Green Eyed Fiend (Freie Arbeit)

Green Eyed Fiend (Freie Arbeit)

Beitragvon Serpa » 27. Jan 2017, 09:18

Green Eyed Fiend


Kinks: Im Regen
Fandom: Freie Arbeit
Rating: P16 Slash

Phil wusste, dass der andere nicht schießen würde.
Er hatte nicht gezählt, wie oft er bereits in die Mündung des Laufes jener Pistole gesehen hatte, die dem Mitglied der feindlichen Gang gehörte, aber inzwischen kam es ihm wie ein vertrauter Anblick vor. Und längst nicht so intensiv wie dieser Blick aus grünlich funkelnden Augen.
Phil wusste, dass der Kerl, dessen Namen er genauso wenig kannte wie dessen untere Gesichtshälfte, verdeckte er sie doch wie die Mitglieder ihrer Gang mit einem Tuch, zumindest ihm nichts tun würde. Und das, obwohl er bereits für seinen Blick einen Waffenschein benötigt hätte. Denn vor allen Dingen dieser war es, der Phil das Kribbeln der Furcht durch die Eingeweide schickte. Aber da war auch noch etwas anderes, das inzwischen untrennbar mit dieser Furcht verbunden war, wie ein grausamer Bruder mit seiner lüsternen Schwester. Der namenlose Mann hatte ihn dieses Gefühl gelehrt, und nichts außer dessen eindringlicher, bedrohlicher Blick hatte als sein Lehrer fungiert.
Gewissermaßen wünschte Phil sich sogar, dass der Kerl endlich abdrücken würde, denn mit ihm wären die Empfindungen, die er für einen Feind nicht hegen durfte, ein für alle Mal gestorben. Aber obgleich in diesen Augen eine gewisse Gnadenlosigkeit schimmerte, hätte der Mann es nie fertiggebracht, auf ihn zu schießen. Denn sein Blick spiegelte jenes Verlangen wider, das Phil zusetzte, und auch, wenn der Hass auf sich selbst und seinen Verursacher schwer wog, so konnte nichts und niemand die lüsterne Schwester besiegen, genauso wenig, wie der grausame Bruder auslöschbar war.


Regen stellte in der Wüste von Arizona eine wahre Seltenheit dar, mit welcher Phil an diesem Tag jedoch konfrontiert werden sollte. Ganz zu seinem Leidwesen, verwandelte dieser doch den Asphalt der Landstraße in eine gefährliche Rutschbahn, auf der man sich selbst als Mitglied der Ravens, einer der berüchtigsten Motorradgangs der Gegend, nicht sicher auf seinen zwei Rädern fühlte. Zudem peitschten ihm die kalten Tropfen wie spitze Nadeln ins Gesicht, schließlich war er viel zu cool, um einen Sturzhelm zu tragen. Gefährliche Jungs mussten stets und ständig zur Schau stellen, wie unbesiegbar sie waren, wie zäh und wie unerschrocken. Deshalb biss Phil die Zähne zusammen und schimpfte sich insgeheim selbst eine Memme dafür, dass er ausgerechnet den Regen fürchtete, wo es doch Dinge auf dieser Welt gab, die dieses Gefühl tatsächlich würdig waren. Außerdem würde er wahrscheinlich nur noch eine halbe Stunde brauchen, um die nächste Stadt zu erreichen, und dies machte ihm Mut. Mut, den er dringend brauchte, verließ dieser ihn doch manchmal einfach in den prekärsten Situationen und ließ ihn sich seines Postens als Vizeboss seiner Gang nicht würdig fühlen. Phil war im Grunde seines Herzens ein beschissener Hasenfuß, allerdings nur dann, wenn seiner Meinung nach tatsächlich Gefahr im Verzug war. Also konnte man auch sagen, dass er nicht zu Leichtsinn neigte. Und dies war doch eine gute und nützliche Eigenschaft, nicht?
Die Schwüle hatte trotz des einsetzenden Wolkenbruchs nicht nachgelassen, aber etwas anderes hätte er in dieser kargen Umgebung auch nicht erwartet. In der Wüste herrschte stets ein unbarmherziger Sommer, der nur zu gern alles Leben vernichtete mit seiner grausamen Schwüle, weshalb diese Gegend hier sehr einsam war. Der Highway mochte lang und breit sein, aber Phil fragte sich, ob er denn der Einzige war, der heute mit brummendem Motor über ihn bretterte. Er konnte sie regelrecht spüren, die öde Einsamkeit, und diese wiederum löste ein Gefühl der Entspannung in ihm aus. Ohne seine Gang unterwegs zu sein war schlichtweg unbezahlbar. Die Jungs nervten die meiste Zeit über nur mit ihrem prolligen Gehabe, dem zwar auch Phil nicht ganz abgeneigt war, aber im Gegensatz zu ihnen behielt er so manch lächerlichen Gedanken einfach für sich, als ihn unnütz in die Welt zu posaunen. Deshalb war er auch als Ruhepol der Gang verrufen, man nannte ihn Silent Raven. Und das gefiel ihm. Ein stiller Rabe in der einsamen Wüste. Damit konnte er leben.

Etwas tauchte am Straßenrand aus, das bemerkte er schon von weitem. Trotzdem er die Augen zusammenkniff, um sie vor dem Regen zu schützen, entging ihm der schwarze Punkt inmitten der sandigen Landschaft nicht, der so, wie er sich ihm näherte, allmählich präzise Formen annahm. Aus dem Punkt wurde ein Motorrad, ein wahrlich fettes, imposantes Bike ganz in schwarz. Erst, als Phil nur noch wenige Meter entfernt von ihm war, sah er auch die Person, die neben der Maschine stand. In ihrer schwarzen Lederkluft wirkte sie wie eins mit dem Bike und genauso gut hätte sie ein Mitglied der Ravens sein können - hätte sie nicht das Abbild der weißen Geisterkrähe auf dem Rücken ihrer Lederjacke getragen, die sie sofort als Feind entlarvte.
Phil war versucht, ungeachtet der Tatsache, dass der Kerl offenbar Hilfe brauchte, an ihm vorbei zu rauschen, denn er hatte wahrlich keine Lust auf Konfrontation und einem vielleicht damit einhergehenden Gefecht. Er spielte nur Krieg, wenn er keine andere Möglichkeit sah, zum Beispiel wenn er spürte, dass sein Leben auf dem Spiel stand. Provokation war nicht seine Stärke, und im Grunde seines Herzens liebte er den Frieden. Und deshalb wollte er sich nicht auf eine Begegnung mit dem Feind einlassen.
Aber im Vorbeifahren sah er dann klarer. Freilich, bei dem Kerl handelte es sich unverkennbar um den Feind, aber es war dessen Undercut, der Phil reflexartig auf die Bremse steigen ließ. Er kannte die Mitglieder der Crows sicherlich nicht wie seine Westentasche, hatte er sich doch nie sonderlich mit den Individuen dieser Clique beschäftigt, aber jene ausgefallene Frisur trug ganz gewiss nur einer, genau, wie auch nur einer diesen Blick besaß, mit dem er angeschlagene Männer zu töten vermocht hätte.
Phil wurde klar, um wen es sich bei dem Kerl mit dem Bike handelte. Er wusste selbst nicht, wieso er nun doch solch einen Leichtsinn an den Tag legte, als er seine Maschine am Straßenrand parkte und auf den verzweifelt wirkenden Mann zuschlenderte. Mit Verstand hatten seine Aktionen nichts mehr zu tun, wenn sie sich auf jenen Kerl bezogen, in dessen Pistolenlauf er so oft geschaut hatte wie in dessen grüne Augen. Es hatte aber auch nichts mit einem Instinkt zu tun, denn er hörte noch nicht einmal mehr auf seine Furcht, die ihm flüsterte, dass er sich womöglich dem Teufel oder gar dem Tod auslieferte. Dass ihn die lüsterne Schwester an die Hand genommen hatte und ihn in sein Verderben führte, verdrängte sein Gewissen, während er der Verlockung folgte und alles Rationale in ihm zum Stillstand kam.

Auch der andere schien bereits nass bis auf die Haut zu sein. Zumindest sein schwarzes Haar triefte förmlich und verlieh ihm etwas von einem begossenen Pudel, das ihm einiges von seiner Unnahbarkeit nahm, aber nichts von Phils leisem Misstrauen. Er sah zum ersten Mal das Gesicht des Mannes, hatte dieser doch sein schwarzes Tuch abgelegt, aber damit nichts von seiner faszinierenden Aura, ganz im Gegenteil. Phil musste sich zwingen, ihn nicht zu provokativ anzustarren in seiner stillen Bewunderung, denn damit hätte er wahrscheinlich genau den Feuersturm angezettelt, den er vermeiden wollte. Doch er war trotz seiner Zurückhaltung nicht sicher, ob der andere heute nicht zum ersten Mal auf ihn schießen würde. Er wusste, dass er sich auf Glatteis bewegte, aber sein Leben war ihm auf einmal gar nicht so wichtig.
Der andere hatte ihn entdeckt und sah ihn etwas verdutzt an, was Phil zum prompten Innehalten bewegte, doch die Miene des Kerls kühlte bereits in der nächsten Sekunde ab. Gleichgültigkeit mischte sich mit einer grimmigen Entschlossenheit, als er mit dem schweren Stiefel kräftig gegen die Maschine trat.
"Scheißteil!", fluchte er und hob abermals den Fuß, um ihr noch einen Tritt gegen die Flanke zu verpassen. "Verfluchtes Miststück!"
"Hey, ist ja gut." Phil hob in einem Reflex die Hände und trat auf den anderen Mann zu wie um einen aufgebrachten Gaul zu beruhigen. Doch es half nichts.
"Nichts ist gut!", blaffte der andere ihn an. Selbst oder insbesondere die Wut stand seinen strengen, markanten und doch irgendwie filigranen Gesichtszügen ausgezeichnet. Ein Flimmern wurde in Phils Eingeweiden laut, und dieses Flimmern hatte nur ganz wenig von der Angst, die es sonst begleitete. "Das Teil hat den Geist einfach aufgegeben! Mitten in der Pampa, verdammt!"
Der Regen troff genauso trotzig in das Gesicht des Kerls, wie dieses nun aussah. Phil presste die Lippen aufeinander und schmeckte die Tropfen, ehe er seinen Spießrutenlauf fortsetzte.
"Ich kann dich mitnehmen", schlug er so lässig wie möglich vor. "Wohin musst du denn?"
"Geht dich nen Scheiß an", knurrte der Kerl und wandte sich von ihm ab, um sein Motorrad resigniert zu begutachten. Dann jedoch hob er wieder den Blick und durchstach mit seinen Augen Phils tiefstes Unterbewusstsein. "Ich lasse mich doch nicht vom Feind in die Falle locken." Er lachte gefährlich auf. "So dumm bin ich bestimmt nicht, Kleiner."
Phil spannte sich unwillkürlich an, als die Hand des anderen hin zu seiner am Gürtel befestigten Waffe zuckte. Aber er zog sie nicht etwa, sondern schien es sich überlegt zu haben. Wie immer würde er nicht schießen. Nicht auf ihn. Nicht mit einer Knarre.
Und das wiederum sorgte dafür, dass Phil der Geduldsfaden ein für alle Mal riss. Er hasste Leute, die nur blufften und dann einen Rückzieher machten.
"Na los, knall mich doch endlich ab!", schrie er den anderen an, während seine Hand ebenfalls nach seiner Waffe tastete und ihm Sicherheit versprach, als er sie spüren konnte. "Du willst das doch schon seit Ewigkeiten tun, aber nie traust du dich!" Er schmunzelte ein gehässiges Grinsen und baute sich direkt vor dem Mann auf, der genauso groß war wie er und über eine ähnliche Statur verfügte. "Ihr Krähen habt keine Eier, mh?" Er spuckte abfällig auf den sandigen Boden. "Feigling."
Plötzlich war da diese Hand, die halb sein Kinn, halb seinen Hals umfasste und ihm die Luft zum Atmen nahm. Ihm blieb nichts anderes übrig, als in das Gesicht seines Feindes zu schauen, über dessen Wangen Regentropfen wie Tränen rannen. Doch in seinen Augen loderte ein Feuer, an welchem er sich sofort verbrannte.
"Ich sollte dich wirklich umbringen", stellte der Kerl mit ruhiger, tiefer Stimme fest, während er Phil beharrlich musterte. "Schon, um dir zu beweisen, dass ich keinerlei Skrupel habe, einen Menschen zu töten. Aber ich kann es nicht, denn ich habe kein Bedürfnis danach, dich reglos auf der Erde liegen zu sehen." Sein Körper presste sich gegen Phils und drängte diesen zurück, bis er mit dem Po an das Motorrad stieß. Sein Herz klopfte einen verzweifelten Rhythmus, genährt durch empfindliche Angst und unstillbare Lust, auf das, was dieser Mann ihm hätte geben können, der nun verwegen einen Mundwinkel nach oben zog. "Wenn du tot bist, könntest du nicht mehr für mich schreien. Wenn du tot bist, wäre dein Körper kalt, wenn ich in ihn eindringe. Wenn du aufhörst zu atmen, wird dein hübsches Gesichtchen zu einer wächsernen Maske. Das ist nicht das, was ich will."
Er riss ihm die Lederjacke auf und fuhr mit der Hand sofort die freiwerdende, tätowierte Haut nach. Phil stand kurz davor, sich einfach fallen zu lassen in diesen unwirklichen Wahnsinn, von dem er glaubte, ihn nur zu träumen, aber er spürte das Bedürfnis, sich aktiv an dem Geschehen zu beteiligen, weshalb er im Gegenzug den Reißverschluss der Lederjacke des anderen aufzog. Auch er trug nichts außer seiner nackten, mit großflächigen Tätowierungen versehenen Brust unter dem derben Material, und Phil strich mit seinen Fingern über die glatte Haut, auch dann noch, als der Mann sein Knie zwischen seine Beine schob und sich wie von einem unsäglichen Hunger getrieben gegen ihn drückte.
"Wehe, du küsst mich, du widerliche Sau", raunte der Kerl betört, während ein Regentropfen von seiner Nasenspitze direkt auf Phils Haut fiel und über sie rann, was ihm jedoch längst nicht solch eine Gänsehaut bescherte wie der heiße Kerl, den er wohl so schnell nicht mehr losbekommen würde. Als ob er das denn gewollt hätte! Entgegen seiner Worte stürzte sein eigentlicher Feind sich förmlich auf ihn und küsste ihn rabiat und mit vollem Zungeneinsatz.
Phil vermochte sich nicht mehr zu retten. Die Hände des Kerl, von dem er nicht mal den Namen kannte, schienen überall an seinem Körper zu sein, nachdem sie ihm die Lederjacke vollständig von den Schultern geschoben hatten. Es gab keine Stelle, die noch vor seiner Gier sicher war, nicht mal Phils langes Haar war es, in das seine Finger sich begehend krallten, egal, wie pitschnass es mittlerweile war. Diesen Mann würde nichts mehr zum Aufhören bewegen können, und so wagte Phil es, ihn ebenfalls seiner Jacke zu berauben, damit er die Haut darunter erkunden und an seiner spüren konnte. Er legte Tätowierung über Tätowierung frei, aber Zeit, diese zu mustern, blieb ihm keine. Der andere bestürmte ihn regelrecht mit seinen Küssen, die seinen Hals zum Ziel hatten und die dafür sorgten, dass Phil sich nach hinten bog und halb auf der Maschine zum Liegen kam.
Immer tiefer fielen die beiden Männer in den heiß glühenden Wahnsinn, verfingen sich in dem Gemisch aus purer Lust und ihrem angeschlagenem Gewissen, das ihnen flüsterte, wie verboten das war, was sie miteinander trieben. Doch Phil begehrte seinen Feind genauso, wie dieser ihn begehrte, und es dauerte nicht lange, bis grüne Augen auf grüne Augen trafen und die Männer sich in einem treibenden Rhythmus heißblütig einander hingaben. Nasse Haut schmiegte sich aneinander, und der Wolkenbruch tobte genauso erbarmungslos über ihnen wie dieser Teufelskerl es in Phil tat.
Als er schließlich nicht mehr atmen konnte und er dem Druck keinen Einhalt mehr gebieten konnte, ging ein Donnern auf sie nieder, der seinen heiseren Aufschrei mit sich riss. Das Nächste, was er wirklich wahrnahm, war der warme, schnaufende Atem des anderen an seinem feuchten Hals.
"Wenn du irgendjemandem verrätst, wie scharf ich auf dich bin, hast du endgültig ne Kugel im Herzen", japste sein Liebhaber, und als Phil seinen Blick suchte, fand er ihn auch. Noch immer weckte dieser in ihm dieses leise, erregende Schaudern, das wohl nie erlöschen würde, und in dem Grün seiner Iriden schwelte nach wie vor dieses Feuer, über dessen Existenz er für immer schweigen würde, wenn ihm sein Leben lieb war.
Serpa

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