Lehrerkompetenzen (Freie Arbeit)

Lehrerkompetenzen (Freie Arbeit)

Beitragvon Serpa » 27. Jan 2017, 09:20

Lehrerkompetenzen



Kinks: Löffelchenstellung
Fandom: Freie Arbeit
Rating: P18 Slash


Luca



Mir rutschte wahrhaftig das Herz in die Hose, denn auch mit nur einem Blick war mir sofort klar, dass es mein Handy war, welches Arthur in der Hand hielt und auf das sich bei Weitem nicht nur seine regelrecht sensationsgeilen Blicke richteten. Jeder der Typen, mit denen ich wohl oder übel das Zimmer in den nächsten Tagen teilen musste, machte einen langen Hals, um auch einen Blick auf das Display werfen zu können. Sie alle standen im Kreis und giggerten und gackerten wie kleine, bescheuerte Mädchen. Aber trotzdem ich keinerlei Respekt für meine Mitschüler besaß, versetzte mir die Panik ein Gefühl der Übelkeit und lähmte mich wie einen jämmerlichen Feigling. Ich kam einfach nicht gegen diese Idioten an, seitdem sie so viele meiner wunden Punkte kannten. Dass sie gerade einen neuen ausgegraben hatten, war mir sonnenklar. Nicht nur ihre hämisch grinsenden Gesichter verrieten sie, sondern vor allen Dingen ihre Bezeichnungen für mich, die sie mir prompt an den Kopf warfen, so wie sie mich, der wie zur Salzsäule erstarrt im Türrahmen verharrt war, entdeckt hatten.
"Unsere ungefickte Muschi ist eine Schwuchtel, wusst ichs doch!", krakeelte Arthur ungemein gehässig und hielt mein Handy empor, dessen Display noch immer leuchtete - und welcher dieses bestimmte Bild zeigte, das ich erst gestern hatte abspeichern müssen. Ich wünschte, die Zeit zurückdrehen zu können und somit davon abzusehen, es in meiner Fotogallery abzulegen. Hätte ich es mal schön auf Facebook gelassen, dann wäre es mir jetzt vielleicht nicht zum Verhängnis geworden.
Im selben Moment noch wusste ich, dass meine Gedanken schwachsinnig waren und mich nicht weiterbrachten. Was ich getan hatte, ließ sich nicht mehr revidieren. Und deshalb musste ich nun schamerfüllt bluten. Ich wäre schon damals am liebsten im Erdboden versunken, als meine werten Klassenkameraden die Vermutung angestellt hatten, ich sei noch Jungfrau, weil ich stets recht schüchtern war und mich kaum für Mädchen interessierte, aber die Bloßstellung, die ich heute erfuhr, traf mich noch wesentlich tiefer. Denn das, als was sie mich laut johlend bezichtigten, war schlimmer. Nicht für mich, aber für sie.
Okay, auch ich fühlte mich nicht ganz wohl in Anbetracht meiner Gefühle für jenen Mann, dessen Oben-ohne-Foto einen Platz auf meinem Mobiltelefon gefunden hatte. Denn es handelte sich dabei nicht etwa um einen Klassenkameraden oder irgendeinen x-beliebigen Kerl meines Alters - der leichtbekleidete, gutaussehende Typ war ausgerechnet unser derzeitiger Lehrerpraktikant. Ein Student Anfang Zwanzig, mit einem traumhaften Oberkörper ausgestattet, einem Lächeln, das mir so etwas wie Sicherheit versprach und den krassesten blauen Augen, die man sich nur vorstellen konnte. Die Mädels flogen auch auf ihn, klar - aber ihnen wurden ihre harmlosen Schwärmereien nicht übel genommen. Ich aber war ein Kerl. Und damit in den Augen meiner Klassenkameraden nichts weiter als eine lächerliche, eklige Schwuchtel.
"Bäh, er steht auf Herrn Portman!", stieß Benjamin halb angewidert, halb amüsiert lachend aus und wagte es, mich bei der Schulter zu berühren, um die Hand sofort wieder wegzuziehen, so, als hätte er sich verbrannt. "Ih, ich hoffe, dem sein AIDS ist nicht ansteckend!"
"Meinst du, er hat für Herrn Portmann bereits die Beine breit machen müssen?" Arthur lächelte dem anderen verschwörerisch zu, beäugte dabei aber auch mich äußerst abfällig mittels seiner bösen Blicke. "Und er ist keine ungefickte Muschi mehr, sondern eine arschgefickte?"
"Kein Plan." Jerry mischte sich nun ein und hob gleichgültig die Schultern. "Ist doch auch egal. AIDS kann man auch haben, wenn man noch nicht von hinten beladen worden ist."
"Ja?"
"Ja."
Benjamin rümpfte die Nase.
"Und mit so was müssen wir uns das Zimmer teilen? Widerlich."
Der Penner widerholte sich, was meine Wut allmählich anschwellen ließ. Noch immer hatte ich Schiss vor ihnen, schließlich stand es drei zu eins, was äußerst unfair anmutete, aber es reichte mir, dass sie über mich sprachen, als wäre ich gar nicht anwesend. Und vor allen Dingen konnte ich nicht mehr mit ansehen, wie meine Privatsphäre - sprich Handy - derart missbraucht wurde und sich noch immer in Händen befand, die damit gar nichts zu schaffen haben durften. Dieser Gedanke machte mich so nervös, dass ich handeln musste.
"Gib mir mein Handy zurück, du Arsch!", feuerte ich für meine Begriffe erstaunlich mutig zurück - was äußerst erstaunte Blicke, aber auch schäbiges Gelächter provozierte.
"Hier hast du es, Püppi", kicherte Arthur schließlich und warf das Gerät auf den Boden. Als ich mich gerade etwas erleichtert danach bücken wollte, trat mir jemand gegen die Schulter, sodass ich auf den Hosenboden plumpste. So, wie ich zu meinen Peinigern aufschaute, musste ich feststellen, dass ich mich nun in einer noch misslicheren Lage befand, als ich es zuvor bereits getan hatte. Gefühlte Meter überragten die Kerle mich und schmunzelten mit vor der Brust verschränkten Armen auf mich herab. Dann tauschten sie rasch Blicke miteinander.
"Wollen wir ihn fertigmachen?"
Vier Worte, die die Angst in mir lichterloh brennen ließen.


Jake



Als ich mich dazu hatte überreden lassen, an der Klassenfahrt der Zehnten teilzunehmen, war mir bereits bewusst gewesen, dass ich mich auf keinen geruhsamen Kururlaub freuen durfte. Nicht umsonst war ausgerechnet diese Klasse als Terrortruppe verschrien, die allein von der zierlichen, eher durchsetzungsschwachen Mrs Smith nicht zu bändigen war. Die Lehrerin hatte sich gefühlte tausend Mal bei mir dafür bedankt, dass ich sie während dieser nervenaufreibenden Zeit zu unterstützen bereit war, aber ich hatte dies nur mit einem milden Lächeln abgetan. Denn im Grunde kam ich ganz gut mit den Kids klar. Dass ich nur ein paar Jahre älter war als sie sorgte dafür, dass wir uns quasi auf einer Ebene befanden, was auch bedeutete, dass sie auf mich hörten. Nun, eventuell aber sprach auch meine recht imposante Erscheinung für sich. Bis auf den eher harmlosen Nick überragte ich sie alle mindestens einen halben Kopf. Jungs in dem Alter konnte man nicht mehr nur mit einem bestimmten Auftreten imponieren. Es war von Vorteil, wenn man über etwas verfügte, dass ihnen auch gern zu Eigen wäre. Im Gegensatz zu den Mädchen nämlich schlugen einem dann keine neidischen Zickereien entgegen. Nein, man besaß so gute Karten, von den schwierigen Jungs als Autoritätsperson akzeptiert zu werden - während jene Schüler, die keine so gute Stellung in der Klassenhierarchie genossen, insgeheim Schutz bei einem suchten. Luca war zum Beispiel ein solcher. Ein eher kleiner, stiller Kerl mit dunklen, schulterlangen Haaren, einem unschuldigen, zarten Gesicht und einer recht ängstlichen Natur. Jungs mit seiner Art und seinem Aussehen hatten ein wahrlich schweres Los gezogen, drehte sich doch bei Teenagern alles darum, möglichst männlich, hart und stark zu wirken. Und wer eben etwas femininer und empfindlicher daherkam, wurde rasch zum Mobbingopfer auserkoren.
Deshalb konnte ich mir bereits denken, was den Grund für den Tumult darstellte, der gerade eben ausgebrochen war. Jungs brüllten ärgerlich durcheinander, ein paar Mal aber lachte es auch, und doch hörte es sich nicht danach an, als hätte dort jemand einen Heidenspaß. Zudem nach zehn Uhr niemand mehr einen Heidenspaß haben durfte, begann zu der Zeit die Nachtruhe.
Da es mir im Gegensatz zu Mrs Smith eher glücken würde, die Streithähne zum Schweigen zu bewegen, beschloss ich, dem Zimmer, aus dem der Krach drang, einen kleinen Besuch abzustatten. Und meine Entscheidung sollte sich als gute erweisen.
Ich hatte keine Sekunde zu früh reagiert. Luca lag mehr, als dass er auf dem Boden hockte und wurde von Benjamin bei den Handgelenken festgehalten, während die beiden anderen ihn beschimpften, bespuckten und sogar mit Fußtritten malträtierten. Selbstverständlich versuchte der Kleine sich mit aller Macht loszureißen, aber Benjamin besaß eindeutig die kräftigeren Arme. Doch gegen mich konnte selbst er nicht anstinken.
"Hey, auseinander!", befahl ich den Jungs. Da aber erfahrungsgemäß ein paar Worte nicht ausreichten, um den Konflikt zu lösen, löste ich höchstpersönlich Benjamins fiese Griffel von Lucas inzwischen von roten Striemen gezeichneten Gelenken. Der Junge fiel unsanft auf den Rücken, aber ich konnte mich nicht um sie alle kümmern. Zunächst einmal musste ich mir die verrückt gewordene Truppe vorknöpfen.
"Habt ihr sie denn noch alle?", fuhr ich sie an. Nun standen sie vor mir, etwas kleinlaut, ja gar eingeschüchtert, aber noch immer auf Krawall gebürstet, was ihre hasserfüllten Blicke verrieten, die niemand anderem als dem hilflos auf dem Boden liegenden Luca galten. "Drei gegen einen, was für Feiglinge seid ihr denn eigentlich?"
"Das hat nichts mit Feiglingen zu tun", setzte Arthur mit zusammengepressten Zähnen zur Verteidigung an und deutete mit dem Kinn auf Luca. "Der ist ne miese, kleine Schwuchtel..."
Seine Anschuldigung setzte ein prickelndes Gefühl der Überraschung in mir frei und ich blickte kurz hinab zu Luca, dessen hübsches Gesicht knallrot angelaufen war und zeigte, wie schrecklich er sich fühlen musste. Um ihm nicht das Gefühl zu vermitteln, ihn ebenfalls bloßstellen zu wollen, wandte ich mich rasch wieder den drei Jungs zu, die sich keiner Schuld bewusst waren.
"Und das ist ein Grund, jemanden so zu behandeln?" Ich schüttelte den Kopf und wollte noch etwas hinzufügen, als Benjamin ein schäbiges Grinsen aufsetzte.
"Er hat ein Nacktfoto von Ihnen auf seinem Handy", informierte er mich schadenfroh. "Haben Sie das schon gewusst?"
Ein was? So recht kam ich nicht mehr mit. Deshalb nahm ich an, dass die Jungs sich dies nur ausgedacht hatten, um ihn noch weiter zu schikanieren und dafür zu sorgen, dass ich ebenfalls nicht mehr auf seiner Seite stand. Denn ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie Luca an ein Nacktfoto von mir gekommen sein sollte...
"Das stimmt überhaupt nicht!", begehrte unverhofft Luca auf und schnappte sich im nächsten Moment sein in einiger Entfernung liegendes Handy, um es sich entschlossen in die Hosentasche zu stopfen. Sein Gesicht leuchtete jedoch noch immer wie eine Boje, und ich besaß die Ahnung, dass dieses nicht nur von der Wut her rührte.
"Natürlich stimmt es", beteuerten die Jungs einstimmig und schauten mich an. "Lassen Sie es sich doch beweisen."
Das hätte ich tun können, wenn ich dies denn beabsichtigt hätte. Doch Luca war bereits zur Genüge verletzt worden. Und außerdem war ich mir nach wie vor nicht im Klaren darüber, ob diese Rüpel nicht doch nur blufften, um Luca eins auszuwischen.
"Ihr habt euch in seine Angelegenheiten nicht einzumischen", stellte ich anstelle klar. "Ihr lasst in Zukunft eure Finger von Lucas Sachen, kapiert?"
"Aber Mr Portman!" Jerry stand die Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben. "Ihnen kann es doch nicht egal sein, dass er Ihr Foto zum Wichsen oder zu Wasweißich benutzt!"
"Genau!", pflichtete Arthur ihm bei. "Sprechen Sie mal ein Machtwort."
"Oder schmeißen Sie ihn am besten gleich raus. In unserem Zimmer pennt der eh nicht mehr. Wenn man ihn schon ansieht, bekommt man ja die Augenkrätze."
Ich wusste nicht, ob mir dies meine Professionalität absprach, aber es tat mir im Herzen weh, wie mies diese Kerle den unschuldigen, kleinen Luca behandelten. Durften Lehrer, auch angehende, solche Gefühle für ihre Schüler hegen? Nun, ich wusste durch Gespräche aus dem Lehrerzimmer, dass fast jeder einen Liebling besaß, und offenbar besaß auch ich einen solchen, auch wenn ich mir das nicht recht eingestehen wollte. Aber ich konnte mich immerhin damit verteidigen, dass Luca diese Sympathien verdiente aufgrund seiner liebenswerten Art. Und nicht zuletzt auch wegen seiner blauen Augen, die mir nun, wo im Raum stand, dass Luca an Männern interessiert zu sein schien und insbesondere ausgerechnet etwas für mich übrig hatte, noch ein klein wenig besser gefielen.
"Komm, Luca", bestimmte ich kurzerhand und streckte ihm die Hand entgegen, um ihn hochzuziehen. "Nimm mit, was du brauchst. Ich lasse dich auf keinen Fall mit diesen Halunken alleine heute Nacht."
Ich ahnte, dass ich mich auf einem schmalen Grat bewegte und war mir nicht ganz sicher, ob ich denn nicht gerade einen Fehler beging, als lautes Gejohle und gar Geklatsche laut wurde.
"Jetzt nimmt Mr Portman ihn mit in sein Liiiiebesnest!", flötete Arthur mir verstellter Stimme, die wohl klischeeschwul klingen sollte. "Die Muschi ist am Ziel ihrer Träume angelangt..."
"Etwas mehr Respekt bitte", forderte ich, da auch ich mit durch den Kakao gezogen wurde, was mir nebenbei bemerkt noch nie passiert war. Wahrscheinlich verhielt ich mich gerade tatsächlich nicht wie ein kompetenter Lehrer, aber das wurde mir relativ gleich, so wie ich Luca am Arm behutsam nach draußen führte. Hauptsache, der Kleine war vorerst in Sicherheit, und das würde er sein, wenn ich auf ihn Acht gab.
Ich nahm an, dass Luca genauso erleichtert war wie ich, als ich die Tür hinter ihm geschlossen hatte, doch dem war nicht so. Mit vorwurfsvollem Blick schaute er zu mir auf, nachdem er seinen Arm losgerissen hatte.
"Schönen Dank auch", beschwerte er sich. "Sie haben alles noch schlimmer gemacht."
"Aber Luca", gab ich überrascht von mir. "Ich hätte dich nicht mit diesen Kerlen allein lassen können. Wer weiß, zu was sie noch fähig gewesen wären."
Dies jedoch beeindruckte ihn wenig. Missmutig schaute er weg und verschränkte die Arme vor der Brust.
"Immer noch besser, als mir morgen diese dämlichen Geschichten anhören zu können, von wegen, Sie hätten mich-"
Er verstummte, bevor er Worte aussprach, die ihm wahrscheinlich abermals die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätten. In diesem Moment war es für mich ein Leichtes, ihm die Hand auf den Rücken zu legen und ihn vorwärts zu geleiten, in Richtung des Zimmers, in dem ich nächtigte.
"Lass sie doch reden", sagte ich noch, doch ich wusste, dass Luca anderer Meinung war.

Er sah nicht sonderlich begeistert aus, als er feststellen musste, dass mein Bett tatsächlich nur für eine Person ausgelegt worden war. Die Jugendherberge verfügte leider nicht über Doppelbetten, was mir persönlich auch nicht gefiel, beanspruchte ich doch gern viel Platz für mich, aber hier musste man nehmen, was man kriegen konnte.
"Und wo schlafe ich?", wollte Luca berechtigterweise wissen und runzelte die Stirn. "Auf dem Boden?"
Nun fühlte ich mich vollends wie ein kompletter Idiot. Wie hatte ich nur so unüberlegt handeln können? Ich konnte Luca unmöglich eröffnen, dass ich dazu bereit war, das schmale Bett mit ihm zu teilen. Er mochte mich zwar offenbar, aber nicht als Kumpel, sondern höchstwahrscheinlich als Lehrer. Das nahm ich zumindest an.
Da ich seine Frage nicht beantworten konnte, setzte ich mich auf die Bettkante und konfrontierte ihn prompt mit etwas ganz anderem, das ich wahrscheinlich nur aufgrund meiner ausweglosen Lage ans Tageslicht holte.
"Mal unter uns", setzte ich mit so vertrauenswürdiger, warmer Stimme wie möglich an. "Was hat es mit diesen Gerüchten auf sich, du hättest ein Nacktbild von mir auf dem Handy?"
Wahrscheinlich hatte er nicht damit gerechnet, dass ich das Gespräch ausgerechnet darauf lenken würde, denn er sah ertappt zu Boden und kaute auf seiner Unterlippe herum - während seine Wangen einen leichten Rotschimmer annahmen. Ich zweifelte kein bisschen daran, dass er das Süßeste war, was ich je gesehen hatte. Lieb, bildschön und ungemein verletzlich - das war Luca. Und wenn er sich ein wenig schämte, war er gleich noch einmal so anbetungswürdig. Ich verspürte das Bedürfnis, ihn in meine Arme zu ziehen, aber da ich dies nicht konnte, tat ich es mit Worten.
"Hey, das…das ist doch nicht schlimm." Ich war tatsächlich ein Idiot. "Ich frage mich nur, woher du-"
"Von Facebook", gestand er mir schließlich. Die Hände hatte er hinter dem Rücken verschränkt, und nun wippte er auf den Fersen ruhelos auf und ab. Noch immer schaffte er es nicht, mich anzusehen, so groß war seine Beschämung. "Ich hab nach Ihrem Profil gesucht, und...aber es ist kein richtiges Nacktbild. Nur oberkörperfrei..."
Er fischte sein Handy aus der Hosentasche. Das Licht, welches das Display ausstrahlte, als er es anschaltete, erhellte das Halbdunkel noch ein wenig mehr. Im nächsten Moment hielt er mir es entgegen. Offenbar fühlte er sich dazu verpflichtet, einen Gegenbeweis zu erbringen.
"Sehen Sie?", versuchte er mich zu überzeugen. "Das ist total harmlos."
Das stimmte selbstverständlich nicht, und das verriet ihm sicherlich auch mein etwas vorwurfsvoller Blick, der ihn dazu bewog, das Handy desillusioniert sinken zu lassen und schweigend wegzustecken.
"Luca." Ich bemühte mich, ihm so fest wie möglich ins Gesicht zu sehen, auch wenn er es nicht schaffte, meinen Blick zu erwidern. "Ich kann mir vorstellen, wie unangenehm dir das alles sein muss, aber-"
"Ich habe das Bild nur gespeichert, weil ich...weil ich..." Er suchte verzweifelt nach einer Erklärung. "Weil ich es als Motivation für meinen Kraftsport brauche. Ich möchte gerne so aussehen wie Sie."
Er wirkte ungemein zufrieden mit seiner hastig zusammengestückelten Ausrede, doch ich glaubte ihm kein Wort. Seine Körpersprache, die von Unsicherheit zeugte, verriet ihn genauso wie das Flackern in seinem Blick.
Ich hatte an diesem Abend bereits einige Fehler begangen, und nun beging ich einen weiteren. Da ich mir nicht mehr anders zu helfen wusste, um den aufgebrachten, sich seiner Gefühle schämenden Jungen zu beruhigen, nahm ich seine Hand und hielt sie ganz fest. Luca verwirrte diese Geste so sehr, dass er mich fragend, ja gar ein wenig verunsichert ansah.
"Ich mag dich auch sehr, Luca", gestand ich ihm und strich mit dem Daumen über seinen zarten Handrücken. "Und deswegen möchte ich dich vor den anderen beschützen. Aber nicht nur das..."
Seine Lippen öffneten und schlossen sich unschlüssig und sein Blick folgte mir gebannt, als ich mich erhob und mich vor ihm aufbaute. Er musste den Kopf heben und zu mir aufschauen, damit er den Blickkontakt aufrechterhalten konnte. Voll schimmernder Erwartungen in seinen hellen, unschuldigen Augen sah er mich an und war dabei so schön, dass ich schweren Herzens meine Hände auf seine Wangen legte. Das Gefühl seiner Haut unter meinen Fingern würde mich irgendwann umbringen, vermutete ich, war es doch so ungemein betörend und rief ein schweres Drängen in mir hervor. Etwas, dem ich niemals hatte nachgeben wollen. Und doch nachgehen musste, wenn ich mich doch bereits auf halben Wege befand, es zu tun.
"Ich wäre dir am liebsten ganz nahe", säuselte ich und hob sein Gesicht weiter an, damit ich meine Stirn gegen die seine lehnen konnte. "Ich würde dir jeden Wunsch erfüllen, wenn du mich so ansiehst."
Mit einem fragilen, aber doch hingerissenen Lächeln streichelte ich über seine Wange und versuchte, aus seinem Blick zu lesen. Noch immer schien er komplett überwältigt, doch ob im positiven oder doch im negativen vermochte ich nicht festzustellen.
"Ähm...ich..."
"Nenn mich Jake", kam ich ihm entgegen. Ein weiterer Fehler. Zu viel Nähe. Zu viel Vertraulichkeit. Aber es gab kein Zurück mehr. "Ich möchte dich auf keinen Fall überfordern, aber wenn du willst, dass ich..."
"Ja", hauchte Luca zu meiner Überraschung; seine Stimme klang rau und belegt und in seinen kugelrunden Augen schwelte mit einem Mal ein Verlangen, von dem ich wusste, dass ich es mit meinen Worten wachgekitzelt hatte. "Ich..."
Fast verzweifelt krallte er seine Hände an meine Unterarme, aber noch im selben Moment beugte ich mich zu ihm hinab und küsste seine engelsgleichen Lippen mit einer Gier, die keine Gleichen mehr kannte. Luca verleitete mich zu Dingen, die jeder Professionalität entbehrten, leiteten mich, wenn es um ihn ging, doch nur noch meine Gefühle für ihn, die zwischen zarter Zuneigung und wilder Lust pendelten. Wie ich beteuert hatte wollte ich ihn auf keinen Fall überfordern, aber es fiel mir schwer, mir nicht prompt zu nehmen, was ich begehrte, machte mich seine süße Zunge doch rasend, so wie ich spürte, wie sie gegen meine stupste, etwas unbeholfen, da es für den Jungen sicherlich Neuland darstellte, mit jemandem intim zu werden. Ich konnte mir jedenfalls nicht vorstellen, dass ihn bereits jemand angerührt hatte, ließ er doch ohnehin kaum jemanden an sich heran und tat sich schwer damit, Beziehungen zu knüpfen. Was jedoch nicht hieß, dass er nicht auch dieselben Erfahrungen sammeln wollte wie andere Jungs seines Alters. Denn dass er es wollte, zeigte er mir nur deutlich, als ich ihn hochhob und mit ihm in das Bett sank, ihn noch immer in träger Leidenschaft küssend. Seine spitzen Fingernägel ließen keine Gelegenheit aus, sich in meine Haut zu graben, so wie ich mich meines Shirts entledigt hatte, aber dies stellte wohl allein meine Schuld dar, ließ ich doch wahrscheinlich ein wonnevolles Chaos in seinem Körper toben, dem kaum mehr Einhalt geboten werden konnte. Sein schlanker Leib schmiegte sich gegen den meinen in seiner erwachenden Lust, und ich konnte mich kaum sattsehen an seiner geschmeidigen Statur. Es gab keinen Zentimeter, den ich an Luca nicht begehrte; er glich einem liebreizenden Engel und gleichzeitig auch einem kleinen, sündigen Teufel, denn er bekam kaum mehr genug von meinen großen Händen, die ihn mit einer Leichtigkeit packen und ausrichten konnten, wie es mir beliebte, denn der Kleine war nichts weiter als ein Fliegengewicht. Und doch nutzte ich meine Macht über ihn zu keiner Zeit schamlos aus. Er durfte bestimmen, wie weit er gehen wollte, durfte mir zeigen, was er mochte. Auch dann noch, als ich seinen nackten Körper von hinten umschlang und mich in ihm bewegte.
"Luca...", flüsterte ich in rau sein Ohr, während meine Hüften den Rhythmus unserer Lust hielten und ich sein Herz unter meiner Hand förmlich rasen spürte. "Oh, Luca. Du machst mich wahnsinnig..."
Das tat er tatsächlich. Er war heiß und eng und ich wünschte mir, tiefer in ihn vordringen zu können, aber die geruhsame Stellung erlaubte es mir nicht, ihn bis zum Anschlag auszufüllen. So konnte ich ihn nur die Hälfte meines pochenden Schaftes spüren lassen, doch das sollte für den Anfang genug sein. Der Kleine machte mich zudem scharf genug mit seinem heiseren Stöhnen und seiner weichen Haut, an der ich mich kaum genug weiden konnte. Unaufhörlich strichen meine Finger über seine Brust, seinen Bauch und blieben irgendwann zwischen seinen Beinen, um ihm noch ein wenig mehr Freude zu spenden. Und tatsächlich kam er schon, so wie ich meine Faust nur um seinen erigierten Schaft schloss. Sein erregtes Zittern ging auch mir durch Mark und Bein und sorgte dafür, dass ich gierig über seinen Hals und seinen Trapezmuskel leckte, während seine Enge mich in umso festerem Griff hielt. Er windete sich und keuchte, und als ihm ein leises und doch so ungemein verzücktes 'Jake' über die Lippen rollte, geschah es auch um mich und um den allerletzten Rest meiner Professionalität, die die Oberhand über mein Verlangen nicht hätte auf ewig behalten können.
Ganz egal, wie sehr ich es auch zu verdrängen versucht hätte - diesen blauen Augen wäre ich früher oder später sowieso unterlegen. Denn sie hatten mich verflucht. Und zugleich hatten sie mir verraten, dass es mir nicht möglich war, trotz solch zauberhafter Engel wie Luca einer war meine Lehrerkompetenzen zu bewahren.
Serpa

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