Wie früher

Wie früher

Beitragvon Ria » 17. Mär 2012, 22:41

Yay, erste Story im Het-Bereich und das ausgerechnet von mir *g*
Geschrieben für den Porn Battle auf Live Journal

Prompt: „Original, älteres biederes Ehepaar, Plüschhandschellen und eine verlorene Wette“
Rating:R
Titel: Wie früher


ooOoo


„Ich sach’ dir, die Blauen machen dat heute! Die gewinnen haushoch – drei zu null, mindestens!“

Sie sieht kurz zum Fernseher, sieht zu, wie die Spieler ins Stadion einlaufen und konzentriert sich wieder auf ihre Stricknadeln, nimmt eine Masche auf, bevor sie antwortet:

„Nee, ich glaub’ dat nich’. Die Bayern sind zu stark.“

Er fällt fast von der Couch vor Aufregung. Seine Schlagadern treten deutlich hervor, erinnern sie daran, dass er demnächst wieder zum Arzt muss, Cholesterinwerte kontrollieren.

„Wat sind die Bayern? Wat sind die?! Ich glaub’, es hackt! Wechputzen werden wir die vom Platz!“

Er schnauft und spuckt ein bisschen, so sehr regt er sich auf. Sie kennt das, ignoriert es, konzentriert sich auf das leise Klacken der Stricknadeln.

„Wetten wir?“

„Wenne verlieren willst! Klar wetten wir! Wenn die Bayern gewinnen, dann… dann kannste mich fesseln, mit diese Plüschdinger, die Bettina an ihrem Bett hat!“

Er lacht über den eigenen Witz, reibt sich grinsend über den spärlichen Haarkranz, der ihm von den blonden Haaren geblieben ist und starrt beschwörend auf den Fernseher.

Sie hat ihre Stricknadeln sinken lassen. Blinzelt. Kann nicht glauben, was er grade gesagt hat. Doch sie fragt nicht noch mal nach. Sicher ist sicher. Die Idee ist… bekloppt, aber auch aufregend. Aufregender jedenfalls, als das, was sonst in ihrem Ehebett passiert.

Was dieser Tage nicht sonderlich viel ist.

„Top, die Wette gilt“, murmelt sie nur und beobachtet das Spiel jetzt viel interessierter. Vor allem, als das erste Tor fällt und es nicht die Blauen sind, die jubeln.

~

„Dasse da echt drauf bestehst…“

Zugegeben, ein bisschen albern kommt sie sich vor, wie sie über ihm kniet, im hochgeschlossenen Nachthemd und die Handschellen in plüschiger Leopardenoptik ungeschickt am Bettgestell befestigt. Es klickt leise.

„Wettschulden sind Ehrenschulden.“

Sie hat wirklich darauf bestanden. Dabei hat ihn die Schalker Niederlage schon fast in Grund und Boden gestampft. Jetzt hier zu liegen, Arme über dem Kopf ausgestreckt, muss der Gipfel der Erniedrigung sein.

„Pass bloß auf, dat du die Schlüssel nich’ verlierst! Dat wäre ne Blamage, wenn die Feuerwehr hier mit nem Seitenschneider anrücken muss!“

Das wäre tatsächlich eine Katastrophe. Wo doch der Stefan, der Sohn von Gisela, bei der Freiwilligen arbeitet. Wenn der jetzt in ihrem Schlafzimmer stünde und ihren Mann von Plüschhandschellen befreien müsste…! Das wüsste doch im Nullkommanix die ganze Siedlung! Vorsichtshalber legte sie die winzigen Schlüssel in ihre Nachttischschublade.

Jetzt ist eigentlich alles soweit, er ist gefesselt und ziemlich nackt und sie könnte alles machen, was sie will mit ihm. Wenn sie nur wüsste, was sie will. Kopf schief gelegt, betrachtete sie den Mann, mit dem sie seit über dreißig Jahren Tisch und Bett teilt. Was will sie von ihm? Jetzt, da er sich nicht einfach grunzend umdrehen kann, weil er einen harten Tag hatte…

„Willste nur gucken oder wat?“

Sie sieht, wie der Muskel an seiner Wange zittert. Seine Augen flackern unruhig. Er ist nervös. Und er ist hart. Steinhart. Sie spürt es. Sie sitzt auf seinem Schoß und er pulsiert und pocht genau da, wo es drauf ankommt. Sie hat fast vergessen, wie gut es sich anfühlt.

Fast so gut wie das Küssen. Seine Lippen sind noch so weich wie damals, als sie jung und straff und schön war. Und gelenkig genug, sich auf dem Rücksitz des alten Golfs um seine Hüften zu wickeln.

Sie schmeckt Bier und Rauch, als er den Mund öffnet. Es ist lange her, dass sie sich so geküsst haben. Viel zu lange. Seine Zunge ist weich und schlüpfrig an ihrer. Kein Vergleich zu den flüchtigen Küsschen, die sie sonst tauschen. Das hier ist elektrisierend, fast vergessen und doch ganz vertraut. Sie nimmt sich Zeit, hat es nicht eilig, nicht so wie früher, als die Lust heiß und drängend war.

Ihr kommt es vor, als würden sie sich stundenlang küssen, ohne genug voneinander zu bekommen. Ihr Kopf und ihr Bauch schwirren, als wäre sie frisch verliebt, als sie sich endlich von seinen Lippen löst und ihn ansieht. Sein Gesicht ist rot, runder als früher, die Geheimratsecken sind einer Halbglatze gewichen, doch seine Augen sind noch immer voller Licht und Wärme, als er grinsend mit dem Kinn Richtung Nachthemd deutet.

„Willst du dat Ding da nicht mal ausziehen?“

Will sie nicht. Nicht wirklich. Sie ist schließlich keine Zwanzig mehr, nicht einmal Dreißig und ihr Körper ist verblüht wie eine Rose im Herbst. Doch er lockt sie und bittet, leise und so, wie nur er locken und bitten kann.

Verliebt war sie gewesen, schrecklich glücklich, als sie ja gesagt hat, zu ihm, zu einem Leben mit ihm. Voller Geigen hat der Himmel gehangen, war rosarot gewesen, bevor er grau wurde und trist, wie der Rauch aus den Schornsteinen der Chemiewerke.

Doch jetzt ist es wieder wie damals und sie fühlt sich schön und jung, als er sie betrachtet. Ganz hungrig ist sein Blick, nimmt ihr die Scham, als sie sich herabgleiten lässt. Sie sieht ihn an, als sie die Nase in drahtiges Haar presst und scheu küsst. Ihr Gesicht glüht, sie schämt sich, weil es so lange her ist und weil sie nass ist zwischen den Beinen. Er muss es merken, sein Knie reibt gegen ihre Scham.

Oder vielleicht ist er auch zu sehr mit sich selbst beschäftigt.

Seine Augen sind groß und rund, er starrt und keucht und stöhnt, als sie ihre Zunge benutzt. Er flüstert etwas, doch in ihren Ohren rauscht es so laut, dass sie ihn nicht hört. Seine nach oben ruckenden Hüften jedoch soufflieren ihr, was er von ihr will. Also tut sie, was sie schon seit Ewigkeiten nicht mehr getan hat.

Es ist wie Fahrrad fahren, man verlernt es nicht, denkt sie, als sie sanft saugt, so, wie er es mag. Sie schließt die Augen, spürt ihn in ihrem Mund, zittert, als sie den ersten salzigen Tropfen schmeckt. Sie hört ihn stöhnen und gibt sich noch mehr Mühe, will, dass es ihm gefällt. Heute, morgen, nächste Woche…

Sie hört es klirren, die Handschellen taugen nicht, denkt sie noch, dann ist er über ihr, keilt sie ein zwischen sich und der Matratze, die schon bessere Tage erlebt hat.

„Genuch’ mit die Spielereien“, murmelt er, lächelnd, zärtlich, nimmt ihr Gesicht zwischen beide Hände und küsst sie, tief und nass und gut. Wie früher. Sie ist auch wieder gelenkig genug, die Beine um ihn zu wickeln. Sein Bauch stört dabei nur ein bisschen, ist nicht so schlimm, weil sie sich gut und begehrt fühlt, als er in sie eindringt.

~

„Du… meinste, die Bettina vermisst ihre Handschellen, wenn wir die einfach behalten?“, fragt er, später, als sie im Dunkeln liegen. Ihr Kopf ist auf seiner Brust, sie kann sein Herz schlagen hören, stark und kräftig. Seine Finger kraulen ihren Nacken. Sie muss lächeln, beißt sich auf die Lippen um nicht zu lachen. Sie hat gehofft, dass es ihm geht wie ihr.

Dass er mehr will von dem, was sie gerade erlebt haben. Denn sie… sie will auch mehr davon. Mehr von den Küssen, mehr von ihm. In ihr zieht es sich wohlig zusammen, als sie daran denkt, auch mal gefesselt zu werden. Von ihm dominiert und benutzt. Und geliebt. Wie früher, nur heute.

„Ich sach’ einfach, die sind beim, Aufräumen verschütt gegangen...“
Benutzeravatar
Ria
Forum Admin
Forum Admin
Beiträge: 6624
Registriert: 08.2010
Geschlecht: weiblich

Re: Wie früher

Beitragvon Medianox » 18. Jan 2015, 20:18

Auch wenn die Geschichte schon etwas älter ist, muss ich doch mal meinen Senf dazu geben:

Das war total niedlich. Die Stimmung hast du richtig gut eingefangen und es wirkte alles so natürlich, was wahrscheinlich nicht zuletzt an dem Akzent lag. (Und ich fand es schön, dass du trotz der Thematik nicht allzu sehr ins Detail gegangen bist. ^^)

Hm, irgendwie habe ich doch nicht groß was dazu zu sagen, außer dass es mir gefallen hat. Es war mal etwas anderes, als ständig nur von jungen Schönheiten zu lesen. Ich glaube, ich habe so gut wie gar keine anderen Storys gelesen, in deren Fokus wirklich die (sexuelle) Beziehung zwischen zwei älteren Leuten liegt, die sich schon ewig kennen. Das war irgendwie erfrischend.

Und vor allem der Schluss hat mich dann nochmal zum Grinsen gebracht. ;)
Benutzeravatar
Medianox
Büchereitaschenträger
Büchereitaschenträger||
Beiträge: 585
Registriert: 12.2014
Geschlecht: weiblich

Re: Wie früher

Beitragvon Ria » 20. Jan 2015, 21:50

Vielen Dank!

Ja, das war auch so der Grundgedanke beim Schreiben, dass es eben einfach Sex ist zwischen normalen Leuten, die nicht mehr ganz so taufrisch sind, sich aber trotzdem lieben^^

Freut mich jedenfalls, dass es dir gefallen hat :D
Benutzeravatar
Ria
Forum Admin
Forum Admin
Beiträge: 6624
Registriert: 08.2010
Geschlecht: weiblich


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste

cron