldig darauf warten“, flüsterte sie heiser.
„Das ist gut.“ Luna wich ein wenig zurück und schaute sie an. „Wo feierst du eigentlich Weihnachten?“
„Äh... Was?“ Verwirrt fuhr sich Pansy durch die Haare.
„Weihnachten. Du weißt schon. Das Fest, das demnächst vor der Tür steht.“
„Nirgends.“ Pansys Miene verdüsterte sich, als sie sich daran erinnerte, wie einsam sie an diesem Tag eigentlich immer war. Eigentlich war sie in dieser Hinsicht ziemlich verloren.
„Gut. Dann bist du bei mir.“ Luna grinste breit.
„Bin ich?“
„Oh ja. Und ich verspreche dir, mein Weihnachtssex ist absolut göttlich.“ Die vollen Lippen teilten sich zu einem noch breiteren Grinsen und Pansy erschien es äußerst verheißungsvoll.

ENDE
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Re: Lost & Found ~ für Alraune

Beitragvon Alraune » 24. Dez 2012, 12:49

Aaaaaaawwwww :herz:
Wow, danke, danke, danke! Was für eine wunderschöne, tolle Story! Genauso hatte ich es mir vorgestellt! Die stets etwas genervte Pansy (ich mag übrigens, dass sie so gut in Vergessenszaubern ist :D) und die spleenige Luna, in der Abteilung für Magische Tierwesen, das passt wie die Faust aufs Auge, hehe! :)
Ich mag, wie du die beiden beschrieben hast und wie du die Story mit liebevollen Details ausgeschmückt hast :) Besonders mochte ich auch den Niffler im Harrods - und dann der Mistelzweig! :o) Wenn das mal kein Zufall war ;)
Wirklich eine wunderschöne Story mit romantischem Happy End, genau so, wie man es zu Weihnachten gerne hat! Und auch danke, dass du dich an dieses doch sehr seltene Pairing herangewagt hast, und dann auch noch deine erste Femslash, echt super! Und dass es keinen Lemon gibt, macht natürlich nichts, immerhin gab es wunderschön romantische Küsse! :)
Also vielen Dank, dass du diese süße, tolle Story für mich geschrieben hast!
Ich wünsche dir ebenfalls frohe Weihnachten und entspannte Feiertage! :)
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Re: Lost & Found ~ für Alraune

Beitragvon abranka » 24. Dez 2012, 15:29

Hach, ich freu mich, dass sie dir gefällt. =^____^=

Der Dank für den Niffler gilt übrigens chao. Sie hat mich damit gerettet. ;)
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Re: Lost & Found ~ für Alraune

Beitragvon Alraune » 24. Dez 2012, 16:54

Definitiv, sie ist echt toll und hat mir den Heiligabend versüßt :)
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Re: Lost & Found ~ für Alraune

Beitragvon Sammy-chan » 16. Okt 2013, 16:14

Hey, wo unser nächstes Wichteln startet dachte ich mir, ich les schonmal die ein oder andere ältere Wichtelstory, um mich in Stimmung zu bringen. ;)

Was ich bei deinen HP-Storys immer sehr bewundere ist dien Einfallsreichtum in dieser Welt, ob es Zaubersprüche sind oder Buchtitel oder wie in diesem Fall die Einsatzfälle auf die du Luna und Pansy schickst. Das passt alles so wunderbar, die zunächst zufällige Zusammenarbeit, die Abteilungen in die du beide gestecvkt hast.
Das Pairing mag ich sowieso auch gerne und du hast die Charaktere auch perfekt getroffen, Pansy, die irgendwie zickig ist und versucht sich stärker zu zeigen, als sie eigentlich ist und Luna, die, tja, halt Luna ist udn doch mehr, als man zunächst denkt :)

Ich hoffe du liest den Kommentar noch irgendwann mal, leider hast du ja anscheinend schon länger nicht mehr hier vorbei geschaut. Würd mich freuen dich hier auch mal wieder zu sehen ;)
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Re: Lost & Found ~ für Alraune

Beitragvon abranka » 17. Okt 2013, 20:56

Miep! Danke für deinen Kommentar. :)

Ehrlich gesagt schreibe ich auch genau wegen dieser Details Harry Potter so gerne. Die Welt kenne ich gut genug, um damit spielen zu können. Das ist ein bisschen so wie ein Spielzeugladen - man findet immer irgendetwas total Tolles. :)

(Irgendwann hat mich mein PC ausgeloggt - daher war ich nicht zu sehen, aber ich habe immer mal wieder reingeschaut. Und jetzt musste ich Passwort suchen... *hust*)
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Re: Lost & Found ~ für Alraune

Beitragvon Sammy-chan » 18. Okt 2013, 14:40

Das merkt man deinen Storys auch immer an, dass du dich schreiberisch in der HP-Welt wohl fühlst :) Macht immer wieder Spaß zu Lesen, auch wenn ich selbst nicht mehr so drin bin, werde ich direkt wieder reingezogen.

Ich dachte schon du wärst uns abhanden gekommen ;) wär ja sehr schade gewesen. Aber ich freu mich, dass du beim Wichteln wieder dabei bist :D
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