Die Initialen R.A.

Die Initialen R.A.

BeitragAutor: Sammy-chan » 26. Aug 2010, 19:14

Name: Die Initialen R.A.

Autor: Sammy-chan

Beta: Ria

Pairing: René Adler/Rico Adler, wenn man möchte, also eine reine Interpretationssache, ich hab das gar nicht beabsichtigt, das sind nur eure Fantasien XD

Warnings: slashy, slightly Inzest (damit sich hinterher keiner beschweren kann)

Disclaimer: Alle gehören sich selbst und nich mir, das alles hat nicht stattgefunden und ist reine Fiktion meinerseits. Ich verdien damit auch kein Geld

Anmerkung: Inspiriert durch diesen Artikel: http://www.bild.de/BILD/sport/fussball/ ... sland.html


~~ooOoo~~

Mit einem leisen ‚Klick’ öffnete sich die Tür, als Rico den Schlüssel umdrehte. Sofort stürmte ein riesiges Fellknäuel auf ihn ein, Sheila, seine Schäferhund-Collie-Mischlingshündin. Sie sprang seine Beine hoch und fiepte dabei freudig.

„Ist ja gut, meine Schöne!“ Rico tätschelte ihr den Kopf, während er den kleinen Flur betrat, seine Jacke auszog und sie an den Haken der Garderobe hängte. Der Geruch von Frischgebackenem kam ihm entgegen, er folgte dem Flur in das angrenzende Esszimmer.

„Hallo?“

„Rico?“ Die Stimme seiner Mutter, die aus der Küche tönte.

„Ja.“ Er verdrehte die Augen, wer sollte es sonst sein?

Noch lebte er hier bei seinen Eltern. Er hatte im Juni sein Abitur gemacht und sich dann in die Aufnahmeprüfungen für sein Studium gehängt, mit dem Erfolg, dass er sich nun Student nennen durfte.
Doch das suchen und finden einer Wohnung brauchte Zeit. Wahrscheinlich würde er mit ein paar seiner Kommilitonen eine WG aufmachen. Das einzige, was ihm wirklich fehlen würde, war Sheila, sie musste er hier zurücklassen, da es schon schwierig genug war, ohne Haustiere eine geeignete Wohnung zu finden. Fast schon schuldbewusst beugte er sich zur Hündin hinab und umarmte sie.

„René hat heute Morgen angerufen, er hat überraschend zwei Tage frei bekommen und kommt uns besuchen.“

Genau das war die Nachricht, die Rico an einem Tag mit acht Stunden Vorlesung am Stück nicht hören wollte. Sein älterer Bruder, René Adler, der Überflieger der Bundesliga.

Rico ließ sich auf einen der Stühle rund um den Esszimmertisch fallen. Sheila legte den Kopf auf sein Knie, um ihn zu animieren sie weiter zu streicheln, aber sein Blick blieb an den feinen Linien auf der Innenseite seines Handgelenks hängen. Sie Verflochten sich so ineinander, dass sie ein ‚R’ und ein ‚A’ bildeten, darunter ein paar römische Ziffern.
Ausgerechnet der Bildzeitung hatte er es erzählt. Rico wusste nicht, warum er dieses Tattoo überhaupt trug, was ihm eingefallen war oder wie es René geschafft hatte, ihn zu überzeugen, aber jetzt wurde er es nicht mehr so schnell los.

Er hatte nie jemanden erzählt, was es wirklich bedeutete, hatte sich irgendetwas ausgedacht, dass es die Initialen einer verflossenen Liebe waren, was sich zwar kitschig anhörte, aber bei den Mädchen gut ankam, das hatte er mittlerweile festgestellt und alles war besser, als das, was es wirklich war. Wer trug schon die Initialen und das Geburtsdatum seines Bruders tätowiert? Aber jetzt wusste es sowieso ganz Deutschland.

Zu allem Überfluss sah er seinem Bruder auch noch extrem ähnlich, jeder, der seinen Nachnamen hörte, wusste sofort, dass er einen nahen Verwandten des großen René Adler vor sich hatte.

Seine Mutter hatte ihm freudestrahlend den Zeitungsausschnitt unter die Nase gehalten.
„Dein Bruder hat über dich geredet!“, hatte sie gesagt und er wäre am liebsten gestorben.

Seine Mutter sammelte jeden Schnipsel über René, mittlerweile stapelten sich schon Kisten im kleinen Büro. Natürlich tat sie das auch, sobald etwas über Rico und seine Band in der Presse zu finden war, aber seine Erfolge, wenn man sie so nennen wollte, gingen doch nicht über Leipziger Grenzen hinaus.
Und immer stärker wurde das Gefühl, dass sie mehr erwarteten, dass er so erfolgreich wie René sein musste. Sie sagten es nicht direkt, aber immer wenn sie über René sprachen schwang da dieser Stolz mit, niemals sprachen sie so über ihn. Es folgte nur dieser Blick, der sagte: „Kannst du nicht etwas mehr sein, wie René?“ Und René war jetzt Nationaltorhüter. Mal wieder mehr Glück als alles andere, Enke hatte sich verletzt und René hatte seinen Platz eingenommen, natürlich hatte er hervorragende Leistungen abgeliefert, wie immer, und ganz Deutschland sprach über ihn.

Rico mochte Fußball nichtmal besonders, er fand es langweilig, sich ein Spiel anzugucken, bei dem alle hinter einem Ball hinterherjagten. Aber es war das Thema, was seine Umwelt beherrschte.

Er selbst wollte Musik machen, er liebte es in der Band zu spielen, auf der Bühne zu stehen. Der Moment, als er das erste mal vor Publikum gespielt hatte, hatte sich in seine Erinnerung festgesetzt, auch wenn es nur eine handvoll Menschen gewesen waren, als sie applaudiert hatten, war es das schönste Gefühl gewesen, das er je erlebt hatte.

Seine Eltern dachten, es sei brotlose Kunst, sie ließen ihn machen, was er wollte, auch wenn sie ihn zunächst hatten überzeugen wollen, dass es sich nicht lohnte ‚Jazzgesang und Popularmusik’ zu studieren. Vielleicht hatte er auch diese Freiheit seinem Bruder zu verdanken, dem Fußball hatten sie zunächst auch nicht besonders viele Chancen eingeräumt, der Unterschied lag nur darin, dass René sie mit 19 Jahren längst überzeugt hatte.
Und im Vergleich musste Rico jetzt schon internationale Karriere machen, wenn er irgendwen überzeugen wollte und falls er das schaffte, dann wahrscheinlich auch nur, weil er René Adlers kleiner Bruder war.

„Hast du gehört, Rico?“ Seine Mutter steckte nun den Kopf aus der Küchentür. In ihrem Gesicht klebte Mehl. Immer wenn René zu Besuch kam, gab es ein drei Gänge Menü, natürlich auf seinen Ernährungsplan abgestimmt.
„Jaja!“ Er hörte selbst, dass er schon jetzt genervt klang. Seine Mutter seufzte.

„Warum musst du immer Ärger machen, wenn es um René geht? Ausgerechnet seitdem er in Leverkusen ist? Du weißt wie wenig Zeit er hat und dass er sie sooft wie möglich nutzt, um uns zu besuchen. Und du weißt auch, dass du einer der Gründe dafür bist.“

Rico konnte es nicht mehr hören. „Von mir aus brauch’ er uns nicht besuchen. Ich hoffe wirklich, er wird von einem dieser schweinereichen Vereine im Ausland aufgekauft, dann überlegt er sich das dreimal, ob er hierher kommt, aber wahrscheinlich hat er dann einen persönlichen Privatjet.“

Seine Mutter schüttelte den Kopf. „Du kannst dir deine Eifersüchteleien wirklich sparen, du weißt, dass René hart dafür gearbeitet hat. Und trotz deiner Launen wollte er dir ein Auto zum 18. Geburtstag schenken.“

„Ich fahr lieber mit der Bahn.“

„Ehrlich Rico, ich weiß nicht, wo dein Problem liegt!“ Resigniert verschwand sie wieder in der Küche.

„Ich habe kein Problem“, sagte Rico leise, „solange René bleibt, wo er ist.“ Aber sobald er umgezogen war, hätte sich die Sache sowieso erledigt, er würde dafür sorgen, dass René ihn nicht besuchen kam.

Das Ringen der Türklingel hinderte Rico daran erneut in Grübeleien zu versinken.

„Das wird er sein“, rief seine Mutter, „machst du auf?“

Sheila lief schwanzwedelnd voraus, während Rico ihr widerstrebend folgte. Er atmete einmal tief durch und trotzdem war er nicht richtig gefasst, als er die Tür öffnete. René stand halb umgedreht zu ihm, sah in Richtung Straße, seine Reisetasche geschultert. Als er das Öffnen der Tür hörte, drehte er sich um und lächelte. „Ric!“, sagte er und kam einen Schritt auf ihn zu. „Du bist schon hier? Ich hatte gehofft, früh genug zu kommen, um dich noch von der Uni abholen zu können.“

„Lass dich dort bloß nicht sehen.“ Rico drehte sich ohne eine nennenswerte Begrüßung um und ging zurück ins Haus, René folgte ihm, schloss die Tür hinter sich. Sheila tanzte freudig um ihn herum. Im Esszimmer wartete bereits ihre Mutter.

„Hallo Mum!“ René umarmte sie kurz, aber Rico konnte spüren, dass er ihn anblickte, auch wenn er selbst seinen Blick in eine andere Richtung lenkte.

„Schön, dass du hier bist, René, trotz all dem Rummel in Moment.“

Rico hoffte, dass er ihn in Ruhe lassen würde. Sollte er doch von der Nationalmannschaft erzählen oder irgendetwas anderes, ganz egal, aber er tat es nicht. Eigentlich erzählte er sowieso eher widerstrebend von sich, Rico wäre es beinahe lieber, er täte es.

„Ric? Du bist sauer, warum?“

Ihre Mutter schüttelte den Kopf. „Er ist bockig, das ist alles.“

Rico sah sie kurz an, er spürte, wie seine unterdrückte Wut loszubrechen drohte.

„Wieso hast du das getan? Wieso hast du das ausgerechnet der BILD erzählt, das mit dem Tattoo?“ Rico deutete auf sein Handgelenk.

René sah ihn verwirrt an. „Das Tattoo? Sie haben danach gefragt, ich habe geantwortet, das ist alles. Hätte ich gewusst, dass es dich stört, hätte ich es nicht getan.“ Noch immer sah ihn René auf diese Weise an und Rico hatte das Gefühl, dass er etwas anderes sah, als andere.

„Das konntest du dir doch denken, ich bin das Gespött aller, ich hab die Initialen des großen René Adlers tätowiert, wie ein verliebtes Fangirlie!“

Rico drehte sich ruckartig um, er hatte gesehen, dass er René getroffen hatte, das hatte er doch gewollt oder etwa nicht? Er sollte halt überlegen, was er der Presse erzählte. Einige Sekunden herrschte Stille und Rico fühlte sich mit jedem verstreichenden Moment unbehaglicher.
Dann schrillte die Eieruhr in der Küche, durchbrach die seltsame Spannung und Rico dachte, dass er es nicht mehr aushielt.

„Ich war noch gar nicht mit Sheila raus.“ Er versuchte so lässig wie möglich zu wirken, aber er merkte selbst, dass es überhastet war, René würde auf die Idee kommen ihn zu begleiten, wenn er ihm die Zeit ließ. Er schnappte sich mit einer Hand die Jacke vom Haken, mit der anderen Schlüssel und Hundeleine, während er schon fast aus der Tür war.

Es war verdammt kalt geworden, Herbst, überall flogen bunte Blätter durch die Gegend und der Wind zerrte an Ricos Haaren. Er kam sich selbst irgendwie kindisch vor, warum zum Teufel war er weggelaufen? Aber er konnte es nicht mehr ertragen, wenn René da war.

Sheila war ihm gefolgt, ohne, dass er sie hatte rufen müssen, er war ihr dankbar dafür, sie spürte, dass etwas nicht stimmte, wich ihm nicht von der Seite, obwohl er sie nicht angeleint hatte. Sie sah unsicher zu ihm hoch, sie verstand seinen plötzlichen Aufbruch nicht, wie auch, er verstand sich ja selbst nicht mal. Diese Wut, die er spürte, wenn etwas mit René zu tun hatte, die war früher niemals da gewesen, im Gegenteil waren sie immer unzertrennlich gewesen. Viel mehr, als es für Brüder normal war.

Sein Weg hatte ihn geradewegs zu dem kleinen Bach geführt, der sich nicht weit von ihrem Haus befand. Rico stoppte, er sah die kleinen Wellen, die der Wind auf der Wasseroberfläche herschob, natürlich durfte die obligatorische Weide an solchen Orten nicht fehlen, er stützte sich an dem Stamm ab und zog die Jacke eng um seinen Körper.

***

‚Flotsch’ Im ersten Moment war das Wasser so kalt, dass es wehtat. Die drei Jungs gackerten. Rico kannte sie kaum, sie stammten aus dem Nachbarort. Er wusste auch nicht, warum sie das getan hatten.
Erst später erfuhr er, dass sie in demselben Fußballverein spielten, wie René, einer von ihnen, der älteste und größte spielte auf derselben Position oder besser gesagt, er spielte eben nicht, weil René dort spielte und besser war.
Aber das alles wusste Rico zu diesem Zeitpunkt nicht, er wusste nur, dass sie ihn geschubst hatten und nun saß er in dem 40 cm tiefen Wasser des Baches.

„Ich dachte du wärst nen Adler, da wollte ich mal sehen, ob du fliegen kannst, aber war ja nich’ so weit. Bist wohl doch nur nen dummes Huhn!“ Wieder lachten die Jungen, doch dann wurde ihre Aufmerksamkeit abgelenkt. Einer von ihnen hatte in eine Richtung gedeutet.

„Lasst uns lieber abhauen“, meinte er. Rico wusste nicht, wovor sie flüchteten.

Bis René an der Böschung erschien, waren sie längst weg, aber an dem Blick, den er ihnen nachwarf konnte Rico erkennen, dass sie ihre Tat bereuen würden.
Die drei Jungen hätten René wahrscheinlich mit Leichtigkeit überwältigen können, der größte musste mindestens genauso groß gewesen sein. René sollte erst später noch einen Wachstumsschub bekommen, der ihn mit der Größe ausstattete, die einen Torwart oftmals ausmachte. Aber schon jetzt hatte er diese Ausstrahlung von Ruhe und Kraft, die ihn immer wirken ließ, als beherrsche er jegliche Situation.

René sah die Böschung hinab zu Rico. Und Rico saß im Bach, klapperte mit den Zähnen und heulte, während sich seine Daunenjacke mit Wasser voll sog.
Als René die Böschung hinabgeklettert war und das eiskalte Wasser betrat, konnte Rico nicht mal ein Zucken erkennen, ungerührt watete sein Bruder durch das kalte Wasser, bis er Rico erreichte und half ihm auf. Ein vorbeikommender Spaziergänger, hätte sie wohl für verrückt gehalten. Sie standen im Bach, machten keine Anstalten herauszukommen und sahen sich an. Rico schniefte und René strich ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht, bevor er seine Stirn, warm und trocken gegen die Kalte, Nasse von Rico lehnte.

„Sie werden dich nicht mehr ärgern, ich werde immer bei dir sein und dich beschützen.“

***
Rico schüttelte den Kopf, wieso dachte er jetzt daran?
Sie waren Kinder gewesen und Rico hatte seinem Bruder geglaubt, er hatte ihm immer geglaubt. Solange bis er zehn Jahre später sein Versprechen brach, fortging, nach Leverkusen, um Fußball spielen zu können, in der Bundesliga. Und Rico blieb zurück. Er wusste ja, dass René eben nicht ewig hatte bei ihm sein können, aber er fühlte sich mehr und mehr, wie ein Adler mit gestutzten Flügeln. Während René einfach die Flügel ausbreitete und davon flog, blieb er zurück. Wenn er versuchte ihm zu folgen, auch zu fliegen, stürzte er einfach ab und landete in der eiskalten Realität.

Er hörte die Schritte hinter sich, nicht wie seine hastig, sondern ruhig und kraftvoll. René, natürlich.
„Du hast mich im Stich gelassen…“ Er hatte es nicht sagen wollen, wollte nicht quengeln, seine Vorwürfe waren lächerlich, er war schließlich ein eigenständiger Mensch, 19 Jahre alt, aber es hatte seine Gedanken verbrannt, war irgendwo vergraben gewesen, dieses Gefühl, wie ein Gift. Die Enttäuschung, als er realisiert hatte, dass René seine Karriere über ihn gestellt hatte. Rico hatte sich nicht zu seinem Bruder umdrehen können, nicht nachdem, was er gesagt hatte.

„Sheila ist bei dir.“

Jetzt drehte er sich doch um, ruckartig, sah René zornig an. „Sheila ist ein verdammter Hund! Dachtest du wirklich, dann wäre alles gut? Du schenkst mir einen Hund und haust dann einfach ab?“

René kam ein paar Schritte auf ihn zu und Rico fühlte sich in die Enge getrieben, hinter ihm der Bach, links die Weide, keine Ausweichmöglichkeit, doch bevor er handeln konnte, hatte René ihn erreicht, zog ihn an sich und legte seine Arme um Ricos Schultern. Erst jetzt bemerkte er, dass er gezittert hatte. Und wie immer konnte er sich nicht entziehen, sein Widerstreben dauerte nur kurz, bevor er aufgab und sich letztendlich gegen die Schulter seines Bruders lehnte.

Es war wie verhext.

Genau in solchen Momente wusste er, warum er es hatte machen lassen, das Tattoo, das er gleichzeitig hasste und liebte. Er hatte gehofft, dass er einen Teil von seinem Bruder hatte zurückbehalten können, ihn näher fühlen können, wenn er Kilometerweit entfernt war. Denn nur in Renés Gegenwart hatte er paradoxerweise das Gefühl, einfach der sein zu können, der er war, nur Ric, nicht René Adlers kleiner Bruder, den alle anderen in ihm sahen.
Aber er hatte sich getäuscht, statt dass das Tattoo sie näher brachte, erinnerte es ihn ständig daran, was alle in ihm sahen und was sie von ihm erwarteten. Und dass er mit all diesen Erwartungen im Rücken völlig allein dastand.

„Es tut mir Leid“, sagte René, zog Rico noch näher an sich, „dass ich dich allein gelassen habe, ich dachte, es sei das Richtige, dass du Platz brauchst, um dich zu entwickeln, um flügge zu werden. Solange ich bei dir gewesen bin, hättest du es nicht gekonnt.“

Rico schüttelte den Kopf. „Alleine schaffe ich das erst recht nicht!“

„Wer´s glaubt! Du bist bereits weiter, als ich. Schau dir an, was du dir aufbaust.“ René wuschelte ihm durch die Haare. „Ich dagegen muss mich immer darauf verlassen, dass ich Fußball spielen kann. Was ist, wenn ich mich verletze? So, dass ich nicht mehr spielen kann? Dann hab ich nichts mehr. Und dann brauche ich doch jemanden, der mich auffängt.“ Den letzten Satz hatte er geflüstert und Rico wünschte sich, er hätte es nicht gehört, niemand brachte René zu Fall und das würde sich nicht ändern, denn es würde Ricos Welt aus den Angeln heben.

„Das wird nicht passieren“, brachte er so überzeugend heraus, wie er es schaffte. „Aber falls du Recht hast und ich es schaffe, kann ich dann zu dir kommen?“

„Darauf bestehe ich!“ René löste sich von ihm und einen Augenblick lang, sahen sie sich in die Augen.

„Was hältst du eigentlich von meiner neuen Frisur?“

Rico schubste seinen Bruder, wie konnte er so einen Moment nur so Plump zerstören, er grinste. „Bescheuert. Das ist keine Haarfarbe, sondern Straßenköterfarben.“ Vorsichtshalber wich er ein paar Schritte zurück. „Sorry, Sheila!“ Dann lief er davon.

„Was entschuldigst du dich bei dem verdammten Hund! Du hast gesagt, ich soll sie schneiden lassen!“ René nahm die Verfolgung auf und hatte Rico schon nach ein paar Schritten wieder eingeholt.

„Wenn einer lange Haare in der Familie haben darf, dann ja wohl der Musiker und dieses Haarband, was ihr Fußballer immer tragt ist sowieso schrecklich unmodisch, ihr seht aus wie Mädchen damit. Außerdem war ich es Leid, ständig gefragt zu werden, ob ich etwas mit dem Adler zu tun hätte.“

René hatte ihn am Handgelenk erwischt und hielt ihn zurück. „Und? Hat es gewirkt?“

„Nein.“ Er lachte und sah auf ihre Hände hinab. Wenn man sie beide sah ergab das Geflecht, das ihre Handgelenke zierte, auf surreale Weise ein Ganzes. Die Initialen, die gleich waren und doch zwei verschiedene Menschen meinten.

Und in diesem Moment, war er froh, dass das Tattoo dort war und immer dort sein würde.
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Re: Die Initialen R.A.

BeitragAutor: Sammy-chan » 26. Aug 2010, 19:16

Titel: Die Initialen R.A. - Teil 2

Pairing: René Adler/Rico Adler

Beta: Ria

Warnings: slash, Inzest (tut mir Leid an alle, die den ersten Teil mochten und da keinen Inzest drin gesehen haben, dieser Teil ist etwas konkreter)

Disclaimer: Alle gehören sich selbst und nicht mir, das alles hat nicht stattgefunden und ist reine Fiktion meinerseits. Ich verdien damit auch kein Geld (immer noch nicht)

Anmerkung: Sieht so aus, als würde René gern in der Bildzeitung über Ric reden, hat er nämlich wieder getan und deshalb hat der erste Teil jetzt eine kleine Fortsetzung bekommen.
Der Artikel der Inspiration: http://www.bild.de/BILD/sport/fussball/ ... ipzig.html
Und die daraus wichtige Aussage:
„Mein Bruder zieht am 15. August zu mir nach Köln, um an der Cologne Business School zu studieren.“




René zappte durch die Programme, ohne wirklich etwas wahrzunehmen. Er war viel mehr bei dem anstehenden Spiel am nächsten Tag. Ein wichtiges Spiel, jedes Spiel war wichtig und doch waren manche wichtiger als andere und so eines war dies. Auch wenn er das Gefühl liebte, dieses Prickeln, wenn man zwischen den Pfosten stand, je wichtiger, desto mehr. Aber den Abend davor, den mochte er nicht, wenn man dazu verdammt war zu warten. Er hatte sich mittlerweile daran gewöhnt, natürlich, schließlich musste er das, solange Saison war, mindestens jede Woche einen Abend mitmachen. Aber die unterschwellige innere Unruhe blieb.
Er hörte ein Geräusch aus dem Flur und stellte die Lautstärke des Fernsehers herunter.
„Ric?“
Keine Antwort, wahrscheinlich hatte er sich verhört. Er musste sich noch daran gewöhnen, dass er jetzt in einer WG wohnte, dass er wieder mit seinem Bruder zusammen lebte.
Und genau dieser Bruder schob gerade seinen Kopf ins Zimmer. „Ja?“
„Mensch, ich dachte, ich würd’ schon an Halluzinationen leiden.“ René ignorierte das angenehme Gefühl, was er immer hatte, wenn Rico in seiner Nähe war, auch die innere Unruhe, die ihn daran hinderte sich auf irgendetwas konzentrieren zu können, rückte in den Hintergrund.
„Solltest du nicht gerade auf einer Geburtstagsparty sein und viele nette, hübsche Mädchen kennen lernen?“
Rico betrat das Zimmer, in den Händen zwei flache, rechteckige Kartons, die verdächtig nach Pizza aussahen.
„Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, dass mein großer Bruder einsam und allein zu Hause durch die Kanäle zappt.“ Er hob die Kartons demonstrativ in die Höhe. „Ich hab auch Proviant mitgebracht.“
„Und ich hab schon gegessen.“
Rico verdrehte die Augen, so wie es eben nur ein kleiner Bruder konnte, obwohl er, wenn René etwas genauer darüber nachdachte, mittlerweile definitiv nicht mehr danach aussah. Er war mindestens genauso groß wie er selbst und ließ sich die Haare kurz schneiden, wodurch er bedeutend erwachsener wirkte, was er geistig allerdings überhaupt nicht war.
„Jaaa, deinen Gesundheitsfraß.“ Er stellte die Kartons auf den Tisch ab. „Ehrlich, ich frag mich, wie du so aussehen kannst, wenn du nur so’n Kaninchenfutter isst.“
René grinste. „Ich muss mich halt an den Ernährungsplan halten und morgen…“
„…hast du ein wichtiges Spiel, ich weiß. Und es wurde wirklich Zeit, dass ich zu dir ziehe, sonst wärst du noch spießiger geworden, als ohnehin schon.“ Er ließ sich aufs Sofa fallen und schob René einen der Kartons rüber. „Ist auch eine mit ganz viel Grünzeug und so.“
„Was sollte ich bloß ohne dich machen?“ René wuschelte ihm durch die braunen Haare.
„Mensch, das kannst du dir echt nicht abgewöhnen, oder?“ beschwerte Rico sich und zupfte die Haare zurecht, die René gerade so enthusiastisch in Unordnung gebracht hatte. Gedankenverloren sah René ihm dabei zu. Erst jetzt hatte er wirklich das Gefühl, zu Hause zu sein. Er war schon so viele Jahre hier, spielte bei Leverkusen und wohnte in Köln. Doch erst jetzt fühlte es sich an, als sei er angekommen, als würde er hier hergehören, seit Rico ebenfalls hier war.
„Ich hab nen Film mitgebracht.“ Irgendwo holte Rico eine Hülle hervor, die den Schriftzug einer Videothek trug und holte René damit aus seinen Gedanken.
„Micha hatte die noch bei sich zu Haus. Twilight, kennst du den?“
René schüttelte den Kopf. „Nie gehört, mach halt rein.“
„Irgendetwas mit Vampiren haben sie gesagt, wahrscheinlich irgend so ein Horrorstreifen.“

Eine halbe Stunde später war sich René ziemlich sicher, dass es sich um keinen Horrorstreifen handelte.
„Du weißt, dass die dich hochgradig verarscht haben?“, fragte er während Edward in einer etwas unnatürlichen, aber dafür umso eleganteren Art einen Apfel auffing.
Rico seufzte. „Ich dachte, du bemerkst es vielleicht nicht.“
René lachte auf. „Du meinst, ich merk nicht, wenn du mir so ziemlich einen der kitschigsten Teenieliebesschnulzen vorsetzt, den ich je gesehen hab? Da hat man keine Freundin mit der man sich so etwas antun muss, dann kommt der kleine Bruder damit um die Ecke.“ Er senkte seine Stimme und schlug einen verständnisvollen großer-Bruder-Ton an, von dem er wusste, dass Rico ihn hasste. „Ehrlich Ric, du hättest es doch einfach zugeben können, dass dir solche Chick Flicks gefallen, es gibt so viele, die wir noch gucken können, Dirty Dancing, Pretty Woman, Titanic“, stocherte René und hatte gleichzeitig sein ganzes Kontingent an Liebesfilmen, die er kannte, ausgeschöpft.
Im nächsten Moment flog ihm eines der dunkelroten Sofakissen entgegen, das vor dem Bruchteil einer Sekunde noch unschuldig auf der Lehne gelegen hatte. Insgeheim bewunderte er Rics Schnelligkeit, ließ sich das aber nicht anmerken und fing das Kissen mindestens ebenso elegant ab, wie kurz zuvor Edward den Apfel.
„Schon vergessen? Torwart und so, ne?“
Rico verdrehte die Augen und seufzte, während er den Fernseher fixierte. „Wie könnte ich das jemals vergessen? Du bist ja ebenso ein Wunderknabe, wie der Typ da.“
René liebte es, wenn sein kleiner Bruder schmollte, da wirkte er gleich wieder etwas weniger erwachsen. „Ich renne aber nicht in irgendwelchen Wäldern herum und jage Tiere.“
Und am meisten liebte René es, wenn Rico lachte, so, wie er es jetzt tat, denn es war hochgradig ansteckend, seit er hier war lachte René deutlich mehr, dessen war er sich sicher.
„Wer weiß, irgendwann wird die Bild-Zeitung dein dunkles Geheimnis entdecken.“
René seufzte theatralisch. „Ich kann mich halt nicht für immer verstecken.“
„Nein, im verstecken bist du ne echte Niete.“
Sie wandten ihre Aufmerksamkeit wieder dem Film zu, in dem Edward Bella rettete – mal wieder – diesmal vor zwielichtigen Typen von der Straße. Vielleicht hatte Ric mit dem Horrorfilm doch nicht ganz weit daneben gelegen, dieser Film war auf jeden Fall mehr als beängstigend.
„Warum hast du eigentlich keine?“
Völlig aus dem Konzept gerissen sah René seinen Bruder an.
„Freundin, mein ich? Du kannst dir doch aussuchen, wen du willst, die wollen doch alle. Stattdessen lässt du deinen kleinen Bruder mit in deine Wohnung ziehen, ehrlich, das war selten dämlich.“ Es folgte eine kurze Pause. „Auch wenn ich dir nicht im Weg stehen würde“, setzte er nach.
René zuckte mit den Schultern, hoffte, dass Rico sein Desinteresse wahrnahm, dumm war er ja eigentlich nicht. „Ich hab eh keine Zeit für so was.“
Aber Rico sah ihn von der Seite an, zog skeptisch die Augebrauen zusammen, schien, als würde er nicht so schnell lockerlassen. „Ja, Spielerfrauen sind auch wirklich selten, weil ihr alle soviel zu tun habt.“
René seufzte innerlich, wenn es ein Thema gab, dass er in Gegenwart von Rico aus dem Weg ging, dann war es dies. Es war allerdings klar, dass das nicht mehr lange funktionieren würde, schließlich war Rico 19 und nutzte wahrscheinlich ¾ der Zeit, die er nicht mit Schlafen verbrachte, dazu an Weiber zu denken. Was wiederum die Frage aufwarf, warum er nicht auf der Party war, sondern hier und sich mit René eine Teenieschnulze reinzog.
„Ich hab keine Ahnung, war einfach nie die Richtige dabei.“
„Sollte ich mir anfangen Sorgen machen?“ Rico sah ihn bedeutungsschwer an. „Entweder du bist extrem wählerisch oder…“ René unterband alle weiteren Ausführungen durch einen warnenden Blick, den Ric mittlerweile nur zu gut kannte. „Ich beschwer mich ja auch gar nicht, günstigere Miete bekomm ich nicht.“
„Also siehst du das ganz pragmatisch und ich dachte, du würdest gern bei mir wohnen, schließlich wolltest du unbedingt rüberkommen.“
Rico sah in eine andere Richtung, er konnte es noch immer nicht wirklich zugeben, dass er sich mit Absicht eine Schule hier in Köln gesucht hatte. „Ach was, hier hab ich doch alle Vorteile, als René Adlers kleiner Bruder.“
René grinste, Ric konnte ihm ja nicht wirklich etwas vormachen und eben das wusste der wahrscheinlich nur zu genau.

Noch eine gute Dreiviertelstunde später konnte René das Gähnen nicht mehr unterdrücken, vielleicht sollte er mit der Ausrede, dass er morgen ein wichtiges Spiel hatte, einfach ins Bett gehen und dem restlichen Geplänkel zwischen Vampir und Mensch entgehen. Aber seine Fluchtgedanken wurden unterbrochen. Er fühlte ein Gewicht auf seiner Schulter. René drehte seinen Kopf vorsichtig. Rico, das war ja klar, zuerst schleppte er diesen Film an und dann pennte er einfach weg. René sah darüber hinweg, dass er genau das gerade auch noch vorgehabt hatte, nur eben nicht hier.
Stattdessen verlor er sich in Betrachtungen seines kleinen Bruders, strich eine Strähne aus seiner Stirn. Wenn er schlief wirkte er gleich wieder jünger, na ja so jung wie er tatsächlich war, und so… anziehend, auch wenn René sich gedanklich für das Wort rügte. Er seufzte, aber Ric durfte halt einfach nichts davon wissen.

~~

Es war das erste Mal, dass Rico auf der Bühne stand, vor Publikum. Es war keine wirklich Menge, vielleicht 30 Leute, die meisten kannten sie persönlich, Freunde, Bekannte und trotzdem war er nervös gewesen, das hatte René sogar durch die Telefonleitung heraushören können. Ric hatte darauf bestanden, dass René aus Leverkusen zurückkam, dass er dabei war. Und jetzt stand sein kleiner Bruder dort oben und die Nervosität war wie weggeblasen, so als hätte sie niemals existiert. Und René musste ihm neidlos zugestehen, dass er Talent hatte. Das, dort auf der Bühne, war nicht der Rico, den er normalerweise kannte. Er hatte eine ganz spezielle Ausstrahlung, kraftvoll und mitreißend. Es war vielleicht nicht perfekt, was er sich da zusammensang, aber er war ja auch noch jung, viel Zeit zum perfektionieren, aber das Publikum hatte er definitiv schon jetzt auf seiner Seite.
Nach dem kleinen Auftritt, mischten sich Ric und seine Band unter das Publikum, automatisch suchten Renés Augen nach ihm, folgten seinen Bewegungen durch die Menge. Er wurde von fast allen aufgehalten, sie klopften ihm auf die Schulter und gratulierten, Rico strahlte, als hätte er gerade einen Nobelpreis gewonnen… oder in seinem Fall vielleicht eher den Grammy. Doch er ließ sich nie lange in ein Gespräch verwickeln, bahnte sich seinen Weg, bis er vor René stand.
„Du bist gekommen!“ Jetzt strahlte er René direkt an, mit einer Glückseligkeit, die er bei jeder anderen Person fast schon abstoßend gefunden hätte, nicht aber bei Ric.
„Ich würde niemals den ersten Auftritt meines kleinen Bruders verpassen.“
„Und?“ Seine Stimme klang unsicher, sein Blick wurde fragend.
„Es war toll!“
Im nächsten Moment fühlte René sich in eine feste Umarmung gezogen, er wuschelte durch das blond gefärbte Haar.
„Danke!“ konnte er die Stimme direkt neben seinem Ohr vernehmen und einen Moment später bedauerte er es beinahe, dass Rico ihn wieder losließ. Stattdessen umfasste er Renés Handgelenk und zog ihn mit sich, orderte an der kleinen Bar etwas zu trinken für sie beide.

Wenn man etwas feiern wollte, dann den ersten eigenen Auftritt und das dachte wohl auch Rico selbst. Vielleicht lag es auch daran, dass jeder ihm einen Drink hatte ausgeben wollen, jedenfalls konnte Rico einige Stunden später kaum mehr geradeaus laufen. Er torkelte die Straße entlang, nachdem sie den Laden verlassen hatten und René fing an sich darüber zu sorgen, ob er es schaffte, der nächsten Straßenlaterne erfolgreich aus dem Weg zu gehen. René seufzte, heute blieb ihm nicht viel erspart.
„Ric, wart’ mal!“
Er legte einen Arm um Ricos Taille, der anscheinend auch noch Spaß daran hatte, sich mindestens doppelt so schwer zu machen, als er sich an seinen großen Bruder hing.
„Reneeeeee…!“ Rico grinste ihn blöd von der Seite an. Und er konnte nur den Kopf schütteln.
Er hatte selten den großen Bruder raushängen lassen und damit wollte er bestimmt nicht jetzt anfangen, also lotste er Ric kommentarlos in die richtige Richtung, auch wenn dabei eher nicht sonderlich zielgerichtete Schlangenlinien herauskamen.
„René… du bist der Beste… ich bin so froh, dass du hergekommen bist!“
„Schon klar, Ric.“ Anscheinend war sein Bruder auch einer derjenigen, der jeden lieb hatte, wenn er auch nur genug Alk getrunken hatte.
„Ich hab’ dich gleich gesehen, als ich auf der Bühne war.“
Und er redete anscheinend gern. Ein bisschen war René froh, dass der Weg nicht länger, als zehn Minuten dauerte, normalerweise. Diesmal brauchten sie doppelt so lange.
„Hast du die Mädchen gesehen? Ich glaub, als Frontsänger hab ich richtig gute Chancen“, meinte Ric gerade mit einem Grinsen.
Mädchen? Es war das erste Mal, dass er Rico bewusst über das Thema reden hörte. Allerdings war er ein Teenager und Mädchen somit wohl eine essentielle Thematik. Und normalerweise sollte man meinen, dass der große Bruder auch der richtige Ansprechpartner in dieser Hinsicht war. Doch René war trotz allem froh, dass sie mittlerweile vor der Haustür standen, er den Schlüssel aus der Tasche fingern und somit keine Antwort geben musste.
„Pscht, sonst hör’n uns Mum und Dad noch“, sagte er stattdessen mit gesenktem Tonfall.
Zum Glück hielt Rico tatsächlich seine Klappe, besonders leise waren sie dennoch nicht. Mit einem erleichterten Seufzer lud René seinen Bruder fünf Minuten später auf seinem Bett ab, nicht aber ohne zuvor mit so ziemlich jedem Möbelstück zu kollidieren, was die Wohnung aufzubieten hatte,
„René, kannst du nicht einfach bleiben?“
Er runzelte die Stirn. Er hatte nicht vor gehabt wegzugehen, zumindest nicht weiter als bis zum Gästezimmer nebenan. „Bleiben?“
„Hier in Leipzig.“ René versuchte den sich bildenden Kloß in seinem Hals hinunterzuschlucken. Darum ging es, Rico hatte nie viel zu seiner Entscheidung gesagt von Leipzig fortzugehen, aber manchmal hatte René geahnt, dass es ihm nicht so egal war, wie er ihm gerne weis machen wollte. „Du fehlst mir!“
René zögerte kurz, bevor er überhaupt antworten konnte. Rico wirkte plötzlich nicht mehr glücklich, hatte seinen Blick gesenkt, um René nicht anschauen zu müssen.
„Du weißt, dass das nicht geht, in Leverkusen ist meine Mannschaft.“
Rico nickte, so als ob er die Worte erwartet hatte und René taten sie im selben Moment Leid. Das letzte, was er wollte, war seinen Bruder unglücklich zu sehen, schon gar nicht an einem Tag wie heute. Und die Schuld dafür trug er selbst.
Es war eine Kurzschlusshandlung, es konnte nichts anderes gewesen sein. Einfach aus dem Wunsch heraus, seinem Bruder Trost spenden zu wollen, ihm zu zeigen, dass er für ihn da war.
Er beugte sich hinab, umfasste mit einer Hand Ricos Kinn, um ihn dazu zu zwingen ihn anzusehen und dann berührten seine Lippen die von Rico, nur Sekundenbruchteile. Von sich selber erschrocken, zog er seinen Kopf in einer schnellen Bewegung zurück, löste den Kuss so schnell wieder, wie er ihn begonnen hatte, so, dass es nichts weiter gewesen war, nur ein Bussi, mehr nicht. Sie starrten sich einen Moment an und Rico begann zu kichern. „Ich hab dich auch furchtbar lieb, René, aber in der Öffentlichkeit solltest du so was lieber lassen, sonst denken noch alle was Komisches.“
Auf Renés Lippen stahl sich ebenfalls ein Lächeln, so erschrocken er auch war, es hatte gewirkt. „Laber nicht und schlaf jetzt“, sagte er in gespielten Kommandoton.
„Zu Befehl.“ Rico grinste, legte sich aber gehorsam ins Bett. René biss sich auf seine Unterlippe, sah einen Augenblick zu, wie Ric sich auf die Seite drehte und fast in derselben Sekunde einschlief.
Erst im Gästezimmer ließ René seinen Gedanken freien Lauf. Er war verwirrt, mehr als das. Natürlich war er froh, dass er Rics Stimmung hatte heben können, aber er wusste, dass das nicht seine Absicht gewesen war, zumindest nicht primär. Hatte er überhaupt eine Absicht gehabt? Nein, natürlich nicht, es war eine spontane Aktion gewesen, oder etwa nicht? Die Antwort, die sich in seinem Kopf formte, erschreckte ihn.
Erst im Laufe der Nacht gestand er sich ein, dass er es schon länger gespürt hatte, diese Zuneigung zu Ric, die für Brüder nicht im normalen Bereich lagen. Diese Gefühle, die er in seinem Inneren tief vergraben hatte, sie waren einer der Gründe, warum er so früh von seiner Heimat weggegangen war, nicht nur wegen des Fußballs.
Er war immer gut mit seinen Eltern klar gekommen, Familie war ihm wichtig, aber niemand war ihm so wichtig, wie Ric, das war schon immer so gewesen. Er hatte sie nur nicht verstanden, diese Gefühle, was sie waren. Rico war schließlich sein kleiner Bruder.
Doch in diesem Moment war es anders gewesen, als Rico ihm gebeichtet hatte, wie sehr er ihm fehlte, da waren sie deutlich spürbar gewesen, hatten sich bestätigt gefühlt und da war auch deutlich gewesen, welcher Natur sie wirklich waren. Dass es mehr bedeutet hatte, mehr, als nur ein kleiner, freundschaftlicher Kuss und dass es mehr hätte werden können, wenn sich René nicht vor sich selbst so erschrocken hätte.
Vielleicht lagen seine verqueren Gedanken nur am Alkohol, vielleicht war er gerade auch nur ausgehungert. Er beschloss, sich ein Mädchen zu suchen, sobald er wieder in Leverkusen sein würde. Ein Mädchen, was ihn all diese Gedanken, die nicht stimmen konnten, wieder vergessen ließe.

~~

René war den nächsten Tag überstürzt wieder zurückgefahren, was er nur so lange herausgezögert hatte, dass es eben nicht überstürzt wirkte. Rico hatte er nicht mal richtig verabschiedet, was der ihm zu Recht übel genommen hatte, René hatte die Enttäuschung in seinen Augen lesen können. Vergessen hatte er all das nicht können, weder mit einem Mädchen, noch ohne.
Jetzt, wo Rico schlief, fühlte sich René fast zurückversetzt, konnte all die Verzweifelung wieder hochkommen spüren.
Er hatte gehofft, dass es sich ändern würde mit der Zeit, mit der Entfernung. Es hatte nicht funktioniert, die Gefühle waren geblieben und er hatte irgendwann aufgegeben sie zu leugnen.
Er beugte sich vor, legte seine Lippen auf die von Rico, nur der Hauch einer Berührung, sonst würde sein kleiner Bruder aufwachen und das war das letzte, was René jetzt wollte. Es war fast wie damals, nur, dass René sich diesmal bewusst war, was er tat und warum er es tat. Ihm war klar, dass er sich das Leben nur schwer damit gemacht hatte, dass er sich jetzt die Wohnung mit Rico teilte, dass es eine Probe für seine Selbstbeherrschung war, mit jeder Minute, die sie beieinander verbrachten, fiel es ihm schwerer. Aber er nahm es in Kauf, er nahm es gern in Kauf.
René löste den Kuss, Rico bewegte den Kopf im Schlaf, murmelte etwas Unverständliches.
Für ihn würde er alles auf sich nehmen.
Rico war sein kleiner Bruder, er würde ihn beschützen, immer, wenn es sein musste auch vor sich selbst.
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Re: Die Initialen R.A.

Autor: Google » 26. Aug 2010, 19:16

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Re: Die Initialen R.A.

BeitragAutor: kuyami » 26. Aug 2010, 20:24

Du weißt ja, wie toll ich die beiden Teile finde :mrgreen:

Und ansonsten nutze ich jetzt hier den Thread gleich mal, um dich ganz offiziell dazu zu "drängen", den dritten Teil schnell fertig zu kriegen :jajaja:
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Re: Die Initialen R.A.

BeitragAutor: Sammy-chan » 26. Aug 2010, 21:39

Ach ja, wollte ich dir sowieso in der nächsten Mail schreiben, der "dritte Teil" wird wohl mehrteilig :haha: Irgendwei, naja, zur Zeit hat er 5000 Worte, was jetzt gar nicht so erschlagend viel ist, aaaaaaber er wird noch länger und ich hab schon ein paar Mal die Sichtweise gewechselt, eigentlich wollte ich jedes KApitel aus einer anderen Scihtweise schreiben, aber dann würden die Kapitel jetzt zum Teil arg kurz :kopfkratz: Ich bin von meinem Konzept gerade gar nicht überzeugt... eigentlich hab ich auch gar kein richtiges Konzept. :haha: *mööööp*
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Autor: Google » 17. Mai 2012, 16:11

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