Farbe bekennen

Farbe bekennen

Beitragvon Medianox » 15. Jan 2015, 22:57

So, und hier kommt dann auch mein Beitrag eingetrudelt, wie angekündigt ein Original. Und aus irgendeinem Grund hat mich mein Plotbunny so sehr bequatscht, dass ich jetzt eine leicht femslashige Geschichte schreibe. Oder es zumindest mal versuche. Allerdings wird die Romantik wohl eher nicht stark ausgeprägt sein, vor allem, da es vielleicht nur einseitig bleibt. Da bin ich mir selbst noch nicht sicher und warte einfach mal, was mir die weiteren Prompts so vorgeben.

Genre: Drama
Rating: P16 Slash
Kurzbeschreibung: Immer wieder versuchte Theresa ihr zu versichern, dass alles gut war. Dabei wusste Helena ganz genau, dass gar nichts mehr in Ordnung war, seit ihre Freundin mit diesem Kerl zusammen war. Sie wünschte, sie könnte irgendetwas tun, um die alte, glückliche Theresa wieder zurückzubekommen. Doch wie half man jemandem, der sich nicht einmal eingestehen wollte, dass es ein Problem gab?
Verwendete Prompts: alle
FF.de-Version: Link


Kapitel 1: Frost

Der weiß glitzernde Boden knirschte unter ihren Füßen, als Helena den verschneiten Weg entlangging. Nicht einmal zehn Minuten waren vergangen, seit sie Theresas Anruf erhalten hatte. Sofort hatte sie sich auf den Weg gemacht, um sie im nahegelegenen Park zu treffen. Wenn sie ehrlich war, hatte sie eine unglaubliche Erleichterung verspürt, als sie den Namen ihrer Freundin auf dem Display aufleuchten sehen hatte. Theresa hatte sich in letzter Zeit sehr zurückgezogen. Sie hatte schon angefangen, sich Sorgen zu machen. Das kam auch immer öfter vor. Doch als sie sie das letzte Mal vor lauter Unruhe zu Hause aufgesucht hatte, um sich selbst davon zu überzeugen, dass es ihr gut ging, war diese nicht sehr begeistert davon gewesen und hatte sie schnell wieder abgewimmelt. Sie wollte keine unangekündigten Besucher. Helena respektierte ihren Wunsch, auch wenn es ihr einen Stich versetzte, dass sie ihre langjährige Freundin nicht einmal spontan sehen durfte. Und auch, wenn sie es sich selbst nicht gern eingestand, hatte sie außerdem zu viel Angst gehabt, erneut abgewiesen zu werden. Vielleicht war sie zu anhänglich gewesen. Umso mehr hatte es sie jetzt gefreut, dass Theresa sich von selbst bei ihr gemeldet hatte.

Sie blickte über die blau schimmernde Eisfläche des Sees zu der Gruppe von Büschen, die den Blick auf die dahinter stehende Parkbank verdeckten. Ihre Schritte wurden unbewusst etwas schneller. Fetzen ihres Telefongespräches hallten noch immer in ihrem Kopf wider.

„Hast du Lust auf einen Spaziergang im Park?... Treffen wir uns bei unserer Bank?“

Natürlich hatte sie zugesagt. Was hätte sie sonst tun sollen, wo sie sich doch genau das gewünscht hatte. Endlich wieder Zeit mit ihrer Freundin verbringen zu können, nach so langer Zeit der Funkstille. Drei Wochen lang hatte sie nichts von ihr gehört. Es hätte genauso gut eine Ewigkeit sein können.

Zielsicher trugen ihre Füße sie um den zugefrorenen See herum auf die versteckte Bank zu. Mit einiger Aufregung reckte Helena den Hals, um einen ersten Blick auf Theresa zu erhaschen. Innerlich fürchtete sie fast, dass sie sich das Telefonat nur eingebildet hatte und ihre Freundin gar nicht da war. Doch für ihre Sorge gab es keinen Anlass. Als sie die Büsche fast erreicht hatte, entdeckte sie eine junge Frau, die mit dem Rücken zu ihr stand, die Hände tief in den Jackentaschen vergraben.

„Theresa!“, rief sie freudig aus.

Ihre Freundin drehte sich um, als sie ihren Namen und die schnellen Schritte vernahm. Helena entdeckte gerade noch das zaghafte Lächeln in ihrem Gesicht, halb versteckt vom Kragen ihrer Jacke, bevor sie Theresa freudig in die Arme schloss. Sofort schlang sich auch ein Paar Arme um ihren Körper. Die beiden Freundinnen blieben für einen Moment in inniger Umarmung stehen und genossen das Wiedersehen.

„Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr du mir gefehlt hast“, sagte Helena. Sie spürte, wie Theresa ihren Griff etwas verstärkte.

„Du hast mir auch gefehlt“, antwortete sie leise.

Sie lösten sich voneinander und Helena blickte sie gespielt ernst an. „Dass du mal anrufst, wurde aber auch mal Zeit. Ich dachte schon, du wärst verschollen. Du hättest dich schon viel früher melden sollen. Wir wohnen immerhin nicht am jeweils anderen Ende der Welt. Das nächste Mal kommst du damit nicht so einfach durch. Dann stehe ich vor deiner Matte und gehe nicht eher weg, bis du raus kommst.“

Betreten blickte Theresa zur Seite, doch ihre Lippen zierte noch immer ein leichtes Lächeln. „Du machst dir wie immer zu viele Sorgen. Ich hatte einfach viel um die Ohren, sonst hätte ich mich schon längst gemeldet. Kannst du mir noch einmal verzeihen?“

„Hmm...“ Scheinbar nachdenklich tippte Helena mit dem Finger an ihr Kinn. „Na gut, es sei dir verziehen.“

„Wie großzügig von dir.“ Das Lächeln war nun zu einem Grinsen angewachsen und um ihre Augen bildeten sich kleine Lachfältchen. Theresa sah viel besser aus, wenn sie glücklich war. Als würde sie aufblühen und ihre Freude in die Welt hinaus strahlen.

„Ich weiß“, sagte Helena ebenfalls grinsend. Ihre Freundin war einfach ansteckend. Sie hatte Mühe, wieder einen halbwegs ernsthaften Gesichtsausdruck aufzusetzen. „Aber ich wünschte wirklich, du würdest mich nicht so im Dunkeln lassen. Sag das nächste Mal wenigstens Bescheid, wenn du keine Zeit hast, okay?“

Theresa seufzte. „Ja, ist gut, werd' ich machen. Versprochen.“

„Gut“, sagte Helena zufrieden. Dann runzelte sie die Stirn, als sie sah, dass Theresa angestrengt versuchte, nicht allzu stark zu zittern, mit geringem Erfolg. Sie konnte kaum ihre Zähne davon abhalten, aufeinander zu schlagen. War sie wirklich so von ihrer Freude abgelenkt gewesen, dass sie das nicht gemerkt hatte? Und überhaupt...

„Was trägst du da eigentlich?“, fragte sie. „Die Jacke ist doch viel zu dünn für die Jahreszeit! Ist ja kaum gefüttert. Kein Wunder, dass du frierst.“

„Ich... dachte nicht, dass es so kalt werden würde. Das war wohl etwas dumm von mir.“

„Das war es wirklich. Mensch, Theresa. Der Schnee liegt zehn Zentimeter hoch und du ziehst eine Sommerjacke an.“ Missbilligend schüttelte Helena mit dem Kopf.

Ihre Freundin verspürte wohl das Bedürfnis, sich wenigstens halbherzig verteidigen zu müssen. „Das ist keine Sommerjacke!“

Sie hatte Recht. Aber eine Winterjacke war es auch nicht. Nicht, dass sie sich noch eine Erkältung einfing, weil sie nicht warm genug angezogen war. Dagegen musste etwas unternommen werden. Rasch zog Helena ihre Handschuhe aus und drückte sie Theresa in die Hände.

„Hör doch auf, das ist überhaupt nicht nötig. Mir geht’s gut, wirklich!“ Sie versuchte, ihr die Handschuhe zurückzugehen, doch Helena hatte bereits ihre Hände zurückgezogen, um sich damit nun die Mütze vom Kopf zu reißen. Durch ihre langen Haare, die sie wie üblich offen trug, würde sie schon nicht so schnell kalte Ohren bekommen.

„Mir ist gar nicht so-“

„Ach, sei ruhig.“ Rigoros zog Helena ihrer Freundin die Mütze über die braunen Locken, um ihre Proteste zu unterbrechen. „Und zieh dir die Handschuhe an, du hast ja schon ganz blau gefrorene Finger. Das kann man doch nicht mit ansehen.“ Als sie ihr zusah, wie sie mit den Wollhandschuhen hantierte, überlegte sie, ob sie Theresa noch anbieten sollte, die Jacken zu tauschen. Mit ihrer eigenen dunkelblauen Daunenjacke würde ihr sicher schnell warm werden. Doch so, wie sie Theresa kannte, würde sie das ablehnen und diesmal würde sie sich nicht so einfach bevormunden lassen. Nein, das ginge womöglich etwas zu weit.

Während sie beobachtete, wie auch der linke Handschuh über Theresas Finger glitt und kurz darauf über ihr Handgelenk gezogen wurde, bemerkte sie das gut versteckte Mal, das dabei unter ihrem Ärmel zum Vorschein kam. Helenas Blick verfinsterte sich schlagartig. „War er das?“, fragte sie und deutete auf den blauen Fleck. Jegliche Wärme war aus ihrer Stimme gewichen. Es tat ihr ein wenig leid, dass Theresa wegen ihr zusammenzuckte, doch sie musste sich zusammenreißen, nicht laut zu werden, so wütend war sie.

Theresa hingegen beeilte sich, die Verletzung schnell wieder zu verbergen und zog ihren Jackenärmel bis zu den Fingerspitzen hinunter. „Ach, das ist nichts. Ganz dumme Geschichte. Dieser blöde Läufer – du weißt schon, der im Flur – hatte eine Falte. Ich hab's nicht gesehen und bin drüber gestolpert. Hab mich mit dem Arm am Telefonschrank gestoßen. Schon ein paar Tage her, tut auch fast gar nicht mehr weh. Kein Grund zur Beunruhigung.“

Schweigend sah Helena zu, wie Theresa dem Boden davon erzählte und sich dabei halb von ihr abgewandt hatte. Die Schultern vornüber gebeugt, die Finger unruhig an den Handschuhen zupfend. „Er hat dich also doch wieder angefasst.“

Erst jetzt blickte ihre Freundin wieder zu ihr auf. „Nein! Ich sagte doch gerade-“

„Und wer soll dir das glauben?“, fiel Helena ihr ins Wort. „Hörst du dir selbst zu? Glaubst du deine Lügen etwa wirklich?“

Sofort hatte sie ein schlechtes Gewissen, als sie sah, wie Theresa wieder zu Boden blickte, die Hände tief in den Taschen vergraben. Sie seufzte. „Tut mir leid, ich wollte dich nicht so anfahren.“ Theresa nickte einmal ruckartig ohne aufzusehen. „Na los, lass uns eine Runde gehen. Das wird uns bestimmt beiden guttun.“

Ohne Widerrede hielt Theresa mit ihr Schritt als sie sich in Bewegung setzte. Sie gingen eine Weile durch den Park, ohne die idyllische Stille der Winterlandschaft zu durchbrechen. Eine kleine Gruppe Enten kam ihnen entgegengewatschelt, als sie am See entlanggingen. Sie drehten enttäuscht ab, als sie sahen, dass die beiden Frauen keine Anstalten machten, ihnen Brot zuzuwerfen.

Die Wanderung unter den weiß angemalten Bäumen hätte unter anderen Umständen sehr friedlich sein können, wenn nicht das angesprochene Thema wie ein unheilvoller Geist über ihnen gehangen hätte. Helena konnte fast spüren, wie sein Gewicht auf sie niederdrückte. Ein Seitenblick auf ihre Freundin verriet ihr, dass sich diese genauso wenig entspannen konnte. Ihr ganzer Körper war angespannt und ihr Blick war auf ihre Schuhspitzen fixiert, auf denen sich kleine Schneehügel gebildet hatten.

Sie so eingeschüchtert zu sehen, tat weh. Es schien, als habe sich die lebensfrohe Theresa, die sie ursprünglich kennengelernt hatte, in irgendeiner Ecke versteckt und eine verängstigte Fremde zurückgelassen. Es machte sie traurig und wütend. Sie wollte ihr gern helfen. Irgendetwas tun, um ihre Freude und ihr Lächeln zurückzubringen. Aber so, wie Theresa sich gab, war das ein Kampf gegen Windmühlen. Immer stritt sie alles ab, wenn sie darauf angesprochen wurde. Als ob es gar kein Problem gäbe. Als ob sie irgendjemanden davon überzeugen könnte.

Ein Teil von ihr wollte nicht weiter nachbohren, weil sie wusste, dass es Theresa unangenehm war. Doch wenn sie ihr wirklich helfen wollte, musste es sein. Es war zu ihrem eigenen Besten. Daher entschied sich Helena auch dafür, den Elefanten namens Marcel direkt anzusprechen: „Du solltest dich von ihm trennen.“

Theresa blieb abrupt stehen und sie tat es ihr gleich. Große, braune Augen sahen sie erschrocken an. „Was redest du denn da? Ich liebe ihn! Warum sollte ich mich von ihm trennen?“

Der Ausruf versetzte Helena einen schmerzhaften Stich. Dennoch versuchte sie, sich nichts anmerken zu lassen, als sie sagte: „Weil er dir nicht gut tut. Vielleicht redest du dir das ein, aber wenn du mal ehrlich bist, dann wirst du zugeben, dass du mit ihm nicht glücklich bist.“

„Das bin ich aber!“

„Obwohl er dich schlägt?“, provozierte sie.

Anscheinend gelang es ihr, die alte Theresa wieder ein bisschen aus ihrem Schneckenhaus zu locken. Wütend funkelte sie sie an und verschränkte die Arme vor der Brust. „Das stimmt überhaupt nicht.“

Wie ein trotziges Kind, dachte Helena. „Was war dann mit dem blauen Auge? Du warst komplett mit den Nerven am Ende, als du damit zu mir gekommen bist.“

„Ja, und im Nachhinein hätte ich das echt nicht machen sollen. Ich hab' dir doch gesagt, dass das eine einmalige Sache war!“ Als Helena sie skeptisch ansah, fuhr sie fort: „Ihm ist die Hand ausgerutscht, das ist alles. Er hat sich entschuldigt und mir versprochen, dass das nie wieder passiert.“

„Klar“, erwiderte sie ironisch. „Und genau deshalb hat er es auch nie wieder getan. Weil alle Männer, die das sagen, immer total ehrlich sind. Mensch, Theresa. Jetzt wach doch mal auf. Wenn er sich da schon nicht im Griff hatte, warum sollte es jetzt anders sein?“

„Marcel ist nicht wie die anderen! Er hält seine Versprechen.“

„Und was ist mit dem blauen Fleck?“

„Ich habe doch gesagt, dass ich gestolpert bin!“ Je weiter die Diskussion ging, desto erhitzter wurde Theresas Gemüt. Doch Helena störte das nicht. Das war ihr allemal lieber als dieser stillen Fremden gegenüberzustehen.

„Und ich habe dir gesagt, dass ich das für sehr unwahrscheinlich halte.“

„Dann glaub doch was du willst! Wenn du sowieso alles besser weißt, warum reden wir dann noch darüber?“

Für einen Moment sahen sie sich schweigend an. Helena seufzte. „Ich will dir doch nur helfen.“

Sie konnte fast sehen, wie Theresas Wut verflog, als hätte man die Luft aus einem Ballon gelassen, und sich stattdessen Resignation breit machte. „Du bist schrecklich. Wie ein Bluthund. Sobald du auch nur eine winzige Spur gewittert hast, beißt du dich so lange fest, bis du dein Ziel erreicht hast. Und wenn du jemandem helfen willst, dann lässt du nicht locker, bis man nachgibt. Ob man Hilfe braucht oder nicht.“

„Du brauchst sie.“

„Was macht dich da so sicher?“, fragte sie.

Mit einer Handbewegung wies sie in Theresas Richtung. „Man muss dich doch nur ansehen, um zu merken, dass etwas nicht stimmt.“

„Richtig. Das hat aber nichts mit Marcel zu tun. Ich hatte in letzter Zeit wirklich viel Stress. Immer musste noch irgendwas erledigt werden und ich konnte ganz schlecht schlafen. Ist doch logisch, dass man mir das ansieht. Wenn es dich so sehr stört, muss ich mich wohl das nächste Mal wieder schminken, um die Augenringe zu kaschieren.“

Nicht unbedingt überzeugt blickte Helena ihr prüfend ins Gesicht und suchte nach Anzeichen einer Lüge, konnte jedoch nicht die kleinste Regung erkennen. „Bist du sicher, dass es nur das ist?“ Was, wenn die Geschichte mit dem Schrank wirklich die Wahrheit war? Sie konnte es sich kaum vorstellen, aber... wenn es stimmte? Dann würde sie Theresa völlig unbegründet einer Lüge bezichtigen.

„Natürlich bin ich mir sicher. Du könntest mir wirklich ein bisschen mehr Vertrauen schenken.“

Das wollte sie wirklich. Sie wünschte, sie könnte es. Doch die Unsicherheit und Angst um ihre Freundin blieben immer im Hinterkopf bestehen und ließen sich auch nicht abstellen. „Na gut, ich versuche es“, sagte sie trotzdem. „Aber wenn doch etwas ist... Du kannst immer zu mir kommen. Das weißt du, oder?“

Nun zeigte sich auch wieder ein kleines Lächeln auf Theresas Gesicht. „Klar weiß ich das. Und ich bin dir auch sehr dankbar dafür. Aber übertreib es nicht immer mit deiner Fürsorge.“

Helena grinste. „Wenn du selbst ein bisschen mehr auf dich Acht geben würdest, müsste ich das nicht für dich übernehmen. Einer muss es ja tun.“

Das Thema war noch nicht vollständig vom Tisch. Beide spürten das. Doch für heute würden sie es in stiller Übereinkunft auf sich beruhen lassen. Die folgende Unterhaltung war lockerer und beinhaltete wesentlich mehr Lachen, als sie sich gegenseitig von den Ereignissen der vergangenen Wochen erzählten. Helena genoss jede Sekunde und es fühlte sich an, als sei alles wieder wie früher. Der Zeitpunkt des Abschieds kam für ihren Geschmack viel zu früh, doch sie fügte sich ihrem Schicksal.

Sie zog Theresa in eine feste Umarmung und machte ihr noch einmal mit Nachdruck klar, dass sie so eine lange Wartezeit dieses Mal nicht hinnehmen würde. Sie sah ihr hinterher, bis sie schon lange nicht mehr zu sehen war, bevor sie sich selbst auf den Heimweg machte. Mütze und Handschuhe hatte sie nicht zurückgefordert. Theresa hatte es vermutlich schlichtweg vergessen und Helena machte es nichts aus. In den letzten paar Minuten in der Kälte würde sie auch nicht mehr erfrieren. Und davon abgesehen... so hatte sie wenigstens einen Grund, bei ihr zu Hause aufzutauchen, wenn Theresa wieder so lange brauchte, um sich zu melden.
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Re: Farbe bekennen

Beitragvon Medianox » 1. Mär 2015, 00:13

Verwendete Prompts: Blick in den Himmel, Twitter, U-Bahn


Kapitel 2: Tauwetter

Mit einem Lächeln auf den Lippen summte Theresa das Lied im Radio mit, während sie die Erbsen im Topf umrührte. In der Pfanne daneben brutzelten die panierten Schnitzel, das Geräusch vom schräg darauf liegenden Deckel gedämpft.

Sie war bester Laune, ohne dass es dafür einen besonderen Anlass gab. Außer, dass in letzter Zeit alles lief wie geschmiert. Und das schöne Wetter trug sein Übliches dazu bei. Für einen Februartag war es angenehm sonnig gewesen. Ein Blick in den Himmel verriet ihr, dass die vereinzelten Wolken sich seit dem Morgen nicht vermehrt hatten, auch wenn das strahlende Himmelblau des Tages nun langsam dem dunklen Schwarzblau des Abends wich.

Ein Blubbern kündigte an, dass das Kartoffelwasser kurz davor war überzukochen, also hob sie den Deckel kurz an, bis der Schaum wieder zurückgegangen war, bevor sie ihn wieder auf den Topf setzte und die Hitze für diese Platte ein wenig zurückdrehte. Wenn man die Kälte des Wintermonats im warmen Zuhause nicht spürte, konnte man fast Lust bekommen, schwimmen zu gehen.

Vielleicht war das gar keine so schlechte Idee. Natürlich nicht ins Freibad, aber das Hallenbad klang doch auch nicht übel. Sie könnte Helena fragen. Bestimmt würde sie zusagen und sich über den Vorschlag freuen. Theresa musste zugeben, dass sie sich in den letzten Monaten etwas zurückgezogen hatte. Aber das hatte ja seine Gründe. Sie wollte ihrer Freundin nicht unnötige Sorgen bereiten. Jetzt, wo es ihr wieder besser ging, konnten sie sich doch wieder öfter sehen.

Nein, warte. Hatte Helena nicht vor ein paar Tagen auf Twitter geschrieben, sie sei krank? Dann war das Bad vielleicht doch keine so gute Idee. Aber das hieß ja nicht, dass sie nichts anderes unternehmen konnten. Sie könnten die U-Bahn nehmen und sich eine Vorstellung im Theater am Stadtrand ansehen. Sie hatte keine Ahnung, welches Programm zur Zeit lief, doch irgendetwas Gutes war sicherlich dabei.

Gleich morgen würde sie Helena anrufen. Außerdem konnte sie ihr bei der Gelegenheit noch Handschuhe und Mütze wiedergeben, die sie beim letzten Mal aus Versehen mitgenommen hatte. Sie wurde ein bisschen rot, als sie sich daran erinnerte. Warum musste sie auch ausgerechnet ihre dünne Übergangsjacke schnappen, als sie fluchtartig ihre eigene Wohnung verlassen hatte? Das gab ihrer überbesorgten Freundin doch nur weiteren Anlass, unangenehme Fragen zu stellen. Manchmal ärgerte sich Theresa darüber, dass sie selbst so dämlich war.

Sie hörte das Klicken der Haustür, gerade als sie die Schnitzel wendete.

Einen Moment später schaute Marcel zur Tür herein. „Was riecht denn hier so lecker?“

„Das wäre dann wohl das Abendessen“, erwiderte Theresa mit einem Grinsen, wandte sich aber schnell wieder der Pfanne zu. Einen Moment später spürte, sie sich starke Arme von hinten um ihren Bauch schlangen.

„Womit habe ich nur so eine Meisterköchin verdient?“, hörte sie seine Stimme nah an ihrem Ohr. So nah, dass sie seinen Atem auf ihrer Haut spüren konnte, was ein Kribbeln in ihrer Magengegend auslöste. Auch nach über einem Jahr war sie verliebt wie am ersten Tag.

„Du alter Schmeichler.“ Das Lächeln wollte ihr Gesicht nicht verlassen. „Wie war die Arbeit?“, erkundigte sie sich. Sie spürte an ihrem Rücken, wie Marcel mit den Schultern zuckte.

„Ganz gut. Aber ich bin natürlich viel lieber hier bei dir.“

„Das will ich doch hoffen!“, sagte sie lachend.

Sie blieben eine Weile so stehen und genossen die Nähe des anderen, dann lockerte er seinen Griff und ließ von ihr ab. „Ich gehe mich umziehen“, murmelte er beim Verlassen des Zimmers.

Mit neuem Elan kümmerte sie sich wieder um das Abendessen und vollführte sogar eine übermütige Drehung, als sie sich mit erhobenem Pfannenwender umwandte, um das Radio lauter zu drehen. Als sie die Herdplatte schließlich ausschaltete, streckte sie sich, um aus dem Schrank ein paar Teller zu holen, doch das Klappern schien Marcels Aufmerksamkeit zu erregen, denn sein Kopf erschien einen Moment später in der Tür, die von der Küche ins Wohnzimmer führte.

„Den Tisch habe ich schon gedeckt“, erwähnte er.

Theresa blickte verwirrt über ihre Schulter. „Was? Aber das... Hast du das gute Geschirr genommen?“

„Ganz genau“, sagte er mit einem verschmitzten Grinsen. „Ist das Essen schon fertig?“

„Äh, ja...“

„Dann lass es einfach so stehen, ich kümmere mich darum. Ich habe eine Überraschung für dich. Zieh dir schnell etwas Schönes an und komm dann ins Wohnzimmer. Aber geh über den Flur“, orderte er geheimnisvoll.

„Okay...“, erwiderte sie unsicher. Sie warf einen letzten Blick auf den Herd und versicherte sich, dass die Platten aus und die Speisen fertig waren. Dann folgte sie seiner Aufforderung, indem sie den Weg über den Flur ins Schlafzimmer nahm und nachdenklich in ihren Kleiderschrank sah. Sie schob Kleiderbügel hin und her, während sie überlegte, was er vorhaben könnte.

Marcel hatte sich noch nie um die Essensvorbereitungen gekümmert, weder wenn es ums Kochen ging noch beim Decken des Tisches. Was hatte das also zu bedeuten? Woher kam der plötzliche Sinneswandel? Und viel wichtiger für die jetzige Situation: Was sollte sie anziehen, um angemessen gekleidet zu sein? Was stellte er sich unter „etwas Schönem“ vor?

Ihre Wahl fiel schließlich auf ein recht schlichtes, hellblaues Kleid, das relativ neutral zu allen möglichen Anlässen passen würde. Voller Neugier und Aufregung schlüpfte sie hinein. Als sie gerade den Reißverschluss am Rücken hochzog, fiel ihr Blick auf das kleine goldene Halskettchen auf ihrem Nachtschränkchen und legte es ebenfalls um. Wenn sie sich schon schön machte, dann konnten ein paar kleine Details nicht schaden.

Mit flatterndem Herzen verließ Theresa das Schlafzimmer, zögerte eine Sekunde vor der Wohnzimmertür und stieß sie dann auf. Sie konnte kaum glauben, was sie dort erblickte. Der Tisch war gedeckt für zwei, mit dem besten Geschirr und einer feinen, weißen Tischdecke. Auch die kleinen weißen Alpenveilchen, die Marcel ihr letztes Jahr zum Geburtstag geschenkt hatte, waren auf dem Tisch platziert worden. Erhellt wurde das Ganze von zwei langen, himmelblauen Kerzen. Die beiden überflüssigen Stühle standen an der Wand, sodass nur die zwei anderen bei den Gedecken verblieben.

Theresa hielt sich staunend eine Hand vor den Mund, als sie Marcel anblickte, der ausnahmsweise sogar mal seinen Anzug trug. Mit einem charmanten Lächeln trat er zu ihr an die Tür und hielt ihr auffordernd die Hand hin.

„Ich dachte, wir könnten uns mal ein romantisches Abendessen zu zweit gönnen. Es ist zwar nicht in einem Restaurant, aber das macht doch nichts, oder?“, fragte er, als sie seine Hand ergriff. Wie ein Gentleman führte er sie an den Tisch und zog ihr auch noch den Stuhl zurück. Lächelnd ließ sie sich von ihm platzieren, ihre Augen folgten ihm, als er sich auf seinen eigenen Platz ihr gegenüber niederließ.

„Was ist denn der Anlass?“, fragte sie neugierig.

„Braucht es denn unbedingt einen Anlass? Ich habe vor ein paar Wochen endlich wieder Arbeit gefunden, uns geht es gut... können wir nicht einfach feiern, dass es nach so langer Zeit wieder bergauf geht?“

Er hob sein Glas mit Wein, das sie jetzt erst bemerkte und prostete ihr zu.

„Doch, das klingt gut“, stimmte sie zu, hob ihr Eigenes und stieß mit ihm an.

Sie tauschten ein verliebtes Lächeln aus, bevor sie anfingen zu essen. Ja, das klang sogar sehr gut. Solch einen Abend nur für sie beide hatten sie schon lange nicht mehr gehabt. Der perfekte Abschluss eines bereits guten Tages. Selbst das eine Blatt der Alpenveilchen, das eine braune Stelle aufwies, konnte sie heute nicht aus der Ruhe bringen. Stattdessen konzentrierte sie sich nur auf Marcel, seinen sanften Blick und seine wiederholten Liebesbekundungen. Sie strahlte die ganze Zeit über, während sie den romantischsten Abend seit langem zusammen verbrachten. Zum ersten Mal seit Monaten fühlte sie sich wieder geliebt und begehrenswert.
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Re: Farbe bekennen

Beitragvon Sammy-chan » 27. Mär 2015, 16:56

Hallo medianox,

ich wollte längst deinen Beitrag zum Regenbogenchall lesen, bin aber bisher noch nicht dazu gekommen, habe es aber jetzt nachgeholt.

Mir scheint es, dass du hier ein ganz sensibles Thema behandelst. Zumindest vermute ich mal, dass da einiges im Argen ist bei der Beziehung zwischen Theresa und Marcel, auch wenn sich Theresa etwas anderes einzureden versucht.

Ich mag es aber, wie du den Leser darüber im Dunkeln lässt. Zuerst das Kapitel aus Helenas Sicht, die einfach diese Vermutung hat, dass Marcel Theresa misshandelt. anscheinend ist da ja auch schonmal etwas vorgefallen. Aber ich war da auch unsicher, genauso wie Helena, die sich zwischendrin fragt, ob Theresas Story mit dem Fall nicht vielleicht doch stimmt. Diese Zweifel bringst du gut rüber, zumal Helena auhc in einer wirklich schwierigen Position ist. Ich meine, was machst du denn da? Wenn du die Vermutung hast, dass diene beste Freundin von ihrem Freund misshandelt wird, die aber vehement abstreitet, dass da so etwas ist?

Dann kam auch das zweite Kapitel und ja, ich mochte Marcel erst richtig gern. Und ich hab gedacht: naja, vielleicht ist da einfach auch noch etwas ganz anderes, vielleicht ist gar nicht er das Problem und HElena täuscht sich da in irgendeiner Weise. Wenn dann nicht der letzte Satz des Kapitels gewesen wäre. Wo Theresa denkt, dass sie sich das erste Mal seit Monaten wieder geliebt fühlt. Das ist ja schon ein Eingeständnis, dass da irgendwas gar nciht stimmt.

Mir gefällt deine Art auf Details einzugehen, dadurch schaffst du eine bestimmte Atmosphäre. Zum Beispiel als Theresa am Herd steht, die Kartoffeln drohen überzukochen und sie die kleiner stellt. Das ist so eine bekannte Situation, dass ich irgendwie in heimisacher Stimmung war und das hat sicher dazu beigetragen, dass ich Marcel erstmal positiver begegnet bin, als beabsichtigt.

Ich würde mich natürlich über femslash freuen, bin auf jeden Fall gespannt, wie sich die Situation weiter entwickelt. Ob Helena zu Theresa durchdringen wird oder ob es letztendlich erst eskalieren muss zwischen ihr und MArcel, bevor sie die Wahrheit erkennt.

Ich freue mich auf jeden Fall auf den März-Beitrag :)
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Re: Farbe bekennen

Beitragvon Medianox » 28. Mär 2015, 16:33

Oha. Hey!

Ich bin gerade etwas erstaunt, dass die Geschichte tatsächlich gelesen wurde. Vor allem wohl gerade wegen dem eher langsamen und schwammigen Einstieg. Ich werfe in jedem Kapitel ein paar Informationsbröckchen hin, aber auch nach zwei (*hust* drei) Kapiteln ist immer noch nichts passiert. Erfahrungsgemäß spricht das den Großteil der Leser ja nicht so an. ^^

Ich weiß auch selbst gar nicht so genau, wieso ich das Thema ausgesucht habe. Es war einfach plötzlich da. Gegen hartnäckige Plotbunnys kann man bekanntlich nichts machen.

Aber es ist echt interessant so sehen, wie die Geschichte aus der Leserperspektive wahrgenommen wird. Ich freue mich grad wie ein Schnitzel. Anscheinend ist es bisher in etwa so rübergekommen, wie ich mir das vorgestellt habe. Besonders Marcel. Sein Auftritt war eigentlich eher ein spontaner Einwurf. Ursprünglich sollte er erst später vorkommen, aber dann habe ich mich dazu entschieden, die Perspektive zwischen Helena und Theresa abwechseln zu lassen und das hieß dann, dass er doch schon früher antanzen durfte.

Lustigerweise entwickeln sich die Details und Charakterzüge oft erst durch die Prompts. Vor allem jetzt beim März. Spoiler! :twisted: Und eigentlich basiert die ganze Geschichte ja sowieso auf dem blauen Fleck. Ihr habt echt ein glückliches Händchen dafür, brauchbare Sachen zu finden.

Die femslashige Richtung schiebe ich übrigens auch auf euer Forum. Schämt euch. :P Aber naja, detailliert wird das sowieso nicht. Sonst würde ich wahrscheinlich kläglich scheitern und es wäre extrem awkward. Ich weiß ja noch nicht mal, ob es nicht onesided bleibt.

Ich fürchte allerdings, dass der März-Beitrag erst Anfang April kommt. Es fehlt zwar nur noch die letzte Szene, aber Uni-Kram beansprucht gerade meine ganze Zeit und der hat leider eine höhere Priorität. :(
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Re: Farbe bekennen

Beitragvon Sammy-chan » 30. Mär 2015, 10:47

Hey,

naja, gerade beim Original braucht es am Anfang ja auch ein bisschen Zeit, um die Charaktere und die Situation kennen zu lernen, da kann es nicht gleich so rund gehen, wie ich finde. Aber ich finde, dass mich die Story bereits abgeholt hab, ich möchte jetzt schon wissen, wie die Beziehung zwischen Theresa und Marcel tatsächlich aussieht und ob und wie Theresa von ihm loskommt.

Gegen hartnäckige Plotbunnys hilft eigentlich nur, sie auch aufzuschreiben ;)

Manchmal sind die spontanen Ideen wirklich die Besten. eigentlich bin ich kein großer Freund von Sichtwechseln, hier finde ich es aber äußerst spannend auch Theresas Sicht zu erfahren. Einfach weil für sie im ersten Moment alles so "in Ordnung" scheint und damit hätte sie mich beinahe bekommen.

Oh ich hoffe auch die weiteren Prompts sind so inspirierend :) Ich bin jetzt schon sehr gespannt, welchen Prompt du im März meinst. Keiner springt mir jetzt bezüglich der Charakterentwicklung ins Auge.

Ahaha, neeee, wir schämen uns ganz und gar nicht ;) Es muss auch gar nicht detailliert sein, momentan scheint das wegen des Kink-Pokers alles ein bisschen Sex-lastig hier x) Aber so grundsätzlich ist das nicht das, was der zentrale Punkt einer Story sein sollte oder das ist, was die Story ausmacht. (und so langsam muss ich auch gestehen gesättigt zu sein hier, auch wenn es Spaß macht XD).

Ich hoffe der Uni-Stress lässt bald ein bisschen nach, geht ja wirklich leider vor, aber das ist ja oft so Stossweise, zu Klausurphasen etc.
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Re: Farbe bekennen

Beitragvon Medianox » 30. Mär 2015, 18:02

Verwendete Prompts: alle


Kapitel 3: Schönwetterfront

„Das gibt’s doch nicht!“, rief Theresa entgeistert aus, als die grüne Ampel vor ihnen auf rot umsprang, als sie diese gerade erreichten. Helena konnte ihr Gelächter kaum zurückhalten, als ihre Freundin wütend fluchte.

„Irgendein höheres Wesen hat sich doch gegen uns verschworen! Das ist jetzt schon die vierte Ampel, die uns verarscht hat“, schimpfte sie, während sie unnötigerweise mehrmals auf den gelben Knopf drückte.

„Ach komm, reg dich nicht auf. Wir sind sowieso gleich da“, versuchte Helena, sie zu beruhigen.

„Umso ärgerlicher!“, war die Antwort.

Helena schüttelte gutmütig den Kopf, sagte aber nichts mehr. Sie war viel zu gut gelaunt, um sich heute über so etwas Triviales wie eine kurze Wartezeit an einer Fußgängerampel zu aufzuregen. Und so seltsam es auch war, trug Theresas Meckern nur dazu bei, dass ihre Laune noch besser wurde. Es zeigte ihr, dass alles in Ordnung war. Tatsächlich schien es, als hätten die langen Herbst- und Wintermonate, in denen sie sich kaum gesehen hatten, gar nicht existiert. Sie trafen sich wieder regelmäßig – Theresa hatte sogar die Initiative ergriffen – und sie konnten wieder miteinander reden wie vorher. Und dadurch, dass sie ihrem Ärger nun lautstark Luft machte, verhielt sich Theresa endlich wieder normal. Laut, energisch, leidenschaftlich. Ganz anders als die ruhige, eingeschüchterte Fremde, die zeitweise ihren Platz eingenommen hatte.

Mit einem zufriedenen Lächeln nickte Helena in Richtung Ampel. „Da, grün. Wahrscheinlich hat sie dein Geschimpfe gehört und vor Angst wieder umgeschaltet.“

„Dann weiß sie ja immerhin, was gut für sie ist.“ Theresa grinste überlegen, während sie die Straße überquerten. Nur zwei Ecken weiter und sie konnten bereits das Hallenbad sehen.

Auch das war Theresas Idee gewesen. Aus irgendeinem Grund hatte sie es sich in den Kopf gesetzt, unbedingt schwimmen gehen zu wollen. Helena sollte es recht sein. Warum sollte sie sich auch beschweren, wenn sie so endlich ihre Freundin zurückbekommen konnte?

Vergnügt schlenderten sie zusammen das letzte Stück des Weges entlang und als sie den Eingang erreichten, hielt Helena ihr zuvorkommend die Glastür auf, was Theresa dankend zur Kenntnis nahm. Bereits im Eingangsbereich konnten sie durch eine große Glaswand den Schwimmbereich einsehen. Eine große Gruppe Kinder spielte ausgelassen im türkis schimmernden Abenteuerbecken, aber sonst schien es nicht zu überfüllt zu sein. Sie kauften sich zwei Eintrittskarten und gingen den langen Gang entlang zu den Umkleiden.

Als Helena aus ihrer Kabine trat, stand Theresa bereits umgezogen an ihrem Spind und holte ein paar Badelatschen aus ihrem Rucksack, bevor sie die Tür schloss und sich das Band mit dem Schlüssel daran an ihrem Handgelenk befestigte. „Du hast es ja eilig“, kommentierte Helena und verstaute ihre eigenen Sachen im Spind daneben.

„Ich hatte eigentlich schon seit ein paar Wochen Lust, mal schwimmen zu gehen“, gab Theresa zu. Dann warf sie Helena einen Blick zu. „Kommst du?“

„Sofort.“ Sie zog schnell den Schlüssel ab und befestigte ihn ebenfalls an ihrem Handgelenk, während sie sich auf den Weg zu den Becken machten. Doch zuvor hieß es, einmal unter die Dusche zu gehen. Dort fiel ihr Blick auf Theresa, die ihr Gesicht mit nach oben geneigtem Kopf unter den Duschstrahl hielt. Das Wasser lief ihren Hals hinab, über die Brust, den dünnen Bauch und ihre schlanken Beine. Helenas Augen konnten sich gar nicht satt sehen an der hellen Haut, die sonst unter ihrer Kleidung verborgen war und nun von dem knappen, grünlichen Bikini nur spärlich bedeckt wurde. Besonders der kleine Leberfleck an ihrer Seite, knapp über dem Unterteil schien ihre Aufmerksamkeit wie magisch anzuziehen.

„Du musst nicht immer so misstrauisch sein.“

Ertappt zuckte sie zusammen und sie merkte wie das Blut in ihre Wangen schoss, als sie realisierte, dass sie beim Starren erwischt worden war. „Was?“, fragte sie kleinlaut.

Theresa rollte mit den Augen und verschränkte die Arme vor der Brust. „Du hast wieder nach blauen Flecken gesucht, stimmts?“ Sie ignorierte Helenas Gestammel und fuhr fort: „Das ist wirklich nicht nötig. Ich sagte doch, es ist alles in Ordnung. Mir geht es gut. Glaub mir doch endlich mal.“

Na, wenn ihr schon so eine passende Ausrede präsentiert wurde, würde sie natürlich mitspielen. „Ich wollte nur auf Nummer sicher gehen“, antwortete sie daher. Innerlich atmete sie auf, dass Theresa ihre eigenen Schlüsse gezogen hatte. Hätte sie ihr sagen können, warum sie eigentlich nicht wegsehen konnte? Nein, wahrscheinlich nicht. Der Wasserstrahl ihrer eigenen Dusche hörte in diesem Moment auf und sie blickte verdutzt nach oben. Auf den hatte sie gar nicht mehr geachtet.

„Na los, gehen wir. Ich will endlich ins Wasser!“, drängte Theresa und ging schon voraus. Helena blickte bewusst nicht in die Nähe ihres Hinterns, als sie ihr folgte. Sie musste es nicht noch schlimmer machen. Stattdessen schalt sie sich, wie so oft. Was war sie nur für eine schlechte Freundin...

Als sie an den Sprungblöcken ankamen, sprang sie sogleich mit dem Kopf voran in das kühle Nass, um die unerwünschten Gedanken zu vertreiben und fing an, ein paar Bahnen zu schwimmen. Vielleicht würde sie ihren Kopf dadurch ein wenig frei bekommen und sich klar machen können, dass zwischen ihnen eine Freundschaft bestand. Nicht mehr und nicht weniger.

___

Einige Zeit später lehnte sie entspannt den Kopf auf den Rand des Sprudelbeckens zurück und genoss das heiße Wasser. Wenn sie die Augen aufschlug, konnte sie über sich die künstlichen Bäume sehen, zwischen denen sich das runde Becken befand. Fast konnte man sich fühlen, als säße man wirklich unter dem Blätterdach des Waldes. Eines Waldes, zwischen dessen Baumkronen nicht die Sonne, sondern eine Deckenlampe hindurchblitzte, in dem die Blätter der Bäume nicht vom Wind bewegt wurden und in dem keine Tiere lebten und dementsprechend auch keine Vögel sangen. Stattdessen wurde die Geräuschkulisse vom ausgelassenen Kreischen spielender Kinder und dem Platschen spritzendem Wassers ersetzt. Okay, man brauchte schon einiges an Fantasie für diesen Vergleich. Dennoch war es ziemlich entspannend, sich einfach zurückzulehnen und sich von den blubbernden Blasen massieren zu lassen. Und mit geschlossenen Augen konnte man sich den Wald sowieso viel besser erträumen.

„Helena?“

Träge öffnete sie ein Auge, um zu ihrer Freundin rüber zu schielen und signalisierte ihr mit einem „Hmm?“, dass sie zuhörte.

„So sehr ich es auch hasse, die Spaßbremse spielen zu müssen, aber wir sollten bald rausgehen, wenn wir nicht mehr zahlen wollen“, sagte Theresa.

Ihr Blick suchte die Uhr, die an der Wand rechts von ihnen angebracht war. Tatsächlich waren ihre zwei Stunden schon fast um. Wie schnell doch die Zeit verging. Wenn sie länger blieben, würden sie für jede angefangene Stunde extra zahlen. Soviel zur totalen Entspannung. Mit einem Seufzen schloss sie die Augen noch einmal, bevor sie mit dem Kopf kurz untertauchte, um wieder wach zu werden. Als sie wieder auftauchte, wischte sie sich das Wasser und ein paar schwarze Strähnen aus dem Gesicht. „Na dann los“, sagte sie widerwillig.

Theresa erhob sich weit weniger schwerfällig als sie und lachte. „Du wärst eben fast eingeschlafen, hm?“

„Wenn du mich noch eine Weile liegen gelassen hättest, wer weiß...“

„Durch das viele Schwimmen bin ich richtig hungrig geworden. Was sagst du, gehen wir noch ins Restaurant hier im Bad?“, schlug Theresa vor.

Unwillkürlich musste Helena grinsen. Diesen kleinen Laden, der sich in einem Nebenraum am Eingang des Schwimmbads befand, als Restaurant zu bezeichnen, war schon etwas gewagt. Immerhin bestand das Angebot dort zum größten Teil aus Gebäck und belegten Brötchen. Aber für einen Imbiss nach dem Schwimmen war es ausreichend. Auch ihrem Magen schien die Idee zu gefallen, denn er signalisierte ihr beim bloßen Gedanken daran spontan, dass er auch hungrig war. „Klar, wenn ich es mir recht überlege, könnte ich auch etwas zu Essen vertragen“, erwiderte sie, als sie sich auf den Weg zu den Duschen machten.

Die Auswahl war wie erwartet nicht besonders groß, wie sie Minuten später feststellen mussten. Hinter der Glasanrichte waren verschiedene Brötchen und Sandwiches neben Donuts und Kuchen aufgereiht.

„Tja, auf was hast du denn Appetit?“, fragte Theresa unschlüssig.

„Spinat mit Kartoffeln“, antwortete Helena wahrheitsgemäß.

Theresa grinste. „Das dürfte schwierig werden. Wie wäre es mit etwas, das hier auch verkauft wird?“

„Hmm, ich denke, ich hätte gern eins von diesen Schinkenbrötchen mit Gurken“, teilte sie schließlich der jungen Frau hinter der Theke mit.

„Und ich nehme ein Stück Käsekuchen“, fügte Theresa hinzu.

„Alles klar“, sagte die Verkäuferin mit einem freundlichen Lächeln. „Darf es noch etwas zu Trinken sein?“

„Warum eigentlich nicht?“ Helenas Blick schwenkte zum Getränkeschrank. Dann blieb er jedoch an einer großen Glasschüssel hängen, die mit einer gelblichen Flüssigkeit gefüllt war. Davor stand ein kleines Schildchen, auf dem ein Waldmeisterblatt abgebildet war. „Hey, ihr habt hier wohl Waldmeisterbowle?“, fragte sie.

„Ganz genau, das ist unser aktuelles Angebot“, ging das Mädchen sofort hochmotiviert darauf ein.

Helena fragte sich, ob sie wohl gerade erst hier angefangen hatte, schob den unwichtigen Gedanken aber dann beiseite. „Dann hätte ich gern ein Glas davon. Was ist mit dir?“ Sie wandte sich an Theresa.

Ihre Freundin zuckte mit den Schultern. „Man kann ja mal probieren.“

„Also dann zwei Gläser. Kommt sofort!“ Es war irgendwie schon niedlich, wie sie sich so gewissenhaft um die Bestellungen kümmerte. Helena konnte nicht anders, als ihr beim Bezahlen ein bisschen Trinkgeld da zu lassen.

Sie schnappten sich ihr Essen und ihre Bowle und suchten sich einen Platz an den kleinen weißen Plastiktischen. Es schmeckte gar nicht mal schleckt, das Brötchen war frisch und die Gurken knackig. Die Bowle, wahrscheinlich mit Sirup gemacht, schmeckte zwar nicht so gut wie eine aus frischen Blättern, aber der Geschmack war okay. Für frischen Waldmeister war es einfach noch zu früh im Jahr. Aber sie hatte so lange schon keine Waldmeisterbowle mehr getrunken, dass ihr selbst diese Variante schmeckte. Daher dauerte es auch gar nicht lange, bis sie sich ein zweites Glas holte.

Die Unterhaltung wurde größtenteils während dem Essen eingestellt, sobald ihre Teller leer waren, knüpfte sie allerdings wieder dort an, wo sie vorher aufgehört hatte. Bis sie von einem leisen Geräusch aus Theresas Handtasche unterbrochen wurde.

„Oh, Sekunde“, sagte sie, während sie ihr Smartphone aus den Untiefen der Tasche kramte. Sie hantierte kurz damit, bevor sie einen entschuldigenden Blick in Helenas Richtung warf. „Sorry, Marcel hat mir eine Nachricht bei WhatsApp geschickt. Da muss ich mal kurz antworten.“

„Klar.“ Sie versuchte, sich ihre Abneigung nicht anmerken zu lassen, als sein Name fiel. Sie hatte Marcel nie leiden können. Vielleicht regte sie sich unnötig über ihn auf, vielleicht versuchte sie auch unbewusst, ihm irgendetwas anzuhängen. Und ja, vielleicht hatte das alles damit zu tun, dass sie eifersüchtig auf ihn war. Das war ihr alles bewusst. Bei ihrer... Begutachtung vorhin hatte sie ja wirklich keine blauen Flecken oder sonstige Verletzungen an ihrer Freundin entdecken können. Vielleicht tat sie ihm also wirklich unrecht. Trotzdem konnte sie diese Vorbehalte nicht einmal für Theresa ablegen. Und sie konnte auch nicht anders, als jetzt etwas sarkastisch zu fragen: „Was gibt es denn so Dringendes?“

Theresa hatte anscheinend nichts bemerkt, denn sie antwortete freundlich: „Ach, er will nur wissen, wann ich nach Hause komme. Ich schreibe ihm nur schnell, dass wir noch etwas essen.“

„Du bist ihm gar keine Antwort schuldig. Es muss doch nicht wissen, wo du zu jeder Sekunde des Tages bist“, sagte sie, bevor sie darüber nachdenken konnte.

Theresa runzelte die Stirn. „Er macht sich doch nur Sorgen.“

Helena hatte große Lust, das Ganze noch weiter durchzudiskutieren, aber das würde wahrscheinlich wieder in einer Meinungsverschiedenheit enden, bei der keiner von ihnen von ihrem Standpunkt abweichen würde. Und vielleicht sollte sie sich sowieso etwas zurückhalten und nicht so besitzergreifend erscheinen. Sie seufzte innerlich. Nun, da Theresa sowieso beschäftigt war, konnte sie sich genauso gut noch ein Glas Bowle holen. Doch gerade, als sie den Stuhl zurückschob, meldete sich ihre Freundin noch einmal zu Wort.

„Meinst du nicht, du hattest genug?“, fragte sie und sah über den Rand ihres Smartphones zu ihr hinüber.

Helena blickte verdutzt zurück, während sie schon das Glas in der Hand hielt und kurz davor war, aufzustehen. „Was?“

„Du musst dich doch nicht mitten am Tag betrinken.“

Sie musste lachen. „Betrinken? Komm schon, wegen drei Gläsern Bowle bin ich doch nicht betrunken.“

Theresa verschränkte ein wenig gekränkt die Arme vor der Brust. „Ich habe gehört, von Waldmeisterbowle kriegt man schnell Kopfschmerzen.“

„Was du alles für Blödsinn hörst. Ich weiß auch gar nicht, was du jetzt auf einmal für ein Problem hast. Es ist ja nicht so, als müsste ich noch mit dem Auto nach Hause fahren. Wir sind zu Fuß hier. Wen kümmert es, wenn ich da ein bisschen trinke?“

„Hm. Mach doch, was du willst.“ Dann wandte Theresa sich wieder ihrer Nachricht zu.

Helena war verwirrt. Was sollte das denn gerade? Sie verstand nicht, warum ihre Freundin plötzlich so seltsam war. Aber es schien ihr aus irgendeinem Grund ziemlich wichtig zu sein. Das war es auch, was sie schließlich dazu veranlasste, sich stattdessen eine Cola zu holen. Sie war sich nicht sicher, ob sie es sich nicht doch nur einbildete, meinte aber eine gewisse Erleichterung in Theresas Gesicht ablesen zu können, als sie wieder an ihren Tisch zurückkehrte.
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Re: Farbe bekennen

Beitragvon Medianox » 30. Apr 2015, 22:39

Verwendete Prompts: alle


Kapitel 4: Sommertraum

Die große Plastiktüte in ihrer rechten Hand raschelte laut, als Theresa die Wohnungstür aufschloss. Sie kam gerade von einer ausgiebigen Shoppingtour mit Helena und Emma, Helenas Mitbewohnerin und Kindheitsfreundin, die Theresa dadurch erst kennengelernt hatte. Sie unternahmen manchmal Sachen zu dritt und die heutige Suche nach diversen Kleidungsstücken war ein voller Erfolg gewesen. Sie hatte ein paar echt tolle Klamotten für den Frühling gefunden und konnte es gar nicht abwarten, sie demnächst anzuziehen. Die Wintersachen waren doch schon etwas zu dick für das immer schöner werdende Wetter. Und vielleicht fand Marcel auch Gefallen an den figurbetonten Kleidungsstücken. Ihr Lächeln erstarb erst, als sie über die Türschwelle trat und Marcels Schuhe willkürlich im Flur verstreut vorfand.

War er etwa schon zurück? Eigentlich sollte er doch noch bei der Arbeit sein. War irgendetwas passiert? Mit einem flauen Gefühl in der Magengegend hob sie die Schuhe auf und stellte sie ordentlich zu den anderen neben der Tür. Ihre Eigenen gesellten sich einen Augenblick später dazu und ihre Jacke fand den Weg an den Haken, bevor sie ins Wohnzimmer ging.

Marcel war tatsächlich schon da. Er saß auf der Couch und starrte aus dem Fenster. Theresas Blick wurde allerdings eher von der Bierflasche auf dem niedrigen Tisch angezogen. Ihr Mund war plötzlich sehr trocken. Sie schaffte es erst, den Blick von der Flasche zu lösen, als ihr Freund ruckartig aufstand und sich zu ihr umdrehte.

„Was ist das?“

Sie wusste nicht, was er meinte. Aber aus seinem Tonfall konnte sie deutlich heraushören, dass er gereizt war. Sie wollte ihn nicht durch ihre Begriffsstutzigkeit verärgern. Fieberhaft überlegte sie, was er von ihr wissen wollen könnte, doch die Flasche störte ihre Konzentration und drängte sich immer wieder in ihren Gedanken in den Vordergrund.

„Ich hab gefragt, was du da hast“, sagte Marcel auch schon ungeduldig.

Sie verfolgte seinen Blick zu der Tüte, die sie immer noch in der Hand hielt und verstand endlich, wovon er redete. „Klamotten“, beeilte sie sich, ihm mitzuteilen, um ihn zu besänftigen. Es schien einen eher gegensätzlichen Effekt zu haben.

„Hast du die gerade gekauft?“ Er wartete keine Antwort ab und fuhr fort. „Und von welchem Geld? Hast du eine Ahnung, wie teuer dieser Kram ist? Wovon sollen wir denn das Essen bezahlen?“

Während er sprach, war er näher gekommen. Er ging zwar aufrecht, aber als er direkt vor ihr stand, konnte sie deutlich seine Fahne und den leichten Zigarettenrauch auf seiner Kleidung riechen. Das war nicht sein erstes Bier gewesen. Wahrscheinlich war er vorher bereits in der Kneipe um die Ecke gewesen.

„Ich kann sie gleich morgen zurückgeben“, versuchte sie, ihn zu beschwichtigen. Es schien, als habe er sie gar nicht gehört.

„Dass ihr Weiber auch immer so viel Geld ausgeben müsst. Sehe ich etwa aus wie ein Geldscheißer? Das Zeug wächst doch nicht auf Bäumen. Denkt ihr überhaupt nach, bevor ihr im Kaufrausch einen ganzen Laden leerräumt?“ Seine Stimme war nach und nach immer lauter geworden.

„Schatz, bitte. Es tut mir leid.“ Theresa vermied es, ihm ins Gesicht zu sehen. Sie mochte seinen Blick nicht, wenn er betrunken war. „Ich gebe sie zurück, das ist kein Problem. Es sind nur ein paar Sachen für den Frühling. Ich dachte, das geht in Ordnung, weil es doch durch deine neue Arbeit endlich wieder bergauf geht.“

Er lachte freudlos. „Jaa, die tolle neue Arbeit, wo ich heute gefeuert wurde.“

Ihr Kopf schnippte hoch. „Was?“ Sie suchte in seinem Gesicht ein Anzeichen einer Lüge, doch alles was sie erkennen konnte, war Abscheu. Gegen wen dieser gerichtet war, vermochte sie nicht zu sagen. Sie hoffte, es galt nicht ihr. Sie hatte doch nie etwas tun wollen, was ihm missfiel. Warum war sie heute überhaupt mitgegangen? Sie hätte zu Hause bleiben sollen. Dann hätte sie gleich für Marcel da sein können, als er zurückkam. Er brauchte jetzt ihre Unterstützung. Anscheinend hatte er Recht, wenn er sagte, dass ihre Freundinnen ein schlechter Umgang für sie waren.

„Was?“, äffte er sie genervt nach. „Bist du taub? Der scheiß Spießer hat mich rausgeschmissen. Wegen ein paar Minuten Verspätung. Der kann sich auch echt anstellen.“

„Wegen einmal zu spät kommen kann er dich doch nicht entlassen! Da kann man doch sicher etwas machen!“

Er brummte verstimmt. „Einmal, zweimal, was macht das schon? Ist ja nicht so, als würde die Arbeit wegrennen.“

Das war nicht das erste Mal gewesen? Das war schlecht. Sie wusste nicht, ob das noch zu retten war. Aber... „Wir müssen es wenigstens versuchen und noch mal mit ihm reden. Vielleicht überlegt er es sich noch mal, wenn du es ihm erklärst.“

„Das glaubst du doch selbst nicht! Der hat doch nur nach 'nem Grund gesucht, mich zu schikanieren. So wie die ganzen letzten Wochen. Jetzt muss ich schon wieder was Neues suchen. Wenn ich schon dran denke, wie die Tussi vom Amt wieder mit bescheuerten Vorschlägen kommt, könnt' ich durchdrehen. Das dauert doch wieder ewig, bis ich was Gescheites finde. Als Elektriker hast du hier echt die Arschkarte gezogen.“

Theresa zögerte, bevor sie ihren Vorschlag aussprach. „Und wenn ich mir auch eine Arbeit suche? Ich könnte etwas dazuverdienen, bis es uns finanziell besser geht. Es muss ja nicht Vollzeit sein. Teilzeit würde ja-“

Das Klatschen hallte laut in ihren Ohren wider, als ihr Kopf plötzlich zur Seite geworfen wurde. Verwirrt und orientierungslos hob sie ihre Hand an die schmerzende Wange, doch sie blickte nicht wieder auf. Was war passiert? Hatte Marcel- Nein. Der Marcel, den sie liebte und der sie liebte, würde sie nie schlagen. So war er nicht. Es war der Alkohol, der ihn veränderte. Dieses verdammte Gift beeinflusste sein gesamtes Verhalten. Und dabei hatte es in letzter Zeit so lange geklappt. Er hatte keinen Tropfen dieses Teufelszeugs mehr angeführt, seit er den neuen Job bekommen hatte. Und jetzt...

„Willst du mich verarschen? Wie stehe ich denn da, wenn du arbeiten gehst? Dass ich nicht mal mich und meine Frau ernähren kann? Willst du das? Willst du mich beleidigen?“ Sie zuckte unwillkürlich zusammen, als er sie plötzlich anschrie.

„Nein, natürlich nicht. Das war dumm, tut mir leid.“ Sie sollte wirklich vorher nachdenken, bevor sie irgendwelche blöden Ideen von sich gab. Besonders nicht, wenn Marcel betrunken war. Er war einfach nicht derselbe. Der richtige Marcel war ganz anders. Freundlich, liebevoll, perfekt. Wie bei ihrem Picknick letzten Sommer.

Die Sonne hatte an diesem Tag ihre ganze Kraft demonstrieren wollen und keine Wolke am Himmel neben sich zugelassen. Die Gräser kitzelten unter ihren nackten Füßen, als sie sich einen Platz auf der grünen Wiese suchten, um ihre Decke auszubreiten. Sie hatten alles gemeinsam vorbereitet und einen großen Korb voller Essen und Getränke zusammengepackt.

„Hier sieht's doch gut aus“, meinte Marcel und deutete auf eine Stelle im Halbschatten unter einer Lärche. Mit einem Nicken stimmte Theresa zu und sie ließen sich ein wenig abseits des Baumes nieder. Jedoch nicht, ohne vorher einige kleine Zapfen aus dem Weg zu räumen, auf denen das Sitzen sicherlich unbequem gewesen wäre.

Sie holten ihren Proviant aus dem Korb und breiteten ihn wie ein leckeres Buffet auf ihrer Decke aus. Als sie fertig waren, wandte sich Marcel an sie. „Und, was darf's sein?“

„Hmm...“ Theresa überblickte die Auswahl aus Obst, Keksen, geschmierten Broten und verschiedenen Getränken vom Limettensaft bis zur Cola. „Ich denke, ich nehme für den Anfang ein Käsebrot.“

„Alles klar.“ Er beugte sich vor, um eines davon zu nehmen. „Bitte sehr, die Dame.“

„Vielen Dank!“, erwiderte sie mit einem Grinsen. „Und was nimmst du?“

Sein Blick fiel kurz auf die grünen Äpfel, bevor er sich doch für eine Birne entschied. Während sie aßen, alberten sie herum und genossen die Zweisamkeit. Als Theresa einen Moment still war und das Gefühl des warmen Lüftchens auf ihrer Haut genoss, streichelte Marcel mit seinem Fuß über ihren. Er fing ihren Blick auf, als sie zu ihm sah und zog sie einen Moment später in einen liebevollen Kuss. Der Frieden hielt nicht allzu lange, denn was als harmloses Füßeln angefangen hatte, entwickelte sich rasch zu einen hitzigen Fußkampf.

Sie ließen sich schließlich lachend zurück auf die Decke fallen, da sich keiner geschlagen geben wollte und das Match in einem Unentschieden endete. Es dauerte nicht lange, da nutzte Marcel die Gelegenheit, um sie zu sich in seinen Arm zu ziehen und mit Weintrauben zu füttern. Rundum glücklich ließ sie sich von ihm verwöhnen und hätte ewig dort in der Sonne liegen können.

Leider musste selbst dieser schöne Tag irgendwann enden und Theresa wurde von der knallenden Tür in die Realität zurückgeholt. Marcel war fort. Sie hatte gar nicht bemerkt, dass er gegangen war. Ob er noch wütend war? Höchstwahrscheinlich.

Ihr Blick fiel auf das Alpenveilchen am Fenster. Sie hatte ganz vergessen, das braune Blatt zu entfernen, das ihr vor Wochen schon aufgefallen war. Als sie zum Fenster ging, um das nachzuholen, bemerkte sie, dass mittlerweile bereits zwei Blätter braun waren und ein weiteres auf dem besten Weg war, bald genauso auszusehen. Schnell knipste sie alle drei mit den Fingernägeln ab. Was sollten denn die Nachbarn denken, wenn sie eine verwelkte Blume auf ihrer Fensterbank sahen? Die mussten sie ja für irgendwelche Penner halten.

Sie drehte sich um und wollte die Blätter in den Müll bringen, da fiel ihr plötzlich die kleine Eidechse aus Holz auf, die Marcel ihr geschenkt hatte, kurz nachdem sie zusammengekommen waren. Er wusste eben, dass das ihre Lieblingstiere waren. Nach dem Einzug hatte sie schnell einen gut sichtbaren Platz im Regal neben dem Fernseher eingenommen. Aber wenn man genau hinsah, konnte man erkennen, dass die Echse von einer feinen Staubschicht bedeckt war.

Um das zu überprüfen, fuhr Theresa mit dem Finger über ihren hölzernen Rücken mit den schwarzen Verzierungen. Tatsächlich, total staubig. Wann hatte sie das letzte mal hier Staub gewischt? Was, wenn das ein Besucher bemerkt hatte? Das musste sie schleunigst ändern. Und wo sie schon dabei war, gesaugt werden konnte hier auch mal wieder. Der Müll war sicherlich auch wieder voll und der Flur hätte schon letzte Woche gewischt werden sollen. Unverzüglich machte sie sich ans Werk, das Versäumte nachzuholen. Ein wenig Sauberkeit musste schließlich sein.
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Re: Farbe bekennen

Beitragvon Medianox » 31. Mai 2015, 22:34

Diesmal nur ein kleines Intermezzo. Emma stammt aus einem unabhängigen Oneshot. Als ich am April geschrieben habe, hat sie mich so sehr bequatscht, dass sie die Rolle als Mitbewohnerin in dieser Geschichte übernehmen durfte. Falls Interesse besteht, überlege ich mir, ob ich den Oneshot auch noch hochlade.

Verwendete Prompts: alle


Kapitel 5: Sturmwarnung

Helenas Blick wanderte ständig in Richtung der großen Wanduhr, die über der Küchentür hing. Der Sekundenzeiger tickte hartnäckig vor sich hin und störte sich gar nicht daran, dass sie sich nicht entscheiden konnte, ob er zu schnell oder zu langsam weiterwanderte. Den ganzen Tag hatte sie schon versucht, sich irgendwie abzulenken, zwischendurch auch indem sie versucht hatte, an ihrem neuesten Bild weiterzuarbeiten. Doch die farbenprächtigen Rapsfelder darauf passten nicht zu ihrer Stimmung und so surfte sie seit einer Weile nur ziellos im Internet, während Die Simpsons leise im Hintergrund zu hören waren. Sie hätte vorhin nach dem Durchzapfen den Fernseher ausschalten sollen, statt die Fernbedienung nur auf die Couch zu werfen, als sie das Wohnzimmer verlassen hatte. Gerade, als sie darüber nachdachte, aufzustehen und das nachzuholen, hörte sie, wie der Schlüssel in der Wohnungstür gedreht wurde.

Erneut sah sie zur Küchenuhr und runzelte die Stirn. Hatte Emma nicht etwas von wegen „früher Nachmittag“ gesagt? Jetzt war bereits der Abend angebrochen, auch wenn man davon nicht viel merkte, weil die Tage wieder stetig länger wurden. Heute hatte sie sogar schon eine Wespe hinausscheuchen müssen, die sich wohl irgendwie verflogen hatte und durch das offene Fenster in die Wohnung gekommen war. Ja, der Sommer stand direkt vor der Tür und wollte den Frühling am liebsten frühzeitig verjagen.

Keine zwei Minuten später erschien Emmas Blondschopf auch schon in der Tür, als sie um die Ecke in die Küche spähte. „Ach, hier bist du“, sagte sie, als auch der Rest ihres Körpers folgte. „Warum hast du den Fernseher an?“

Helena lächelte und zuckte mit den Schultern.

Mit einem Augenrollen ging ihre Mitbewohnerin ins Nebenzimmer und nahm ihr die Arbeit ab, bevor sie wiederkam, sich mit einem tiefen Seufzen auf den Stuhl gegenüber von ihr niederließ und sich die Schläfen rieb. „Ich sag's dir, diese Sonne macht mich noch wahnsinnig. Nicht nur, dass man tagsüber Angst haben muss, einen Sonnenstich zu bekommen, nein, abends muss sie auch noch so tief stehen, dass sie einen beim Autofahren direkt blendet. Ich hab' kaum was gesehen. Hätte fast 'ne gelbe Tonne mitgenommen, die zu nah an der Straße stand.“

Helena klappte den Laptop zu, um sich besser mit ihr unterhalten zu können. „Wolltest du nicht auch eigentlich viel früher wieder da sein?“

Emma stöhnte genervt auf. „Oh ja. Aber du kennst ja meine Mutter.“

„Wollte sie dich wieder nicht gehen lassen?“, fragte sie mit einem Grinsen.

„Nein. Jedes Mal dieselbe Katastrophe. Fast hätte sie mich noch bequatschen wollen, dass ich Gummistiefel anziehen soll, weil es ein bisschen genieselt hat. Ich könnte ja auf dem Weg zum Auto nasse Füße kriegen und mich erkälten.“ Aber auch Emma hatte ein Grinsen im Gesicht, während sie sich beschwerte.

Dadurch, dass sie seit ihrer Kindheit eng befreundet waren, wussten sie beide, wie ihre Mutter war. Sie meinte es zwar immer nur gut, aber sie konnte einen mit ihrer Besorgnis manchmal erdrücken. Besonders wenn es um Emma ging, war sie ziemlich paranoid. Am liebsten hätte sie ihr Kind auch ganz bei sich behalten. Sie hatte dem Studium letztendlich nur zugestimmt, weil Helena mitgekommen war und ihr mehrfach glaubhaft versichert hatte, dass sie gut auf ihre Tochter Acht geben würde. Obwohl dafür kaum Anlass bestand. Emma war niemand, der unnötige Risiken einging. Wahrscheinlich hatte sie sich selbst auf dem Rückweg strikt an die Geschwindigkeitsbegrenzungen gehalten, auch wenn sie dadurch noch später ankam.

„Na ja, sie meint es halt gut.“

„Ein bisschen zu gut. Da fällt mir ein...“ Emma stand wieder auf und kam einen Augenblick später mit einer Plastiktüte zurück. Kurz darauf wanderten daraus mehrere volle Plastikbehälter in den Kühlschrank. „Verhungern werden wir in nächster Zeit wohl eher nicht“, merkte sie an, als sie die letzte Dose mit Mühe in den jetzt übervollen Kühlschrank stopfte und schnell die Tür schloss, bevor etwas rausfallen konnte.

„Ich seh's schon“, erwiderte Helena, die dem Ganzen amüsiert zugesehen hatte. „Aber immerhin mal was anderes als das übliche Tiefkühlzeug.“

„Wenn dir das zum Hals raushängt, könntest du dich ja auch mal an den Herd stellen“, meinte Emma, als sie sich wieder zu ihr setzte.

„Dann müsste ich mir ja überlegen, was ich kochen könnte. Warum machst du nicht mal was?“

„Ich und kochen?“

„Stimmt auch wieder. Wir wollen ja nicht, dass die Küche abbrennt.“ Für diesen Kommentar erntete sie einen Schlag auf den Arm.

„Pass ja auf, du“, drohte Emma spielerisch. „So schlimm sind meine Kochkünste auch wieder nicht.“ Dann seufzte sie und verschränkte die Arme auf dem Tisch. „Aber wie dem auch sei, es war schön, mal wieder zu Hause zu sein. Ich soll dich natürlich von allen herzlich Grüßen und fragen lassen, ob du nicht beim nächsten Mal mitkommen willst.“

Helena musste lachen. Sie gehörte eigentlich schon fast zur Familie. „Das ist lieb. Ich überleg's mir.“

„Wie war's denn bei dir? Erzähl mal. Du siehst ein bisschen bedrückt aus.“

Sie zuckte mit den Schultern. „War nichts Besonderes los. Ich hab nicht viel gemacht.“

Emma runzelte die Stirn, ihre Blick flackerte zum Telefon, das neben Helena auf der Fensterbank lag. „Wollte Theresa nicht noch anrufen?“, fragte sie nach.

Ein weiteres Schulterzucken war die Antwort.

„Hm. Dann sollte sie sich mal beeilen, wenn es noch dieses Wochenende sein sollte. Sie hat nur noch wenige Stunden.“

Und draußen wurde es schon langsam dunkel. Wenn sie ehrlich zu sich selbst war, hatte Helena schon seit gestern geahnt, dass auch am Sonntag nichts mehr kommen würde. Nun ja... ein bisschen Zeit hatte sie ja noch.

„Meinst du, da ist was passiert?“, fragte Emma vorsichtig.

Helena zog ein Gesicht, als hätte sie in eine Zitrone gebissen. „Jetzt mal nicht gleich den Teufel an die Wand. Das ist ja nicht das erste Mal, dass sie sich plötzlich nicht mehr meldet. Und hinterher hat sie es einfach nur irgendwie vergessen oder es kam was dazwischen...“, versuchte sie eine Erklärung zu finden. Auch wenn ihre Gedanken gestern auch schon in diese Richtung abgedriftet waren. Aber sie versuchte, ihre Angst zu ersticken.

„Ja, vielleicht ist es nur das.“ Sie spürte Emmas Blick deutlich auf sich. Wahrscheinlich war ihr klar, dass sie sich selbst Gedanken machte. Immerhin wusste Emma von ihren Gefühlen und ihren Bedenken bezüglich Theresas Freund. „Aber vielleicht solltest du trotzdem mal bei ihr vorbeischauen, wenn sie sich bis Freitag noch nicht gemeldet hat.“

„Dann regt sie sich nur wieder auf, dass ich eine alte Glucke bin.“

Emma schnaubte leise. „Na und? Dann weißt du immerhin, dass es ihr gut geht. Und sie hat gesagt, dass sie sich melden will, oder nicht? Wenn sie nicht will, dass die Leute sich Sorgen machen, soll sie ihre Versprechen halten. Ganz einfach.“

Ein kleines Lächeln schlich sich auf Helenas Gesicht. „Wenn du es so ausdrückst...“

„Na also.“ Emma stützte sich mit den Händen auf dem Tisch ab, als sie sich aufrichtete und so den Stuhl über die Fliesen scharrte. „Wenn du mich jetzt entschuldigst, ich denke, ich nehme ein Entspannungsbad. Ich habe die Befürchtung, dass ich immer noch Federn in den Haaren habe, nachdem Fritzi vorhin versucht hat, sich dort ein Nest zu bauen.“

Nun wuchs das Lächeln zu einem Grinsen an. Jetzt wo sie es sagte, ihre kurzen Haare waren tatsächlich etwas unordentlicher als sonst. Fritzi war der Kanarienvogel von Emmas Eltern, der sich mit Vorliebe in Haare eingrub, wenn er nicht zu sehr beschäftigt war, mit dem Schmuck zu spielen, den man nicht sofort nach Betreten des Hauses auszog. Ihre kleinen Ohrstecker hatte Emma aus genau diesem Grund auch hier gelassen, bevor sie am Donnerstag zum langen Wochenende losgefahren war. „Was für ein Glück, dass Fritzchen keine Federn hat“, merkte sie an. So hatten sie die gelbe Quietscheente feierlich im Badewasser getauft, die sie Emma kurz nach dem Einzug in diese Wohnung aus Spaß als Ersatzhaustier präsentiert hatte, damit sie nicht so große Sehnsucht nach ihrem gefiederten Freund hatte.

„Stimmt. Vielleicht darf er heute ja mal wieder mit baden.“

„Da freut er sich bestimmt.“

Während Emma ins Bad verschwand, blieb Helena noch eine Weile in der Küche sitzen, immer mal wieder auf das Telefon schielend, auch wenn die Wahrscheinlichkeit, dass Theresa noch anrief, eigentlich schon gegen Null sank. Aber die Hoffnung starb bekanntlich zuletzt. Das tat sie dann auch, als die Uhr schließlich Mitternacht anzeigte. Das Telefon blieb weiterhin stumm.
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Re: Farbe bekennen

Beitragvon Sammy-chan » 5. Jun 2015, 17:19

Hey, ich war in letzter Zeit bissel beschäftigt, deshalb bicn ich gar nicht zum Lesen gekommen, aber dafür konnte ich jetzt drei Kapitel am Stück lesen. :D

Ich muss sagen, ich bin echt fasziniert, wie du es schaffst immer alle Promots zu verarbeiten und vor allem so, dass man gar nicht merkt, dass sie ein Muss waren. Es wirkt alles so, als wenn es genauso geplant war. Vor allem Kapitel 3 hat mir da total gut gefallen. Zum Beispiel mit der Ampel, am Anfang über die sich Theresa so aufregt und man als Leser versteht, dass sie eigentlich eine ganz andere PErson ist, als die, die wir bisher kennen gelernt haben. Weil Helena da erwähnt, dass sie eigentlich voller Leidenschaft ist.
Und dann die Waldmeisterbowle, wo man direkt ahnt, dass Theresa ein PRoblem damit hat, wenn jemand Alkohol trinkt und das höchstwahrscheinlich mit MArcel zusammenhängt.

Und ja, dann kam KApitel 4, wo diese Vorahnung dann zur Gewissheit wurde. Und ich finde, dass du es gut beschrieben hast, wie Theresa die Schuld irgendwie bei sich sucht oder beim Alkohol, auf keinen Fall bei Marcel . Man merkt auch, wie sie einfach vollkommen überfordert ist, weil es vollkommen egal ist, was sie sagt, denn Marcel lässt ja sowieso seine Wut an ihr aus. Und schlussendlich flüchtet sie sich in ihre Gedanken.
Zum Schluss kam mir das auch sehr wie eine Übersprungshandlung vor, dass sie anfängt zu putzen und auch diese abstrusen Gedanken, was denn andere Denken könnten, die natürlich auch wieder von der Situation geprägt sind, weil ja keiner mitkriegen darf, was dort tatsächlich passiert. Und man hat das Gefühl, dass sie dann das Haus putzt, weil sie versucht Reinheit zu vermitteln, die es in ihrer Beziehung nicht gibt.

Kapitel 5 war dann ein bisschen Random. Obwohl ich Emma gerne mag :) Da bin cih schon ganz froh, dass Helena da jemanden hat, dem sie sich auch anvertrauen kann. Denn man merkt, wie sehr sie sich sorgt, darüber, was mit Theresa ist, die sich nicht meldet.
Und hier muss ich dich auch nochmal wegen den Prompts loben, denn das waren in dem Monat ganz schön viele und auch nicht gerade einfache, aber du hast es trotzdem geschafft alle irgendwie unterzubringen, echt top :)

Ich bin auch schon ein kleiner Helena/Theresa-Anhänger muss ich zugeben. Ich finde es irgendwie süß, wie Helena ihre Augen nciht von Theresa nehmen kann im Schwimmbad.
Ich hoffe ja doch irgendwie, dass es mit den beiden noch klappt, aber dazu müsste Theresa erstmal aufwachen und erkennen, dass es absolut nicht in Ordnung ist, was Marcel mit ihr macht.

Bin sehr gespannt, wie es weitergeht. :D
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Re: Farbe bekennen

Beitragvon Ria » 9. Jun 2015, 11:39

Farbe bekennen

Hi!
Ich hatte ja das Glück, alles in einem Rutsch lesen zu können (das ist der Vorteil, wenn man zu nix kommt) und ich mag deine Art zu schreiben und den Stil der Story an sich. Die vielen Kleinigkeiten, die das Ganze so lebendig machen.

Wie Theresa und Helena sich nach der Sendepause im Park treffen und beide erst ganz verunsichert sind und es dann doch ganz einfach ist zwischen ihnen.

Und dabei wird dann auch ganz schnell klar, dass Helena vermutlich echten Grund hatte, sich darüber zu sorgen, dass ihre Freundin sich nicht meldet. Umsonst flippt man ja nicht gleich aus, wenn jemand anderes einen blauen Fleck am Arm hat. Aber anscheinend hat Helena durchaus Grund, misstrauisch zu sein, auch wenn Theresa das ja vehement abstreitet, dass ihrem Typen da öfter als dieses eine Mal die Hand ausgerutscht ist.

Der kam in Kapitel 2 auch schon fast so rüber, als würde Helena sich wirklich zu viele Sorgen machen. Oder als würde sie ihn deswegen schlecht machen, weil sie selbst ein bisschen zu viel für die beste Freundin empfindet. Mit dem letzten Satz aber wird klar, dass Theresa sich schon bewusst ist, dass da nicht alles eitler Sonnenschein ist. Auch wenn sie vorher denkt, dass sie noch ganz schrecklich verliebt in Marcel ist.

Und in Kapitel 3 ist man sich dann wirklich nicht mehr sicher, ob Helena da nicht ein bisschen zu misstrauisch ist, da sie ja selbst denkt, dass Theresa wieder sie selbst ist und nicht mehr das verhuschte Mäuschen, dass vielleicht von ihrem Freund misshandelt wird.

Ich fand das Missverständnis sehr süß, als Helena Theresa betrachtet hat und die gleich dachte, Helena sucht wieder nach Beweisen, dass Marcel sie schlägt. Ich mag diese slashigen Andeutungen sehr. Aber ok, das überrascht dich sicher nicht ;)

Dass Helena Marcel nicht ab kann, bringst du gut rüber. Kennt man ja auch irgendwie, dass man den Freund der Freundin jetzt nicht sooo toll findet und dann mit ihm auskommen muss. Und für Helena ist es ja noch mal ein Stück schwerer.

Und Theresa hat anscheinend ein Problem damit, wenn andere trinken. Ich vermute mal, dass Marcel sich nicht im Griff hat, wenn er zuviel trinkt, deswegen auch ihre Anmerkung an Helena und die Waldmeisterbowle.

Kapitel 4 zeigt dann auch direkt, dass wirklich nicht alles ok ist zwischen Theresa und Marcel. Ich mein, wenn man nach Hause kommt, die Schuhe des Freundes sieht und direkt ein schlechtes Gefühl hat, zeugt das nicht gerade von Friede Freude Eierkuchen, meiner Meinung nach.

Und ja, plötzlich lernt man eine ganz andere Seite von Marcel kennen und versteht plötzlich sehr genau, warum Helena da durchaus Grund hat, misstrauisch zu sein. Und aus Theresa wird auf der Stelle wieder die verschreckte Frau, die es ihm recht machen will, um Ärger zu vermeiden.

Aber anscheinend sagt sie das Falsche und auch, wenn ich sehr gut verstehe, warum du sie so handeln lässt (was auch vollkommen realitätsnah ist btw) und warum sie Marcel nicht an die frische Luft setzt und auf ihn pfeift, will man sie als Leser gerne ein bisschen schütteln, weil sie direkt nach der Ohrfeige schon nach Entschuldigungen sucht. Und sich an gute Erinnerungen klammert. Ich befürchte irgendwann nur, dass ihr die ausgehen werden, wenn Marcel noch öfter handgreiflich werden wird.

Auch interessant, wie sehr ihr daran gelegen ist, vor allen anderen den Anschein einer glücklichen Beziehung und eines perfekten Haushaltes zu bewahren. Mir war das Alpenveilchen schon mit der ersten braunen Stelle suspekt, wen stört sowas schon, aber jetzt wird so langsam ein Bild draus.^^

Das letzte Kapitel war zwar random, aber dafür auch mal wieder ruhiger, indem du Emma eingeführt hast, die ich herrlich unkompliziert und problemlos finde XD Gleichzeitig bleibt der düstere Unterton, der sich so langsam aber sicher über die ganze Story legt, weil Theresa sich nicht meldet und man als Leser ja schon weiß, dass das nicht daran liegt, dass sie momentan keine Zeit hat.

Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie es da weitergeht und ob meine kleine Theresa/Helena shipperei noch Zukunft hat ^^
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Ria
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