Zwergenküsse (Jokla p12 Slash)

Zwergenküsse (Jokla p12 Slash)

Beitragvon Ria » 30. Sep 2016, 15:55

KB: Es ist was los im Zauberland! Der schöne Prinz Matthias sucht dringend einen Bräutigam und das ausgebeutete Aschenputtel, das von allen nur Joko genannt wird, wünscht sich nichts mehr, als den Prinzen zu heiraten und mit ihm auf seinem Schloss zu leben, nicht mehr selbst den Haushalt schmeißen zu müssen. Guter Plan! Wäre da nicht die böse Stiefmutter, die alles daran setzt, ihren Sohn Jan auf den Thron zu setzen. Doch zum Glück gibt es da noch Jokos gute Fee, die sieben Zwerge und den irren Zauberer im Wald!
AU auf Märchenbasis, wer hätte es gedacht ;)

Tach, da bin ich wieder! Ich hab gedacht, schreibste auch mal 'n AU. Und weil ich in letzter Zeit zu viel Drama geschrieben habe, ist es direkt mein allerliebsten Lieblingsgenre geworden ;) Deswegen hier, extra für euch: so ungefähr drei Kapitel Humor – oder das, was ich dafür halte.

Disclaimer:

Alle Charaktere gehören sich selbst und ich spiele nur ein bisschen mit ihnen. Diesmal sogar fast jugendfrei. Die Märchen und deren Figuren sind natürlich auch nicht auf meinem Mist gewachsen und die Idee ist ebenfalls nicht die Neuerfindung des Rades. Was übrig bleibt gehört aber mir. Also Interpunktion, zweideutige Andeutungen und die ganzen schlechten Gags. Viel Spaß damit.

P.S. Wer die Story liest und kein Review schreibt, findet Einhornbabys doof!!!111!




ooOoo


Das fröhliche Vogelgezwitscher, das ihn geweckt hatte, nahm einfach kein Ende und ließ sich nicht länger ignorieren. Also öffnete Joko probeweise ein Auge und betrachtete das possierliche Rotkehlchen, das an seinem Fenster saß und sich seit ungefähr zehn Minuten den Schnabel wund sang.

„Alter! Es ist mitten in der Nacht! Hau ab, du scheiß Vieh!“, maulte er mies gelaunt den Vogel an, der empört inne hielt. Sich aufplusternd, tschilpte er etwas, was man auch ohne Übersetzer leicht als 'Arschloch' verstehen konnte, hinterließ noch schnell ein Häufchen und flog in den taufrischen Morgen hinaus. Die Sonne ging gerade über den Hügeln hinter dem Haus auf und kitzelte Jokos Nase mit den ersten Strahlen eines weiteren wunderschönen, warmen Sommertages.

Wusste Joko allerdings ebenso wenig zu schätzen, wie das frühe Vogelkonzert. Er zog sich grunzend die Decke über den Kopf und schloss wieder die Augen. Doch an Schlaf war nicht zu denken. Es dauerte keine fünf Sekunden, da bimmelte die kleine Glocke über seinem Bett wütend los und er konnte das unmelodische Kreischen seiner Stiefmutter durch das ganze Haus hören:

„JOOOOKOOOO!“

„Ach, leck mich und mach dir dein blödes Frühstück selbst...“, brummte Joko und verkroch sich seufzend tiefer in seinem Bett und träumte davon, in einem großen Haus zu leben, am besten in einem Schloss. Ja, ein Schloss wäre mega. Ein Schloss voller Angestellter, die ihm jeden Wunsch von den Augen ablesen würden, damit er keinen Finger mehr rühren müsste.

Leider gab es in diesem Haus nur einen Angestellten. Und der hieß Joko.

„Joko! Schwing runter deine faule Arsch! Jetzt sofort!“

„Ja doch, ich komm ja!“, fauchte Joko, strampelte die Decke fort und setzte sich auf die Bettkante, um sich erst einmal ausgiebig zu strecken.

Wieder klingelte die kleine Glocke und Joko warf ihr einen düsteren Blick zu. Es war doch echt ein Kreuz mit der Verwandtschaft. Zumal seine eh nur angeheiratet war. Joko warf sich in Hemd und Hose und tauchte sein Gesicht in die antiquierte Waschschüssel. Das musste erst mal reichen, fand er. Er würde nach einem ganzen Tag voller Arbeit eh wieder aussehen wie durch den Kamin gezogen.

Sich seinem Schicksal ergebend, schlurfte Joko unmotiviert die Treppe hinunter, wo er schon von seiner Stiefmutter erwartet wurde, die am Esstisch hockte wie eine Krähe auf der Stange und ihn mit schmalen Augen betrachtete. Wie immer waren sowohl ihre Haare als auch ihre Lippen viel zu rot und harmonierten nicht so recht mit dem runzligen Gesicht.

„Wurde auch Zeit! Mach Frühstück und räum' auf die Küche, sieht aus wie Schweinestall!“

„Sieht aus wie Schweinestall“, äffte Joko sie leise nach, während er in die Küche ging und den Herd anwarf. Er schnappte sich zwei Pfannen und hantierte geschickt und, durch viel Übung geschult, mit Speck und Eiern. Aus dem Esszimmer konnte er seine Stiefmutter weiter schwadronieren hören:

„Ich opfere mich auf! Und was ist der Dank?“

Joko antwortete nicht, war eh nur eine rhetorische Frage. Er kannte den Text auch schon und hörte gar nicht hin, während Stiefmutter Violetta nebenan detailliert erläuterte, wie sie ihre Schönheit und Jugend geopfert hatte, um drei Kinder alleine großzuziehen. Joko konnte sich allerdings an keine Zeit erinnern, in der Violetta jung oder schön gewesen war.

„Morgen, Joko“, murmelte Palina, seine Stiefschwester, und schlurfte an ihm vorbei. Stöhnend ließ sie sich auf einen der Stühle fallen und legte den Kopf in den Nacken, Augen geschlossen. „Für mich nur Kaffee. Schwarz. Viel davon.“

„Lange Nacht gehabt?“, fragte Joko, als er das Gewünschte brachte und schadenfroh grinste, auch wenn er sie gleichzeitig glühend beneidete. Er durfte nie die Nächte auf dem Schloss durchmachen. Er durfte nicht mal in die Nähe des Schlosses. Im Gegensatz zu Palina. Gut, Palina arbeitete da als oberste Orchestermanagerin und machte nicht nur Party, aber trotzdem!

„Ja“, gab Palina zu und trank seufzend einen Schluck. „Und es geht nahtlos so weiter. In nicht mal drei Tagen will der Prinz...“

„Moin!“

Jan stampfte in Reiterstiefeln herein und Joko ließ den Kopf hängen, als er die Dreckspur sah, die er hinterließ. Jan konnte so ein Pisser sein, echt. Anstatt die blöden Stiefel vor der Tür auszuziehen, latschte er damit erst mal durch das ganze Haus – das Joko hinterher putzen durfte. War ja klar. Zähneknirschend stellte er einen Teller mit Eiern und Speck erst vor Violettas Nase, dann vor Jans. Ihm war bewusst, dass Meckern nichts brachte. Das Thema hatte er hinter sich. Jan war Violettas kleiner Liebling. Dann kam erst mal nichts, dann Palina und irgendwann, lange nach Haarfärbemitteln und grellem Lippenstift war wohl Joko auf Violettas Prioritätenliste anzutreffen.

„Hast du schon gehört, Palina? Der Prinz sucht einen Bräutigam. In drei Tagen soll die große Fleischbeschau steigen.“ Jan grinste breit, griff nach einem Brötchen und Joko, der gerade den Besen hatte schwingen wollen, um Jans Sauerei aufzufegen, erstarrte mitten in der Bewegung. Hatte er das richtig verstanden?

Palina öffnete die Augen, setzte sich gerade hin und betrachtete ihren Bruder abschätzend.

„Ich arbeite auf dem Schloss. Ich organisiere da die Musik der königlichen Partys. Also, was denkst du wohl? Natürlich weiß ich das längst!“ Sie warf eine Gurkenscheibe nach Jan, der sie lachend abwehrte und achtlos zu Boden fallen ließ. Klar, lass fallen! Tritt sich fest, dachte Joko, war von den Neuigkeiten aber zu abgelenkt, um wirklich sauer zu sein.

Der Prinz wollte also heiraten? Das war ja mal interessant. Da taten sich gerade ja ganz neue Möglichkeiten auf. Also so rein theoretisch. Immerhin hatte der Prinz ein Schloss und eine Menge Personal und sah angeblich gar nicht so schlecht aus. Auch wenn sie sich in den anderen Königreichen schon die Mäuler zerrissen, warum der Prinz noch immer Junggeselle war. Da gab es die wildesten Gerüchte. Dass er verzaubert war und wie eine Mischung aus Löwe und Warzenschwein aussah. Aber das war Unsinn. Joko hatte Prinz Matthias zwar nur einmal gesehen, von Weitem, aber das, was er gesehen hatte, war durchaus ansehnlich gewesen. Und Palina behauptete auch immer, dass er sich vor Angeboten kaum retten könnte. Gut, konnte daran liegen, dass er der Prinz war, aber Joko kannte keinen Prinzen, der nicht gut aussah… vom Froschkönig mal abgesehen.

„Ich mein ja nur! Mir kam nämlich gerade der Hans im Glück entgegen und hat sich fast nass gemacht vor Begeisterung und es hätte ja sein können, dass...“

„War klar, dass der es schon weiß. Das hat er doch von der Goldmarie, der alten Klatschtante!“

„Nee, kein Stück! Da kommst du nicht drauf, es war...

„Haltet die Klappe! Alle beide! Das ist sehr gute Neuigkeit!“, unterbrach Violetta sie und deutete mit einem knochigen Finger auf Jan, der misstrauisch die Stirn krauste und ein Stück zurückwich, als seine Mutter sardonisch grinsend verkündete: „Du wirst heiraten den Prinzen!“

Jans Mund klappte synchron zu Jokos auf, als er entgeistert auf sich selbst zeigte und wild den Kopf schüttelte.

„Ich? Aber warum denn ausgerechnet ich? Ich will ihn nicht heiraten! Ich bin ja nicht mal schwul!“

„Pah! Scheißegal!“ Violetta wischte die durchaus guten Argumente ihres Sohnes mit einer Handbewegung vom Tisch. „Stell dir vor, er ist Mädchen. Oder du bist Mädchen, je nachdem wie rum er's gerne mag. Im Dunkeln, alle Katzen sind grau.“ Sie zuckte mit den Schultern und Joko hätte sich gern ein wenig gehässig an Jans Schock geweidet, wenn er den Plan von Violetta nicht genauso blöd gefunden hätte wie sein Stiefbruder.

„Auf keinen Fall!“, protestierte Jan und sprang auf. „Soll Palina ihn doch heiraten!“

„Ich bin aber kein Kerl“, erinnerte Palina Jan zufrieden grinsend. „Und der gute Prinz Matthias ist nun mal so schwul wie ein rosa Einhorn auf der Blumenwiese.“ Inzwischen sah sie schon viel munterer aus und aß vergnügt ein paar Weintrauben.

„Dann gehen wir halt zum Hexer und machen einen Kerl aus dir.“

Palina aspirierte Weintrauben und röchelte ein „Am Arsch!“, während sie nach Luft schnappte.

„Vielleicht keine schlechte Idee. Hat Palina Chance, wenn er dich nicht will, Jan“, stimmte Violetta zu und Palina starrte sie aus großen Augen an.

„Mutter! Das kann doch nicht dein Ernst sein!“

Joko sammelte alles an Mut und Tapferkeit und was man sonst noch so brauchte, um sich in diese Diskussion einzumischen und trat einen Schritt nach vorn. Den Besen umklammerte er wie ein Schwert, als er dem Drachen und seiner Brut ins Wort fiel:

„Ich... ich kann ihn doch heiraten. Den Prinzen meine ich“, warf er ein und war plötzlich der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Ungläubig blinzelten sie ihn an und Joko hob stur das Kinn, als Violetta meckernd zu lachen anfing und ihn aus verengten Augen musterte.

„Du willst Prinzen heiraten? Du dreckige Bauernlümmel? Du hast kein Benehmen, keine Klasse, kannst nix! Schlag dir das aus dem Kopf. Geh putzen die Fenster und hör auf zu erzählen Dummheiten! Jan wird Prinzgemahl und damit basta!“

„Jan will aber nicht“, sagte Joko aufgebracht und Jan nickte zustimmend – das erste Mal seit sie sich kannten waren sie einer Meinung. Eine gruselige Premiere.

„Da hat er Recht, ich will nicht. Joko kann ihn haben.“

„Von wegen Joko kann haben den Prinzen! Du willst dich ausstechen lassen von dem da?!“, brüllte Violetta und fuchtelte aufgebracht mit den Händen zwischen Jan und Joko hin und her.

„Ausnahmsweise ja“, gab Jan kleinlaut zu und zuckte die Achseln. Er sah Joko an, der vor lauter Aufregung den Besen fast entzweibrach. Wenn Violette ihm keinen Strich durch die Rechnung machte und Palina ihn auf die nächste Party schmuggelte, dann...

„Nix! Kommt nicht in Tüte. Jan wird jetzt gehen zum tapferen Schneiderlein, neue Anzug kaufen und Joko geht den Stall ausmisten!“ Sie warf Joko einen scharfen Blick zu, der ihm klar machte, wo sein Platz war und dass er sich den Prinzen und das Schloss abschminken konnte. Machte sie vermutlich nur, weil sie zu geizig war, sich eine richtige Haushaltshilfe zu leisten.

Vor lauter Wut und Enttäuschung brachte Joko kein Wort heraus. Er starrte seine Stiefmutter an, die nicht ein einziges Mal blinzelte, bevor sie nach endlosen Sekunden herrisch mit dem Kinn Richtung Stall ruckte.

„Wird's bald, Joko?!“

Sprachlos vor Wut pfefferte Joko den Besen in die Ecke und stieß Jan grob an, als er blind vor Zorn an ihm vorbei ins Freie stürmte.

Verfluchte Sippschaft!

ooOoo


„... miese Gewitterhexe... und ich gehe doch... ich schleich' mich einfach rein... ich... ach fuck ey!“

Joko warf die Heugabel von sich und ließ sich auf der kleinen Mauer des Schweinestalls nieder, den er ausmistete. Er vergrub das Gesicht in den Händen und seufzte traurig. Er wusste, dass es aussichtslos war. Mit seiner dreckigen Jeans und seinem geflickten Hemd brauchte er beim Schloss gar nicht erst auflaufen. Die würden ihn ja nicht mal in die Nähe der Küche lassen, geschweige denn in den Ballsaal. Dabei wünschte er sich nichts so sehr, wie den Prinzen zu heiraten und mit ihm auf dem Schloss zu leben. Er hasste sein Zuhause. Oder vielmehr seine Mitbewohner. Ohne die wäre es hier eigentlich ganz nett. Aber Violetta würde vermutlich eher aufhören, sich die Haare zu färben, als endlich auszuziehen, von daher blieben Joko nicht so viele Optionen.

„Alles... wirklich alles würde ich geben, um auf diesen Ball gehen zu können, um den Prinzen kennenzulernen“, seufzte Joko in die Stille des Stalls hinein. Nur Rosa, die Sau, antwortete ihm mit einem leisen Grunzen.

Und eine raue Stimme, die Joko hier absolut nicht erwartet hatte:

„Na super. So hatte ich mir den Deal aber nicht vorgestellt“, sagte diese Stimme direkt neben Joko, der wie von der Tarantel gestochen aufsprang und sich mit schreckgeweiteten Augen eine Hand auf das rasende Herz presste. Im ersten Moment konnte er im Dunkeln nicht mehr als einen Schatten erkennen, der im hinteren Teil des Stalles zu lauern schien.

„Was zur Hölle?!“, fauchte Joko und griff nach der Heugabel, die er wie ein Schwert vor sich hielt. „Komm heraus, du... wer oder was du auch bist!“

„Jetzt fuchtel' hier mal nicht so mit dem Ding rum. Da tust du dir nachher noch weh“, brummte die Stimme und der dazu passende Schatten bewegte sich auf Joko zu, der mit weichen Knien und wenig tapfer zurück stolperte, bis die Gestalt ins Licht trat.

Es war weder ein Monster, noch der böse Wolf, der ihn fressen wollte. Es war ein Mann. Ein Mann mit Bart und blauen Augen, die ihn abschätzend unter zusammengezogenen Brauen musterten. Eine Zigarette hing zwischen seinen Fingern und versprühte bei jeder Bewegung kleine rote Funken. Joko starrte den fremden Mann an und der fremde Mann starrte zurück. Keine bewegte sich, bis der Eindringling die Zigarette an den Mund hob und daran zog. Kleine Funken stoben auf.

„Das ist ein Stall, hier ist Rauchverbot“, stellte Joko schließlich irritiert fest und ließ die Heugabel sinken.

„Aha“, sagte der Mann, betrachtete Joko weiterhin auf unangenehm intensive Art und nahm noch einen Zug von seiner Zigarette. „Ich steck' schon nix in Brand. Aber genug Smalltalk. Hab nicht ewig Zeit. Können wir freundlicherweise direkt zum Geschäftlichen kommen?“

„Welches Geschäft?“, fragte Joko, der von diesen blauen Augen völlig hypnotisiert war. Die waren aber auch blau! Und er mochte die kleinen Fältchen, die sich darum bildeten, so wie jetzt, weil der Mann sie zusammenkniff.

„Willst du mich verarschen?“, schnaubte er und gestikulierte aufgeregt mit beiden Händen in der Luft herum. „Du hast doch gerade hier rumgeheult und gesagt, du würdest alles dafür tun, um diesen Prinzen zu bekommen. Das warst doch du?!“ Er wartete Jokos Nicken ab und breitete die Arme aus. „Ja, wenn das so ist: Taddaa! Hier bin ich, die Antwort auf alle deine Wünsche.“ Breit grinsend deutete der bärtige Mann mit beiden Daumen auf sich selbst und Joko hob misstrauisch wieder die Heugabel.

„Bist du Rumpelstilzchen? Mit dem mach ich keine Geschäfte. Ich werd' eh nie Kinder haben, die du dir holen kannst!“

Das Lächeln verschwand vom Gesicht des Fremden und er schnaubte entrüstete auf, als er entnervt die Hände in die Luft warf.

„Alter! Seh ich etwa aus wie Rumpelstilzchen? Was ist los mit dir, du Trottel? Ich bin Klaas, deine gute Fee!“

Joko lupfte spöttisch eine Augenbraue.

„Ja, sorry, aber wie ne gute Fee siehst du auch nicht gerade aus. Eher wie einer von den sieben Zwergen.“

Der Zwerg, Pardon, die Fee, also Klaas, warf Joko einen scharfen Blick zu und deutete ungehalten hinter sich.

„Schon mal nen Zwerg mit Feenflügeln gesehen?“, fragte er bissig und Joko machte den Hals lang. Tatsächlich, da waren zwei durchscheinende Flügel, die in allen Regenbogenfarben glitzerten und silbrigen Glitzerstaub bei jeder filigranen Bewegung verstreuten. Sah hübsch aus. Passte aber so gar nicht zum Rest der Erscheinung von Klaas.

Joko war nicht völlig überzeugt, aber auf jeden Fall beeindruckt. Er ging zwei Schritte auf Klaas zu, streckte die Hand aus und wollte die Flügel berühren und auf ihre Echtheit testen, aber Klaas wich zurück und hob abwehrend die Hände.

„Na, na, na! Finger weg davon, die sind empfindlich! Außerdem lass ich mich nicht so gerne von Hinz und Kunz angrabschen. Is' nix persönliches.“

„Sorry...“ Joko strich sich die Haare aus der Stirn hinters Ohr zurück und kaute auf seiner Unterlippe herum. Er hatte keine Ahnung, was er mit seiner neuen Fee anfangen sollte. Zumal er immer noch dachte, dass der Kerl eher wie ein Zwerg aussah. „Und... und was machen wir jetzt? Zauberst du mir ein fesches Outfit auf den Körper und eine schicke Kutsche in die Einfahrt?“

„Wenn's doch nur so einfach wäre“, murmelte Klaas seufzend und nahm einen weiteren Zug von seiner Zigarette, die zwar qualmte, aber nicht zu verglühen schien; kleine rote Funken stoben von der Spitze auf, als er damit vor Jokos Nase herumfuchtelte. „Damit ist es nicht getan. Dem Prinzen rennen gerade sämtliche Junggesellen des ganzen Landes die Bude ein. Da reicht es nicht, einfach in modischen Klamotten aufzulaufen und schon verliebt er sich in dich. Da musst du ein kleines bisschen mehr Einsatz zeigen, Joko.“

„Naja, aber normalerweise läuft es so“, gab Joko vorsichtig zu bedenken, stützte sich auf den Stiel der Heugabel, um träumerisch in die Ferne zu sehen. Durch die Stalltür hindurch konnte er die Hügel und den Wald erkennen und dahinter war das Schloss, in dem Matthias nur auf ihn wartete. „Es wird so sein wie im Märchen... er wird mich sehen, mich zum Tanzen auffordern und sich direkt in mich verlieben und dann wird er...“

„Wehe du fängst jetzt an zu singen“, unterbrach Klaas ihn schnaubend, als er an Joko vorbei ins Freie ging. Joko starrte die seltsam kleinen Flügel an, die direkt aus seinem Hemd zu wachsen schienen, als er ihm folgte und musste erneut den starken Drang unterdrücken, sie zu berühren.

„Ich kann gar nicht singen“, gab Joko schief grinsend zu, stellte die Heugabel beiseite und sah Klaas erwartungsvoll an, der seufzend einen tiefen Zug von seiner Zigarette nahm.

„Zum Glück. Okay, wir haben keine Zeit zu verlieren. In drei Tagen ist der beknackte Ball, bis dahin müssen wir dich irgendwie hoftauglich gemacht haben, damit du deinen Prinzen bekommst und mit ihm glücklich bis ans Ende aller Tage auf seinem Schloss leben kannst. Und ich hab das wahnsinnig große Glück, dir dabei zu helfen.“

„Warum eigentlich?“, fragte Joko. „Ich mein, warum dabei und warum jetzt? Wo warst du die ganzen Jahre vorher? Da hätte ich auch Hilfe gebrauchen können. Als mein Vater die alte Nebelkrähe Violetta geheiratet hat beispielsweise!“

Klaas wirkte ertappt, setzte zum Sprechen an und rauchte dann doch nur schnell zwei, drei Züge, bevor er die Schultern zuckte und sich kurz räusperte.

„Damals war ich noch nicht für dich zuständig.“

„Aha...“ Joko betrachtete Klaas, dem er nicht so recht glaubte, aber er wollte ihn nicht weiter ausfragen. Die meisten Bewohner des Zauberlandes hatten ihre kleinen und großen Geheimnisse. Da war oft nichts so wie es auf den ersten Blick schien. Vermutlich machte Klaas da keine Ausnahme.

„Ja... sollen wir dann loslegen oder was?“ Klaas zog die Schultern hoch und betrachtete Joko mit einem Stirnrunzeln. „Du willst ihn doch haben, diesen Prinzen oder?“

Joko nickte schnell und schob seine Neugierde weit hintenan. Es würde sich noch eine Gelegenheit ergeben, das Geheimnis von Klaas zu ergründen.

„Ja, ja klar! Also, was soll ich machen? Womit fangen wir an?“

„Wart mal, das haben sie mir aufgeschrieben...“

Klaas kramte und suchte in den Taschen seiner Hose herum, bis er einen völlig zerknüllten Zettel in Händen hielt, den er umständlich glatt strich. Joko trat vor lauter Ungeduld von einem Bein auf das andere, als Klaas las, die Stirn erst runzelte, dann beide Brauen hochzog und Joko zweifelnd betrachtete.

„Kannst du tanzen?“

Joko hörte auf herumzuzappeln und schüttelte bedauernd den Kopf.

„Nee. Du?“

„Ich befürchte ja“, gab Klaas seufzend zu, knüllte den Zettel wieder zusammen und schob ihn in seine Hosentasche. „Eine Fee kann alles, um ihren Auftrag zu erfüllen“, gab er Auskunft, als Joko fragend den Kopf schief legte, dann winkte er Joko zu sich heran. „Ja, dann fangen wir mit tanzen an. Lass uns mal loslegen, je schneller wir damit fertig sind, umso schneller, kann ich... bekommst du deinen Prinzen.“

Joko zog die Brauen zusammen, als er auf Klaas zutrat. Er hatte den Patzer sehr wohl gehört und tat nur so unschuldig um Klaas in Sicherheit zu wiegen. Aber die Neugierde brachte ihn fast um, was wirklich mit diesem Klaas los war. Der war doch nie im Leben eine echte gute Fee! Zwar hatte Joko noch nicht viele gute Feen getroffen – keine, um genau zu sein – aber er war sich sicher, dass sie keine Bärte trugen, ständig rauchten und fluchten und viel zu hübsche blaue Augen hatten.

Ok, das mit den Augen konnte vielleicht noch hinkommen.

„Sag mal pennst du?“, maulte Klaas ihn an und Joko spürte wie er rot wurde, als er verneinend seine Hand nahm und erschrocken zusammenzuckte. Klaas' Hand war warm, ziemlich warm sogar und Joko hatte das Gefühl, als würden winzige elektrische Impulse von dessen Haut ausgehen. Er schluckte und starrte Klaas an, der redete, ohne dass Joko auch nur ein Wort verstand. Sein Mund war staubtrocken, als er sich mit der Zunge über die Lippen leckte und seine Finger fester um Klaas' Hand schloss. Er zuckte wieder zusammen, als Klaas seine andere Hand auf Jokos Hüfte legte, ihn kurz fragend ansah und dann weiter redete. Wieder verstand Joko kein Wort. Er starrte nur auf Klaas' Mund, der sich bewegte und weich und einladend aussah.

Reiß dich zusammen, verdammt! Du kannst hier nicht scharf auf deine gute Fee sein, nur, weil bei dir seit ner halben Ewigkeit der Notstand ausgebrochen ist, sagte Joko sich und versuchte sich an Matthias zu erinnern. Aber Matthias war weit weg und Klaas ziemlich nah und ziemlich warm und er roch gut und... und er zog Joko mit sich, als er die ersten Tanzschritte machte.

„Tamtamtam Tamtamtam“, brummte Klaas den Takt, während Joko mehr stolperte als tanzte und gegen Klaas fiel. Der seinen Griff verstärkte und heiser auflachte. Joko starrte und stolperte wieder, als Herz und Magen ein wenig schlingerten. „Alter, als du gesagt hast, du kannst nicht tanzen, hast du echt nicht gelogen!“

„Warum sollte ich“, murmelte Joko und wurde rot, als er wieder gegen Klaas stolperte, der einen Arm um ihn schlang und ihn lachend im Kreis drehte. „Ich hatte nie Gelegenheit, viel zu tanzen.“

„Mhm, stimmt.“

Klaas lächelte ihn an und Joko strauchelte wieder, weil seine Knie plötzlich ganz weich waren. Verdammte blaue Augen! Jokos Finger krallten sich in Klaas' Schulter, als er das Gleichgewicht verlor und gegen ihn prallte. Viel zu nahe waren sie sich plötzlich und Joko holte erschrocken Luft, als er Klaas' Atem an seinem Hals spüren konnte.

„Sollen wir nicht lieber gucken, was deine Liste sonst noch so an Vorschlägen zu bieten hat?“, fragte er und löste sich von Klaas, der irritiert blinzelte, aber dann die Schultern zuckte und nach dem Zettel kramte.

„Kannst du reiten?“

„Nicht besonders gut.“

„Mit Pfeil und Bogen schießen?“

„Nope.“

„Schon mal nen Drachen besiegt?“

„Und ernsthaft?“

„Das ist ernst befürchte ich... was kannst du denn?“

„Kochen kann ich. Meine Spiegeleier sind legendär!“

„Ja, nur, dass der Prinz keinen neuen Koch sucht, sondern nen neuen Macker“, schnaubte Klaas und Joko presste beleidigt die Lippen zusammen. Was konnte er denn dafür, dass er den Besen geschwungen hatte, während Jan Fechtunterricht hatte nehmen dürfen. Klaas schien zu bemerken, dass er zu weit gegangen war und knuffte Joko versöhnlich in die Seite.

„Ach komm, jetzt zieh nicht so ein Gesicht. Wir kriegen das trotzdem hin. Vielleicht reicht's ja echt, wenn du da hin gehst und einfach nur gut aussiehst. Hat bei Schneewittchen schließlich auch geklappt und die hat sogar noch die meiste Zeit gepennt.“


ooOoo


Joko konnte natürlich nicht die ganze Zeit mit Klaas durch die Gegend tanzen und von Matthias träumen. Er hatte noch andere Sachen zu tun, aber die erledigte er eher halbherzig und war mit den Gedanken ganz woanders. Im Schnelldurchlauf fegte er das Haus und lüftete die Zimmer – außer das von Palina, weil die ihren Rausch ausschlief. Dann war da noch die Wäsche zu besorgen und die Tiere zu füttern. Joko raste von Aufgabe zu Aufgabe und erledigte alles so schnell er eben konnte, und brauchte trotzdem bis Sonnenuntergang, bevor er wieder bei Klaas auftauchte, der auf der hinteren Weide saß und rauchte wie ein kleiner Schornstein.

„Sag mal, ist das nicht total ungesund?“, fragte Joko, als er sich neben ihm ins Gras fallen ließ und sich erschöpft den Schweiß von der Stirn wischte.

„Bist du meine Mudder oder was?“, fragte Klaas spöttisch und nahm einen neuen Zug von seiner immer glühenden Zigarette, bevor er das Thema wechselte: „Hast du dein Pensum für heute eigentlich endlich geschafft?“

„Japp“, gab Joko müde zu, drehte sich auf die Seite und betrachtete Klaas, der in die Ferne starrte und ihn gar nicht wahrzunehmen schien. Joko lag wieder die Frage auf der Zunge, warum Klaas hier einen auf Fee machte, aber er argwöhnte, dass immer noch nicht der richtige Zeitpunkt war, die Wahrheit von ihm zu erfahren. Also räusperte er sich nur und wartete, dass Klaas ihn ansah. Verdammt, was waren diese Augen blau...

„Wie geht’s weiter mit dem Unterricht?“, wollte Joko wissen, dessen Herz ein paar Takte übersprang, und versuchte nicht zu offensichtlich zu starren.

Klaas zuckte die Schultern. Seine Flügel verloren lautlos jede Menge Feenstaub bei der Geste. Joko streckte die Hand aus und fing ein wenig davon auf, zerrieb es fasziniert zwischen dein Fingern. Es hinterließ ein schillerndes Glitzern auf seinen Fingerkuppen. Hübsch. Wirklich sehr hübsch.

„Auf dem Zettel steht, dass du reiten lernen solltest und mit Pfeil und Bogen schießen. Habt ihr ein Pferd?“

„Eins?“, schnaubte Joko belustigt und deutet auf den weißgetünchten Stall am anderen Ende des Grundstücks. „Wir haben jede Menge. Allerdings hab ich nie drauf gesessen.“

„Wäre auch zu leicht gewesen“, brummte Klaas und sah Joko seufzend an. „Weißt du was? Wir machen Feierabend. Ist eh zu spät heute. Lass uns lieber was trinken gehen. Ich zumindest könnte was zu trinken brauchen.“

Da war Joko sofort dabei! Er kam schließlich nicht allzu oft heraus aus dem Haus. Er sprang auf und hüpfte aufgedreht vor Klaas auf und ab, der das Gesicht verzog, als hätte er Zahnschmerzen und dann doch gegen seinen Willen grinste, als Joko begeistert in die Hände klatschte.

„Super! Wo solls hingehen? Ins Rosarote Einhorn? Oder in den Dreibeinigen Troll?“

„Was zur Hölle?“, fragte Klaas fassungslos, während er Joko anblinzelte. „Spinnst du? Ich geh doch nicht in so Rüschenschuppen! Wir gehen in den Pub von nem Kumpel von mir, der führt das Drosselbart.“

Joko hörte auf zu hüpfen und zuckte seufzend die Schultern. Okay, dann eben keine In-Location. Obwohl er zu gern mal ins Rosarote Einhorn gegangen wäre. Laut Palina ging da voll ab. Den Pub Drosselbart kannte er nicht, aber wenn er Klaas so betrachtete, fürchtete er, dass es da ganz und gar nicht ab ging. Klaas sah nicht so aus, als würde er sonderlich oft Party machen.

Jokos Befürchtungen bestätigten sich. Der Pub, in den Klaas ihn schleppte, war jetzt nicht gerade der Schmelztiegel der guten Laune und nach Highsociety hielt man da auch vergeblich Ausschau. Aber das Bier war gut, die Preise waren fair und Joko wollte nicht kleinlich sein. Zumal er es irgendwie genoss, Zeit mit Klaas zu bringen, der seinen Humor nicht immer, aber ziemlich oft teilte und der einen feinen Sinn dafür hatte, Joko zum Lachen zu bringen.

Joko prostete Klaas mit dem vierten Bier zu, es könnte auch das Fünfte sein, hielt es für eine gute Idee, endlich einmal seine Neugierde zu befriedigen und grinste ihn verschwörerisch an. „So und weil wir uns jetzt ne Weile kennen, antworte mal ernsthaft, Klaas… du bist nie im Leben ne echte Fee, oder?“

Klaas, der gerade einen Schluck trank, hielt inne, starrte Joko über das Glas hinweg an und setzte es schließlich seufzend ab.

„Keine echte“, gab er düster zu und starrte auf den Tisch, Lippen zusammengepresst. „Ich bin... ich war... Also ich hatte da so einen Wunsch und bin damit zum Zauberer gegangen, so wie es alle machen und... naja, ich hab ihn offensichtlich an nem echt schlechten Tag erwischt und es ist irgendwie nicht ganz so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt hatte.“ Klaas lachte bitter, nahm einen weiteren Schluck Bier und starrte vor sich hin. „Und jetzt bin ich halt deine gute Fee.“ Das klang verdrossen und Joko fragte sich unwillkürlich, was denn so schlimm daran war, seine gute Fee zu sein. Da hätte es Klaas durchaus schlechter treffen können.

„Und wer warst du vorher?“, setzte er an, aber anscheinend hatte Klaas genug davon, gelöchert zu werden, er warf Joko nur einen warnenden Blick zu, trank sein Bier aus und hob die Hand, damit sie zahlen konnten. Joko kramte sein klägliches Taschengeld zusammen, aber Klaas winkte ab.

„Lass stecken. Der Mark macht mir hier Sonderpreise.“

Es gab natürlich die obligatorische Diskussion, weil Joko sich nicht einladen lassen wollte. Und natürlich gewann Klaas diesen kleinen Disput, der ohnehin nicht ernst gemeint war. Joko nuschelte ein Danke und sah zu, wie Klaas seinem guten Freund Mark ein paar Münzen in die Hand drückte, bevor er von seinem Hocker rutschte und gen Ausgang schwankte. Joko folgte ihm und legte ihm stützend eine Hand ans Kreuz, als Klaas gegen den Türrahmen wankte. Die Flügel berührte er dabei rein flüchtig, aber Klaas stöhnte jäh auf, als hätte Joko ihn geschlagen und stolperte gegen ihn.

„Hey, wow, was ist denn mit dir?“ Joko fing Klaas lachend auf, presste ihn an sich und grinste auf Klaas herab. „Bist wohl nix gewohnt, was?“

Klaas starrte ihn an und schüttelte langsam den Kopf, als wäre er eingeschlafen und eben erst erwacht und müsste seine Gedanken ordnen.

„Nee... anscheinend nicht“, gab er langsam zu, bevor er sich von Joko löste, der die Nähe zu Klaas durchaus genossen hatte und jetzt fast enttäuscht war. „Lass uns... ich denke, wir sollten besser nach Hause gehen“, erklärte Klaas seltsam steif, bevor er sich umdrehte und die Straße entlang ging.

Joko zuckte die Schultern und folgte ihm. Sein Blick blieb an den schillernden Flügeln hängen, die bei jedem Schritt, den Klaas tat, fein glitzernden Staub verloren. Das Mondlicht brach sich in ihnen und Joko betrachtete fasziniert das Farbenspiel. Wie in Trance ging er schneller, streckte die Hand aus und berührte vorsichtig mit den Fingerspitzen die filigranen Kunstwerke, die aus Klaas' Rücken wuchsen.

Klaas zuckte keuchend zusammen und stolperte, bevor er von Joko weg sprang und ihn über die Schulter hinweg anstarrte.

„Alter! Sag mal spinnst du?! Ich hab dir doch gesagt, du sollst die Finger davon lassen!“

„Sorry“, nuschelte Joko ertappt und hob entschuldigend die Hände. „Ich wollte nur... ich dachte... es sah einfach so hübsch aus... und...“

„Man fasst nicht einfach die Flügel anderer Leute an, okay?!“, fauchte Klaas aufgebracht und Joko blieb der Mund vor lauter Überraschung offen stehen. „Das ist eine Sache des Respekts und der Privatsphäre! Ich helfe dir, aber ich muss mich nicht von dir angrabschen lassen, ist das klar?!“

„J-ja“, stotterte Joko fassungslos. Er hatte mit vielem gerechnet, aber nicht mit so einem Ausbruch aus heiterem Himmel. Er wusste tatsächlich nicht, woran er bei Klaas war, der ihn erst anlächelte und dann anfauchte. Der mit ihm was Trinken ging und den Abend dann abrupt beendete. Joko hob die Hände noch ein wenig höher und nuschelte eine Entschuldigung.

Klaas hielt inne, holte Luft und fuhr sich leise fluchend mit den Händen durch die Haare. Er kramte nach seinem ewig qualmenden Glimmstängel, an dem er gierig zog.

„Sorry, aber ich... ich bin da eigen.“

„Hab ich gemerkt“, antwortete Joko leise. Er wollte noch mehr sagen, aber er schwieg. So wie Klaas. Bis sie die Straße zu seinem Haus erreichten. Joko bereute es, die Stimmung zwischen ihnen mit dieser unbedachten Berührung gekillt zu haben. „Du, Klaas, echt ich wollte nicht...“ Er stockte und blieb stehen. „Ich wollte dir da nicht irgendwie auf die Pelle rücken oder so.“ Joko schluckte und versuchte sich an einem Lächeln, das Klaas nicht erwiderte.

„Ich weiß“, gab Klaas seufzend zu und lachte bitter, als er sich abwandte. „Und wie ich das weiß. Schlaf gut, Joko und sieh zu, dass du für morgen ein Pferd am Start hast! Wir treffen uns nachmittags am Waldrand. Wenn...“, Klaas kratzte sich nachenklich am Kinn. „Wenn Hase und Igel damit fertig sind, sich in Grund und Boden zu laufen, meinste das kriegst du hin?“

Joko nickte stumm und Klaas schob die Hände in die Hosentaschen und ging die Straße weiter hinab, die zum Wald führte, wo der Wolf und Rumpelstilzchen und die Räuber hausten. Joko lag schon die Bitte auf der Zunge, dass Klaas nicht gehen sollte, dass er bei ihm bleiben sollte, dass sie noch ein bisschen reden könnten.

Doch Joko schwieg, sah Klaas nur hinterher und hatte ein seltsames Gefühl im Bauch, das wie ein Kribbeln war und das er nicht zuordnen konnte, das er aber ganz klar mit Klaas verband. Viel zu bald schon war Klaas in der Dunkelheit verschwunden. Er und seine Augen und sein Geruch, die Joko noch verfolgten, als er in sein Bett krabbelte und zu schlafen versuchte.
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Re: Zwergenküsse (Jokla p12 Slash)

Beitragvon Ria » 7. Okt 2016, 12:08

„Jokooooo!!!“

Joko zog sich laut stöhnend die Decke über die Ohren, als er unsanft aus nicht jugendfreien Träumen über bärtige Zwerge mit Flügeln gerissen wurde. Es konnte doch noch gar nicht Morgen sein. Garantiert nicht. Das musste ein furchtbarer Irrtum sein. Er presste die Augen fest zu, aber das half natürlich nichts. Die Stimme seiner Stiefmutter bildete eine missratene Harmonie mit der kleinen Messingglocke, die schadenfroh über seinem Bett klingelte und jeden Gedanken an Schlaf vereitelte.

„JOOOKOOOOO!!!“

„Ja, ja, is' ja gut. Reg' dich ab...“

Joko setzte sich auf, warf die Decke von sich, starrte zum Fenster und dachte direkt wieder an Klaas. Seine Mundwinkel hoben sich von ganz allein, da konnte Violetta von unten noch so laut kreischen, er solle „Gefälligst jetzt sofort runterschwingen seine faule Arsch!“

Joko ignorierte das Gezeter noch einen Moment länger und freute sich mehr darauf, Klaas heute wiederzusehen, als er sich selbst eingestehen wollte. Zum einen war Klaas sowas ähnliches wie eine Fee. Zum anderen war er mürrisch, chronisch schlecht gelaunt und rauchte wie eine Lokomotive bei voller Fahrt. Und nur, weil er wirklich hübsche Augen hatte und sein Lächeln Joko irgendwie das Hirn zu Matsch schoss, hieß das nicht, dass Joko dabei war, Matthias zu vergessen. Immerhin war Klaas kein Prinz, er hatte kein Schloss und vermutlich auch keine Angestellten – und Joko weigerte sich, das ausgesprochen schade zu finden, als er die Beine aus dem Bett schwang, um seine kreischende Stiefmutter mit einem Frühstück zum Schweigen zu bringen. Oder mit einer Bratpfanne auf ihrem tyrannischen Schädel...

Die Aufgaben des Vormittags brachte er eher schlecht als recht hinter sich und Violetta fragte ihn mehr als einmal, ob er sie frühzeitig ins Grab bringen wollte – was Joko jedes Mal mit einem gelogenen „Nein“ beantwortete.

Er wartete nur auf eine passende Gelegenheit, sich zu verdrücken, schnappte sich einen Korb Wäsche und wanderte damit ganz unschuldig zur Hintertür hinaus, als Violetta gerade damit beschäftigt war, die Anzüge für Jan anzunehmen, die der gestiefelte Kater vom tapferen Schneiderlein lieferte.

Seine Stiefmutter schenkte ihm keinerlei Beachtung. Anscheinend stimmte irgendwas mit der Bestellung nicht. Joko hörte Violetta bis in den Garten schimpfen, als er den Wäschekorb einfach fallen ließ und Richtung Stall rannte. Sollte Violetta ihre schlechte Laune doch am gestiefelten Kater auslassen. Hauptsache sie war erst einmal beschäftigt und Joko konnte sich in Ruhe eines der Pferde klauen. Er entschied sich für Stella, die uralt und ziemlich faul war und vermutlich nur deswegen nicht abhaute, als er sie zu satteln begann.

„Braves Mädchen...“, keuchte Joko, als er ihr den Sattel auf den Rücken wuchtete und den Gurt stramm zog. Er betrachtete das Zaumzeug, das aus viel zu vielen Lederbändern bestand und von dem er keine Ahnung hatte, wie er es Stella anzulegen hatte. Hilfesuchend sah er die Stute an, die gleichmütig schnaubte und sehnsüchtig in Richtung ihres Stalles blickte. War klar, dass sie keine Hilfe war. Joko knotete ihr das Zaumzeug um den Kopf, den sie geschlagen hängen ließ. Sah eher individuell als korrekt aus, aber Joko stand ein wenig unter Druck, als er die Stalltür öffnete und sich vorsichtig nach allen Seiten umsah.

„Ganz, ganz leise jetzt“, bat er Stella flüsternd, die erst mal begeistert und viel zu laut wieherte. Joko zuckte ertappt zusammen und sah sie strafend an. „Das Gegenteil davon, du laufende Salami!“, herrschte er die Stute an, die beleidigt schnaubend alle vier Hufe in den Boden stemmte und keinen Schritt mehr tat, bis Joko sich in aller Ausführlichkeit bei ihr entschuldigt hatte.

Blöder Gaul!, dachte Joko bei sich, während er weiter schmeichelnd auf Stella einredete und sie Richtung Waldrand zog. Je näher sie kamen, desto schneller lief Joko. Natürlich nur, um möglichst schnell und möglichst weit vom Haus fortzukommen und nicht etwa, weil er sich darauf freute, Klaas wiederzusehen. Und sein Herz machte natürlich keinen aufgeregten Hopser, als er Klaas endlich sah – vielen Dank auch! Joko freute sich einfach, dass ihm diese ausgeklügelte Flucht so gut gelungen war, das war alles. Nur deswegen rannte er das letzte Stück auf Klaas zu.

„Klaas! Hey, Klaas!“, rief er und winkte Klaas zu, der aufsah, lächelte und dann die Lippen zusammenpresste, als hätte er gar nicht lächeln wollen. „Wartest du schon lange?“, fragte Joko keuchend, als er vor Klaas stehen blieb und vornübergebeugt die Hände auf die Knie stützte, um nach Luft zu schnappen. Joko blinzelte Klaas an und blies sich die Haare aus den Augen. Das Herz hämmerte ihm in der Brust, aber das lag natürlich an dem kleinen Dauerlauf gerade eben und nicht daran, dass Klaas sich vom Baum abstieß und auf ihn zutrat.

„Ne halbe Ewigkeit warte ich schon auf dich“, stellte Klaas seltsam rau fest und Joko schluckte, war fasziniert von der Intensität mit der Klaas ihn betrachtete. Eine Sekunde, zwei, drei – dann wandte Klaas den Blick ab und starrte Stella an, die unbeeindruckt zu grasen begonnen hatte. „Aber was ist das, wenn ich fragen darf?“

„Das Pferd, das ich unbedingt mitbringen sollte?!“, antwortete Joko lachend und schluckte, als Klaas ihn wieder ansah – mit Augen so blau wie... nun, sie waren sehr blau und Joko weigerte sich, die kitschigen Vergleiche auch nur zu denken, die ihm durch den Kopf schossen.

Klaas hob spöttisch eine Braue und den linken Mundwinkel, als er kopfschüttelnd auf Stella deutete.

„Das ist das beste Pferd in eurem Stall?“

„Nee, aber das netteste Pferd, das mich vielleicht nicht abwerfen wird“, gab Joko grinsend zu und konnte einfach nicht damit aufhören, Klaas anzustarren, der jetzt breit grinste und gar nicht mehr so mürrisch aussah. Joko trat unwillkürlich einen Schritt vor und Klaas ebenfalls. Noch immer lächelten sie, sahen sich an, stumm und wie gebannt. Nichts war zu hören. Außer leises Atmen und der Wind in den Weiden und... und das Geräusch von brechenden Ästen und Blätterrascheln und Flüchen.

Die Räuber!, dachte Joko und spürte einen vagen Anflug von Panik, als er nach Klaas griff und ihn reflexartig hinter sich zog. „Wir müssen hier weg!“, sagte er, Klaas' Arm umklammernd. „Das sind die...“

„Die verfluchten Zwerge“, beendete Klaas seufzend Jokos Satz, als der Wald einen Mann mit Zipfelmütze nach dem anderen ausspuckte.

Sechs an der Zahl, die sich von Blättern und Dornen befreiten und dabei alle laut durcheinander redeten. Anscheinend stritten sie über irgendetwas. Bis einer von ihnen, einer mit Brille und dunklem Bart, aufblickte und Klaas und Joko entdeckte. Lachend winkte er ihnen zu und stieß den Mann neben sich an, der wiederum seinen Hintermann anstieß und so ging es in einem fort, bis sie alle winkten und lachten und durcheinander riefen.

„Verdammte Scheiße und ich dachte, ich hätte die Trottel abgehängt!“, schimpfte Klaas halblaut vor sich hin, bevor er seufzend den Kopf hängen ließ und sich die glühende Zigarette zwischen die Lippen schob, die zornige Funken versprühte, als die Männer grinsend näher kamen und sich dabei leise lachend anstießen, während sie auf Joko zeigten.

Joko hob misstrauisch beide Augenbrauen und warf Klaas einen hilfesuchenden Blick zu. Der allerdings half ihm nicht, sondern verdrehte nur die Augen – jetzt war er wieder so mürrisch wie eh und je. Und seine Laune verschlechterte sich zusehends, als einer der Männer vortrat, nach Jokos Hand griff und sie euphorisch schüttelte.

„Du bist also Joko!“ Eine Feststellung, keine Frage, die Joko trotzdem mit einem zögernden Nicken beantwortete. „Mein Name ist Jakob! Und das sind Thomas, Benni, Frank, Jano und Olaf.“ Er deutete nacheinander auf jeden der Männer, als er ihre Namen nannte und Joko wusste jetzt schon, dass er sich das so schnell eh nicht merken konnte. Zumal die sich alle ziemlich ähnlich sahen, viele Bärte, viele Brillen, viel breites Grinsen.

„Wir sind die sieben Zwerge, findest uns hinter den sieben Bergen und so weiter und so weiter“, fügte einer der Männer brummig hinzu, einer von denen mit Bart, Joko glaubte, dass er Thomas hieß.

„J-ja, aber... ihr seid doch nur sechs...“, setzte Joko an und sah dann zu Klaas, der ihn knapp und gänzlich humorbefreit anlächelte, bevor er weiter seine Zigarette rauchte. In Joko gingen ganze Kronleuchter auf. „Ha! Ich hatte also doch recht! Du bist einer der sieben Zwerge!“ Joko schnaubte triumphierend und tippte mit dem Finger auf Klaas' Brust. „Warum zum bösen Wolf machst du hier einen auf Fee?“

„Na, weil er...“, setzte Thomas an, wurde aber von Klaas unterbrochen, der ihn ziemlich grob zur Seite schubste. „He! Spinnst du?!“

„Weil ich jetzt grade ne Fee bin, darum. Ich hab nämlich son bisschen Stress mit dem Zauberer und das hier ist meine Strafe.“ Klaas stellte sich direkt vor Joko und scheuchte ihn mit einer knappen Handbewegung rückwärts auf Stella zu – fort von den anderen Zwergen, die ihnen allerdings wie sechs Schatten folgten. „Lass mal mit dem Unterricht anfangen, wir haben schließlich nicht ewig Zeit, aus dir einen anständigen Anwärter für den Prinzen zu machen.“

Joko ließ sich von Klaas vorwärts dirigieren, konnte aber den wirklichen miesen Versuch erkennen, ihn vom eigentlichen Thema abzulenken und hatte da durchaus ein paar Fragen.

„Du hast Stress mit dem Zauberer?“, wollte Joko wissen, als Klaas ihm auf Stellas Rücken hinaufhalf.

„Japp.“

„Und musst deswegen Fee spielen?“, bohrte Joko weiter, der sich noch keinen wirklichen Reim darauf machen konnte, was genau mit Klaas los war. Aber er ahnte, dass er dessen Geheimnis einen Schritt näher war.

„Genau.“

„Und du...“, setzte Joko an, doch Klaas ignorierte ihn und drückte ihm einen Köcher und einen Langbogen in die Hand.

„Pfeil und Bogen, bitte sehr.“

„Pfeil und Bogen? Aber ich...“

„Los geht’s.“

„Was?! Waaaaarte!“

Joko schrie erschrocken, aber natürlich sehr, sehr männlich auf, als Klaas' Hand klatschend auf Stellas Hinterteil landete und jonglierte mit dem Köcher voller Pfeilen, dem Bogen und den Zügeln, als Stella empört schnaubend Fersengeld gab und querfeldein galoppierte.

Oben bleiben! Oben bleiben! Mehr dachte Joko nicht, als die Welt ziemlich schnell an ihm vorbeizog und sein Leben gleich mit dazu. Darauf konzentriert, nicht runterzufallen und sich den Hals zu brechen, klammerte er sich an Stellas flatternder Mähne fest und war wirklich froh, dass die Stute nicht nur ziemlich nett, sondern vor allem ziemlich alt war und das mörderische Tempo nicht sonderlich lange durchhielt.

Joko schnaufte mindestens so laut wie das Pferd, als sie endlich standen und er sich erschöpft nach vorn auf Stellas Hals fallen ließ. Augen geschlossen, verfluchte Joko Klaas durch zusammengebissene Zähne und gönnte es dem mies gelaunten Zwerg von Herzen, Stress mit dem Zauberer zu haben. Hatte er garantiert verdient! Wenn es nach Joko ging, war eine gute Fee zu sein, eine viel zu geringe Strafe für... was auch immer der Kerl angestellt hatte!

„Ich bring diesen verdammten Giftzwerg um“, murmelte er und Stella wieherte zustimmend, als sie umdrehte und sich gemächlich auf den Rückweg machte. Der Wald war ziemlich weit entfernt und Joko hatte genug Zeit, um sich wieder einigermaßen zu fassen und sich zu beruhigen. Er richtete sich auf und strich sich die wirren Haare aus der Stirn, als er auf die kleine Gruppe zuritt und sich vornahm, diese Sache ruhig und sachlich mit Klaas zu regeln.

Der bei den anderen Zwergen stand und Rumpelstilzchen doch ziemlich ähnlich sah, wie er da vor ihnen auf und ab stapfte und mit den Händen fuchtelte. Er hielt inne, als einer der Zwerge auf Joko deutete, der inzwischen nahe genug herangekommen war, um Klaas den Köcher mit den Pfeilen an den Kopf zu werfen, bevor er vom Pferd sprang.

„Arschloch!“, donnerte Joko los, alle guten Vorsätze vergessend, und ging wütend auf Klaas zu, der die Hände hob und unsicher grinsend zurückwich. „Du blöder Idiot! Ich hätte mir den Hals brechen können! Ich hätte...“

„Hast du aber nicht“, unterbrach Klaas ihn und machte eine beschwichtigende Handbewegung. „Im Gegenteil, du hast dich doch großartig gehalten. Hätte ich gar nicht gedacht. Also reiten können wir schon mal abhaken. Das kriegst du hin. Und jetzt...“

„Nix und jetzt! Du kannst mich mal“, fauchte Joko und warf auch noch den Bogen nach Klaas, der lachend auswich. „Ich verzichte auf deine Hilfe!“

Sofort verschwand das Grinsen von Klaas' Gesicht und die blauen Augen weiteten sich erschrocken, als Joko sich auf dem Absatz umdrehte und wütend davon ging. An den Zwergen vorbei, die ihn erst geschockt ansahen, bevor sie ihm in den Weg sprangen und sich, Arme weit ausgestreckt, vor ihn stellten, um ihn aufzuhalten.

„Warte mal...“

„Joko, jetzt warte doch!“

„Hau nicht gleich ab!“

„Klaas hat's nicht so gemeint!“

„Genau! Klaas ist doch... au!“

„Klappe, Jakob!“

„Spinnst du? Du hast mich getreten!“

„Ja, weil du den Mund nicht halten kannst!“

Joko hörte kaum, was sie alle sagten, er war zu wütend auf Klaas, der ihn, zu allem Überfluss, auch noch ausgelacht hatte. Er wollte sich gerade an der Gruppe vorbeizwängen, die sich jetzt lautstark zu streiten anfing, weil Thomas Jakob getreten hatte, als Joko Klaas' Finger an seinem Handgelenk spürte.

„Es tut mir leid“, sagte Klaas leise und obwohl die Zwerge direkt neben ihnen ein Mordsgezeter veranstalteten und sich halb prügelten, verstand Joko jedes Wort und blieb augenblicklich wie angewurzelt stehen. Die Stelle, um die sich Klaas' Hand schloss kribbelte und brannte als hätte Joko sich verbrannt.

„Okay“, hörte er sich selbst sagen und drehte sich langsam zu Klaas um. Er sah ihn an und seufzte, weil er nicht länger sauer sein konnte. Und weil es ihm viel zu gut gefiel, als Klaas ihn anlächelte; ein schiefes Lächeln, das Jokos Herz zwei Schläge überspringen ließ. Er schluckte und lächelte zurück und fand es gar nicht mehr so wild, dass er sich eben fast das Genick gebrochen hätte. Konnte schließlich mal passieren. „Okay“, wiederholte er heiser und sah Klaas noch immer an. „Vergessen wir das von eben... Was steht jetzt auf deiner Liste?“

Klaas' Lächeln wurde breit, seine Augen wurden von unzähligen Fältchen umkränzt und Joko fand jede einzelne davon toll.

„Mit Pfeil und Bogen schießen. Du kannst die da als Zielscheiben benutzen.“ Er deutete auf die Zwerge, die inzwischen eine ernsthafte Prügelei angezettelt hatten und Joko warf lachend den Kopf in den Nacken.

„Einverstanden.“

ooOoo

Natürlich benutzte Joko die Zwerge nicht als Zielscheiben. Höchstens mal aus Versehen, weil er nicht der beste Schütze war und die Pfeile in alle Richtungen flogen. Was Joko zum Teil aber auch Klaas zur Last legte, weil der ihm ziemlich nahe kam, während er Joko die richtige Handhabung des Bogens zeigte. Und wenn Klaas sich von hinten an ihn drängte und seine Finger umfasste, um ihm zu zeigen wie man den Pfeil am besten hielt und den Bogen am besten spannte, ging Jokos Konzentration ziemlich schnell den Bach runter.

„Ich glaub, das reicht für heute“, lachte Klaas viel zu nahe an Jokos Ohr, als einer seiner Pfeile Jano nur um Haaresbreite verfehlt hatte. „Sonst gibt’s morgen keine Zwerge mehr.“

Joko ließ den Bogen sinken und bedauerte es viel zu sehr, dass Klaas einen Schritt zurücktrat, sich räusperte und sich durch die Haare fuhr.

„Ja... es ist zwar schon spät“, stellte er fest, mit einem kurzen Blick zur untergehenden Sonne. „Aber wir hätten noch die Benimmregeln auf der Liste und das...“

„Tanzen“, sagte Joko schnell und sah Klaas an, der blinzelnd stockte. „Das Tanzen ist doch voll wichtig. Immerhin geht’s um einen Ball und es kommt vermutlich nicht so gut, wenn ich dem Prinzen ständig auf die Füße steige. Ich muss ihn ja erst später mit meinen Reit- oder Schießkünsten beeindrucken.“

Joko hielt den Atem an, als Klaas ihn schweigend ansah. Der Ball war eigentlich nur der Vorwand gewesen, um wieder mit Klaas tanzen zu können. Erst recht, weil gerade so romantisch die Sonne unterging. Joko hatte eine Schwäche für romantische Sonnenuntergänge, auch wenn er das nie zugeben würde.

„Äh... ja, stimmt“, gab Klaas zu, fuhr sich wieder mit gespreizten Fingern durch die Haare und warf einen nervösen Blick zu den restlichen Zwergen, die irgendwann aufgehört hatten, sich gegenseitig zu verhauen, es sich auf der Wiese gemütlich gemacht hatten und sie gespannt beobachteten. Jakob stieß Thomas an und flüsterte ihm grinsend etwas zu.

„Vielleicht sollten wir in den Wald hineingehen“, schlug Klaas seufzend zu. „Ganz tief hinein...“

„Vergiss es. Die werden wir nicht los“, antwortete Joko achselzuckend, weil er ahnte, dass Klaas wenig Lust hatte, vor den Zwergen mit ihm zu tanzen. Er griff nach Klaas' Hand und verbeugte sich kurz grinsend vor ihm, doch er wurde direkt von Jakob gestoppt, der aufgesprungen war und kopfschüttelnd näher kam.

„Nee, nee, so geht das aber nicht!“

Klaas' wütende Blicke und das abweisende Kinnrucken, das Jakob auf seinen Sitzplatz zurückverweisen sollte, wurden glattweg ignoriert.

„Wenn schon, denn schon!“, erklärte Jakob und Joko hörte Klaas seufzen, als die anderen Zwerge sich ebenfalls um sie scharrten und sich dabei kichernd anstießen, als wäre es die größte Show des ganzen Landes, dass sie hier auf der Lichtung zusammen tanzten. „Die Benimmregeln wollt ihr doch einhalten, oder etwa nicht? Das ist eine sehr, sehr gute Übung!“

„Die kommen später“, brummte Klaas abweisend, aber Thomas schlug ihm lachend auf die Schulter.

„Jetzt versau' hier nicht wieder alles, du Sturkopp. Zier' dich nicht so und forderte Joko gefälligst so auf, wie der Prinz es tun würde.“

Klaas sah eher so aus, als würde er gleich Thomas' Kopf fordern, als leise Flötenmusik erklang. Joko sah Benni an, der spielte und bemerkte dann Frank, der einen rhythmischen Takt auf einen hohlen Baumstamm schlug. Olaf und Jano klatschten in die Hände und tatsächlich ergab das eine Ganze eine Art hübsche kleine Melodie.

Joko zog grinsend die Schultern hoch, war sich der vielen Blicke, die auf ihnen lagen, sehr bewusst und hatte doch nur Augen für Klaas.

„Immerhin gibt’s diesmal sogar Musik. Und ich geb' dir auch keinen Korb, wenn du mich aufforderst, versprochen.“ Er lachte, als Klaas die Augen rollte und dann schlecht gelaunt auf ihn zutrat.

„Nanana. So miesepetrig guckt der Prinz aber bestimmt nicht“, schalt Jakob und zauberte einen bauchige Flasche aus den Tiefen seines Mantels, die er mit einem leisen Plopp entkorkte. „Hier trink, das hebt deine Laune vielleicht.“

„Dein Kopf in einer Schlinge, das würde meine Laune heben“, murmelte Klaas, riss Jakob die Flasche aus der Hand und nahm einen ziemlich großen Schluck. Er hustete kurz und gab dem anderen Zwerg die Flasche zurück, der sie gleich an Joko weiterreichte und aufmunternd grinste.

„Trink!“

Und Joko zögerte nicht. Nicht mal dann, als ihm schon der scharfe Geruch die Tränen in die Augen trieb. Er nahm einen großen Schluck und dachte erst, gar nicht so schlimm... bis reines Drachenfeuer in seinem Hals entzündet wurde. Hustend und spuckend rang er nach Luft, während die Zwerge um ihn herum in Gelächter ausbrachen. Jano schlug ihm aufmunternd auf den Rücken und hielt ihm die Flasche an die Lippen.

„Gleich noch einen hinterher. Der zweite ist nie so schlimm wie der erste und der dritte geht dann runter wie Wasser.“

Joko bezweifelte Janos Worte schwer, aber kneifen wollte er auch nicht, also trank er und tatsächlich behielt der Zwerg Recht. Der zweite Schluck war nicht mehr ganz so schlimm und beim dritten grinste Joko schon ziemlich gut gelaunt Klaas an, der kopfschüttelnd anmerkte, dass es nicht fair war, Joko Zwergenschnaps zu geben.

„War auch nicht fair, dir die da zu verpassen“, antwortete Jakob und deutete auf Klaas Flügel, die lautlos silbernen Staub verloren, als sie sacht flatterten. „Und ein bisschen schummeln ist erlaubt, wenn er dadurch...“

„Falsches Thema zum falschen Zeitpunkt“, sagte Klaas leise, legte Jakob eine Hand auf den Arm und brachte ihn zum Verstummen, während er Joko ansah, der einen weiteren Schluck aus der Flasche nahm und kein einziges Wort verstanden hatte. In seinem Kopf summte es bereits angenehm, als Klaas auf ihn zukam und ihn mit diesen verflixten blauen Augen anlächelte, die Joko letzte Nacht bis in den Schlaf verfolgt hatten. Lächelnd wedelte Klaas mit gekünstelten Handbewegungen vor Jokos Nase herum und verbeugte sich schließlich tief vor ihm.

„Darf ich bitten?“

Joko schlug sich geziert die Hand vor die Brust und versuchte sich an einem wackligen Knicks.

„Huch, diese Ehre! Ich dachte schon, Ihr fragt nie, Majestät!“, flötete er kichernd und nahm schnell noch einen weiteren Schluck aus der Flasche, bevor er sie Thomas in die Hand drückte und stattdessen nach Klaas' Fingern griff.

Joko machte ein paar trippelnde Tanzschritte und genoss es, dass Klaas laut lachte. Joko grinste, klimperte übertrieben mit den Wimpern und setzte alles daran, Klaas noch einmal zum Lachen zu bringen. Er mochte es, wenn Klaas lachte, wenn er die Augen zusammenkniff und sich an Joko lehnte. Jakob und Thomas hüpften tanzend an ihnen vorbei und Joko stolperte vor lauter Gelächter über die eigenen Füße. Nun gut, vielleicht war auch der Schnaps schuld, der schon wieder die Runde machte und bei dem Joko nicht nein sagte, als er die Flasche Klaas abnahm, der ihn lächelnd warnte, dass er morgen bitter für jeden Schluck bezahlen würde.

„Egal“, sagte Joko, trank und wischte sich den Mund mit dem Ärmel ab, bevor er wieder nach Klaas griff, ihn an sich zog und sich glücklich grinsend mit ihm zu der improvisierten Zwergenmusik im Kreis drehte. Inzwischen war die Nacht hereingebrochen, doch die Zwerge waren anscheinend praktisch veranlagt und hatten Fackeln dabei, die warmes Licht verbreiteten. Der Schnaps wärmte von innen und inzwischen stolperte Joko nicht nur vor Lachen und aus Versehen, sondern auch, weil es sich gut anfühlte, wenn Klaas ihn auffing, wenn sich seine Arme fester um Joko schlossen, wenn sein Atem Jokos Hals streifte und ihre Gesichter sich ganz nahe waren.

„Klappt schon besser als gestern“, lobte Klaas ihn lächelnd bei der nächsten Drehung.

Joko grinste nur und verschwieg ihm, dass er gestern auch viel aufgeregter gewesen war und deswegen so oft auf Klaas' Zehen getrampelt war. Jetzt war die Aufregung nur ein angenehmes Kribbeln in seinem Magen, das seine Nervenenden reizte und ihn alles viel intensiver wahrnehmen ließ als normalerweise. Vor allem Klaas war ihm intensiv nah, als sie in den Wald hinein tanzten. Sie ließen die Musik und die Zwerge hinter sich zurück und sahen sich lächelnd an. Ein paar Glühwürmchen flogen um sie herum. Jokos Finger schlossen sich fester um Klaas' Hand, als es dunkler um sie herum wurde; das Mondlicht drang durch das dichte Blätterdach, doch Joko dachte nicht an die Gefahren des Waldes vor denen er immer gewarnt worden war. Er dachte an gar nichts, außer an Klaas, an sein Lächeln und seine Augen, an seine Lippen, die ganz weich aussahen und die er wirklich gerne küssen würde.

Jokos Hand glitt an Klaas' Schulter herab, als er sich näher an ihn drängte, ohne ihn aus den Augen zu lassen. Joko schluckte, den Mund so trocken wie mit Sand gespült, als er Klaas dichter an sich zog, warmen Atem auf seinen Lippen spüren konnte und mit den Fingern über die zerbrechlichen Flügel glitt, die aus Klaas' Rücken wuchsen. Es war keine Absicht und Joko hatte ganz vergessen, wie empfindlich Klaas darauf reagierte.

Klaas' Augen wurden jäh ganz groß, als er zischend Luft holte, gegen Joko stolperte und sich an ihn klammerte. Klaas' Finger krallten sich in Jokos Hemd, als seine Hand wieder über die zarte Membran der Flügel fuhr. Klaas gab einen Laut zwischen Keuchen und Stöhnen von sich, der Jokos Blut direkt schneller durch seine Adern strömen ließ. Ganz unwillkürlich berührte er wieder Klaas' Flügel, noch einmal stöhnte Klaas und plötzlich begriff Joko, warum Klaas so peinlich darauf geachtet hatte, dass niemand ihnen zu nahe kam.

Grinsend ließ er seine Fingerspitzen ganz absichtlich über Klaas' Flügel tanzen und biss sich auf die Lippen, als Klaas erneut strauchelte, gegen ihn fiel und das Gesicht in Jokos Halsbeuge vergrub. Eigentlich hatte Joko spätestens jetzt einen kleinen Vortrag darüber erwartet, dass man anderer Leute Flügel nicht einfach anfasste. Aber Klaas sagte nichts dergleichen. Er wehrte sich nicht, begehrte nicht auf; er hielt sich nur an Joko fest und atmete gänsehautverursachend warm gegen seine Haut.

Joko lächelte, schlang jetzt beide Arme um ihn und strich mit den Fingern über die ganze Länge der Flügel, die sich vibrierend unter der Berührung aufrichteten. Joko starrte fasziniert über Klaas' Schulter hinweg auf das Farbschauspiel, das sich ihm bot. Die zarten Flügel schienen sich seinen Händen regelrecht entgegen zu drängen, pulsten sanft, erbebten, als er vorsichtig den Ansatz kraulte und dann noch einmal über die filigranen Fasern strich, fester diesmal, weniger zurückhaltend; es fühlte sich an, als würde Joko über ein zornig summendes Wespennest streicheln. Klaas gab plötzlich einen gutturalen Laut von sich, krallte sich in seinem Hemd fest und plötzlich schien alles in einer silbernen Wolke aus Feenstaub zu verschwinden, den die kleinen Flügel explosionsartig ausstießen.

Joko hustete und blinzelte und biss sich schließlich grinsend auf die Lippen, als er begriff. Er war zwar nicht sonderlich viel rumgekommen in den letzten Jahren, aber er hatte auch nicht gerade in Rapunzels Turm gelebt.

„Das... äh“, murmelte Klaas heiser an Jokos Hals und regte sich ansonsten nicht. „Das ist, das war... ich meine... ich...“

„Du staubst“, scherzte Joko leise lachend und wischte Klaas etwas glitzernden Feenstaub von den Schultern. Klaas hob doch noch den Kopf, sah ein wenig zerzaust und mitgenommen aus, als er verlegen grinste und den Gefallen zurückgab. Ungeschickt strich er über Jokos Schultern.

„Sorry, das... das hätte nicht passieren dürfen“, entschuldigte er sich und gerade, als Joko nach ihm greifen, ihn an sich ziehen und ganz vielleicht küssen wollte, trat Klaas einen großen Schritt zurück. „Wir sollten wieder zu den anderen gehen. Es stehen eigentlich noch die Benimmregeln an, die müssen wir dringend üben, Joko“, sagte Klaas leise, strich sich nervös die Haare zurück und ging noch einen Schritt weiter zurück.

Joko nickte zwar, doch er ließ seufzend den Kopf hängen. Er pfiff auf die Benimmregeln. Und wenn er ganz ehrlich zu sich selbst war, pfiff er gerade auch auf den Prinzen. Dennoch folgte er Klaas widerspruchslos zurück durch den Wald, bis sie die Lichtung erreicht hatten, auf der die Zwerge schon ziemlich betrunken miteinander tanzten. Jeder mit jedem, wild durcheinander; mehr ein ungeordnetes Gehopse als wirklicher Tanz. Immerhin waren sie abgelenkt genug, um nicht wirklich Notiz von ihnen und ihrer derangierten Erscheinung zu nehmen. Joko fand die Flasche mit Schnaps neben einem umgefallenen Baum; er setzte sich und nahm einen Schluck. Es brannte immer noch und leider stellte sich jetzt kein angenehmes Summen mehr ein. Das schaffte erst Klaas, als er sich neben Joko auf den Baumstamm setzte, die Arme auf die Knie stützte und die Zwerge betrachtete, die durch das nachtfeuchte Gras kugelten.

„Morgen ist der Ball“, stellte Klaas das Offensichtliche fest, nachdem er sich kurz geräuspert hatte. Er sah Joko nicht an, der ihm schweigend die Flasche reichte und den Drang bezwingen musste, Klaas feinen Silberstaub aus den Haaren zu wischen.

Und ihn dann an sich zu ziehen und zu küssen.

„Mhm“, brummte er nur unbestimmt und sah Jano und Frank dabei zu, wie sie sich lachend an komplizierten Schrittfolgen versuchten, nur um sich doch immer wieder gegenseitig auf die Füße zu steigen. Er fragte sich, was Klaas sagen würde, wenn er jetzt einfach nach dessen Hand greifen würde.

„Du brauchst noch etwas Passendes zum Anziehen und naja, willst du reiten oder wäre dir eine Kutsche lieber? Kutsche herzaubern kann ich. Brauch' nur nen Kürbis und ein paar Mäuse.“

„Egal“, gab Joko nachdenklich zu. Er wandte den Kopf, sah Klaas an und wollte gar nicht über den Ball sprechen oder über den Prinzen. Er wollte über Klaas sprechen. „Warum hat dich der Zauberer verflucht und was kann dich erlösen?“, fragte er unvermittelt und Klaas starrte ihn einen Moment an. Er schluckte, öffnete den Mund und Joko hatte ganz kurz die Hoffnung, dass Klaas ihn in sein Geheimnis einweihen würde. Doch dann schüttelte Klaas nur schmal lächelnd den Kopf.

„Das ist... kompliziert und was Persönliches.“

„Aber du hilfst mir und ich will dir auch helfen! Vielleicht kann ich dich erlösen...“

„Du hilfst mir, indem du dir von mir helfen lässt und mit diesem Prinzen glücklich wirst“, unterbrach Klaas ihn kühl, trank mehr Schnaps und starrte stur von Joko weg in die Ferne. Joko schwieg zwar auch, aber er war mit dieser Antwort nicht zufrieden, nicht wirklich. Zumal es nicht länger der Prinz war, den er wollte; auch nicht mitsamt Schloss und allen Angestellten.

„Und wenn ich... wenn das nichts wird, mit mir und dem Prinzen?“, fragte Joko vorsichtig nach und ließ Klaas nicht aus den Augen, der gepresst lachend noch mehr Schnaps trank und ihn lange ansah, bevor er leise antwortete:

„Dann bin ich am Arsch und werde zu einer echten guten Fee.“
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Re: Zwergenküsse (Jokla p12 Slash)

Beitragvon Ria » 15. Okt 2016, 12:26

Taddaa, da is' er, der finale Teil! Ich würde mich immer noch total über Rückmeldungen freuen und wünsche ganz viel Spaß mit dem letzten Kapitel der kleinen Story und dem berühmten Happy End, das natürlich nicht fehlen darf ;)


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Am nächsten Morgen brauchte Joko weder die kleine Messingglocke noch seine Stiefmutter, um zeitig aus dem Bett zu kommen. Der Zwergenschnaps zeigte zum Glück wenig Auswirkungen und Joko war schon vor Sonnenaufgang mit Feuereifer dabei, das Frühstück zu bereiten, zu fegen, zu wischen und die Fenster zu putzen. Und er dachte pausenlos und bei jedem Handgriff an Klaas.

Und daran, wie er ihm helfen könnte.

Wie er es auch drehte und wendete, er sah exakt zwei Optionen. Entweder er lernte den Prinzen kennen, sie verliebten sich ganz schrecklich ineinander und lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage zusammen – eine Möglichkeit, die Joko aufgrund seines verknallten Herzklopfens Klaas gegenüber ein wenig anzweifelte. Oder er ging zum Zauberer und bat ihn, den Zauber von Klaas zu nehmen.

Doch vorher musste er das Haus in Ordnung bringen, damit Violetta nichts zu Meckern hatte. Andernfalls brächte die alte Spinatwachtel es fertig, Joko den ganzen Tag hier festzuhalten und zu beschäftigen. Doch Violetta war so abgelenkt von ihren eigenen Vorbereitungen, dass ihr Joko oder die Hygienestandards des Hauses völlig egal waren. Sie scheuchte Jan schon am frühen Morgen durch die halbe Stadt, um ihn für seinen großen Abend auszustaffieren, ob der das jetzt wollte oder nicht. Und zetern und schimpfen und betteln halfen ihm nicht; Violetta kannte kein Erbarmen und kein Mitleid.

Joko war das nur recht. So konnte er sich zeitig hinausschleichen und auf den Weg zum Zauberer machen. Quer durch den Wald ging es. Am Lebkuchenhaus vorbei, zu dem Joko respektvoll Abstand hielt, weil die Hexe alles und jeden fraß, der ihrem Haus zu nahe kam. Deswegen war mal wieder die Stelle des Postboten vakant. Der letzte hatte nicht aufgepasst und war im Ofen gelandet. Bei Rotkäppchens Großmutter allerdings machte Joko kurz Halt und quatschte ein bisschen mit der alten Frau, die geduldig auf ihre Enkelin wartete, die tagtäglich mit Kuchen und Wein durch den Wald stiefelte und angeblich ein ziemlich abgefahrenes Ding mit dem bösen Wolf laufen hatte. Joko urteilte da nicht, Leben und leben lassen lautete sein Motto dazu.

Außerdem stand er auf einen Zwerg mit Feenflügeln, da konnte er schlecht den Moralapostel raushängen lassen.

Am Räuberlager schlich er sich ebenso vorbei wie am Haus der drei Bären, die außer mit Goldlöckchen mit Menschen nicht viel am Hut hatten. Er schaute kurz bei Schneeweißchen und Rosenrot vorbei, die dem Berggeist mal wieder die letzten Barthaare raubten und eilte dann weiter, bis er gegen Mittag endlich die Lichtung erreichte, auf der sich die Hütte des Zauberers befand. Joko blieb stehen und betrachtete das kleine Haus, aus dessen Schornstein ein feiner Rauchfaden aufstieg und das eigentlich ganz normal und anheimelnd wirkte, mit den karierten Gardinen vor den Fenstern und den Blumen im Vorgarten. Alles war ganz friedlich. Aber Joko wusste, dass der Zauberer durchaus seine Launen haben konnte. Und wenn er ihn an einem der schlechten Tage erwischte, konnte es gut sein, dass er am Ende selbst Feenflügel verpasst bekam. Oder eine Schweinenase, was bedeutend unangenehmer wäre.

Doch was sein musste, musste sein und so nahm er allen Mut zusammen und klopfte an die Tür, das Schlimmste erwartend, das Beste hoffend.

„Herein, wenn's kein verfickter Schneider ist!“, erklang es und Joko atmete ein letztes Mal tief ein, als er die Tür aufstieß und das dämmrige Innere der Hütte betrat. Joko verbeugte sich, schließlich wollte er den bestmöglichen Eindruck machen und startete die kleine Rede, die er sich zurechtgelegt hatte:

„Entschuldigt die Störung, werter Zauberer, aber ich... ich...“

Weiter kam Joko nicht. Er hatte den großen Fehler gemacht, aufzusehen und bei dem Anblick klappte ihm glatt der Mund auf. Da stand er, der Zauberer und starrte Joko an. Und er war nur in Unterhemd und Unterhose bekleidet, die labbrig an seinem kalkweißen Körper herabhingen. Bedauerlicherweise war das nicht das einzige, was da hing.

„Was'n?“, fragte der Zauberer den völlig erstarrten Joko und musterte ihn aus verengten Augen. „Noch nie 'n Zauberer gesehen oder was?“

Nun, zumindest keinen halbnackten, dem gewisse Körperteile unvorteilhaft aus der Unterhose baumelten.

„Ich.. ähm, also ich...“, stotterte Joko, der es endlich schaffte, den Blick zu heben und dem unrasierten Zauberer nur noch ins Gesicht zu starren und wirklich nirgendwo anders hin. „Ich bin hier und ich... ich möchte Euch bitten... also ich brauche Eure Hilfe, werter Herr Zauberer“, brachte er schließlich hervor.

„Ach ne!“, stellte der Zauberer höhnisch fest. „Hilfe willst du also vom alten Zauberer? Ist ja ne Neuigkeit. Deswegen kommen sie alle, stell dir vor. Aber keiner fragt mal, wie er mir helfen kann. Keiner fragt, was ich gerne will! Bin ja auch nur der Zauberer hier. Wie so'n scheiß Dienstleister!“

Joko blinzelte und wusste nicht so recht, was er darauf Diplomatisches sagen konnte. Doch anscheinend wurde gar keine Antwort erwartet. Der Zauberer drehte sich um, kratzte sich kurz am Hintern, wie Joko mit großen Augen registrierte und warf sich dann netterweise einen alten, dunkelblauen Bademantel über, der mit kleinen Silberfäden in Sternchenform durchzogen war, die hübsch glitzerten. Der Zauberer ging zu einem kleinen Tisch, nahm eine Zigarette aus einer kleinen Holztruhe und zündete sie mit einem Schnippen seiner Finger an. Joko war gegen seinen Willen beeindruckt. Das war ja mal ein Trick, mit dem man auf Partys beeindrucken könnte.

„Also? Was willst du? Reichtum? Macht? Einen Rivalen in einen Frosch verwandeln?“, fragte der Zauberer geschäftsmäßig, als er sich auf einen Stuhl mit nur zwei Beinen setzte und Joko einen alten Hocker ihm gegenüber anbot.

Joko fragte sich, wie der zweibeinige Stuhl funktionierte, als er der Aufforderung folgte und sich dann Klaas' Problem in Erinnerung rief.

„Ich bin nicht meinetwegen hier. Sondern wegen eines Freundes.“

„Ja, ja, ja... und will der Freund Geld oder Macht oder einen Rivalen in einen Frosch verwandeln?“, fragte der Zauberer ungeduldig nach und wedelte mit seiner Zigarette vor Jokos Nase herum. „Jetzt spuck's schon aus, Mann! Ich hab auch nicht ewig Zeit!“

„Nein, dieser Freund war schon bei Euch und er hatte einen Wunsch, aber da ist irgendwas schief gelaufen, weil jetzt ist er eine Fee und muss mir helfen, den Prinz zu bekommen und wenn das nicht klappt, dann...“

„Alter! Du bist Joko!“, unterbrach der Zauberer ihn und schlug sich lachend auf die Schenkel. „Verfickte Scheiße, ich fass' es nicht! Ist ja wie in ner Soap hier!“

Joko fasste es auch nicht. Er starrte den seltsamen Mann offenen Mundes an, der an seiner Zigarette zog und heiser hustete, während er ihn aus verengten Augen neugierig musterte.

„Du redest vom siebten Zwerg, von Klaas, nicht wahr?“, fragte er lauernd und Joko nickte schnell, auch wenn er sich fragte, woher der Zauberer seinen Namen kannte und warum er so schnell wusste, worum es eigentlich wirklich ging. Aber gut, das war vielleicht sein Job, so als Zauberer... Joko wollte dessen Geduld auch nicht mit Fragen strapazieren – denn bekanntermaßen besaß der Zauberer nicht sonderlich viel Geduld – sondern kam gleich zur Sache:

„Ja. Ganz genau und ich will wissen, wie ich diesen Fluch, mit dem Ihr Klaas belegt habt, wie ich den brechen kann. Oder ob Ihr ihn nicht einfach erlösen könnt? Also ohne, dass Klaas mich mit dem Prinzen verkuppeln muss...“

„Hab ich den Arsch offen oder was?“, schnaubte der Zauberer, paffte aufgebracht an seiner Zigarette und fuchtelte mit beiden Händen in der Luft herum. „Ey, ich hab hier nen Job zu erledigen und ich hab nen Ruf zu verlieren, Junge! Ich kann hier nicht einfach jedes Geschäft rückgängig machen, nur weil der Deal irgendwem nicht passt! Wo kämen wir denn dahin?!“

„Aber“, setze Joko verzweifelt an, weil er seine Felle schwimmen sah. „Wenn das mit dem Prinzen nicht klappt, wird Klaas eine echte Fee!“

„Japp, weiß ich“, gab der Zauberer grinsend zu und lehnte sich zurück. „Steht ihm bestimmt ganz gut so ein hellblauer Glitzerfummel. Passt astrein zu den Flügeln.“

Joko schnaubte kopfschüttelnd und hob dann bittend die Hände. Aufgeben wollte er schließlich noch nicht.

„Er will aber keinen blauen Glitzerfummel!“

„Das hätte er sich überlegen sollen, bevor er mir hier stundenlang auf den Sack gegangen ist!“, maulte der Zauberer, drückte die Zigarette in einem kleinen Tontopf aus und beugte sich dann vor, um Joko breit anzugrinsen. „Aber weil ich meine sozialen fünf Minuten hab, verrate ich dir was, Joko... es gibt da noch ne Möglichkeit, ihn zu erlösen.“

Joko beugte sich ebenfalls vor; seinen Nervenenden kribbelten vor gespannter Erwartung, als er dem Zauberer in die braunen Augen sah, die spöttisch glitzerten.

„Welche?“, fragte Joko atemlos und das Lächeln des anderen Mannes wurde schmal und wölfisch.

„Also da musst du schon selbst drauf kommen.“

„Wa...?“ Joko richtete sich ruckartig auf und ballte die Fäuste, um nicht vor lauter Frust zu schreien. „Was soll der Schei- was soll das denn?! Warum sagt Ihr es mir nicht einfach?“

„Weil's dann nur halb so lustig ist“, gab der Zauberer schulterzuckend zu und grabschte nach einer neue Zigarette. „Seit wann bekommt man hier Lösungen geschenkt? Außerdem ist das Rätsel nicht sonderlich schwer. Nicht mal für dich. Wir sind hier immerhin im Zauberland, da werden alle Flüche auf die gleiche Weise aufgehoben.“

„Opferbereitschaft“, murmelte Joko nachdenklich und der Zauberer deutete nickend und mit einem zufriedenen Schnalzen mit dem Finger auf ihn.

„Gar nicht mal schlecht, Dornröschen! Und der zwei...“ Er unterbrach sich, als draußen laute Stimmen zu hören waren und reckte den Hals, um aus dem Fenster zu sehen. „Kundschaft! Deine Zeit ist um, Prinzessin. Sieh zu, dass du Land gewinnst. Und verdufte am besten durch den Hintereingang, wenn du deiner Stiefmutter nicht in die Hände fallen willst. Die steht nämlich schon mitten in meinem Vorgarten.“

Joko sprang auf und tatsächlich stapfte da gerade Violetta durch die Blumenrabatten und zerrte Palina hinter sich her, die sich zwar mit Händen und Füßen wehrte, aber keine wirkliche Chance hatte, ihrer verrückten Mutter zu entkommen. Der Zauberer schob Joko auf eine kleine Seitentür zu.

„Hau ab jetzt. Ich hab wirkliche Geschäfte zu erledigen!“

„Aber der zweite Weg, den Fluch aufzuheben!“, warf Joko ein und drehte sich um, als er ins Freie geschoben wurde. „Bitte! Wie lautete die zweite Möglichkeit?“

„Da musste schon selbst drauf kommen. Und jetzt raus!“

„Aber...!“

Rumms!

Die Tür wurde ihm vor der Nase zugeschlagen und Joko starrte sie fassungslos an. Das war bis jetzt der absolut seltsamste Tag seines gesamten Lebens, soviel stand schon mal fest. Und das sollte im Märchenland was heißen. Joko konnte Stimmen von drinnen hören, aber nicht erkennen, was genau gesprochen wurde. Er ahnte aber, dass es darum ging, Palina in einen Mann zu verwandeln. Violetta wollte schließlich auf Nummer sicher gehen und mit zwei Pferden ins Rennen um den Prinzen gehen. Und inzwischen wäre es Joko wirklich absolut egal gewesen, ob Jan oder Palina oder sonst wer den Prinzen bekam, wäre da nicht dieser blöde Fluch, der auf Klaas lag.

Joko wandte sich seufzend ab und vergrub die Hände in den Taschen seiner Hose, als er zurück durch den Wald ging. Diesmal ohne Zwischenstopps bei Rotkäppchens Großmutter oder den drei Bären. Er grübelte noch über Klaas, die Probleme, die der Kerl hatte und die Worte des Zauberers nach, als er die Einfahrt zu seinem Zuhause erreicht hatte.

Im Märchenland gab es nicht sonderlich viele Möglichkeiten, Flüche von anderen Leuten zu nehmen. Im Grunde gab es genau zwei Varianten. Da gab es die Selbstaufgabe, auch gern, das Opfer genannt, bei dem sich einer für den anderen opferte – wie der Name schon sagte. Und dann natürlich den berühmten Kuss. Mit einem Kuss ließ sich hier fast alles regeln. Damit wurden die ärgsten Flüche aufgehoben. Aber natürlich gab es wie so oft einen Haken! Dieser Kuss durfte nicht von irgendwem gegeben werden, sondern musste schon von der einzig wahren, große Liebe kommen. Und genau das war der Knackpunkt – Joko hatte keine Ahnung, wer Klaas' große Liebe sein könnte. Ihn zu fragen war eine schlechte Idee. Nicht nur, weil Klaas ihm vermutlich eh nichts sagen würde, sondern weil es schlicht verboten war, des Rätsels Lösung jedermann auf die Nase zu binden. Und ihn einfach auf gut Glück küssen, konnte ziemlich in die Hose gehen. Flüche reagierten da mitunter empfindlich. Ein Kuss von der falschen Person konnte alles nur noch viel schlimmer machen.

Blieb für Joko also nur noch eine einzige Option, um seinem Klaas zu helfen:

Den Prinzen zu bekommen und mit ihm glücklich zu werden.

ooOoo


Ein paar Stunden später, in denen Joko Zeit genug gehabt hatte, sich selbst halbherzig von seinem Plan zu überzeugen, wartete er am Waldrand auf Klaas. Joko war nervös, trat von einem Bein auf das andere und zupfte an seinem besten Hemd herum, das er extra angezogen hatte. Dabei war es völliger Unsinn, das zu tun; Klaas würde ihm hoffentlich noch bessere Klamotten beschaffen. Immerhin war selbst Jokos bestes Hemd alles andere als geeignet, um einen Prinzen aufzureißen. Er sah immer noch aus wie Aladin, bevor der Sultan geworden war. Stella stand neben ihm angebunden und graste friedlich, während Joko von Sekunde zu Sekunde unruhiger wurde.

Die Sonne stand tief und Joko hatte keine Ahnung, wie viel Zeit er eigentlich hatte, Matthias von seine Qualitäten zu überzeugen. Zumal er das alles so managen musste, dass er seiner Sippschaft nicht in die Hände fiel. Violetta war mit Jan und der verwandelten – und sehr unglücklichen, wenn auch als Mann ziemlich attraktiven – Palina im Schlepptau schon vor einer halben Stunde zum Schloss aufgebrochen. Denen musste er auf jeden Fall aus dem Weg gehen. Violetta war es glatt zuzutrauen, dass sie ihn im Burggraben ertränkte, wenn er ihre Pläne bezüglich des Prinzen durchkreuzte. Und so weit wollte Joko es dann doch nicht kommen lassen.

Hinter ihm knackte ein Ast. Es raschelte und Joko fuhr herum. Starrte Klaas an, der, die Hände in den Hosentaschen vergraben, plötzlich vor ihm stand und ihn durchdringend ansah. Joko Herz hüpfte ihm zwischen Kehle und Brust hin- und her wie der Froschkönig und Joko musste sich selbst daran erinnern, dass er sich dringend in den Prinzen verlieben musste.

„N'Abend“, brummte Klaas und deutete mit einem Kinnrucken auf Joko. „Was ist das denn? So kann ich dich aber nicht zum Ball lassen. Siehst ja aus, ey. Wie so'n Knecht.“

„Ich bin ein Knecht, du... du Zwerg, du!“, schnaubte Joko grinsend. In seinem Bauch flatterten Schmetterlinge umher. Erst recht, als Klaas lächelnd den linken Mundwinkel hochzog. Joko hatte plötzlich gar keine Lust mehr, auf den Ball zu gehen. Prinz Matthias konnte ihm gestohlen bleiben. Er räusperte sich und kramte ein bisschen Mut zusammen, um Klaas zu fragen, wer seine große Liebe wäre. Oder, um ihn einfach zu küssen. Klaas küssen wäre vermutlich ziemlich toll. Scheiß auf Risiken und Nebenwirkungen. Darüber konnte Joko sich auch später Gedanken machen. Er schluckte, trat einen Schritt auf Klaas zu, öffnete den Mund und stockte hustend, als er in eine silberne Glitzerwolke eingehüllt wurde.

Er war so damit beschäftigt gewesen, Klaas küssen zu wollen, dass er gar nicht mitbekommen hatte, dass der die immerglühende Zigarette auf ihn gerichtet hatte. Ein knurriges „Wipediwapediwasauchimmer“ später, war Joko in ziemlich feinen Zwirn gehüllt, mit dem er locker auf jede königliche Party hätte gehen können.

Blöd nur, dass Joko eigentlich zu keiner Party wollte, auf der Klaas nicht auch war.

„So, das sieht schon besser aus. So kann man dich rumlaufen lassen“, kommentierte Klaas, doch diesmal lächelte er nicht. Er sah Joko an, eine Sekunde, zwei und kribbelnde Aufregung breitete sich in Jokos Magen aus. Er hob die Hand, wollte nach Klaas greifen – als hinter ihnen die anderen Zwerge aus dem Wald stürmten wie die wilde Horde. Ertappt fuhren Joko und Klaas auseinander, als die anderen Männer sie umringten und so laut durcheinander sprachen, dass Joko erst einmal kein Wort verstand. Er sah fragend zu Klaas, der frustriert an seiner Zigarette zog und sich das Spektakel noch einen Moment länger ansah. Noch immer war vor ihnen ein furchtbares Durcheinander, das schon wieder in eine handfeste Schlägerei auszuarten drohte, weil jeder der erste sein wollte, der zu Wort kam.

„Schnauze jetzt alle Mann!“, bellte Klaas plötzlich dazwischen und tatsächlich waren die Zwerge augenblicklich still. Sie sahen Klaas an, der schnaubend Rauch durch Mund und Nase ausstieß wie ein kleiner, aufgebrachter Drache. „Was genau wollt ihr hier?“, fragte er gespielt ruhig. „Hatten wir uns nicht darauf geeinigt, dass ich Joko für den Ball fertig mache und ihr... keine Ahnung was macht?“

„Jaha“, nickte Jakob. „Das war der ursprüngliche Plan. Aber dann hatten wir, also viel mehr Thomas, eine bessere Idee.“

„Aha“, brummte Klaas, Augen misstrauisch zusammengekniffen. „Und die wäre?“

„Wir alle begleiten Joko zum Ball und helfen ihm“, erklärte Jakob mit strahlendem Lächeln. „Wir werden dafür sorgen, dass-“

„Abgelehnt“, knurrte Klaas, drehte sich zu Joko um und zog ihn am Arm mit sich fort auf Stella zu. „So, da das nun geklärt ist. Schwing dich auf dein Pferd“, forderte Klaas schroff.

Joko zögerte, warf den anderen Zwergen einen Blick zu, die die Köpfe zusammengesteckt hatten und miteinander flüsterten. Joko war nicht sicher, ob er ihre Hilfe wirklich gebrauchen konnte, aber er war sicher, dass er nicht einfach losreiten und Klaas zurücklassen wollte.

„Du, Klaas, ich...“, setzte Joko an, wurde aber von Klaas unterbrochen, der sich mit der flachen Hand gegen die Stirn schlug.

„Ach verdammt, ich hab die blöden Regeln ganz vergessen... hör zu, du musst diesen Matthias bis Mitternacht rumgekriegt haben, okay? Denn dann erlischt der Zauber und du stehst im besten Fall in deinen alten Klamotten vor ihm. Wenn's schlecht läuft, sind die auch weg. Also nicht trödeln, ne?!“

„Aber ich...ich...“

„Ja, ja, jetzt diskutier hier nicht schon wieder rum, rauf auf den Zossen und ab dafür! Die Uhr tickt!“

Joko blinzelte und ihn verließ der Mut, einfach nach Klaas zu greifen, ihn an sich zu ziehen und... Joko seufzte, schüttelte den Kopf, griff stattdessen nach den Zügeln... und konnte sich immer noch nicht entschließen, aufzusitzen und tatsächlich davonzureiten. Er sah Klaas an, der unruhig auf den Fersen wippte, die Finger um seine glühende Zigarette krallte und ihn beinahe wütend anblickte.

„Jetzt hau schon ab, Mann!“

Das dämpfte Jokos Entschlossenheit, es einfach zu riskieren und ihn doch noch zu küssen. Im besten Fall würde Klaas ihm nur eine runterhauen. Im schlechtesten Fall würden sie beide in Kröten verwandelt. Klaas war bestimmt eine sehr schlecht gelaunte Kröte, wenn es dazu kam. Joko öffnete den Mund, schloss ihn wieder und streckte dann die Hand aus.

„Klaas, ich... hör mal, ich wollte dir danken und, äh-“

„Lass stecken“, winkte Klaas brummig ab. „Nicht nötig. Bin ja schließlich deine gute Fee.“

Klaas ließ seine Flügel einmal kurz flattern, glitzernder Feenstaub stieg auf und Joko lächelte. Er wollte noch so viel mehr sagen und ganz andere Dinge tun, doch dazu fehlte ihm der Mut, wenn er ehrlich zu sich selbst war. Also stieg er umständlich in den Sattel und warf Klaas ein unsicheres Lächeln zu.

„Ich...“

„Genug geredet“, bestimmte Klaas, obwohl man dieses komische Gestammel zwischen ihnen kaum Kommunikation nennen konnte und klatschte Stella mit der linken Hand auf das Hinterteil. „Viel Glück beim glücklich werden!“

Die Stute schnaubte empört und Joko hatte keine Zeit mehr, Klaas verknallt anzuschmachten, oder sich richtig zu verabschieden oder ihn gar zu küssen. Er war zu beschäftigt, nicht aus dem Sattel zu fallen und sich den Hals zu brechen, als Stella die Straße entlangraste.

ooOoo

Das Schloss war hell erleuchtet, imposant und beeindruckend. Außerdem war die Musik gut und alle Getränke umsonst. Alles in allem beste Voraussetzungen für eine gelungene Party – nur, dass bei Joko keine rechte Stimmung aufkommen wollte. Das lag zum einen am Prinzen, der so belagert wurde, dass Joko keine Chance hatte, an ihn heranzukommen. Doch vor allem lag es an der simplen Tatsache, dass Joko jetzt lieber mit Klaas irgendwo im Wald gehockt und an dessen Flügeln rumgespielt hätte. Diesmal aber mit küssen und allem, was dazu gehörte.

Joko schlenderte zur Bar, organisierte sich einen weiteren Gin Tonic und nuckelte unmotiviert daran herum, während er den Prinzen dabei beobachtete, wie er lächelnd Smalltalk betrieb. Joko schob sich näher heran, machte den Hals lang, um besser sehen zu können und musste zugeben, dass Matthias gut aussah. Wirklich gut. Er war groß, hatte blonde Locken, blaue Augen und... Joko stockte. Blaue Augen, genau wie Klaas.

Ach verdammt. So würde das ja nie was werden. Wenn er jetzt nicht mal langsam zusah, dass er an Matthias herankam, würde er Klaas nicht von dem Fluch befreien können und der würde zu einer echten Fee werden. Das musste er auf jeden Fall verhindern. Joko kippte entschlossen seinen Gin und wollte sich gerade auf in den Kampf um den Prinzen stürzen, als plötzlich Jakob und Thomas vor ihm standen – als Kellner verkleidet – und ihn angrinsten.

„Noch etwas zu trinken, werter Herr?“, fragte Jakob geziert und Joko griff automatisch nach einem der Gläser auf dessen Tablett.

„Was macht ihr hier?“, fragte er und Jakob zuckte grinsend die Schultern.

„Helfen.“

Joko hob skeptisch eine Braue, als Thomas den Inhalt der Gläser auf seinem Tablett selbst vernichtete. So wirklich hilfreich waren die beiden vermutlich nicht. Aber wenn sie hier waren, dann waren die anderen Zwerge wohl nicht weit. Joko nippte am Gin, sah sich um und erkannte Frank, der sich mit einem Tablett voller Snacks durch die Menge schob. Jano winkte Joko grinsend vom anderen Ende der Tanzfläche aus zu und Joko hob die Hand, grinste und spürte nervöses Flattern in der Magengegend, als er sich weiter suchend umsah und...

„Diese Trottel haben einfach keine Ruhe gegeben“, erklang eine Stimme direkt neben Joko. „Ja, und ich dachte, also bevor die hier nen Totalschaden anrichten, ne, da dachte ich mir, ich komm lieber mit und pass' auf.“

Joko drehte sich zu Klaas um, der neben ihm an der Bar lehnte und konnte das glückliche Lächeln nicht zurückhalten. Klaas war hier. Und er grinste und er sah nur ein ganz bisschen schlecht gelaunt aus.

Und Joko hatte keine Ahnung, was er zu ihm sagen sollte. Er starrte ihn nur an und wusste, dass es nicht länger der Prinz war, den er wollte. Dumme Zwickmühle...

„Da isser also, dein Prinz?“, fragte Klaas plötzlich und deutete auf Matthias, der sich mit einigen Junggesellen unterhielt und wenig glücklich aussah. „Sieht ganz gut aus. Bisschen viel Stirn, ne?“

„Mhm, brummte Joko nur und fand, dass Klaas' Stirn ganz toll war. Von den harten Falten mal angesehen, die sich gerade darauf bildeten. Aber die könnte er vielleicht mit den Fingerspitzen glatt streichen und dafür sorgen, dass Klaas wieder lächelte. Joko mochte es sehr, wenn Klaas lächelte.

„... gehst jetzt dahin und tanzt mit ihm!“

Joko blinzelte und ließ schnell die Hand sinken, die er schon nach Klaas ausgestreckt hatte. Er hatte kein Wort gehört von dem, was Klaas gesagt hatte und war völlig aus dem Konzept gebracht, als Klaas ihm das Glas aus der Hand nahm, in zwei großen Schlucken leerte und Joko auf den Prinzen zuschob.

„Und nicht vergessen, guck romantisch und sieh zu, dass ihr euch ziemlich schnell verliebt, die Zeit ist bald um.“

„Du, Klaas...“, setzte Joko an, der sich sehr sicher war, dass er sich nicht in Matthias verlieben würde – von ziemlich schnell wollte er gar nicht erst anfangen. „Du Klaas, ich hab da mal ne Frage...“ Joko stockte, als er plötzlich Violetta sah. Die alte Fregatte segelte zielsicher auf Matthias zu und hatte Jan am Schlafittchen, der Joko fast leid getan hätte, wäre es nicht Jan gewesen. Joko vergaß die Frage nach Klaas' einzig wahrerer Liebe, griff lieber nach dessen Arm und zog ihn aus der Gefahrenzone.

„Volle Kraft zurück“, murmelte Joko und schubste Klaas in eine kleine Nische hinein. „Wenn wir meiner Stiefmutter in die Hände fallen, war's das für uns.“ Er schob sich vor Klaas und musste sich ziemlich nah an ihn heranrücken, weil die Nische nicht sonderlich viel Platz bot. Nicht, dass Joko sich beschweren wollte, wenn er sich an Klaas pressen und den warmen Duft seiner Haut einatmen musste. Das vernebelte ihm den Kopf effektiver als der Gin gerade eben. Leider war Klaas ganz und gar nicht benebelt, sondern mal wieder nur auf die Aufgabe fokussiert.

„Wenn das mit dir und dem Prinzen nicht bald was wird, dann war es das für mich!“, brummte Klaas gänsehautverursachend nah an Jokos Hals. „Um Mitternacht läuft nicht nur deine Zeit ab!“

„Mhm“, machte Joko, dem es eigentlich viel besser gefiel, mit Klaas hier zu stehen und die Nase in dessen Haar zu schieben, als sich um den Prinzen zu kümmern. Inzwischen war er schon soweit, dass er darüber hinwegsehen könnte, wenn Klaas zur Fee würde. Mit den Flügeln jedenfalls konnte Joko sich durchaus anfreunden. Mit Brüsten... naja. Niemand war perfekt. Beim Rest... Vielleicht konnte man einen Kompromiss beim Zauberer aushandeln. Klaas Brüste und Flügel verpassen und den Rest so lassen wie er war? Joko fand den Gedanken gar nicht so übel. Er grinste, weil er daran denken musste, was Klaas wohl dazu sagen würde. Vermutlich eine ganze Menge. Vermutlich würde er wieder Rumpelstilzchen imitieren, wenn Joko ihm diesen Vorschlag jetzt unterbreiten würde. Er würde wieder maulen und fluchen und Joko als Idioten beschimpfen. Und vielleicht würde er grinsen, den Kopf schütteln, trotzdem lachen und...

Klaas zischte, spannte sich an und Joko bemerkte erst jetzt, dass seine Finger auf Klaas' Flügeln lagen. Ganz unbeabsichtigt hatte er über die zarte Membran gestreichelt und Klaas' Reaktion kam wieder ganz unvermittelt. Ein zitternder Luftstoß, der heiß und erregend über Jokos Haut glitt, dann krallten sich Klaas' Finger in sein Hemd. Er suchte Halt und Joko schlang einen Arm um ihn. Mund staubtrocken legte er eine Hand an Klaas' Wange, war bereit, es einfach zu riskieren und ihn zu küssen und zur Not den Rest seines Lebens als Kröte zu verbringen, wenn es schief gehen sollte.

Ein Rempeln von der Seite brachte Joko völlig aus dem romantisch angehauchten Konzept. Er blinzelte und warf dem ungeschickten Trottel, der ihn angestoßen hatte, einen strafenden Blick zu, bevor er wieder Klaas ansah und eigentlich da weiter machen wollte, wo er gerade unterbrochen worden war.

Leider war auch Klaas wieder zurück in der Wirklichkeit, starrte Joko nur aus großen Augen an und schluckte hart, bevor er ihn sanft aber bestimmt von sich schob.

„Der Prinz wartet, Joko“, stellte er heiser fest und Joko fühlte sich ein wenig, wie mit eiskaltem Wasser übergossen, als er rückwärts stolperte, ohne Klaas aus den Augen zu lassen.

„Der Prinz ist mir...“, setzte er an, wurde aber von Jakob unterbrochen, der ein volles Tablett an ihnen vorbei balancierte und aus dem Mundwinkel zischte:

„Also, wenn ihr mich fragt, gebt ihr zwei auch ein nettes Paar ab.“ Er zwinkerte und schob sich schnell durch eine Lücke der tanzenden Menschen, als Klaas neben Joko warnend zischte.

Joko grinste ihn zwinkernd an.

„Wir könnten tanzen...“

„Ihr solltet sogar tanzen!“, zischte da Frank im Vorbeilaufen und verschwand auch direkt wieder. Klaas warf ihm einen Blick zu, bei dem Frank eigentlich direkt tot hätte umfallen müssen.

„Ich würde auch gerne mit dir tanzen“, gab Joko zu und bekam einen Blick von Klaas, den er nicht deuten konnte.

„Du bist aber nicht hier, um mit mir zu tanzen!“

„Aber ich...“

„Und der Prinz haut gerade durch die Seitentür da ab. Hinterher!“, murmelte Klaas und schob Joko vor sich her durch den Saal, bevor Joko dagegen aufbegehren konnte.

„Klaas, warte!“, bat Joko leise und ein wenig verzweifelt, als Klaas ihn durch die kleine Tür am Ende des Ballsaales schubste. „Klaas, ich muss dir da dringend was sagen, ich...“

„Später, Prinz voraus“, unterbrach Klaas ihn, klang hektisch und gepresst und sah Joko nicht an. „Krall' ihn dir und nicht vergessen, glücklich werden bis in alle Ewigkeit und so.“

„Aber...“

Rums.

Die Tür schlug Joko vor der Nase zu, bevor er Klaas sagen konnte, dass ihm der Prinz am Allerwertesten vorbei ging. Er blinzelte irritiert und war wild entschlossen, die Tür einfach wieder zu öffnen, sich Klaas zu schnappen und ihn einfach zu küssen. Konsequenzen hin oder her. Leider war da keine Klinke, nur ein Knauf und Joko musste fluchend feststellen, dass Klaas ihn – hoffentlich nur versehentlich – ausgesperrt hatte.

Joko riskierte es zu klopfen, lauschte und hörte doch nur Musik und Gelächter von drinnen. Es war doch wirklich zum Mäuse melken. Jetzt musste er Klaas wieder suchen gehen und dabei aufpassen, seiner Stiefsippschaft nicht in die Hände zu fallen. Und das alles auch noch unter Zeitdruck!

„Kacke, ey“, murmelte Joko seufzend, wandte sich ab und lief die Treppen in den Garten hinunter, der von hohen Hecken umzäunt war, um eine gewisse Privatsphäre zu gewährleisten. Konnte Joko jetzt gerade gar nicht gebrauchen. Er lief schneller, an Rosenbüschen und Blumenrabatten vorbei, die betörend gut rochen und hoffte, dass er den Haupteingang bald gefunden haben würde.

Doch was er fand war keine Treppe und keine Tür zum Schloss oder gar Klaas – dafür fand er den Prinzen.

Den schönen Prinz Matthias höchstpersönlich. Und der rannte geradewegs in Joko hinein. Keine Chance auszuweichen. Beide gaben ein atemloses „Uff!“ von sich, als sie ineinander rasselten und sich aneinander festhielten. Sekundenlang starrten sie sich nur an. Sagten kein Wort – das war auch nicht nötig. Zumindest nicht, was Joko anging.

Da war kein Kribbeln, kein sehnsüchtiges Ziehen in seinem Bauch. Da war nichts von dem, was er empfand, wenn er Klaas ansah. Von Schmetterlingen wollte Joko gar nicht erst anfangen. Die stellten sich allesamt tot. Damit war der Plan, sich in den Prinzen zu verlieben und Klaas damit zu erlösen, wohl endgültig gestorben. Weil nicht länger Matthias und sein blödes Schloss Jokos Herzbegehren waren. Nicht einmal die ganze Bediensteten und das Leben in Saus und Braus konnten ihn noch locken.

Nein, es musste ja ein ständig schlecht gelaunter Zwerg sein. Und der hatte garantiert kein Schloss. Und auch kein Personal. Da rannten nur sechs andere schnapsbrennende Zwerge herum, die Musik auf Baumstämmen machten und sich ständig stritten.

Und Joko wollte genau das.

Die Erkenntnis ließ ihn breit grinsend den Kopf schütteln. Er würde Klaas sogar als schlecht gelaunte, bärtige Fee mit Brüsten nehmen, wenn es sein musste. Blieb natürlich die Frage, wer Klaas' große Liebe war, von der er den ersten Kuss ersehnte. Und ob Joko da überhaupt eine Chance hätte. Vielleicht, wenn er mehr Zeit hätte, um Klaas von sich zu überzeugen? Oder es auch mal auf einen Versuch ankommen ließ und den Zauberer um Hilfe bat?

„Ähm... hallo“, sagte Matthias und riss Joko aus seiner Überlegung heraus, wie er Klaas am besten herum bekommen könnte. Vermutlich war Matthias es nicht gewöhnt, dass er festgehalten und einfach nur angestarrt wurde. Oder vielleicht doch... Erst jetzt fiel Joko das zerrupfte Äußere der königlichen Hoheit auf. Anscheinend waren da manche Junggesellen ein bisschen sehr enthusiastisch zu Werke gegangen, Matthias von den eigenen Qualitäten zu überzeugen. „Verzeiht den stürmischen Auftritt, aber ich war auf der Flucht, sozusagen.“ Matthias grinste und Joko lächelte verstehend, als er die königlichen Schultern losließ, an denen er sich festgehalten hatte.

„Ihr müsst mir verzeihen, Hoheit, ich hatte es so eilig, zu meinem Zwerg zu kommen, dass ich nicht auf den Weg geachtet habe“, gab Joko zu und blinzelte, als Matthias grinsend die Brauen hochzog.

„Aha... Euer Zwerg also? Dann seid Ihr in Begleitung hier?“

„Sowas ähnliches“, wich Joko aus und bemerkte gleich, dass der Prinz viel entspannter wirkte, nachdem klar war, dass Joko nicht auf eine Chance lauerte, ihn herumzubekommen. Dabei wäre das vor ein paar Tagen noch ganz anders gewesen. Rein objektiv betrachtet, gefiel er Joko nämlich schon, dieser Prinz. Mit den blonden Locken und den blauen Augen, die heller als die von Klaas waren und leider nicht so viele kleine Falten drumherum aufweisen konnten.

„Nun, wenn Ihr Euren Zwerg sucht, dann will ich Euch nicht aufhalten, denn...“

Schritte unterbrachen Matthias, dessen Augen kurz groß und dann ganz weich wurden, als er lächelte. „Florian“, murmelte er und Joko, der direkt abgeschrieben war, drehte sich überrascht um.

„Matthias“, antwortete ein Mann, der jetzt aus den Schatten trat und den Joko flüchtig kannte. Es war der königliche Jäger und er betrachtete die Szene vor sich mit einigem Misstrauen.

Joko hob instinktiv die Hände, obwohl er Matthias gar nicht mehr berührte. Wenn er den argwöhnischen Blick des Jägers richtig einschätze, wurde er gerade der Wilderei in königlichen Gefilden verdächtigt – sozusagen. Und er wollte ungern Bekanntschaft mit der Armbrust machen, die über des Jägers Schulter hing.

Doch es dauerte keinen Wimpernschlag lang, da war Joko vergessen. Prinz und Jäger sahen nur einander und Joko konnte selbst im Halbdunkel erkennen, wie verzweifelt und begehrlich die Blicke waren, mit denen sie sich betrachteten. Damit war im Grunde alles klar und Joko war fast erleichtert, weil es nicht nur an ihm lag, dass aus dem Prinzen und ihm nichts werden würde.

So ein unglaubliches Pech aber auch!

„Du solltest mit rein kommen“, bat Matthias Florian und trat an Joko vorbei, der sich selten so überflüssig gefühlt hatte wie in diesem Moment.

Eigentlich ein perfekter Zeitpunkt, sich davon zu schleichen und Klaas zu suchen – wenn er nicht so verdammt neugierig gewesen wäre, warum Prinz und Jäger nicht einfach zusammen durchbrannten, wenn sie schon so offensichtlich verknallt ineinander waren. Ein bisschen gucken war durchaus noch drin, fand Joko.

„Ich passe dort nicht hin“, brummte der Jäger Florian und griff nach Matthias ausgestreckter Hand. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. „Ich würde auffallen wie ein bunter Hund mit meiner Armbrust und dem Hut und den grünen Strumpfhosen.“

„Ist mir doch egal“, unterbrach Matthias ihn trotzig und verschränkte seine Finger mit Florians. „Ich will tanzen mit dir und ich will nicht mehr so tun müssen, als würde ich einen Bräutigam suchen, wenn ich ihn längst gefunden habe!“

Das Lächeln verschwand von Florians Gesicht, als er Matthias' Finger an seine Lippen hob und einen Kuss darauf hauchte.

„Du weißt, dass es nicht möglich ist. Nie würde sie akzeptieren, dass du und ich...“ Er führte den Satz nicht fort, aber Matthias' Seufzen ließ Joko erkennen, dass dies nicht das erste Mal war, dass dieses Thema diskutiert wurde. Und da ihm ein paar Kerzenleuchter aufgingen und er so schlecht die Klappe halten konnte, mischte er sich doch noch ein:

„Also ich weiß ja, das geht mich im Grunde nichts an, aber dieses Stellungsgedöne ist doch völlig überholt.“ Joko zeigte auf sich selbst, als der Prinz und der Jäger, ihn ansahen und verblüfft blinzelten. „Ich mein, was soll ich denn sagen? Ich bin in einen Zwerg verknallt, der sich demnächst in eine Fee verwandeln wird. Mit Brüsten und allem. Aber das krieg ich schon hin. Irgendwie. Hoffentlich. Dagegen ist euer Problem doch echt...“ Joko machte eine wegwerfende Handbewegung und schnaubte spöttisch. „Pipifax! Genau. Pipifax! Also gehet hin und werdet glücklich, oder so. Ich muss jetzt zu meinem Zwerg.“

Joko hob zwei Finger grüßend an die Stirn, als Prinz und Jäger ihn sprachlos anstarrten und ging dann grinsend davon, um seine Worte in die Tat umzusetzen. Blieb nur zu hoffen, dass Klaas nicht unsterblich in den Froschkönig oder so verliebt war. Das wäre natürlich fatal. Aber darüber wollte Joko nicht nachdenken, als er die breiten Treppenstufen hinaufsprang und erneut das Schloss betrat. Er war wild entschlossen, Klaas zu finden, ihn zu küssen und mit ihm glücklich zu werden und nichts und niemand würde ihn aufhalten!

Außer Violetta vielleicht.

Violetta, die plötzlich vor ihm auftauchte wie ein vermaledeiter Flaschengeist. Fehlte nur noch die Rauchwolke. Joko stockte mitten im Schritt und starrte seine Stiefmutter an, deren Augen klein und gemein im runzligen Gesicht funkelten, als sie einen gichtigen Finger hob und auf ihn zeigte.

„Du? Was wollen du denn hier, hä?!“

Joko gab keine Antwort, war eh nur eine rhetorische Frage. Er drehte sich auf dem Absatz um und suchte schnellstens das Weite. Was allerdings nicht weit war, da er Jan beinahe in die Arme rannte, während Violetta hinter ihm „Halte ihn!“, kreischte und für ihr Alter erstaunlich schnell rannte. Joko schwenkte zur Seite und raste die große Treppe am anderen Ende des Ballsaals hoch. Dabei hatte er sich in den Gruselmärchen immer darüber aufgeregt, wenn Prinzessinnen sowas taten und am Ende vom bösen Wolf gefressen wurden. Kein Mensch rannte nach oben, wenn ihm der Wolf – oder Violetta – im Genick hing! Doch um darüber nachzudenken, was klug war, hatte er keine Zeit. Er rannte weiter, Violetta und Jan dicht auf den Fersen, bis er den letzten Treppenabsatz erreicht hatte und ihm nur noch eine schlichte Holztür als letzter Fluchtweg blieb.

Joko hastete darauf zu, hörte schon das Fluchen und Keuchen seiner Verfolger und betete, dass die Tür nicht abgeschlossen war, als er den Knauf umfasste. Sie öffnete sich und Joko stürmte in den Raum dahinter, warf die Tür hinter sich zu und drehte den silbernen Schlüssel im Schloss. Geschafft!

Joko lehnte sich wild schnaufend an die Tür, gegen die von außen wütend gehämmert wurde. War Joko gerade herzlich egal. Er war damit beschäftigt, Luft in seine Lungen zu pumpen und seinen Puls zu beruhigen. Der gleich wieder in die Höhe schnellte, als eine mürrische Stimme ihn ansprach:

„Wat wills' du denn hier?“

Joko riss die Augen auf und starrte die Gestalt an, die auf einem Stuhl am Fenster saß und rauchte. Eine Frau, mit verdammt langen Haaren und ziemlich missmutigem Gesicht.

„Watte hier willst, hab ick gefragt!“

Joko blinzelte und versuchte sich an den Namen der einsamen Prinzessin im höchsten Turm des Schlosses zu erinnern. Hatte er mal irgendwo aufgeschnappt und glatt wieder vergessen. Mit Prinzessinnen hatte er es normalerweise nicht so.

„Rapunzel?“, fragte er unsicher und sprang erschrocken von der Tür weg, als etwas so hart dagegen prallte, dass das Holz leise knirschte. Lange würde das olle Ding Violetta und Jan nicht mehr aufhalten. Wobei Joko sich schon fragte, was genau die beiden als Rammbock verwendeten...

„Nenn mich Sabine, is' mir lieber, weißte“, antwortete Rapunzel und klang schon nicht mehr ganz so mürrisch wie zuvor.

Und da Joko verzweifelt war, gejagt wurde und ein bisschen unter Zeitdruck stand – die blöde Mitternachtsregel hing ihm ebenso im Nacken wie Violetta – hob er bittend wie ein kleiner Junge die Hände, als er vor Rapunzel-Sabine auf die Knie ging und sie flehend ansah.

„Hochverehrte Prinzessin, Ihr müsst mir helfen. Mein Name ist Joko und ich werde von meiner bösen Stiefmutter verfolgt. Dabei muss ich schnellstens zu meinem Zwerg, um eine Fee oder so aus ihm zu machen und ich bitte Euch, mir zu helfen, einen Ausweg aus diesem Raum zu finden!“

Sabine schnippte die aufbrauchte Kippe aus dem Turmfenster und schüttelte lachend den Kopf.

„Und ick dachte, ick krieg hier endlich mal meinen Antrag! Aber ick muss dir enttäuschen, du Zwergenknutscher. Hier gibt nur die Tür und das Fenster. Aber ick kann dir an meinem Haar runterlassen.“

Joko wollte schon seinen euphorischen Dank ausdrücken, als ihm bewusst wurde, dass so ein Turmfenster ziemlich hoch gelegen war im Regelfall. Und Höhe war nicht gut. Ganz und gar nicht gut. Joko drehte sich ja schon der Magen um, wenn er zum Putzen auf eine Leiter musste. Er stand auf, schob sich vorsichtig an die Fensteröffnung und linste vorsichtig hinaus.

„Oh fuck...“ murmelte er und wich schnell wieder zurück. Da würde er niemals rausklettern können. Höhe war sein persönlicher Endgegner. Lieber Violetta in die gichtigen Klauen fallen. „Ich kann's nicht“, japste Joko nach einem weiteren Blick und drückte sich mit dem Rücken gegen schützende Mauern. Schien Rapunzel ziemlich egal zu sein, die sich schulterzuckend wieder auf ihren Stuhl setzte und sich die blonden Haare kämmte.

Augen geschlossen atmete Joko tief durch und hatte plötzlich Klaas im Sinn, der ihn angrinste und einen fürchterlichen Feigling nannte. Joko schluckte unwillkürlich, als sein Fantasie-Klaas streng erklärte, dass Joko vermutlich für immer und ewig in einem Turm hocken würde, wenn Violetta ihn zu fassen bekäme. Und dann wäre es das gewesen mit dem Happy End. Joko seufzte. Eine wirkliche Wahl hatte er tatsächlich nicht und seine Zeit lief unaufhaltsam weiter ab.

„Okay, ich mach's!“, erklärte er mit dem Mut der Verzweiflung und sah Rapunzel an, die skeptisch beide Brauen hob.

„Biste dir sicher? Nich', dass ich umsonst meine Haare in den Wind halt, ne? Dat gibt fiese Knoten!“

„Absolut sicher“, rief Joko über das Gepolter gegen die Tür hinweg und sah alarmiert auf, als das Holz splitterte und Violetta durch den entstandenen Spalt unartikulierte Drohungen gegen Joko ausstieß. „Sehr, sehr sicher“, murmelte Joko, als Rapunzel sich schwerfällig erhob und ihre Wallemähne aus dem Fenster warf.

„Dann ma' los, du Klettermaxe!“

Joko holte tief Luft, umklammerte die steinerne Fensterbank und schwang ein Bein darüber, ohne nach unten zu sehen. Er kniff die Augen zusammen, dachte an Klaas und griff nach langen, etwas strohigen Haarsträhnen.

„Wehe, der Kerl küsst nicht wirklich gut“, murmelte er und begann mit seinem Abstieg.

Die nächsten Minuten waren eine interessante Mischung aus Panik, Euphorie und dem Gefühl, dringend den Abort aufsuchen zu müssen. Und als Joko wieder festen Boden unter den Füßen hatte, brach er erst einmal keuchend in die Knie, rang nach Luft und bemühte sich, die Freigetränke im Magen zu behalten, die er auf des Prinzen Party genossen hatte. Weit über ihm hatten es Violetta und Jan offenbar geschafft, die Tür aufzubrechen. Joko blickte auf, als er undeutliches Gezeter hörte, sah Violetta, die sich aus dem Turmfenster beugte und ihm fluchend mit der Faust drohte.

„Leck mich“, murmelte Joko, hob beide Mittelfinger zur stummen Antwort und wankte auf zittrigen Knien erneut auf die Eingangstreppe zu, um endlich Klaas zu finden.

Er fand ihn an der Bar, wo er ein großes Glas goldgelber Flüssigkeit grimmig leerte. Joko starrte ihn an, wusste, dass ihm die Zeit unaufhaltsam zwischen den Fingern zerrann und dennoch zögerte er, auf Klaas zuzugehen und ihm einfach zu sagen, was er empfand. Denn, dass er etwas sagen musste, das wurde ihm erst jetzt klar. Einfach drauflosküssen, das lag ihm nicht. Mit einem „Hi, hier bin ich wieder, hat nicht geklappt mit dem Prinzen. Willst knutschen?“, war es aber vermutlich auch nicht getan.

Joko schluckte und suchte noch nach den richtigen Worten, als plötzlich die große Turmuhr schlug. Unwillkürlich zählte Joko die Glockenschläge mit.

Eins.

Er sah, wie Klaas aufblickte. Das schmale Gesicht war ganz blass und angespannt, als Klaas zum Garten sah, sich auf die Lippen biss und plötzlich den Kopf hängen ließ.

Zwei.

Joko betrachtete Klaas und spürte das sehnsüchtige Ziehen in seinem Magen, das sich einfach nicht verleugnen ließ. Also nahm er einfach allen Mut zusammen und setzte sich in Bewegung.

Drei.

„Hey“, machte Joko, bei Klaas angekommen und grinste unwillkürlich, als Klaas zusammenzuckte und ihn dann anstarrte. Er sah Klaas schlucken; hart bewegte sich dessen Kehlkopf auf und ab und Joko schluckte gleich mit. Fand keine Worte und konnte Klaas nur ansehen.

Vier.

„Hey“, murmelte Klaas, die blauen Augen ganz weich, als Joko noch einen Schritt näher trat. „Hat wohl nicht geklappt mit deinem Prinzen, was?“

Fünf.

„Warst anscheinend nicht sein Typ, mhm?“ Klaas deutete auf die Tanzfläche und Joko drehte sich um und grinste, als er Matthias mit Florian tanzen sah.

Sechs.

„Schätze, er ist auch nicht mein Typ“, gab Joko zu und schob sich noch näher an Klaas heran.

Sieben.

„Seit wann das denn? Warst doch ganz wild auf den Prinzen und sein Schloss“, spottete Klaas, aber Joko glaubte, da ein leichtes Zittern in dessen Stimme zu hören. „Wolltest doch unbedingt Angestellte und alles!“ Klaas gestikulierte und Joko griff nach seiner Hand, verschränkte ihre Finger miteinander und Klaas verstummte.

Acht.

„Ja, das wollte ich. Aber jetzt nicht mehr. Jetzt will ich einen ständig schlecht gelaunten Zwerg...“

Neun.

Sie sahen sich an. Lächelten. Klaas' Finger umschlossen Jokos sehr, sehr fest.

Zehn.

„Ich bin nicht ständig schlecht gelaunt!“, murmelte Klaas heiser und stand plötzlich so dicht vor Joko, dass der Klaas' warmen Atem auf den Lippen spüren konnte.

Elf.

Joko war wie gebannt von den blauen Augen, von den Fältchen darum und von dem Grinsen, das schief und gleichzeitig unwiderstehlich war. Und dann schien alles ganz leicht zu sein. Joko beugte den Kopf, schloss die Augen und hauchte einen Kuss auf Klaas' Lippen.

Zwölf.

Klaas schmeckte nach Rauch und Bier und nach Klaas und Joko fand es wundervoll und berauschend und so gut, dass er eine Hand in Klaas' Nacken schob, ihn näher an sich zog und kaum genug davon bekommen konnte, ihn zu küssen.

Er bekam kaum mit, dass Klaas und er in einer glitzernden Staubwolke verschwanden, als der Zauber aufgehoben wurde und die Flügel, die aus Klaas' Rücken wuchsen, mit einem leisen 'Plopp' verschwanden. Er bekam nicht mit, dass die Zwerge neben und hinter ihnen standen und in Jubel ausbrachen – und nebenher Violetta ausschalteten, die sich auf Joko stürzen wollte. Oder dass der Prinz verkündete, dass er demnächst den Jäger heiraten würde.

Joko küsste Klaas und war glücklich. Und zwar mit allem Drum und Dran. Mit Herzklopfen und Schmetterlingen und was nicht alles dazu gehörte. Vielleicht hörte er auch ein paar Engel oder so singen. Aber nur vielleicht!

Und als er sich endlich von Klaas löste, ihn ansah und glücklich lächelte, da fiel ihm auf, dass sie sich nicht in Kröten verwandelt hatten. Und Klaas hatte auch keine Brüste, sondern sah aus wie immer. Nur, dass er grinste und seine Augen ganz schmal wurden und fast so hübsch glitzerten wie die Flügel, die er vorher gehabt hatte.

„Schade“, murmelte Joko, Klaas an sich drückend, als er über dessen Rücken streichelte. „Ich mochte die Flügel.“

„Ey, weißt du eigentlich, wie unpraktisch die waren?!“, protestierte Klaas und hauchte schnell einen scheuen Kuss auf Jokos Lippen. „Versuch mal mit den Dingern zu schlafen! Oder dich anzuziehen!“

„Oder aus...“, murmelte Joko grinsend, bevor er sich räusperte und Klaas neugierig ansah. „Warum hat der Zauberer dir die eigentlich verpasst?“

„Fand er witzig“, brummte Klaas, die Nase an Jokos Hals reibend. „Ich hab ihn gefragt und vielleicht war ich so'n bisschen zu hartnäckig und hab ihn genervt, weil ich nicht wusste wie ich... naja, ich hab gedacht, wenn ich ein Prinz mit Schloss bin, dann vergisst du Matthias. Aber stattdessen hat er ne Fee aus mir gemacht, zur Strafe und ich musste euch verkuppeln.“

„Oder mir einfach sagen, dass ein Kuss ausreichen würde, weil ich deine große, einzige, wahre Liebe bin“, unterbrach Joko kopfschüttelnd Klaas' kleine Erklärung.

„Jetzt übertreib mal nicht so maßlos“, schnaubte Klaas. „Große, einzige, wahre Liebe... hörst du dir eigentlich selbst zu, du Trottel? Ich bin höchstens nur ein ganz klein bisschen verliebt. Und dir Tipps zu geben, war nicht erlaubt, kennst doch die Regeln“, gab Klaas zu. „Nicht mal nen Hinweis durfte ich dir geben und ich hab eben gedacht, du bist so scharf auf den Prinzen und sein Personal und alles!“

„Weniger denken, mehr küssen“, flüsterte Joko grinsend, der nicht zugeben wollte, dass er die Sache mit dem Schloss und dem Prinzen vielleicht ein wenig oberflächlich betrachtet hatte. Wieder stahl er sich einen Kuss von Klaas, der grinste, ihn noch einmal einen Trottel nannte und ihn zurück küsste.

Und wieder bemerkten sie nichts von dem, was um sie herum passierte.

Weder das Handgemenge, das sich die Zwerge mit Violetta leisteten, noch, dass Prinz und Jäger mit einer wilden Knutscherei für den zweiten Skandal innerhalb von Minuten sorgen. Oder, dass der Zauberer auftauchte und sich nach kurzer Enttäuschung darüber, dass aus Klaas keine Fee im blauen Glitterkleid geworden war, an Jan heranmachte, um ihn für ein gemeinsames Projekt in der Menschenwelt zu begeistern, weil ihm die Zauberei wirklich zum Hals heraushing.

Nichts zählte mehr für Klaas und Joko, die sich endlich gefunden hatten.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann küssen sie sich noch heute.


Ende
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